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Bundesverwaltungsgericht 17.02.2012 D-633/2009

17. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,099 Wörter·~15 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­633/2009 Urteil   v om   1 7 .   Februar   2012 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Yanick Felley,    Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Sri Lanka, vertreten durch Barbara Frei­Koller, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2008 / N_______.

D­633/2009 Sachverhalt: A.   A.a.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  sri­ lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  aus  B._______,  C._______,  seinen  Heimatstaat  am  15.  Dezember  2006  auf  dem  Seeweg.  Über  D._______,  E._______  und  weitere,  ihm  unbekannte  Länder  sei  er  am  22. März 2008  illegal  in  die  Schweiz  gelangt.  Am  13.  Juni 2008 stellte er  im F._______ ein Asylgesuch, wo am 20. Juni 2008  die  Kurzbefragung  stattfand.  Am  30.  Juni  2008  wurde  der  Beschwerdeführer vom BFM direkt angehört. Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  führte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  aus,  er  habe  über  vier  Jahre  Kontakte  zu  einem  Freund  namens G._______ gepflegt, der seinerseits mit den Liberation Tigers of  Tamil Eelam (LTTE) in Kontakt gestanden sei und an diese Informationen  weitergegeben  habe,  er  wisse  jedoch  nichts  Genaueres  darüber.  G._______  sei  am  (...)  mit  dem  Bus  von  H._______  nach  B._______  zurückgekehrt und danach spurlos verschwunden. Ein Bekannter von ihm  habe G._______ noch an der Bushaltestelle gesehen. Am nächsten Tag  hätten  sie  begonnen,  nach G._______  zu  suchen,  und  sich  dabei  auch  auf dem Polizeiposten nach diesem erkundigt. Die Polizisten hätten ihnen  jedoch  mitgeteilt,  dass  sie  keine  solche  Person  gesehen  oder  festgenommen hätten. Diese Auskunft  habe aber  für  ihn nicht glaubhaft  geklungen,  da  die  Polizei  in  der  fraglichen  Zeit  viele,  vornehmlich  tamilische Personen  in weissen Kleinbussen  entführt  habe. Er  vermute,  dass  G._______  möglicherweise  von  der  Polizei  entführt  worden  sein  könnte.  Rund  (...) Monate  nach  dem Verschwinden  von G._______  sei  die Polizei am (...) zu ihm nach Hause gekommen und er habe auf Frage  der Polizisten erklärt, G._______ zu kennen und mit diesem befreundet  zu sein. Daraufhin sei er sofort festgenommen und auf den Polizeiposten  gebracht worden. Dort hätten ihn sieben oder acht Polizisten geschlagen  und verschiedene Sachen gefragt,  so beispielsweise wo er die Bomben  und  die  Waren  versteckt  habe.  Schliesslich  habe  seine  Mutter  einen  Anwalt  beigezogen  und  auf  dem  Posten  seinen  Geburtsschein  vorgewiesen, worauf er freigelassen worden sei. Zwei Tage später sei er  von bewaffneten Polizisten zu Hause abgeholt und hinten auf einen Jeep  gesetzt  worden.  Als  er  bemerkt  habe,  dass  sie  nicht  in  Richtung  des  Polizeipostens  von  B._______  gefahren  seien,  habe  er  um  sein  Leben  gefürchtet  und  sei  bei  der  nächsten  roten  Ampel  aus  dem  Jeep  gesprungen, davongerannt und zum Haus seiner Tante geflüchtet. In der 

D­633/2009 Folge  habe  ihm  seine Mutter  zur  Ausreise  geraten  und  er  sei mit  Hilfe  eines Schleppers mit dem Boot zunächst nach D._______ gelangt, wo er  während eines Jahres habe bleiben müssen, ohne dass er  in Erfahrung  gebracht habe, wo er sich genau befinde. Im (...) habe er D._______ mit  einem Boot verlassen und sei nach I._______ gelangt, von wo aus er mit  dem Flugzeug an einen  ihm unbekannten Ort gebracht und von dort mit  dem  Auto  in  drei  Stunden  an  einen  weiteren  unbekannten  Standort  gefahren  worden  sei.  Dort  habe  man  ihn  während  dreier  Monate  eingesperrt, weil  er  dem Schlepper Geld  geschuldet  habe. Nachdem er  aus der Wohnung habe flüchten können, habe er ein Tram bestiegen und  an  einem  Bahnhof  in  einer  ländlichen  Gegend  einen  älteren  Tamilen  getroffen,  der  ihm  erklärt  habe,  wo  er  um  Asyl  ersuchen  solle.  Für  die  weiteren Ausführungen  des Beschwerdeführers wird,  soweit  wesentlich,  auf die Akten verwiesen. A.b.  Mit  Entscheid  des  BFM  vom  1.  Juli  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  für  den  Aufenthalt  während  des  Asylverfahrens  dem  Kanton J._______ zugewiesen. B.  Mit Verfügung vom 23. Dezember 2008 – eröffnet am 31. Dezember 2008  – lehnte  das  BFM  das  Asylbegehren  ab  und  ordnete  gleichzeitig  die  Wegweisung  des Beschwerdeführers  aus  der Schweiz  und  den Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  die  Anforderungen  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  Flüchtlingseigenschaft  sowie  diejenigen  von  Art.  7  AsylG  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  erfüllten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  als  zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C.  Mit  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gerichteter  Eingabe  vom  30. Januar 2009 beantragte der Beschwerdeführer in materieller Hinsicht,  es sei die Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2008 aufzuheben, es  sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und  ihm Asyl zu gewähren,  eventualiter sei die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und als  Folge  davon  sei  ihm  von  Amtes  wegen  die  vorläufige  Aufnahme  zu  erteilen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  er  um  Anordnung  einer  psychiatrischen  Untersuchung,  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Überdies  seien  die  Vollzugsbehörden  mittels 

