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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 D-6473/2008

7. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,172 Wörter·~16 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. September 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6473/2008 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 11. September 2008 / N (…).

D­6473/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  seine  Heimat  eigenen  Angaben  zufolge  am 5. Oktober 2007 und gelangte am 13. Dezember 2007 via die Türkei  und  weitere  ihm  unbekannte  Länder  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  am  selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 19. Dezember 2007 erhob das BFM  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  seine  Personalien und befragte ihn zu seinem Reiseweg sowie – summarisch –  zu  seinen Ausreisegründen. Am 4. Februar  2008  befragte  ihn  das BFM  einlässlich  zu  seinen  Asylgründen.  Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführer  dabei  geltend,  er  sei  im  Dorf  C._______,  Gemeinde  D._______,  Provinz  E._______  geboren.  Als  staatenloser  Kurde  ("Ajanib")  besitze  er  in  Syrien  wenig  Rechte  und  habe  keine  guten  Zukunftsperspektiven. Seit etwa 1996 habe er immer wieder an Newroz­ Festen  teilgenommen.  Aus  diesem  Grunde  sei  er  wiederholt  auf  den  Posten  des  politischen  Sicherheitsdienstes  zitiert,  beschimpft,  beleidigt  und  anschliessend  wieder  entlassen  worden.  Im  Jahre  2001  sei  seine  Familie nach Damaskus gezogen. Anfangs des Jahres 2003 habe er sich  in  die  Türkei  begeben,  um  sich  den  Repressalien  durch  die  syrischen  Behörden  zu  entziehen.  In  der  Türkei  sei  er  jedoch  festgenommen und  den  syrischen Behörden übergeben worden. Diese  hätten  ihn  zwischen  Januar  und  Juli  2003  in  F._______  nahe  der  Stadt  G._______  wegen  illegaler Ausreise inhaftiert. Während der Haft sei er misshandelt worden.  Seit  dem  20. September  2003  sei  er  Sympathisant  der  im  selben  Jahr  gegründeten  "Partei  der  demokratischen  Union"  ("Partiya  Yekitîya  Demokrat",  PYD)  gewesen.  In  dieser  Eigenschaft  habe  er während  der  Newrozfeierlichkeiten in einer Folkloregruppe mitgewirkt, die sich auch an  Theateraufführungen  beteiligt  habe.  Darüber  hinaus  habe  er  an  Kundgebungen  und  Sitzungen  der  PYD  teilgenommen.  Am  13. März  2004  sei  er  am  Rande  der  Kundgebung  in  Damaskus,  welche  als  Reaktion  auf  die  Unruhen  von  Qamishli  durchgeführt  worden  sei,  verhaftet worden. Mitte Mai 2004 sei er wieder freigelassen worden. Nach  seiner  Freilassung  habe  er  weiterhin  an  Parteisitzungen  und  Kundgebungen  der  PYD  teilgenommen.  Wie  er  durch  einen  Freund  erfahren habe, sei Ende September 2007 ein Mitglied der PYD, das zwei  Tage  zuvor  eine  Parteisitzung  geleitet  habe,  an  der  auch  er  selber  teilgenommen  habe,  von  den  syrischen  Behörden  festgenommen  worden.  Der  Festgenommene  habe  den  heimatlichen  Behörden  offensichtlich  die  Namen  anderer  Parteiangehöriger  verraten,  da  diese  ihn  wenige  Tage  später  in  seinem  Elternhaus  gesucht  hätten.  Er  habe 

D­6473/2008 sich im Zeitpunkt der behördlichen Vorsprachen jedoch bei einem Freund  in  Damaskus  aufgehalten,  worauf  die  syrischen  Behörden  an  seiner  Stelle  seinen  Vater  mitgenommen  und  verhört  hätten.  Wenige  Tage  später  habe  er  Syrien  aus  Furcht  vor  einer  langen  Inhaftierung  illegal  verlassen. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer vier  Fotos  von  Newroz­Feierlichkeiten  ein,  auf  denen  er  teilweise  als  Teilnehmer einer Tanz­ beziehungsweise Theatergruppe zu erkennen ist  (vgl. act. A2/1 i.V.m. act. A16/18 S. 3 unten). B.  Am 7. Juli 2008 ersuchte das BFM die Schweizer Botschaft in Damaskus  um  Abklärung  der  Fragen,  ob  der  Beschwerdeführer,  welcher  sich  als  Ausländer (Ajnabi) bezeichne, allenfalls die syrische Staatsangehörigkeit  und  einen  syrischen  Reisepass  besitze,  ob  er  legal  ausgereist  sei,  beziehungsweise ob er behördlich gesucht werde. C.  Mit  Schreiben  vom  31. Juli  2008  teilte  die  Schweizer  Botschaft  in  Damaskus  dem  BFM  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  syrischer  Ausländer  sei  und  die  der  Botschaftsanfrage  beigefügten  Dokumente  (Personenauszug  Nr.  (…)  vom  22.  August  2004  und  Familienregisterauszug Nr. (…) vom 1. Juli 2001) echt seien, dass er die  Möglichkeit  gehabt  hätte,  ein  syrisches  Reisedokument  für  Ausländer  erhältlich zu machen, dass er Syrien indessen illegal verlassen habe und  seitens der  syrischen Behörden gesucht werde, weil  er Syrien  im Jahre  2004 illegal zu verlassen versucht habe. D.  Mit  Schreiben  vom  22. August  2008  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die Abklärungsergebnisse  der Botschaftsantwort  vom  31. Juli 2008 mit und räumte ihm die Gelegenheit ein, sich hierzu bis zum  2. September 2008 zu äussern. E.  Mit Eingabe vom 4. September 2008  reichte der Beschwerdeführer eine  entsprechende  Stellungnahme  ein.  Darin  hielt  er  fest,  entgegen  den  Ausführungen  im  Botschaftsbericht  sei  es  für  Ausländer  in  Syrien  nicht  möglich, ein syrisches Reisedokument für Ajnabi zu beantragen.

