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Bundesverwaltungsgericht 17.02.2012 D-891/2010

17. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·5,021 Wörter·~25 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­891/2010 Urteil   v om   1 7 .   Februar   2012 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Iran, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, _______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Januar 2010 / N _______.

D­891/2010 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer, ein iranischer Staatsangehöriger mit  letztem  Wohnsitz  in  (…),  verliess  seinen Heimatstaat  eigenen Angaben  zufolge  am  3.  Dezember  2007  und  gelangte  zunächst  auf  dem  Luftweg  in  die  Türkei.  Nach  ungefähr  viermonatigem Aufenthalt  in  der  Türkei  reiste  er  am 26. April 2008 von dort herkommend via Griechenland sowie weitere,  ihm unbekannte Transitländer  illegal  in einem Lastwagen in die Schweiz  ein.  Am  27.  April  2008  stellte  er  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (…)  ein  Asylgesuch.  Nach  dem  Transfer  ins  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (…)  wurde  er  dort  am  13.  Mai  2008  summarisch  befragt und  in der Folge  für die Dauer des Verfahrens dem Kanton  (…)  zugewiesen.  Am  18.  Juni  2009  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,  SR 142.31) ausführlich zu seinen Asylgründen an.  A.b. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor, er habe im Iran keine Freiheiten gehabt. Ausserdem  habe  er  Probleme  mit  dem  Regime  bekommen.  Seine  Ehefrau  arbeite  seit  dem  Jahr  2000/2001  als  Englisch­  und  Kunstlehrerin  an  der  (…)­ Schule, welche von Kindern der iranischen Führungselite besucht werde.  Er selber sei Zahnarzt und habe im Iran seit dem Jahr 2001 eine eigene  Klinik  mit  mehreren  Angestellten  geführt.  Auf  Vermittlung  seiner  Frau  habe er häufig Verwandte und Familienangehörige ihrer Schülerinnen als  Patienten  in  seiner  Klinik  behandelt,  so  beispielsweise  einen  Kommandanten der Geheimpolizei sowie die Leibwächterin einer Tochter  von  Ajatollah  Chamenei.  Da  seine  Klinik  einen  guten  Ruf  gehabt  habe  und  die  Dental­  sowie  die  Schönheitschirurgie  im  Iran  billig  sei,  hätten  sich  auch  Ausländer,  beispielsweise  Botschaftsangestellte,  bei  ihm  behandeln  lassen.  Eines  Tages  sei  er  vom  Amt  für  Informationsschutz  (Hefazat­e  Ettelaat)  kontaktiert  worden.  Man  habe  ihn  zur  Zusammenarbeit  gedrängt  und  von  ihm  verlangt,  im  Dienste  des  Vaterlandes  Informationen  über  bestimmte  Personen,  namentlich  Kollegen und Patienten, zu  liefern.  In der Folge habe er  im Auftrag des  Amtes mehrere Personen ausgehorcht und observiert, welche daraufhin  teilweise verhaftet worden seien. Seine Frau habe davon nichts gewusst.  Im  Laufe  der  Zeit  hätten  ihn  aber  zunehmend Gewissensbisse  geplagt,  weshalb er sich schliesslich doch seiner Frau anvertraut habe. Diese sei  empört gewesen über seine Tätigkeit als Verräter. Sie habe ihm eröffnet,  wenn er die Spitzeltätigkeit nicht beende, werde sie sich scheiden lassen. 

D­891/2010 Sie  habe  ihm  ausserdem  mit  einer  Anzeige  beim  obersten  Justizamt  gedroht;  eine  ihrer  Schülerinnen  sei  nämlich  die  Tochter  des  obersten  Direktors  der  Judikative  gewesen.  Er  habe  sich  daraufhin  mit  seinem  guten  Freund  H.  M.  beraten,  welcher  früher  einmal  ähnliche  Probleme  gehabt habe und nun  in Kanada  lebe. H. M. habe  ihm gesagt, wenn er  die Zusammenarbeit mit dem Regime aufgeben wolle, dann müsse er ins  Ausland  flüchten,  da  er  ansonsten  eliminiert  würde.  Daraufhin  habe  er  sich  entschieden,  sein  Heimatland  zu  verlassen  und  entsprechende  Vorbereitungen getroffen. Ungefähr Mitte des Jahres 2007 habe ihm der  Ettelaat die Teilnahme an einer einwöchigen medizinischen Konferenz in  Dubai  bewilligt.  Für  ihn  sei  diese  Reise  der  Testlauf  für  seine  Flucht  gewesen. Als er sich später für einen Postdoktorat­Kurs für Zahnärzte in  Ankara  angemeldet  habe,  hätten  ihm  die  Behörden  dies  ebenfalls  bewilligt,  und  so  habe  er  am  3.  Dezember  2007  legal  in  die  Türkei  ausreisen  können.  Im  Februar  2008  habe  er  sich  in  Istanbul  auf  das  israelische Konsulat begeben und dort um Asyl nachgesucht. Man habe  ihn durchsucht, seinen Pass  fotokopiert und seine Adresse nachgeprüft.  Daraufhin  sei  er  zweimal  befragt  worden.  Sein  Asylgesuch  sei  in  der  Folge abgelehnt worden, da er weder Jude sei noch Bezugspersonen in  Israel  habe.  Man  habe  ihn  gewarnt,  er  müsse  die  Türkei  umgehend  verlassen, da seine Sicherheit dort nicht gewährleistet sei; das israelische  Konsulat werde vom iranischen Geheimdienst überwacht. Tatsächlich sei  er, kaum aus der Botschaft herausgetreten, von einem Angehörigen des  iranischen  Geheimdienstes  behelligt  worden,  welcher  ihm  seinen  Reisepass  sowie  seinen  Zahnarztausweis  abgenommen  und  ihn  mündlich  für  den  nächsten  Tag  auf  das  iranische  Generalkonsulat  vorgeladen  habe.  Daraufhin  habe  er  Istanbul  sofort  verlassen  und  sich  nach Kušadasi begeben, wo er bis zu seiner Weiterreise  in die Schweiz  Ende April 2008 geblieben sei. Der Beschwerdeführer führte aus, er habe  zu  seiner  Frau  keinen  telefonischen  Kontakt,  da  er  wisse,  dass  das  Telefon  zuhause  abgehört  werde.  Via  seinen  in  Kanada  wohnhaften  Bruder  habe  er  jedoch  erfahren,  dass  seine  Frau  dreimal  zu  seinem  Verschwinden  befragt  worden  sei.  Die  iranischen  Behörden  hätten  gewusst,  dass  er  in  der  Türkei  auf  dem  israelischen Konsulat  gewesen  sei. Seine Frau habe jeweils gesagt, sie habe keinen Kontakt zu ihm. Sie  werde  seither  schikaniert;  beispielsweise  sei  ihr  die  Pilgerreise  nach  Mekka  verweigert  worden.  Der  Beschwerdeführer  brachte  im  Weiteren  vor,  er  sei  im  Sommer  2008  zum  Christentum  konvertiert  und  getauft  worden. Er sei Kirchverwalter bei den (…) in (…), und als solcher führe er  unter anderem Seminare durch. Bei einer Rückkehr in den Iran befürchte 

D­891/2010 er,  unter  Folter  umgebracht  respektive  in  den  Selbstmord  getrieben  zu  werden.  A.c.  In mehreren  schriftlichen  Eingaben  vom  16.  Juli  2009,  25.  August  2009 und 5. Oktober 2009 brachte der Beschwerdeführer vor, seine Frau  habe  ihre  Stelle  an  der  (…)­Schule  verloren,  offenbar  auf  Initiative  des  Ettelaat. Zudem sei seine Wohnung am 3. Juli 2009 durchsucht worden,  wobei  zwei  PCs  beschlagnahmt  worden  seien.  Sicherlich  sei  die  Wohnung verwanzt worden. Seine Frau sei am 6. und 11. Juli 2009 vom  Ettelaat  befragt  worden.  Man  habe  ihr  mitgeteilt,  ihr  Ehemann  sei  ein  Spion  für  Israel  und  Grossbritannien.  Sie  hätten  ihr  eine  Gerichtsvorladung  gezeigt  und  sie  zur  Kooperation  ermahnt.  Auch  sein  Sohn  sei  befragt  worden.  Er  selber  habe  in  der  Zwischenzeit  ein  Buch  geschrieben  und  veröffentlicht  ([…]).  Zurzeit  liege  es  in  persischer  und  englischer Sprache vor, werde aber auch noch  ins Arabische, Deutsche  und Französische übersetzt. Der Beschwerdeführer teilte ausserdem mit,  seine Mutter habe ihn Mitte September 2009 besucht. Bei ihrer Rückkehr  nach  Teheran  sei  sie  drei  Stunden  lang  durch  den  Ettelaat  befragt  worden. Die Behörden  hätten  ihr  gesagt,  er  sei  eine Bedrohung  für  die  nationale  Sicherheit  und  den  Islam,  weshalb  ein  Haftbefehl  gegen  ihn  ausgestellt worden sei. Der Ettelaat  habe auch erwähnt,  dass sie  seine  Frau und seinen Sohn in Gewahrsam nehmen würden.  A.d.  Zum  Beleg  seiner  Identität  respektive  zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Verlauf des vorinstanzlichen  Verfahrens  folgende  Beweismittel  zu  den  Akten:  seine  Identitätskarte  sowie  seinen  iranischer  Führerausweis,  eine  Heiratsbescheinigung  (Kopie)  mit  Übersetzung,  einen  Militärausweis  (Kopie),  mehrere  Unterlagen  zu  seiner  Ausbildung  und  Erwerbstätigkeit  (u.a.  Zahnarztdiplom  und  Zulassungsschein  der  Zahnarztpraxis),  Kurzbiographie  von  M.  M.  mit  Foto  sowie  weitere  Fotos  von  M.  M.,  Taufbestätigung  der  (…)  vom  26. Mai  2009,  Bestätigungsschreiben  der  (…) vom 29. Juli 2009, zwei Bestätigungsschreiben der (…) vom 26. Mai  2009 und 28. Oktober 2009 (inkl. Fotos), Fotos betreffend seine Tätigkeit  in  der  (…),  Bestätigungsschreiben  von  (…)  vom  20.  Dezember  2009  sowie seine Publikation "(…)" in Englisch und Persisch. B.  Mit  Verfügung  vom  15.  Januar  2010  –  eröffnet  am  19.  Januar  2010 –  stellte  das BFM  fest,  die  Vorbringen  des Beschwerdeführers  seien  teils  unglaubhaft,  teils  nicht  asylrelevant,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft 

