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Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 D-7086/2010

9. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,931 Wörter·~10 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. August 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7086/2010 Urteil   v om   9 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Walter Lang;  Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea,   vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. August 2010 / N (…).

D­7086/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  reichte  am  13. Oktober  2008  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch ein. Dazu wurde er  am 16. Oktober 2008 im EVZ B._______ befragt (Kurzbefragung) und am  31. Oktober 2008 am selben Ort angehört (Anhörung). Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger, stamme aus  C._______  und  habe  vor  seiner  Ausreise  in  D._______  (Region  E._______)  gewohnt.  Anfang  Dezember  2007  sei  er  von  der  Schule  suspendiert worden, weil  er dort  oft  gefehlt  habe, da er  zu Hause habe  mithelfen  müssen.  Am  10.  Dezember  2007  habe  er  ein  Schreiben  der  Verwaltung  von  D._______  erhalten,  worin  er  aufgefordert  worden  sei,  sich  bei  der  Verwaltung  zu melden.  Gemäss  dem  Schreiben  wäre  ihm  dort  gesagt  worden,  bei  welcher  Militärkaserne  er  sich  melden  müsse.  Zwei Tage nach dem Erhalt des Schreibens habe er sich entschlossen,  Eritrea  zu  verlassen.  In  der  Folge  habe  er  einen  Schlepper  organisiert  sowie Geld gesammelt und sich am 15. Dezember 2007 mit der Hilfe des  Schleppers  illegal  in  den  Sudan  begeben,  von  wo  er  nach  einem  Aufenthalt  von  sechs Monaten  nach  Libyen  gereist  sei.  Von  dort  sei  er  nach einigen Monaten per Boot nach Italien gefahren und schliesslich per  Bus und Zug unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz gelangt.  Wegen seiner illegalen Ausreise aus Eritrea sei sein Vater festgenommen  und  für  vier  Monate  inhaftiert  worden.  Zudem  habe  sein  Vater  eine  Geldstrafe  bezahlen  müssen.  Für  die  übrigen  Aussagen  wird  auf  die  Akten verwiesen.  Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Farbkopie  seines  Taufscheins  sowie  die  eritreischen  Identitätskarten  seiner Eltern zu den Akten.  B.  Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 30. August 2010 – eröffnet am  folgenden  Tag  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  ordnete  das  BFM  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  an,  wobei  es  den  Vollzug  wegen  Unzulässigkeit  zu  Gunsten  einer vorläufigen Aufnahme aufschob. 

D­7086/2010 Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  im  Verlaufe  des  Verfahrens  zum  wesentlichen  Vorbringen  unterschiedliche  Angaben  gemacht.  So  habe  er  in  der  Kurzbefragung  ausgesagt,  dass  er  von  der  Verwaltung  aufgefordert  worden sei, nach Wia ins Trainingscamp zu gehen. In der Anhörung habe  er hingegen geltend gemacht, dass die Verfolger ihn nach Sawa oder Wia  schicken wollten. Ausserdem habe auf der Vorladung gestanden, dass er  sich  bei  der  Verwaltung melden  solle,  um  dann  erst  zu  erfahren,  wann  und wo er einzurücken habe. Zudem habe der Beschwerdeführer geltend  gemacht, dass er Eritrea verlassen habe, weil er von der Verwaltung von  D._______  aufgefordert  worden  sei,  sich  bei  ihr  zu  melden.  Sein  Antwortverhalten  decke  sich  nicht  mit  der  von  ihm  geschilderten  Bedrohungslage, mit der er im Dezember 2007 – angeblich – konfrontiert  gewesen sei. Seine Schilderungen seien knapp, undetailliert und wirkten  auf  Dritte  konstruiert.  Zu  keinem  Zeitpunkt  der  Anhörung  sei  zu  vernehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  Angst,  Furcht  oder  Bedenken  gehabt  habe.  Er  habe  im  Verlaufe  des  Verfahrens  den  Eindruck  vermittelt,  dass  er  das  Geschilderte  nicht  erlebt  habe.  Ebenfalls  könne  ihm  nicht  geglaubt  werden,  dass  er  es  im  Alter  von  fünfzehn  Jahren  innerhalb  von  fünf  Tagen  bewerkstelligt  habe,  einen  Schlepper  zu  organisieren, genaue Untersuchungen zu machen, damit er nicht verraten  werde,  und  zugleich  Geld  gesammelt  habe,  um  die  Reise  tätigen  zu  können, damit er schliesslich am fünften Tag sudanesischen Boden habe  betreten  können.  Ferner  sei  zu  konstatieren,  dass  die  Vorbringen  bezüglich der Ausreise vom Dezember 2007 sehr oberflächlich, vage und  undetailliert  geschildert worden seien. Weil  die wesentlichen Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  sich  widersprüchlich  und  zu  wenig  konkret,  detailliert  und  differenziert  dargelegt  worden  seien  und  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen  würden,  hielten  diese  den  Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  stand,  so  dass  die  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden müsse.  Die  weiteren  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  auf  ihre  Asylrelevanz  zu  prüfen.  Der  Beschwerdeführer  sei  zum  Zeitpunkt  der  illegalen  Ausreise  maximal  fünfzehn  Jahre  alt  und  somit  nicht  im  militärdienstpflichtigen  Alter  gewesen.  Gemäss  geltender  Praxis  sei  die  Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung  jedoch nur dann  begründet,  wenn  die  betroffene  Person  vorgängig  in  einem  konkreten  Kontakt zu den Militärbehörden gestanden sei. Diese Voraussetzung sei  mangels  eines  solchen  konkreten  Kontaktes  und  der  unglaubhaften 

