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Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 E-3740/2010

4. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,338 Wörter·~7 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­3740/2010 Urteil   v om   4 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Jean­Pierre Monnet;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, Türkei,   vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. April 2010 / N (…).

E­3740/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland  am 14. März 2010 auf dem Landweg verliess, am 17. März 2010  in die  Schweiz gelangte und gleichentags um Asyl nachsuchte, dass  er  am  7.  April  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  befragt  und  am  14.  April  2010  durch  das  BFM  zu  den  Asylgründen angehört wurde, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  sei  im  Oktober  2008  Mitglied  der  Demokratic  Toplum  Partisi  (DTP)  geworden  und  habe  sich  namentlich  zugunsten  des  Jugendflügels  der  Partei  engagiert,  indem  er  Kundgebungen,  Versammlungen  und  Feierlichkeiten  organisiert  und  bei  Wahlen mitgeholfen habe, dass  im  September  2009  der  Präsident  der  DTP­Jugendfraktion,  ein  Verwandter (Cousin  im weiteren Sinn) des Beschwerdeführers, verhaftet  worden sei, dass der Beschwerdeführer  im Oktober  2009  von  vier Polizisten  in Zivil  angehalten, in einem Auto ausserhalb der Stadt gebracht und von diesen  unter  Todesdrohungen  aufgefordert  worden  sei,  die  Aktivitäten  für  die  DTP einzustellen, dass  er  den Polizisten  gegenüber  auf  ihre  Forderung  eingewilligt  habe,  worauf er laufen gelassen worden sei, dass  er  am  5.  Januar  2010  telefonisch  erfahren  habe,  dass  türkische  Sicherheitskräfte  eine  Parteikollegin  festgenommen  hätten  und  auch  in  seine Wohnung gewaltsam eingedrungen seien, dass  ihm  am  6.  Januar  2010  telefonisch  mitgeteilt  worden  sei,  dass  Gendarmen  bei  seinen  Eltern  vorstellig  geworden  seien  und  eine  Hausdurchsuchung  vorgenommen  hätten,  sowie  nach  ihm  und  seiner  Schwester,  die  ebenfalls  bei  der  Jugendfraktion  der  DTP  mitgearbeitet  habe, gesucht hätten, dass sein Vater unter Drohungen aufgefordert worden sei, ihn und seine  Schwester den Behörden auszuliefern,

E­3740/2010 dass  er  und  seine  Schwester  sich  umgehend  nach  Istanbul  abgesetzt  hätten, dass er sich bis zu seiner Ausreise aus dem Heimatland bei einer Tante  in Istanbul versteckt gehalten habe, dass  für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  im  Einzelnen  auf  die  Akten  verwiesen wird, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  22.  April  2010  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  sein  Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz, sowie deren  Vollzug anordnete, dass es zur Begründung  im Wesentlichen ausführte, die Vorbringen des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht standhalten, dass aus der Ablehnung des Asylgesuches in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  folge  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  zulässig,  zumutbar und möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  25.  Mai  2010  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  in materieller Hinsicht  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  in  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  allenfalls  der  Unzumutbarkeit  der  Wegweisung die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragte, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersuchte, dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren,  soweit  entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 1. Juni  2010 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter  Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung guthiess und die  Vorinstanz einlud, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen,

E­3740/2010 dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  10.  Juni  2010  eine  Fürsorgebestätigung zu den Akten reichte, dass  das  BFM mit  Vernehmlassung  vom  15.  Juni  2010  die  Abweisung  der Beschwerde beantragte, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  die  Vernehmlassung des BFM am 18. Juni 2010 zur Kenntnis brachte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht  im Bereich des Asyls  in der Regel ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist    (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  zu  Recht eingetreten wurde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m.  Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei als Flüchtlinge Personen gelten, die  in  ihrem Heimatstaat 