D­891/2010 zu  verneinen  sei.  Demzufolge  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  ab,  verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.  C.  Mit  Beschwerde  vom  15.  Februar  2010  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  damaligen Rechtsvertreter  beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und Asyl  zu  gewähren,  eventuell  sei  er  infolge  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  vollumfänglichen  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  ersucht.  Ausserdem  wurde  beantragt,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  vollständige  Akteneinsicht  zu  geben  und  es  sei  ihm  anschliessend  Gelegenheit  zu  geben,  die  Beschwerde  gegebenenfalls  zu  ergänzen.  Ferner  sei  der  Beschwerdeführer  eventuell  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  persönlich  anzuhören  und  es  seien  eventuell  bei  verschiedenen  schweizerischen  Auslandsvertretungen  (Kanada,  Iran,  allenfalls  Israel)  Auskünfte  einzuholen,  wobei  dem  Beschwerdeführer  jeweils  vorgängig  der Fragekatalog zu unterbreiten und ihm Gelegenheit zu geben sei, dazu  Stellung zu nehmen und ergänzende Fragen zu stellen.  Der  Beschwerde  lagen  folgende  Beweismittel  bei:  Flugtickets  des  Beschwerdeführers (Kopie), Internetausdrucke betreffend die (…)­Schule  und die dort  tätigen Lehrpersonen, Ausdrucke der Website der  (…), die  Publikation  "(…)"  inklusive  Erläuterungen  des  Beschwerdeführers,  undatiertes  Schreiben  des  Leiters  der  (…)  (Kopie),  Schreiben  von  (…)  vom  20.  Dezember  2009  (Kopie)  sowie  persönliche  Erläuterungen  des  Beschwerdeführers zu seiner Konversion.  D.  Mit  Verfügung  vom  18.  Februar  2010  hiess  der  Instruktionsrichter  das  Akteneinsichtsgesuch  teilweise  gut,  wies  indessen  das  Gesuch  um  Einräumung einer Frist zur Stellungnahme unter Hinweis auf Art. 32 Abs.  2  VwVG  ab.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  ausserdem mitgeteilt,  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  werde  im  Endentscheid  befunden  werden.  Er  wurde  aufgefordert,  umgehend  einen  Beleg  für  die  geltend  gemachte 

D­891/2010 prozessuale Bedürftigkeit nachzureichen. Das Gesuch um unentgeltliche  Verbeiständung wurde abgewiesen.  E.  Mit  Eingabe  vom  3.  März  2010  liess  der  Beschwerdeführer  eine  Sozialhilfebestätigung  vom  24.  Februar  2010  sowie  eine  Beschwerdeergänzung  nachreichen.  Ausserdem  wurden  weitere  Beweismittel  zu  den  Akten  gereicht:  ein  Internetausdruck  eines  Informationsschreibens  der  American  Dental  Association  vom  12.  März  2007,  Standards  und  Verfahrensvorschriften  des  ADA  CERP,  eine  Verfügung  des  iranischen  Verteidigungsministeriums  sowie  eine  Vereinbarung  mit  dem  Beschwerdeführer  vom  Juni  2002,  inkl.  Briefumschlag (alles in Kopie). F.  Der  Beschwerdeführer  liess  mit  Eingabe  vom  7.  April  2010  folgende  Beweismittel  nachreichen:  Internetausdrucke  der  bei  der  (…)­Schule  tätigen  Lehrerinnen  (an  verschiedenen  Daten  ausgedruckt),  Kopie  des  iranischen  Passes  von  M.  M.  S.  H.  sowie  das  Original  des  bereits  mit  Eingabe vom 3. März 2010 eingereichten Briefumschlages. G.  Mit  Eingaben  vom  15.  Juni  2010  und  25.  Februar  2010  (recte:  2011)  wurden weitere Beweismittel zu den Akten gereicht: die Broschüre "(…)"  sowie  deren  teilweise  Übersetzung  auf  Farsi,  vom  Beschwerdeführer  kommentierte  Ausgabe  des  Films  "The  Bible"  (DVD),  Abschlussdiplom  des  islamwissenschaftlichen  Zentrums  Qom  vom  (…)  (Kopie  inkl.  beglaubigte  Übersetzung  und  Briefumschlag),  eine  E­Mail  vom  7.  Dezember 2010.  H.  Das BFM hielt  in  seiner Vernehmlassung  vom 12. August  2011  –  nach  zwischenzeitlich durchgeführter Botschaftsabklärung – vollumfänglich an  seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I.  Nach mehrmaliger Fristerstreckung replizierte der am 9. November 2011  mandatierte,  aktuelle  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit  Eingabe  vom  30.  November  2011  und  hielt  dabei  sinngemäss  an  den  Beschwerdeanträgen  fest.  Der  Replik  lagen  folgende  Beweismittel  bei:  Liste  der  bei  der  (…)­Schule  tätigen Lehrerinnen  (Internetausdruck  vom 

D­891/2010 14. November  2011),  Auszug  der  Mitgliederliste  des  (…)  (Internetausdruck vom 30. Mai 2011), Profil des Beschwerdeführers beim  (…)  (Internetausdruck  vom  30.  Mai  2011),  Beispiel  einer  Übersetzungsarbeit  des  Beschwerdeführers  (Internetausdruck),  Unterlagen  der  Konferenz  "(…)"  vom  11./12. Juni  2011,  Meldung  der  Zeitung TREND vom 14. November 2011. J.  Auf entsprechende Aufforderung des Instruktionsrichters vom 26. Januar  2012 hin reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe  vom 3.  Februar  2012  seine Kostennote  sowie  diejenige  des  vormaligen  Rechtsvertreters  zu  den  Akten.  Ausserdem  wurde  ein  Bestätigungsschreiben von M. O., (…), vom 25. Januar 2012 eingereicht.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von  einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

D­891/2010 (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  ihrer politischen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids  im Wesentlichen  aus,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  teilweise  unglaubhaft,  da  sie  widersprüchlich  und  unlogisch  ausgefallen  seien. Beispielsweise habe er ausgesagt, er und seine Ehefrau würden in  allen  Lebenslagen  streng  kontrolliert.  Im  Widerspruch  dazu  habe  er  jedoch geltend gemacht, er kommuniziere mit seiner Ehefrau per E­Mail  beziehungsweise  sie  habe  kürzlich  mit  seinem  Bruder  in  Kanada  telefoniert.  Der  Beschwerdeführer  habe  auch  vorgebracht,  es  sei  ihm  verboten  worden,  sich  weiterzubilden.  Demgegenüber  habe  er  später  ausgesagt,  er  sei  nicht  nur  Zahnarzt,  sondern  habe  daneben  weitere  Studiengänge  (Informatik,  Musik,  Theologie,  Rechtswissenschaften) 

D­891/2010 abgeschlossen. Im Weiteren habe er in der Erstbefragung erklärt, er habe  nie die Erlaubnis erhalten, den  Iran zu verlassen.  In der Direktanhörung  habe  er  dagegen  dargelegt,  wie  er  mit  staatlicher  Genehmigung  nach  Dubai und in die Türkei gereist sei. Der Beschwerdeführer habe sich auch  in  Bezug  auf  seine  Ausreisemotivation  widersprochen.  In  der  Erstbefragung habe er noch ausgesagt, er habe den Iran verlassen, weil  er im Iran staatlich stark überwacht und eingeschränkt worden sei. In der  Direktanhörung habe er dagegen erklärt, er sei als Spitzel tätig gewesen  und habe dann Gewissensbisse bekommen, weshalb er das Land habe  verlassen wollen. In Bezug auf die geltend gemachte Spitzeltätigkeit habe  er  einerseits  vorgebracht,  er  habe  anlässlich  seiner  Rekrutierung  nicht  gewusst,  dass  er  für  den Ettelaat  arbeiten werde,  andererseits  habe  er  ausgesagt,  er  habe  gedacht,  der  Ettelaat  würde  ihm  möglicherweise  nützlich  sein.  Im  Weiteren  erstaune  es,  dass  der  Beschwerdeführer  angeblich  vom  Ettelaat  angeworben  worden  sei,  da  er  über  kein  politisches  Profil  verfüge,  das  ihn  zu  dieser  Tätigkeit  prädestinieren  würde. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass die Tochter des obersten  Direktors der Judikative den Beschwerdeführer habe anzeigen wollen, da  der  Beschwerdeführer  ja  angeblich  vom  staatlichen  Geheimdienst  angestellt gewesen sei, welcher keiner Amtsstelle Rechenschaft schuldig  sei.  Nach  dem Gesagten  seien  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  insgesamt  nicht  glaubhaft.  Deshalb  könne  ihm  auch  nicht  geglaubt  werden, dass er aufgrund der geltend gemachten Schwierigkeiten  in der  israelischen  Botschaft  vergeblich  um  Asyl  ersucht  habe  und  ihm  Angehörige des iranischen Geheimdienstes beim Verlassen der Botschaft  den  Pass  abgenommen  hätten.  Bezeichnenderweise  habe  der  Beschwerdeführer  keine  Unterlagen  eingereicht,  welche  seine  Darstellung  hätten  stützen  können.  Vielmehr  habe  er  sich  in  weitere  Ungereimtheiten  verstrickt:  Einmal  habe  er  nämlich  ausgesagt,  er  sei  telefonisch  befragt  worden,  während  er  andernorts  ausgeführt  habe,  er  sei  persönlich  vorstellig  geworden.  Das  Vorbringen,  wonach  seine  Ehefrau  wegen  seines  Asylgesuchs  auf  der  israelischen  Botschaft  Probleme mit  den  iranischen  Behörden  bekommen  habe,  sei  demnach  ebenfalls  nicht  glaubhaft.  Bezüglich  der  geltend  gemachten  Konversion  zum  Christentum  sei  unter  Hinweis  auf  zwei  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  (D­3357/2007  vom  9.  Juli  2009  und  E­ 4618/2006  vom 28. August  2007)  festzustellen,  dass dieses Vorbringen  nicht  asylrelevant  sei.  Aufgrund  der  Aktenlage  gebe  es  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  iranischen  Behörden  Bescheid  wüssten  über die Konversion des Beschwerdeführers. Er verfüge auch nicht über  eine  exponierte Stellung  innerhalb  der  (…). Darüber  hinaus  lasse  seine 