D­6473/2008 F.  Mit  Verfügung  vom  11. September  2008  –  eröffnet  am  12. September  2008  –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung führte das BFM namentlich aus, seine Vorbringen genügten  den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es treffe zwar zu,  dass  der  syrische  Staat  staatenlosen  Kurden  staatsbürgerliche  Rechte,  die  Möglichkeit  des  Landerwerbs  sowie  die  Ausübung  selbständiger  Gewerbe  untersage.  Auch  hätten  diese  Personengruppen  unter  Schikanen und wirtschaftlichen Nachteilen zu leiden. Eine asylerhebliche  Verfolgung  der  staatenlosen  Kurden  im  Sinne  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  finde  in  Syrien  jedoch  nicht  statt.  Den  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  könnten  zudem  keine  Nachteile  von  asylerheblicher  Intensität  entnommen  werden,  welche  über  die  allgemeine  schwierige  Lage  der  kurdischen  Bevölkerungsminderheit  hinausgehen  würden.  Die  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  im  Jahre  2003  wegen  illegaler  Ausreise  sowie  die  behördliche  Suche  nach  ihm  wegen  versuchter  illegaler  Ausreise  im  Jahre  2004  seien  in  Syrien  als  staatlich  legitime  Massnahmen  einzustufen und daher nicht asylbeachtlich. Auch die Befürchtungen des  Beschwerdeführers, wegen seiner Teilnahme an Newroz­Festen von den  syrischen  Behörden  belangt  zu  werden,  erwiesen  sich  als  nicht  asylbeachtlich,  da  die  syrischen  Behörden  längst  mit  energischen  Massnahmen  gegen  ihn  vorgegangen  wären,  wenn  sie  seine  diesbezüglichen  Aktivitäten  als  regimekritisch  eingestuft  hätten.  Auch  seine  Aktivitäten  in  Syrien  zugunsten  der  PYD  hätten  längst  das  Augenmerk der syrischen Geheimdienste erregt und zu entsprechenden  Sanktionsmassnahmen geführt, falls er sich tatsächlich als Sympathisant  dieser  Partei  exponiert  hätte.  Darüber  hinaus  hätten  die  Botschaftsabklärungen  gerade ergeben,  dass  er  nicht wegen politischer  Aktivitäten  gesucht  werde.  Gleichzeitig  verfügte  das  BFM  die  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Im  Übrigen  erscheine  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als zulässig, zumutbar und möglich. G.  Mit  Eingabe  vom  13. Oktober  2008  liess  der  Beschwerdeführer  mittels  seines  Rechtsvertreters  gegen  den  Entscheid  des  BFM  vom  11. September  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben und beantragen, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich  aufzuheben.  Es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm 

D­6473/2008 Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Subeventualiter  sei  seine  Staatenlosigkeit  festzustellen  und  der  angefochtene  Entscheid  im  Wegweisungspunkt  aufzuheben.  Subsubeventualiter  sei  die  Sache  zur  Prüfung  seiner  Staatenlosigkeit  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  und  diese  anzuweisen,  den  Vollzug  der  Wegweisung  für  die  Dauer  des  Verfahrens  auszusetzen.  Es  seien  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  die  Vorinstanz  und  das Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  anzuweisen, auf Kontaktnahmen mit der heimatlichen Vertretung zwecks  Reisepapierbeschaffung  zu  verzichten  und  dem  Gericht  unverzüglich  mitzuteilen,  falls  solche  Kontaktnahmen  bereits  geschehen  sein  sollten.  Im Weiteren sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Der  Rechtsvertreter  fügte  seiner  Rechtsmitteleingabe  eine  Unterstützungsbestätigung  der  Asyl­Organisation  H._______  vom  25. September 2008 bei. Zur  Begründung  seiner  Beschwerde  führte  der  Rechtsvertreter  namentlich  aus,  soweit  die  Vorinstanz  den  Standpunkt  vertrete,  eine  sechsmonatige  Gefängnisstrafe  wegen  illegaler  Ausreise  stelle  eine  staatlich legitime Sanktion dar, lasse sich ein derartiger Eingriff zum einen  nicht  mit  einem  legitimen,  das  heisst  in  grundsätzlich  allen  Staaten  anerkannten  öffentlichen  Interesse  begründen,  zum  anderen  sei  der  Eingriff  auch  unverhältnismässig.  Darüber  hinaus  lasse  die  Vorinstanz  ausser  Acht,  dass  der  Beschwerdeführer  während  seiner  Haft  auch  gefoltert  worden  sei.  Ferner  müsse  die  Wahrscheinlichkeit,  dass  die  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers,  von  den  syrischen  Behörden  wegen seiner Tätigkeit für die PYD verfolgt zu werden, eintreten könnten,  als  hoch  bezeichnet  werden,  da  in  Syrien  nahezu  jeder  oppositionell  gesinnte  Kurde  von  den  Sicherheitsbehörden  observiert  werde.  Das  Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland habe in seinen auf dem  Internet  aufgeschalteten  Sicherheitshinweisen  festgehalten,  dass  bei  einer  Rückkehr  nach  Syrien  auch  länger  zurückliegende  Gesetzesverletzungen  im  Heimatland  geahndet  werden  könnten.  Die  zweimaligen  früheren  Festnahmen  des  Beschwerdeführers  seien  als  weiterer  Beleg  für  ein  erhebliches  Verfolgungsrisiko  im  Falle  einer  Rückkehr des Beschwerdeführers nach Syrien zu erachten. In Anbetracht  der Tatsache, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Syrien  bereits wiederholt  inhaftiert  und misshandelt worden  sei, mute  auch die  Argumentation  der  Vorinstanz  befremdlich  an,  dass  dieser  mit 

