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Bundesverwaltungsgericht 01.12.2011 D-7958/2010

1. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,890 Wörter·~9 min·2

Zusammenfassung

Familienzusammenführung (Asyl) | Gesuch um Familienzusammenführung; Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7958/2010/sps Urteil   v om   1 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea,   vertreten durch lic. iur. Claudia Tamuk, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Gesuch um Familienzusammenführung zu Gunsten von B._______, geboren (…), Eritrea;  Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2010 / N (…).

D­7958/2010 Sachverhalt: A.  Mit  Verfügung  vom  18. Januar  2010  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art. 3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  und  gewährte  diesem in Anwendung von Art. 2 AsylG in der Schweiz Asyl.  B.  Mit  als  "Einreisegesuch/Familienzusammenführung"  betitelter  Eingabe  vom  24. September  2010  (Eingang  BFM:  28. September  2010)  beantragte der Beschwerdeführer beim BFM, seiner eritreischen Ehefrau,  B._______, die er am (…) im Sudan geheiratet habe, sei die Einreise  in  die Schweiz  zu  bewilligen. Seinem Gesuch  legte  der Beschwerdeführer  Kopien  eines  sudanesischen  Flüchtlingsausweises,  einer  Wohnsitzbestätigung,  einer  Identitätskarte,  einer  Geburtsurkunde  und  eines  Leumundszeugnisses  von  B._______  sowie  eine  Kopie  eines  Hochzeitszertifikates  bei.  Ausserdem  reichte  er  verschiedene  Hochzeitsfotos zu den Akten.  C.  Mit  Verfügung  vom  13. Oktober  2010  verweigerte  das  BFM  B._______  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Familienzusammenführung  und  lehnte das Asylgesuch ab.  D.  Gegen  diese Verfügung  liess  der Beschwerdeführer mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  12. November  2010  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  der  Entscheid des BFM sei aufzuheben, B._______ sei  in der Schweiz Asyl  zu  gewähren  und  es  sei  ihr  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen;  eventualiter  sei  die  Sache  an  die  Vorinstanz  zwecks  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  von  B._______  zurückzuweisen,  subeventualiter  sei  die  Sache  an  die  Schweizerische Vertretung in D._______ zur Prüfung als Asylgesuch aus  dem  Ausland  zu  überweisen.  Der  Beschwerde  lagen  nebst  der  angefochtene  Verfügung  und  einer  Vertretungsvollmach,  verschiedene  Fotos und eine CD­Rom bei.  E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  3. Dezember  2010  wurde  der 

D­7958/2010 Beschwerdeführer  durch  den  zuständigen  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungs­gerichts  aufgefordert,  bis  zum  20. Dezember  2010  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr.  600.–  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse einzuzahlen.  F.  Der  Beschwerdeführer  kam  dieser  Aufforderung  mit  Zahlung  vom  13.  Dezember 2010 nach.  G.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  30. Dezember  2010  (Poststempel)  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Belastungsanzeige  einer Schweizer Bank, eine Bestätigung seiner Verlobung mit B._______  im  Jahre  2003  (inkl.  Briefcouvert)  sowie  eine  Honorarnote  beim  Bundesverwaltungsgericht ein.  H.  Mit  Vernehmlassung  vom  30. Dezember  2010  beantragte  das  BFM  die  Abweisung der Beschwerde. I.  Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  12. Oktober  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  verschiedene  Unterlagen  betreffend  ein  von  ihm  bei  den  zuständigen  kantonalen  Ausländerbehörden  eingereichtes  Gesuch  um Familiennachzug ein.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungs­gericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in  der Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  (Art. 105  des Asylgesetzes 