D­891/2010 Erklärung,  weshalb  er  konvertiert  sei,  eine  innere  Überzeugung  vermissen  und  erschöpfe  sich  stattdessen  in  Gemeinplätzen.  Es  sei  daher  davon  auszugehen,  dass  die  Konversion  nicht  auf  einem  ernst  gemeinten religiösen Gesinnungswechsel beruhe. Deshalb wäre es dem  Beschwerdeführer  zuzumuten,  den  iranischen  Behörden  allenfalls  mitzuteilen,  seine  Konversion  habe  nur  als  Mittel  zur  Erlangung  einer  Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz gedient. Nach dem Gesagten habe  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  keine  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  zu  befürchten.  Insgesamt  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  das  Asylgesuch  abzulehnen  sei.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  zulässig,  zumutbar und möglich.  4.2.  In  der  Beschwerde  wird  zunächst  darauf  hingewiesen,  dass  die  Vorinstanz  fälschlicherweise  geschrieben  habe,  der  Beschwerdeführer  habe  die  israelische  Botschaft  in  Ankara  aufgesucht;  der  Beschwerdeführer habe ausgesagt, dass er dies  in  Istanbul getan habe,  was  im  Übrigen  durch  die  der  Beschwerde  beiliegenden  Flugtickets  bestätigt  werde.  Die  Vorinstanz  habe  sodann  in  der  Sachverhaltsdarstellung nicht berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer  ausdrücklich gesagt habe, die Restriktionen und Zwänge, welchen er  in  Teheran  ausgesetzt  gewesen  sei,  hätten  unter  anderem  in  der  psychischen  Belastung  bestanden,  die  er  aufgrund  seiner  Informantentätigkeit  verspürt habe. Seitens des Beschwerdeführers wird  anschliessend  gerügt,  das  BFM  habe  den  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  verletzt,  indem  ihm  nicht  alle  Akten  zur  Einsicht  zugestellt  worden  seien.  Das  BFM  habe  dem  Rechtsvertreter  beispielsweise  die  als  bekannt  vorausgesetzten  Aktenstücke  nicht  zugestellt.  Da  der  Beschwerdeführer  indessen  nicht  von allen als Beweismittel eingereichten Dokumenten Kopien angefertigt  habe,  sei  der  Rechtsvertreter  darauf  angewiesen,  dass  ihm  Einsicht  in  diese  Beweismittel  gewährt  werde.  Die  Einsicht  in  weitere  Aktenstücke  sei  unter  Hinweis  auf  überwiegende  öffentliche  oder  private  Interessen  verweigert  worden.  Gemäss  Bezeichnung  handle  es  sich  dabei  um  "interne  Akten".  Der  Beschwerdeführer  könne  so  nicht  abschätzen,  ob  deren  Inhalt  für  den  Entscheid  der  Vorinstanz  wesentlich  gewesen  sei  oder nicht. Sollte es sich tatsächlich um interne Akten handeln, sei nach  den  normalen  Kriterien  der  Interessenabwägung  Akteneinsicht  zu  gewähren.  Die  Vorinstanz  habe  den  Gehörsanspruch  des  Beschwerdeführers mehrfach und in qualifizierter Weise verletzt, weshalb  die  angefochtene  Verfügung  zu  kassieren  sei,  zumal  eine  Heilung  im 

D­891/2010 Beschwerdeverfahren nicht  in Betracht  komme.  In der Beschwerde wird  sodann  Stellung  genommen  zur  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen.  Dabei  wird  ausgeführt,  in  der  Tatsache,  dass  er  mit  seiner Frau per E­Mail  kommuniziere  respektive  diese  seinen Bruder  in  Kanada  angerufen  habe  liege  kein  Widerspruch  zu  seiner  Aussage,  wonach  jede  Telefonverbindung  etc.  überwacht  werde.  Der  Beschwerdeführer  habe  nämlich  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass  er  jeweils einen  "Trick" anwende. Bei diesem "Trick" handle es sich um  eine  verschlüsselte  IP­Adresse.  Dasselbe  gelte  für  das  Telefonat  zwischen  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  und  seinem  Bruder.  Der  Beschwerdeführer  habe  diesbezüglich  in  der  Anhörung  auf  entsprechende  Frage  erklärt,  sie  hätten  mittels  "Home  Messenger"  zusammen  gesprochen.  Dabei  könne  ebenfalls  eine  anonymisierte  IP­ Adresse  verwendet  werden.  Diejenige  Person,  welche  den  negativen  Asylentscheid  verfasst  habe,  habe  die  Erklärungen  des  Beschwerdeführers  ignoriert  und  damit  die  Begründungspflicht  verletzt.  Von  einem  Widerspruch  könne  keine  Rede  sein.  Das  BFM  habe  dem  Beschwerdeführer  ferner  vorgeworfen,  er  habe  zunächst  gesagt,  es  sei  ihm  verboten worden,  sich weiterzubilden,  jedoch  im Widerspruch  dazu  an  der  Anhörung  dargelegt,  er  habe  nach  dem  Zahnarztstudium  noch  weitere  Studiengänge  abgeschlossen.  Der  Beschwerdeführer  habe  indessen  mit  Weiterbildung  nicht  ein  Zweit­  oder  Drittstudium,  sondern  eine  Spezialisierung  im  angestammten  Fach  (Dentalmedizin)  gemeint,  welche  ihm  vorenthalten worden  sei.  Dies  gehe  klar  aus  dem Protokoll  hervor. Ein Widerspruch liege auch hier nicht vor. Die Vorinstanz schreibe  weiter, der Beschwerdeführer habe zunächst vorgebracht, er habe nie die  Erlaubnis  erhalten,  den  Iran  zu  verlassen  und  ins  Ausland  zu  gehen;  demgegenüber  habe  er  an  der  Anhörung  geschildert,  wie  er  mit  staatlicher Genehmigung Ausbildungsveranstaltungen in Dubai und in der  Türkei  habe  besuchen  dürfen.  Aus  den  Protokollen  gehe  indessen  klar  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  zwischen  einem  Verbot  von  Privatreisen für  ihn und seine Frau (im Sinne von Urlaub) einerseits und  der  Bewilligung  zur  Ausreise  aus  beruflichen  Gründen  für  ihn  alleine  unterschieden  habe.  Somit  bestehe  kein  Widerspruch.  Entgegen  der  Auffassung  des  BFM  habe  sich  der  Beschwerdeführer  auch  bezüglich  seiner  Ausreisemotivation  nicht  widersprochen.  Er  habe  vielmehr  in  beiden  Befragungen  beide  Fluchtmotive  (staatliche  Überwachung  und  belastende Tätigkeit  als  Informant)  genannt. Die Motive würden  sich  im  Übrigen überschneiden: Der Beschwerdeführer habe versucht, aus einem  Korsett  auszusteigen,  das unter  anderem aus den  Informantenzwängen  bestanden  habe,  und  diese  Zwänge  seien  aus  der  Position  seiner 

