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Bundesverwaltungsgericht 08.09.2011 D-8440/2010

8. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,340 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Ausland

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8440/2010 Urteil   v om   8 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, c/o Schweizerische Vertretung in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2010 / N (…).

D­8440/2010 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführerin – eine srilankische Staatsangehörige tamilischer  Ethnie  aus  B._______  –  ersuchte  mit  Eingabe  vom  14.  Juni  2008  (Eingang  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Colombo  [nachstehend  kurz:  die  Botschaft]  am  20.  Juni  2008)  um  Asyl  in  der  Schweiz.  Mit  Schreiben vom 1. Juli 2008 forderte die Botschaft die Beschwerdeführerin  auf,  ihr  Gesuch  mit  detaillierten  Angaben  zu  den  geltend  gemachten  Asylgründen  zu  ergänzen  sowie  Beweismittel  und  Identitätspapiere  einzureichen.  Dieser  Aufforderung  kam  sie  mit  Schreiben  vom  17.  Juli  2008  (Eingang bei der Botschaft am 28. Juli  2008) nach. Mit Schreiben  vom  24.  September  2008  lud  die  Botschaft  die  Beschwerdeführerin  zu  einer auf den 9. Oktober 2008 angesetzten Befragung ein, und  forderte  sie  gleichzeitig  auf,  allfällige  Beweismittel  (allenfalls  mitsamt  englischer  Übersetzung) an das Interview mitzubringen. Die Befragung konnte am 9.  Oktober  2008  auf  der  Botschaft  durchgeführt  werden.  In  weiteren  Eingaben  vom  5.  Februar  2009,  21.  Mai  2009,  12.August  2009,  27.  November 2009 und 21. Juli 2010  (jeweiliger Eingang bei der Botschaft  am 11. Februar 2009, 26. Mai 2009, 17. August 2009, 4. Dezember 2009  sowie  26.  Juli  2010)  präzisierte  sie  ihre  Asylvorbringen  dahingehend,  dass  sie  ihre  jeweilige  aktuelle  persönliche  Situation  in  ihrer  Heimat  schilderte. Für die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel wird auf  die Akten verwiesen. B.  Anhand der oben aufgezählten Eingaben und der Befragung machte die  Beschwerdeführerin  zur  Begründung  ihres  Gesuches  im  Wesentlichen  geltend,  in  der  Nacht  vom  14. Mai  2007  seien  unbekannte,  bewaffnete  Leute in ihr Haus gekommen. Diese hätten nach ihrem Ehemann gefragt  und  ihn  mitgenommen.  Am  (…)  2007  sei  in  C._______  der  Leichnam  ihres Mannes gefunden worden. Nach dessen Tod sei sie mehrere Male  von  Unbekannten  zu  Hause  aufgesucht  worden.  Die  fremden  Leute  hätten von ihr wissen wollen, ob sie eine Verbindung zur Liberation Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  habe.  Die  Beschwerdeführerin  habe  beteuert,  dass sie und ihr Ehemann nie etwas mit der LTTE zu tun gehabt hätten.  Trotzdem  sei  sie  immer  wieder  über  den  Tod  ihres  Mannes  und  über  allfällige  Beziehungen  zur  LTTE  ausgefragt  worden.  Am  10.  Juli  2009  seien  Leute  des  Criminal  Investigation  Department  (CID)  zu  ihr  nach 

