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Bundesverwaltungsgericht 07.12.2011 D-6475/2011

7. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,172 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6475/2011 Urteil   v om   7 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;   Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … , Eritrea,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2011 / N … .

D­6475/2011 Sachverhalt: A.  Mit  Eingabe  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Khartum  (nachfolgend:  die Botschaft) vom 20. Februar 2011 (dort eingegangen am gleichen Tag)  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  und  die  Gewährung  von  Asyl.  Diese  Eingabe  wurde  von  der  Botschaft an das BFM weitergeleitet.  Mit Schreiben vom 25. Juli 2011 (zugestellt über die Botschaft) setzte das  BFM  den  Beschwerdeführer  davon  in  Kenntnis,  eine  Anhörung  zu  den  Gesuchsgründen durch die Botschaft sei aus organisatorischen Gründen  nicht möglich.  Gleichzeitig  wurde  er  aufgefordert,  zur  Vervollständigung  des rechtserheblichen Sachverhalts auf schriftlichem Weg eine Reihe von  Fragen  zu  seinen  Verhältnissen  in  der  Heimat  und  zu  seinen  Ausreisegründen,  zu  allfälligen  Beziehungen  zu  Drittstaaten  oder  zur  Schweiz und namentlich zu den Umständen seines Aufenthalts im Sudan  zu beantworten.  Mit Eingabe an die Botschaft vom 22. August 2011 (dort eingegangen am  24.  August  2011)  nahm  der  Beschwerdeführer  zu  den  vom Bundesamt  aufgeworfenen  Fragen  Stellung.  Auch  diese  Eingabe  wurde  von  der  Botschaft an das BFM weitergeitet.  B.  Der Beschwerdeführer macht in seinen in englischer Sprache verfassten  Eingaben zur Hauptsache geltend, er habe sich ab 1996 ununterbrochen  im  Militärdienst  befunden  und  er  sei  ab  1998  als  Militärpolizist  mit  der  Bewachung  von  äthiopischen  Kriegsgefangenen  befasst  gewesen.  Nachdem … 2009 zwei Gefangene entkommen seien, sei er selbst für ein  Jahr  unter menschenunwürdigen  Bedingungen  inhaftiert  worden.  Daran  anschliessend  sei  er  in  einen  militärischen  Landwirtschaftsbetrieb  überstellt  worden,  wo  ihm  für  unbestimmte  Zeit  Sklavenarbeit  gedroht  habe.  Er  sei  daher  von  dort  geflohen  und  …  2010  in  den  Sudan  ausgereist.  Dort  sei  er  vom UNHCR  im Shegerab­Camp  aufgenommen  worden, er habe jedoch aufgrund der dortigen Verhältnisse das Camp im  …  [Sommer]  2010  verlassen.  Heute  befinde  er  sich  in  Khartum,  wo  er  seinen  Lebensunterhalt  kaum  bestreiten  könne  und  als  Eritreer  diskriminiert werde. Zudem mache die Polizei dort  Jagd auf Flüchtlinge,  und  es  würden  immer  wieder  Eritreer  aus  dem  Sudan  nach  Eritrea  abgeschoben. Da er sich im Sudan kein Leben aufbauen könne und dort  auch  nicht  sicher  sei,  ersuche  er  die  Schweiz  um  die  Gewährung  von 

