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Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 E-2598/2009

29. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,522 Wörter·~13 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. März 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­2598/2009 Urteil   v om   2 9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Kurt Gysi, Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. März 2009 / N (…).

E­2598/2009 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführerin verliess Äthiopien eigenen Angaben zufolge am  (…) und gelangte  über  den Sudan,  Libyen und  Italien  am 3. November  2008  in  die  Schweiz;  gleichentags  suchte  sie  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um Asyl  nach.  Am  25.  November  2008  wurde  die  Beschwerdeführerin  im  EVZ  summarisch  befragt  und  gleichenorts am 15. Dezember 2008 zu ihren Asylgründen angehört. Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte die Beschwerdeführerin an, sie  sei äthiopische Staatsangehörige, gehöre zur Ethnie der C._______ und  stamme aus D._______, wo sie geboren und aufgewachsen sei. Am (…)  hätten Polizisten ihren Ehemann wegen seiner Aktivitäten als Mitglied der  E._______  (…) zu Hause  festgenommen und an einen  ihr unbekannten  Ort  verbracht.  Seither  habe  sie  nichts  mehr  von  ihrem  Mann  gehört.  Ungefähr (…) später sei auch sie zu Hause von Polizisten verhaftet und  auf  einen  Polizeiposten  verbracht  worden,  wo  sie  geschlagen  und  beschuldigt worden sei, die Menschen gegen die Regierung aufzuhetzen.  Nach  (…)  Tagen  Haft  sei  sie  gegen  Leistung  einer  Bürgschaft  freigelassen worden. Nach ihrer Freilassung habe sie sich aus Angst vor  weiteren  behördlichen  Nachstellungen  für  knapp  (…)  Jahre  bei  ihrem  Arbeitgeber  aufgehalten.  (…)  2008  sei  sie  nach  Hause  zurückgekehrt.  Am (…) seien zivilgekleidete Polizisten vorstellig geworden und hätten ihr  gegen  Unterschrift  einen  Brief  überbracht,  gemäss  welchem  sie  sich  innerhalb  von  drei  Tagen  für  eine  Befragung  auf  dem  örtlichen  Polizeiposten  hätte  melden  sollen.  Sie  habe  dieser  Vorladung  jedoch  keine Folge geleistet und sei zu ihrer Tante gegangen, bei der sie sich bis  zu  ihrer  Ausreise  aufgehalten  habe.  Auf  entsprechende  Fragen  antwortete  die  Beschwerdeführerin,  sie  sei  Sympathisantin  der  E._______ gewesen (Akten BFM A1/10 S. 6), die Ziele der Partei und die  Funktion ihres Ehemannes innerhalb der Organisation kenne sie deshalb  nicht  so  genau,  weil  sie  nur  Sympathisantin  gewesen  sei  (A11/14  S.  4  und 5). Für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  und  für  die  im  erstinstanzlichen  Verfahren  eingereichten  respektive  eingezogenen  Dokumente  (Kopie  einer Identitätskarte, 2 Kopien eines Büchleins [Bibel]) wird auf die Akten  und,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen verwiesen.

