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Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-26/2012

20. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,228 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­26/2012 Urteil   v om     2 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Markus König,  Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Georgien,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7.  Dezember 2011 / N (…).

E­26/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  gebürtiger  Abchase  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Georgien)  –  eigenen  Angaben  zufolge  am  22.  November 2010  in die Schweiz einreiste, wo er am 23. November 2010  um Asyl nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  vom  29.  November  2010  zur  Begründung des Asylgesuchs im Wesentlichen geltend machte, er sei in  B._______  (Georgien)  aufgrund  seines  bekannten  politischen  Engagements – mithilfe von diversen internationalen Organisationen und  Nichtregierungsorganisationen  (NRO)  habe  er  die  Wahlen  sowie  die  Haftbedingen in B._______ überwacht – von der Regierung argwöhnisch  beobachtet und ab Dezember 2006 verfolgt worden (unter anderem fast  zweimonatige  Inhaftnahme wegen vorgeschobenem Drogenbesitz sowie  Misshandlungen während der Polizeihaft, vgl. A1/11 S. 5),  dass  er  ferner  anführte,  er  sei  im  Frühling  2009  nach  C._______  gegangen  und  habe  dort  erfolglos  um  Asyl  nachgesucht,  weshalb  C._______ ihn im März­April 2010 nach Georgien rückgeschafft habe,  dass er angab, keine weiteren Gründe für die Ausreise aus Georgien zu  haben (vgl. A1/11 S. 6), dass  er  anlässlich  der  Anhörung  vom  18.  August  2011  demgegenüber  vorbrachte,  er  sei  generell  seit  seinem  fünften  Lebensjahr  –  zuerst  in  Sukhumi  (Hauptstadt  der  Autonomen  Republik  Abchasien),  dann  in  B._______ und  in Tibilisi  (Städte  in Georgien)  –  aufgrund  seiner Ethnie  staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen (vgl. A21/18 S.  4), so habe er insbesondere in seiner Kindheit während des Konfliktes in  Abchasien  sechs  Monate  in  Gefangenschaft  von  abchasischen  und  tschetschenischen Gruppierungen  verbracht,  und  er  sei  deshalb  wegen  seiner  in  der  Schweiz  verbrachten  Untersuchungshaft  retraumatisiert  worden, weshalb er nun an Gedächtnislücken leide (vgl. A21/18 S. 5 f.),  dass  er  zudem  vorbrachte,  er  sei  nach  seiner  Rückschaffung  aus  C._______  von  der  lokalen  Polizei  in  Georgien  verhaftet  worden,  und  man habe ihm auf dem Polizeiposten mit einer Spritze einen Stoff injiziert,  der bei ihm eine Gehirnschwäche ausgelöst habe (vgl. A21/18 S. 7 ff.), 

E­26/2012 dass  er  schliesslich,  um eine  allfällige Rückführung  nach Russland  bat,  zumal er auch die russische Staatsangehörigkeit besitze, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 7. Dezember 2011 – eröffnet am 9. Dezember 2011 – ablehnte und  die Wegweisung und deren Vollzug anordnete, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 30. Dezember 2011 gegen  diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  dabei  sinngemäss  beantragte,  ihm  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen sowie Asyl zu gewähren,  dass  er  zudem  seinen  bereits  anlässlich  der  Anhörung  geäusserten  Wunsch vorbrachte, es sei –  für den Fall der Abweisung  im Asylpunkt –  die Wegweisung nach Russland (dessen Staatsangehörigkeit er gemäss  eigenen  Angaben  auch  besitzen  würde)  oder  nach  Abchasien  zu  vollziehen,  und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

E­26/2012 ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden,

E­26/2012 dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht mit der  Begründung ablehnte, seine Asylvorbringen seien unglaubhaft,  dass insbesondere zwischen seinen Aussagen im EVZ und jenen an der  Anhörung – mit Ausnahme seiner Vorbringen, er habe mit verschiedenen  NRO  zusammengearbeitet  und  habe  sich  bei  den  Wahlen  engagiert  (A1/11 S. 5, A21/18 S. 10), und hinsichtlich des Reiseweges – praktisch  keine Berührungspunkte gibt, zumal der Beschwerdeführer sich – wie von  der  Vorinstanz  korrekt  und  ausführlich  aufgezeigt  –  in  massive  Widersprüche sowohl in Bezug auf seine Fluchtgründe als auch auf seine  familiären Verhältnisse verstrickte,  dass  zudem  auch  Zweifel  hinsichtlich  seiner  Identität  bestehen,  da  er  –  wie  vom  BFM  dargelegt  –  gemäss  einer  Meldung  der  deutschen  Asylbehörden  in  C._______  unter  einem  anderen  Namen  erfolglos  um  Asyl nachgesucht habe, was auf Beschwerdeebene nicht bestritten wird,  dass  zudem  die  geltend  gemachten  psychischen  Probleme  bzw.  die  daraus  resultierenden Gedächtnislücken von der Vorinstanz zu Recht  in  Zweifel  gezogen  werden,  denn  diese  werden  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  immer  jeweils  dann  geltend  gemacht,  wenn  er  aufgefordert wird,  sich zu den  festgestellten Widersprüchen zu äussern,  wohingegen  er  –  wie  von  der  Vorinstanz  richtig  festgestellt  –  keinerlei  Mühe bekundet, seine Reise  in die Schweiz mit zahlreichen Details und  konziser Schilderung der Abläufe widerspruchsfrei zu rekonstruieren,  dass  der  Beschwerdeführer  diesen  vorinstanzlichen  Erwägungen  in  seiner  Beschwerde  lediglich  entgegenhält,  er  leide  aufgrund  seiner  posttraumatischen  Belastungsstörung  an  Gedächtnislücken,  und  sein  Leben sei geprägt gewesen von ethnischer Verfolgung, zumal für ihn die  Zugehörigkeit  Abchasiens  –  welches  nicht  als  souveräner  Staat  anerkannt werde – zu Georgien nicht vertretbar sei,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Gesagten  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  zur  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  somit  vollumfänglich  bestätigen  kann,  zumal  sich  dieser  in  seiner Beschwerde offensichtlich nicht  darum bemüht,  die  von  der Vorinstanz festgestellten massiven Widersprüche aufzulösen, und die  Vorbringen  zur  angeblichen  ethnischen  Verfolgung  durch  georgische  Behörden unsubstanziiert und unklar bleiben, 