D­6473/2008 Bestimmtheit vom allgegenwärtigen Geheimdienst belangt worden wäre,  wenn er sich in entsprechender Weise als Yekiti­Sympathisant exponiert  hätte.  Darüber  hinaus  stehe  aufgrund  der  Akten  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  zur Verhaftung  ausgeschrieben  sei  und  erneut wegen illegaler Ausreise gesucht werde, wobei dieser Tatbestand  nur  vorgeschoben  werde,  um  seiner  Person  habhaft  zu  werden.  Zusätzlich  wies  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  darauf  hin,  dass  sein  Mandant  in  der  Schweiz  schon  verschiedentlich  an  regimefeindlichen  politischen  Kundgebungen  teilgenommen  habe  und  reichte  in  diesem  Zusammenhang  mehrere  –  teils  im  Internet  aufgeschaltete  –  Fotos  ein,  auf  denen  der  Beschwerdeführer  einerseits  als  Teilnehmer  einer  Kundgebung  vom  (…)  auf  der  I._______  in  J._______,  andererseits  als  Demonstrationsteilnehmer  vor  der  (…)  Vertretung  in H._______  am  (…)  zu  erkennen  ist.  Schliesslich  hielt  der  Rechtsvertreter fest, aus den Akten gehe klar hervor, dass sein Mandant  staatenlos sei, was von der Vorinstanz in ihrem Entscheid nicht in Abrede  gestellt werde. Mit  Blick  auf  den Grundsatz  von Treu  und Glauben  und  das Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen hätte die Vorinstanz  daher  die  Staatenlosigkeit  des  Beschwerdeführers  feststellen  und  von  seiner  Wegweisung  Umgang  nehmen  müssen,  zumal  letzterer  gestützt  auf Art. 31. Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  einen  Anspruch  auf  Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gehabt hätte (vgl. auch Art. 17 Abs.  2 AuG  i.V.m. Art.  6 Abs.  1 der Verordnung vom 24. Oktober  2007 über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  [VZAE,  SR  142.201]).  Falls  das Bundesverwaltungsgericht nicht in der Lage sein sollte, aufgrund der  Akten über die Staatenlosigkeit des Beschwerdeführers zu befinden, sei  die Sache zur Prüfung der Staatenlosigkeit an das BFM zurückzuweisen  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  für  die  Dauer  des  betreffenden  Verfahrens auszusetzen. H.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  17. Oktober  2008  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  der  Beschwerdeführer  dürfe  den  Ausgang  seines  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Im  Weiteren  verwies es das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Schliesslich  lehnte  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers,  die  Vollzugsbehörden  seien 

D­6473/2008 anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  dessen  Heimat­  oder  Herkunftsstaat sowie  jede Weitergabe von Daten an denselben bis zum  Endentscheid über die Beschwerde zu unterlassen, unter Hinweis auf die  Bestimmung  von Art.  97 Abs.  2 AsylG  ab, wies  das BFM  indessen  an,  dem Beschwerdeführer  im Rahmen von Art. 26  ff. VwVG eine eventuell  bereits erfolgte Weitergabe von Personendaten im Sinne von Art. 97 Abs.  3 Bst. a­c AsylG an die zuständige ausländische Behörde offen zu legen.  Schliesslich  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung ein. I.  Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  21. Oktober  2008  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Ergänzend  hielt  das  BFM  fest,  hinsichtlich der neu geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe sei  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  anhand  der  eingereichten  Gruppenfotos, welche auch im Internet abrufbar seien, kaum zu erkennen  sei. Es erscheine daher unwahrscheinlich, dass die syrischen Behörden  seinem schlecht erkennbaren Gesicht einen konkreten Namen zuordnen  könnten. Ausserdem dürfte auch den syrischen Behörden bekannt sein,  dass  viele  syrische  Staatsangehörige  versuchen  würden,  sich  in  der  Schweiz  ein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  zu  erwirken,  indem  sie  regimekritischen  Aktivitäten  nachgehen  würden.  Vorliegend  bestünden  keine  Anhaltspunkte  für  die  Annahme,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  Aktivitäten  besonders  exponiert  und  so  die  Aufmerksamkeit  der  syrischen  Behörden  auf  sich  gezogen  hätte,  weshalb  er  die  Voraussetzungen  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle. J.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  dem  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers die Vernehmlassung des BFM vom 21. Oktober 2008  am 23. Oktober 2008 mit der Möglichkeit zur Stellungnahme zu. K.  Mit  Eingabe  vom  5. November  2008  nahm  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers zur Vernehmlassung des BFM vom 21. Oktober 2008  Stellung.  Dabei  hielt  er  namentlich  fest,  entgegen  der  Ansicht  der  Vorinstanz  sei  die  politische  Motivation  ihres  Mandanten  sehr  wohl  aufrichtig,  da dieser bereits  vor der Flucht aus Syrien Sympathisant der  Yekiti­  Partei  gewesen  sei  und  sich  regimekritisch  eingesetzt  habe. Die  Vorinstanz  verkenne  überdies,  dass  eine  politische  Exilaktivität 

