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Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 E-135/2008

4. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,302 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Dezember 2007

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­135/2008 Urteil   v om   4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Hans  Schürch, Richterin Muriel Beck Kadima,    Gerichtsschreiber Tobias Meyer. Parteien A._______, geboren (…), Kosovo, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13.  Dezember 2007 / N (…).

E­135/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer,  ein  ethnischer Albaner  aus B._______,  Kosovo,  mit serbischer Staatsangehörigkeit sowie im Besitz von durch die UNMIK  (United Nations  Interim Administration Mission  in Kosovo)  ausgestellten  Dokumenten, verliess den Kosovo (damals noch Serbien) am 29. Oktober  2007 und gelangte über ihm unbekannte Länder am 1. November 2007 in  die Schweiz. B.  Am  7. November  2007  wurde  er  von  der  Kantonspolizei  (…)  wegen  Verstössen  gegen  die  Ausländergesetzgebung  verhaftet  und  am  10. November  2007  in  das  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (…)  überstellt, wo er am gleichen Tag ein Asylgesuch stellte. Zur Begründung seines Gesuchs brachte er in den Befragungen vom 20.  November  2007  und  29.  November  2007  im  Wesentlichen  vor,  er  sei  während  seiner  Tätigkeit  als  verantwortlicher  Leiter  einer  (…)  in  C._______  im  April  2006  von  zwei  Unbekannten  auf  der  Strasse  angehalten  worden,  die  von  ihm  die  Übergabe  der  Einnahmen  der  Cafeteria  verlangt  hätten.  Die  zwei  Personen  hätten  ihn  mit  dem  Tod  bedroht, wenn er  ihnen nicht bei nächster Gelegenheit das Geld bringe.  Diesen Vorfall  habe  er  aus Angst  nicht  der Polizei  gemeldet. Daraufhin  habe er C._______ verlassen und sei  in sein Heimatdorf zurückgekehrt.  Dort  sei  er  Mitte  Oktober  2007  auf  einem  Spaziergang  von  drei  maskierten  und  bewaffneten  Unbekannten  angehalten  worden,  die  offenbar  Mitglieder  der  Albanischen  Volksarmee  (AKSh;  Armata  Kombëtare Shqiptare) gewesen seien. Diese hätten ihn aufgefordert, sich  ihrem  bewaffneten  Kampf  für  die  Unabhängigkeit  Kosovos  anzuschliessen. Als er sich nicht kooperativ gezeigt habe, hätten sie  ihn  mit  dem  Tod  bedroht,  aber  eingewilligt,  ihm  zwei  Tage  Bedenkzeit  zu  geben. Auch diesen Vorfall habe er nicht der Polizei gemeldet. Drei Tage  später  habe er  sein Heimatdorf  verlassen und  sei  nach wenigen Tagen  Aufenthalt bei seinem Onkel in D._______ aus Serbien ausgereist. C.  Mit  Verfügung  vom  13. Dezember  2007  –  dem  Beschwerdeführer  gleichentags eröffnet – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle  die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus  der  Schweiz  weg  und  beauftragte  den  zuständigen  Kanton  mit  dem  Vollzug der Wegweisung.

E­135/2008 Zur  Begründung  führte  das  BFM  im Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  asylrelevant,  da  es  sich  um  Verfolgung  von  privaten  Personen  gehandelt  habe  und  der  Staat,  respektive  die  im  Kosovo  tätigen  internationalen  Organisationen  ihrer  Schutzpflicht nachkämen. D.  Mit  Eingabe  vom  8. Januar  2008  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  ein  und  beantragte,  die  Verfügung  sei  aufzuheben  und  ihm  sei  Asyl  zu  gewähren.  Sinngemäss  beantragte  er  zudem eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege und Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. In seiner Beschwerdeschrift  führte er aus,  im Kosovo existiere entgegen  den  Annahmen  der  Vorinstanz  keine  rechtsstaatliche  Ordnung,  die  ihm  Schutz  gewähren würde.  Da  die  Statusfrage  des  Kosovo  ungeklärt  sei,  nähmen die Spannungen  laufend zu. Gruppierungen wie die Albanische  Volksarmee  verstärkten  vor  diesem  Hintergrund  ihre  Rekrutierungsbemühungen  und  betrachteten  Personen,  die  sich  ihnen  nicht anschliessen wollten, als Feinde. Die Schutztruppen seien nicht  in  der  Lage,  einzelnen  Bürgern  Schutz  zu  gewähren.  Es  stelle  sich  die  Frage,  ob  im Kosovo überhaupt  effektive Strafverfolgungsbehörden  und  Gerichte  vorhanden  seien,  die  rechtsstaatlichen  Ansprüchen  genügten  oder  zumindest  den  Bewohnern  Schutz  gewährten.  Eine  Anzeige  der  Vorfälle hätte  ihm deshalb keinen Nutzen gebracht, sondern  ihn nur der  massiven  Gefahr  der  Rache  ausgesetzt.  Er  habe  Angst  vor  weiteren  Rekrutierungsaktivitäten  der  Albanischen  Volksarmee  und  sei  an  Leib  und Leben gefährdet, wenn er zurück müsse. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  14. Januar  2008  hiess  die  zuständige  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  wurde  die  Vorinstanz  zur Vernehmlassung eingeladen. F.  Mit Eingabe vom 28. Januar 2008 nahm die Vorinstanz zur Beschwerde 

