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Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 E-2324/2011

6. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,864 Wörter·~9 min·2

Zusammenfassung

Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone | Kantonszuweisung; Verfügung des BFM vom 30. März 2011 / N

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2324/2011 Urteil   v om   6 .   Februar   2012 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Regula Schenker Senn, Richter Walter Stöckli, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch Oliver Brunetti, Rechtsanwalt, BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel,  (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Kantonswechsel; Verfügung des BFM vom 30. März 2011 / N (…).

E­2324/2011 Sachverhalt: A.  Mit  Verfügung  vom  27. November  2009  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft,  lehnte  sein  Asylgesuch  jedoch  wegen  Vorliegens  subjektiver  Nachfluchtgründe  ab,  wies  ihn  aus  der  Schweiz  weg  und  schob  den  Wegweisungsvollzug  wegen Unzulässigkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Diese  Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. B.  Mit  Eingabe  vom 21. Februar  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer  das  BFM, den Kantonen  (...) und  (...) ein Gesuch um Zustimmung zu einem  Kantonswechsel zu unterbreiten; er habe die Möglichkeit, in (…) in einem  Spezialitätenrestaurant (vollzeitlich) arbeiten zu können. Dem Gesuch lag  eine Kopie des abgeschlossenen Arbeitsvertrages bei. C.  In der Folge unterbreitete das BFM das Gesuch des Beschwerdeführers  den betroffenen Kantonen zur Stellungnahme. Während der Kanton  (...)  mit Schreiben vom 1. März 2011 seine Zustimmung erteilte, wurde diese  vom  Kanton  (...)  mit  Schreiben  vom  9. März  2011  verweigert.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  dazu  vom  Bundesamt  das  rechtliche  Gehör  gewährt, worauf er am 24. März 2011 seine Stellungnahme einreichte. D.  Mit  Verfügung  vom  30. März  2011  lehnte  das  BFM  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers um Kantonswechsel ab. Zur Begründung führte das Bundesamt aus, gemäss Artikel 22 Abs. 2 der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR 142.311)  i.V.m. Art.  27 Abs.  3  des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  Art.  21  der  Verordnung  vom  11. August  1999  über den Vollzug der Weg­ und Ausweisung von ausländischen Personen  (VVWA,  SR  142.281)  verfüge  das  BFM  einen  Kantonswechsel  auf  Gesuch einer vorläufig aufgenommenen Person bei Anspruch auf Einheit  der Familie oder schwerwiegender Gefährdung. Würden andere Gründe  geltend  gemacht,  setze  ein  Kantonswechsel  die  Zustimmung  der  beteiligten  Kantone  voraus.  Der  Entscheid  über  den  Kantonswechsel  könne  gemäss  Art.  85  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, SR 142.20) nur mit 