D­633/2009 vorsorglicher  Massnahmen  anzuhalten,  von  allfälligen  Vollzugshandlungen  abzusehen.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Der  Beschwerdeführer  legte  seiner  Rechtsmitteleingabe  (Auflistung  Beweismittel) bei. D.  Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  vom  20.  März  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der  Schweiz abwarten könne. Es wurde  ihm Gelegenheit gewährt,  innert 30  Tagen  nach  Erhalt  der  Verfügung  das  Ergebnis  einer  psychiatrischen  Untersuchung  sowie  eine  Erklärung  über  die  Entbindung  von  der  ärztlichen  Schweigepflicht  gegenüber  den  Asylbehörden  einzureichen,  wobei  im Unterlassungsfall  aufgrund  der  Akten  entschieden werde.  Die  Behandlung  der  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurde  auf  einen  Zeitpunkt  nach  Eingang  der  Beweismittel  beziehungsweise  nach  Ablauf  der  diesbezüglich  angesetzten Frist verwiesen. E.  Mit Eingabe vom 21. April 2009 reichte der Beschwerdeführer (Auflistung  Beweismittel) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 

D­633/2009 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von  Art.  83  Bst.  d  Ziff  .1  BGG  liegt  nicht  vor,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen  auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1  AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).

D­633/2009 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheids im Wesentlichen aus, es sei schwer nachvollziehbar, dass  sich die Flucht des Beschwerdeführers am (...) in der geschilderten Weise  ereignet habe. Einerseits überrasche die Tatsache, dass die Polizei einen  vermeintlichen  Sympathisanten  der  LTTE  ohne  Fesseln  auf  einem  offenen Fahrzeug transportiert habe. Andererseits sei zu bezweifeln, dass  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Jeep  gesprungen  sein  soll,  wenn  laut  eigenen Angaben fünf mit Gewehren bewaffnete Polizisten neben und vor  ihm  gesessen  sein  sollen.  Dass  es  ihm  gelungen  sein  soll,  fünf  bewaffneten  Polizisten  auf  diese  Weise  zu  entkommen,  erscheine  ausgesprochen unwahrscheinlich. Somit bestünden ernsthafte Zweifel an  der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorbringen. Weiter  habe  der  Beschwerdeführer  geschildert,  mit  einem  Boot  von  Sri Lanka  aus  nach  D._______  gefahren  und  dort  ein  Jahr  lang  zusammen  mit  (...)  anderen  Personen  in  einem  Haus  festgehalten  worden  zu  sein.  Er  sei  nicht  in  der  Lage,  genaue  Angaben  zum  Aufenthaltsort in D._______ oder zu seiner Ausreise zu machen. Sodann  mache er geltend, nach der Flugreise ab  I._______ habe man  ihn noch  einmal  drei  Monate  lang  an  einem  unbekannten  Ort  festgehalten.  Da  diese  Schilderungen  unsubstanziiert  ausgefallen  seien,  sei  der  Schluss  zulässig, dass die Vorbringen nicht erlebt worden seien. Die Behauptung,  während  eines  ganzen  Jahres  in  D._______  mit  keinem  einzigen  Einheimischen  kommuniziert  zu  haben  und  selbst  nach  einem  Jahr  keinen Anhaltspunkt zum Aufenthaltsort gehabt zu haben, sei haltlos und  realitätsfremd.  Noch  unwahrscheinlicher  erscheine,  dass  der  Beschwerdeführer,  der  sich  an  die  genaue  Abflugs­  und  Ankunftszeit  sowie an den Tag des Fluges ab  I._______ erinnern  könne,  nicht  auch  die  Destination  oder  die  Fluggesellschaft  in  Erfahrung  gebracht  haben  soll.  Überdies  habe  er  keine  Kenntnis,  wo man  ihn  nach  der  Flugreise  während dreier Monate festgehalten habe, obwohl er behaupte, aus dem  Haus  ausgebrochen  und  zu  Fuss  bis  nach  K._______  gelangt  zu  sein.  Dort habe er eigenen Angaben zufolge sogar einer Fahrkartenkontrolle im  Tram zu entgehen gewusst. Es sei demnach von  ihm zu erwarten, dass  er  auch  ausfindig  machen  könne,  wo  er  sich  genau  befinde.  Die  dargelegten  Zweifel  würden  durch  die  unsubstanziierte  Schilderung  bezüglich der Einreise in die Schweiz verstärkt.

