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Bundesverwaltungsgericht 26.07.2011 D-7587/2009

26. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,046 Wörter·~5 min·2

Zusammenfassung

Asylverfahren (Übriges) | Asylverfahren (Übriges); Verfügung des BFM vom 6. November 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7587/2009 Urteil   v om   2 6 .   Juli   2011 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Claudia Cotting­Schalch; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Katerina Baumann, Fürsprecherin, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. November 209 / N .

D­7587/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat  im  Juni  2008  auf  dem  Landweg  und  gelangte  am  2. Dezember 2008 unkontrolliert in die Schweiz, wo er noch gleichentags  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) M._______ ein Asylgesuch  einreichte. Anlässlich der Befragung vom 16. Dezember 2008 zur Person  (BzP)  im  EVZ M._______  sowie  der  Direktanhörung  vom  8. April  2009  durch  das  BFM  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im Wesentlichen geltend,  er  habe bis  zum Jahre 1998 mit  seiner Familie  im Dorf N._______  in  der Provinz Helmand gelebt,  dann  sei  er  mit  seiner  Familie  nach  O._______  in  der  Provinz  Parwan  umgezogen, wo sein Vater Land gepachtet habe. Im Frühling 2008 sei er  mit  seiner  Familie  nach  N._______  zurückgekehrt.  Dort  habe  sich  sein  Vater  mit  Paschtunen  angelegt,  weil  diese  seine  Abwesenheit  dazu  benutzt  hätten,  seine  Ländereien  in  Beschlag  zu  nehmen.  Sein  Vater  habe  die  Ländereien  zurückhaben  wollen.  Vermittlungsversuche  unter  Mithilfe  der  "Weissbärtigen"  seien  indessen  gescheitert.  Als  er  (der  Beschwerdeführer)  eines Tages  vom Bazar  zurückgekommen  sei,  habe  er  seinen  Vater  tot  am  Boden  liegen  gesehen.  Dieser  sei  offenbar  bei  einer Auseinandersetzung mit Paschtunen ermordet worden. Dabei seien  auch zwei Paschtunen ums Leben gekommen.  In der Folge sei er nach  P._______  gegangen,  um  seinen  Vater  zu  beerdigen.  Nach  seiner  Rückkehr  sei  er  dann  mit  einem  Freund  seines  Vaters  erneut  nach  P._______ gereist. Nach einigen Tagen sei er nach Hause gegangen und  habe  gesehen,  dass  in  sein  Haus  eingebrochen  worden  sei.  Nachbarn  hätten  ihm erzählt, Paschtunen hätten nach  ihm gesucht. Weil er  in der  Folge  Angst  um  sein  Leben  gehabt  habe,  sei  er  zu  seiner  Schwester  nach Q._______ in der Provinz Maydan geflüchtet. Von dort aus sei er im  Juni 2008 in den Iran ausgereist, wo er rund fünf Monate lang geblieben  sei, bevor er in die Türkei eingereist sei. B.  Mit Verfügung vom 6. November 2009 – eröffnet am 9. November 2009 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  ordnete  es  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung hielt die Vorinstanz im Wesentlichen fest, die Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zur  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  seien  widersprüchlich,  unsubstanziiert  und  teilweise  wirklichkeitsfremd 

D­7587/2009 ausgefallen.  Im  Übrigen  habe  er  keinerlei  Beweismittel  für  den  geltend  gemachten  Tod  seines  Vaters,  die  geltend  gemachten  Probleme  mit  Paschtunen  sowie  für  seinen  monatelangen  Aufenthalt  in  der  Provinz  Helmand  eingereicht,  was  ebenfalls  an  der  Glaubhaftigkeit  seiner  Asylgründe zweifeln lasse. Dementsprechend hielten die Vorbringen des  Beschwerdeführers insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht stand, sodass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft  nicht erfülle,  könne  auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG  nicht  angewandt  werden.  Ferner  ergäben  sich  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  dem  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder Behandlung drohe. Die allgemeine Menschenrechtssituation  in Afghanistan lasse – auch in Anbetracht der jüngsten Entwicklung – den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  sei  zwar  angespannt.  Die  aufständischen  Kräfte  hätten  ihre  Aktivitäten  verstärkt  und  ihren  Einfluss  besonders  in  den  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen sowie teilweise im Norden und Westen des Landes ausdehnen  können.  Die  internationale  Truppenpräsenz  sei  zahlenmässig  zu  schwach,  um  flächendeckend  wirksam  zu  sein.  Funktionierende  staatliche  Strukturen  seien  in  vielen  Regionen  noch  kaum  entwickelt.  Dennoch  könne  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung  in  Afghanistan  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  im  Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005  über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) ausgegangen  werden.  Trotz  vereinzelter  Anschläge  sei  die  Lage  in  den  nördlichen  Provinzen  Parwan,  wo  der  Beschwerdeführer  jahrelang  gewohnt  habe,  Baghlan,  Takhar,  Badakshan,  Balkh,  San  Pul  sowie  in  Kabul,  in  der  westlichen  Provinz  Herat  und  in  Bamiyan,  der  zentralen  Provinz  des  Hazarajat,  weiterhin  als  vergleichsweise  sicher  einzustufen.  In  diesen  Regionen  könne  nicht  von  einer  permanent  instabilen  Situation  gesprochen  werden.  Eine  Wegweisung  in  diese  Provinzen  sei  somit  grundsätzlich zumutbar. Zudem gebe es auch keine individuellen Gründe,  die  im  vorliegenden  Fall  gegen  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs sprächen. Die Asylgründe des Beschwerdeführers  hätten  sich  als  nicht  glaubhaft  erwiesen.  Daher  sei  davon  auszugehen,  dass der Beschwerdeführer mit  seiner Familie  in der Provinz Parwan  in 