E­2598/2009 B.  Mit Verfügung vom 18. März 2009 – eröffnet am 24. März 2009 – stellte  das BFM  fest,  die Beschwerdeführerin  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  ihr Asylgesuch vom 3. November 2008 ab und ordnete die  Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Das  Bundesamt  führte  zur  Begründung  an,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  vermöchten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  zu  genügen,  weshalb  deren  Asylrelevanz  nicht  zu  prüfen  und  das  Asylgesuch  abzulehnen  sei.  Insbesondere  könne  auch  von  einer  Sympathisantin  der  E._______  erwartet  werden,  dass  sie  genauer  über  die  Partei  Bescheid  wisse,  zumal  ihr  Ehemann  eine  wichtige  Rolle  bei  dieser  Organisation  innegehabt,  an  Parteiversammlungen  teilgenommen  und  bei  öffentlichen  Veranstaltungen über die politischen Ziele  referiert habe. Hinzu komme,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  die  Verhaftung  ihres Ehemannes auf eine anschauliche Weise zu schildern.  So  habe  sie  lediglich  ausgesagt,  die  Polizisten  hätten  um  (…)  Uhr  morgens an die Türe geklopft und nach ihrem Mann gefragt. Danach sei  er festgenommen und sie selber bedroht worden. Gleich verhalte es sich  mit  ihren  Aussagen  zur  (…)  Tage  später  erfolgten  eigenen  Verhaftung.  Die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  seien  stereotyp  und  enthielten  keine  Details  oder  persönliche  Färbungen,  welche  auf  tatsächlich  Erlebtes  schliessen  liessen.  Erfahrungsgemäss  könnten  betroffene  Personen  solch  einschneidende  Ereignisse  sehr  detailliert  und  anschaulich schildern. Des Weiteren  sei  auch  die  Aussage  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe  sich  nach  ihrer  Freilassung  (…)  Jahre  bei  ihrem  Arbeitgeber  versteckt,  bevor  sie  (…)  2008  nach  Hause  zurückgekehrt  sei,  wo  sie  kurze  Zeit  später eine polizeiliche Vorladung erhalten habe, unglaubhaft. Zum einen  wirke  es  konstruiert,  dass  sie  von  den  Behörden  während  (…)  Jahren  nicht  gesucht  worden  sei,  diese  sie  aber  kurz  nach  ihrer  Rückkehr  aufgesucht  hätten.  Zum  anderen  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  die  Polizisten  der  Beschwerdeführerin  eine  Vorladung  überreicht  hätten,  gemäss welcher sie sich innerhalb von drei Tagen auf dem Polizeiposten  zu melden habe, anstatt sie gleich auf den Posten mitzunehmen. Zum  Vorbringen,  sie  habe  vergeblich  versucht,  ihren  Ehemann  nach  seiner  Verhaftung  ausfindig  zu machen,  sei  festzuhalten,  dass  viele  im  Rahmen  der  Massenverhaftungen  nach  den  Wahlen  vom  Mai  2005 

E­2598/2009 festgenommene  Personen  nach  kurzer  Zeit  ohne  Auflagen  freigelassen  worden  seien.  Die  Anführer  der  Opposition  seien  zwar  zu  langen  Haftstrafen verurteilt, aber im Gefolge einer Amnestie im Juli 2007 wieder  freigelassen  worden.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheine  unwahrscheinlich, dass sich der Ehemann der Beschwerdeführerin nach  wie vor in Haft befinde. Nicht miteinander  zu vereinbaren seien des Weiteren die Aussagen der  Beschwerdeführerin  bei  der  Kurzbefragung,  sie  sei  am  (…)  respektive  (…)  Tage  nach  der  Verhaftung  ihres  Mannes  vom  (…)  festgenommen  worden. Die  Folge  der  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  sei  in  der  Regel  die  Wegweisung aus der Schweiz, und deren Vollzug sei vorliegend zulässig,  zumutbar und möglich. C.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  23.  April  2009  beantragte  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  in  materieller  Hinsicht  die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und unter Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  unter  Feststellung der Unzulässigkeit  oder zumindest der Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  sie  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  samt  anwaltlicher  Verbeiständung.  Zur  Stützung  ihrer  Vorbringen  reichte  sie  eine  Sozialhilfebestätigung  vom  1.  April  2009  zu  den Akten. Im  Zusammenhang  mit  ihren  neu  geltend  gemachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  in  der  Schweiz  stellte  die  Beschwerdeführerin  eine  Bestätigung der F._______ und Fotos von Kundgebungen in Aussicht. Für die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit  für den Entscheid  wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen. D.  Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2009 teilte der Instruktionsrichter der  Beschwerdeführerin  mit,  sie  dürfe  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  und  er  forderte  sie  unter  der  Androhung  eines  Aktenentscheides  im  Unterlassungsfall  auf,  die  in  Aussicht  gestellten  sowie allfällige weitere Dokumente  im Original mit den dazugehörenden 

E­2598/2009 Zustellumschlägen  samt  Übersetzungen  in  eine  Amtssprache  des  Bundes  innert  sieben  Tagen  ab  Erhalt  dieser  Verfügung  einzureichen.  Gleichzeitig  hiess  er  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gut,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  wies  das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab. E.  Mit  Eingabe  vom  12. Mai  2009  liess  die  Beschwerdeführerin  die  in  der  Beschwerde  in Aussicht  gestellten Dokumente  (Kopie einer Bestätigung  der F._______ vom 10. Mai 2009, 3 Fotos betreffend Kundgebung vom  (…) 2009  in G._______, 1 Foto betreffend Versammlung der F._______  vom (…) in H._______) einreichen. F.  Das BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  11.  Juni  2009  die  Abweisung der Beschwerde. In  ihrer Replik vom 29. Juni 2009 hielt die Beschwerdeführerin an  ihren  Rechtsbegehren  fest  und  beantragte  unter  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft die Gewährung von Asyl. Auf die Begründungen wird, soweit  für den Entscheid wesentlich,  in den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 

E­2598/2009 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).