D­891/2010 Ehefrau, welche an der elitären (…)­Schule unterrichtet habe (inzwischen  sei  sie wegen  der  Flucht  des Beschwerdeführers  entlassen worden),  in  einem  vollständig  überwachten  sozialen  Umfeld  hervorgegangen.  Das  BFM  habe  weiter  erwogen,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  widersprochen,  indem  er  einmal  gesagt  habe,  er  habe,  als  er  zur  Zusammenarbeit aufgefordert worden sei, nicht gewusst, dass es sich um  eine Zusammenarbeit mit dem Ettelaat handeln würde, an anderer Stelle  hingegen erklärt habe, er habe gedacht, der Ettelaat könnte ihm nützlich  sein. Die genaue Lektüre des Protokolls erhelle auch in diesem Fall, dass  kein  Widerspruch,  sondern  eine  Fehlinterpretation  der  Vorinstanz  vorliege. Schliesslich habe das BFM dem Beschwerdeführer vorgehalten,  er habe unterschiedliche Angaben gemacht zur Form seiner Anhörung in  der  israelischen  Botschaft  (telefonisch  versus  persönlich  vorstellig  geworden)  gemacht  habe.  Auch  das  treffe  jedoch  nicht  zu.  Der  Beschwerdeführer  sei  beide  Male  persönlich  vorstellig  geworden  und  habe auch nie etwas anderes gesagt. Er sei dann vor Ort und telefonisch  von einem Herrn B. befragt worden, den er somit nie gesehen habe. Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  widersprächen  sich  diesbezüglich  nicht. Für den Fall,  dass an dieser Darstellung gezweifelt werde, werde  beantragt, es sei bei der zuständigen schweizerischen Auslandvertretung  (Türkei oder Israel) eine Auskunft über das vom Beschwerdeführer in der  israelischen  Botschaft  in  Istanbul  gestellte  Asylgesuch  einzureichen.  Übrigens  habe  Herr  B.  dem  Beschwerdeführer  versichert,  man  könne  jederzeit  Auskünfte  über  das  Asylgesuch  einholen.  Es  hätte  der  Vorinstanz keine Mühe bereitet, dies zu tun. Die Vorinstanz habe sodann  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  vom  iranischen  Geheimdienst  als  Informant  angeworben  worden  sei,  als  unlogisch  bezeichnet, da dieser über kein entsprechendes politisches Profil verfüge,  insbesondere  eigenen  Angaben  zufolge  nie  politisch  aktiv  gewesen  sei  und überdies Geschwister habe, welche ins Ausland geflohen seien. Die  Argumentation des BFM sei jedoch nicht stichhaltig. Ganz normale Leute  seien als Informanten viel nützlicher als politisch aktive Personen, da sie  unverdächtig  und  unauffällig  seien.  Der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Zahnarztpraxis und den Kunden aus Politik und Klerus sowie Botschafter  aus  aller Welt  sei  ein  perfekter  "non  official  cover  (NOC)"  gewesen.  In  Bezug  auf  die  ins  Ausland  "geflohenen"  Brüder  sei  festzustellen,  dass  diese  nicht  etwa  Regimegegner  gewesen  seien,  sondern  zur  Zeit  des  Krieges  zwischen  dem  Iran  und  dem  Irak  geflohen  seien,  um  dem  Militärdienst  zu  entgehen.  Kanada  habe  sie  in  der  Folge  als  politische  Flüchtlinge  oder  eventuell  Gewaltflüchtlinge  aufgenommen;  inzwischen  seien  sie  in  Kanada  eingebürgert.  Im  Falle  von  Zweifeln  sei  in  Kanada 

D­891/2010 eine  Botschaftsanfrage  bezüglich  der  beiden  Brüder  einzuholen.  Anschliessend wird angemerkt, der Beschwerdeführer habe im Iran einen  sehr  hohen  Lebensstandard  genossen  und  sei  somit  keineswegs  aus  wirtschaftlichen  Gründen  in  die  Schweiz  geflohen.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers seien nach dem Gesagten nicht nur widerspruchsfrei,  sondern  auch  sehr  detailliert  und  anschaulich.  Falls  die  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  bezweifelt  werde,  werde  beantragt,  mit  dem  Beschwerdeführer  eine  weitere  Anhörung  durchzuführen.  Unter  Hinweis  auf  zuvor  eingereichte  Beweismittel  und  vorgängige  Eingaben  wurde  sodann  vorgebracht,  die  Mutter des Beschwerdeführers habe diesen im September 2009 besucht  und sei anschliessend bei der Wiedereinreise in Teheran verhört worden.  Dabei  habe  sie  erfahren,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  ein  Haftbefehl  erlassen  worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  zudem  erfahren,  dass  seiner  Frau  gekündigt  und  sie  verhört  worden  sei.  Ausserdem sei die Wohnung durchsucht und dem Sohn der Schulzugang  verwehrt worden. Dem Beschwerdeführer werde Spionage für Israel und  Grossbritannien  vorgeworfen.  Da  die  iranischen  Behörden  weitgehend  papierlos arbeiteten, sei es dem Beschwerdeführer nicht möglich, direkte  Beweise  für  diese  Ereignisse  vorzulegen.  Allenfalls  könnte  aber  eine  Botschaftsabklärung  weiterhelfen,  was  hiermit  für  den  Fall,  dass  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  bezweifelt  würden,  beantragt  werde.  Die  Asylrelevanz  der  Asylvorbringen  sei  ohne  weiteres  gegeben.  Ein  Mitarbeiter  des Ettelaat  könne  diese Organisation  nur  vogelfrei  oder  tot  verlassen. Für den Beschwerdeführer komme erschwerend seine Flucht  in  die  Schweiz  mit  einem  vom  iranischen  Geheimdienst  registrierten  Zwischenhalt  auf  dem  israelischen  Konsulat  in  Istanbul  dazu.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Iran  wäre  für  ihn  daher  lebensbedrohlich.  Die  Folterpraxis  der  iranischen  Sicherheitskräfte,  das  Phänomen des "Verschwindenlassen" von unliebsamen Personen sowie  die  allgemein  prekäre  Menschenrechtslage  im  Iran  seien  hinlänglich  bekannt.  Der  Beschwerdeführer  sei  schon  deswegen  als  Flüchtling  anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Er habe darüber hinaus  auch  infolge  seiner  Konversion  zum Christentum  und  seiner  kirchlichen  Tätigkeiten  asylrelevante  Nachteile  zu  befürchten.  Aufgrund  der  vorstehenden  Ausführungen  sei  der  Einwand  des  BFM,  wonach  der  Beschwerdeführer  nicht  im  Visier  der  heimatlichen  Behörden  stehe,  widerlegt. Somit bleibe die Frage, ob die Behörden von dem Engagement  des  Beschwerdeführers  wüssten.  Wie  aus  den  eingereichten  Beweismitteln  hervorgehe,  sei  sein  Einsatz  für  die  Kirche  öffentlich  sichtbar. Er habe die Website der (…) eingerichtet und betreut und werde 

D­891/2010 auf  jeder Webseite  als Webdesigner  vermerkt.  Des Weiteren  sei  er  als  stellvertretender  Leiter  und  Verantwortlicher  für  Evangelisation mit  Foto  aufgeführt.  Zudem  habe  er  die  Broschüre  "(…)"  verfasst,  welche  unter  seinem  Namen  in  vier  Sprachen  (darunter  Farsi  und  Arabisch)  veröffentlicht worden  sei  und  von der Website  der  (…) heruntergeladen  werden könne. Damit habe sich der Beschwerdeführer bereits erheblich  exponiert.  Inzwischen  dürfte  er  der  aktivste  Missionar  der  (…)  sein,  er  versuche  sogar  im  EVZ  (…)  ständig,  Muslime  von  der  Wahrheit  der  christlichen Lehre zu überzeugen. Diese Aktivitäten seien den iranischen  Sicherheitskräften bestimmt nicht verborgen geblieben, zumal diese über  die Auslandvertretungen  bekanntlich  ein weit  verzweigtes Spitzelsystem  unterhielten.  Aus  den  eingereichten  Beweismitteln  (Beilagen  8  bis  10)  ergebe  sich  zudem,  dass  es  der  Beschwerdeführer  entgegen  der  Behauptung des BFM ernst meine mit seinem Glauben. Damit stehe fest,  dass  er  tatsächlich  aus  christlicher  Überzeugung  konvertiert  und  seine  Apostasie  den  iranischen  Behörden  bekannt  sei.  Damit  erfülle  er  die  Flüchtlingseigenschaft.  In  der  Beschwerde  wird  anschliessend  zum  Thema Gefährdung von Konvertiten im Iran aus mehreren einschlägigen  Berichten  zitiert  und  geltend  gemacht,  deren  Lage  habe  sich  weiter  verschärft.  Sollte  der  im  Entwurf  für  eine  Änderung  des  iranischen  Strafrechts  vorgesehene  Apostasie­Strafartikel  zum  Gesetz  gemacht  werden,  drohe  die  Hinrichtung  vieler  Menschen.  Der  Beschwerdeführer  sei  nicht  nur  wegen  seiner  Konversion  als  Flüchtling  anzuerkennen,  sondern  auch  wegen  der  von  ihm  begangenen  Häresie.  In  seiner  Broschüre  "(…)"  vertrete  der  Beschwerdeführer  nämlich  auch  Thesen,  welche  den Koran  angriffen  und  erhebliches Sprengpotential  enthielten.  Ein  deutscher  Koranforscher  welche  ähnliche  Thesen  vertrete  wie  der  Beschwerdeführer,  schreibe  aus  Furcht  vor  Anschlägen  unter  einem  Pseudonym.  Die  iranischen  Sicherheitskräfte  würden  teilweise  härter  gegen  häretische  islamische Strömungen  (Bsp. Sufismus)  vorgehen  als  gegen  nicht­muslimische  Religionen.  Da  sich  der  Beschwerdeführer  in  einer Weise mit dem Koran auseinandersetze, die  in der Orthodoxie als  krass  häretisch  gelten müsse,  habe  er  demnach  begründete  Furcht,  im  Iran  aus  religiösen  Gründen  asylrelevanten  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  und  erfülle  auch  aus  diesem  Grund  die  Flüchtlingseigenschaft.  Ein  Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  wäre  im  Übrigen  unzulässig  und  unzumutbar,  weshalb  eventualiter  die  vorläufige  Aufnahme zu gewähren wäre.  4.3.  In der Beschwerdeergänzung vom 3. März 2010 wird unter Hinweis  auf  ein  Foto,  welches  einen  Bruder  des  Beschwerdeführers  zusammen 