D­6473/2008 unabhängig  von  der  Motivation  immer  eine  Schädigung  des  Ansehens  der  syrischen  Regierung  im  Ausland  und  –  bei  Bekanntwerden  der  exilpolitischen Aktivitäten in Syrien – auch dortselbst zur Folge habe, was  den syrischen Repressionsapparat gewiss nicht dazu verhalte, zwischen  echten  und  falschen  Exilaktivisten  zu  unterscheiden.  Ganz  abgesehen  davon habe die  vormalige Schweizerische Asylrekurskommission  (ARK)  in  einem  publizierten  Entscheid  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1995  Nr. 7)  klar  zum  Ausdruck  gebracht,  dass  die  Motivation  exilpolitischer  Aktivität  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  letztlich  irrelevant  sei.  Im  Weiteren  müsse  aufgrund  der  früheren  politischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  in  Syrien  sowie  der  Tatsache,  dass  dieser  bereits  durch  seine  halbjährige  Inhaftierung  wegen  illegaler  Ausreise  und  eine  spätere zweimonatige Haft nach dessen Teilnahme an einer Kundgebung  in  Damaskus  die  Aufmerksamkeit  der  syrischen  Behörden  auf  sich  gezogen  habe,  angenommen  werden,  dass  auch  dessen  exilpolitische  Aktivitäten  in  der  Schweiz  zur  Kenntnis  der  heimatlichen  Behörden  gelangt  seien.  Da  die  syrischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  aufgrund  der  vorinstanzlich  unbestritten  gebliebenen  Inhaftierungen  in  Syrien  erkennungsdienstlich  erfasst  hätten,  sei  es  diesen  ein  Leichtes,  ihn  auch  als  Teilnehmer  an  politischen  Anlässen  in  der  Schweiz  zu  identifizieren,  zumal  sich unter die Aktivisten und Parteimitglieder  in der  Schweiz auch Spione der syrischen Regierung beziehungsweise Spitzel  eingeschlichen haben dürften. L.  Mit Begleitschreiben vom 20. November 2008 reichte der Rechtsvertreter  ein  offizielles  Schreiben  der  europäischen  Sektion  der  PYD  vom  17. Oktober 2008 zu den Akten, worin dessen Mitgliedschaft in der Partei  und deren aktive Unterstützung bestätigt werden. M.  Mit Begleitschreiben vom 17. Juni 2009 reichte der Rechtsvertreter unter  anderem drei Fotos von einer Kundgebung in H._______ am (…) ein, auf  denen sein Mandant mit  einer Fahne der PYD marschierend abgebildet  sei,  wobei  davon  auszugehen  sei,  dass  seine  Teilnahme  auch  staatstreuen Beobachtern aufgefallen sei. An besagter Kundgebung habe  der Beschwerdeführer auch zwei verschiedene Flugblätter verteilt, welche  der vorliegenden Eingabe ebenfalls beigefügt worden seien.

D­6473/2008 N.  Am  25. Mai  2011  erhielt  der  Beschwerdeführer  vom Kanton  K._______  nach seiner Heirat mit einer  im Besitze einer Niederlassungsbewilligung  befindlichen  ausländischen  Staatsangehörigen  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung B. O.  Am  15. Juni  2001  fragte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführer  mittels  seines  Rechtsvertreters  an,  ob  er  an  seiner  Beschwerde,  soweit  durch  die  Erteilung  einer  fremdenpolizeilichen  Aufenthaltsbewilligung  nicht  gegenstandslos  geworden,  festhalten  oder  diese  allenfalls  zurückziehen  wolle,  wobei  ihm  im  Falle  eines  Beschwerderückzugs die Abschreibung des Verfahrens ohne Kostenfolge  in Aussicht gestellt wurde. P.  Mit Eingabe vom 27. Juni 2011 hielt der Rechtsvertreter vollumfänglich an  seiner Beschwerde fest. Darin brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck,  dass  die  rasche  Anerkennung  seines  Mandanten  als  Flüchtling  gerade  auch  vor  dem  Hintergrund  der  jüngsten  dramatischen  Entwicklung  in  Syrien möglich werde. Im Weiteren hielt er daran fest, dass sein Mandant  als  Staatenloser  anzuerkennen  sei,  falls  ihm  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zuerkannt  werden  könne.  Zwar  diene  die  Anerkennung  des  Beschwerdeführers als Staatenloser nun nicht mehr der Ableitung eines  Aufenthaltsrechts  in  der  Schweiz,  da  er  mit  der  Aufenthaltsbewilligung  bereits  über  ein  solches  verfüge.  Es  gehe  bei  seiner  Anerkennung  als  Staatenloser  einzig  um  eine  Statusfrage,  welche  aber  im  Sinne  des  Abkommens zwingend zu entscheiden sei, was umso dringlicher sei, als  seine Frau und er ein gemeinsames Kind erwarten würden, das jedenfalls  die syrische Staatsbürgerschaft nicht erhalten könne, da er – wie gesagt  – ein Ajnabi sei. Q.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  3. August  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zu  einem  weiteren  Schriftenwechsel ein. R.  Das  BFM  beantragte  in  seiner  zweiten  Vernehmlassung  vom  8. August  2011 abermals die Abweisung der Beschwerde, woran auch die aktuelle  Situation in Syrien nichts ändere. Hinsichtlich des Subeventualbegehrens 