E­2324/2011 der  Begründung  angefochten  werden,  er  verletze  den  Grundsatz  der  Einheit der Familie. Vorliegend  handle  es  sich  nicht  um  ein  Gesuch  um  Kantonswechsel  gestützt auf Art. 22 Abs. 2 AsylV1 respektive es werde kein Anspruch auf  Familieneinheit  geltend  gemacht;  ein  Kantonswechsel  setze  daher  die  Zustimmung  der  beteiligten  Kantone  voraus.  Das  Migrationsamt  des  Kantons (...) verweigere den Kantonswechsel, weil vorliegend weder ein  Anspruch auf Einheit der Familie noch eine schwerwiegende Gefährdung  gemäss  Art.  22  Abs.  2  AsylV1  bestehen  würden.  Der  Vertrag  für  eine  Arbeitsstelle  auf  dem  Gebiet  des  Kantons  (...)  sei  keine  genügende  Begründung für einen Kantonswechsel. Der  Beschwerdeführer  verkenne  mit  seinem  Einwand  in  der  Stellungnahme  vom  24.  März  2011,  eine  als  Flüchtling  anerkannte  ausländische Person habe das Recht, den Ort  ihres Aufenthaltes  frei zu  wählen  und  sich  frei  zu  bewegen,  dass  sich  Art. 37  Abs. 3  AuG  auf  Personen mit einer Niederlassungsbewilligung und nicht auf Personen mit  einem  Ausweis  F  beziehe.  Vorläufig  aufgenommenen  Flüchtlingen  stünden  nur  die  Rechte  zu,  die  sich  aus  dem  Abkommen  vom  28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ergeben  würden.  Die  FK  sehe  in  Bezug  auf  den  Aufenthalt  keine  Privilegierung  vor,  weshalb  vorläufig  aufgenommene  Flüchtlinge  diesbezüglich  den  übrigen vorläufig aufgenommenen ausländischen Personen gleichgestellt  seien. Aufgrund der ablehnenden Haltung des Migrationsamtes des Kantons (...)  müsse der Antrag auf Kantonswechsel abgelehnt werden. E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  20. April  2011  beantragte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen Rechtsvertreter  in materieller Hinsicht –  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  –  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Gutheissung  des  Kantonswechselgesuchs vom 21. Februar 2011 und die Bewilligung der  Wohnsitznahme  im  Kanton  (...).  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur  Begründung  der  Beschwerde  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  er  könne  sich  als  vorläufig  aufgenommener  Flüchtling  auf  Art. 26  FK 

E­2324/2011 berufen,  und  diese  als  "self­executing"  einzustufende  völkerrechtliche  Bestimmung gehe nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Art. 85  Abs. 3 und 4 AuG vor. Eine korrekte Auslegung von Art. 26 FK ergebe,  dass  Flüchtlinge  im  gleichen  Umfang  einen  Anspruch  auf  Kantonswechsel  hätten,  wie  er  Niedergelassenen  nach  Art. 37  Abs. 3  AuG zustehe. Vorliegend seien die Voraussetzungen  für die Bewilligung  des  Kantonswechsels  erfüllt,  weil  er  sich  seit  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  im August 2008 nichts habe zuschulden kommen  lassen. Zwar  sei  er  seither  Sozialhilfeempfänger,  weshalb  im  vorliegenden  Fall  allenfalls  der  in  Art.  63  AuG  statuierte Widerrufsgrund  der  dauerhaften  und  erheblichen  Abhängigkeit  von  Sozialhilfe  in  Frage  käme.  Indessen  habe  er  als  Alleinstehender  nicht  hohe  finanzielle  Unterstützungsleistungen  erhalten.  Zudem  habe  er  sich  um  Arbeit  bemüht  und  nun  eine  Arbeitsstelle  zu  hundert  Prozent  im  Kanton  (...)  gefunden,  womit  er  bei  einer  Bewilligung  des  Kantonswechsels  unabhängig  von  Sozialhilfeleistungen  wäre.  Die  vom  Bundesgericht  entwickelten  Voraussetzungen  für  die  Anwendbarkeit  des  Widerrufsgrundes von Art. 63 Abs. 1 Bst. c AuG seien deshalb vorliegend  nicht erfüllt. Für den  Inhalt  der weiteren Begründung wird auf die Akten  verwiesen  und,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachstehenden Erwägungen. F.  Mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 2011 hiess der Instruktionsrichter das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  lud  die  Vorinstanz  ein,  sich  innert Frist zur Beschwerde vernehmen zu lassen. Innert der angesetzten  Frist ging keine entsprechende Stellungnahme beim Gericht ein. G.  Mit  Eingabe  vom  29.  Dezember  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  ein  Schreiben des Geschäftsführers des Restaurants B._______  in (...) vom  20. Dezember  2011,  gemäss welchem die Stelle  im Restaurant  für  den  Beschwerdeführer  nach  wie  vor  offen  sei,  zu  den  Akten.  Gleichzeitig  ersuchte  er  angesichts  der  unsicheren  Situation  seines  Mandanten  hinsichtlich des Kantonswechsels und einer Arbeitsaufnahme  im Kanton  (...) um prioritäre Behandlung der Beschwerde.