D­633/2009 Zum Vorfall vom (...), als er festgenommen und nach Intervention seiner  Mutter und mit Hilfe eines Anwalts gleichentags wieder freigekommen sei,  sei  anzuführen,  dass  die  sri­lankische  Regierung  gegen  Mitglieder  der  LTTE, derer sie habhaft werde, regelmässig strafrechtliche Massnahmen  einleite,  indem  sie  diese  in  Haft  setzen  und  in  ein  Zentralgefängnis  überführen  lasse.  Hinsichtlich  des  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten Sachverhalts scheine es deshalb wenig wahrscheinlich, dass  die sri­lankischen Sicherheitskräfte einen erhärteten Verdacht gegen  ihn  hegten  und  ihn  in  asylrechtlich  relevanter  Weise  zu  verfolgen  beabsichtigten. 3.2.  Demgegenüber  brachte  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerdeschrift  im Wesentlichen  vor,  er  habe  sich  bei  seiner  Flucht  aus dem Jeep in einer speziellen Situation befunden. So habe er wegen  der  in der Haft erlittenen Folter ein schweres psychisches Leiden davon  getragen,  das  in  der  Folge  jeden  Schritt  seines  Handelns  beeinflusst  habe.  Anlässlich  der  zweiten  Festnahme  sei  er  von  Panik  ergriffen  gewesen, als das Polizeifahrzeug aus der Stadt hinaus gefahren sei.  In  diesem Zeitpunkt sei ihm jedes Mittel Recht gewesen, um den Polizisten  zu  entkommen.  Da  er  nichts  mehr  zu  verlieren  gehabt  und  mit  dem  bevorstehenden  Tod  gerechnet  habe,  sei  er  dieses  grosse  Wagnis  eingegangen.  Dass  die  Flucht  schliesslich  auch  gelungen  sei,  sei  einerseits  in gewissen Unzulänglichkeiten im Vorgehen der Polizisten zu  erblicken und andererseits der einsetzenden Dunkelheit und seinen guten  Ortskenntnissen  zu  verdanken.  Ein  solches  Szenario  sei  durchaus  realistisch,  wie  auch  Berichterstattungen  aus  tamilischen  Zeitungen  belegten,  wonach  mehreren  Tamilen  die  Flucht  aus  dem  Gefängnis  gelungen sei. Weiter sei die Ursache für seine Unfähigkeit, sich über den  genauen  Aufenthaltsort  in  D._______  zu  äussern,  angesichts  seiner  geringen  Schulbildung,  der  eingeschränkten  Sprachkenntnisse,  des  Umstandes, dass sie nur einzeln und in Begleitung eines zum Schlepper  gehörenden  Mannes  das  Haus  hätten  verlassen  dürfen,  und  seiner  Angst, bei einem Kontakt mit Einheimischen die Rückkehr nach Sri Lanka  antreten  zu  müssen,  leicht  nachvollziehbar.  Seine  Unfähigkeit,  die  essentiellen Daten seines Fluges ab  I._______  in Erfahrung zu bringen,  hänge damit zusammen, dass er die während des Fluges gesprochenen  Sprachen nicht verstanden habe. Es sei dabei auch zu beachten, dass er  sich  auf  dem  ersten  Flug  seines  Lebens  befunden  habe  und  dieses  Ereignis etwas komplett Neues dargestellt habe. Hinzu komme, dass er  sich  seit  über  einem  Jahr  nur  noch  passiv  verhalten  habe,  da  seine  Angelegenheiten  vom  Schlepper  und  dessen  Mitarbeitern  geregelt 

D­633/2009 worden  seien.  So  sei  er  zu  diesem  Zeitpunkt  gar  nicht  mehr  gewohnt  gewesen,  selbstständig  Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.  Ferner  würden  die  Umstände  seines  dreimonatigen  Gewahrsams  erklären, weshalb er nicht gewusst habe, an welchem Ort er festgehalten  worden  sei.  Bei  der  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  dürfe  seine  psychische  Verfassung  nicht  ausser  Acht  gelassen  werden.  So  sei  er  nach dem menschenverachtenden Verhör auf dem Polizeiposten vom (...)  verängstigt,  verunsichert,  verlegen  und  er  leide  an  regelmässig  wiederkehrenden  Kopfschmerzen,  die  mitursächlich  für  seine  Konzentrationsschwierigkeiten  seien. Überdies  hätten  ihm die Polizisten  damals  mit  glühenden  Zigaretten  zahlreiche  Verbrennungen  im  Brustbereich  zugefügt. Dass er anlässlich der beiden Befragungen über  diese Folter nicht gesprochen habe, sei typisch für Folteropfer und deren  Selbstschutz­  und  Verdrängungsmechanismus.  Die  beiden  Festnahmen  und  die  dabei  erlittenen  Nachteile  hätten  bei  ihm  einen  unerträglichen  psychischen Druck  bewirkt.  Die  grossen  psychischen  Ängste,  denen  er  stets ausgesetzt sei, zeigten sich durch seine Reaktion im Anschluss an  den negativen Asylentscheid der Vorinstanz, als er sich aus Verzweiflung  an  diversen  Körperstellen  schwere  Schnittverletzungen  zugefügt  habe.  So würde er lieber sterben, als zurück nach B._______ zu gehen, wo ihm  erneutes  menschenunwürdiges  Leiden  drohe.  Er  sei  in  seiner  Heimat  seitens  der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  einer  asylrelevanten  Verfolgung ausgesetzt gewesen. 3.3.  Nach  Würdigung  der  Akten  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  zur  fehlenden  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  sowie  zu  den  fehlenden  Voraussetzungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  zutreffen  und  die  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  und  die  eingereichten  Beweismittel an dieser Sichtweise nichts zu ändern vermögen. So hat die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  die  Gründe,  weshalb  aufgrund  der  Aktenlage  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  einesteils  als  realitätsfremd,  substanzarm,  vage  und  somit  als  unglaubhaft  sowie  anderenteils  als  asylirrelevant  zu  erachten  sind,  in  schlüssiger  und  einlässlicher  Weise  aufgezeigt,  weshalb  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  entsprechenden  Ausführungen  im  angefochtenen Entscheid verwiesen werden kann. Der Einwand des Beschwerdeführers, wonach er in Panik geraten sei und  aus Angst um sein Leben alles riskiert habe, weshalb er an der Kreuzung  aus  dem  Jeep  gesprungen  sei,  vermag  die  in  diesem  Zusammenhang  entstandenen  Ungereimtheiten  im  Sachverhaltsvortrag  nicht  zu 