D­6473/2008 des  Beschwerdeführers,  es  sei  seine  Staatenlosigkeit  festzustellen,  verwies das BFM auf die Praxis der Asylbehörden, wonach die Prüfung  der Staatenlosigkeit in der Regel erst nach rechtskräftigem Abschluss des  Asylverfahrens  vorgenommen  werde.  Aus  diesem  Grunde  werde  das  Bundesverwaltungsgericht  ersucht,  dem  BFM  das  Dossier  zur  Behandlung  des  Gesuches  um  Feststellung  der  Staatenlosigkeit  zuzustellen,  sobald  im  vorliegenden  Verfahren  ein  Urteil  gefällt  worden  sei. S.  Am  12. August  2011  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die zweite Vernehmlassung des  BFM vom 8. August 2011 zur Stellungnahme zu. T.  In  seiner  Stellungnahme  vom  29. August  2011  hielt  der Rechtsvertreter  fest,  die  aktuelle  Lage  in  Syrien  lasse  seines  Erachtens  nur  die  Anerkennung seines Mandanten als Flüchtling zu. Der Hinweis des BFM,  Entscheide  bezüglich  der  Frage  der  Staatenlosigkeit  praxisgemäss  erst  nach  rechtskräftigem  Asylentscheid  zu  fällen,  sei  im  vorliegenden  Fall  insofern irrelevant, als diese Praxis damit begründet werde, dass sich aus  der Staatenlosigkeit kein Anspruch auf Regelung des Aufenthalts ableiten  lasse und sich  somit  die Frage des Status und der übrigen Rechte aus  den  betreffenden  Abkommen  erst  bei  Feststehen  des  Aufenthaltsrechts  stelle. Vorliegend sei dieser Aufenthalt jedoch, wie die Vorinstanz in ihrer  Vernehmlassung  vom  8. August  2011  selber  festgestellt  habe,  bereits  geregelt,  weshalb  die  Frage,  ob  ein  Staatenlosigkeitsstatus  bestehe,  in  casu  entscheidreif  sei.  Es  wäre  ein  Leerlauf  sondergleichen,  hier  erst  nach  Abschluss  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  "ein  neues  Verfahren  vom  Stapel  zu  lassen,  womöglich  noch  mit  einer  neuen  Beschwerde,  falls  das BFM die Staatenlosigkeit  hier  nicht  festzustellen"  gedenke. Der  Rechtsvertreter  fügte  seiner  Stellungnahme  vom  29. August  2011  gleichzeitig  eine  Kostennote  für  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­6473/2008 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  dem  BFM  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art.   105 AsylG  i.V.m. Art.  37 VGG und Art.  48 Abs.  1 VwVG). Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art.  108  Abs.  2  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG)  ist  mithin  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt, wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land, wo  sie  zuletzt  wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 

D­6473/2008 gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft  ist nicht nur der Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat,  sondern  auch  die  Situation  zum  Zeitpunkt  des  Asylentscheids  massgebend  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38;  EMARK  2005  Nr. 18).  Wer  sich  darauf  beruft,  dass  durch  sein  Verhalten nach der Ausreise eine Gefährdungssituation geschafft worden  sei,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend.  Sind  diese  nachgewiesen  oder  zumindest  glaubhaft  gemacht,  begründen  sie  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG,  führen  jedoch  gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob  sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (vgl. BVGE  2009/28 E. 7.1 S. 352). 4.  4.1. Der  Rechtsvertreter  vertritt  in  seiner  Beschwerde  den  Standpunkt,  die  Einschätzung  der  Vorinstanz,  wonach  der  Beschwerdeführer  weder  wegen  seiner  Inhaftierung  im  März  2004  im  Gefolge  der  Unruhen  von  Qamishli  noch  zufolge  seiner  Tätigkeiten  als  Sympathisant  der  Yekiti­ Partei in Syrien eine asylbeachtliche staatliche Verfolgung zu gewärtigen  gehabt  habe,  sei  unzutreffend.  Die  zweimalige  Verhaftung  des  Beschwerdeführers  in  den  Jahren  2003  und  2004  zeuge  von  einem  erheblichen  Verfolgungsrisiko,  zumal  einmal  aus  der  Haft  entlassene  Aktivisten von den Sicherheitsdiensten weiterhin überwacht und belästigt  würden.  Darüber  hinaus  stellten  die  beiden  mehrmonatigen  Inhaftierungen  des  Beschwerdeführers  eine  Verfolgungsintensität  dar,  welche  jegliche Person  in  vergleichbarer  Lage  ebenfalls  dazu  verhalten  hätte,  ihr Heimatland zu verlassen. Die Behauptung der Vorinstanz, der  Beschwerdeführer  sei  zwischen  2004  und  2007  unbehelligt  geblieben,  was gegen eine begründete Verfolgungsfurcht  im Zeitpunkt der Ausreise  spreche,  verkenne  die  Tatsache,  dass  sein  Mandant  letztlich  deshalb  ausgereist  sei,  weil  ein  verhaftetes  Mitglied  der  PYD  den  heimatlichen  Behörden Ende September 2007 seinen Namen verraten habe. 4.2. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach einlässlicher Durchsicht  der  Akten  zum Schluss,  dass  die Aussage  des Beschwerdeführers,  ein 

D­6473/2008 verhaftetes  Mitglied  der  PYD  hätte  den  syrischen  Sicherheitsbehörden  Ende  September/  Anfang  Oktober  2007  seinen  Namen  preisgegeben,  eine  reine  Parteibehauptung  darstellt:  Hätte  sich  der  Beschwerdeführer  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  Syrien  im  Oktober  2007  tatsächlich  in  ernstzunehmender  Weise  für  die  Belange  der  Yekiti­Partei  engagiert,  wäre  er  in  Anbetracht  der  engmaschigen  Überwachung  der  syrischen  Bevölkerung  durch  die  verschiedenen  syrischen  Geheimdienste  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  bereits  zu  einem  wesentlich  früheren  Zeitpunkt  nachhaltig  für  sein  politisches  Engagement  zur  Rechenschaft  gezogen worden. Darüber hinaus weisen auch die Abklärungsergebnisse  der Schweizer Botschaft in Damaskus vom 31. Juli 2008 darauf hin, dass  er  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  seiner  Heimat  wegen  seines  angeblichen Engagements  für  die PYD nicht  behördlich  gesucht wurde,  enthalten diese doch  lediglich den Hinweis,  dass der Beschwerdeführer  seit  dem  Jahre  2004  wegen  des  Versuchs  einer  illegalen  Ausreise  gesucht  wird.  Schliesslich  fällt  auf,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  im  Zusammenhang  mit  dem  angeblich  fluchtauslösenden Geschehnis, der behördlichen Festnahme eines PYD­ Mitglieds  Ende  September/  Anfang  Oktober  2007,  diverse  Ungereimtheiten enthalten. So erklärte  der Beschwerdeführer  anlässlich  seiner Anhörung am 4. Februar 2008 unter anderem, er habe sich bereits  am 28. September  2007,  also  am Tag,  an  dem die  letzte  in Syrien  von  ihm  besuchte  PYD­Sitzung  stattgefunden  habe,  versteckt,  wiewohl  das  diese  Sitzung  leitende  PYD­Mitglied  erst  zwei  Tage  später  verhaftet  worden sein soll (vgl. act. A16/18 S. 12 unten/ Seite 13 oben). Es leuchtet  nun aber keineswegs ein, weshalb der Beschwerdeführer sich bereits  in  einem Zeitpunkt versteckt haben sollte, bevor er irgendwelchen konkreten  Anlass  zur  Befürchtung  haben  musste,  als  Folge  seiner  Teilnahme  an  jener Sitzung  behördlich  festgenommen  zu werden. Ansonsten wäre  es  unter Sicherheitsaspekten  folgerichtiger gewesen,  jene Sitzung gar nicht  erst  zu  besuchen.  Zum  anderen  fällt  auf,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  seiner  Erstanhörung  vom  19. Dezember  2007  ausdrücklich  festgehalten  hat,  dass  die  syrischen  Behörden  damals  seinen  Vater  mitgenommen  und  verhört  hätten,  nachdem  sie  seiner  nicht  habhaft  geworden  seien  (vgl.  act.  A1/13  S.  7),  diesen  Umstand  indessen  anlässlich  seiner  Anhörung  am  4. Februar  2008 mit  keinem Wort  mehr  erwähnte und die hierauf anspielende Nachfrage  ("Wenn  ich Sie  jedoch  richtig verstehe, hat man ihre Familie, obschon man Sie nicht vorfand, in  Ruhe  gelassen?")  dahingehend  beantwortete,  die  syrischen  Behörden  hätten seine Familie damals in Ruhe gelassen, da ja er selber und nicht  seine Familie "Verursacher des Problems" gewesen sei (vgl. act. A16/18 