D­891/2010 mit  M.  M.,  einem  regimetreuen  Physiker,  zeigt,  erneut  versichert,  es  handle  sich  bei  den  beiden  in  Kanada  lebenden  Brüdern  des  Beschwerdeführers nicht um politische Flüchtlinge. Sie  seien  in Kanada  aus humanitären Gründen aufgenommen worden und reisten mindestens  zweimal  jährlich  nach  Teheran  in  den  Urlaub.  Aus  der  Emigration  der  Brüder  könne  daher  nicht  hergeleitet  werden,  der  Beschwerdeführer  stamme  aus  einer  im  Iran  verdächtigen  Familie  und  wäre  daher  als  Informant  für  den  Ettelaat  nicht  in  Frage  gekommen.  Weiter  wird  die  Darstellung  des  BFM,  wonach  der  Beschwerdeführer  gesagt  habe,  die  Tochter  von  Ayatollah  S.  (dem  damaligen  "obersten  Richter"  des  Iran),  welche  durch  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  unterrichtet  worden  sei,  habe  den  Beschwerdeführer  wegen  seiner  Agententätigkeit  beim  obersten  Justizamt  anzeigen  wollen,  als  unrichtig  gerügt.  Nicht  die  Tochter des Ayatollah (nota bene ein Kind) habe dem Beschwerdeführer  gedroht,  sondern  seine  Ehefrau,  und  diese  habe  ihn  auch  nicht  selber  anklagen wollen, sondern gedroht, eine Anklage zu veranlassen, falls der  Beschwerdeführer  seine  Zusammenarbeit  mit  dem  Geheimdienst  nicht  aufgebe.  Bei  einer  solchen  Anzeige  wäre  die  Zuverlässigkeit  des  Beschwerdeführers  als  Informant  in  Frage  gestellt  und  er  bezichtigt  worden,  gegen  seinen  Auftrag  verstossen  zu  haben.  Anschliessend  folgen  erklärende  Ausführungen  betreffend  die  vom  Beschwerdeführer  erwähnten  zahnmedizinischen  Kongresse  in  Dubai  und  Ankara  sowie  dem  bei  Zahnarzt­Fortbildungskursen  üblichen  Punktesystem.  Schliesslich  wird  unter  Hinweis  auf  ein  neu  eingereichtes  Beweismittel  (eine  Verfügung  des  iranischen  Verteidigungsministeriums  vom  Juni  2002)  ausgeführt,  dem  Beschwerdeführer  sei  in  dieser  Verfügung  bestätigt worden, dass die Krankenkasse die Kosten der Behandlung von  Angehörigen  der  Streitkräfte  und  Sicherheitskräfte  durch  den  Beschwerdeführer übernehme. Dies habe für den Beschwerdeführer eine  berufliche  Privilegierung  bedeutet.  Der  Verfügung  angeheftet  sei  eine  Vereinbarung  zwischen  dem  Verteidigungsministerium  und  dem  Beschwerdeführer.  Unter  anderem  aufgrund  dieser  Vereinbarung  habe  der  Beschwerdeführer  regelmässig  Kontakt  zu Mitarbeitern  des Ettelaat  gehabt, von welchen er dann letztlich angeworben worden sei.  4.4. Mit Eingabe vom 7. April 2010 wird daran erinnert, dass die Ehefrau  des  Beschwerdeführers,  welche  als  Lehrerin  an  der  (…)­Schule  gearbeitet  habe,  auf  Weisung  der  Ettelaat  freigestellt  und  in  der  Folge  entlassen worden sei. Grund dafür sei die Flucht des Beschwerdeführers  sowie  die  ihm  zur  Last  gelegten  Tätigkeiten  (Spionage,  staatsfeindliche  Aktivitäten).  Die  Entlassung  der  Ehefrau  werde  durch  die  anbei 

D­891/2010 eingereichten  Beweismittel  (Internetausdrucke  der  Lehrerinnenliste  der  […]­Schule) belegt.  4.5. Betreffend die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe wird  in der Eingabe vom 15. Juni 2010 angefügt, der Beschwerdeführer habe  in der Zwischenzeit ein Büchlein mit dem Titel "(…)" verfasst. Es liege auf  Englisch  vor  und werde  im Rahmen  der  Evangelisierung  von Muslimen  eingesetzt.  Eine Übersetzung  in  Farsi  sei  in  Bearbeitung. Das Büchlein  könne  von  der  Website  der  (…)  heruntergeladen  werden.  Der  Beschwerdeführer werde sowohl auf der Titelseite des Büchleins als auch  auf der Website als Autor aufgeführt und sei somit öffentlich präsent. Der  Beschwerdeführer  habe  darüber  hinaus  auch  noch  ein  anderes  theologisch­praktisches  Überzeugungsinstrument  gestaltet,  und  zwar  eine  kommentierte  Ausgabe  des  1966  von  John  Huston  produzierten  Films  "The  Bible".  Der  Beschwerdeführer  zeige  den  Film  ungeschnitten  und habe den Text korrekt auf Farsi übersetzt. Diese – korrekte – Version  des  Films  würden  gläubige  Muslime  natürlich  als  anstössig  empfinden.  Bisher  habe  es  nur  eine  manipulierte,  der  Sichtweise  des  Korans  angepasste Version dieses Films in Farsi gegeben. Die Film­Version des  Beschwerdeführers  werde  als  DVD  in  Umlauf  gebracht  und  sei  zudem  auch  auf  (…)  abrufbar;  der  Beschwerdeführer  sei  auch  dort  namentlich  als  Kommentator  genannt.  Diese  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  zeigten,  dass  er  sich  als  Christ  betätige,  der  vermöge  seiner  theologischen  Kenntnisse  mit  polemischer  Schärfe  den  Islam  unterminiere.  Er  sei  kein  Gelegenheitskonvertit  aus  asyltaktischen  Gründen,  sondern  einer  der  engagiertesten  und  profiliertesten  Islamkritiker in den Reihen der konvertierten Muslime in der Schweiz. Wie  schon  früher  ausgeführt,  habe er  an der  theologischen Hochschule  von  Qom  ein  Koranstudium  absolviert  (Beilage:  Hochschuldiplom).  Dieser  fundierte  theologische  Bildungshintergrund  unterscheide  ihn  von  den  allermeisten  muslimischen  Asylsuchenden,  welche  in  der  Schweiz  zum  Christentum konvertiert seien. Als studierter islamischer Theologe sei der  Beschwerdeführer  in der Lage, praxisorientierte Konversionslehrmittel zu  verfassen. Diese seien auch online erhältlich. Er sei so für die iranischen  Behörden als Konvertit und Evangelist wahrnehmbar und provoziere sie  angesichts  seiner  Ausbildung  mehr  als  ein  "normaler"  muslimischer  Konvertit,  was  für  die  Frage  seiner  Gefährdung  von  wesentlicher  Bedeutung sei.  4.6.  In  der  nachträglichen Eingabe  vom 25.  Februar  2010  (recte:  2011)  wird  erklärt,  weshalb  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  möglich  sei,  das 

D­891/2010 Original  des  (in  Farbkopie  eingereichten)  Abschlussdiploms  des  Koranstudiums  in Qom zu beschaffen. Das Diplom zeige aber, dass die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  bezüglich  seiner  Ausbildung  glaubhaft  seien  und  dass  er  ein  islamischer  Rechtsgelehrter  sei.  Als  solcher  exponiere  er  sich   mit  seinem  Kirchenengagement  in  ausserordentlicher Weise und sei den iranischen Behörden entsprechend  ein  Dorn  im  Auge.  Seit  Juni  2010  arbeite  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  auch  für  den  (…).  Er  habe  sich  in  wesentlicher Weise  an  der  Vorbereitung  und  Durchführung  eines  Kurses  des  (…)  für  muslimische  Konvertiten beteiligt.  Im Herbst 2010 hätten sieben Kurse stattgefunden,  ab März 2011 seien weitere geplant; die Kurse würden in der Regel von  20 Personen besucht. In den Kursen würden die verschiedenen Themen  jeweils in Gruppen diskutiert, und der Beschwerdeführer leite jeweils eine  dieser  Gruppen.  In  der  Eingabe  wird  weiter  mitgeteilt,  der  Beschwerdeführer  habe  von  einem  ihm  nicht  bekannten  Absender  namens  S.  S.  eine  E­Mail  erhalten.  Aufgrund  des  Inhaltes  der  in  Farsi  verfassten  E­Mail  müsse  angenommen  werden,  dass  es  sich  um  jemanden  aus  dem  Umfeld  des  iranischen  Sicherheitsdienstes  handle.  Die  E­Mail  enthalte  eine  Anspielung  auf  den  Sohn  des  Beschwerdeführers  und  lasse  ihn  zudem  erkennen,  dass  man  über  seinen Aufenthalt  in der Schweiz Bescheid wisse. Zweck der E­Mail  sei  die Einschüchterung des Beschwerdeführers. Die E­Mail sei ursprünglich  an  die  Kontakt­E­Mailadresse  der  vom  Beschwerdeführer  in  eigenem  Namen  betriebenen  Website  (…)  gesendet  worden.  Der  Beschwerdeführer  kritisiere  auf  dieser  Website  die  iranische  Politik  gegenüber  Christen  und  unterstütze  iranische  Konvertiten.  Zudem  vertreibe er über diese Seite auch seine Missionierungsschrift  "(…)" und  erläutere  seine  Motive  für  seinen  Glaubensübertritt.  Bezüglich  der  Situation  der  Christen  im  Iran  sei  anzufügen,  dass  es  in  den  letzten  Monaten  rund  um  Weihnachten  2010  zu  systematischen  Verhaftungen  und  anderen Repressionen  gekommen  sei.  Gemäss  einem Bericht  von  Christian  Solidarity  Worldwide  vom  26.  Januar  2011  hätten  sich  Ende  Januar  2011  über  hundert  Christen  in  Haft  befunden.  Zudem  seien  verschiedenen  Quellen  zufolge  Ende  2010  zwei  Iraner  in  einem  Gefängnis in Teheran wegen angeblicher Spionage für Israel hingerichtet  worden.  Mit  Blick  auf  die  lange  Dauer  des  Beschwerdeverfahrens  sei  zudem  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Gefahr  bestehe,  dass  die  Familienangehörigen  des  Beschwerdeführers  im  Iran  durch  iranische  Sicherheitskräfte behelligt würden. 