E­2324/2011 H.  Am 23. Januar 2012 reichte der Rechtsvertreter seine Kostennote zu den  Akten.

E­2324/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Ausländerrechts  betreffend  den  Kantonswechsel  endgültig  (Art. 83  Bst. c  Ziff. 6  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 112 Abs. 1  AuG i.V.m. Art. 50 und Art. 52 VwVG). 2.  2.1. Gemäss Art. 85 Abs. 3 AuG ist das Gesuch um Kantonswechsel von  vorläufig  aufgenommenen  Personen  beim  BFM  einzureichen,  wobei  dieses  nach  Anhörung  der  beteiligten  Kantone  grundsätzlich  endgültig  entscheidet.  Vorbehalten  bleibt  gemäss  Art. 85  Abs. 4  AuG  die  Anfechtung  dieses  Entscheides  mit  der  Begründung,  er  verletze  den  Grundsatz der Einheit der Familie. 2.2. Im Folgenden ist zu prüfen, ob Art. 85 Abs. 4 AuG auch für vorläufig  aufgenommene  Flüchtlinge  gilt.  Bejahendenfalls  wäre  aufgrund  der  eingeschränkten  Kognition  des  Gerichts  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten,  zumal  diese  nicht  –  auch  nicht  sinngemäss  –  mit  der  Verletzung  des  Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie,  sondern  mit  der  Verletzung des sich für Flüchtlinge aus Art. 26 FK ergebenden Anspruchs  auf Freizügigkeit begründet wird. 3.  3.1. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der höchstrichterlichen  Auslegungsmethodik  an,  welche  gemäss  BVGE  2009/8  wie  folgt  (zusammengefasst) zitiert sei: Das Gesetz muss  in erster Linie aus sich  selbst  heraus,  das  heisst  nach Wortlaut,  Sinn  und  Zweck  und  den  ihm  zugrunde  liegenden  Wertungen  auf  der  Basis  einer  teleologischen  Verständnismethode  ausgelegt  werden.  Auszurichten  ist  die  Auslegung  auf  die  ratio  legis,  die  zu  ermitteln  dem  Gericht  allerdings  nicht  nach  seinen  eigenen,  subjektiven  Wertvorstellungen,  sondern  nach  den 