D­7958/2010 vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts­gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Das BFM verweigerte B._______ die Einreise in die Schweiz mit der  Begründung,  die  Anforderungen  an  Art. 51  Abs. 1  und  4  AsylG  seien  nicht  erfüllt.  Der  Beschwerdeführer  habe  bis  anhin  stets  erwähnt,  ledig  und  kinderlos  zu  sein.  Frau  B._______  habe  er  nie  erwähnt.  Es  sei  deshalb nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner  Ausreise aus seinem Heimatland mit B._______  in einem gemeinsamen  Haushalt gelebt habe und durch seine Flucht von ihr getrennt worden sei.  Auch für den Fall, dass der Beschwerdeführer, wie in der Heiratsurkunde  dokumentiert,  B._______  im  Sudan  geheiratet  habe,  seien  die  Bedingungen  für  eine Einreisebewilligung nicht  erfüllt,  da  vor der Flucht  keine  Familienverbindung  bestanden  habe.  Im  Weiteren  sei  nicht  zu  prüfen,  ob  B._______  selbständig  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  erfüllen  würde,  da  diese  nicht  zur  Kernfamilie  gehöre  und  daher  Art. 37  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR 142.311)  nicht  zur  Anwendung  gelange.  Die  Einreise  in  die  Schweiz  werde  daher  nicht  bewilligt  und  das  Asylgesuch von B._______ abgelehnt.  3.2.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  B._______  hätten  sich bereits im Jahre 2003 die Ehe versprochen und sich daher – wie aus  den  beigelegten  Fotos  ersichtlich  sei  –  nach  eritreischer  Tradition  beim  Dorfpfarrer versammelt. Da er in seinem Heimatland politische Probleme 

D­7958/2010 gehabt und sich anschliessend auf der Flucht befunden habe, habe die  Heirat  vorerst  nicht  stattfinden  können. Erst  nach der Asylgewährung  in  der Schweiz habe er mit seiner Verlobten wieder Kontakt aufgenommen.  Die Heirat habe am 7. August 2010 in der katholischen Kirche C._______   in D._______  (Sudan)  stattgefunden. Seine Verlobte  habe  er  anlässlich  der  vorinstanzlichen  Anhörungen  nie  erwähnt,  da  er  lediglich  nach  seinem Zivilstand und nicht danach gefragt worden sei, ob er verlobt sei.  Auch sei der Kontakt zu seiner späteren Ehefrau aufgrund seiner Flucht  lange Zeit mehr oder weniger unterbrochen gewesen. Zu dieser Zeit habe  er  nicht  gewusst,  ob  es mit  der  Hochzeit  noch  klappen  würde.  Mit  der  eingereichten Eheurkunde sei  ihre Heirat hinreichend belegt. B._______  habe ihre Heimat, Eritrea, verlassen und lebe zurzeit in D._______. Damit  seien die Bedingungen  für deren Einbezug  in die Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  nach  Art. 51  Abs. 1  AsylG  erfüllt.  Besondere  Gründe, die gegen einen solchen Einbezug sprechen würden, seien nicht  vorhanden.  Gemäss  den  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission  (EMARK) 2006 Nr. 7  stelle eine  Heirat nach der Flucht respektive der Umstand, dass die Ehegatten durch  ihre Flucht nicht getrennt worden seien, keinen besonderen Umstand im  Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG dar. Der Beschwerdeführer habe zwar vor  seiner Ehe nie mit B._______ zusammengelebt, weshalb eine Trennung  vor  der Flucht  im Sinne  von Art. 51 Abs. 4 AsylG wohl  verneint werden  müsste. Dennoch müsse B._______ die Einreise bewilligt werden, da es  sich  bei  erwähnter  Norm  gemäss  der  Botschaft  zur  Totalrevision  des  Asylgesetzes  sowie  zur  Änderung  des Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  vom  4. Dezember  1995  (BBl  1996  II  69)  lediglich  um  eine  solche  handle,  die  einen  Missbrauch  verhindern  wolle.  Vorliegend  liege  aber  weder  eine  Scheinehe  noch  eine  Mehrfachehe  vor,  sondern  die Ehepartner würden  beabsichtigen,  in  der  Schweiz  ein  gemeinsames  Eheleben  zu  führen.  Dieses  falle  unter  den  Schutzbereich  von  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und  Art. 14  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101).  B._______  sei  die  Einreise  zu  bewilligen,  da  das Eheleben  faktisch  nur  in  der  Schweiz  gelebt werden  könne.  Sie  lebe  im  Sudan  lediglich  als  Flüchtling  ohne  gesicherten  Aufenthaltsstatus.  Entgegen  der  Auffassung  des  BFM  gehöre  sie  als  Ehefrau zudem zur Kernfamilie des Beschwerdeführers, weshalb Art. 37  AsylV 1  anwendbar  sei.  Eine  Prüfung  von  Art. 3  AsylG  habe  das  BFM  jedoch unterlassen. Die Sache sei daher an die Vorinstanz zur Abklärung,  ob  B._______  die  Flüchtlingseigenschaft  selbständig  erfülle, 