D­6475/2011 Asyl.  Als  Beweismittel  legte  er  in  Kopie  seine  Identitätskarte  und  seine  UNHCR­Flüchtlingskarte vor.  C.  Mit  Verfügung  vom  10.  Oktober  2011  (zugestellt  über  die  Botschaft,  Zustellungsdatum  von  der  Botschaft  nicht  registriert)  verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz.  Gleichzeitig  stellte es fest, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte sein  Asylgesuch ab. Im Rahmen der Begründung seines Entscheides hielt das  Bundesamt  zur  Hauptsache  fest,  für  den  Beschwerdeführer  –  welcher  keine besonders nahe Beziehung zur Schweiz habe – sei es möglich und  zumutbar, im Sudan zu verbleiben, wo er faktisch Schutz geniesse. Dabei  führte  das Bundesamt  namentlich  aus,  zwar  seien  die Bedingungen  für  Flüchtlinge  im  Sudan  schwierig,  jedoch  sei  ihr  Unterhalt  in  den  Flüchtlingslagern gesichert. Im Weiteren sei es seit einiger Zeit auch nicht  mehr  zu  Rückführungen  von  Eritreern  nach  Eritrea  gekommen,  und  zudem seien nur Personen mit einem ganz besonderen Profil überhaupt  von  einer  Abschiebung  bedroht.  Der  Beschwerdeführer  weise  kein  solches Profil auf, weshalb er nicht auf eine Schutzgewährung durch die  Schweiz angewiesen sei.  D.  Mit  Eingabe  an  die  Botschaft  datiert  vom  6.  November  2011  (Eingangsdatum  von  der  Botschaft  nicht  registriert)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  den  Entscheid  des  BFM  Beschwerde.  Diese  Eingabe wurde von der Botschaft an das BFM weitergeleitet, worauf das  Bundesamt  die  Beschwerde  am  29.  November  2011  an  das  dafür  zuständige Bundesverwaltungsgericht überwies.  In  seiner  Eingabe  beantragt  der  Beschwerdeführer  sinngemäss  die  Aufhebung  der Verfügung des BFM und die Bewilligung  der Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  des  Asylverfahrens.  Dabei macht  er  zur Begründung im Wesentlichen geltend, er weise zwar kein besonderes  Profil  auf,  im  islamischen  Sudan  sei  jedoch  die  Lage  für  Eritreer  insgesamt  sehr  schwierig.  So  könne  es  im  Sudan  –  je  nach  der  politischen Entwicklung – unvermittelt zu einer Abschiebung nach Eritrea  kommen, wie  es  auch  schon  in Malta  und  Ägypten  zu  überraschenden  Abschiebungen gekommen sei. Zudem befinde er sich im Sudan in völlig  ungesicherten  wirtschaftlichen  Verhältnissen,  und  sollte  er  dort  krank  werden oder ihm sonst etwas passieren, wäre er völlig hilflos. 

D­6475/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die  Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei  entscheidet  es  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art.  105  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 und 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG, SR 173.110]).  1.2. Auf  dem Gebiet  des  Asyls  können mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3.  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  VGG  und  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmen  (Art. 37 VGG sowie Art. 6 und 105 AsylG).  1.4. Aufgrund der Akten lässt sich weder der Zeitpunkt der Eröffnung der  angefochtenen  Verfügung  noch  der  Eingang  der  Beschwerde  bei  der  Botschaft  feststellen,  zumal  diesbezüglich  dort  nichts  registriert  worden  ist. Da die Beweislast für die Rechtsmittelfrist bei den Behörden liegt,  ist  von  der  Rechtzeitigkeit  der  Eingabe  auszugehen  (vgl.  dazu  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel 2008, Rz. 2 150, S. 166 f.; vgl. Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 21  Abs. 1  VwVG).  Der  Eingabe  des  Beschwerdeführers  lassen  sich  ohne  weiteres  Begehren  und  eine  Begründung  entnehmen  (Art.  52  Abs.  1  VwVG),  und  er  ist  zur  Beschwerdeführung  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG), weshalb auf seine Beschwerde einzutreten ist. 1.5.  Die  vorliegende  Beschwerde  erweist  sich  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – in einem Punkt als offensichtlich begründet (vgl. E. 4.1. und  E. 5.2.),  im Übrigen aber – und dies namentlich  in der Hauptsache  (vgl.  E. 4.2. und E. 5.1.) – als offensichtlich unbegründet. Bei dieser Sachlage  ist  über  die  Beschwerde  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  zu  entscheiden  (Art. 111 Bst. e AsylG). Gleichzeitig  ist  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  zu  verzichten  und  der 