E­2324/2011 Vorgaben  des  Gesetzgebers  aufgegeben  ist.  Die  Auslegung  des  Gesetzes  hat  zwar  nicht  entscheidend  historisch  zu  erfolgen,  ist  im  Grundsatz  aber  dennoch  auf  die  Regelungsabsicht  des  Gesetzgebers  und  die  damit  erkennbar  getroffenen Wertentscheidungen  auszurichten,  da sich die Zweckbezogenheit des rechtsstaatlichen Normverständnisses  nicht  aus  sich  selbst  begründen  lässt,  sondern  aus  den  Absichten  des  Gesetzgebers  abzuleiten  ist,  die  es  mit  Hilfe  der  herkömmlichen  Auslegungselemente  zu  ermitteln  gilt.  Die  Gesetzesauslegung  hat  sich  vom  Gedanken  leiten  zu  lassen,  dass  nicht  schon  der  Wortlaut  die  Rechtsnorm  darstellt,  sondern  erst  das  an  Sachverhalten  verstandene  und  konkretisierte  Gesetz.  Gefordert  ist  die  sachlich  richtige  Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes  Ergebnis  aus  der  ratio  legis.  Dabei  befolgt  das  Bundesgericht  einen  pragmatischen  Methodenpluralismus  und  lehnt  es  namentlich  ab,  die  einzelnen  Auslegungselemente  einer  hierarchischen  Prioritätenordnung  zu unterstellen (vgl. dazu BGE 131 III 35 E. 2, BGE 130 II 211 f. E. 5.1,  BGE 119  II  186 E.  4b/aa; BVGE 2007/7 E.  4.1,  BVGE 2007/24 E.  2.3,  BVGE  2008/9  E. 6;  ULRICH  HÄFELIN/WALTER  HALLER/HELEN  KELLER,  Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich u.a. 2008, Rz 80 ff.). 3.2.  3.2.1. Das Ausländergesetz verwendet immer dann, wenn es von den in  der Schweiz vorläufig aufgenommenen Menschen spricht, einerseits den  Begriff  der  "vorläufig  aufgenommenen  Personen"  und  anderseits  denjenigen  der  "vorläufig  aufgenommenen  Flüchtlinge".  Mit  diesen  beiden,  teilweise  im  gleichen  Artikel  verwendeten  Begriffen  macht  die  Gesetzessprache  klar,  dass  dabei  zwei  Kategorien  derselben  Begriffsstufe  (vorläufig  Aufgenommene  ohne  Flüchtlingseigenschaft  und  vorläufig  Aufgenommene  mit  Flüchtlingseigenschaft)  gemeint  sind.  Beispiele  im Ausländergesetz: Art. 83 Abs. 8, Art. 85 Abs. 1­6 einerseits  und  Abs.  7  anderseits,  Art. 86  Abs.  1  und  2,  Art.  87  Abs.  1  Bst.  a  einerseits und Bst. b anderseits; s. auch Art. 59 und Art. 61 AsylG. Nur  gerade  im  Art.  84  Abs.  5  AuG  (Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung)  wird in der deutschen Fassung der Begriff der "vorläufig aufgenommenen  Ausländerinnen und Ausländern" verwendet; der Inhalt (Überprüfung der  Zumutbarkeit)  macht  indessen  klar,  dass  hierbei  "vorläufig  aufgenommene  Personen"  gemeint  sind  [vgl. auch  die  französische  Fassung,  wo  durchgehend  von  "l'étranger  admis  à  titre  provisoirement"  die Rede ist, mit Ausnahme der Art. 83 Abs. 8 sowie Art. 85 Abs. 7 AuG  und Art. 59 sowie Art. 61 AsylG, wo jeweils die vorläufig aufgenommenen  Flüchtlinge angesprochen sind].