D­7587/2009 der Landwirtschaft weiterhin sein Auskommen finden werde. Ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. C.  Mit Beschwerde vom 7. Dezember 2009  liess der Beschwerdeführer die  nachfolgend aufgeführten Anträge stellen: 1. Die den Wegweisungsvollzug betreffenden Ziffern des Dispositivs der  angefochtenen Verfügung seien aufzuheben. 2. Es  sei  festzustellen,  dass  der  Wegweisungsvollzug  dem  Beschwerdeführer  nicht  zuzumuten  sei,  und  das  BFM  sei  anzuweisen,  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  zu  verfügen. 3. Eventualiter sei der Fall zur erneuten Abklärung des Sachverhalts an  die Vorinstanz zurückzuweisen. 4. Dem Beschwerdeführer  sei  die  unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021)  zu  gewähren,  und  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  10.  Dezember  2009  stellte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  in  casu  bilde  lediglich der Wegweisungsvollzug Gegenstand des Verfahrens, hiess das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und wies dasjenige im Sinne von Art. 65 Abs. 2  VwVG  ab.  Des  Weiteren  verzichtete  er  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 

D­7587/2009 ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4.  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die vorliegende Beschwerde richtet sich lediglich gegen die Ziffern 4 und  5 der Verfügung des BFM vom 6. November 2009. Die Ziffern 1, 2 und 3  der  angefochtenen  Verfügung  (betreffend  Flüchtlingseigenschaft,  Asylgewährung  und  Anordnung  der  Wegweisung)  sind  somit  in  Rechtskraft  erwachsen.  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens bildet somit  lediglich die Frage, ob entsprechend  den  Rechtsbegehren  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des Vollzugs der Wegweisung anzuordnen  ist  (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG  i.V.m. Art. 83 Abs. 4 AuG). 4.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet.

D­7587/2009 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu  berücksichtigen  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Die  Bedingungen  für  einen  (vorläufigen) Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung – Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit  (vgl. Art. 83 Abs. 2 – 4 AuG) – sind  alternativer  Natur:  Ist  eine  dieser  Voraussetzungen  erfüllt,  so  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  erachten  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S.  748,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 1 E. 6a S. 2,  EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 5.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002,  BBl  2002  3818). 5.2.1.  Für  die  Beurteilung  der  allgemeinen  Lage  in  Afghanistan  wird  zunächst  auf  das  zur  Publikation  vorgesehene  Länderurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  verwiesen. Darin kommt das Gericht zum Schluss, dass in weiten Teilen  von  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in  den  Grossstädten  –  eine  derart  schlechte Sicherheitslage und derart schwierige humanitäre Bedingungen  bestünden, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83  Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei  die Situation  in  der Hauptstadt Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des  Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlauf  des  vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger  dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Hauptstadt  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert  werden.  Solche  Umstände  könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim 

D­7587/2009 Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Allerdings  müssten  zudem  die  bereits  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr.  10  formulierten  strengen Bedingungen  in  jedem Einzelfall  sorgfältig  geprüft  werden.  Unabdingbar  sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als  tragfähig erweise. Denn ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte  würden  die  schwierigen  Lebensverhältnisse  auch  in  der  Stadt  Kabul  unweigerlich zu einer existenziellen beziehungsweise lebensbedrohlichen  Situation führen. 5.2.2. Der Beschwerdeführer stammt nicht aus einer Grossstadt, sondern  aus  dem Dorf  N._______  in  der  Provinz  Helmand  und  lebte  vor  seiner  Ausreise aus dem Heimatstaat in O._______ in der Provinz Parwan. Ein  Wegweisungsvollzug dorthin ist gemäss den vorstehenden Ausführungen  unzumutbar. 5.2.3.  In  einem  nächsten  Schritt  zu  prüfen  bleibt  daher,  ob  es  dem  Beschwerdeführer  zumutbar  wäre,  sich  im  Sinne  einer  Aufenthaltsalternative  in  einer  Grossstadt,  zum  Beispiel  Kabul,  niederzulassen.  Vorliegend  bestehen  den  Akten  zufolge  diesbezüglich  keine  Anknüpfungspunkte,  um  einen  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  zumutbar einzustufen. 5.2.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  aus  der  Schweiz  nach  Afghanistan  für  den  Beschwerdeführer zur Zeit nicht zumutbar ist. 5.2.5. Da sich den Akten keine Hinweise entnehmen lassen, wonach der  Beschwerdeführer  einen  der  Tatbestände  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  (Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme)  erfüllen  würde,  ist  die  Beschwerde, welche sich auf den Vollzug der Wegweisung beschränkte,  vollumfänglich  gutzuheissen.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen Verfügung sind aufzuheben und das BFM ist anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  infolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. 6.  6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

D­7587/2009 6.2. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  notwendigerweise  erwachsenen  Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a  VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Rechtsvertretung  reichte  keine  Kostennote  ein.  Indessen  lässt sich der Parteiaufwand auf Grund der Akten  (vgl. Art. 14  Abs.  2  VGKE)  und  in  Berücksichtigung  der  massgebenden  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  8  ff.  VGKE)  festlegen. Die Vorinstanz  ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  600.­ (inkl. Auslagen und allfällige MWSt) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite

D­7587/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 6. November 2009  werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer  in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten gesprochen. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 600.— auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

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