D­891/2010 4.7.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  12.  August  2011  führte  das  BFM  unter  Verweis  auf  die  getätigte  Botschaftsanfrage  bei  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Teheran  aus,  gemäss  Botschaftsbericht  vom  29.  Mai  2011  seien  den  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Dokumenten  keine  Hinweise  auf  eine  ihn  betreffende  Gefährdung  im  Falle einer Rückkehr in den Iran zu erkennen. Betreffend die Ehefrau des  Beschwerdeführers  sei  festzuhalten,  dass  diese  ein  Jahr  lang  bei  der  (…)­Schule gearbeitet habe. Sie sei jedoch nur eine temporäre Lehrkraft  gewesen,  welche  für  neun  Monate  (Dauer  des  Schuljahres)  angestellt  gewesen  sei. Die Schule  habe aus Gründen,  die  nicht  politischer Natur  seien,  davon  abgesehen,  die  Anstellung  zu  verlängern.  Der Mutter  des  Beschwerdeführers  sei  routinemässig  ein  Schengenvisum  ausgestellt  worden.  Gemäss  Schlussfolgerung  der  Botschaft  sei  der  Beschwerdeführer  im  Iran  keiner  Verfolgung  ausgesetzt.  Andernfalls  hätte  er  im  Anschluss  an  seine  Ausreise  längst  Vorladungen  erhalten.  Das BFM sehe sich angesichts des Ergebnisses der Botschaftsabklärung  in seinen Erwägungen bestätigt.  4.8.  In der Replik vom 30. November 2011 wird ausgeführt, die Ehefrau  des  Beschwerdeführers  habe  mit  der  Schule  ein  befristetes  Arbeitsverhältnis gehabt, wobei die Verlängerung um ein weiteres Jahre  jeweils  nur  Formsache  gewesen  sei.  Die  vorübergehende  Nichtverlängerung des Arbeitsverhältnisses aufgrund der Konversion des  Beschwerdeführers  könne  kaum  als  "politisch  begründet"  bezeichnet  werden,  weshalb  die  Feststellung  des  BFM,  wonach  die  Nichtverlängerung  nicht  aus  politischen  Gründen  erfolgt  sei,  nicht  zu  beanstanden  sei,  aber  ebenso  wenig  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  widerspreche.  Die  Ehefrau  der  Beschwerdeführerin  sei  von  der  Schulleitung  unter  Druck  gesetzt  worden.  Man  habe  ihr  gesagt, wenn sie weiter an der Schule unterrichten wolle, müsse sie sich  scheiden  lassen.  Dies  habe  sie  inzwischen  gemacht,  das  Scheidungsurteil werde nachgereicht. Daraufhin sei sie wieder eingestellt  worden  und  erscheine  aktuell  wieder  als  Lehrperson  der  Schule  (den  beigelegten vgl. Internetausdruck der Website der Schule). Die vom BFM  erwähnten  Abklärungsresultate  betreffend  die  Mutter  des  Beschwerdeführers seien für die Frage, ob dieser im Iran eine Verfolgung  zu  befürchten  habe,  nicht  relevant.  Anschliessend  wird  noch  auf  die  engagierte Mitarbeit  des Beschwerdeführers beim  (…) hingewiesen und  ausgeführt,  dieser  nehme  nicht  nur  an  verschiedenen  Veranstaltungen  und  Kursen  des  (…)  teil,  sondern  sei  auch  Verantwortlicher  des  Farsi­ Übersetzungsteams. Er habe beispielsweise an einer Konferenz vom Juni 

D­891/2010 2011  als  Farsi­Übersetzer  fungiert.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  machte  zudem  darauf  aufmerksam,  dass  gemäss  einer Meldung der Zeitschrift TREND die Bestrafung von Iranern, welche  nach  Israel  reisten, wie dies auch der Beschwerdeführer gemacht habe,  verschärft worden sei.  5.  In der Beschwerde wird vorab gerügt, die Vorinstanz habe den Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  verletzt,  weswegen  die  angefochtene  Verfügung  zu  kassieren  sei.  Der  Gehörsanspruch  sei  insofern verletzt worden, als dem Beschwerdeführer nicht alle Akten zur  Einsicht zugestellt worden seien. Seitens des Beschwerdeführers wurde  sodann  vollständige  Akteneinsicht  beantragt.  Dieses  Akteneinsichtsgesuch  wurde  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom  18.  Februar  2010  geprüft,  wobei  festgestellt  wurde,  es  liege  keine  Gehörsverletzung  vor  (vgl.  dazu  die  Ausführungen  in  der  genannten  Verfügung).  Aus  Gründen  der  Kulanz  wurden  dem  damaligen  Rechtsvertreter  dennoch  Kopien  der  vom  Beschwerdeführer  im  vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel und Eingaben zur  Einsicht  zugestellt.  Da  eine  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör wie erwähnt  nicht  vorliegt,  besteht  auch  keine Veranlassung, die  angefochtene  Verfügung  zu  kassieren.  Auch  eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  (vgl.  die  entsprechende  Bemerkung  auf  S.  7  der  Beschwerde) ist vorliegend nicht ersichtlich. Insbesondere stellt es keine  Missachtung  der  Begründungspflicht  dar,  wenn  das  BFM  nicht  jede  Äusserung  des  Beschwerdeführers  ausdrücklich  erwähnt  und  würdigt.  Die  angefochtene  Verfügung  stellt  im  Übrigen  offensichtlich  eine  hinreichende Grundlage für eine sachgerechte Anfechtung dar.  6.  In  materieller  Hinsicht  ist  zunächst  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  dem  Iran  dort  offensichtlich  nicht  in  asylrelevanter  Weise  verfolgt  war  und  ihm  auch  keine unmittelbare Verfolgungsgefahr drohte. Den Akten zufolge hatte er  nämlich  im  damaligen  Zeitpunkt  seine  angebliche  und  im  Übrigen  freiwillige Zusammenarbeit mit dem Ettelaat noch nicht beendet, weshalb  die  iranischen  Behörden  (noch)  keinen  Grund  hatten,  ihn  zu  verfolgen.  Der  Beschwerdeführer  wurde  im  damaligen  Zeitpunkt  vielmehr  als  verdienter  Mitarbeiter  des  Regimes  betrachtet.  Es  ist  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Ettelaat  schon  vor  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  von  seiner  Absicht,  die  gemeinsame 

D­891/2010 Zusammenarbeit zu beenden, erfahren hat, da ihm ansonsten wohl kaum  die Ausreise  in die Türkei bewilligt worden wäre. Eine Verfolgungsfurcht  allein  aufgrund  eines  möglichen  zukünftigen  Verfahrens  vermag  die  Flüchtlingseigenschaft  ebenfalls  nicht  zu  begründen.  Und  schliesslich  vermochte der Beschwerdeführer auch nicht glaubhaft zu machen, dass  ihm  seine  Ehefrau  ernsthaft  hätte  Schaden  zufügen  beziehungsweise  eine Verfolgung hätte auslösen können. Vor der Ausreise aus dem  Iran  bestand für den Beschwerdeführer somit weder eine Verfolgungssituation  noch  eine  unmittelbare  Verfolgungsgefahr.  Die  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe sind daher nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  demnach zu Recht abgelehnt. 7.  Damit  bleibt  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  durch  sein  Verhalten  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  (respektive  durch  den  Ausreiseakt  an  sich)  Grund  für  eine  zukünftige  Verfolgung  durch  die  iranischen  Behörden  gesetzt  hat  und  aus  diesem  Grund  (subjektive  Nachfluchtgründe) die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 7.1. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus dem Heimat­ oder Herkunftsstaat (oder durch die Flucht an sich) eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl.  Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von Art.  3 AsylG,  führen  jedoch gemäss Art.  54 AsylG zum Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Stattdessen  werden  Personen,  welche  subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können,  als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen  (vgl.  dazu BVGE 2009/28 E. 7.1  S. 352). 7.2.  Im  vorliegenden  Fall  lassen  sich  mit  Blick  auf  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers drei Sachverhaltskomplexe unter den Tatbestand der  subjektiven Nachfluchtgründe subsumieren: Der Beschwerdeführer macht  zunächst geltend, er sei im Heimatland für den Ettelaat als Informant tätig  gewesen  und  habe  diese  Zusammenarbeit  mittels  Flucht  ins  Ausland  beendet, weshalb er nun (als Folge seiner Flucht) als Regimefeind gelte  und  verfolgt  und  gesucht  werde.  Der  Beschwerdeführer  weist  sodann  darauf  hin,  dass  er  in  Istanbul  das  israelische Konsulat  aufgesucht  und  dort ein Asylgesuch gestellt habe, wobei er vom iranischen Geheimdienst 