D­633/2009 entkräften.  So  ist  das  angebliche  Verhalten  der  Polizisten,  die  den  Beschwerdeführer  ungefesselt  auf  einem offenen Fahrzeug  transportiert  haben  sollen,  angesichts  der  dargelegten  Vorgehensweise  seiner  Festnahme  (sechs  bis  sieben  bewaffnete  Polizisten  hätten  sein  Wohnhaus umstellt und seien von jeder Seite gekommen (vgl. act. A5/15,  S. 7)  als  derart  unbedarft  zu  qualifizieren,  dass  es  sich  mit  der  geschilderten professionellen Vorgehensweise der gleichen Polizisten bei  der  Festnahme  nicht  in  Übereinstimmung  bringen  lässt,  zumal  dadurch  das  Risiko  eines  Fluchtversuchs  aus  der  Sicht  der  sri­lankischen  Behörden unnötig erhöht worden wäre. In diesem Zusammenhang bleibt  unerklärt, wie der Beschwerdeführer an den direkt neben  ihm sitzenden  Polizisten  vorbeigekommen  sein  soll,  ist  doch  davon  auszugehen,  dass  jedes Verlangsamen und Anhalten des Jeeps für die Sicherheitskräfte mit  Blick  auf  eine  mögliche  Flucht  des  Beschwerdeführers  einen  heiklen  Moment  darstellte  und  sie  daher  in  diesem  Augenblick  speziell  aufmerksam gewesen  sein  dürften.  Seine Behauptung,  er  sei  am Rand  der  hinteren  Klappentür  gesessen  (vgl.  act.  A5/15,  S.  8,  F74  f.),  ist  in  Anbetracht  des  erwähnten  Fluchtrisikos  nicht  glaubhaft.  Alleine  der  Hinweis  auf  die  einsetzende  Dunkelheit  und  die  guten  Ortskenntnisse  vermögen  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern,  ist  doch  davon  auszugehen,  dass  die  in  der  Polizeistation  B._______  stationierten  Polizisten über vergleichbare Ortskenntnisse verfügen. Auch der Hinweis  auf  die  eingereichten  Zeitungsartikel  aus  tamilischen  Zeitungen,  welche  belegten, dass das geschilderte Szenario durchaus realistisch sei, zumal  mehreren  Tamilen  die  Flucht  aus  dem  Gefängnis  von  L._______  gelungen  sei,  bleibt  unbehelflich,  zumal  diese  Zeitungsartikel  –  gemäss  welchen  (Schilderung  des  Inhalts  der  Artikel)  –  keinen  Zusammenhang  mit dem Beschwerdeführer erkennen lassen oder einen Hinweis auf eine  Gefährdung desselben zu geben vermögen. Im Übrigen bleibt  in diesem  Zusammenhang unerklärt, wie die Polizei überhaupt von der angeblichen  Unterstützungstätigkeit  von  G._______  für  die  LTTE  gewusst  und  von  dieser  auf  eine  mögliche  Sympathie  des  Beschwerdeführers  für  diese  Organisation  geschlossen  haben  will.  Zudem  will  die  Polizei  auf  Nachfrage  des  Beschwerdeführers  im  Anschluss  an  das  Verschwinden  von G._______ einerseits  von einer  solchen Person gar  keine Kenntnis  gehabt haben  ("...,  sie wüssten von nichts.";  vgl. act. A5/15, S. 5). Dem  widersprechend führte er im Verlaufe der direkten Anhörung an, "jemand"  müsse der Polizei von seiner Freundschaft zu G._______ erzählt haben  (vgl.  act.  A5/15,  S.  7).  Weiter  erstaunt  es,  dass  die  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  den  Beschwerdeführer,  nachdem  man  ihn  zwei  Tage  vorher  festgenommen,  befragt  und  nach  Intervention  eines  Anwalts 