E­135/2008 Stellung  und  beantragte  Abweisung  der  Beschwerde,  da  diese  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  die  geeignet  seien, eine Änderung ihres Standpunktes zu rechtfertigen. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 5. Februar 2008  zur Kenntnis gebracht. G.  Mit  Eingabe  vom  17. September  2010  erkundigte  sich  die  Fachstelle  Migration des Kantons Glarus nach dem Stand des Verfahrens und bat  um baldmöglichste Erledigung des Verfahrens. Mit  Schreiben  vom  28. September  2010  teilte  die  zuständige  Instruktionsrichtern  der  Fachstelle mit,  das  Verfahren  sei  nicht  prioritär,  das  Gericht  sei  aber  bemüht,  alle  Verfahren  so  rasch  wie  möglich  zu  behandeln. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor dem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

E­135/2008 Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Das BFM stützte seine ablehnende Verfügung darauf, dass es sich  bei  den  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Verfolgungshandlungen  um  Taten  von  Privaten  handle,  die  nur  asylrelevant seien, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme  oder nicht  in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Das BFM  führte weiter  aus, die nationalen und internationalen Schutzorgane im Kosovo seien in  der Lage und willens, die Einwohner Kosovos zu schützen, sowohl gegen  kriminelle  Personen  als  auch  gegen  Gruppen  wie  die  Albanische 

E­135/2008 Volksarmee. Der Beschwerdeführer habe es jedoch bezüglich beider von  ihm geschilderten Vorfälle unterlassen, Anzeige zu erstatten. 4.2.  Der  Beschwerdeführer  führt  diesbezüglich  in  seiner  Beschwerdeeingabe  aus,  im  Kosovo  existiere  keine  rechtsstaatliche  Ordnung,  die  den Bürgern  Schutz  gewähren würde.  Die  internationalen  Sicherheits­ und Justizorgane seien nicht  in der Lage, genügend Schutz  für  die  ganze  Bevölkerung  zu  garantieren.  Eine  Anzeige  hätte  ihm  deshalb nichts genützt, sondern ihn der Rache ausgesetzt. 5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  nach  Prüfung  der  Akten  zum  Schluss,  dass  das  BFM  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  im  Zusammenhang mit den angeführten Übergriffen von privaten Dritten zu  Recht und mit zutreffender Begründung als nicht asylrelevant erachtete. 5.1. Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts gehen die  für die Sicherheit  im Kosovo zuständigen nationalen und  internationalen  Behörden  –  namentlich  UNMIK  (United  Nations  Interim  Administration  Mission  in Kosovo),  EULEX  (European Union Rule  of  Law Mission)  die  kosovarische  Polizei  (Kosovo  Police  Service)  und  die  multinationale  militärische  Formation  (Kosovo  Force,  KFOR)  –  im  Rahmen  ihrer  Möglichkeiten  systematisch  gegen  Bedrohungen  und  Übergriffe  Dritter  vor.  Obwohl  die  Sicherheitslage  und  die  Umsetzung  des  Rechtsstaatsprinzips  im Kosovo westeuropäischen Standards noch nicht  zu  genügen  vermag,  ist  doch  festzuhalten,  dass  sich  die  Lage  insbesondere  nach  der  Unabhängigkeit  Kosovos  im  Februar  2008  verbessert  hat.  Insbesondere  die  kosovarische  Polizei  wird  als  verhältnismässig  effektiv  beschrieben,  auch  wenn  es  ihr  an  Mitteln  zur  Untersuchung  komplexer  Verbrechen  fehlt  (European  Commission,  Kosovo 2010 Progress Report, 9. November 2010, S. 53 ff.; International  Crisis  Group,  The  Rule  of  Law  in  Independent  Kosovo,  19. Mai  2010,  S. 5 ff.).  Obwohl  das  Justizsystem  als  schwach  beschrieben  wird –  Gründe  dafür  sind  vor  allem  die  zu  geringe  Anzahl  und  die  schlechte  Entlohnung der Richter und Ankläger sowie die grosse Anzahl pendenter  Fälle  –  ist  die  Situation  im  Bereich  des  Strafrechts  offenbar  weniger  gravierend, so dass die Justiz in der Lage ist, Kriminalfälle zu behandeln  (International  Crisis  Group,  The  Rule  of  Law  in  Independent  Kosovo,  19. Mai 2010, S. 12). Insoweit kann zum heutigen Zeitpunkt entgegen der  in der Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht vom Schutzwillen und auch 

