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Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 D-637/2011

24. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,188 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Dezember 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­637/2011 Urteil   v om   2 4 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Dezember 2010 / N .

D­637/2011 Sachverhalt: A. Der  Beschwerdeführer,  ein  äthiopischer  Staatsangehöriger,  gelangte  am  18. Februar  2000  in  die  Schweiz  und  stellte  gleichentags  in  M._______  ein  Asylgesuch.  Mit  Verfügung  vom  29.  November  2001  lehnte das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute: BFM) das Asylgesuch  ab  und  verfügte  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  wies  die  damals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 24. November 2003 ab. B.  Mit  Eingabe  vom  30.  August  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  – ohne  in  der  Zwischenzeit  in  den Heimatstaat  zurückgekehrt  zu  sein –  ein  zweites  Asylgesuch  ein.  Auf  dieses  Gesuch  trat  das  BFM  wegen  Nichtleistens  des  eingeforderten  Gebührenvorschusses  mit  Verfügung  vom 10. Oktober 2007 nicht ein. Mit Urteil vom 16. November 2010 hob  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  Verfügung  des  BFM  auf  und  wies  die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. C.  C.a.  Das  BFM  hörte  den  Beschwerdeführer  in  der  Folge  am  13.  Dezember  2010  direkt  an.  Er  begründete  sein  zweites  Asylgesuch  im  Wesentlichen mit  seinen  politischen  Aktivitäten  ab  dem  Jahre  2005.  Er  sei sowohl Mitglied der Kinjit  (Coalition  for Unity and Democracy Parties  [CUDP])  als  auch  der AES  (Association  des Ethiopiens  en Suisse)  und  habe einige Male an Kundgebungen  teilgenommen. Ausserdem bezahle  er  jährlich  eine  Spende  in  Höhe  von  Fr.  50.­.  Im  Übrigen  machte  der  Beschwerdeführer  gesundheitliche  Probleme,  namentlich  Magenprobleme und Depressionen, geltend. C.b. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer  eine  Foto,  ein  undatiertes  ärztliches  Schreiben,  ein  Schreiben  der  AES  vom 8. April 2006 sowie ein Schreiben der Kinjit vom 6. Juni 2007 zu den  Akten. D.  D.a. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2010 – eröffnet am folgenden Tag  – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz 

D­637/2011 sowie den Wegweisungsvollzug an und erhob eine Gebühr  in der Höhe  von Fr. 600.­. D.b.  Zur  Begründung  machte  das  BFM  im  Wesentlichen  geltend,  der  Beschwerdeführer  habe  im Rahmen seines ersten Asylverfahrens  keine  politisch motivierte Verfolgung durch die äthiopischen Behörden glaubhaft  machen  können.  Zur  Vermeidung  von Wiederholungen  könne  dazu  auf  die Verfügung des BFM vom 29. November 2001 und insbesondere das  Urteil der ARK vom 24. November 2003 verwiesen werden. Es bestehe  somit  kein  Anlass  zur  Annahme,  dass  der  Beschwerdeführer  vor  dem  Verlassen seines Heimatstaates als regimefeindliche Person ins Blickfeld  der  äthiopischen  Behörden  geraten  oder  dort  in  irgendeiner  Form  als  Regimegegner oder politischer Aktivist registriert worden sei. Demzufolge  sei  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der äthiopischen Behörden  gestanden  habe.  Die  Äusserungen  des  Beschwerdeführers  liessen  zudem  in  keiner  Art  und Weise  darauf  schliessen,  dass  er  sich  in  der  Schweiz in qualifizierter Weise politisch engagiert habe. Vielmehr habe er  in  den  vergangenen  sieben  Jahren als  einfaches Mitglied  insgesamt  an  fünf bis sechs Kundgebungen teilgenommen. Ansonsten habe er sich bis  auf  regelmässige Spenden  nicht weiter  engagiert.  Zudem enthielten  die  Akten  keine  Hinweise,  wonach  die  äthiopischen  Behörden  von  der  Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  bei  der  Kinjit  oder  der  AES  überhaupt  Kenntnis  genommen  oder  gar  gestützt  darauf  irgendwelche  Massnahmen  zum  Nachteil  seiner  Person  eingeleitet  hätten.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  zwar,  wie  viele  seiner  Landsleute,  exilpolitisch  engagiert.  Die  diesbezüglichen  Ausführungen  zu  seinen  Aktivitäten seien aber oberflächlich und pauschal geblieben, und er habe  mehrmals  auf  sein  erstes  Asylgesuch  verwiesen.  Die  von  ihm  eingereichten  Beweisunterlagen  –  wie  auch  zahlreiche  weitere,  ähnlich  dokumentierte  Eingaben  in  anderen  Verfahren  –  zeigten  jedoch,  dass  allein  in  der Schweiz  innert weniger Monate  viele  exilpolitische Anlässe  stattfänden,  von  denen  anschliessend  oftmals  gestellte  Gruppenaufnahmen  von  nicht  selten  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen  Medien  publiziert  würden.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheine  es  aber  unwahrscheinlich,  dass  die  äthiopischen  Behörden  allen diesen – oft nur schlecht erkennbaren – Gesichtern konkrete Namen  zuordnen könnten. Selbst wenn sie über die politischen Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  im Ausland  informiert wären,  könnten  sie angesichts  der hohen Zahl der im Ausland lebenden äthiopischen Staatsangehörigen  nicht  jede einzelne Person überwachen und  identifizieren. Zudem dürfte 

