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Bundesverwaltungsgericht 28.07.2011 E-4087/2011

28. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,314 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (DublinVerfahren) ; Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4087/2011 Urteil   v om   2 8 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;   Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 8. Juli 2011 /  N (…).

E­4087/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  aus  B._______, eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat im Jahre 2009  verliess  und  nach  Aufenthalten  in  verschiedenen  Ländern  (zuletzt  in  Griechenland, Ungarn und Schweden) am 23. Februar 2011 mit dem Zug  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nachsuchte, dass  ein  Fingerabdruckvergleich  mit  der  Eurodac­Datenbank  vom  24. Februar  2011  ergab,  dass  er  am  17.  August  2010   von  den  ungarischen Behörden erkennungsdienstlich erfasst worden war und am  20. August 2010 in Schweden ein Asylgesuch gestellt hatte,  dass  das  BFM  aufgrund  der  äusseren  Erscheinung  eine  Knochenaltersanalyse  vornehmen  liess,  wozu  der  Beschwerdeführer  seine Einwilligung gab, dass gemäss Befund des untersuchenden Arztes vom 3. März 2011 nach  der Methode von Greulich und Pyle die Untersuchung des Handskeletts  des Beschwerdeführers ein Alter von "19 Jahren oder höher" ergab,  dass  dem  Beschwerdeführer  am  14.  März  2011  im  Rahmen  der  summarischen Befragung im EVZ das rechtliche Gehör zum Ergebnis der  Knochenaltersanalyse gewährt wurde, wobei er darauf bestand, 17 Jahre  alt zu sein, wie dies aus seiner in Kopie eingereichten Taskara ersichtlich  sei, dass er das Original nachzureichen versprach,  dass  er  weiter  anlässlich  der  Befragung  vom  14. März  2011  zu  seinen  Asylgründen geltend machte, er habe in seiner Heimat als (…)gearbeitet  und sei von einer (…) kriminellen Gruppe bedroht worden, weshalb sein  Leben dort in Gefahr gewesen sei,  dass  ihm  im Anschluss an die genannte Befragung  im Hinblick auf eine  allfällige  Zuständigkeit Griechenlands, Ungarns  oder Schwedens  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  das  rechtliche  Gehör gewährt wurde,   dass  er  hierzu  geltend  machte,  in  Schweden  sei  sein  Asylgesuch  abgelehnt worden, weshalb er in die Schweiz gekommen sei, 

E­4087/2011 dass  er  nicht  nach  Ungarn  wolle,  weil  er  dort  von  den  Aufsehern  mehrmals missbraucht worden sei, dass  für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  auf  die  Akten  verwiesen  werden kann, dass der Beschwerdeführer mit Verfügung des BFM vom 30. März 2011  dem Kanton D._______ zugewiesen wurde, dass  die  schwedischen Behörden  ein Ersuchen  des BFM  vom 14.  Juni  2011  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  am  21.  Juni  2011  ablehnten,  dass  sie  zur  Begründung  ausführten,  gestützt  auf  Art.  9  Abs.  1  der  Verordnung  EG  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Feststellung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags  zuständig  ist,  den  ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mitgliedstaat gestellt hat  (Dublin­II­VO), habe Ungarn am 4. November 2011 einem Ersuchen von  Schweden  zur  Wiederaufnahme  zugestimmt,  weshalb  Ungarn  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei, dass  die  ungarischen  Behörden  am  27.  Juni  2011  dem  vom  BFM  am  22.  Juni  2011  gestellten  Gesuch  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  ausdrücklich zustimmten,  dass das BFM mit Verfügung vom 8. Juli 2011 – eröffnet am 13. Juli 2011  – gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  ihn  nach  Ungarn  wegwies,  ihn  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  E._______  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisung  beauftragte,  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  es  zur  Begründung  anführte,  aufgrund  eines  Abgleichs  der  Fingerabdrücke  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac  stehe  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Ungarn  illegal  in  das  Hoheitsgebiet  der  Dublin­ Staaten eingereist sei und in Schweden ein Asylgesuch gestellt habe, 