E­3740/2010 oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass die Erwägungen des BFM in der angefochtenen Verfügung den vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Sachverhalt  in  seinen  entscheidwesentlichen  Aspekten  in  ausgewogener  und  überzeugender  Form beurteilen und somit zu bestätigen sind, dass das BFM richtigerweise feststellt, der Beschwerdeführer habe einen  Nüfus  zu  den  Akten  gereicht,  der  am  15.  Februar  2010  in  Istanbul  ausgestellt worden ist, dass gemäss eigenen Angaben des Beschwerdeführers der Nüfus zwar  von  einer  Drittperson  abgeholt  worden  sei,  er  diesen  jedoch  selbst  beantragt und legal bekommen habe (Akten BFM A1/10 S. 5), dass das BFM in der angefochtenen Verfügung zutreffend folgerte, dass  der  Beschwerdeführer  den  Kontakt  mit  den  türkischen  Behörden  mit  Bestimmtheit  gescheut  hätte,  wenn  er  tatsächlich  von  diesen  gesucht  worden wäre, dass das BFM weiter zu Recht ausführte, falls sich eine gesuchte Person  einen  Identitätsausweis  auf  illegale  Weise  beschafft  beziehungsweise  erschleicht (vgl. A6/13 F82), diesen nicht auf die eigenen Personendaten  ausstellen lassen würde, dass  die  Entgegnung  in  der  Rechtsmitteleingabe,  bei  der  Passage  im  Protokoll, wonach der Beschwerdeführer den Nüfus selbst beantragt und  legal bekommen habe, müsse es sich um ein Missverständnis zwischen  ihm  und  dem Dolmetscher  handeln,  nicht  stichhaltig  ist  und  als  blosser  Versuch  gewertet  werden  muss,  unglaubhafte  Sachvorbringen  anzupassen,

E­3740/2010 dass auch der Einwand  in der Rechtsmitteleingabe, es sei  in der Türkei  durchaus möglich, durch einen Schlepper und durch Schmiergeld einen  Nüfus  zu  beschaffen,  die  zutreffenden  Einschätzungen  in  der  angefochtenen Verfügung  zu den  vorliegenden Sachumständen nicht  in  einen anderen Licht erscheinen lässt, dass auch den Ausführungen des BFM zu  folgen  ist, wonach mit Recht  davon  auszugehen  sei,  dass  eine  polizeilich  gesuchte  Person  sich  mit  Sicherheit  nicht bei engen Verwandten versteckt gehalten hätte,  da das  Risiko  erheblich  gewesen  wäre,  dass  die  Sicherheitskräfte  im  Rahmen  ihrer Fahndungsmassnahmen dort vorstellig geworden wären, dass  auch  der  diesbezügliche  Einwand  in  der  Rechtsmitteleingabe,  die  zuständigen  Behörden  hätten  nicht  merken  können,  ob  sich  der  Beschwerdeführer  in  Istanbul  oder  irgend  anderswo  in  der  Türkei  aufhalten  würde  und  er  sei  sich  einigermassen  sicher  gewesen,  dass  man  ihn  in    Istanbul  nicht  suchen  würde,  offenkundig  nicht  zu  überzeugen vermag, nachdem sich der Beschwerdeführer gerade  in der  Zeitspanne, in der er angeblich landesweit polizeilich gesucht worden sei  (A6/13  F  56),  in       Istanbul  einen  neuen  Identitätsausweis  auf  seine  Personaldaten hat ausstellen lassen,  dass  der  Beschwerdeführer  zudem  weder  im  Verlaufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  noch  auf  Rechtsmittelebene Dokumente  zu  den Akten gegeben hat, die seine behördliche Suche stützen würden, dass  es  gemäss  den  Kenntnissen  des  Gerichts  möglich  ist,  von  türkischen  Strafverfolgungsbehörden  durchgeführte  Untersuchungsmassnahmen  ohne  erheblichen  Aufwand  mit  beweistauglichen Unterlagen zu dokumentieren, dass es aufgrund der Aktenlage auch nicht ersichtlich  ist, dass sich der  Beschwerdeführer  auch  nur  darum  bemüht  hätte,  diesbezüglich  Unterlagen beizubringen und ein entsprechendes Desinteresse nicht  für  eine ernsthaft begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen durch die  türkischen Behörden spricht, dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Rechtsmitteleingabe  die  Einreichung  einer  Bestätigung  der  früheren  DTP  in  Aussicht  stellte,  die  seine  Aktivitäten  für  die  Partei  und  seine  Verfolgungssituation  hätte  dokumentieren sollen, diesbezüglich jedoch ebenfalls nichts zu den Akten 