E­26/2012 dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 

E­26/2012 da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  droht, dass gesundheitliche Probleme unter dem Blickwinkel  von Art.  3 EMRK  gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  nur  dann  ein  völkerrechtliches  Vollzugshindernis  darstellen,  wenn  die  Erkrankung  gravierend  ist  und  ausserordentliche  Umstände  vorliegen  (vgl.  EGMR  vom  7.  Oktober  2004  i.S.  Dragan  und  andere  gegen  Deutschland,  Nr.  33743/03,  angeführt  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 23 E. 5.1),  dass  vorliegend  die  Voraussetzungen  einer  gravierenden  Erkrankung  bzw.  ganz  aussergewöhnliche  Umstände  ("very  exceptional  circumstances"), wie sie der EGMR in seinem Urteil vom 2. Mai 1997 i.S.  D.  gegen  Grossbritannien  feststellte,  unter  Berücksichtigung  des  Arztberichtes  vom  8.  September  2011  des  E._______  (vgl.  A24/3) –  wonach  beim  Beschwerdeführer  eine  mittelschwere  posttraumatische  Belastungsstörung  diagnostiziert  wurde  –  bei  einer  Rückkehr  nach  Georgien ausgeschlossen werden können,  dass  sich  der Wegweisungsvollzug  somit  auch  in  Berücksichtigung  der  gesundheitlichen Situation als zulässig erweist,  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

E­26/2012 dass  in  Georgien  weder  Krieg  noch  Bürgerkrieg  oder  eine  Situation  allgemeiner Gewalt herrschen,  dass gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Rahmen der  Tatbestandsvariante  der  medizinischen  Notlage  im  Sinne  von  Art.  83  Abs. 4  AuG  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  geschlossen  wird,  wenn  eine  notwendige  medizinische  Behandlung  im  Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen  und  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  der  betroffenen  Person  führt,  wobei  als  wesentlich  die  allgemeine  und  dringende  medizinische  Behandlung  erachtet  wird,  welche  zur  Gewährleistung einer menschenwürdigen Behandlung absolut notwendig  ist,  und  die  Unmöglichkeit  einer  dem  schweizerischen  Standard  entsprechenden  medizinischen  Behandlung  im  Heimat­  und  Herkunftsstaat allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs bewirkt  (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a  und 5b),  dass  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  –  wonach  die  in  der  Schweiz  begonnene  (nach  drei  Sitzungen  durch  den  Beschwerdeführer  abgebrochene)  Gesprächstherapie  grundsätzlich  aufgrund  in  Georgien  existierender  Behandlungsmöglichkeiten  (auch  medikamentöser)  dort  weitergeführt  werden  könne,  und  angesichts  des  eigenmächtigen  Abbruch  durch  den  Beschwerdeführer  fraglich  sei,  ob  er  die  entsprechenden Therapiemöglichkeiten nutzen werde – vollumfänglich zu  bestätigen  sind,  folglich  vorliegend  die  Voraussetzungen  einer  medizinischen Notlage offensichtlich nicht gegeben sind,  dass  somit  weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass in Bezug auf sein Anliegen, die Wegweisung möge nach Abchasien  vollzogen  werden,  anzumerken  ist,  dass  seine  diesbezüglich  vorgebrachten  persönlichen  Beweggründe  –  er  habe  sich Georgien  nie  zugehörig  gefühlt  –  durchaus  nachvollziehbar  sind,  sich  aus  den  Akten  indessen keine Anhaltspunkte ergeben, der Beschwerdeführer würde bei  einer  Rückschaffung  in  eine  Stadt  in  Georgien  von  den  georgischen  Behörden  gehindert  werden,  von  dort  aus  in  die  Autonome  Republik  Abchasien weiterzureisen, 

E­26/2012 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Georgien  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  seine  Behauptung,  er  besitze  ebenso die russische Staatsangehörigkeit und möchte deshalb, dass der  Wegweisungsvollzug nach Russland erfolge, daran zu erinnern sei, dass  er  gemäss  Art.  8  Abs.  1  AsylG  verpflichtet  ist,  an  der  Feststellung  des  Sachverhaltes mitzuwirken,  dass er seine  Identität  indessen nicht belegte und an der Erstbefragung  als Staatsangehörigkeit  lediglich Georgien  angab, weshalb  das BFM zu  Recht nur diesbezüglich etwaige Vollzugshindernisse prüfte,  dass  es  der  Vorinstanz  folglich  nicht  oblag,  die  Vollziehbarkeit  der  Wegweisung nach Russland zu prüfen, dass  ein  Wegweisungsvollzug  nach  Russland  indessen  ebenfalls  als  zumutbar,  zulässig  und  möglich  erachtet  werden  dürfte,  nachdem  dies  dem  ausdrücklichen  Wunsch  des  Beschwerdeführers  entspricht  und  er  diesbezüglich keine Bedenken äusserte,  dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

E­26/2012 (Dispositiv nächste Seite)

E­26/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

E-26/2012 — Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-26/2012 — Swissrulings