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Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 D-8692/2010

15. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,345 Wörter·~7 min·2

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 26. Oktober 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8692/2010 law/rep/sps Urteil   v om   1 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), und D._______, geboren am  (…), Kolumbien, c/o Schweizerische Vertretung in Bogotá, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 26. Oktober 2010 / N (…).

D­8692/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  –  eine  kolumbianische  Staatsangehörige  aus  E._______ mit aktuellem Wohnsitz in Bogotá – stellte am 1. Juni 2009 bei  der  Schweizerischen Vertretung  in  Bogotá  für  sich  und  ihre  Familie  ein  schriftliches Asylgesuch,  das  sie  –  auf  entsprechende Zusatzfragen  der  Botschaft vom 3. Juli 2009 hin – mit Eingabe vom 13. Juli 2009 ergänzte. B.  Mit Begleitschreiben vom 3. August 2009 übermittelte die Schweizerische  Vertretung  in Bogotá die Akten zuständigkeitshalber an das BFM, wobei  sie  ergänzend  ausführte,  eine Befragung  der  Beschwerdeführenden  sei  aus Kapazitätsgründen nicht möglich gewesen. C.  Mit via die Schweizer Botschaft in Bogotá zugestellter Zwischenverfügung  vom  25. Mai  2010  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  mit,  es  erachte  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuches  und  der  eingereichten  ausführlichen  Dokumentation  als  erstellt,  weshalb  eine  Anhörung  auf  der  Botschaft  nicht notwendig erscheine.  Im Weiteren erwäge das Bundesamt – unter  Berücksichtigung  der  Akten,  der  zu  beachtenden  Aspekte  und  des  ihm  zukommenden  weiten  Ermessensspielraumes  –  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden abzuweisen und ihnen die Einreise in die Schweiz  zu  verweigern.  Insbesondere  erachte  es  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben.  Gleichzeitig  räumte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Gelegenheit  ein,  sich  hierzu  innert  30 Tagen  ab  Erhalt  der  Zwischenverfügung  zu  äussern,  ansonsten  aufgrund der bestehenden Aktenlage entschieden werde. D.  Am  29. Juni  2010  ging  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Bogotá  eine  entsprechende  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden  vom  28. Juni  2010 zu. E.  Die  Beschwerdeführerin  machte  in  den  Eingaben  vom  1. Juni  2009,  13. Juli 2009 und vom 28. Juni 2010  im Wesentlichen geltend, sie habe  im  Alter  von  12  Jahren  ihren  damaligen  Wohnort,  F._______,  Departement  Huila,  verlassen  müssen,  weil  Angehörige  der  Rebellenorganisation  FARC  (Fuerzas  Armadas  Revolucionarias  de 