E­2598/2009 4.  4.1.  Nach  einlässlicher  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  vorliegend  zum  Schluss,  dass  das  BFM  im  Ergebnis zu Recht die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den geltend  gemachten  Ereignissen  vor  ihrer  Ausreise  aus  Äthiopien  als  den  Anforderungen  von  Art.  7  AsylG  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  entsprechend qualifiziert hat. 4.2. Die  Vorbringen  auf  Beschwerdeebene  sind mangels  Stichhaltigkeit  insgesamt  nicht  geeignet,  eine Änderung  der  angefochtenen Verfügung  zu bewirken. Zwar wird in der Beschwerde zu Recht darauf hingewiesen, dass der von  der Vorinstanz  aufgezeigte  vermeintliche Widerspruch  in  den Aussagen  der  Beschwerdeführerin  zum  Datum  ihrer  Festnahme  offensichtlich  auf  einen  Umrechnungsfehler  vom  äthiopischen  in  den  gregorianischen  Kalender zurückzuführen  ist, der  (…) entspricht  in der Tat dem (…) und  nicht – wie fälschlicherweise protokolliert – dem (…). Aber der Einwand, die Beschwerdeführerin habe deshalb nicht viel über  die  Tätigkeit  ihres  Ehemannes  innerhalb  der  E._______  gewusst,  weil  deren Führungsmitglieder ihre Mitgliedschaft und insbesondere auch ihre  Funktion  wegen  der  konsequenten  Verfolgung  durch  die  Behörden  und  des weitläufigen Netzwerkes von Spitzeln und Kollaborateuren auch vor  nahen Familienmitgliedern geheim hielten, vermag nicht zu überzeugen.  Diesbezüglich  kann  nämlich  ausgeschlossen  werden,  dass  sich  nahe  Angehörige  von Führungsmitgliedern  für  eine Spitzeltätigkeit  oder  sonst  eine Kollaboration mit den äthiopischen Behörden missbrauchen liessen.  Des  Weiteren  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  Ehefrau  eines  Führungsmitglieds  angesichts  der  damit  verbundenen  Gefahr mit Sicherheit mehr über die Tätigkeit ihres Ehemannes innerhalb  der Organisation gewusst hätte. Das  Vorbringen,  die  Beschwerdeführerin  habe  anlässlich  der  Anhörung  immerhin  die  Eckpfeiler  des  Programms  der  E._______  beschreiben  können, habe sie doch zuvor auf entsprechende Fragen geantwortet, sie  sei nicht Mitglied, sondern nur Sympathisantin der Partei, sie wisse nicht  im Detail,  was  genau  die  Ziele  der  Partei  seien,  erweist  sich  als wenig  stichhaltig  (A11/14  S.  4).  Von  der  Ehefrau  eines  Führungsmitglieds  der 