D­6475/2011 Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  (Art. 111a  Abs. 1  und 2 AsylG). 2.   2.1.  Wird  ein  Asylgesuch  im  Ausland  bei  einer  schweizerischen  Vertretung  gestellt,  so  führt  diese mit  der  asylsuchenden Person  in  der  Regel eine Befragung durch und überweist das Gesuch anschliessend an  das BFM (vgl. dazu Art. 19 und Art. 20 Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  die  Durchführung  einer  Befragung  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV  1).  2.2. Vorliegend wurde auf eine Befragung durch die Botschaft in Khartum  mangels  entsprechender  Kapazitäten  der  Botschaft  verzichtet  und  dem  Beschwerdeführer  –  zwecks  Wahrung  des  rechtlichen  Gehörs  –  ein  schriftlicher  Fragekatalog  zugestellt.  Vor  dem  Hintergrund  der  massgeblichen  Praxis  zur  Behandlung  von  Asylgesuchen  aus  dem  Ausland  und  Einreisebewilligung  sowie  unter  Berücksichtigung  der  gesamten Aktenlage ist festzustellen, dass in vorliegender Sache auf eine  Befragung des Beschwerdeführers verzichtet werden durfte und dass mit  der  Einladung  zur  Stellungnahme  den  massgeblichen  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  Genüge  getan  wurde  (vgl.  dazu  BVGE 2007/30, insbes. E. 5.6 f.) 3.  3.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können  oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl.  Art.  3,  Art.  7  und Art.  52 Abs.  2 AsylG). Gemäss Art.  20 Abs.  2 AsylG  bewilligt  das  BFM  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 3.2.  Die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  sind  nach ständiger Praxis grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die 

D­6475/2011 praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. dazu die weiterhin  zutreffende  Praxis  gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  15  E.  2  f.,  welche  nach wie  vor Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der Einreisebewilligung  ist  dabei  die Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen  (vgl.  a.a.O.,  E. 2c),  mithin  die  Prüfung  der  Frage,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft  gemacht  wird,  und  bejahendenfalls,  ob  es  aufgrund  der  ganzen  Umstände  geboten  erscheint, dass es die Schweiz ist, die den notwendigen Schutz gewährt,  sowie,  bei  unvollständiger  Sachverhaltserstellung,  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden kann. 4.  4.1.  Das  BFM  hat  in  seinem  Entscheid  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers zu der von ihm geltend gemachten Gefährdungslage  in Eritrea zwar erwähnt (vgl. a.a.O., S. 1 unten), im Anschluss daran aber  auf eine Auseinandersetzung mit  diesen Vorbringen und namentlich auf  eine Würdigung hinsichtlich der Frage der flüchtlingsrechtlichen Relevanz  der vorgebrachten Gesuchsgründe verzichtet (vgl. a.a.O., S. 2 ff.). Da das  BFM in seinem Entscheid – wie nachfolgend aufgezeigt – vom Vorliegen  einer zumutbaren Schutzalternative im Sudan im Sinne von Art. 52 Abs. 2  AsylG ausgeht,  ist dieses Vorgehen an sich nicht  zu bemängeln; mithin  kann  bei  einer  solchen  Konstellation  offenbleiben,  ob  der  Beschwerdeführer  bezogen  auf  seinen  Heimatstaat  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  oder  nicht.  Das  BFM  geht  im  Anschluss  daran  jedoch  fehl,  wenn  es  im  Entscheid  abschliessend  feststellt,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (vgl. Ziff. 2 des  Dispositivs). Diese Feststellung erweist  sich  vielmehr als unzulässig,  da  sich  das  Bundesamt  ja  gerade  nicht  mit  der  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  auseinandergesetzt  hat.  Die entsprechende Feststellung des BFM ist daher aufzuheben.  4.2. In entscheidrelevanter Hinsicht ist mit dem BFM jedoch darin einig zu  gehen, dass der Beschwerdeführer – welcher keinen Bezug zur Schweiz  erkennen lässt und welcher sich bereits seit eineinhalb Jahren im Sudan  aufhält  – nicht auf eine subsidiäre Schutzgewährung durch die Schweiz  angewiesen  ist  (vgl.  dazu  Art.  52  Abs.  2  AsylG).  In  dieser  Hinsicht  ist  festzuhalten, dass bei einem Asylgesuch aus einem Drittstaat nach Lehre 