D­8440/2010 Hause gekommen und hätten dort nach Waffen gesucht. Aufgrund dieser  Schikanen  und  der  allgemeinen  Lage  in  Sri  Lanka  fürchte  sie  sich  vor  weiteren Belästigungen und Übergriffen. C.  Mit Verfügung vom 13. Oktober 2010 – eröffnet am 29. Oktober 2010 –  verweigerte  das  BFM  die  Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte das Asylgesuch ab. Zur Begründung  ihres Entscheides  führte die  Vorinstanz  aus,  dass  eine  gesuchstellende  Person,  die  sich  noch  im  Heimatstaat  befinde,  zwar  im  Sinne  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  verfolgt  und  demzufolge  schutzbedürftig sein könne. Um jedoch die Flüchtlingseigenschaft erfüllen  zu  können,  müsse  sie  gemäss  den  Bestimmungen  der  Genfer  Flüchtlingskonvention  (des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30])  das  Heimatland  verlassen haben. Vor diesem Hintergrund könne das BFM einer Person  die Einreise in die Schweiz zwecks Abklärung des Sachverhaltes gestützt  auf Art. 20 AsylG bewilligen, wenn ihr nicht zugemutet werden könne, im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen. Ein weiterer Verbleib im Wohnsitzstaat sei namentlich dann  nicht zumutbar, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig im Sinne  des  Asylgesetzes  sei.  Es  seien  somit  analog  die  Kriterien  des  Flüchtlingsbegriffs  anzuwenden  (vgl.  Art.  3  AsylG).  Die  Flüchtlingseigenschaft  sei  dann glaubhaft  gemacht, wenn sie auf Grund  des  dargelegten  Sachverhalts  oder  allfälliger  Beweismittel  als  überwiegend wahrscheinlich erscheine.  In  den  schriftlichen  und  mündlichen  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  fänden  sich  zahlreiche  Widersprüche,  die  ernsthafte  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  ihrer Aussagen  aufkommen  liessen. So  habe  sie  in  den  schriftlichen  Eingaben  angegeben,  die  Unbekannten  hätten  vor  dem  Haus den Namen ihres Ehemannes gerufen. Sie sei dann zu den Leuten  gegangen und habe diese gefragt, weshalb sie  ihren Mann suchten. Die  Beschwerdeführerin,  ihre  Tochter,  ihre  Eltern,  ihre  Geschwister  und  ihr  Schwager  hätten  dann  versucht,  ihren  Gatten  zu  schützen.  Daraufhin  habe man sie bedroht und weggestossen. Der Bruder  ihres Ehemannes  sei  geschlagen  worden  und  anschliessend  habe  man  ihren  Mann  in  einem  weissen  Van  weggebracht.  Demgegenüber  habe  die  Beschwerdeführerin die Entführung ihres Gatten anlässlich der Befragung  vom 9. Oktober 2010  (recte:  9. Oktober 2008) ganz anders geschildert.  Sie  habe  ausgeführt,  ihr  Ehemann,  ihr  Bruder  und  ihr  Vater  hätten 

D­8440/2010 geschlafen,  als  die  unbekannten  Männer  zu  ihrem  Haus  gekommen  seien. Jemand habe namentlich nach ihrem Vater gerufen und dieser sei  zu  den  Unbekannten  vor  das  Haus  gegangen.  Man  habe  dann  ihren  Vater  aufgefordert,  den  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  herbeizuschaffen.  Aus  Angst  sei  dann  ihr  Gatte  ins  Haus  geflüchtet.  Nachdem die Männer gedroht hätten, ihren Bruder zu erschiessen, habe  sich  ihr Mann  ergeben.  In  diesem Moment  seien  sie  im Haus  gewesen  und seien dann erwacht. Aus diesen Widersprüchen würden sich starke  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  ergeben.  Ihre  Schilderungen  zu  den  Umständen  der  geltend  gemachten  Entführung  vermöchten deshalb nicht zu überzeugen. Befürchtungen,  künftig  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu sein, seien nur dann einreisebeachtlich, wenn begründeter Anlass zur  Annahme  bestehe,  dass  sich  die  Verfolgung  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen  werde.  Die  Beschwerdeführerin  begründe  ihr Asylgesuch zusätzlich damit,  dass  sie  wiederholt  von  unbekannten Personen  und  einmal  vom CID aufgesucht  worden sei. Man habe sie ständig über Verbindungen zur LTTE befragt  und  ihr  Haus  nach  Waffen  durchsucht.  Aus  diesem  Grund  fürchte  sie  sich,  weiterhin  in  Sri  Lanka  zu  leben.  Obschon  das  Bundesamt  Verständnis dafür habe, dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund der  Ereignisse der letzten Jahre Sorgen um ihre Sicherheit mache, müsse in  ihrem  Fall  die  Furcht  vor  einer  Verfolgung  bei  einer  objektiven  Betrachtungsweise  als  nicht  begründet  im  Sinne  des  Asylgesetzes  eingestuft  werden.  Gemäss  ständiger  Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  könne  Asylsuchenden  die  Einreise  in  die  Schweiz  nur  bewilligt  werden,  wenn  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  ausgegangen werden müsse, dass sie bei einem Verbleib im Heimatland  akut gefährdet seien und eine Schutzgewährung nur im Ausland erfolgen  könne.  In  den  Akten  der  Beschwerdeführerin  gebe  es  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  tatsächlich  konkreten  Verfolgungsmassnahmen  im Sinne von Art.  3 AsylG ausgesetzt worden  sei.  Sie  würde  auch  kein  politisches  Profil  aufweisen  und  habe  nach  eigenen Angaben  nie Beziehungen  zur  LTTE  gepflegt.  Das BFM weise  darauf  hin,  dass  Drohungen  und  Übergriffe  seit  der  endgültigen  Niederlage der LTTE in Sri Lanka generell abgenommen hätten. Es  sei  demnach  festzuhalten,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  teilweise  nicht  geglaubt  werden  könnten.  In  Anbetracht  dieser  Ausführungen  sowie  aufgrund  des  Umstandes,  dass 