D­637/2011 auch  den  äthiopischen  Behörden  bekannt  sein,  dass  viele  äthiopische  Emigranten aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen versuchten, sich in  Europa und speziell auch  in der Schweiz vor oder nach Abschluss  ihres  Asylverfahrens  ein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  zu  erwirken,  indem  sie  regimekritischen  Aktivitäten  (Teilnahme  an  Demonstrationen,  Veröffentlichung  von  entsprechendem  Bild­  und  Textmaterial  usw.)  nachgingen.  Die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Unterlagen  vermöchten vor diesem Hintergrund zu keiner anderen Einschätzung zu  führen. D.c.  Zum  Rundschreiben  des  äthiopischen  Aussenministeriums  vom  31. Juli 2006 halte das BFM folgendes fest: Dieses Rundschreiben sowie  die  darin  in  Erinnerung  gerufenen,  bereits  früher  erlassenen  Richtlinien  seien  dem  BFM  bekannt.  In  besagtem  Schreiben  und  den  darin  erwähnten  Richtlinien  würden  die  Auslandsvertretungen  nicht  dazu  aufgerufen,  systematisch  gegen  die  grosse  Masse  von  exilpolitisch  aktiven  Personen  vorzugehen  und  entsprechende  Informationen  zu  sammeln.  In  den  Richtlinien  werde  nämlich  sehr  wohl  differenziert:  Danach bestehe die eine Gruppe aus Personen, die ohne jede Toleranz  eine  Hasspolitik  betreiben  würden.  Die  zweite  Gruppe  bestehe  aus  gemässigten  Personen,  mit  denen  der  Dialog  zu  suchen  sei.  Den  gesicherten  Erkenntnissen  des  BFM  zufolge  hätten  die  äthiopischen  Behörden  nur  dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn deren Aktivitäten als konkrete Bedrohung für das politische System  wahrgenommen  würden.  Vorliegend  bestünden  –  wie  erwähnt  –  keine  Anhaltspunkte  für  die  Annahme,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  dieser besonderen Art und Weise betätigt und exponiert hätte. Er gehöre  mit  Sicherheit  nicht  zur  Zielgruppe  des  "harten  Kerns"  von  aktiven  oppositionellen  Äthiopiern  im  Ausland,  für  die  sich  die  äthiopischen  Behörden  interessierten.  Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  die  vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft nicht standhielten, weshalb der Beschwerdeführer  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden  könne.  Demnach  sei  sein  Asylgesuch ebenfalls abzuweisen und die Wegweisung anzuordnen. D.d.  Da  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  angewendet  werden.  Ferner  ergäben  sich  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  ihm  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der 

D­637/2011 Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  In  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  ergäben  sich  im  Übrigen  aus  den  Akten  auch  keine  individuellen  Gründe,  welche  den  Wegweisungsvollzug  nach  Äthiopien als unzumutbar erscheinen liessen. Die vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  hätten  offensichtlich  bereits  vor  dessen  Ausreise  aus  Äthiopien  bestanden.  Eine  adäquate  medizinische  Versorgung  des  Beschwerdeführers  sei  gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM  in  Äthiopien  grundsätzlich  gewährleistet.  Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug technisch möglich und praktisch  durchführbar. E.  Mit  Beschwerde  vom  21.  Januar  2011  liess  der  Beschwerdeführer  die  vollumfängliche  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  beantragen.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  anzuordnen.  Schliesslich  beantragte  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen. F.  F.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  28.  Januar  2011  wies  der  Instruktionsrichter  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer auf, bis zum 14. Februar 2011 einen Kostenvorschuss  von Fr. 600.­ zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. F.b. Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvorschuss  am 9. Februar 2011.

