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Bundesverwaltungsgericht 13.12.2011 D-6656/2011

13. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·820 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. November 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6656/2011 Urteil   v om   1 3 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;   Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Marokko,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 30. November 2011 / N (…).

D­6656/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2011 in der Schweiz um Asyl  nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum B._______ vom 17. November 2011 im Wesentlichen  geltend machte, er habe Marokko Ende 2004 verlassen, da es dort keine  Arbeit gegeben habe,  dass er sich etwa ein Jahr lang in C._______ aufgehalten habe, bevor er  Ende 2005 nach D._______ gegangen sei, dass  er  in  D._______  kein  Asylgesuch  eingereicht  und  auch  keine  Aufenthaltsbewilligung  erhalten  habe,  sondern  im November  2010  nach  Österreich weitergereist sei und dort um Asyl nachgesucht habe,  dass er in Österreich einen negativen Asylentscheid erhalten habe, wobei  er  das  Land  noch  vor  Abschluss  des  diesbezüglichen  Beschwerdeverfahrens – etwa vor einem Monat – in Richtung D._______  verlassen habe,  dass der Beschwerdeführer  im Rahmen der Gewährung des  rechtlichen  Gehörs zur Frage der Zuständigkeit Österreichs vorbrachte, er wolle nicht  nach Österreich zurückkehren, da dort alle Rassisten seien,  dass bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  auf  das  Protokoll  bei  den  Akten  verwiesen wird (vgl. Akten Vorinstanz A7),  dass  das  BFM  aufgrund  der  Daktyloskopierung  (Eurodac)  des  Beschwerdeführers  in Österreich  (Asylgesuchseinreichung  in E._______  am  22. November  2010,  keine  solche  in  D._______)  am  23. November  2011 ein Übernahmeersuchen an die österreichischen Behörden stellte,  welchem diese am 29. November 2011 zustimmten,  dass  das  Bundesamt  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  mit Verfügung vom 30. November 2011 – eröffnet am 6. Dezember 2011  – nicht eintrat, die Wegweisung des Beschwerdeführers nach Österreich  und den Wegweisungsvollzug anordnete und gleichzeitig feststellte, dass  einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, 

D­6656/2011 dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, Österreich sei  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR 0.142.392.689)  und  das Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR 0.362.32)  für  die  Durchführung des Asylverfahrens zuständig,  dass  angesichts  dessen,  dass  Österreich  der  Übernahme  des  Beschwerdeführers gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin­II­VO), zugestimmt habe, die  Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  bei Österreich liege,  dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung gemäss Art. 19 f. Dublin­II­VO – bis spätestens am 29. Mai  2012 zu erfolgen habe, dass daher auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht einzutreten  und dessen Wegweisung aus der Schweiz anzuordnen sei,  dass  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art. 5  Abs. 1  AsylG  fände,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaats  nicht  zu  prüfen  sei,  und  ferner  für  den  Fall  einer  Rückkehr nach Österreich keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  bestehen  würden,

D­6656/2011 dass  weder  die  in  Österreich  herrschende  allgemeine  Situation  noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diesen Staat sprechen würden,  dass  der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  in  Österreich  seien  alle  Rassisten, kein Hindernis für den Vollzug der Wegweisung darstelle, dass Österreich  ein  Rechtsstaat mit  funktionierendem  Justizsystem  sei,  und  sich  der  Beschwerdeführer  an  die  zuständigen  staatlichen  Stellen  wenden  könne,  sollte  er  sich  durch  den  österreichischen  Staat  oder  Privatpersonen ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen, dass  der  Wegweisungsvollzug  zudem  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei, dass  der  Beschwerdeführer  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  30. November  2011  mit  Eingabe  vom  9. Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  sinngemäss  um  Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung ersuchte, dass  der Beschwerdeführer  vorbrachte,  er wolle weder  nach Österreich  noch nach D._______ zurück, und sollte ein Verbleib in der Schweiz nicht  möglich sein,  ziehe er es vor, mit  schweizerischer Rückkehrhilfe  in  sein  Heimatland zurückzukehren,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  13. Dezember  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),  und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

D­6656/2011 dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  ist,  weshalb auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde – diese  genügt knapp den gesetzlichen Anforderungen an die Begründungspflicht  – einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftwechsel  verzichtet wurde,  dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,  dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen vorab  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,  dass  der  vorgängige  Aufenthalt  in  Österreich  und  die  ausdrückliche  Zustimmung  Österreichs  zur  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  aufgrund der Aktenlage feststehen, 

D­6656/2011 dass  die  geltend  gemachten  Asylgründe  daher  in  Österreich,  das  staatsvertraglich  für  das  vorliegende  Verfahren  zuständig  ist,  zu  prüfen  sein werden,  dass eine Rückführung des Beschwerdeführers  nach D._______, wo er  nicht  als  Asylbewerber  registriert  wurde,  nicht  zur  Diskussion  steht,  so  dass  sich  Ausführungen  zur  Situation  Asylsuchender  in  D._______  erübrigen, dass,  selbst  wenn  das  Asylverfahren  des  Beschwerdeführers  in  Österreich bereits rechtskräftig abgeschlossen sein sollte und er deshalb  kein Anrecht mehr auf Unterbringung oder weitergehende staatliche oder  nichtstaatliche  Unterstützung  hätte,  Österreich  gemäss  Art. 16  Abs. 2  Bst. e  Dublin­II­VO  weiterhin  für  das  Verfahren  des  Beschwerdeführers  bis  zu  einem  allfälligen  Wegweisungsvollzug  zuständig  wäre  (Art. 16  Abs. 4 Dublin­II­VO sowie CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin­ II­Verordnung,  3., überarb.  Aufl.,  Wien/Graz  2010,  K 25  zu  Art. 16  Abs. 4), dass  Österreich  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist, und keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen,  wonach  Österreich  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würde,  dass  auch  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im  Rahmen eines Asylverfahrens  in Österreich  aufhalten, würden aufgrund  der  dortigen  Aufenthaltsbedingungen  in  eine  existenzielle  Notlage  versetzt,  dass  Österreich  wie  jeder  Dublin­Staat  die  Verfahrens­  und  Aufnahmerichtlinien  in  Landesrecht  umgesetzt  hat,  und  davon  ausgegangen werden darf, der Beschwerdeführer finde dort grundsätzlich  adäquate Betreuung und Behandlung sowie ein rechtsstaatlich konformes  Asylverfahren,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  bei  allfälligen  diesbezüglichen  Klagen  und auch bei Übergriffen an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden  hat, 

D­6656/2011 dass somit nicht davon auszugehen ist, das BFM hätte Veranlassung zu  einem Selbsteintritt (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) gehabt,  dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,  dass  die  Anordnung  der  Wegweisung  nach  Österreich  der  Systematik  des Dublin­Verfahrens – bei dem es sich um ein Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt –  entspricht und im Einklang mit der Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG  steht, wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach  der Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs in den für die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  regelmässig  bereits  Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheids  und hier nicht mehr zu prüfen ist,  dass sich auch die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  einem  Dublin­Verfahren  nicht  unter  dem  Aspekt  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  stellt,  sondern  eine  entsprechende  Prüfung,  soweit  notwendig,  bereits  im  Rahmen  der  Entscheidfindung  hinsichtlich  der  Ausübung des Selbsteintrittsrechts stattfinden muss,  dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,  dass  eine  Rückführung  des  Beschwerdeführers  von  der  Schweiz  nach  Marokko aufgrund des Gesagten nicht zur Diskussion steht, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).

D­6656/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­6656/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand:

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