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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 E-3975/2011

21. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,251 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Identitätstäuschung) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3975/2011 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi; Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, angeblich geboren am (…), Guinea, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 6. Juli 2011 / N (…).

E­3975/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  guineischer  Staatsangehöriger  aus  B._______ – sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 31. Mai 2011  verliess und mit einem gefälschten Pass per Flugzeug über Casablanca  nach  Frankreich  gelangte  und  von  dort  mit  dem  Zug  am  2.  Juni  2011  unter  Umgehung  der  Grenzkontrollen  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  gleichentags um Asyl nachsuchte, dass er auf dem Personalienblatt im Transitzentrum (TZ) C._______ vom  2. Juni 2011 angab, am (…) geboren zu sein (vgl. Akten BFM A1/2), dass aufgrund seiner angegebenen Minderjährigkeit am 9. Juni 2011 eine  Knochenaltersbestimmung  nach  der  Methode  "Greulich­Pyle"  durchgeführt  wurde,  die  ein  wahrscheinliches  chronologisches  Knochenalter des Beschwerdeführers von 19 Jahren und mehr ergab, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  TZ  C._______  vom  16.  Juni  2011  sowie  anlässlich  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  vom  23. Juni 2011 im Hinblick auf die Ausfällung eines Entscheids gestützt auf  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  Vorhalt  der  unglaubhaften  Minderjährigkeit  an  der  geltend  gemachten Minderjährigkeit festhielt, dass der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs geltend  machte, sein Vater habe in Guinea (…) verkauft, dass  anlässlich  der Präsidentschaftswahlen  in Guinea  vom 22. Oktober  2010  Gerüchte  verbreitet  worden  seien,  wonach  sein  Vater  Sympathisanten  des  Präsidentschaftskandidaten  Alpha  Condé  damit  vergiftet  habe,  weshalb  diese  seinen  Vater  spitalreif  geschlagen  hätten  und er daraufhin im Spital D._______ in B._______ gestorben sei,  dass es einige Monate später während eines Spiels in seinem Quartier zu  Diskussionen  zwischen  ihm,  seinem  Bruder  und  einem  Sohn  eines  Militärs gekommen sei, woraufhin eine Schlägerei ausgeartet sei, dass  er  einige  Tage  später  vernommen  habe,  dass  dieser  Junge  erstochen worden und gestorben sei, dass er und sein Bruder der Tat beschuldigt worden seien, weshalb er zu  einem Freund seines Vaters geflüchtet sei,

E­3975/2011 dass  Gerüchte  kursiert  hätten,  gemäss  welchen  der  Beschwerdeführer  bei  diesem  Freund  wohnen  würde,  weshalb  dieser  seine  Ausreise  organisiert habe,  dass  bezüglich  des  weiteren  Inhalts  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten  verwiesen  werden  kann, dass  der  Beschwerdeführer  weder  Identitätsdokumente  noch  andere  Beweismittel zu den Akten reichte und der schriftlichen Aufforderung zur  Papierbeschaffung innert 48 Stunden nicht nachgekommen ist, dass das BFM mit Verfügung vom 6. Juli 2011 – gleichentags eröffnet –  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des  Beschwerdeführers vom 2. Juni 2011 nicht eintrat, die Wegweisung aus  der Schweiz verfügte und den Vollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  es  sei  aufgrund  der  durchgeführten  Knochenaltersbestimmung  von  der  Volljährigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, dass  das  Knochenwachstum  individuell  variieren  könne  und  eine  Abweichung bis drei Jahre zwischen dem festgestellten Knochenalter und  dem  behaupteten  Alter  innerhalb  des  Normbereiches  liege  (vgl.  Grundsatzentscheid  in Entscheidungen und Mitteilungen der  vormaligen  Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 2000 Nr. 19), dass  der  Beschwerdeführer  angegeben  habe,  er  sei  am  (…)  geboren  beziehungsweise  er  sei  15  ½  Jahre  alt,  während  die  Knochenaltersanalyse ein Alter von 19 Jahren oder mehr ergeben habe, dass  folglich  die  Abweichung  zwischen  dem  vom  Beschwerdeführer  angegebenen  Alter  und  dem  aus  der  Knochenaltersanalyse  resultierenden Knochenalter klar mehr als drei Jahre betrage, womit die  Identitätstäuschung  durch  die  radiologische  Untersuchung  des  Handwurzelknochens  –  unter  Hinweis  auf  EMARK  2001  Nr.  23  –  im  Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nachgewiesen sei, dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  des  ihm  gewährten  rechtlichen  Gehörs an der Minderjährigkeit festgehalten habe,