E­2324/2011 Im  vorliegend  interessierenden  Art.  85  AuG  ist  die  Unterscheidung  der  Wortwahl zwischen den Abs. 1, 2, 3, 5 und 6 ("vorläufig aufgenommene  Personen")  und  dem Abs.  7, welcher  beide Begriffe  verwendet  (gleiche  Rechtsfolge  für  die  "vorläufig  aufgenommenen  Personen"  und  "die  vorläufig  aufgenommenen  Flüchtlinge")  so  klar  und  konsequent  vorgenommen  worden,  dass  die  gesetzgeberische  Absicht,  mit  der  Regelung in den Absätzen 1­6 (Abs. 4 bezieht sich eindeutig auf den Abs.  3 und mithin auf die gleiche Kategorie) nur die vorläufig Aufgenommenen  ohne  Flüchtlingseigenschaft  zu  meinen,  nicht  in  Frage  gestellt  werden  kann. Zusammenfassend  ergibt  sowohl  die  grammatikalische  als  auch  die  systematische Auslegung von Art. 85 Abs. 4  i.V.m. Abs. 3 AuG, dass es  sich  beim  Begriff  "vorläufig  aufgenommene  Personen"  nicht  um  einen  Oberbegriff  handelt,  sondern dieser sich auf derselben Begriffsstufe wie  "vorläufig aufgenommene Flüchtlinge" befindet. Der Anwendungsbereich  von  Art. 85  Abs. 4  AuG  bezieht  und  beschränkt  sich  mithin  auf  die  vorläufig aufgenommenen Personen ohne Flüchtlingseigenschaft. Dieses  Verständnis  ergibt  sich aus der Verwendung der  beiden Begriffe  in  den  Bestimmungen des AuG, wo namentlich mit der Formulierung der Art. 85  Abs. 7, Art. 86 Abs. 1 und Art. 87 Abs. 1 Bst. a und b neben den vorläufig  aufgenommenen  Personen  explizit  die  vorläufig  aufgenommenen  Flüchtlinge erwähnt und separat geregelt werden. 3.2.2.  Im Weiteren gewährt Art. 58 AsylG den Flüchtlingen ausdrücklich  alle  Rechte,  wie  sie  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  im  Allgemeinen  gelten  (vgl.  etwa  Art.  37  AuG:  Kantonswechsel  ist  bewilligungspflichtig  und  die Verweigerung  ist  beschwerdefähig),  und  verweist  auf  die  ihnen  nach Gesetz  und Flüchtlingskonvention  zusätzlich  zustehenden Rechte.  Zu den Rechten gemäss den besonderen Bestimmungen der FK gehören  explizit  das  Recht  auf  Freizügigkeit  (Art.  26  FK:  freie  Wohnsitzwahl;  Einschränkungen  sind  nur  möglich,  soweit  sie  "unter  den  gleichen  Umständen  für  Ausländer  im  Allgemeinen  gelten")  und  das  Recht  auf  freien Zugang zu den Gerichten (Art. 16 FK: wie Schweizer). Dafür, dass  der Gesetzgeber bei Art. 85 Abs.  4 AuG bewusst  einen Konflikt mit  der  FK  in  Kauf  nehmen  wollte,  gibt  es  –  im  Unterschied  zur  damaligen  parlamentarischen  Diskussion  und  zum  Vernehmlassungsverfahren  betreffend Art. 85 Abs. 7 AuG – in den Materialien keinen Hinweis. 3.2.3. Mit  diesen  Auslegungen  nach  dem Wortlaut  und  der  Systematik  des Gesetzes  sowie  nach  dem Text  und Sinn  der  FK  ist  gewährleistet, 

E­2324/2011 dass  die  Gesetzesanwendung  völkerrechtskonform  und  auch  verfassungskonform  (vgl.  namentlich:  Rechtsweggarantie  gemäss  Art.  29a der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom  18. April 1999 [BV, SR 101], von welcher nur  im Ausnahmefall mit einer  ausdrücklichen gesetzlichen Regelung abgewichen werden darf), erfolgt. Damit ist die in Art. 85 Abs. 4 AuG für vorläufig aufgenommene Personen  vorgesehene  Kognitionsbeschränkung  nicht  anwendbar  für  vorläufig  aufgenommene Flüchtlinge; diese können die Verletzung von Art. 26 FK  und von Art. 37 AuG, welche Bestimmung den Wechsel des Wohnorts in  einen  anderen  Kanton  für  ausländische  Personen  regelt,  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht rügen. 4.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer,  der  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat,  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 112  Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), weil sich die Rüge, sein sich aus  Art.  26  FK  ergebender  Anspruch  auf  Freizügigkeit  sei  verletzt,  als  zulässig erweist. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 5.  5.1.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die  Verletzung  von  Bundesrecht  –  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  (Art. 49  Bst. a  VwVG)  –,  die  unrichtige  beziehungsweise  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 49  Bst. b  VwVG)  und  die  Unangemessenheit  der  vorinstanzlichen  Verfügung  (Art. 49  Bst. c  VwVG)  gerügt  werden.  Zum  Bundesrecht  in  diesem  Sinn  gehören  auch  die  Normen  des  für  die  Schweiz  verbindlichen  Staatsvertragsrechts  (anstelle  vieler:  BGE  132  II  81  E. 1.3).  Vorausgesetzt  ist  jedoch,  dass  die  staatsvertragliche  Bestimmung,  deren  Verletzung  gerügt  wird,  direkt  anwendbar  (self­ executing)  ist. Dies  trifft zu, wenn die Bestimmung  inhaltlich hinreichend  bestimmt und klar  ist,  um  im Einzelfall Grundlage eines Entscheides  zu  bilden.  Die  Norm  muss  justiziabel  sein,  das  heisst,  die  Rechte  und  Pflichten des Einzelnen müssen umschrieben und der Adressat der Norm  die rechtsanwendenden Behörden sein. Wie es sich damit verhält, ist von  den  rechtsanwendenden  Behörden  zu  bestimmen  (anstelle  vieler:  BGE  133  I  286  E. 3.2).  Die  Frage  des  self­executing­Charakters 