E­135/2008 von einer weitgehenden Schutzfähigkeit der im Kosovo tätigen nationalen  und internationalen Sicherheitsbehörden ausgegangen werden. 5.2.  In  Bezug  auf  die  konkrete  Situation  des  Beschwerdeführers  ist  zudem  festzustellen,  dass  dieser  nicht  im  überwiegend  von  Personen  serbischer Ethnie bewohnten Norden Kosovos lebte und damit als Person  albanischer  Ethnie  weder  national  noch  regional  einer  Minderheit  angehört.  Damit  ist  er  auch  nicht  von  der  zweifellos  noch  immer  vorhandenen Schlechterstellung und Diskriminierungen von Minderheiten  betroffen.  Zudem dürften  seit  der Unabhängigkeit  des Kosovo  auch  die  Rekrutierungstätigkeiten  von  Gruppen  wie  der  Albanischen  Volksarmee  stark  zurückgegangen  sein,  womit  dem  Beschwerdeführer  von  dieser  Seite von vornherein keine Gefahr mehr droht. 5.3.  Damit  hat  das  BFM  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  nicht  anerkannt  und  sein  Gesuch  um  Asyl  abgewiesen. 6.  Lehnt das BFM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt  es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug  an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7.  7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, regelt das BFM das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG,  SR 142.20]). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 

E­135/2008 aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  relevante  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  findet  das  in  Art. 5  AsylG  und  Art. 33  FK  verankerte  Refoulementverbot  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Kosovo  ist  demnach  unter  diesem Aspekt rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  seinen Heimatstaat mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im Kosovo  lässt den Wegweisungsvollzug zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

E­135/2008 Auch wenn es im Kosovo – insbesondere im Norden Kosovos – weiterhin  vereinzelt  zu  Unruhen  kommt,  herrscht  im  jetzigen  Zeitpunkt  nicht  eine  generell unsichere, von bewaffneten Konflikten oder jederzeit drohenden  Unruhen geprägte Lage, aufgrund derer der Beschwerdeführer bei einer  Rückkehr  unweigerlich  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Zudem  stellen  blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  weite  Teile  der  ansässigen  Bevölkerung  betroffen  sind,  keine  Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG dar (vgl. dazu die weiterhin  zutreffende Praxis der Asylrekurskommission  in EMARK 2005 Nr. 24 E.  10.1. S. 215). Aufgrund  der  Aktenlage  besteht  zudem  kein  Grund  zur  Annahme,  der  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Kosovo  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  die  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar  erscheinen  liesse.  Der  Beschwerdeführer  macht  keine  gesundheitlichen  Beschwerden  geltend,  verfügt  nach  eigenen  Angaben  über  einen  Handelsmittelschulabschluss  und  hat  während mehreren Jahren  im Kosovo als  (...) gearbeitet, während eines  Jahres  sogar  in  leitender  Stellung.  Zudem  befinden  sich  sowohl  seine  Eltern  als  auch  drei  Geschwister  im  Kosovo  und  die  Familie  besitzt  in  ihrem Heimatdorf zwei Häuser. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 ff.),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich  erachtet. Die Anordnung des  Wegweisungsvollzugs ist zu bestätigen. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist damit abzuweisen.

E­135/2008 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Nachdem  mit  Instruktionsverfügung vom 14. Januar 2008 das Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gutgeheissen  wurde  und  aus  den  Akten  die  auch  heute  weiterhin  andauernde  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers hervorgeht, sind indessen keine Verfahrenskosten zu  erheben.  (Dispositiv nächste Seite)

E­135/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Christa Luterbacher Tobias Meyer Versand:

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