D­6473/2008 S.  13).  Angesichts  der  Tatsache,  dass  er  bei  der  Erstbefragung  die  damalige  Festnahme  seines  Vaters  nicht  auf  eine  exakt  hierauf  Bezug  nehmende  Frage  hin  erwähnte,  muss  auch  die  von  ihm  am  4. Februar  2008  auf  Vorhalt  hin  abgegebene  Erklärung,  er  hätte  diesen  Umstand  erwähnt,  wenn  ihm  diesbezüglich  eine  explizite  Frage  gestellt  worden  wäre (vgl. act. A16/18 S. 16), als Schutzbehauptung gewertet werden. 4.3.  Im  Sinne  eines  Zwischenergebnisses  ist  somit  festzuhalten,  dass  dem  Beschwerdeführer  nicht  geglaubt  werden  kann,  dass  er  Syrien  anfangs Oktober  2007  verlassen  hat,  weil  ein  verhaftetes  PYD­Mitglied  den  syrischen  Behörden  seinen  Namen  als  PYD­Sympathisant  preisgegeben habe und diese ihn deswegen gesucht hätten. 4.4. Soweit  der Beschwerdeführer  auf  seine beiden Festnahmen  in den  Jahren  2003  und  2004  sowie  die  bereits  früher  erfolgten  behördlichen  Belästigungen  wegen  seiner  Teilnahmen  an  Newroz­Festen  hinweist,  bleibt  festzuhalten,  dass  all  diese  Geschehnisse  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise aus Syrien bereits Jahre zurückgelegen haben, weshalb  ihnen  bereits  mangels  hinlänglicher  zeitlicher  Kausalität  zur  Ausreise  keine  asylrechtlich  relevante  Bedeutung  mehr  zukommt  (vgl.  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990,  S. 128,  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 S. 531, BVGE 2007/31 E.  5.2 S. 379). 4.5.  Im  Weiteren  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Zugehörigkeit  zur  Minderheit  der  staatenlosen  Kurden  eine asylrelevante Gefährdung droht. 4.5.1. Die Kurden stellen die grösste nicht arabische Minderheit in Syrien  dar,  deren  Gesamtzahl  auf  1,75  bis  2  Millionen  oder  etwa  10  %  der  syrischen  Gesamtbevölkerung  geschätzt  wird.  Diese  Volksgruppe  ist  generell  einer Diskriminierung ausgesetzt,  als es Kurden  in Syrien nicht  gestattet  ist,  eigene  Schulen  zu  eröffnen,  ihre  Sprache  zu  unterrichten  und kulturelle Vereine zur Wahrung ihrer Identität zu gründen. Im Übrigen  verbietet die Regierung auch die Publikation von Büchern und Artikeln auf  Kurdisch. 4.5.2. Noch schwieriger gestaltet  sich die Situation  für etwa 120'000 bis  200'000 Kurden, welche  im Zuge einer  von der  syrischen Regierung  im  Jahre  1962  angeordneten  ausserordentlichen  Volkszählung  in  der 