E­2598/2009 E._______  kann  erwartet  werden,  dass  sie  imstande  ist,  präzisere  Angaben zu den Zielen dieser Organisation zu machen. Des Weiteren ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  zu  den  Festnahmen  in  der  Tat  stereotyp  ausgefallen  sind  und  keine  Details  enthalten,  die  auf  persönliche  Erlebnisse  schliessen  liessen.  Der  diesbezügliche  Erklärungsversuch  in  der  Rechtsmitteleingabe,  die  Beschwerdeführerin  sei  bei  den  Festnahmen  erst  (…)  Jahre  alt  gewesen  und  habe  angesichts  der  schmerzhaften  Erlebnisse  auf  eine  ausführlichere  Offenlegung  dieser  Vorfälle  verzichtet,  überzeugt  nicht,  zumal  tatsächlich  betroffene  Personen  imstande  sind,  ihre  Erlebnisse  detailliert  und  aus  einer  persönlichen Sichtweise zu schildern. Auch  die  Entgegnung,  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  nach  ihrer  (…)tägigen  Inhaftierung  nicht  mehr  an  die  äthiopischen  Behörden  wenden  können,  um  sich  nach  dem  Verbleib  ihres  Ehemannes  zu  erkundigen,  verfängt  nicht,  da  es  ihr  ohne  weiteres  möglich  und  auch  zumutbar gewesen wäre, diesen nach seiner allfälligen Freilassung über  ihre  in  Äthiopien  lebenden  Verwandten  zu  kontaktieren.  Angesichts  der  zutreffenden  Ausführungen  des  Bundesamtes  in  der  angefochtenen  Verfügung,  worauf  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  verwiesen  werden  kann,  erscheint  wenig  glaubhaft,  dass  der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin auch nach der Amnestie vom Juli 2007 unbekannten  Aufenthaltes ist. Die  weiteren  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  es  könne  sein,  dass  die  Polizei  von  Spitzeln  oder  Kollaborateuren  über  die  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  informiert  worden  sei,  zudem  sei  es  in  Äthiopien  üblich,  dass  verdächtige  Personen  zwecks  Abklärungen  auf  den  Polizeiposten  vorgeladen  würden,  erweisen  sich  nicht  zuletzt  aufgrund  der  Amnestie  vom  (…)  als  nicht  stichhaltig.  Zudem  ist  angesichts  der  Tatsache,  dass  viele  Personen  nach  den  Massenverhaftungen  im  Anschluss an die Wahlen vom Mai 2005 nach kurzer Zeit bedingungslos  freigelassen  wurden,  in  keiner  Weise  nachvollziehbar,  dass  die  Beschwerdeführerin als blosse Sympathisantin der E._______ noch über  (…)  Jahre  nach  ihrer  Freilassung  gegen  Bürgschaft  behördlich  gesucht  worden sein soll. Sollte  die  Beschwerdeführerin  jedoch  tatsächlich  noch  gesucht  worden  sein, erweist sich das Vorbringen, Polizisten hätten ihr am (…) einen Brief 

E­2598/2009 respektive eine Vorladung überbracht, wonach sie sich innert drei Tagen  auf  dem  örtlichen  Polizeiposten  hätte  melden  müssen,  als  gänzlich  realitätsfremd,  da  die Behörden  ihr mit  Sicherheit  nicht  die Gelegenheit  eingeräumt  hätten,  auf  diese Weise  erneut  die  Flucht  zu  ergreifen.  Die  Beschwerdeführerin  hat  es  denn  auch  bezeichnenderweise  entgegen  ihrer Zusicherung anlässlich der Kurzbefragung (A1/10 S. 6) unterlassen,  den  in  Aussicht  gestellten  Brief  respektive  die  Vorladung  einzureichen,  obwohl es ihr ohne weiteres zumutbar und auch möglich gewesen wäre,  wenigstens  ihre  erfolglos  gebliebenen  Bemühungen  zur  Beschaffung  dieses  Dokumentes  offenzulegen.  Nicht  nachvollziehbar  erscheint  schliesslich,  dass  die  äthiopischen  Behörden  die  Beschwerdeführerin  nicht gleichzeitig mit  ihrem Ehemann, sondern erst  rund  (…) Tage nach  dessen Verhaftung festgenommen haben sollen. 5.  5.1. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom  Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  das  Addieren  solcher  Gründe  mit  Nachfluchtgründen,  welche  vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind  und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl. BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352  und  BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376, mit weiteren Hinweisen). 5.2.  Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  von  der  Vorinstanz  nicht  bestritten  wird,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  exilpolitisch  betätigt  hat.  Exilpolitische Aktivitäten  können  jedoch  nur  dann  im Sinne  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen,  wenn  zumindest  glaubhaft  gemacht  wird,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  infolge  der  Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit  politischer Verfolgung zu rechnen wäre. Nachfolgend ist daher zu prüfen,  ob diese Voraussetzung im Fall der Beschwerdeführerin erfüllt ist.