D­7958/2010 zurückzuweisen. Die Ablehnung deren Asylgesuchs ohne Abklärung ihrer  Asylgründe  stelle  zudem  eine  Verletzung  des  im  Verwaltungsrecht  geltenden Untersuchungsgrundsatzes und des Anspruchs auf rechtliches  Gehör  im  Sinne  von  Art. 29  BV  dar.  Zudem  sei  anzumerken,  dass  B._______  tatsächlich  eigene  Asylgründe  habe  und  die  Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfülle. Sie habe im Jahre 2009  den  Wehrdienst  in  Eritrea  verweigert  und  sei  deswegen  vier  Monate  inhaftiert  gewesen. Nachts  sei  sie  im Gefängnis  gewesen und  tagsüber  habe  sie Zwangsarbeit  in Spitälern  leisten müssen. Eines Tages  sei  ihr  die Flucht gelungen. Anschliessend habe sie  illegal die Grenze passiert  und  halte  sich  seither  im  Sudan  als  Flüchtling  auf.  Sie  habe  daher  bei  einer  Rückkehr  nach  Eritrea  mit  einer  politisch  motivierten  unmenschlichen  Behandlung  zu  rechnen.  Weitere  Details  würde  B._______ bei einer Anhörung erzählen. Sollte das Gericht zum Schluss  gelangen,  dass  die  Asylgründe  im  Rahmen  des  Familienzusammenführungsgesuchs  nicht  zu  prüfen  seien,  so  sei  die  Sache unverzüglich ans BFM respektive die Schweizerische Vertretung in  D._______ zwecks Entgegennahme als Asylgesuch aus dem Ausland im  Sinne von Art. 20 AsylG zu überweisen.  4.  4.1. Ehegatten, eingetragene Partnerinnen oder Partner von Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  werden  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl,  wenn  keine  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen  (Art. 51  Abs. 1  AsylG).  Diese  Bestimmung  zielt  auf  die  Mitglieder  der  Kernfamilie  ab,  welche  mit  einem  Flüchtling  in  die  Schweiz  eingereist  sind, ihrerseits aber keine eigenen Asylgründe im Sinne von Art. 3 Abs. 1  AsylG  geltend  machen  können,  sondern  sich  auf  der  Basis  ihrer  Familienbande  ebenfalls  auf  die  Gesuchsgründe  des  Flüchtlings  abstützen.  Zentrale  Bedingung  für  den  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ist  dabei,  dass  bereits  vor  der  Flucht  eine  Familiengemeinschaft  bestanden  hat.  Eine  „conditio  sine  qua  non"  der  Konzeption des Familienasyls ist daher die Tatsache, dass zum Zeitpunkt  der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss (vgl. Urteil  D­2045/2011 vom 19. April 2011 E. 2.1). 4.2. Von diesem Anspruch auf derivative Anerkennung als Flüchtling  ist  jener  auf  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  für  die  genannten  Familienmitglieder  im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG zu unterscheiden.  Diese  Norm  bestimmt,  dass  jenen  Personen,  welche  aufgrund  ihrer  persönlichen  Beziehung  (im  Sinne  von  Art. 51  Abs. 1  AsylG)  einen 