E­2324/2011 beziehungsweise  der  Justiziabilität  der Norm  ist  dabei  für  jede  einzelne  Bestimmung in einem Staatsvertrag gesondert zu prüfen (anstelle vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­6668/2010  vom  6. Dezember  2010  E. 3.1,  A­4013/2010  vom  15. Juli  2010  E. 1.2;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz 2.168). 5.2.  5.2.1.  Art.  26  FK  statuiert,  dass  jeder  vertragsschliessende  Staat  den  Flüchtlingen,  die  sich  rechtmässig  auf  seinem  Gebiet  aufhalten,  das  Recht  einräumt,  dort  ihren  Aufenthaltsort  zu  wählen  und  sich  frei  zu  bewegen,  vorbehältlich  der  Bestimmungen,  die  unter  den  gleichen  Umständen  für  Ausländer  im  Allgemeinen  gelten.  Hinsichtlich  dieses  Vorbehaltes  stellt  sich  die  Frage,  was  unter  dem  Begriff  "unter  den  gleichen Umständen für Ausländer im Allgemeinen" zu verstehen ist. 5.2.2. Sinn und Zweck von Art. 26 FK ist es, die Stellung von Flüchtlingen  derjenigen  von  anderen  ausländischen  Personen  anzugleichen.  Flüchtlinge  sollen  nur  denjenigen  Einschränkungen  in  Bezug  auf  die  selbst  bestimmte  Wahl  des  Aufenthaltsortes  und  auf  die  Bewegungsfreiheit  unterworfen  sein,  die  auch  für  andere  Nichtbürger  gelten  (ANDREAS  ZIMMERMANN,  The  1951  Convention  Relating  to  the  Status of Refugees and its 1967 Protocol – A Commentary, Oxford 2011,  S. 1149 Rz 2). Die Bestimmung von Art. 26 FK scheint deshalb inhaltlich  hinreichend  bestimmt  und  klar  zu  sein,  weil  die  selbst  bestimmte Wahl  des  Aufenthaltsortes  und  die  Bewegungsfreiheit  normalerweise  allen  ausländischen  Personen  gewährt  wird,  wobei  Einschränkungen  in  gewissen  Fällen  möglich  sind,  wie  etwa  speziell  erforderliche  Bewilligungen  für  ausländische  Personen,  um  sich  an  bestimmten  überbevölkerten Orten  oder  in  Sperrgebieten  aufzuhalten  (ZIMMERMANN,  a.a.O.  S. 1160  Rz  55).  In  der  Botschaft  des  Bundesrates  an  die  Bundesversammlung  zum Beschlussentwurf  über  die Genehmigung  der  FK  (BBl  1954  II  S.  80)  wird  festgehalten,  Art.  26  FK  könne  die  Vertragsstaaten  nicht  daran  hindern,  die  in  Art.  9  FK  vorgesehenen  provisorischen  Massnahmen  zu  ergreifen,  womit  in  Wirklichkeit  die  Freizügigkeit  der  Flüchtlinge  eingeschränkt  werde.  Diese  Bestimmung  könne  auch  nicht  etwa  gegen  eine  Internierungsmassnahme  angerufen  werden,  womit  die  Bewegungsmöglichkeit  des  Flüchtlings  beschränkt  werde,  sofern  die  Massnahme  auch  gegenüber  einem  anderen  Ausländer,  der  nicht  dem  Flüchtlingsstatut  unterstehe,  hätte  ergriffen  werden können. Art. 14 Abs. 2 des (inzwischen durch das AuG ersetzten) 