D­7086/2010 Vorbringen  des Beschwerdeführers  vorliegend  nicht  erfüllt.  Selbst wenn  der Beschwerdeführer heute in einem wehrfähigen Alter wäre, vermöchte  dieser Umstand  sowie  die Möglichkeit,  irgendwann  für  den Militärdienst  aufgeboten zu werden, gemäss der Rechtsprechung keine asylrelevante  Furcht  zu  begründen.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  erwiesen  sich daher als nicht asylrelevant und hielten damit den Anforderungen an  die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.  Für die weitere Begründung der Verfügung wird auf die vorinstanzlichen  Erwägungen verwiesen.  C.  Mit  Beschwerde  vom  29.  September  2009  (Poststempel)  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  neu  mandatierten  Rechtsvertreter  beantragen,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Zudem  sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  bewilligen,  in  der  Person  des  Unterzeichnenden  ein  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu  ernennen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten. Auf  die Begründung der Beschwerde  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen.  D.  Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2010 wies der Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  und  um  Erlass  des  Kostenvorschusses ab. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass  der Beschwerdeführer einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­ bis zum 20.  Oktober 2010 zu bezahlen habe. E.  Mit  Schreiben  vom  15.  Oktober  2010  ersuchte  der  Beschwerdeführer  (sinngemäss),  es  sei  die  Zwischenverfügung  vom  5.  Oktober  2010  hinsichtlich  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  sowie  des  Verzichts  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  in  Wiedererwägung  zu  ziehen.  Dieser  Eingabe  lag  eine  Fürsorgebestätigung  vom  27.  September  2010  sowie  ein  Auszug  aus einem Bericht über Eritrea bei. 

D­7086/2010 F.  Mit  Verfügung  vom  27.  Oktober  2010  hob  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Dispositivziffern  1  bis  3  der  Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2010 wiedererwägungsweise auf und  verfügte,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG im Endentscheid  befunden  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  werde.  Gleichzeitig  lud  der  Instruktionsrichter  die  Vorinstanz  zur  Einreichung einer Stellungnahme ein. G.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  2.  November  2010  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die Stellungnahme der Vorinstanz wurde  dem Beschwerdeführer  am 5.  November 2010 in Kopie zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der 

D­7086/2010 Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1. Die  Vorinstanz  hat  den  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Gründen  für  seine  Ausreise  aus  Eritrea  die  Glaubhaftigkeit  abgesprochen.  Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  diese  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  als  unglaubhaft  im  Sinne  von Art. 7 AsylG beurteilt hat.  4.2.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen 

D­7086/2010 sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art.  7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 27 E. 3c.aa S. 263 f.; EMARK  1996 Nr. 28 E. 3a S. 270). 4.3.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  bestätigt  hat  und  sich  deshalb seine Aussagen grundsätzlich entgegenhalten lassen muss, dies  umso mehr, als er die Übersetzer bei beiden Befragungen gut verstanden  haben  will  (vgl.  Akten  BFM  A  1/9,  S.  2,  A  7/12,  S.  2).  Im Weiteren  ist  darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsuchenden Person im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein  beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S.  66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur  dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Anhörung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral  abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  bei  er  Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 4.4. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  –  festzustellen,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  in  einem  wesentlichen  Punkt  widersprüchlich  ausgefallen  sind.  So  machte  er  bei  der  Kurzbefragung  geltend,  die  Verwaltung habe ihn aufgefordert nach Wia ins Trainingscamp zu gehen  (Akten BFM A 1/9, S. 5), während er anlässlich der Anhörung vorbrachte,  man habe  ihn nach dem Rausschmiss aus der Schule nach Sawa oder 