D­8440/2010 sie  kein  Gefährdungsprofil  aufweise,  das  im  heutigen  Zeitpunkt  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  auf  eine  Verfolgung  schliessen  lassen  würde,  seien  die  geltend  gemachten  Vorbringen  nicht  einreiserelevant.  Die  Beschwerdeführerin  sei  daher  auf  den  Schutz  der  Schweiz  nicht  angewiesen.  An  diesen  Erwägungen  vermöchten  auch  die  von  ihr  eingereichten Dokumente nichts zu ändern, stützten diese doch lediglich  ihre Vorbringen,  deren Glaubhaftigkeit  vorliegend  nicht  in  Frage  gestellt  werde. Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  schutzbedürftig  im Sinne des Asylgesetzes sei  (Art. 3 AsylG). Daher sei  das  Asylgesuch  abzulehnen  und  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  zu  bewilligen. D.  Mit  vom  23.  November  2010  datierter,  am  26.  November  2010  bei  der  Botschaft  eingegangener  Eingabe  in  englischer  Sprache  focht  die  Beschwerdeführerin die Verfügung des BFM an. In dieser wiederholte sie  in  groben  Linien  ihre  bereits  bei  der  Vorinstanz  gemachten Vorbringen.  Ihr  Ehemann  sei  unschuldig  und  nie  in  irgendwelche  illegalen  oder  kriminellen Aktivitäten verwickelt gewesen. Jedoch hätten die Personen,  welche ihn gekidnappt und getötet hätten, gemeint, ihr Mann habe bei der  LTTE  als  Informant  gearbeitet  und  Beziehungen  zu  dieser  Bewegung  unterhalten. Nach der Ermordung ihres Gatten sei sie  immer wieder von  Leuten aufgesucht worden, welche sie über die Vergangenheit und ihren  Bezug  beziehungsweise  denjenigen  ihres  verstorbenen Ehemannes  zur  LTTE ausgefragt hätten. Sie habe zwei kleine Kinder, und zur Zeit helfe ihr der Vater bei all ihren  Schwierigkeiten.  Aus  Angst  habe  sie  in  der  Zwischenzeit  jedoch  ihr  elterliches  Haus  verlassen müssen  und  lebe mit  ihren  Verwandten  und  Freunden  an  verschiedenen  Orten.  Nach  der  Ermordung  ihres  Gatten  habe  sie  bei  der  Menschenrechtskommission  und  beim  Internationalen  Roten Kreuz Klage geführt. Die Nachricht des Mordes sei  in der Zeitung  publiziert,  in  verschiedenen  Radiosendern  ausgestrahlt  und  auch  in  anderen Medien veröffentlicht worden.  In der  jetzigen Situation gebe es  für sie keine Möglichkeit, ihren Kindern die Voraussetzungen für eine gute  Ausbildung  zu  bieten,  und  sie  wisse  nicht,  wie  lange  sie  sich  noch  versteckt  halten  könne.  Aus  diesen  Gründe  bitte  sie  das  Bundesverwaltungsgericht,  die  nötigen  Schritte  einzuleiten,  um  ihr  die  Einreise in die Schweiz zu ermöglichen.