E­3740/2010 gab,  obwohl  dies  für  ihn  gemäss  eigenen  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe ein Leichtes gewesen wäre, dass  ebenso  keine  Beweismittel  bezüglich  der  geltend  gemachten  Verhaftungen des Cousins des Beschwerdeführers vom September 2009  und der Parteikollegin vom 5. Januar 2010 zu den Akten gereicht wurden,  obschon  entsprechende  Massnahmen  der  türkischen  Behörden  gegen  politisch nicht genehme Akteure  in den einschlägigen türkischen Medien  regelmässig  mit  Nachdruck  publik  gemacht  und  öffentlich  diskutiert  werden, dass freilich höchst fraglich erscheint, ob der Beschwerdeführer aus den  geltend  gemachten  Verhaftungen  dieser  Personen  für  das  vorliegende  Verfahren  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  etwas  für  sich  abzuleiten  vermöchte, dass vielmehr aus den Akten hervorgeht, dass der Beschwerdeführer im  Nachgang der geltend gemachten Verhaftung des Cousins im September  2009  für  seine  Person  jedenfalls  keine  entsprechenden  Sicherheitsvorkehren getroffen hat, dass  dem  wiederum  die  Einschätzung  in  der  Rechtsmitteleingabe  zumindest  bezüglich  die  Situation  des  Beschwerdeführers  widerspricht,  wonach  seine  Familie  und  Verwandtschaft  den  türkischen  Behörden  aufgrund  ihrer  politischen  Aktivitäten  sehr  gut  bekannt  und  stigmatisiert  seien, weshalb sie bei  jeden politischen Ereignis  in der Region behelligt  würden, dass,  falls  die  türkischen  Sicherheitskräfte  ein  ernsthaftes  Interesse  gehabt hätten, dem Beschwerdeführer habhaft zu werden, anlässlich der  Fahndungsmassnahmen vom 5. Januar 2010 ein weniger dilettantisches  Vorgehen zu erwarten gewesen wäre, als in Aufsehen erregender Weise  bei seiner Abwesenheit am Abend die Wohnungstüre einzuschlagen, um  am  nächsten  Morgen  in  seinem  Elternhaus  ­  wie  vorauszusehen  gewesen wäre ­ wiederum erfolglos nach ihm zu suchen, dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  weiter  geltend  gemacht  wird,  der  Beschwerdeführer  sei  aufgrund  seiner  Zugehörigkeit  zu  seiner  Familie  einer  Reflexverfolgung  ausgesetzt,  da  zahlreiche  nahe  und  entfernte  Verwandte  aus  politischen  Gründen  und  aufgrund  ihrer  ethnischen  Herkunft  verfolgt  und  mehrere  seiner  Verwandten  in  der  Schweiz  als  Flüchtlinge anerkannt worden seien,

E­3740/2010 dass  in  der Rechtsmitteleingabe  insoweit  zu Recht  ausgeführt  wird,  die  schweizerische  Rechtsprechung  anerkenne  die  Existenz  der  Reflexverfolgung durch türkische Behörden, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  ausgeht,  dass  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  angewendet  werden,  die  als  so  genannte  Reflexverfolgung  flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art. 3 AsylG sein können, dass selbstredend die Bejahung einer Reflexverfolgung die Erfüllung aller  Elemente des Flüchtlingsbegriffs nach Art. 3 AsylG voraussetzt, dass  die Wahrscheinlichkeit  einer Reflexverfolgung  und deren  Intensität  stark von den konkreten Umständen des Einzelfalls abhängen (vgl. zum  Ganzen:  EMARK  2005  Nr.  21  E.  10.2.3.  S.  199  f.,  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­5163/2007  vom  2.  März  2011  E.  7,  E­ 4754/2006 vom 22. April 2010, mit weiteren Hinweisen), dass  es  nach  den  obigen  Erkenntnissen  und  Erwägungen  nicht  hinreichend wahrscheinlich  erscheint,  dass  die  türkischen Behörden  ein  Interesse daran haben, den Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in  die  Türkei  mit  Nachteilen  zu  überziehen,  die  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten Intensität genügen könnten, dass  in  diesem  Zusammenhang  auch  zu  beachten  ist,  dass  das  Engagement  und  das  Interesse  des  Beschwerdeführers  für  die  frühere  DTP als nicht intensiv einzuschätzen ist, wenn er anlässlich der Anhörung  vom    7. April 2010 im EVZ die DTP als legale Partei bezeichnete (A1/10  S. 6), nachdem sie vom türkischen Verfassungsgericht am 11. Dezember  2009 für illegal erklärt und verboten wurde und das Gericht unter anderen  den  Parteipräsidenten  der  DTP,  Ahmet  Türk,  persönlich  mit  einem  Politikverbot für die nächsten fünf Jahre belegte, dass  die  blosse  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Familie  und  einem  Verwandtschaftsumfeld,  aus  dessen  Kreis  sich  zahlreiche  Personen  durch  politische  Oppositionstätigkeit  unduldsamen  Massnahmen  der  türkischen  Behörden  ausgesetzt  sehen  mussten  und  als  Flüchtlinge  anerkannt  wurden,  den  Anforderungen  an  die  Voraussetzungen der Erfüllung einer Reflexverfolgung nicht zu genügen  vermag,