D­891/2010 gesehen worden sei. Auch deswegen habe er im Falle einer Rückkehr in  den  Iran  mit  Verfolgung  zu  rechnen;  er  werde  beschuldigt,  ein  Spion  Israels und Grossbritanniens zu sein. Schliesslich bringt er vor, er sei  in  der  Schweiz  zum  Christentum  konvertiert  und  habe  sich  hier  in  erheblichem Masse als konvertierter Christ und Islamkritiker exponiert. 7.3. Hinsichtlich  der  geltend  gemachten Apostasie  und Konversion  zum  Christentum  sowie  dem  damit  verbundenen  Engagement  des  Beschwerdeführers in der Schweiz ist Folgendes festzustellen: 7.3.1. Die Menschenrechtssituation  im Iran  ist seit  längerer Zeit schlecht  und es gibt keine Hinweise darauf, dass sich dies in nächster Zeit ändern  wird (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.3.1 S. 354 ff.). Dies bekommen unter  anderem  Angehörige  von  religiösen  Minderheiten  zu  spüren.  Diese  religiösen  Minderheiten  machen  lediglich  1%  der  Bevölkerung  des  Iran  aus, während 99% der Iraner Muslime sind. In der iranischen Verfassung  werden  zwar  gewisse  Religionen  (darunter  auch  das  Christentum)  als  religiöse  Minderheit  grundsätzlich  anerkannt,  dies  ändert  jedoch  nichts  daran, dass Angehörige religiöser Minderheiten im Iran auf allen Ebenen  diskriminiert werden. Für Christen  ist es zudem verboten,  ihren Glauben  über den Kreis  ihrer Familie und ihrer Gemeinde hinaus zu propagieren,  d.h.  zu  missionieren.  Insbesondere  dürfen  sie  auch  nicht  versuchen,  Moslems zum Christentum zu bekehren. Missionarische Tätigkeit wird als  Verstoss gegen allgemein geltende religiöse Grundprinzipien angesehen  und  als  solche  verfolgt.  Für  Konvertiten,  d.h.  Personen,  welche  vom  muslimischen  Glauben  zum  Christentum  (o.a.)  übergetreten  sind,  präsentiert sich die Verfolgungssituation prekärer: Gemäss Koran kommt  der  Abfall  vom  Glauben  einem  Verrat  an  der  islamischen  Gemeinde  gleich  und  soll  mit  dem  Tod  bestraft  werden.  Allerdings  kannte  das  kodifizierte iranische Strafrecht die Apostasie als Tatbestand bisher nicht.  Es  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  allein  der  Glaubensübertritt  grundsätzlich zu keiner (individuellen) staatlichen Verfolgung führt, sofern  der  Konvertierte  den  absoluten Machtanspruch  der  Muslime  respektiert  und nicht missionierend tätig wird. Eine Verfolgung durch den iranischen  Staat  kommt  hingegen  dann  zum  Tragen,  wenn  der  Glaubenswechsel  aufgrund  einer  missionierenden  Tätigkeit  bekannt  wird  und  zugleich  Aktivitäten  des  Konvertierten  vorliegen,  die  vom Regime  als  Angriff  auf  den  Staat  angesehen  werden.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  wurden  Konvertierte  nach  der  Amtseinsetzung  von  Präsident  Ahmadinejad  seitens  der  iranischen  Behörden  in  verstärktem  Mass  Verfolgungshandlungen  und 

D­891/2010 Druckversuchen,  welche  die  Konvertierten  zur  Rückkehr  zum  Islam  bewegen  sollen,  ausgesetzt.  Zusätzlich  zu  den  genannten  staatlichen  Repressionen  gegen  evangelikale  Christen  kann  für  Konvertiten  eine  weitere Gefährdung dann entstehen, wenn sie ins Visier radikal­militanter  Muslime  geraten,  die  den  Abfall  vom  Islam  als  ein  mit  dem  Tod  zu  bestrafendes  Vergehen  betrachten,  zumal  die  iranischen  Behörden  aufgrund  ihrer  fehlenden  Schutzbereitschaft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  keinen  Einsatz  zugunsten  des  betreffenden  christlichen  Konvertiten  leisten  respektive  inoffiziell  solche  Übergriffe  dulden würden. Ein weiterer  Indikator  für die Verschlechterung der Lage  iranischer Muslime, die zum Christentum konvertieren, ist der Entwurf für  eine  Änderung  des  iranischen  Strafrechts,  welcher  im  September  2008  dem Parlament und  im Jahr 2009 dem Wächterrat  vorgelegt und bisher  nur  provisorisch  eingeführt  wurde.  Darin  ist  unter  anderem  eine  Ausweitung  der  bestehenden  Tatbestände  für  die  Verhängung  der  Todesstrafe  respektive  die  separate  Einführung  eines  Apostasiestraftatbestandes  vorgesehen.  Sollte  die  Änderung  in  der  vorgelegten  Form  definitiv  verabschiedet  werden,  gehen  die  meisten  Beobachter von einer dramatischen Verschlechterung der Lage iranischer  Konvertiten aus, zumal damit die Verhängung der Todesstrafe bei Abfall  vom Islam strafrechtlich zwingend vorgeschrieben wäre (vgl. zum Ganzen  BVGE 2009/28 E. 7.3.3 und 7.3.4 S. 359  ff.). Es  ist  jedoch bereits  jetzt  festzustellen, dass  in den  letzten drei Jahren die Anzahl verhafteter und  festgehaltener  Christen  und  Konvertiten  deutlich  zugenommen  hat.  Angesichts  der  strikten  Interpretation  des  Islam  unter  der  aktuellen  iranischen  Regierung  müssen  zumindest  exponierte  konvertierte  Personen  durchaus  mit  Todesstrafe  oder  lebenslänglicher  Inhaftierung  rechnen (vgl. Operational Guidance Note on Iran vom 15. März 2011 der  UK Border Agency, Ziff. 3.8.8). In diesem Zusammenhang ist der Fall des  zum Christentum konvertierten Pastors Youcef Nadarkhani zu erwähnen:  Dieser wurde  im November 2010 wegen Apostasie zum Tode verurteilt.  Das Urteil wurde allerdings bisher nicht vollzogen und der Pastor befindet  sich  zurzeit  in  Haft.  Einigen  Beobachtern  zufolge  dient  der  Fall  Nadarkhani  dem  iranischen Regime  als  Test  für  den  neuen,  bisher  nur  provisorisch  eingeführten  Apostasiestraftatbestand  (vgl. http://  cnsnews.com/news/article/iranian­pastor­death­row­may­be­test­case­ irans­new­apostasy­provisions).  7.3.2. Für den vorliegenden Fall ist zunächst darauf hinzuweisen, dass es  sich beim Beschwerdeführer (u.a.) um einen islamischen Rechtsgelehrten  handelt,  hat  er  doch  seinen  glaubhaften  Aussagen  zufolge  in  der 

D­891/2010 religiösen  Universität  Howzeh­ye  Elmieh  in  Qom,  der  wichtigsten  Ausbildungsstätte für  iranische Geistliche im Iran, Theologie studiert und  dieses  Studium  mit  Diplom  abgeschlossen.  Den  Akten  ist  ferner  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  ungefähr  ein  Jahr  nach  seiner  Einreise  in die Schweiz zum Christentum konvertiert  ist  (Taufe vom […];  vgl.  die  Taufbestätigung  der  […]  vom  26.  Mai  2009).  Schon  kurz  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz  begann  er,  sich  innerhalb  der  (…)  zu  engagieren. Er war dort während längerer Zeit stellvertretender Leiter und  unter anderem zuständig für die Organisation von Anlässen in Zürich, für  Übersetzungen,  für  die  Evangelisation  sowie  für  den  Internetauftritt.  Dabei  wurde  er  mit  Namen,  Funktion  und  Foto  auf  der  Webseite  aufgeführt.  Er  arbeitete  ausserdem  vereinzelt mit  der Organisation  (…),  welche  sich  für  verfolgte  Christen  einsetzt,  zusammen  und  ist  seit  Juni  2010 beim (…) als Übersetzer und Leiter von kleinen Diskussionsgruppen  im  Rahmen  von  Kursen  tätig  (vgl.  zum  Ganzen  die  diesbezüglich  eingereichten Beweismittel). Der Beschwerdeführer  betreibt  zudem eine  eigene  Homepage  (…).  Darauf  veröffentlicht  er  mehrere  Artikel  zum  Thema  Christentum,  Christenverfolgung  und  Menschenrechte  im  Iran  sowie  zur  Politik  im  Iran  generell.  Er  erklärt  im  Weiteren  ausführlich,  weshalb  er  sich  vom  Islam  abgewendet  hat  und  zum  Christentum  konvertiert  ist, übt Kritik an den Grossayatollahs und mockiert  sich über  die  iranischen  Sittenwächter,  welche  den  Gesichtsschleier  für  Frauen  vorschreiben  und  für  lackierte  Fingernägel  Bussen  verteilen.  Auf  der  Homepage  können  zudem mehrere  Bibelfilme  sowie  ein  Film  über  vier  konvertierte Ex­Muslime heruntergeladen werden. Der Internetauftritt des  Beschwerdeführers  erfolgt  unter  seinem  Namen  und  mit  seinem  Foto.  Ferner  hat  der  Beschwerdeführer  unter  seinem  Namen  zwei  Schriften  veröffentlicht,  worin  er  sich mit  dem Christentum  beschäftigt  ("[…]"  und  "[…]";  vgl.  Beweismittel).  Diese  Schriften  richten  sich  ausdrücklich  an  Konvertierte  respektive  Personen,  die  Christen  werden  möchten,  namentlich  ehemalige  Muslime.  In  den  "(…)"  erklärt  der  Beschwerdeführer das Christentum und gibt Anleitungen zum christlichen  Leben. In den "(…)" kommt er mittels Auslegung von zahlreichen Koran­  und  Bibelstellen  zum  Schluss,  dass  der  Koran  eine  Kopie  anderer  Schriften  sei,  während  die  Bibel  das  wahre Wort  Gottes  repräsentiere.  Die  richtige  Lektüre  des  Korans  führe  ebenfalls  zu  Jesus,  nicht  zum  Islam. Beide Schriften konnten während längerer Zeit von der Homepage  der  pcgswiss.ch  heruntergeladen  werden  (vgl.  die  diesbezüglich  eingereichten  Beweismittel).  Nach  wie  vor  sind  die  "(…)"  auf  der  Homepage  des  Beschwerdeführers  (…)  erhältlich.  Schliesslich  hat  der  Beschwerdeführer  eine  neue  Farsi­Version  des  Films  "The  Bible"  von 