D­637/2011 F.c. Mit  Eingabe  vom  15.  Februar  2011  (Poststempel  vom  16.  Februar  2011)  liess  der  Beschwerdeführer  einen  Bericht  der  Psychiatrischen  Poliklinik  des  Universitätsspitals  N._______  (O._______)  vom  1.  Dezember  2008  sowie  ein  Schreiben  vom  30.  Dezember  2010  eines  Allgemeinpraktikers an das O._______ zu den Akten reichen. F.d.  Mit  Eingabe  vom  8.  März  2011  liess  der  Beschwerdeführer  ein  Schreiben  des  Präsidenten  des  CUDP  Support  Committee  Switzerland  einreichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten.

D­637/2011 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Der Beschwerdeschrift  ist weder ein Begehren um Gewährung von Asyl  noch  ein  solches  um  Aufhebung  der  Wegweisung  zu  entnehmen.  Die  Ziffern  2  und  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  sind  mit  Ablauf  der  30­tägigen  Rechtsmittelfrist  in  Rechtskraft  erwachsen.  Beschwerdegegenstand  bilden  demnach  nur  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft und der Vollzug der Wegweisung. 4.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5.  5.1. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in  ihrem Heimatstaat oder im Land,  in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer  Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2. Die Flüchtlingseigenschaft  ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

D­637/2011 5.3. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl.  Art. 54 AsylG). Das vom Gesetzgeber vorgesehene Konzept, wonach das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Bejahung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff.; EMARK  2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen). 6.  6.1.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  macht  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  in  der  Schweiz  politisch betätigt, nämlich als Mitglied der KINJIT wie auch der AES.  Im  Rahmen  seiner  Mitgliedschaft  habe  er  an  diversen  öffentlichen  Veranstaltungen und Demonstrationen gegen die äthiopische Regierung  teilgenommen.  Entgegen  der  Einschätzung  der  Vorinstanz  verfüge  der  Beschwerdeführer  über  ein  qualifiziertes  politisches  Profil.  Die  Mitgliedschaft in mehreren regimekritischen Exilorganisationen deute klar  darauf  hin.  Entgegen  der  Annahme  der  Vorinstanz  überwachten  die  äthiopischen Behörden die Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen in Europa  sehr  genau.  Ausserdem  habe  das  äthiopische  Aussenministerium  am  31. Juli  2006  eine  neue  Weisung  erlassen,  welche  in  casu  von  erheblicher  Relevanz  sei.  In  dieser  Weisung  würden  sämtliche  äthiopischen  Auslandsvertretungen  aufgefordert,  Informationen  über  sogenannte  "extreme  Elemente"  im  Ausland  zu  sammeln  und  deren  Namen an die Zentrale in Addis Abeba weiterzuleiten. Die exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  hätten  im  Falle  einer  Rückkehr  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  politische  Verfolgung  zur  Folge,  nicht  zuletzt  aufgrund  seines  unermüdlichen  Eintretens  für  eine  Demokratisierung  Äthiopiens.  Eine  objektive  Betrachtungsweise  führe  zum  Schluss,  die  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  hätten  durchaus  ein  Ausmass  erreicht, welches geeignet sei, ein ernsthaftes Vorgehen der äthiopischen  Behörden  zu  bewirken  beziehungsweise  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer Rückkehr nach Äthiopien  zu begründen. Schliesslich  sei  der  Wegweisungsvollzug dem Beschwerdeführer auch nicht zuzumuten, weil  er den eingereichten Arztzeugnissen zufolge an einer psychosomatischen 