E­2324/2011 Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  werde  somit  von  dieser  Bestimmung  des Abkommens nicht berührt. Vor  diesem Hintergrund  ergibt  sich,  dass Art.  26  FK  darauf  abzielt,  die  Einschränkungen  der  freien  Wahl  des  Aufenthaltsortes  und  der  Bewegungsfreiheit  für Flüchtlinge auf ein Minimum zu beschränken, auf  Fälle  etwa,  wo  eine  freie  Ortswahl  von  Ausländern  die  Sicherheit  des  Landes  tangieren  würde.  Der  für  den  Vorbehalt  verwendete  Referenzbegriff "vorbehältlich der Bestimmungen, die unter den gleichen  Umständen  für  Ausländer  im  Allgemeinen  gelten"  ist  dergestalt  auszulegen,  dass  nur  solche  einschränkende  Bestimmungen  zulässig  sind, die  für sämtliche Kategorien von Ausländern gelten. Entsprechend  ist  auf  diejenigen Einschränkungen abzustellen,  die  auch auf Ausländer  mit einer Niederlassungsbewilligung anwendbar sind, weil der Vorbehalt  sonst nicht, wie  von Art.  26 FK verlangt,  auf ausländische Personen  im  Allgemeinen angewendet würde. Es widerspräche folglich dem Sinn und  Wortlaut  von  Art.  26  FK,  wenn  lediglich  auf  die  Kategorie  der  vorläufig  aufgenommenen  Personen  ohne  Flüchtlingsstatus  abgestellt  würde,  welche die stärksten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit  in Kauf zu  nehmen hat. Auch der  in Art. 6 FK definierte Begriff  "unter den gleichen Umständen"  erlaubt  keine  ausschliessliche Verbindung  zu  vorläufig  aufgenommenen  Personen  ohne  Flüchtlingsstatus.  Art.  6  FK  bezieht  sich  darauf,  dass  gewisse Rechte  nur Personen  gewährt werden,  die  bestimmte Kriterien  erfüllen  oder  die  bestimmte  Qualifikationen  aufweisen.  Einschränkende  Bestimmungen sind nur zulässig, wenn davon ausländische Personen im  Allgemeinen  (alle  Kategorien  von  Ausländern,  einschliesslich  niedergelassene Personen) betroffen sind. 5.2.3.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  Bestimmung von Art. 26 FK inhaltlich hinreichend bestimmt und klar (self­ executing) ist, um innerstaatlich unmittelbar zur Anwendung zu gelangen.  Sie  ist  auch  justiziabel,  da  sie  die  Rechte  und  Pflichten  des  Einzelnen  umschreibt  und  der  Adressat  der  Norm  die  rechtsanwendenden  Behörden  sind.  Art.  26  FK  begründet  für  vorläufig  aufgenommene  Flüchtlinge einen Anspruch auf Kantonswechsel im gleichen Umfang, wie  er  einer  niedergelassenen  Person  gestützt  auf  Art.  37  Abs.  3  AuG  zusteht.