D­6473/2008 Provinz  al­Hasaka  faktisch  ausgebürgert  und  damit  staatenlos  wurden.  Sie gelten seither  für die syrischen Behörden als  "Ausländer"  ("Ajanib"),  haben  aber  insofern  einen  besonderen  Rechtsstatus,  als  sie  im  Personenstandsregister  ihres  Heimatortes  eingetragen  sind  und  über  einen orangeroten Ausländerausweis verfügen, der aber kein Reisepapier  darstellt  und  denn  auch  nicht  zur  Ausreise  aus  Syrien  berechtigt.  Die  Zugehörigkeit zur Gruppe der Ajanib bringt aber auch in vielerlei anderer  Hinsicht Nachteile im Alltagsleben mit sich, dies zudem in viel stärkerem  Mass  als  die  Zugehörigkeit  zur  Gruppe  der  Kurden  mit  syrischem  Bürgerrecht  oder  aber  zu  einer  anderen  Minderheit.  Zu  diesen  Restriktionen  gehören  beispielsweise  kein  Zugang  zu  Stellen  im  öffentlichen  Bereich,  die  Nichtzulassung  zu  gewissen  Berufen  (z.B.  demjenigen  eines  Rechtsanwalts),  limitierter  Zugang  zu  medizinischer  Versorgung,  der  Ausschluss  vom  Erwerb  von  Grundeigentum  und  von  der Teilnahme an Wahlen. 4.5.3.  Noch  prekärer  ist  die  Lage  der  sogenannten  "Maktumin"  ("Verborgene",  "Versteckte"),  eine  weitere,  etwa  75'000  bis  100'000  Personen  umfassende  Kategorie  staatenloser  Kurden.  Diese  werden  behördlich nicht erfasst und erhalten keinerlei staatliche Dokumente. Sie  erhalten lediglich Bescheinigungen des für sie zuständigen Muhtars ihres  Wohnsitzortes,  die  sogenannten  "Erkennungszeugnisse".  Sie  können  zwar  in  der  Regel  die  Grundschule  besuchen,  erhalten  aber  keine  Abschlusszeugnisse.  Sie  dürfen  keine  weiterführenden  Schulen  oder  Universitäten  besuchen,  keine  Berufsausbildung  absolvieren,  keinen  Führerschein  erwerben  oder  Eheschliessungen  beziehungsweise  Geburten  registrieren  lassen  (vgl.  zum  Ganzen  KurdWatch  Bericht  5:  Staatenlose  Kurden  in  Syrien.  Illegale  Eindringlinge  oder  Opfer  nationalistischer  Politik?  März  2010;  SFH,  Syrien:  Reisedokumente  für  staatenlose Kurden, 12. Oktober 2009; BFM, Focus Syrien: Aktuelle Lage  der  Kurden,  18.  März  2009;  SFH,  Syrien:  Update,  Aktuelle  Entwicklungen, 20. August 2008). 4.5.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  aber  in  Fortführung  der  Rechtsprechung  der  ARK  (vgl.  EMARK  2002  Nr.  23  E. 4d  S. 185  f.)  davon  aus,  dass  die  vorerwähnten  Diskriminierungen  für  sich  allein  zu  wenig  intensiv  sind,  als  dass  sie  Massnahmen  gleichkämen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken,  und  damit  ernsthafte  Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen könnten.

D­6473/2008 4.6.  Zusammenfassend  folgt,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen ist, für den Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien eine staatliche  Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. 5.  5.1. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch die Ausreise aus  dem Heimatstaat – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – bei einer  Rückkehr befürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3  AsylG ausgesetzt zu werden. 5.2.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales  Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  Ausland  oder  eine  aus  der  Sicht  der  heimatstaatlichen  Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  diese  Komponenten  die  Gefahr  einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer sich aufgrund  der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen konfrontiert sieht, die bezüglich  ihrer  Intensität  und  der  politischen  Motivation  des  Staates  ernsthafte  Nachteile  gemäss  Art. 3  AsylG  darstellen.  Die  vom  Gesetzgeber  bezweckte  Bestimmung  subjektiver  Nachfluchtgründe  als  Asylausschlussgrund  verbietet  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen vor der Ausreise, die für sich allein nicht zur Anerkennung  der Flüchtlingseigenschaft ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352).  Stattdessen  werden  Personen,  die  subjektive  Nachfluchtgründe  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  können,  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen (vgl. EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a). 5.3.  Wie  der  Botschaftsantwort  der  schweizerischen  Vertretung  in  Damaskus  vom  31. Juli  2008  zu  entnehmen  ist,  wird  der  Beschwerdeführer  wegen  eines  illegalen  Ausreiseversuchs  im  Jahre  2004  behördlich  gesucht. Des Weiteren  hält  die Schweizer Botschaft  in  ihrem  Bericht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  Syrien  illegal  verlassen  hat. Darüber hinaus kann aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers  vor  den  schweizerischen  Asylbehörden  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  er  im  Jahre  2003  tatsächlich  wegen  eines  weiteren  illegalen  Ausreiseversuchs in die Türkei Anfang 2003 sechs Monate lang inhaftiert  gewesen  ist. Es  ist  deshalb anzunehmen, dass die  syrischen Behörden  den  Beschwerdeführer  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  a  priori  einer  einlässlichen  Kontrolle  unterziehen  würden,  da  er  nicht  bloss  einmalig,  sondern wiederholt  den  Tatbestand  der  illegalen  Einreise  erfüllt  hat.  Im  vorliegenden  Fall  tritt  erschwerend  hinzu,  dass  der  Beschwerdeführer 