D­7086/2010 nach Wia schicken wollen (Akten BFM A 7/12, S. 4). Wenig später in der  Anhörung gab der Beschwerdeführer demgegenüber zu Protokoll,  in der  Vorladung,  die  er  am  10.  Dezember  2007  bekommen  habe,  sei  gestanden,  er  solle  sich  bei  der  Verwaltung  melden,  dort  würde  ihm  gesagt,  wann,  zu  welcher  Uhrzeit  und  zu  welcher  Kaserne  er  gehen  müsse  (Akten  BFM  A  7/12,  S.  6).  Die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  in der Rechtsmittelschrift sind nicht geeignet, diesen  offensichtlichen Widerspruch in seinen Aussagen aufzulösen. Gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  spricht  zudem  der  Umstand,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  bezüglich  seiner  Verfolgungsvorbringen  wenig  detailliert  und  unsubstanziiert  ausgefallen  sind  (Akten  BFM  A  1/9,  S.  5,  A  7/12,  S.  4).  Den  diesbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  fehlen  die  notwendigen  Realkennzeichen einer Erzählung. Namentlich ist den Äusserungen nicht  der erforderliche Detailreichtum einer auf tatsächlich erlebten Ereignissen  basierenden  Schilderung  zu  entnehmen,  was  nicht  nachvollziehbar  ist,  handelt  es  sich  bei  einer  drohenden  Zwangsrekrutierung  und  der  anschliessenden  Flucht  aus  dem  Heimatland  doch  um  einschneidende  Erlebnisse. Unglaubhaft erscheint überdies die Behauptung des Beschwerdeführers,  es  sei  ihm  innerhalb  von  drei  Tagen  gelungen,  einen  zuverlässigen  Schlepper zu organisieren, genügend Geld  für seine Flucht zu sammeln  und in den Sudan auszureisen (Akten BFM A 7/12, S. 7 ff.), zumal er zum  damaligen Zeitpunkt erst fünfzehn Jahre alt war und er seine Eltern nicht  um  Hilfe  ersucht  haben  will.  Die  diesbezüglichen  Vorbringen  in  der  Rechtsmittelschrift,  mittels  Erfahrungen  von  Freunden  und  entsprechenden  Beziehungen  sei  es  leicht,  einen  Schlepper  für  die  Übertretung  der  eritreisch­sudanesischen  Grenze  zu  finden,  vermögen  das Gericht nicht zu überzeugen.  Nicht  glaubhaft  erscheint  ausserdem  die  Aussage  des  Beschwerdeführers, wonach er seine Eltern nicht über seine Fluchtpläne  informiert,  sondern  ihnen  erst  vom  Sudan  aus  mitgeteilt  habe,  dass  er  Eritrea  verlassen  habe  (Akten  BFM  A  7/12,  S.  7),  zumal  er  zum  damaligen Zeitpunkt noch sehr jung war und es sich bei einer Flucht  ins  Ausland um ein grosses Wagnis handelt.  Schliesslich ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführer trotz der ihm  obliegenden  Mitwirkungspflicht  (Art.  8  AsylG)  unterlassen  hat,  dem 

D­7086/2010 Bundesverwaltungsgericht  das  geltend  gemachte  Schreiben  der  Verwaltung  von  Segeneiti  einzureichen,  ohne  dass  er  dafür  eine  Erklärung abgegeben hätte.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  zur  Zwangsrekrutierung  durch  die  eritreischen  Behörden sowie zu den Umständen seiner Ausreise aus Eritrea zu Recht  die  Glaubhaftigkeit  abgesprochen  hat.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  daher  nicht  gelungen,  eine  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  Eritrea  bestehende  oder  drohende,  asylrechtlich  relevante  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu machen. Nach  dem Gesagten  erübrigt  es  sich,  auf  die  diesbezüglichen  Ausführungen  und  Einwände  in  der  Beschwerde  beziehungsweise  die  eingereichten  Beweismittel  im  Einzelnen weiter einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern können.  5.  5.1. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch seine Ausreise  aus dem Heimatstaat oder sein seitheriges Verhalten bei einer Rückkehr  nach  Eritrea  – mithin  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  –  befürchten  müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu  werden.  5.2.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales  Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung  eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaatlichen  Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  sie  die  Gefahr  einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen.  Personen  mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  gemäss  Art.  54  AsylG  kein  Asyl,  werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. EMARK 2006  Nr.  1  E.  6.1  S.  10,  mit  weiteren  Hinweisen).  Durch  Republikflucht  zum  Flüchtling  wird,  wer  sich  aufgrund  der  unerlaubten  Ausreise  mit  Sanktionen  seines  Heimatstaates  konfrontiert  sieht,  die  bezüglich  ihrer  Intensität und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile  gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen (vgl. BVGE 2009/29 und Urteil D­ 3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.1). 5.3.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  er  habe  Eritrea  illegal  verlassen,  weshalb  er  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  dorthin  mit  einer  unverhältnismässig hohen Strafe rechnen müsse.