D­8440/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  grundsätzlich  (mit  einer  hier  nicht  zutreffenden  Ausnahme)  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 

D­8440/2010 einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  In formeller Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass gemäss Art. 19 Abs.  1 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung  gestellt  werden  kann,  welche  es  mit  einem  Bericht  an  das  Bundesamt  überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertretung führt mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10  Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1, SR 142.311]).  Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Im vorliegenden Fall wurden diese  gesetzlichen  Bestimmungen  durch  die  Einholung  detaillierter  Informationen  durch  die  schweizerische  Botschaft,  die  Befragung  der  Beschwerdeführerin  sowie  den  entsprechenden  Bericht  der  schweizerischen  Vertretung  praxisgemäss  Genüge  getan  (vgl.  BVGE  2007/30). 5.  5.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  geltend machen  können  oder  ihnen  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG  bewillig  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 5.2. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  zur  Schutzgewährung  durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die 

D­8440/2010 praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004 Nr. 21 E. 2b, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2e­g). Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c), mithin die Prüfung  der  Frage,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft  gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 6.  6.1.  Die  Beschwerdeführerin  setzt  sich  in  ihrer  Beschwerde  vom  23.  November  2010  nicht  explizit  mit  den  ihr  von  der  Vorinstanz  vorgehaltenen  Unglaubhaftigkeitselementen  und  dem  ihr  fehlenden  Gefährdungsprofil auseinander, sondern wiederholt  in einer Kurzfassung  ihre  bereits  beim  Bundesamt  gemachten  Vorbringen  und  verweist  pauschal  auf  ihre  schwierigen  Lebensbedingungen  in  Sri  Lanka  (vgl.  Sachverhalt Bst. D. hiervor). 6.2. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum  Schluss,  dass  das  BFM  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  in  ausreichender Weise abgeklärt  hat, um einen Entscheid über die Frage  einer Gefährdung der Beschwerdeführerin fällen zu können. Was  die  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  festgehaltenen  Widersprüche  im  Zusammenhang  mit  der  Entführung  und  Ermordung  ihres Ehemannes betrifft,  ist  festzuhalten, dass diese die Vorbringen der  Beschwerdeführerin  nicht  zwingend  als  unglaubhaft  erscheinen  lassen.  Indessen  kann  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  vorgebrachten  Ereignisse  letztlich  dahingestellt  bleiben,  da  im  Ergebnis  der  Schlussfolgerung  der  Vorinstanz  zuzustimmen  ist,  wonach  die  Beschwerdeführerin  kein  Gefährdungsprofil  aufweist,  das  im  aktuellen  Zeitpunkt  –  nach  Beendigung  des  Bürgerkrieges  –  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  eine  Verfolgungsgefahr  bewirken  würde.  Die  Beschwerdeführerin  ist  daher  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen.  Es  kann  hierzu  auf  die  als  zutreffend  erachteten  Ausführungen in E. II.2 der angefochtenen Verfügung verwiesen werden.  6.3. Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  somit  festzustellen,  dass die Beschwerdeführerin keine aktuelle und unmittelbare Gefährdung 

D­8440/2010 im Sinne von Art. 3 AsylG darzulegen vermochte. Mithin erhellt, dass das  BFM  demnach  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  Recht  verweigert beziehungsweise das Asylgesuch abgelehnt hat. Zwar  erkennt  das  Bundesverwaltungsgericht,  dass  die  Situation  der  Beschwerdeführerin aufgrund der derzeitigen Lage  in Sri Lanka generell  als  schwierig  und  belastend  zu  bezeichnen  ist.  Dieser  Umstand  betrifft  indessen letztlich die Mehrheit der Zivilbevölkerung in Sri Lanka, weshalb  die  vorinstanzliche  Verfügung  angesichts  der  Praxis  im  Bereich  der  Auslandverfahren,  bei  denen  sich  die  Frage  von  allfälligen  Wegweisungsvollzugshindernissen gerade nicht stellt, zu bestätigen ist. 7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Schutzbedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  im  Sinne  von  Art.  20  i.V.m.  Art.  3  AsylG  als  nicht  gegeben zu qualifizieren ist und auch keine anderen Gründe die Erteilung  der Einreisebewilligung indizieren würden. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.­ an  sich  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG);  aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­8440/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Colombo. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann Versand:

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