D­633/2009 wieder  freigelassen  habe  –  was  den  Schluss  zulässt,  dass  sich  ein  allfälliger  Verdacht  im  Zusammenhang  mit  den  LTTE  nicht  erhärtete –  gleich  darauf  wieder  hätten  festnehmen  wollen  und  für  die  Festnahme  dieser Einzelperson gleich ein solch massives Polizeiaufgebot verwendet  haben sollen. Soweit  der  Beschwerdeführer  für  seine  Unfähigkeit,  sich  über  den  genauen  Aufenthaltsort  in  D._______  zu  äussern,  auf  seine  geringe  Schulbildung, eingeschränkte Sprachkenntnisse, den Umstand, dass sie  nur einzeln und in Begleitung eines zum Schlepper gehörenden Mannes  das  Haus  hätten  verlassen  dürfen,  und  auf  seine  Angst,  bei  einem  Kontakt  mit  Einheimischen  die  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  antreten  zu  müssen,  verweist,  sind  diese  Einwände  als  nicht  stichhaltig  zu  qualifizieren.  So  besuchte  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  während  (...)  Jahren  die  Schule  und  (Nennung  berufliche  Tätigkeit) (vgl. act. A5/15, S. 3), weshalb nicht davon gesprochen werden  kann, der Beschwerdeführer sei wegen mangelnder Bildung nicht  in der  Lage gewesen, seinen genauen Aufenthaltsort in D._______ zu erfassen.  Auch  ist  aus  seinen Äusserungen  anlässlich  der Bundesanhörung  nicht  zu folgern, er und die übrigen im Haus befindlichen Flüchtlinge hätten nur  einzeln und in Begleitung eines zum Schlepper gehörenden Mannes das  Haus verlassen können. So brachte er beim BFM vor, dieser Mann habe  hauptsächlich für sie eingekauft (vgl. act. A5/15, S. 10), was den Schluss  zulässt, dass dieser nicht  für sämtliche Einkäufe verantwortlich war. Der  Beschwerdeführer  führt  denn  auch  in  diesem Zusammenhang  an,  dass  sie, wenn sie  irgendwelche Sachen  im Laden hätten einkaufen müssen,  dies aufgeschrieben oder im Geschäft mit der Hand darauf gezeigt hätten  und  anschliessend  wieder  ins  Haus  zurückgekehrt  seien.  Ausserdem  habe man dort aus Angst vor der Polizei nicht viel umhergehen können  (vgl. act. A5/15, S. 10). Diese Ausführungen zeigen jedoch, dass es dem  Beschwerdeführer  nicht  gänzlich  unmöglich  war,  sich  an  seinem  Aufenthaltsort  zu  bewegen  und  in  Kontakt  mit  der  einheimischen  Bevölkerung  zu  treten,  was  es  ihm  ermöglicht  hätte,  gewisse  Anhaltspunkte  zu  den Örtlichkeiten  zu  erhalten. Weiter  ist  der  Einwand  des Beschwerdeführers, seine Unfähigkeit, die essentiellen Daten seines  Fluges  ab  I._______  in  Erfahrung  zu  bringen,  sei  auf  seine  fehlenden  Sprachkenntnisse  zurückzuführen,  angesichts  des  Umstandes,  dass  es  ihm  möglich  war,  die  genaue  Abflugs­  und  Ankunftszeit  sowie  den  genauen  Tag  des  Fluges  ab  I._______  zu  benennen,  als  blosse  Schutzbehauptung zu werten. Gerade aufgrund des Umstandes, dass es  sich  um  den  ersten  Flug  seines  Lebens  gehandelt  habe,  müsste  sich 

D­633/2009 diese  –  wie  er  in  seiner  Beschwerdeschrift  anführt  –  komplett  neue  Erfahrung  besonders  gut  in  sein  Gedächtnis  eingeprägt  haben,  unbesehen des behaupteten Umstandes, dass er es nicht mehr gewohnt  gewesen  sei,  selbstständig  Informationen  aufzunehmen  und  zu  verarbeiten.  Überdies  vermag  alleine  der  Hinweis  auf  die  Umstände  seines  dreimonatigen  Gewahrsams,  welche  sein  Nichtwissen  des  Festhalteortes  erklären  würden,  die  diesbezüglich  einlässlichen  und  zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu entkräften. Soweit  der  Beschwerdeführer  auf  seine  angeschlagene  psychische  Verfassung verweist, die auf das Verhör auf dem Polizeiposten vom (...)  zurückzuführen  sei,  wobei  regelmässig  wiederkehrende  Kopfschmerzen  mitursächlich  für  seine Konzentrationsschwierigkeiten seien und  ihm die  Polizisten  damals  überdies  mit  glühenden  Zigaretten  zahlreiche  Verbrennungen  im  Brustbereich  zugefügt  hättten,  was  er  aufgrund  des  Folteropfern  typischen  Selbstschutz­  und  Verdrängungsmechanismus  bislang  verschwiegen  habe,  ist  Folgendes  festzuhalten:  Das  charakteristische  Merkmal  für  Folteropfer  mit  einer  sogenannten  posttraumatischen Belastungsstörung stellt die ausgeprägte Tendenz dar,  der  bewussten  Auseinandersetzung  mit  traumatischen  Erlebnissen  auszuweichen.  So  ist  es  heute  durch  eine  Vielzahl  von  Studien  und  Erfahrungsberichten  belegt,  dass  Folteropfer  weitgehend  unfähig  sind,  über  das  Erlebte  zu  berichten,  solange  nicht  ein  Klima  des  Vertrauens  hergestellt  ist,  um  das  Vorgefallene  in  so  sensiblen  Bereichen  zu  offenbaren.  So  gehören  zu  den  häufigsten  Traumata  entweder  eine  ernsthafte  Bedrohung  des  eigenen  Lebens  beziehungsweise  der  körperlichen  Integrität  (etwa  Folter),  ernsthafte  Bedrohung  oder  Schädigung der eigenen Kinder, des Ehepartners oder naher Verwandter  sowie  die  plötzliche  Zerstörung  des  eigenen  Zuhauses.  Zu  den  Folgen  gehören auch Gedächtnisschwäche oder Konzentrationsschwierigkeiten.  Jedoch  leiden  nicht  nur  Folteropfer  unter  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung,  sie  kann  bei  allen  Menschen  auftreten,  die  einem  traumatischen  Erlebnis  ausgesetzt  waren.  Die  Annahme  einer  solchen  posttraumatischen Belastungsstörung respektive des Vorliegens eines für  Folteropfer  typischen  Selbstschutz­  und  Verdrängungsmechanismus –  gemäss  dem  eingereichten  ärztlichen  Bericht  (...)  bestehe  beim  Beschwerdeführer  (Nennung  Diagnose)  –  rechtfertigt  sich  jedoch  vorliegend  nicht:  So  schilderte  der  Beschwerdeführer  bereits  im  Empfangszentrum die hier  interessierenden Vorkommnisse  (Festnahme,  Haft, Folter) von sich aus ohne Umschweife und offenbar ohne sichtbare  oder merkbare Gemütsbewegungen. Auch anlässlich der Anhörung durch 