D­7086/2010 5.4. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass über Eritrea im Allgemeinen und  über  die  oftmals  willkürliche  Praxis  bei  der  Anwendung  des  nationalen  Rechts  in  diesem  Land  im  Speziellen  nur  wenige  zuverlässige  und  unabhängige Quellen verfügbar sind; das Land selber verfolgt eine gegen  innen und gegen aussen äusserst restriktive Informationspolitik. Dennoch  ergibt  sich  aus  den  vorhandenen  Unterlagen  (vgl.  namentlich  U.S.  Department of State, 2009 Human Rights Report Eritrea, 11. März 2010;  UK Border Agency, Country of Origin Information Report Eritrea, 15. April  2011;  SFH,  Eritrea,  Update  vom  Februar  2010;  UNHCR  Eligibility  guidelines  for  assessing  the  international  protection  needs  of  asylum­ seekers  from  Eritrea,  20.  April  2011;  schriftliche  Angaben  eines  unabhängigen  Eritrea­Experten  vom  30.  September  2008  und  vom  27.  April  2009  gegenüber  dem  Bundesverwaltungsgericht;  alle  Berichte  jeweils mit Hinweisen auf weitere Quellen) ein schlüssiges Bild in Bezug  auf  die  von  illegal  ausreisenden  Staatsangehörigen  zu  erwartenden  staatlichen  Sanktionen.  So  ist  gemäss  Art.  11  der  "Proclamation  No.  24/1992" – welche die Ein­ und Ausreise nach und von Eritrea regelt – ein  legales Verlassen des Landes lediglich mit einem gültigen Reisepass und  einem  zusätzlichen  Ausreisevisum  möglich.  Die  Ausreise  ohne  die  erforderlichen Dokumente wird gemäss Art. 29 dieses Erlasses mit einer  Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und/oder einer Busse bis zu 10'000  Birr – der in Eritrea bis zur Einführung der eigenen Landeswährung Nakfa  gültigen  äthiopischen  Währung  –  sanktioniert.  In  der  Praxis  werden  Ausreisevisa  bereits  seit  mehreren  Jahren  nur  noch  unter  sehr  restriktiven  Bedingungen  und  gegen  Bezahlung  hoher  Geldbeträge  (im  Gegenwert  von  rund $ 10'000) an wenige, als  loyal beurteilte Personen  ausgestellt,  wobei  Kinder  ab  elf  Jahren,  Männer  bis  zum  Alter  von  54  Jahren  und  Frauen  bis  47  Jahre  grundsätzlich  von  der  Visumserteilung  ausgeschlossen  sind.  Verschiedentlich  gab  es  auch  Zeiten,  in  welchen  überhaupt keine derartigen Dokumente mehr erhältlich waren, selbst bei  Vorliegen  eines  gültigen  Reisepasses.  Wer  versucht,  das  Land  ohne  behördliche  Erlaubnis  zu  verlassen,  riskiert  neben  der  gesetzlich  angedrohten Bestrafung sein Leben, da die Grenzschutztruppen gemäss  übereinstimmenden  Quellen  den  Befehl  haben,  Fluchtversuche  mit  gezielten Schüssen zu verhindern. Wie vom Beschwerdeführer zutreffend  dargestellt,  erachtet  das  eritreische  Regime  das  illegale  Verlassen  des  Landes als Zeichen politischer Opposition gegen den Staat und versucht  mit den drakonischen Massnahmen der sinkenden Wehrbereitschaft und  der Massenfluchtbewegung in der Bevölkerung – jährlich kehren mehrere  Tausend  Staatsangehörige  dem  Land  wegen  der  zunehmenden 