D­6473/2008 zusätzlich  geltend  gemacht  hat,  am  13. März  2004  im  Rahmen  der  Unruhen  von  Qamishli  in  Damaskus  festgenommen  worden  und  anschliessend  zwei  Monate  lang  inhaftiert  gewesen  zu  sein.  Seine  diesbezüglichen  Angaben  vermitteln  im  historischen  Kontext  den  Anschein von Authentizität, was die Vorinstanz denn auch dazu verhalten  haben dürfte, die Glaubhaftigkeit seiner diesbezüglichen Ausführungen in  ihrer  Verfügung  vom  11. September  2008  nicht  anzuzweifeln.  Es  kann  somit  auch  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  einer  der  zahlreichen  Geheimdienste  in  Syrien  damals  eine  Akte  über  den Beschwerdeführer  angelegt  hat. Diesfalls  bestünde  indessen die erhöhte Gefahr,  dass der  Beschwerdeführer  seitens  der  Einwanderungsbehörden  in  das  Anhaltezentrum des Sicherheitsdienstes überstellt würde (vgl. Bericht des  Austrian  Centre  for  Country  of  Origin  &  Asylum  Research  and  Documentation  (ACCORD)  und  des  Danish  Immigration  Service  ["Menschenrechtliche Fragestellungen zu KurdInnen  in Syrien"] vom Mai  2010,  S.  63  f.).  Dabei  muss  auch  die  Gefahr,  flüchtlingsrelevanten  Nachteilen,  namentlich Misshandlung  und  Folter  ausgesetzt  zu werden,  als beachtlich eingestuft werden. 5.4.  Im  vorliegenden  Fall  ist  somit  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Syrien einer erhöhten Gefahr  ausgesetzt  wäre,  im  Rahmen  der  bei  der  Einreise  zu  erwartenden  Befragungen  Opfer  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Behelligungen  zu  werden.  Die  Furcht  des  Beschwerdeführers  davor  ist  entsprechend  als  begründet  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  1  AsylG  zu  erachten.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  somit  die  Flüchtlingseigenschaft  –  dies  freilich  erst  aufgrund  subjektiver  Nachfluchtgründe,  was  gemäss  Art.  54  AsylG  eine Asylgewährung ausschliesst. Die Ablehnung des Asylgesuchs durch  die Vorinstanz ist folglich im Ergebnis zu bestätigen. 6.  6.1.  Im  Sinne  eines  Zwischenergebnisses  ist  daher  festzuhalten,  dass  dem Beschwerdeführer  zufolge Bestehens  subjektiver Nachfluchtgründe  die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist. Durch die Anerkennung der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  –  und  gleichzeitiger  Abweisung des Asylgesuchs wegen eines Asylausschlussgrundes – wird  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  gleichzeitig  ein  völkerrechtlich  begründetes  Wegweisungshindernis  festgestellt.  Ein  Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers als Flüchtling würde Art. 5  AsylG  sowie  Art.  3  EMRK  verletzen  und  wäre  demnach  unzulässig  im  Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG (vgl. indes nachstehend E. 6. 3).

D­6473/2008 6.2. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44  Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 32 Bst. a Asylverordnung 1 vom 11. August  1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) wird die Wegweisung  aus der Schweiz nicht verfügt, wenn die Asyl suchende Person im Besitz  einer gültigen Aufenthalts­ oder Niederlassungsbewilligung ist. 6.3. Nach der Heirat mit einer im Besitze einer Niederlassungsbewilligung  befindlichen  ausländischen  Staatsangehörigen  erhielt  der  Beschwerdeführer  vom  Kanton  K._______  am  25. Mai  2011  eine  Aufenthaltsbewilligung  im Sinne von Art. 33 AuG. Die Anordnungen des  Bundesamtes betreffend Wegweisung und Vollzug derselben (Ziffern 3 ­  5  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  11. September  2008)  sind  unter  diesen Umständen als dahin gefallen zu betrachten, da diese gegenüber  dem  neu  erteilten  Aufenthaltstitel  keinen  Bestand  haben  können  (vgl.  EMARK  2001  Nr.  21  E.  11c  S.  178;  2000  Nr.  30  E.  4  S.  251).  Die  Beschwerde  ist  somit  zufolge  Wegfalls  des  Streitgegenstandes  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben,  soweit  beantragt wird,  es  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen. 7.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  bezüglich  der  Frage  der  Gewährung  von  Asyl  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  und  unvollständig  feststellt  und  unangemessen  ist  (vgl.  Dispositiv  Ziff.  2).  Soweit  der  Beschwerdeführer  mithin  die  Asylgewährung  beantragt,  ist  die  Beschwerde abzuweisen. Die Beschwerde ist demgegenüber hinsichtlich  des Begehrens um Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft gutzuheissen  und  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  soweit  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint  (vgl.  Dispositiv  Ziff.  1).  Hinsichtlich  der  Anordnung  der  Wegweisung  und  damit  auch  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs  ist  die  angefochtene  Verfügung  gegenstandslos geworden. 8.  8.1.  Der  Beschwerdeführer  ist  im  vorliegenden  Verfahren  unterlegen,  soweit er beantragt, die Verfügung des Bundesamtes vom 11. September  2008  sei  aufzuheben  und  ihm  Asyl  zu  gewähren,  weshalb  er 

D­6473/2008 grundsätzlich  in  reduziertem  Umfang  kostenpflichtig  würde  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  hat  indessen  im  Rahmen  seiner  Beschwerde  ein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gestellt,  das  vom  Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  17. Oktober  2008  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen  worden  ist.  Da  sich  die  Beschwerde  als  nicht  zum  Vornherein  aussichtslos  erweist  und  der  Beschwerdeführer  aufgrund der Akten nach wie vor keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, ist das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – soweit nicht  durch  die  teilweise  Gutheissung  der  Beschwerde  gegenstandslos  geworden – gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu  verzichten. 8.2. Dem vertretenen Beschwerdeführer  ist angesichts seines  teilweisen  Obsiegens  in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG  i.V.m. Art. 7 Abs. 1  und  2  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  eine  praxisgemäss  um  einen  Drittel  zu  reduzierende  Entschädigung  für  die  ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten  zuzusprechen.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  hat  zusammen  mit  seiner  Stellungnahme  vom  29. August  2011  eine  Honorarnote  im Gesamtbetrag von Fr. 2'718.05  (Zeitaufwand von 12.30  Stunden  zu  einem  Stundenansatz  von  Fr.  200.–  plus  Spesen  und  Mehrwertsteuer  von 7.6% beziehungsweise 8%) eingereicht, welche als  angemessen  erscheint.  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren  (Art.  8­13  VGKE)  ist  dem  Beschwerdeführer  deshalb  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  reduzierte  Parteientschädigung  von Fr. 1'812.– (inklusive Mehrwertsteuer und Auslagen) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite)

D­6473/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  betrifft.  Im  Übrigen  wird  sie  –  soweit  nicht  gegenstandslos geworden – abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  –  soweit  es  nicht  durch  die  teilweise  Gutheissung der Beschwerde hinfällig geworden ist – gutgeheissen. 3.  Es werden keine Kosten auferlegt. 4.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem Bundesverwaltungsgericht eine  reduzierte Parteientschädigung von  Fr. 1'812.– (inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen) auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand:

D-6473/2008 — Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 D-6473/2008 — Swissrulings