D­637/2011 Erkrankung  leide,  für die  in Äthiopien keine zureichenden medizinischen  Behandlungsmöglichkeiten  bestünden  oder  für  den  Beschwerdeführer  aus finanziellen Gründen unerreichbar seien. 6.2. Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von  Bundesrecht,  indem  dem  Beschwerdeführer  zu  Unrecht  die  Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt worden sei. Wie  jedoch bereits  in  der Zwischenverfügung vom 28. Januar 2011 festgestellt, kommt nun das  Bundesverwaltungsgericht  auch  nach  einer  vertieften  Prüfung  der  vorliegenden  Akten  zum  Schluss,  dass  die  Schlussfolgerungen  der  Vorinstanz zutreffen und die Ausführungen im Beschwerdeverfahren nicht  geeignet  sind,  diese  zu  entkräften.  Zwar  hat  der  Beschwerdeführer  im  ersten  Asylverfahren  eine  Verfolgungssituation  geltend  gemacht,  doch  haben  sich  die  entsprechenden  Vorbringen  als  unglaubhaft  erwiesen.  Dementsprechend  gibt  es  keinen  Anlass  zur  Annahme,  der  Beschwerdeführer  sei  vor  seiner Ausreise  ins Blickfeld der äthiopischen  Behörden  geraten.  Bezüglich  seines  dargelegten  exilpolitischen  Engagements gelangt auch das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,  dass  insgesamt  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe  vorliegen.  Für  die  Einschätzung einer Verfolgungsgefahr sind Positionen (z.B. Vorsitzende/r  einer  Exilgruppe),  Form  und  Einfluss  von  Aktionen  (z.B.  gewaltsamer  Protest)  massgeblich  (vgl.  allgemein  zum  Grad  der  Exponierung  bei  exilpolitischen Tätigkeiten auch BVGE 2009/28 E. 7.4.3 S. 364 f., Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5231/2006  vom  18. September  2009  E.5.2, E­4390/2006 vom 27. August 2009 E.3.4.3 und D­5907/2006 vom  16. Juli  2009 E.4.5.3). Dabei  ist  nicht  primär  das Hervortreten  im Sinne  einer  optischen  Erkennbarkeit  und  Individualisierbarkeit,  sondern  eine  derartige Exponierung in der Öffentlichkeit massgebend, die den Eindruck  erweckt,  dass  der  Asylsuchende  zu  einer  Gefahr  für  den  Bestand  des  äthiopischen  Systems  wird.  Dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  zwischen  tatsächlich  politisch  engagierten  Regimekritikern  und  Exilaktivisten, die mit  ihren Aktionen  in erster Linie die Chancen auf ein  Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, zu unterscheiden vermögen, darf  auch  unter  Berücksichtigung  der  aktuellen  Lage  im  Äthiopien  vorausgesetzt werden. Bei dieser Sachlage liegt beim Beschwerdeführer  kein subjektiver Nachfluchtgrund im Sinne von Art. 54 AsylG vor, und dies  umso weniger,  als  im  vorliegenden Fall  jegliche  aktenkundige Hinweise  darauf  fehlen, dass gegen  ihn aufgrund der exilpolitischen Aktivitäten  in  Äthiopien  ein  Strafverfahren  oder  andere  behördliche  Massnahmen  eingeleitet worden sind, wobei  in diesem Zusammenhang unter Hinweis  auf die in Art. 8 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht festzuhalten ist, dass 

D­637/2011 es nicht Sache der schweizerischen Asylbehörden sein kann,  jede auch  nur  ansatzweise  und  abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  des  Beschwerdeführers  abzuklären.  Im  Übrigen  wird  zur  Vermeidung von Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz und  die Zwischenverfügung des Gerichts vom 28. Januar 2011 verwiesen. Die  erhobene  Rüge  (Verletzung  von  Bundesrecht)  erweist  sich  nach  dem  Gesagten als unbegründet. 6.3.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  übrigen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  und  die  als  Beweismittel  eingereichten  Dokumente  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern  können.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen  oder glaubhaft machen konnte und er auch die Voraussetzungen für die  Anerkennung  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  im  Sinne  von  Art.  54  AsylG  nicht  erfüllt.  Das  BFM  hat  demzufolge  die  Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers zu Recht verneint. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 

D­637/2011 Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 8.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerde­ führers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­

D­637/2011 Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht  als unzulässig erscheinen. Demgegenüber lässt der Beschwerdeführer In  seiner  Beschwerdeschrift  die  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  unter  dem  Gesichtspunkt  seiner  medizinischen  Versorgung  in  Frage  stellen.  Wie  sich  indessen  bereits  aus  dem  in  der  Beschwerdeschrift  zitierten Bericht  vom 10. Juni 2009 der Schweizerischen Flüchtlingshilfe  (SFH) zur psychiatrischen Versorgung in Äthiopien ergibt, existieren allein  in  Addis  Abeba  53  psychiatrische  nicht­stationäre  Behandlungszentren,  sechs  stationäre  Behandlungszentren  und  eine  psychiatrische  Klinik.  Daneben gibt  es  in  dieser Stadt Kliniken,  die  auch  psychisch Erkrankte  aufnehmen,  sowie  eine  grössere  Anzahl  Spitäler  für  die  somatische  Medizin.  Demnach  ist  nicht  davon  auszugehen,  die  Leiden  des  Beschwerdeführers  (Oberbauchschmerzen,  Colon  irritabile  mit  Neigung  zur  Verstopfung,  Hämorrhoiden,  soziale  Phobie,  leichte  depressive  Episode)  seien  in Addis Abeba nicht behandelbar. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1.  In  Äthiopien  herrscht  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nach  Äthiopien  ausgegangen  wird  (vgl.  bspw.  D­4738/2010 vom 3. Februar 2011; bereits EMARK 1998 Nr. 22). Seit der  Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen Äthiopien und Eritrea  am 12. Dezember 2000 kontrollieren UNO­Soldaten die Grenze zwischen  den  beiden  Ländern.  Zwar  konnten  diese  ein  sporadisches  Wiederaufflackern des Grenzkonfliktes nicht verhindern. Eine landesweite  Situation  allgemeiner  Gewalt  ist  dadurch  aber  nicht  entstanden. 