D­8692/2010 Colomba  /  Revolutionäre  Streitkräfte  Kolumbiens)  sie  zu  rekrutieren  versucht  hätten. Mehrere  ihrer Onkel  seien  von Mitgliedern  der Guerilla  getötet worden. Überdies seien  in den 1990er Jahren zwei Brüder  ihres  Ehemannes seitens Angehöriger paramilitärischer Gruppierungen getötet  worden, weil der Familie ihres Ehemannes Kollaboration mit der Guerilla  vorgeworfen  worden  sei.  Im  März  des  Jahres  2001  habe  sie  einen  Drohanruf  erhalten,  wobei  ihr  vorgeworfen  worden  sei,  sie  sei  eine  Informantin  des  Militärs.  Ende  des  Jahres  2001  habe  sie  sich  von  G._______  (Departement  Huila)  nach  Bogotá  begeben,  weil  sie  vernommen habe,  ihre Verfolger würden sie suchen, um sie zu töten.  In  der  Folge  habe  sie  auch  in  Bogotá  mehrmals  ihren  Aufenthaltsort  wechseln müssen, da sie immer wieder telefonische Drohanrufe erhalten  habe.  Im  Jahre  2006  sei  sie  kurze Zeit  nach F._______  zurückgekehrt.  Die  Guerilla  habe  sie  dort  allerdings  vor  die  Alternative  gestellt,  in  ihre  Reihen  zu  treten  oder  den Ort  innerhalb  von  12 Stunden  zu  verlassen.  Das habe sie veranlasst, unverzüglich nach Bogotá zurückzukehren.  Im  März  2008  sei  ihr Ehemann  in  der Gemeinde H._______  (Departement  Meta)  von  der  paramilitärischen  Gruppierung  "Águilas  Negras"  beschuldigt worden, Informant des Militärs zu sein, weshalb er sich nach  Bogotá begeben habe. Am 9. Mai 2009 hätten sie Unbekannte in Bogotá  aufgesucht  und  nach  ihrem  Ehemann  gefragt.  Die  Unbekannten  hätten  ihr andeutungsweise geraten, nach einem neuen Ehemann Ausschau zu  halten, da  ihrem  jetzigen Ehemann kein  langes Leben mehr beschieden  sein werde. Ende Mai 2009 habe ihr Ehemann auf seinem Telefon einen  Drohanruf  erhalten.  Im  Juni  2009  seien  sie  und  ihr  Ehemann  von  Mitgliedern  der  FARC  in  ihrem  Wohnquartier  verfolgt  worden,  wo  sie  gemeinsam  einen  Imbissladen  geführt  hätten.  Dieser  Vorfall  habe  sie  veranlasst, ihre Erwerbstätigkeit einzustellen. Sie habe die Verfolgung bei  der  Staatsanwaltschaft,  dem  Innen­  und  Justizministerium,  der  Rechtsschutzstelle  des  kolumbianischen  Volkes  und  bei  der  Polizei  gemeldet, worauf sie  in das Schutzprogramm  für  intern Vertriebene des  kolumbianischen  Innen­  und  Justizministeriums  aufgenommen  worden  seien. Weder  die  Beschwerdeführerin  noch  ihr  Ehemann  machten  geltend,  verwandtschaftliche Beziehungen zur Schweiz zu haben. F.  Mit  via  Schweizer  Botschaft  in  Bogotá  versandter  und  ihnen  am  18. November  2010  eröffneter  Verfügung  vom  26. Oktober  2010  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die 

D­8692/2010 Schweiz  und  lehnte  ihre  Asylgesuche  ab.  Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt zunächst  in formeller Hinsicht aus, dass in den vorliegenden  Fällen  die  Voraussetzungen  für  ein  Absehen  von  einer  Anhörung  der  Beschwerdeführenden  gegeben  seien  und  sie  die  Möglichkeit  erhalten  hätten,  sich  dazu  zu  äussern.  In  materieller  Hinsicht  hielt  das  BFM  im  Wesentlichen  fest,  soweit  die  Beschwerdeführenden  behaupteten,  seitens  der  Guerillabewegung  FARC  bedroht  worden  zu  sein,  sei  festzuhalten,  dass  der  kolumbianische  Staat  grundsätzlich  über  eine  funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur,  insbesondere  über  einen  funktionierenden  Polizeiapparat  sowie  über  ein  Rechts­  und  Justizsystem  verfüge.  Da  der  kolumbianische  Staat  die  Aktivitäten  der  Guerilla  im  Rahmen  des  Möglichen  bekämpfe,  könne  dessen  Schutzwilligkeit  als  gegeben  erachtet  werden.  So  seien  sie  in  das  Schutzprogramm für intern Vertriebene des Innen­ und Justizministeriums  aufgenommen worden. Schliesslich gelte es festzuhalten, dass es keinem  Staat  gelinge,  die  absolute  Sicherheit  aller  seiner  Bürger  jederzeit  und  überall  zu  garantieren.  Da  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden  überdies nicht um landesweit bekannte Persönlichkeiten handle, sei nicht  anzunehmen,  dass  ihre  Verfolger  sie  an  einem  beliebigen  Ort  in  Kolumbien ausfindig machen könnten. Die Beschwerdeführenden hätten  zwar geltend gemacht, bereits mehrmals  ihren Wohnort gewechselt und  auch  in Bogotá Drohungen von Seiten der FARC und von Unbekannten  erhalten zu haben. Nichtsdestotrotz bestehe  für sie die Möglichkeit, sich  an einen anderen Ort  in einer anderen Region Kolumbiens zu begeben,  wo  sie  nicht  bekannt  seien  und  sich  so  zumindest  mittelfristig  der  Verfolgung  von  Seiten  der  FARC  und  der  Unbekannten  entziehen  könnten. Demzufolge seien sie keiner unmittelbaren Gefahr im Sinne des  Asylgesetzes ausgesetzt und bedürften dementsprechend auch nicht des  Schutzes  der  Schweizer  Behörden.  Ferner  sei  es  den  Beschwerdeführenden  möglich  und  zumutbar,  gegebenenfalls  in  einem  anderen Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise  in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens, welche sowohl das Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  entsprechende  Zusatzprotokoll  vom  31. Juli  1967 ratifiziert hätten; besonders nahe Beziehungen zur Schweiz hätten  die Beschwerdeführenden in ihren Asylgesuchen nicht geltend gemacht. G.  Mit am 7. Dezember 2010 bei der Schweizerischen Vertretung in Bogotá  eingetroffener  und  von  dieser  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter  Eingabe  vom  30. November  2010  (Posteingang  beim 