E­3975/2011 dass er darüber hinaus keine Identitätspapiere zu den Akten gereicht und  und  überdies  in  Bezug  auf  seinen  Reiseweg  in  die  Schweiz  realitätsfremde Angaben zu Protokoll gegeben habe, dass von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers auszugehen sei, dass damit erstellt sei, dass der Beschwerdeführer die Asylbehörden über  seine Identität getäuscht habe, weshalb gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b  AsylG auf sein Asylgesuch nicht einzutreten sei, dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  13.  Juli  2011  –  Datum  Poststempel  –  gegen  diesen  Entscheid  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  sinngemäss  die  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids und das Eintreten auf sein Asylgesuch beantragte, dass  er  zur  Begründung  im Wesentlichen  auf  seinen  Angaben  und  der  Richtigkeit  seiner  bisherigen  Vorbringen  beharrte  und  erklärte,  seine  rechtsgenüglichen  Identitätspapiere  könne  er  nicht  einreichen,  zumal  diese bei jemandem seien, dessen Adresse er nicht kenne,  dass die Beschwerde und die vorinstanzlichen Akten am 15. Juli 2011 per  Telefax an das Bundesverwaltungsgericht übermittelt wurden, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im vorliegenden Verfahren nicht gegeben ist,

E­3975/2011 dass  vorab  die  Prozessfähigkeit  des  Beschwerdeführers  als  Sachurteilsvoraussetzung  von  Amtes  wegen  zu  prüfen  ist,  wobei  vorliegend  die  Fragen  der  Mündigkeit  und  der  Urteilsfähigkeit  beziehungsweise Prozessfähigkeit im Vordergrund stehen, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  seinen  Angaben  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeerhebung  noch  nicht  18­jährig  und  damit  minderjährig  gewesen wäre, dass  er  seine  Altersangaben  indes  nicht  mit  amtlichen  Dokumenten  belegen konnte und auch die durchgeführte Handknochenanalyse gegen  die angebliche Minderjährigkeit spricht, dass  sich  aus  den  Akten  im  Übrigen  –  unabhängig  von  der  geltend  gemachten  Minderjährigkeit  respektive  der  vom  BFM  angenommenen  Volljährigkeit  –  in  keiner  Weise  Zweifel  an  der  Urteilsfähigkeit  des  Beschwerdeführers  ergeben,  weshalb  nachfolgend  vom  Bestehen  der  Urteils­ und damit der Prozessfähigkeit auszugehen ist, dass eine urteilsfähige Person ferner höchstpersönliche Rechte auch bei  angenommener Unmündigkeit ausüben könnte,  dass  das  Einreichen  eines  Asylgesuchs  und  die  Ergreifung  von  damit  zusammenhängenden  Rechtsmitteln  als  höchstpersönliche  Rechte  gelten,  weshalb  vorliegend  die  in  Frage  stehenden  Sachurteilsvoraussetzungen  unbesehen  der  Frage  des  genauen  Alters  des Beschwerdeführers zu bejahen sind, dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat,  und  daher  zur  Einreichung  der Beschwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),  dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  52  VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