E­4087/2011 dass  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­Assoziierungsabkommens  vom  26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (SR  0.142.392.68,  DAA)  sich  die  Schweiz  verpflichte,  die  Dublin­II­VO  anzuwenden,  dass  die  Dublin­II­VO  Kriterien  enthalte,  denjenigen  Dublin­Staat  zu  bestimmen,  der  zuständig  sei,  das  Asyl­  und  Wegeweisungsverfahren  durchzuführen, dass der Beschwerdeführer eine Kopie seiner  Identitätskarte eingereicht  habe, wonach er am (…) geboren und somit noch nicht volljährig sei, dass er nachträglich die Originalidentitätskarte ins Recht gelegt habe,  dass  beide  handschriftlich  ausgefertigten  Dokumente  zwar  dieselben  Personendaten,  dieselbe  Dokumentennummer,  dasselbe  Ausstellungsdatum  und  dieselbe  ausstellende  Behörde  auswiesen,  in  Schrift und Stempelposition aber voneinander abweichen würden, dass  afghanische  Ausweise  grundsätzlich  käuflich  erwerbbar  seien  und  leicht  gefälscht  werden  könnten  und  es  im  vorliegenden  Fall  nicht  nachvollziehbar sei, dass eine Behörde zwei Mal ein Dokument gleichen  Inhalts und mit gleichem Ausstellungsdatum ausfertigen würde, dass der Beschwerdeführer gemäss einer Handknochenanalyse ein Alter  von mindestens 19 Jahren aufweise,  dass  er  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  dazu  ausgeführt  habe,  gemäss  seiner  Identitätskarte  17  Jahre  alt  zu  sein  und  eine  schwierige  Jugend gehabt zu haben,  dass  diese  Ausführungen  nicht  in  substanziierter  Art  und  Weise  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  glaubhaft  dazulegen  vermöchten,  weshalb  er  nicht  als  unbegleiteter  Minderjähriger  gemäss  Art.  2  Bst.  h  Dublin­II­VO betrachtet werde, dass  die  ungarischen  Behörden  am  27.  Juni  2011  gestützt  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  einer  Übernahme  des  Beschwerdeführers  zugestimmt hätten, 

E­4087/2011 dass dem Beschwerdeführer zur Zuständigkeit Ungarns zur Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  das  rechtliche  Gehör  gewährt  worden sei,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung – bis spätestens am 27. Dezember 2011 zu erfolgen habe, dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei, dass  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  die Regelfolge  des Nichteintre­ tens auf ein Asylgesuch sei (Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz vor Rückschiebung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG  finde, und  das Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimatstaates nicht zu prüfen  sei, dass ferner keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Ungarn  bestehen  würden,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug dorthin zulässig sei, dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  angegeben habe, nicht nach Ungarn gehen zu wollen, weil er dort nicht  unterstützt  werde  und  im  Gefängnis  von  den  Aufsehern  mehrere  Male  missbraucht worden sei,  dass  jedoch Ungarn ein Rechtsstaat sei und der Beschwerdeführer sich  bei Unrechtmässigkeiten an die Justizbehörde wenden und eine Anzeige  erstatten könne,  dass  die  ungarischen  Behörden  willens  und  fähig  seien,  Personen  vor  Übergriffen Dritter zu schützen, womit der Wegweisungsvollzug zumutbar  sei,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei,  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Juli 2011 (Eingabe und  Poststempel)  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen Verfügung vom 8. Juli 2011 beantragte, 

E­4087/2011 dass das Amt anzuweisen sei,  sein Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben  beziehungsweise  sich  für  vorliegendes  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erachten, dass er in prozessualer Hinsicht im Sinne vorsorglicher Massnahmen die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung,  die  Anweisung  an  die  Vollzugsbehörde, bis zum Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts von  einer  Überstellung  nach  Ungarn  abzusehen,  sowie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses beantragte,  dass  er  zur  Begründung  ausführte,  er  sei  minderjährig  und  die  Knochenanalyse  sei  lediglich  eine  Schätzung,  weshalb  seine  Taskara  entscheidend sei, dass  der  Arzt  in  seinem  Bericht  selbst  geschrieben  habe,  dass  ein  gesunder  17­jähriger  Knabe  durchaus  ein  Knochenalter  von  19  Jahren  aufweisen könne,  dass  er  von  den Gefängnisinsassen mehrere Male  vergewaltigt worden  sei  und  die  ungarischen Behörden  ihm nicht  geholfen  hätten,  da  keiner  seine Sprache gesprochen habe, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefaxschreiben  vom  26.  Juli  2011 das Migrationsamt des Kantons E._______ anwies, einstweilen von  Vollzugshandlungen abzusehen, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  26.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

E­4087/2011 dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG, AsylG,  Art. 6 AsylG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz  teilgenom­ men  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Ände­    rung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensent­ scheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen  materiellen  Prüfung enthält,  die angefochtene Verfügung aufhebt  und die Sache zu  neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (Entscheidungen und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