D­637/2011 Entsprechend  muss  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  des  Beschwerdeführers ausgegangen werden. 8.4.2.  Im  Weiteren  ist  das  Vorliegen  individueller  Wegweisungshindernisse des Beschwerdeführers zu prüfen. Wie  sich  aus  den  Akten  ergibt,  wurden  die  individuellen  Wegweisungshindernisse, welche sich nicht auf den Gesundheitszustand  beziehen,  bereits  im  Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens  beurteilt;  in  diesem  Zusammenhang  wurde  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  bejaht.  Wie  sich  aus  prozessualen  Grundsätzen  ergibt,  kann  die  bereits  beurteilte  Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers  nicht  erneut  Gegenstand  einer  materiellen  Beurteilung im Rahmen eines zweiten Asylverfahrens bilden (res iudicata;  FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 322 f.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. Rz. 715).  Dementsprechend geht es nachstehend einzig noch um die Beurteilung  der  vom  Beschwerdeführer  für  die  Zeit  nach  dem  24.  November  2003  geltend  gemachten  medizinischen  Probleme.  Ob  diese  nach  der  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Addis  Abeba  vollumfänglich  bestehen bleiben,  ist  indessen fraglich, wird doch im Arztzeugnis vom 1.  Dezember  2008  der  psychiatrischen  Poliklinik  des  O._______  ausdrücklich festgehalten, die Ärzte gingen davon aus, "dass sowohl das  Auftreten  der  sozialen  Phobie  als  auch  der  depressiven  Entwicklung  durch  die  Flucht  aus  der  Heimat,  den  Verlust  der  gewohnten  sozialen  Umgebung, wichtiger Bezugspersonen  (…) und seiner Arbeit begünstigt  wird."  Dies  bedeutet,  dass  nach  Auffassung  der  Ärzte  der  weitere  Verbleib  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  jedenfalls  unter  psychologischen  Gesichtspunkten  eher  kontraindiziert  ist  und  mit  der  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine  Verbesserung  der  psychischen  Befindlichkeit  einhergehen  könnte.  Trotzdem  mag  die  Behandlungsbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auch  nachher  noch  eine Weile  andauern.  Für  diese  Eventualität  gilt  es  auf  die  Möglichkeit  des  Beschwerdeführers  hinzuweisen,  ein  Gesuch  um  medizinische  Rückkehrhilfe nach Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG beim BFM einzureichen.  Diese Möglichkeit  steht  ihm  auch  in  Bezug  auf  die  psychosomatischen  Oberbauchschmerzen  zur  Verfügung.  Dementsprechend  gibt  es  keinen  Anlass zur Annahme, er werde im Heimatstaat faktisch keinen Zugang zu  einer  analogen  medizinischen  Betreuung  haben.  Schliesslich  gilt  es  darauf hinzuweisen, dass dem oben erwähnten Bericht der SFH zufolge 

D­637/2011 mittellose  Personen  durch  den  Staat  eine  kostenlose  Gesundheitsversorgung  erhalten,  weshalb  er  auch  dann  nicht  ohne  medizinische  Versorgung  bliebe,  falls  es  ihm  wider  Erwarten  nicht  gelingen  sollte,  an  seine  achtjährige  Berufserfahrung  als  Fahrer  (vgl.  Akten  BFM A2/9  Ziff.  8  S.  2)  anzuknüpfen  und  seinen  Lebensunterhalt  (und  zusätzlich  Pillen,  Tropfen  und  Salben)  aus  eigener  Kraft  zu  bestreiten. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 8.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 8.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.­ festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am  9.  Februar  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­637/2011 D­637/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt und mit dem am 9. Februar 2011  in gleicher Höhe geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

D-637/2011 — Bundesverwaltungsgericht 24.08.2011 D-637/2011 — Swissrulings