D­7086/2010 Militarisierung,  der  unbegrenzten  Dienstdauer  und  der  sich  verschlechternden Menschenrechtslage den Rücken – Herr zu werden. 5.5. Aufgrund der Akten und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass  der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise 15­jährig war, ist trotz  seiner unglaubhaften Asylvorbringen davon auszugehen, dass er seinen  Heimatstaat  illegal,  das  heisst  ohne  behördliches  Ausreisevisum,  verlassen und angesichts der in E. 5.4 genannten Umstände begründete  Furcht  hat,  bei  einer Rückkehr  dorthin  erheblichen Nachteilen  im Sinne  von  Art.  3  AsylG  ausgesetzt  zu  werden.  Er  erfüllt  demnach  die  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft.  Da  die  drohende  Verfolgung  allerdings  auf  dessen  illegale  Ausreise  aus  Eritrea  zurückzuführen ist, ist ihm in Anwendung von Art. 54 AsylG kein Asyl zu  gewähren,  weshalb  die  vorinstanzliche  Verfügung  insoweit  –  die  Dispositiv­Ziffer 2 betreffend – zu bestätigen ist.  6.  6.1. Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs.  1 AsylG;  vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Da er mit Verfügung des BFM  vom  30.  August  2010  vorläufig  aufgenommen  wurde,  erübrigen  sich  sodann  weitere  Ausführungen  zur  Frage  der  Durchführbarkeit  des  Vollzuges. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  betrifft.  Die Beschwerde  ist  nach  dem Gesagten  insoweit  gutzuheissen,  die Verfügung des BFM vom 30. August 2010 teilweise – die Dispositiv­ Ziffer  1  betreffend  –  aufzuheben  und  das  Bundesamt  anzuweisen,  die 

D­7086/2010 Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  anzuerkennen.  Im  Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 8.  8.1. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  nach  dem  Grad des Durchdringens praxisgemäss zur Hälfte, ausmachend Fr. 300.­,  dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1­ 3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Angesichts  der  Tatsache,  dass  die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos zu bezeichnen war und da aufgrund der Aktenlage von der  prozessualen Bedürftigkeit auszugehen  ist,  ist  indessen das Gesuch um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  –  soweit  nicht  durch  die  teilweise  Gutheissung  der  Beschwerde  hinfällig  geworden  –  gutzuheissen  und  von  der  Kostenauferlegung  abzusehen. 8.2. Der Beschwerdeführer liess mit seiner Beschwerde auch ein Gesuch  um  Beiordnung  eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistandes  stellen.  Einer  bedürftigen Person wird  in einem  für  sie nicht  aussichtslosen Verfahren  ein Anwalt bestellt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (Art.  65  Abs.  2  VwVG).  In  Verfahren,  welche  vom  Untersuchungsgrundsatz  beherrscht  sind,  gelten  strenge  Massstäbe  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  (vgl.  BGE  122  I  10).  In  asylrechtlichen  Beschwerdeverfahren geht es  im Wesentlichen um die Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts, wobei der Untersuchungsgrundsatz gilt.  Besondere  Rechtskenntnisse  sind  daher  zur  wirksamen  Beschwerdeführung  im  Regelfall  nicht  erforderlich,  weshalb  die  unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG nur  in  besonderen  Fällen,  in welchen  in  rechtlicher  oder  tatsächlicher Hinsicht  erhöhte  Schwierigkeiten  bestehen,  gewährt  wird.  Im  vorliegenden  Verfahren hat dies nicht zugetroffen. Dem Antrag des Beschwerdeführers  auf  Beiordnung  eines  amtlichen  Rechtsvertreters  nach  Art.  65  Abs.  2  VwVG ist mangels Notwendigkeit daher nicht stattzugeben. 8.3.  Dem  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Beschwerdeführer  ist  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  und  Art.  7  VGKE  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zuzusprechen.  Es  wurde  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  lässt sich  indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig 

D­7086/2010 abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet wird (vgl.  Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden  Berechnungsfaktoren (Art. 9­11 und 13 VGKE) sowie des bloss teilweisen  Obsiegens  ist  die  praxisgemäss  um  die  Hälfte  zu  reduzierende  Parteientschädigung  auf  Fr.  600.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Das  BFM  ist  entsprechend  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft betrifft; im Übrigen wird sie abgewiesen.  2.  Die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom  30.  August  2010  wird  teilweise –  soweit  Dispositiv­Ziffer  1  betreffend  –  aufgehoben  und  das  BFM  wird  angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen. 3.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 5.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  (um  die  Hälfte  reduzierte)  Parteientschädigung  von  insgesamt  Fr.  600.­  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) zu entrichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde.

D­7086/2010 Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-7086/2010 — Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 D-7086/2010 — Swissrulings