D­8692/2010 Bundesverwaltungsgericht  am  21. Dezember  2010)  erhoben  die  Beschwerdeführenden  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  26. Oktober  2010 Beschwerde. Dabei beantragten sie sinngemäss die Aufhebung der  Verfügung des BFM vom 26. Oktober 2010 und die Gewährung von Asyl  beziehungsweise die Bewilligung der Einreise in die Schweiz. Zur  Begründung  führten  die  Beschwerdeführenden  namentlich  aus,  angesichts der täglichen zahlreichen Morde in Kolumbien könne faktisch  nicht davon die Rede sein, dass die heimatlichen Sicherheitskräfte in der  Lage seien, die Staatsbürger wirksam vor Gewaltakten zu schützen. Die  Tatsache, dass sie ihren Wohnort  innerhalb Kolumbiens bereits mehrere  Male  gewechselt  hätten,  ohne  ihre  Verfolger  abschütteln  zu  können,  widerlege  letztlich auch die Annahme der Vorinstanz, wonach  ihnen die  Möglichkeit  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  offenstünde.  Der  Möglichkeit,  in  einem  anderen  Land  Lateinamerikas  um  Schutz  zu  ersuchen,  stünden  ihre  limitierten  finanziellen  Ressourcen  sowie  die  Tatsache entgegen, dass die FARC auch  in zahlreichen Ländern dieser  Gegend aktiv sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM  auf dem Gebiet des Asyls; das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerdeführenden  haben  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 

D­8692/2010 (Art.  108  Abs. 1  AsylG;  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Ein  Asylgesuch  kann  gemäss  Art. 19  AsylG  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an  das  Bundesamt  überweist  (Art. 20  Abs. 1  AsylG).  Hinsichtlich  des  Verfahrens bei  der  schweizerischen Vertretung  im Ausland  sieht Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art. 10  Abs. 1  AsylV 1).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2  AsylV 1).  Eine  Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann  sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit  zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest  schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7 S. 367). 4.2.  Vorliegend  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der  Schweizerischen Vertretung in Bogotá nicht zu ihrem Asylgesuch befragt.  Sie  haben  ihre  Vorbringen  jedoch  bereits  in  ihrem  Asylgesuch  vom  1. Juni  2009  und  der  diesem  folgenden  Eingabe  vom  13. Juli  2009  schriftlich  dargelegt  und  dokumentiert.  Ausserdem wurde  ihnen  danach  mit Zwischenverfügung des BFM vom 25. Mai 2010 das rechtliche Gehör  im Hinblick auf die  in Erwägung gezogene Abweisung des Asylgesuchs  gewährt. Sie haben von ihrem diesbezüglichen Recht auf Stellungnahme  in der Folge mit ihrer vom 28. Juni 2010 datierenden Eingabe denn auch  Gebrauch gemacht, und der entscheidwesentliche Sachverhalt erscheint  – wie  das  BFM  sowohl  in  seiner  Zwischenverfügung  vom  25. Mai  2010  als auch in der angefochtenen Verfügung zu Recht ausführt – angesichts 