E­3740/2010 dass  es  zwischen  der  türkischen  Regierungspartei  AKP  (Adalet  ve  Kalkınma  Partisi;  Partei  für  Gerechtigkeit  und  Aufschwung)  und  der  Nachfolgepartei der DTP, der BDP (Barış ve Demokrasi Partisi; Partei für  Frieden  und  Demokratie),  auch  in  jüngster  Zeit  zu  heftigen  Auseinandersetzungen  kommt  und  es  zu  verschiedenen  Verhaftungen  von BDP­Exponenten und Anhängern der Partei gekommen ist, dass  die  allgemeine  politische  Situation  in  der  Türkei  jedoch  keine  entscheidwesentlichen  Rückschlüsse  auf  eine  Gefährdungslage  des  Beschwerdeführers und somit auf das vorliegende Verfahren zulassen, dass  aufgrund  der  Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  erkennbar  sind,  wonach  der  Beschwerdeführer  aus  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Motiven  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  war  oder  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  ausgesetzt  sein  könnte  und  vor  diesem  Hintergrund  die  Beschwerde  offensichtlich  unbegründet erscheint, dass  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  aufgrund  der  Aktenlage keine andere Beurteilung zulassen, dass auch die vom Gericht beigezogenen Asylakten der Schwester des  Beschwerdeführers (N (…)) an der Sachlage nichts zu ändern vermögen, dass  der  Beschwerdeführer  somit  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen  vermag,  weshalb  das Bundesamt das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]),

E­3740/2010 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da der Beschwerdeführer eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nicht  nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen vermag, weshalb das  in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  vom  4. November  1950  (EMRK,  SR  0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder Herkunftsstaat droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  in  der  Türkei  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird, dass den Akten auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür zu entnehmen  sind, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr  in sein Heimatland  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher  und  sozialer  Natur  in  eine  existenzbedrohende Situation geraten würde, dass  das  BFM  aufgrund  der  Aktenlage  zu  Recht  zum  Schluss  kommt,  dass der Vollzug der Wegweisung zulässig und zumutbar ist, dass vollumfänglich auf die Erwägungen des BFM gemäss angefochtener  Verfügung verwiesen werden kann,

E­3740/2010 dass  der  Vollzug  der Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Hei­ matstaat schliesslich möglich  ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  dem  Beschwerdeführer  obliegt,  bei  der  Beschaffung  vollzugstauglicher  Papiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4  AsylG), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  der  Beschwerdeführer  demnach  nicht  darzutun  vermag,  inwiefern  die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art. 16 Abs. 1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  1­3  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art. 63  Abs. 1 VwVG), dass  sich  die  Beschwerde  im  Ergebnis  zwar  als  offensichtlich  unbegründet,  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeerhebung  jedoch  nicht  geradezu  als  aussichtslos  erwiesen  hat  und  nach  wie  vor  von  der  Prozessbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist,  weshalb  nicht  angezeigt  ist,  auf  die  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 1. Juni 2010 bezüglich Gutheissung der  unentgeltlichen Rechtspflege zurückzukommen, dass demnach keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite)

E­3740/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

E-3740/2010 — Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 E-3740/2010 — Swissrulings