D­6475/2011 und  Praxis  die  (widerlegbare)  Regelvermutung  besteht,  die  betreffende  Person  habe  dort  bereits  anderweitig  Schutz  gefunden,  was  zur  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  zur  Verweigerung  der  Einreisebewilligung  führt  (vgl.  dazu  EMARK  2004  Nr.  21  E.  4,  mit  weiteren  Hinweisen).  In  diesem  Sinne  weist  das  Bundesamt  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  darauf  hin,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  im  Sudan  bereits  beim UNHCR  angemeldet  hat  und  dass  in  seinem  Fall  – mangels  Profil  –  kein  nennenswerter  Anlass  zur  Annahme  besteht,  ihm  würde  dort  eine  Abschiebung  in  die  Heimat  drohen.  Zwar  macht  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seiner  Beschwerdeeingabe  geltend,  er  befürchte  trotzdem,  unter  Umständen  eines Tages vom Sudan in seine Heimat abgeschoben zu werden. Dieser  allgemeine Vorbehalt vermag jedoch nicht zu überzeugen, auch wenn es  tatsächlich gerade erst kürzlich erneut zu einer Deportation von über 300  Eritreern aus dem Sudan nach Eritrea gekommen sein soll (vgl. dazu den  UNHCR­Kurzbericht  "UNHCR dismay at new deportation of Eritreans by  Sudan"  vom  18.10.2011).  Solche  Deportationen  betreffen  jedoch  namentlich Personen, die sich illegal im Sudan beziehungsweise, die sich  nicht in einem ihnen zugewiesenen Flüchtlingscamp aufhalten. Sollte sich  der  Beschwerdeführer  also  an  seinem  derzeitigen  Aufenthaltsort  in  Khartum  nicht  hinreichend  sicher  fühlen,  so  ist  er  anzuhalten,  sich  wiederum  in  ein  unter  der  Verwaltung  des  UNHCR  stehendes  Flüchtlingslager  zu  begeben.  Insofern  lassen  auch  seine  Vorbringen  betreffend seine angeblich ungesicherten wirtschaftlichen Verhältnisse in  entscheidrelevanter  Hinsicht  keinen  anderen  Schluss  zu,  da  davon  auszugehen  ist,  in  den  unter  der  Verwaltung  des  UNHCR  stehenden  Flüchtlingslagern  sei  sein  Grundbedarf  an  Versorgung  und  Betreuung  gedeckt.  5.  5.1. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer – welcher  keine  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  erkennen  lässt  –  an  seinem  derzeitigen  Aufenthaltsort  im  Sudan  faktisch  sicher  ist,  wobei  der  Aufenthalt  im  Sudan  für  einen  erwachsenen  und  selbständigen  Mann  auch  ohne  weiteres  als  zumutbar  zu  erkennen  ist.  Unter  diesen  Umständen hat das BFM dem Beschwerdeführer zu Recht die Erteilung  einer Einreisebewilligung verweigert und sein Asylgesuch abgelehnt. 5.2.  Demgegenüber  hat  das  BFM  in  seinem  Entscheid  zu  Unrecht  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle, zumal das Bundesamt  in seinem Entscheid auf eine Prüfung der 

D­6475/2011 geltend  gemachten  Gefährdungssituation  in  Eritrea  verzichtet  hat.  Im  Resultat kann dieser Punkt  jedoch offenbleiben, da – wie erwähnt – von  einer  zumutbaren Schutzalternative  im Sudan auszugehen  ist,  aufgrund  welcher  der  Beschwerdeführer  nicht  auf  eine  subsidiäre  Schutzgewährung durch die Schweiz angewiesen ist. 6.  Nach  den  vorstehenden  Erwägungen  ist  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  soweit  darin  festgestellt wird,  der Beschwerdeführer  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft nicht (Ziff. 2 des Dispositivs). Im Übrigen – also  hinsichtlich der Verweigerung der Bewilligung der Einreise in die Schweiz  und der Ablehnung des Asylgesuches (Ziffn. 1 und 3 des Dispositivs) und  damit  in entscheidrelevanter Hinsicht –  ist die angefochtenen Verfügung  zu  bestätigen.  Demzufolge  ist  die  Beschwerde  in  der  Hauptsache  abzuweisen. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  dem  Beschwerdeführer  an  sich  reduzierte  Kosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  respektive  zufolge  voraussichtlicher  Uneinbringlichkeit  der  Kosten  ist  jedoch  von  einer  Kostenauflage  abzusehen (vgl. dazu Art. 6 des Reglements vom 21.Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­6475/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  beantragt  wird,  es  sei  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  des  Asylverfahrens  zu  bewilligen (Ziffn. 1 und 3 des Dispositivs). 2.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  –  im  Sinne  der  Erwägungen –  aufgehoben,  soweit  darin  festgestellt wird,  der Beschwerdeführer  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft nicht (Ziff. 2 des Dispositivs). 3.  Dem Beschwerdeführer werden keine Kosten auferlegt. 4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das BFM. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

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