D­891/2010 John  Huston  (1966)  herausgegeben  und  kommentiert;  der  Film  ist  auf  DVD erhältlich und zudem auf seiner Webseite (…) zu sehen, wo zudem  erklärt wird, weshalb  der Beschwerdeführer  es  für  notwendig  erachtete,  den Film neu auf Farsi zu übersetzen und zu kommentieren. 7.3.3. Aufgrund  des Gesagten  kann  geschlossen werden,  dass  es  sich  beim Beschwerdeführer  um einen  überzeugten Konvertiten  handelt,  der  ausserdem  von  einem  ausgeprägten Missionierungsdrang  getrieben  ist,  welchen  er  fleissig  auslebt.  Seine  evangelikalen  Aktivitäten  sowie  der  Grad  seiner  Auseinandersetzung  mit  dem  Christentum  und  dem  Islam  gehen deutlich über diejenigen von asyltaktischen Konvertiten hinaus; es  bestehen  im  vorliegenden  Fall  keine  begründeten  Zweifel  an  der  Ernsthaftigkeit  seines  Glaubenswechsels.  Durch  seine  Tätigkeiten  in  verschiedenen  christlichen  Organisationen  in  der  Schweiz  (…)  als  Übersetzer,  Kurs(mit­)organisator,  Gruppendiskussionsleiter  und  Webdesigner sowie durch seinen eigenen Internetauftritt auf (…) und das  Verfassen  von  christlichem  Propagandamaterial  zu  Missionierungszwecken,  welches  überdies  teilweise  offensichtlich  islamkritischen  Inhalt  aufweist,  hat  sich  der Beschwerdeführer  innerhalb  der  iranischen  Exilgemeinde  respektive  innerhalb  der  zum  Christentum  konvertierten  Iraner  in  der  Schweiz  in  erheblichem  Masse  exponiert.  Entgegen  der  vom  BFM  vertretenen  Auffassung  ist  mit  Blick  auf  die  vorstehenden Ausführungen zudem festzustellen, dass das evangelikale  Engagement  des  Beschwerdeführers  durchaus  öffentlich  sichtbar  ist.  Deshalb  ist  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  die  iranischen  Behörden  auf  den  Beschwerdeführer  aufmerksam  geworden sind und nicht nur von seiner Apostasie und Konversion zum  Christentum,  sondern  auch  von  seinem evangelikalen Engagement  und  seinen  islamkritischen  Äusserungen  Kenntnis  genommen  haben,  zumal  die  iranischen  Botschaften  im  Ausland  über  ein  grosses  Netz  an  Informanten verfügen, welche die  iranischen Exilgemeinden überwachen  (vgl.  dazu  die  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse  vom  18.  August  2011  zum Thema  Iran:  Behandlung  von  abgewiesenen Asylsuchenden,  Ziffer  4,  S.  7  ff.).  Unabhängig  davon,  ob  die  übrigen  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  (Informantentätigkeit  für  den  Ettelaat  im  Iran,  Asylgesuchstellung  auf  dem  israelischen  Konsulat  in  der  Türkei)  der  Wahrheit  entsprechen,  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  spätestens  durch  sein  prominentes  christliches  Engagement  in der Schweiz  ins Visier der  iranischen Behörden geraten  ist.  Angesichts  seiner  nun  schon  seit  bald  drei  Jahren  andauernden  kontinuierlichen  und  intensiven Propaganda  für  das Christentum,  seiner 

D­891/2010 aus  islamischer Sicht  offensichtlich  ketzerischen Auslegung  des Korans  und  seiner  kritischen  Äusserungen  gegenüber  dem  Islam  und  der  islamischen  Republik  Iran  ist  es  zudem  überwiegend  wahrscheinlich,  dass er von den iranischen Behörden als Feind der islamischen Republik  und Gegner des Mullah­Regimes registriert wurde. 7.4. Nach dem Gesagten sowie mit Blick auf die vorstehend dargelegte  Situation  der  zum Christentum  konvertierten Muslime  im  Iran  sowie  die  dort  herrschende  allgemeine  Menschenrechtssituation  (vgl.  oben  E. 7.3.1)  hätte  der  Beschwerdeführer  daher  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Iran  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  flüchtlingsrechtliche  Verfolgungshandlungen respektive ernsthafte Nachteile im Sinne von Art.  3  AsylG  seitens  des  iranischen  Staates  zu  befürchten.  Es  ist  ihm  diesbezüglich  eine  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung  zuzusprechen.  7.5. Der Beschwerdeführer ist demnach als Flüchtling anzuerkennen. Da  er die Flüchtlingseigenschaft  indessen  lediglich aufgrund des Vorliegens  subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt, ist er jedoch von der Asylgewährung  auszuschliessen (vgl. Art. 54 AsylG; vgl. oben E. 7.1).  Da  der  Beschwerdeführer  bereits  mittels  seiner  Apostasie,  der  Konversion  zum  Christentum  sowie  seines  christlichen  und  islamkritischen Engagements in der Schweiz subjektive Nachfluchtgründe  gesetzt  hat,  welche  zu  seiner  Anerkennung  als  Flüchtling  führen,  kann  dahingestellt  bleiben,  ob  er  aufgrund  weiterer  subjektiver  Nachfluchtgründe  (d.h.  seiner  Flucht  aus  dem  Heimatland  und  der  geltend gemachten Asylgesuchstellung auf dem israelischen Konsulat  in  der Türkei) ebenfalls die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würde.  8.  8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

D­891/2010 8.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung noch hat er Anspruch auf Erteilung einer solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2001 Nr. 21). Da der Beschwerdeführer  jedoch wie vorstehend dargelegt Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG ist,  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzulässig,  weshalb  er  vorläufig aufzunehmen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 und  3 AuG). 9.  Zusammenfassend  ist  gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  festzustellen, dass das BFM  im Ergebnis zu Recht das Asylgesuch des  Beschwerdeführers abgelehnt, hingegen zu Unrecht das Nichterfüllen der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  der  Definition  von Art. 3 AsylG festgestellt hat. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen,  soweit  damit  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  und  eventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  infolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  beantragt  wurde;  soweit  weitergehend  ist  sie  abzuweisen.  Somit  sind  die  Dispositivziffern 1, 4 und 5 der vorinstanzliche Verfügung vom 15. Januar  2010 aufzuheben, und das BFM  ist  anzuweisen, den Beschwerdeführer  als Flüchtling vorläufig aufzunehmen.  10.  10.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  (teilweises  Obsiegen  des  Beschwerdeführers)  wären  die  reduzierten  Kosten  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen.  Nachdem  jedoch  weiterhin  von  seiner  Bedürftigkeit  auszugehen  ist  (Sozialhilfebestätigung  vom  24.  Februar  2010;  kein  Hinweis  auf  zwischenzeitliche  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit)  und  die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte,  ist  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65  Abs. 1 VwVG).  10.2. Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer  ist sodann zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  7  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Diese Entschädigung 

D­891/2010 ist  entsprechend  dem Grad  des Durchdringens  praxisgemäss  um einen  Drittel  zu  reduzieren.  Der  in  der  Kostennote  des  aktuellen  Rechtsvertreters vom 3. Februar 2012 geltend gemachte Arbeitsaufwand  von 3 Stunden und 27 Minuten sowie die Auslagen von Fr. 19.– sind als  angemessen  zu  erachten.  Hingegen  ist  in  Bezug  auf  die  (undatierte)  Kostennote  des  ersten  Rechtsvertreters  festzustellen,  dass  der  darin  ausgewiesene  Aufwand  von  59  Stunden  als  mit  Blick  auf  den  Umfang  und  die  Schwierigkeit  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  unangemessen  hoch  erscheint. Die Ausführungen  in  den Eingaben  des  ersten Rechtsvertreters wiederholen sich teilweise, sind insgesamt viel zu  ausführlich  und  sprengen  den  Rahmen  des  Notwendigen,  zumal  im  Asylverfahren  der  Untersuchungsgrundsatz  gilt.  Der  in  der  Kostennote  ausgewiesene  Zeitaufwand  ist  zudem  teilweise  unerklärlich  hoch,  so  beispielsweise  die  Position  vom  11.  Februar  2010  ("Vorbereitung  Beschwerde,  Aktenstudium:  600  Minuten").  Auf  Seite  1  dieser  Kostennote, zweitunterste Zeile, findet sich ausserdem eine Position von  60 Minuten ohne Bezeichnung einer entsprechenden Tätigkeit. Überdies  fällt  auf,  dass  der  vormalige  Rechtsvertreter  dem  Beschwerdeführer  offenbar zahlreiche E­Mails geschickt hat, deren Notwendigkeit in diesem  Umfang  ebenfalls  nicht  ersichtlich  ist.  Aus  diesen  Gründen  erachtet  es  das Gericht als angemessen, den geltend gemachten Zeitaufwand auf 18  Stunden  zu  kürzen.  Die  ausgewiesenen  Barauslagen  von  Fr.  110.–  werden dagegen vollumfänglich genehmigt. Gemäss Art. 10 Abs. 2 VGKE  beträgt der Stundenansatz für Anwälte und Anwältinnen mindestens 200  und höchstens 400 Franken. Die ausgewiesenen Stundenansätze von Fr.  300.–  (erster  Rechtsvertreter)  respektive  Fr.  250.–  (zweiter  Rechtsvertreter)  bewegen  sich  in  diesem Rahmen.  Somit  hat  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  in  Anwendung  der  genannten  Bestimmungen  sowie  unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art. 8 ff. VGKE) eine um einen Drittel reduzierte Parteientschädigung von  insgesamt Fr. 4'602.– (inkl. MWSt) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­891/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darin die Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft und der Verzicht auf den Wegweisungsvollzug  zugunsten einer vorläufigen Aufnahme als Flüchtling beantragt werden.  Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2.  Die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom  15.  Januar  2010  werden  aufgehoben,  und  das  BFM  wird  angewiesen,  den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen.  3.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5.  Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  reduzierte  Parteientschädigung  von  Fr.  4'602.– zu entrichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-891/2010 — Bundesverwaltungsgericht 17.02.2012 D-891/2010 — Swissrulings