D­7958/2010 Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung  von Asyl haben, auf Gesuch hin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen  ist,  wenn  sie  sich  noch  im  Ausland  befinden  und  sie  durch  die  Flucht  getrennt  wurden.  Diese  Bestimmung  zielt  damit  auf  Mitglieder  der  Kernfamilie ab, welche aufgrund der Umstände der Flucht von der in der  Schweiz  als  Flüchtling  anerkannten  Person  getrennt  wurden.  Darunter  fallen  unter  anderem  die  Ehegatten  und  Konkubinatspartner  von  Flüchtlingen, welche sich noch  im Heimatstaat befinden oder erst einen  Drittstaat  erreicht  haben.  Diesen  ist  –  im  Sinne  eines  asylrechtlichen  Familiennachzuges  respektive  der  Familienzusammenführung  –  die  Einreise  in  die Schweiz  zu  bewilligen,  jedoch  ebenfalls  nur  dann, wenn  eine  Trennung  durch  die  Fluchtumstände  stattgefunden  hat.  Auch  in  diesem  Fall  ist  eine  „conditio  sine  qua  non"  die  Tatsache,  dass  zum  Zeitpunkt der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss.  Zweck  von Art. 51 Abs. 4 AsylG  ist  somit  alleine  die Wiedervereinigung  von  vorbestandenen Familiengemeinschaften.  Keine Einreisebewilligung  erhalten  hingegen  Personen,  die  zum  Zeitpunkt  der  Flucht  mit  dem  Flüchtling  noch  keine  effektiv  gelebte  familiäre  Beziehung  lebten  oder  keine  solche mehr  unterhielten  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 8  E. 3.2  S. 94 f.,  EMARK  2006  Nr. 7  E. 6.1  S. 80 ff.,  Urteil  D­2045/2011 vom 19. April 2011 E. 2.2).  4.3. Das BFM hegt  in  der  angefochtenen Verfügung  einerseits  gewisse  Zweifel  an  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Heirat  respektive Beziehung mit  B._______,  indem es  feststellt,  dass  er  diese  Person nie erwähnt und stets angegeben habe, ledig zu sein. Dem BFM  ist dabei insoweit beizupflichten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen  der  vorinstanzlichen  Anhörungen  nie  erwähnte,  in  seiner  Heimat  über  eine  Freundin  oder  Verlobte  verfügt  zu  haben  (vgl.  act.  A1/10  und  act.  A6/16). Angesichts  seiner  früheren Angaben,  im Zeitraum von 2002 bis  zu  seiner  Zwangsrekrutierung  anfangs  November  2004  eine  Schule  an  einem College besucht zu haben (vgl. act. A1/10 S. 2 und 5, act. A6/16  S. 4)  erstaunt  zudem,  dass  in  der  Beschwerde  darlegt  wird,  aufgrund  seiner  Verfolgung  habe  er  nicht  heiraten  können,  schien  er  doch  somit  zum Zeitpunkt der Abgabe seines Eheversprechens im Jahre 2003 keiner  Gefährdung  ausgesetzt  gewesen  zu  sein.  Im  Weiteren  ist  die  vom  Beschwerdeführer  eingegangene  Heirat  mit  B._______  bis  dato  nicht  zweifelsfrei  belegt,  da die Heiratsurkunde  lediglich  in Kopie  vorliegt  und  es  sich  dabei  um  eine  kirchliche  Urkunde  handelt  (vgl.  act.  B2  Nr. 5).  Auch  mit  der  im  Beschwerdeverfahren  eingereichten  CD­Rom  wird  der  Nachweis  für  den  Abschluss  einer  anzuerkennenden  Ehe  nicht 