E­3975/2011 dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist (vgl. EMARK 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass die Vorinstanz demgegenüber die Frage der Wegweisung und des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich volle Kognition zukommt,  dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  sie  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Abs. 1 Bst. e AsylG), dass  deshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) und gestützt auf Art. 111a Abs. 1 und 3 AsylG  vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  nach  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  der  Asylsuchende  die  Behörden  über  seine  Identität  täuscht  und  diese  Täuschung  aufgrund  der  Ergebnisse  der  erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel feststeht,  wobei  der  Begriff  der  Identität  Namen,  Vornamen,  Staatsangehörigkeit,  Ethnie,  Geburtsdatum,  Geburtsort  und  Geschlecht  des  Asylsuchenden  umfasst  (vgl.  Art.  1  Bst.  a  der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), dass somit die Altersangabe unter den Begriff der Identität fällt,  dass  gestützt  auf  Art.  17  Abs.  3  Bst.  b  AsylG  unbegleiteten  minderjährigen  Asylsuchenden  bereits  für  die  Dauer  des  Aufenthalts  in  einem  Empfangs­  oder  Verfahrenszentrum  eine  Vertrauensperson  zugewiesen  werden  muss,  wenn  dort  entscheidrelevante  Verfahrensschritte durchgeführt werden, die über die Kurzbefragung nach  Art. 26 Abs. 2 AsylG hinausgehen,

E­3975/2011 dass indessen die Prüfung des Alters vorfrageweise ohne die Ernennung  einer  Vertrauensperson  vorgenommen werden  kann  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 30 E. 7.4), weshalb das BFM die Knochenaltersbestimmung zu Recht  in  Auftrag  gab,  welche  ein  chronologisches  Alter  von  19  Jahren  oder  mehr ergeben hat, dass  radiografische  Untersuchungen  des  Handknochens  einer  Person  zwar  nur  einen  beschränkten  Aussagewert  zur  Bestimmung  des  tatsächlichen Alters dieser Person aufweisen (vgl. dazu EMARK 2000 Nr.  19), dass  sich  diese  Aussagen  indessen  insbesondere  auf  die  Situation  beziehen, wonach das behauptete Alter  im Vergleich zum  festgestellten  Knochenalter  innerhalb  der  normalen  Abweichung  von  zweieinhalb  bis  drei Jahren liegt (vgl. EMARK 2000 Nr. 28 E. 5.a), dass  die  Handknochenanalyse  jedoch  gestützt  auf  die  bisherige  Praxis  (vgl.  EMARK  2005 Nr.  16  E.  2.3  und  dort  zitierte  weitere  Praxis)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  –  nämlich  dann,  wenn  der  Unterschied  zwischen  dem  angegebenen  Alter  und  dem  festgestellten  Knochenalter  mehr als drei Jahre beträgt – trotz des beschränkten Aussagewertes als  „anderes Beweismittel“ im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG gilt und  damit die Identitätstäuschung belegen kann, dass aber gemäss nach wie vor geltender Praxis an solche "Gutachten"  zur Altersbestimmung gewisse formale und  inhaltliche Anforderungen zu  stellen sind (vgl. EMARK 2004 Nr. 31 E. 7),  dass  die  durchgeführte  Analyse  –  so  auch  in  Berücksichtigung  der  vorausgegangenen  ausführlichen  Befragung  zur  Person  des  Beschwerdeführers  –  den  von  der  ARK  stipulierten  inhaltlichen  Anforderungen  an  Knochenaltersanalysen  insgesamt  weitgehend  zu  genügen vermag und sich insbesondere auch klarerweise auf die Person  des Beschwerdeführers bezieht, dass  im vorliegenden Fall das BFM  in der angefochtenen Verfügung zu  Recht  feststellte, die Abweichung zwischen dem vom Beschwerdeführer  angegebenen Alter von (im Zeitpunkt der Analyse vom 9. Juni 2011) 15 ½  Jahren  und  dem  festgestellten  Knochenalter  von  19  Jahren  oder  mehr  betrage klar mehr als drei Jahre, 