D­633/2009 das  BFM  stellten  offenbar  weder  die  Befragerin  noch  die  anwesende  Hilfswerkvertreterin  merkliche  Verhaltensauffälligkeiten  bei  der  Schilderung  dieser  geltend  gemachten  Ereignisse  fest  oder  sahen  sich  jedenfalls  nicht  veranlasst,  diesbezügliche  Feststellungen  im  Protokoll  oder in einem Protokollanhang anzumerken, was jedoch regelmässig der  Fall  ist  bei  entsprechenden  Auffälligkeiten  von  Befragten.  Da  den  Befragungsprotokollen  keinerlei  Hinweise  auf  Konzentrationsschwierigkeiten  des  Beschwerdeführers  während  der  Befragungen  zu  entnehmen  sind  und  er  am  Schluss  der  direkten  Anhörung auf Nachfrage anführte, er habe alles sagen können, was  für  sein  Asylgesuch  wichtig  erscheine,  und  überdies  die  Korrektheit  und  Wahrheit  seiner  Asylvorbringen  nach  Rückübersetzung  unterschriftlich  bestätigte (vgl. act. A5/15, S. 13  f.),  lassen sich die  festgestellten vagen  und  unsubstanziierten  Schilderungen  nicht  auf  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  respektive  die  oben  angeführte  Diagnose  zurückführen,  weshalb  sich  der  Beschwerdeführer  bei  seinen  als  unglaubhaft  zu erachtenden Aussagen behaften  lassen muss. Aus dem  (...)  Bericht  wird  ersichtlich,  dass  weitere  ärztliche  Konsultationen  vorgesehen  sind.  Aktuelle  ärztliche  Zeugnisse  oder  Berichte  liegen  jedoch  nicht  vor.  Dem  Beschwerdeführer  wäre  es  jedoch  vorliegend  angesichts  seiner Mitwirkungspflicht  gemäss  Art.  8  Abs. 1  Bst.  d  AsylG  möglich  und  zumutbar  gewesen,  weitere  ärztliche  Berichte  nach  deren  Erhalt  umgehend  und  unaufgefordert  dem  Bundesverwaltungsgericht  einzureichen, da  ihm bereits mit Verfügung des  Instruktionsrichters vom  20. März 2009 die Rechtslage hinsichtlich der ihm obliegenden Pflicht zur  Beschaffung von entsprechenden Beweismitteln dargelegt wurde und es  sich bei seiner Rechtsvertretung um eine  im Asylrecht erfahrene Person  respektive  Institution  handelt.  Da  es  der  Beschwerdeführer  unterliess,  zusätzliche  Beweismittel  zu  seinem  psychischen  Gesundheitszustand  einzureichen,  ist  weiterhin  von  der  im  erwähnten  ärztlichen  Bericht  gestellten Diagnose und  jedenfalls nicht von einer Verschlimmerung des  dargelegten  Krankheitsbildes  auszugehen.  Die  vorliegend  festgestellten  psychischen Beeinträchtigungen können angesichts dieser Ausführungen  somit  nicht  ursächlich  auf  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  zurückgeführt  werden,  sondern  beruhen  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  auf  anderen  Ursachen.  Hinsichtlich  der  mit  Bildern  dokumentierten und angeblich durch Polizisten mit glühenden Zigaretten  verursachten  Verbrennungen  im  Brustbereich  ist  aufgrund  dieser  Erwägungen ebenso wenig erstellt,  dass diese Verletzungen  tatsächlich  im  Verlaufe  der  vorgebrachten  Folter  zugefügt  und  vom  Beschwerdeführer  aufgrund  eines  Traumas  anlässlich  der  Anhörungen 