D­7958/2010 zweifelsfrei  erbracht,  da  auf  dieser  ein  kirchlicher,  nicht  aber  ein  zivilrechtlicher  Trauungsakt  zu  sehen  ist.  Es  kann  letztlich  jedoch  offen  bleiben, ob B._______  tatsächlich die  rechtlich angetraute Ehefrau oder  Partnerin  des  Beschwerdeführers  ist.  Unbestritten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer und B._______ vor der Flucht des Beschwerdeführers  aus  seinem  Heimatstaat  nicht  zusammen  in  einem  gemeinsamen  Haushalt gelebt haben respektive nicht durch die Flucht getrennt wurden.  Wie  bereits  erwähnt  (vgl.  E. 4.2)  setzt  jedoch  eine  Familienzusammenführung  nach  Art. 51  Abs. 1  AsylG  i.V.m.  Art. 51  Abs. 4 AsylG voraus, dass eine solche Familiengemeinschaft bereits vor  der  Flucht  bestanden  hat.  Die  bloss  virtuelle  Verbundenheit  beziehungsweise  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Heiratsabsicht,  die  er  und  B._______  im  Jahre  2003  bekundet  hätten,  welche  durch  seine  politischen  Probleme  zu  realisieren  verunmöglicht  worden  seien,  vermag  diesen  Anforderungen  nicht  zu  genügen  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 8  E. 3.2  S. 94 f.).  Der  in  der  Beschwerde  erfolgende  Hinweis  auf  EMARK  2006  Nr. 7  respektive  die  dahingehende  Argumentation,  es  bedürfe  vorliegend  keiner  vor  der  Flucht  gelebten  Familiengemeinschaft,  geht  daher  fehl.  Ausserdem  wird  in  der  Beschwerde  verkannt,  dass  in  jenem  Entscheid  die  Frage  behandelt  wurde, ob für Familienangehörige von in der Schweiz lebenden vorläufig  aufgenommenenen  Flüchtlingen  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  im  Rahmen  des  Familiennachzuges  generell  an  die  Voraussetzung  zu  knüpfen ist, dass die Familie durch die Flucht getrennt worden sei. Dieses  Erfordernis  wurde,  ausser  bei  Vorliegen  einer  missbräuchlichen  Eheschliessung  zum  Zweck  der  Erlangung  einer  Einreisebewilligung,  verneint. Die bis dahin geltende Rechtsprechung zu Art. 51 Abs. 4 AsylG  im Falle eines Nachzuges von Familienangehörigen von – wie vorliegend  der  Beschwerdeführer  –  in  der  Schweiz  lebenden  originär  anerkannten  Flüchtlingen  wurde  demgegenüber  explizit  bestätigt  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 7  E. 6  S. 80 ff.).  Die  Voraussetzungen  für  eine  asylrechtliche  Familienzusammenführung  sind  demzufolge  vorliegend  nicht  erfüllt.  Schliesslich  gelangt  Art. 8  EMRK  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  zur  Anwendung.  Für  die  Prüfung  des  Familiennachzugs  und  allfällige  Rechtsansprüche  aus  Art. 8  EMRK  ist  der  Beschwerdeführer  daher  an  die  zuständigen  ausländerrechtlichen  Behörden  zu  verweisen  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 8 E. 3.2 in fine S. 95), bei denen er ein entsprechendes  Verfahrens bereits anhängig gemacht hat.  4.4. Nach dem Gesagten hat das BFM B._______ unter dem Aspekt der  Familienzusammenführung  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  Recht 