D­8692/2010 der  schriftlichen Darlegung  und Dokumentierung  der  Asylgründe  soweit  erstellt,  dass  die  entscheidrelevanten  Elemente  vorliegen.  Bei  dieser  Sachlage  bestand  für  die  Schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  keine  Veranlassung,  die  Beschwerdeführenden  vorgängig  eines  Entscheides  zusätzlich persönlich anzuhören. Darüber hinaus hat das BFM sowohl in  seiner  Zwischenverfügung  vom  25. Mai  2010  als  auch  in  seiner  Verfügung  vom  26. Oktober  2010  hinlänglich  zum  Ausdruck  gebracht,  welche  Gründe  es  dazu  verhalten  haben,  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  abzuweisen  beziehungsweise  ihnen  die  Einreise  in  die Schweiz  nicht  zu  bewilligen  (vgl.  Sachverhalt  Bst. C  und F). Das  BFM hat den verfahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 5.  5.1.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (Art. 3,  Art.  7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen. 5.2.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG  namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  BVGE  E­ 8127/2008  vom  12. Mai  2011  E. 3.3,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 19  E. 4  S. 174  ff., EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136  f., EMARK 2004 Nr. 20 E. 3  S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.). 6.  6.1.  Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem  Gesuch  keine  besonders  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Gemäss  den  Angaben  der 

D­8692/2010 Beschwerdeführerin in deren ergänzender Eingabe vom 13. Juli 2009 lebt  ein  älterer Bruder  ihres Ehemannes  in Venezuela.  Im Weiteren hat  das  BFM zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführenden zuzumuten  sei,  in  einem  anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (Art. 52  Abs. 2  AsylG).  So  sind  beispielsweise  die  Nachbarstaaten  Brasilien,  Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela  wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das  Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­ Refoulements von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung  festgestellt  werden  muss,  dass  es  in  den  Grenzgebieten  –  insbesondere  in  denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die Grenzbehörden  gekommen  ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen  Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der  visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in  den  Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort  zu  einem  beträchtlichen  Teil  auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden.  Insgesamt  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen liessen, es sei den Beschwerdeführenden praktisch unmöglich  oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat – insbesondere in  einen  der  Nachbarstaaten  Kolumbiens  –  zu  begeben.  An  dieser  Einschätzung  vermag  auch  der  Hinweis  der  Beschwerdeführenden  in  ihrer Beschwerde nichts zu ändern, sie hätten aus  finanziellen Gründen  keine  Möglichkeit,  in  einem  anderen  lateinamerikanischen  Land  um  Schutz zu ersuchen, zumal auch die Reise  in die Schweiz grundsätzlich  durch  die  Beschwerdeführenden  persönlich  zu  finanzieren  wäre.  Im  Weiteren  ist  aus  den  Akten  ersichtlich,  dass  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden  nicht  um  landesweit  bekannte  Persönlichkeiten  handelt, welche aufgrund  ihrer besonders exponierten Stellung auch bei  einer  Flucht  ins  nahe  Ausland  allenfalls  befürchten  müssten,  weiterhin  verfolgt zu werden. 6.2.  Bei  dieser  Sachlage  kann  im  Ergebnis  die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführenden  in  Kolumbien  tatsächlich  einer  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  ausgesetzt  wären  beziehungsweise  ob  sie  allenfalls  innerhalb  ihres Heimatlandes  über  eine  valable  innerstaatliche 

D­8692/2010 Fluchtalternative  verfügen  würden,  offengelassen  werden.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  entsprechenden  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  einzugehen,  da diese am Ausgang des  vorliegenden  Verfahrens nichts zu ändern vermögen. 6.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden  aufgrund  der  Akten  über  keine  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der  Schutzsuche  insbesondere  in  den  Nachbarstaaten  Kolumbiens  haben.  Das  BFM  hat  den  Beschwerdeführenden  daher  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert und die Asylgesuche abgelehnt. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  im  Ergebnis  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigung  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.  (Dispositiv nächste Seite)

D­8692/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  die  Schweizer  Vertretung in Bogotá und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

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