D­633/2009 verschwiegen  wurden.  Zwar  sollen  die  Grössenveränderungen  der  sich  am  Brustkasten  des  Beschwerdeführers  befindlichen  Narben  gemäss  dem  ärztlichen  Zeugnis  vom  (...)  zu  den  Angaben  passen,  dass  diese  Narben durch Zigaretten der Polizeibehörden anlässlich von Folterungen  zugefügt  worden  seien.  Nicht  auszuschliessen  ist  jedoch  auch,  dass  er  sich  aufgrund  der  im  ärztlichen Bericht  (...)  gestützt  auf  seine Angaben  gemachten  Feststellungen,  wonach  er  Aggressionen  gegen  sich  selber  habe  und  sich  in  diesem  Zusammenhang  selber  verletze,  sowie  des  Umstandes,  dass  er  sich  als  Reaktion  im  Anschluss  an  den  negativen  Asylentscheid der Vorinstanz aus Verzweiflung an diversen Körperstellen  schwere  Schnittverletzungen  zugefügt  habe,  die  in  Frage  stehenden  Verletzungen (Verbrennungen) selber zugefügt hat. Im  Übrigen  ist  hinsichtlich  des  Vorbringens,  wonach  der  Beschwerdeführer  am  (...)  festgenommen,  verhört  und  auf  dem  Polizeiposten  misshandelt  worden  sei,  bis  der  von  seiner  Mutter  beauftragte  Anwalt  gleichentags  seine  Freilassung  erwirkt  habe,  anzuführen, dass dieser Vorfall vor dem Hintergrund der Bekämpfung des  Terrorismus  der  LTTE  durch  die  sri­lankische  Armee  zu  sehen  ist.  Diesbezüglich  gilt  es  ausdrücklich  festzuhalten,  dass  die  Kontrollmassnahmen der sri­lankischen Sicherheitskräfte nicht gegen die  Tamilen  im allgemeinen gerichtet sind, sondern konkret der Suche nach  LTTE­Mitgliedern  dienen.  In  diesem  Zusammenhang  bleibt  es  ferner  asylrechtlich irrelevant, ob seitens der sri­lankischen Sicherheitskräfte ein  begründeter Verdacht einer LTTE­Mitgliedschaft beim Beschwerdeführer  bestanden  haben  könnte  oder  nicht,  zumal  dadurch  die  Legitimität  der  Terrorismusbekämpfung  nicht  in  Frage  gestellt  wird.  Der  Beschwerdeführer weist ferner darauf hin, dass die ihm durch die Polizei  zugefügten  Nachteile  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirkt  hätten. Die von ihm geschilderten Ereignisse – sofern diese als glaubhaft  erachtet  werden  können  –  waren  nicht  von  derart  einschneidender  Intensität,  als  dass  sie  als  ernsthafte  Nachteile  –  Art.  3  AsylG  nennt  namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit oder Erzeugen  eines unerträglichen psychischen Drucks – bezeichnet werden könnten.  Letzterer  lässt sich vorliegend auch deshalb nicht bejahen, weil mit dem  Begriff  des  unerträglichen  psychischen  Drucks  nicht  ein  Auffangtatbestand geschaffen werden sollte, um auch weniger  intensive  Eingriffe  in  Leib,  Leben  oder  Freiheit  flüchtlingsrechtlich  anzuerkennen.  Vielmehr soll diese Formulierung erlauben, auch staatliche Massnahmen  zu erfassen, die sich nicht unmittelbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben  oder Freiheit  richten,  sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges 

D­633/2009 Leben  verunmöglichen  (vgl.  Botschaft,  BBl  1983  III  783).  Die  Anforderungen  an  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck erzeugen, sind grundsätzlich hoch. 3.4. Zusammenfassend  ist  festzustellen, dass der Beschwerdeführer die  Flüchtlingseigenschaft  mangels  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  beziehungsweise  fehlender  Asylrelevanz  nicht  erfüllt.  Unter  diesen  Umständen hat  die Vorinstanz  sein Asylgesuch  zu Recht  abgelehnt. Es  erübrigt sich deshalb, auf die weiteren Vorbringen – so insbesondere auf  die behauptete Suche nach dem Beschwerdeführer nach Verlassen des  Heimatlandes  –  und  die  anderen  als  Beweismittel  eingereichten  Dokumente  im  Einzelnen  einzugehen,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern vermögen. 4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde daher zu Recht angeordnet (vgl. BVGE  2009/50  E.9.2  S.  733  sowie  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21). 5.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 5.1.  5.1.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

D­633/2009 So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses  flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, die die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art.  3 AsylG  respektive Art.  1A FK  erfüllen. Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) darf niemand  in einen Staat ausgeschafft werden,  in  dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender  Strafe oder Behandlung droht. 5.1.2. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots  vorliegend  nicht  zur  Anwendung  gelangen.  Der  Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka  ist demnach unter dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig.  Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im  Falle  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Es  besteht  kein  konkreter Anlass  zur Annahme, dem Beschwerdeführer würde bei einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung 

D­633/2009 drohen. Auch die Hinweise auf die allgemeine Menschenrechtssituation in  Sri  Lanka  vermögen  diesbezüglich  zu  keiner  anderen  Beurteilung  des  Sachverhaltes zu führen. 5.1.3.  Was  die  im  ärztlichen  Bericht  (...)  diagnostizierte  (Nennung  Diagnose) betrifft, so kann gemäss der Praxis des EGMR der Vollzug der  Wegweisung  eines  abgewiesenen  Asylsuchenden  mit  gesundheitlichen  Problemen  im  Einzelfall  einen  Verstoss  gegen  Art.  3  EMRK  darstellen;  hierfür  sind  jedoch  ganz  aussergewöhnliche  Umstände  Voraussetzung  (vgl. EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1. S. 211 f., mit einer Zusammenfassung  der  Rechtsprechung  des  EGMR).  Vorliegend  können  solche  ganz  aussergewöhnlichen  Umstände  („very  exceptional  circumstances“),  wie  sie  der  EGMR  in  seinem  Urteil  vom  2.  Mai  1997  i.S.  D.  gegen  Grossbritannien  feststellte,  wo  neben  einer  kurzen  Lebenserwartung  aufseiten  des  an  AIDS  erkrankten  Auszuweisenden  erschwerend  die  Gefahr eines Todes unter extremen physischen und psychischen Leiden  hinzukam, hinlänglich ausgeschlossen werden (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1  S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3). 5.1.4. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.2.   5.2.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind,  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83  Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  BVGE  2009/51 E.  5.5  S.  748,  BVGE  2009/41 E.  7.1  S.  576  f.;  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002, BBl 2002 3818).  5.2.2. Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im Urteil  BVGE  2008/2  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach Sri  Lanka  eine  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  damals  festgelegten  Praxis  war  bei  abgewiesenen  Asylsuchenden  tamilischer  Ethnie,  die  aus  dem  Grossraum  Colombo  oder  dessen  Umgebung  stammen,  grundsätzlich  von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Gebiete  auszugehen  (vgl.  BVGE  2008/2  E.  7.6.1  S.  20).  In  die  Nord­  und 