E­2598/2009 5.3. Unter welchen Voraussetzungen ein exilpolitisches Engagement eine  beachtliche  Verfolgungsgefahr  auslöst,  insbesondere,  ob  schon  die  blosse Mitgliedschaft in einer exilpolitischen Organisation dazu ausreicht,  wird in Judikatur und Literatur unterschiedlich eingeschätzt. In der Tat ist  es  aufgrund  der  Unberechenbarkeit  der  willkürlich  handelnden  äthiopischen  Behörden  schwierig,  für  die  Beurteilung  der  Verfolgungswahrscheinlichkeit  eine  Differenzierung  nach  dem  Gewicht  des  Engagements  vorzunehmen,  zumal  Rückkehrende  nicht  systematisch erfasst werden. Gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  etwa  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­8151/2010  vom  25.  August  2011,  E­8044/2008  vom  19.  Juli  2011,  D­5036/2009  vom  11.  Oktober  2010  und  E­4290/2008  vom  3.  September  2010)  ist  zwar  davon  auszugehen,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten  der  Exilgemeinschaften  im  Rahmen  ihrer  (beschränkten)  Möglichkeiten  überwachen  und  mittels  elektronischer  Datenbanken  registrieren.  Unter  diesen  Umständen  ist  es  wahrscheinlich,  dass  im  Ausland  agierende  Personen, welche erkennbar  in der F._______  respektive  in anderen  im  Ausland  tätigen  oppositionellen Organisationen  aktiv waren  oder mit  ihr  sympathisierten, individuell identifiziert werden könnten und im Falle einer  Zwangsrückschaffung  vom  äthiopischen  Sicherheitsdienst  bereits  am  Flughafen  erkannt  würden.  Demnach  dürfte  davon  auszugehen  sein,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine  zwangsweise  aus  dem  Ausland  zurückgeführte  Person,  die  Anhänger  oder  Mitglied  einer  regimekritischen  Organisation  war  oder  noch  ist,  nach  wie  vor  als  zu  verfolgenden Gegner der Regierung ansehen würden, solange von dieser  Person vor  ihrer Ausreise aus dem jeweiligen Gastland kein eindeutiges  Bekenntnis zur verfassungsmässigen Ordnung Äthiopiens und eine klare  Abkehr  von  den  bisherigen  Aktivitäten  dieser  regimekritischen  Organisationen  vorliegt.  Angesichts  der  beschränkten  Ressourcen  des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Wahrscheinlichkeit  und  dem  Ausmass  einer  allfälligen  Überwachung  in  der Schweiz, welche indessen in casu offenbleiben kann. Von Bedeutung  ist  vorliegend  dagegen  die  tatsächliche  Erkennbarkeit  der  behaupteten  exilpolitischen Tätigkeit, die Individualisierbarkeit der Beschwerdeführerin  und deren konkrete exilpolitische Tätigkeit  (vgl.  im Sinne von Beispielen  die  vorgenannten  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts).  Die  äthiopischen  Behörden  haben  nur  dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung für das politische System wahrgenommen werden.