E­3975/2011 dass die Knochenaltersbestimmung im Fall des Beschwerdeführers unter  den  vorliegenden  Umständen  als  Beweismittel  im  Sinne  von  Art.  32  Abs. 2 Bst. b AsylG tauglich ist und er demnach die Behörden über sein  Geburtsdatum getäuscht hat, weshalb aus der Knochenaltersbestimmung  zu Recht auf eine Identitätstäuschung im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b  AsylG geschlossen wurde, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  demgegenüber  keinerlei  stichhaltige  Gegenargumente  vorbringt,  sondern  bloss  einwendet,  zwar  verstehe  er,  dass  seine  Glaubhaftigkeit  wegen  seines  Alters  in Frage stehe, hingegen sei dies kein hinreichender Beweis, von  seiner Volljährigkeit auszugehen, dass  in  seinem  Kulturkreis  das  Alter  nicht  von  grosser  Bedeutung  sei,  weshalb er die entsprechende Frage als nicht relevant beurteilt habe, dass  demnach  mit  genügender  Sicherheit  eine  Identitätstäuschung  feststeht (vgl. EMARK 2003 Nr. 27), dass – wie das BFM – auch  das Bundesverwaltungsgericht aufgrund der  Feststellungen  in  der  Knochenaltersanalyse  vom  9.  Juni  2011  zum  Schluss gelangt, der Beschwerdeführer habe die Asylbehörden über sein  Alter getäuscht, dass betreffend die übrigen Vorbringen auf die zutreffenden Erwägungen  in  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  6.  Juli  2011  verwiesen  werden  kann, wonach der Beschwerdeführer realitätsfremde Angaben zu seinem  Reiseweg zu Protokoll gegeben habe,  dass zu erwähnen bleibt, dass sich der Beschwerdeführer wenigstens an  die Fluggesellschaft  und den Aufenthaltsort  in Frankreich hätte erinnern  können, zumal er aussagegemäss drei Jahre den Schulunterricht besucht  habe,  dass das BFM somit  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zu  Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 

E­3975/2011 Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  nicht  unzulässig ist, da aus den Ausführungen des Beschwerdeführers und den  übrigen  Akten  keine  Hinweise  auf  eine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  oder  eine  anderweitig  menschenrechtswidrige  Behandlung  ersichtlich sind, die ihm in Guinea droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Situation  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung nicht unzumutbar ist, dass der Beschwerdeführer mit seiner Reise in die Schweiz zudem seine  Selbstständigkeit  und  Flexibilität  bewiesen  hat  und  zumindest  in  der  Person  des  Freundes  seines  Vaters,  bei  welchem  er  kurz  vor  seiner 

E­3975/2011 Ausreise aus Guinea gelebt habe und dessen Adresse  ihm bekannt sei,  über  mindestens  eine  Kontaktperson  verfügt,  welche  er  auch  ohne  wesentliche organisatorische Schwierigkeiten erreichen dürfte, dass  aussagegemäss  in  B._______  auch  ein  (…)  und  eine  (…)  lebten  (vgl.  Akten  BFM  A7/13  S.  3),  die  ihm  bei  seiner  Rückkehr  zusätzlich  helfen und unterstützen könnten, dass  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  (…)  darüber  hinaus  über  ein  soziales Beziehungsnetz verfügen dürfte (vgl. A7/13 S. 2),  dass  des Weiteren  darauf  hinzuweisen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  sein ganzes Leben  in Guinea verbracht hat und daher mit  den dortigen  Gepflogenheiten und Mentalitäten – wohl im Gegensatz zur Schweiz, wo  er sich erst knapp zwei Monaten aufhält – bestens vertraut  ist, was  ihm  eine Rückkehr in sein Heimatland sicher erleichtern dürfte,  dass  demnach  weder  die  allgemeine  Lage  in  Guinea  noch  individuelle  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  des  Beschwerdeführers sprechen, dass  unter  diesen  Aspekten  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers nach Guinea als zumutbar zu erachten ist,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  2  und  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 

E­3975/2011 Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) 

E­3975/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand:

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