D­633/2009 Ostprovinzen  war  der  Wegweisungsvollzug  hingegen  unzumutbar  (vgl.  BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21).  5.2.3.  Im  zur  Publikation  bestimmten  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  angesichts  der  veränderten Lage nach dem Ende des sri­lankischen Bürgerkriegs im Mai  2009 eine erneute Beurteilung vorgenommen. In Bezug auf die Frage der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  ist  es  dabei  zur  Einschätzung  gelangt, dass der Wegweisungsvollzug in das sogenannte "Vanni­Gebiet"  weiterhin  unzumutbar  ist.  Für  Personen,  die  aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  stammen,  ist  der  Wegweisungsvollzug  hingegen  grundsätzlich zumutbar  (vgl. Urteil BVGE E­6220/2006 vom 27. Oktober  2011 E. 13.2.2.3. und 13.3.). 5.2.4. Der Beschwerdeführer stammt aus der in der C._______ liegenden  Stadt  B._______,  wohin  der  Wegweisungsvollzug  gemäss  den  Ausführungen  in E.  5.2.3.  grundsätzlich  zumutbar  ist. Er  ist  noch  relativ  jung,  alleinstehend  und  verfügt  über  eine  (...)  Schulbildung  sowie  über  mehrjährige Berufserfahrung als  (...)  (vgl. act. A1/8; 2  f.; A5/15, S. 3  f.);  somit  besitzt  er  gute  Voraussetzungen,  um  im  Heimatland  wieder  beruflich Fuss zu fassen. Des Weiteren hat er mit seinen nach wie vor in  B._______ wohnhaften nächsten Angehörigen ein enges Beziehungsnetz  im  Heimatstaat,  die  ihm  bei  der  Reintegration  eine  grosse  Hilfe  sein  werden. Das  in der Rechtsmitteleingabe enthaltene Vorbringen, wonach  die Polizei immer wieder bei der Wohnung der Familie auftauche und die  Angehörigen nach ihm befrage, ist in Ermangelung irgendwelcher Belege  und  angesichts  der  Erwägungen  im  Asylpunkt  als  blosse  Parteibehauptung zu qualifizieren. 5.2.5. Hinsichtlich  der  angeführten  und  im  oben  in  E.  5.1.3.  erwähnten  ärztlichen  Bericht  belegten  Beeinträchtigung  des  psychischen  Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  ist  Folgendes  zu  erwägen:  Gründe  ausschliesslich  medizinischer  Natur  lassen  den  Wegweisungsvollzug  im  Allgemeinen  nicht  als  unzumutbar  erscheinen,  es  sei  denn,  die  erforderliche  Behandlung  sei  wesentlich  und  im  Heimatland  nicht  erhältlich.  Entsprechen  ferner  die  Behandlungsmöglichkeiten  im  Herkunftsland  nicht  dem  medizinischen  Standard  in  der  Schweiz,  so  bewirkt  dies  allein  noch  nicht  die  Unzumutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen Unzumutbarkeit  ist erst  dann  auszugehen,  wenn  die  ungenügende  Möglichkeit  der  Weiterbehandlung  eine  drastische  und  lebensbedrohende 

D­633/2009 Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. BVGE  2009/2  E. 9.3.2  S.  21).  Vorliegend  sind  unter  diesen  Rahmenbedingungen  den  Akten  keine  stichhaltigen  Anhaltspunkte  für  das Vorliegen einer medizinischen Notlage im Heimatstaat  im Sinne von  Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  entnehmen,  zumal  im  erwähnten  ärztlichen  Zeugnis  der  Auslöser  für  das  autoaggressive  Verhalten  als  unklar  erachtet,  jedoch  ein  negativer  Asylentscheid  als  im  Raum  stehend  bezeichnet  wird.  Der  Beschwerdeführer  kann  im  Bedarfsfall  in  seinem  Heimatland  auf  die  dort  bestehenden  und  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  als  ausreichend  zu  bezeichnenden  medizinischen  Behandlungsinstitutionen  zurückgreifen.  Somit  würden  auch seine gesundheitlichen Probleme im Falle der freiwilligen Rückkehr  in  die  Heimat  beziehungsweise  eines  zwangsweisen  Vollzugs  der  Wegweisung  keine  drastische  und  lebensbedrohende  Verschlechterung  seines Gesundheitszustandes nach sich ziehen. 5.2.6. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  vertretenen  Auffassung  –  in  genereller  und individueller Hinsicht als zumutbar bezeichnet werden. 5.3. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, bei der Beschaffung  allenfalls  benötigter Reisepapiere mitzuwirken  (Art.  8 Abs.  4 AsylG;  vgl.  dazu  auch  BVGE  2008/34  E.  12  S.  513  f.),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).  5.4. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug  zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  wird  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint  (Art.  65  Abs.  1  VwVG).  Mit  Zwischenverfügung  vom  20.  März  2009  wurde  die  Behandlung  der 

D­633/2009 Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. 7.1. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 7.2.  Hinsichtlich  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG  ist  festzustellen,  dass  von  der  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist.  Auch  können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet  werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung  ist  somit  gutzuheissen  und  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten  zu  verzichten.

D­633/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-633/2009 — Bundesverwaltungsgericht 17.02.2012 D-633/2009 — Swissrulings