E­2324/2011 6.  6.1.  Gemäss  Art.  37  Abs.  3  AuG  haben  Personen  mit  einer  Niederlassungsbewilligung  Anspruch  auf  den  Kantonswechsel,  wenn  keine Widerrufsgründe nach Art. 63 AuG vorliegen. Art. 63 AuG statuiert,  dass  die  Niederlassungsbewilligung  nur  widerrufen  werden  kann,  wenn  die Voraussetzungen nach Art. 62 Bst. a oder b erfüllt  sind  (Bst. a), die  Ausländerin  oder  der  Ausländer  in  schwerwiegender  Weise  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland  verstossen  hat  oder  diese  gefährdet  oder  die  innere  oder  die  äussere  Sicherheit  gefährdet  (Bst.  b),  oder  die  Ausländerin  oder  der  Ausländer  oder  eine  Person,  für  die  sie  oder  er  zu  sorgen  hat,  dauerhaft  und  in  erheblichem Mass auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c). 6.2.  In Bezug auf den von der Sozialhilfe abhängigen Beschwerdeführer  ist  festzustellen, dass sich dieser – soweit aktenkundig – seit seiner am  11. August 2008 erfolgten Einreise  in die Schweiz nichts hat zuschulden  lassen  kommen,  weshalb  sinngemäss  einzig  der  Widerrufsgrund  von  Art. 63  Bst.  c  AuG  in  Frage  käme.  Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  des Bundesgerichts ist der erwähnte Widerrufsgrund erfüllt, wenn konkret  die  Gefahr  einer  fortgesetzten  und  erheblichen  Fürsorgeabhängigkeit  besteht.  Blosse  finanzielle  Bedenken  genügen  nicht.  Neben  den  bisherigen und den aktuellen Verhältnissen  ist auch die wahrscheinliche  finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Ein Widerruf soll in  Betracht  kommen,  wenn  eine  Person  hohe  finanzielle  Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden  kann, dass sie in Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (vgl. etwa  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_74/2010  E.3.4  vom  10.  Juni  2010,  mit  weiteren Hinweisen). Diese  Voraussetzungen  sind  vorliegend  nicht  erfüllt,  da  der  Beschwerdeführer  seit  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  keine  unverhältnismässig hohen finanziellen Unterstützungsleistungen erhalten  hat.  Zudem  kann  angesichts  des  zu  den  Akten  gereichten  Arbeitsvertrages  sowie  der  letztmals  am  20.  Dezember  2011  erfolgten  Zusicherung  seines  zukünftigen  Arbeitgebers  im  Kanton  (...),  dem  Beschwerdeführer  die  angebotene  Stelle  weiterhin  zur  Verfügung  zu  halten,  damit  gerechnet  werden,  dass  er  in  Zukunft  für  seinen  Lebensunterhalt aufkommen kann. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 

E­2324/2011 Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde ist demnach  gutzuheissen  und  die  Verfügung  vom  30.  März  2011  aufzuheben.  Das  BFM  ist anzuweisen, das Kantonswechselgesuch gutzuheissen und den  Beschwerdeführer dem Kanton (...) zuzuweisen. 8.  8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG),  womit  die  mit  Zwischenverfügung  vom  3.  Mai  2011 gewährte unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gegen­ standslos wird. 8.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Beschwerdeverfahren für die Kosten der Vertretung und allfällige weitere  notwendige  Auslagen  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  64  Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 7 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  In  der  eingereichten  Kostennote  vom  23. Januar  2012  wird  ein  Arbeitsaufwand  von  7,9  Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.­ ausgewiesen, der unter  Berücksichtigung  von  Umfang  und  Schwierigkeit  des  vorliegenden  Verfahrens  angemessen  erscheint.  Dem  Beschwerdeführer  ist  eine  insgesamt auf Fr. 1738.­  (gemäss Angaben des Rechtsvertreters  ist  die  BAS  Beratungsstelle  für  Asylsuchende  der  Region  Basel  nicht  mehrwertsteuerpflichtig)  festzusetzende,  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 10 und Art. 14  Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

E­2324/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  Verfügung  vom  30.  März  2011  wird  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  das  Kantonswechselgesuch  gutzuheissen  und  den  Beschwerdeführer dem Kanton (…) zuzuweisen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das BFM hat dem Beschwerdeführer  für das Rechtsmittelverfahren eine  Parteientschädigung von Fr. 1738.­ zu entrichten. 5.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM, (…) und (…). Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

E-2324/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 E-2324/2011 — Swissrulings