E­2598/2009 5.4.  Diesbezüglich  ist  vorab  festzustellen,  dass  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  politisch  motivierte  asylrelevante  Verfolgung  im  Heimatland  darzutun,  weshalb  auch  nicht  davon auszugehen ist, dass sie vor ihrer Ausreise aus Äthiopien im Visier  der  heimatlichen  Behörden  stand  oder  gar  als  Regimegegnerin  oder  politische Aktivistin registriert war. 5.5. Aus den Akten  (Bestätigungsschreiben  vom 10. Mai  2009,  4 Fotos  von  Kundgebungen)  geht  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz aktives Mitglied der F._______  ist und an zwei Kundgebungen  gegen  das  Regime  in  Äthiopien  teilgenommen  hat.  Dennoch  ist  ein  exponierter exilpolitischer Einsatz, der sie ins Zentrum des Interesses des  äthiopischen Nachrichtendienstes rücken könnte, zu verneinen. In diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  bei  behaupteten  subjektiven  Nachfluchtgründen  in der Regel ein strikter Beweis möglich und deshalb  auch  erforderlich  ist  (vgl  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  UEBERSAX/RUDIN/HUGI/YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel  2009, Rz. 11.148). Das BFM führt denn auch  in seiner Vernehmlassung  vom 11. Juni 2009 zu Recht aus, die äthiopischen Behörden hätten nur  dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen würden. Für die Annahme, die Beschwerdeführerin habe  sich  in  dieser  besonderen  Art  und  Weise  betätigt,  bestünden  keine  Anhaltspunkte. Sie gehöre mit Sicherheit nicht zur Zielgruppe des "harten  Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland, für die sich die  äthiopischen  Behörden  interessierten.  Dieser  Beurteilung  schliesst  sich  das Bundesverwaltungsgericht an. Vorliegend  ist  zudem  darauf  zu  schliessen,  dass  sich  die  bisherigen  exilpolitischen  Aktivitäten  der  Beschwerdeführerin  lediglich  in  wenig  exponierten Tätigkeiten erschöpft haben (Teilnahme an Veranstaltungen  der  F._______).  Die  Beschwerdeführerin  ist  gemäss  dem  Bestätigungsschreiben  vom  10.  Mai  2009  einfaches  Mitglied  der  F._______ und betätigt sich nicht in einer hohen und in der Öffentlichkeit  exponierten  Kaderstelle,  weshalb  die  äthiopischen  Behörden  auch  aus  diesem  Grunde  in  deren  Person  keine  ernsthafte  und  in  ihrem  Wirkungsgrad  gefährliche  Regimegegnerin  sehen  dürften.  Vor  diesem  Hintergrund  lässt  die  Beteiligung  der  Beschwerdeführerin  an  exilpolitischen  Aktivitäten  –  Teilnahme  an  Demonstrationen  seit  Januar  2009,  an  öffentlichen  Kundgebungen  und  an  einem  Seminar  –  von  vornherein  nicht  das  Gefährdungspotenzial  ersehen,  welches  die 

E­2598/2009 Beschwerdeführerin  daraus  zu  ziehen  versucht.  Entgegen  der  Behauptung  in der Beschwerde und  in der Replik vom 29. Juni 2009  ist  demnach  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  bei  einer  Rückkehr  in  ihr  Heimatland eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu befürchten hat. 5.6.  Es  dürfte  den  äthiopischen  Behörden  im  Übrigen  schon  längst  aufgefallen  sein,  dass  die  exilpolitische  Betätigung  vieler  äthiopischer  Asylsuchender nach der Ablehnung ihrer Asylgesuche regelmässig stark  zunimmt  respektive  intensiver  wird  oder  überhaupt  erst  ab  diesem  Zeitpunkt  einsetzt,  was  das  geltend  gemachte  politische  Engagement  auch  in  deren  Augen  als  zweifelhaft  erscheinen  lässt.  Im  vorliegenden  Verfahren  fehlen  jegliche  Hinweise  darauf,  dass  gegen  die  Beschwerdeführerin  aufgrund der  vorgebrachten Aktivitäten  in Äthiopien  behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden  sein  könnten,  wobei  in  diesem Zusammenhang unter Hinweis auf die in Art. 8 AsylG verankerte  Mitwirkungspflicht  festzuhalten  ist,  dass  es  nicht  Sache  der  schweizerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise und  abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  der  Beschwerdeführerin abklären zu müssen.  5.7. Aufgrund  der  vorstehenden Erwägungen  erübrigt  sich  eine Ausein­ andersetzung  mit  den  anderen  Ausführungen  auf  Beschwerdeebene  (unter  anderem  Verweise  in  der  Beschwerde  auf  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­5060/2007 vom 30. November 2007 und in  der Replik auf ein Gutachten von Günter Schröder vom 7. Oktober 2007),  weil diese nicht geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen.  Der  Beschwerdeführerin  ist  es  nicht  gelungen,  aus  ihren  exilpolitischen  Aktivitäten  in  der  Schweiz  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG  abzuleiten,  welche  zur  Zuerkennung  ihrer  Flüchtlingseigenschaft führen könnten. 6.  Zusammenfassend  folgt,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine  Gründe  nach Art. 3  respektive nach Art. 54 AsylG nachgewiesen oder glaubhaft  gemacht hat, weshalb die Vorinstanz ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt  hat. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

E­2598/2009 ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.0., Rz. 11.148). 8.2.  8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 

E­2598/2009 (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2.  Da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  flüchtlingsrechtlich  erhebliche Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  nach  Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Äthiopien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  3  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihr  im Falle  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Aufgrund  der  Akten  sowie  der  vorstehenden  Erwägungen  betreffend die Frage der Flüchtlingseigenschaft  ist  indessen nicht davon  auszugehen,  dass  ihr  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  eine  derartige  Gefahr  droht.  Die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 8.3.  8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