E­4087/2011 dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  geprüft  hat,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  behaupteten  Minderjährigkeit auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen  Verfügung verwiesen werden kann, dass  der  Beschwerdeführer  zunächst  eine  Kopie  seiner  Identitätskarte  und später dann das Original einreichte, dass  jedoch  klar  erkennbar  ist,  dass  die  Kopie  mit  dem  angeblichen  Original nicht übereinstimmt, weil die Stempelpositionen und die Schriften  nicht  deckungsgleich  sind,  weshalb  weder  die  Kopie  noch  das  Original  geeignet sind, die behauptete Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zu  belegen, dass  er  zudem  sein  Geburtsdatum  bei  verschiedenen  Gelegenheiten  unterschiedlich angab ((…)und in Schweden den (…); vgl. A 27/2), womit  ohne  weiteres  von  seiner  Volljährigkeit  auszugehen  ist,  worauf  im  Übrigen  auch  das  für  sich  allein  beschränkt  aussagekräftige  ärztliche  Testat betreffend Knochenalter hindeutet,  dass er somit nicht zur verletzlichen Personengruppe der Minderjährigen  gehört und die Bestimmungen über minderjährige Asylsuchende nicht zur  Anwendung gelangen, dass  sich  aufgrund  der  Akten  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  am  17. August 2010  in  Ungarn  daktyloskopisch  erfasst  worden  ist  und  am  23. August 2010 in Schweden um Asyl nachgesucht hat,  dass  Schweden  am  11.  Oktober  2010  die  ungarischen  Behörden  um  Wiederaufnahme (request  for  take­over) ersuchte und diese gestützt auf  Art.  9  Abs.  1  Dublin­II­VO  am  4.  November  2010  einer  solchen 

E­4087/2011 zustimmten,  worauf  der  Beschwerdeführer  am  22.  Februar  2011  nach  Ungarn  transferiert  wurde,  wo  er  am  25.  Februar  2011  um  Asyl  nachsuchte,  dass das BFM die ungarischen Behörden am 22. Juni 2011 gestützt auf  Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO um Wiederaufnahme ("take back") des  Beschwerdeführers  ersuchte  und  Ungarn  am  27.  Juni  2011  im  Sinne  eines "take charge" akzeptierte, dass die in der Schweiz geltend gemachten Asylgründe daher in Ungarn,  welches  aufgrund  der  einschlägigen  Staatsverträge   (Dublin­ Assoziierungsabkommen sowie Dublin­II­VO und DVO­Dublin) als für die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig  zu  erachten  ist,  zu  prüfen  sein werden, dass der Beschwerdeführer nach Ungarn ausreisen kann, welches für die  Prüfung  seines  Asylantrags,  allenfalls  seiner  Beschwerde,  staatsvertraglich zuständig ist, dass  die  Ausführungen  in  der  Eingabe  nicht  geeignet  sind,  die  Zuständigkeit Ungarns in Frage zu stellen,  dass Ungarn unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Ju­ li 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass keine konkreten Hinweise dafür bestehen, Ungarn würde sich nicht  an die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK,  halten, dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im  Rahmen eines Asylverfahrens in Ungarn aufhalten, würden aufgrund der  dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage versetzt,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  seine  angeblichen  Vergewaltigungen widersprüchlich schilderte, indem er bei der Befragung  im EVZ  angab,  von  den  Aufsehern missbraucht  worden  zu  sein  (Akten  BFM: A/14, S. 8), in seiner Beschwerde jedoch die Gefängnisinsassen als  Vergewaltiger  bezeichnete,  weshalb  die  geschilderten  Übergriffe  nicht  geglaubt werden können,

E­4087/2011 dass  somit  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  das  BFM  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen, dass  in  der  Beschwerde  nichts  weiter  vorgebracht  wird,  das  zu  einer  anderen  Einschätzung  führen  würde,  weshalb  es  sich  erübrigt,  darauf  näher einzugehen, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren  nach  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs bereits Voraussetzung  (und nicht  erst Regelfolge)  des Nichteintretensentscheides  und  deshalb  vorliegend  nicht zu prüfen ist, dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  vielmehr  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  stattfinden  muss  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­645/2010 vom 1. März 2010 E. 8.2),  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung nach Ungarn zu bestätigen ist,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mit  dem vorliegenden Direktentscheid  ohne  vorgängige  Instruktion  die  Anträge,  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten,  es  sei  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen, gegenstandslos werden,

E­4087/2011 dass  sich  die  gestellten  Rechtsbegehren  aufgrund  vorstehender  Erwägungen als aussichtslos erweisen, weshalb unbesehen der allenfalls  bestehenden Bedürftigkeit der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  abzuweisen  und  bei  diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4087/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65. Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand:

E-4087/2011 — Bundesverwaltungsgericht 28.07.2011 E-4087/2011 — Swissrulings