D­7958/2010 verweigert.  Dispositivziffer  1  der  angefochtenen  Verfügung  (Verweigerung  der  Einreise)  ist  demnach  zu  bestätigen  und  die  Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen. 5.  5.1. Gemäss  Art. 18  AsylG  ist  jede  Äusserung, mit  der  eine  Person  zu  erkennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung ersucht,  als  Asylgesuch  zu werten.  Ein  Familiennachzugsgesuch, mit  dem unter  anderem  eine  persönliche  Gefährdung  der  nachzuziehenden  Familienangehörigen  geltend  gemacht wird,  ist  nach  Treu  und Glauben  gegebenenfalls  auch  als  Asylgesuch  im  Sinne  von  Art. 18  AsylG  zu  verstehen. Befinden sich die Angehörigen im Ausland, ist das Gesuch im  Sinne  von  Art. 20  Abs. 2  und  3  AsylG  zu  prüfen  (vgl.  BVGE  2007/19  E. 3.3  S. 224 ff.).  Bei  einem  solchen  Asylgesuch  aus  dem  Ausland  kommt  der  Prüfung  einer  allfällig  originären  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art. 3  AsylG  Vorrang  vor  jener  der  derivativen  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 51  AsylG  zu.  Folglich  ist  in  erster Linie das Asylgesuch der betroffenen Person aus dem Ausland  zu behandeln (vgl. Art. 37 AsylV 1).  5.2.  Mit  dem  Gesuch  um  Familienzusammenführung  machte  der  Beschwerdeführer  nicht  ausdrücklich  eine  Gefährdung  von  B._______  geltend,  da  er  ausführte,  seine  Jugendliebe  im  Sudan  geheiratet  zu  haben,  sowie beantragte,  dieser  sei  die Einreise  zu bewilligen  (vgl.  act.  B1/2  S. 1 f.).  Auch  aus  dem  von  ihm  –  lediglich  in  Kopie  beigelegten –  sudanesischen  Flüchtlingsausweis  von  B._______  liess  sich  nicht  schliessen,  dass  der  Beschwerdeführer  damit  um  Asyl  für  B._______  hätte  ersuchen wollen  (vgl.  act.  B2 Nr. 1).  Erst  in  der Beschwerde  vom  12. November  2010  wird  unter  Hinweis  auf  den  von  B._______  verweigerten Militärdienst  in Eritrea  und  deren Flucht  in  den Sudan  um  Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl  in der  Schweiz  nachgesucht.  Die  Folgerung  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung, eine Prüfung von Art. 3 AsylG sei nicht vorzunehmen, erweist  sich  so  besehen  für  den  Zeitpunkt  des  Erlasses  der  Verfügung  als  zutreffend.  Dies  allerdings  nur,  da  ein  entsprechendes  Asylgesuch  von  B._______  damals  noch  gar  nicht  vorlag  und  daher  eine  Prüfung  nicht  möglich war. Das BFM geht in der angefochtenen Verfügung jedoch fehl,  wenn  es  in  der  Annahme  des  Vorliegens  eines  Asylgesuches  festhält,  dieses  werde  abgelehnt,  bildete  ein  solches  in  jenem  Zeitpunkt  gerade  nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens. Mit seiner Verfügung  vom 13. Oktober 2010 trat die Vorinstanz somit auf ein Asylgesuch ein 

D­7958/2010 und lehnte dieses ab, welches zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht  vorlag.  Ziffer  2  des  Dispositivs  (Ablehnung  des  Asylgesuchs)  der  angefochtenen  Verfügung  erweist  sich  daher  als  unzutreffend  und  ist  aufzuheben.  5.3.  Wie  bereits  erwähnt,  wird  in  der  Beschwerde  erstmals  eine  Gefährdung  von  B._______  geltend  gemacht  und  für  sie  die  Asylgewährung  beantragt.  Die  entsprechenden  Vorbringen  sind  demnach  als  Asylgesuch  aus  dem Ausland  und Gesuch  um Einreise  nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG für B._______ zu betrachten. Dabei ist  irrelevant, ob es sich bei B._______ um eine Angehörige der Kernfamilie  des  Beschwerdeführers  handelt  oder  nicht,  da  –  wie  erwähnt  –  jede  Äusserung,  mit  der  eine  Person  zu  erkennen  gibt,  dass  sie  die  Schweiz um Schutz vor Verfolgung nachsucht, nach Art. 18 AsylG als  Asylgesuch  gilt  und  als  solches  zu  prüfen  ist.  Die  vom  BFM  in  der  Verfügung  vertretene  Auffassung  –  an  der  es  auch  in  seiner  Vernehmlassung festhält – eine selbstständige Prüfung von Art. 3 AsylG  setze  voraus,  dass  B._______  zur  Kernfamilie  des  Beschwerdeführers  gehört,  trifft  nicht  zu.  Die  nunmehr  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemachte Gefährdung von B._______ wird vom BFM im Rahmen eines  ordentlichen  Asylverfahrens  gemäss  Art. 20  AsylG  (Asylgesuch  aus  dem Ausland) zu prüfen sein. Das Bundesverwaltungsgericht ist für die  erstinstanzliche  Prüfung  des  nunmehr  vorliegenden  Asylgesuchs  funktionell  die  unzuständige  Behörde;  das  Gesuch  respektive  die  Beschwerdeakten  sind  daher  zuständigkeitshalber  an  das  BFM  zu  überweisen.  Das  BFM  wird  dabei  das  erstinstanzliche  Verfahren  ordnungsgemäss  durchzuführen  und  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  zu  erstellen  haben.  Dabei  wird  insbesondere  auch  zu  entscheiden sein, ob zwecks Abklärung des Sachverhalts die Einreise  von B._______ in die Schweiz zu bewilligen ist (Art. 20 Abs. 2 AsylG).  6.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  das  BFM  B._______  unter  dem Aspekt der Familienzusammenführung die Einreise in die Schweiz  zu  Recht  verweigert  hat.  Dispositivziffer  1  der  angefochtenen  Verfügung  ist  daher  zu  bestätigen  und  die  Beschwerde  ist  diesbezüglich  abzuweisen.  Dispositivziffer  2  der  angefochtenen  Verfügung (Ablehnung des Asylgesuchs) ist indessen aufzuheben und  die Beschwerde diesbezüglich gutzuheissen. Das BFM ist anzuweisen,  das  auf  Beschwerdeebene  gestellte  Asylgesuch  von  B._______  als  Asylgesuch aus dem Ausland zu prüfen. 