E­2598/2009 8.3.2. Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von  einer  grundsätzlichen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  nach  Äthiopien aus  (vgl. bereits EMARK 1998 Nr. 22). Der zweieinhalb Jahre  dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 2000  mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) vermittelten  Waffenstillstand und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000  unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz des Abzugs der UN­ Friedenstruppen aus Eritrea  im März 2008 und aus Äthiopien  im August  2008  ist  im  heutigen  Zeitpunkt  nicht  von  einem  offenen  Konflikt  im  Grenzgebiet  zwischen  diesen  beiden  Staaten  auszugehen  (zur  Entwicklung  der  Lage  in  Äthiopien  siehe:  PETER  K.  MEYER,  SFH,  Äthiopien, Update: Aktuelle Entwicklungen bis Juni 2009, Bern, 11. Juni  2009, S. 6  ff.; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E­1724/2007 vom  5. Mai 2011 und                E­5432/2006 vom 13. Januar 2011). 8.3.3.  8.3.3.1 Hinsichtlich der sozioökonomischen Situation von alleinstehenden  Frauen  in  Äthiopien  kann  vorab  auf  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  (BVGE  E­2097/2008  vom  7.  Juli  2011 E. 8.5 f.) verwiesen werden. 8.3.3.2  Vor  dem  Hintergrund  der  dort  umschriebenen  Faktoren  sind  vorliegend  aufgrund  der  persönlichen  Situation  der  Beschwerdeführerin  keine  Gründe  ersichtlich,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs sprechen. Die  Beschwerdeführerin  ist  eigenen  Angaben  zufolge  in  D._______  geboren  und  aufgewachsen.  Sie  hat  bis  zur  (…).  Klasse  die  Schule  besucht  und  ist  danach  verschiedenen  Erwerbstätigkeiten  als  (…),  als  (…)  und  als  (…)  bei  Europäern  nachgegangen  (A1/10,  S.  1  und  3).  Zudem  verfügt  sie  mit  ihren  in  Äthiopien  lebenden  Angehörigen  (ihre  Mutter und zwei Halbbrüder, ihre Tante, bei der sie eine Zeit lang gelebt  hat,  und  ihre  Cousine,  die  ihr  die  Reise  nach  Europa mitfinanziert  hat)  über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz (A1/10 S. 4 und 7), das ihr  beim  Wiederaufbau  einer  neuen  Existenz  behilflich  sein  kann.  In  Übereinstimmung mit den Ausführungen des BFM  in der angefochtenen  Verfügung  ist  zudem  mangels  Glaubhaftigkeit  der  diesbezüglichen 

E­2598/2009 Aussagen  der  Beschwerdeführerin  davon  auszugehen,  dass  sich  ihr  Ehemann nach wie vor in Äthiopien in Freiheit befindet. Die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  wird  der  Beschwerdeführerin  im  Bedarfsfall  den Wiedereinstieg  in  ihre  Heimat  ebenfalls  erleichtern  (Art.  74 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999  [AsylV 2, SR 142.312]).  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige Bevölkerung  im Allgemeinen betroffen  ist, genügen nicht, um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 24  E.  10.1  S.  215;  BVGE  2008/34  E.11.2.2,  BVGE  2010/41 E. 8.3.6).  Zusammenfassend geht das Bundesverwaltungsgericht somit davon aus,  dass es der Beschwerdeführerin  trotz der  schwierigen Lebensumstände  für alleinstehende Frauen angesichts der persönlichen Voraussetzungen  gelingen  dürfte,  sich  wirtschaftlich  und  sozial  in  ihrem  Heimatland  zu  reintegrieren. 8.3.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar. 8.4.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  der  Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch 

E­2598/2009 um  unentgeltliche  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  mit  Zwischenverfügung  vom  4.  Mai  2009  gutgeheissen  wurde,  ist  die  Beschwerdeführerin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  zu  befreien. (Dispositiv nächste Seite)

E­2598/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Beschwerdeführerin  wird  zufolge  Gutheissung  des  Gesuchs  um  unentgeltliche  Rechtspflege  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit. 3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und das Amt für  Migration des Kantons I._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

E-2598/2009 — Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 E-2598/2009 — Swissrulings