D­7958/2010 7.  7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  infolge  teilweise  Unterliegens  zu  ermässigenden,  auf  insgesamt  Fr. 300.–  festzusetzenden (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  Verfahrenskosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Sie  sind  sodann mit  dem  am 13. Dezember 2010 einbezahlten Kostenvorschuss  von Fr. 600.–  zu  verrechnen;  der  Restbetrag  von  Fr. 300.–  ist  dem  Beschwerdeführer  zurückzuerstatten. 7.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  –  als  teilweise  obsiegende  Partei  –  in  Anwendung  von  Art. 64  Abs. 1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  Vertretungskosten  zuzusprechen.  Diese  ist  infolge  teilweise  Unterliegens  um  die  Hälfte  zu  kürzen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  VGKE). Die Rechtsvertreterin  hat  im  vorliegenden Verfahren  am  29. Dezember  2010  eine  Kostennote  eingereicht.  Der  bis  in  jenem  Zeitpunkt  geltend  gemachte  Arbeitsaufwand  von  6 Stunden  sowie  die  Auslagen von Fr. 53.80 erscheinen als angemessen. Der Stundenansatz  von Fr. 150.– bewegt sich zudem  im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE.  Der  bis  am  29. Dezember  2010  erfolgte  Aufwand  belief  sich  somit  auf  insgesamt  Fr.  1'022.20  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer).  Die  Einreichung  einer  weiteren  Honorarnote  wurde  für  den  Fall  einer  Gutheissung  der  Beschwerde  vorbehalten.  Auf  die  Einholung  einer  solchen kann indes verzichtet werden, da der restlich anfallende Aufwand  anhand der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in  fine  VGKE).  In  Anwendung  der  genannten  Bestimmung  und  unter  Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren  (vgl. Art. 8  ff.  VGKE)  wird  dieser  auf  Fr. 200.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festgesetzt.  Die  gesamten  Ausgaben  und  Aufwendungen  werden  somit  auf  insgesamt Fr. 1'222.20 bemessen. Das BFM ist  folglich anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  den  um  die  Hälfte  gekürzten  Betrag  von  Fr. 611.10 auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­7958/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  betreffend  Verweigerung  der  Einreise  zwecks  Familienzusammenführung abgewiesen. 2.  Die  Ziffer  2  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  13. Oktober  2010 wird aufgehoben.  3.  Die Beschwerdeakten werden dem BFM zur Behandlung als Asylgesuch  aus dem Ausland im Sinne der Erwägungen überwiesen.  4.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Diese  werden  mit  dem  am  13. Dezember  2010  einbezahlten  Kostenvorschuss von Fr. 600.– verrechnet; der Restbetrag von Fr. 300.–  wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.  5.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 611.10 auszurichten.  6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: