Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 27.09.2011 D-63/2010

27. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,209 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Dezember 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­63/2010 Urteil   v om   2 7 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A.______, B.______, C.______, D.______, E.______  F.______,  Sudan, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Dezember 2009 / (…).

D­63/2010 Sachverhalt: I. A.  Die Beschwerdeführenden suchten erstmals am (…)  in der Schweiz um  Asyl  nach. Mit  Verfügung  vom  (…)  lehnte  das  BFM  diese  Asylgesuche  ab.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht am (…) abgewiesen. B.  Am  (…)  reichten  die  Beschwerdeführenden  beim  BFM  ein  Wiedererwägungsgesuch  betreffend  den  Wegweisungsvollzug  ein,  welches  am  (…)  abgelehnt  wurde.  In  der  dagegen  am  (…)  erhobenen  Beschwerde  beantragten  die  Beschwerdeführenden  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  Rückweisung  der  Sache  zur  Neubeurteilung  im  Rahmen  eines  zweiten  Asylverfahrens  an  die  Vorinstanz,  eventualiter  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  infolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  sowie  subeventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme.  Mit  Zwischenverfügung  vom  (…)  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführenden  mit,  dass  mit  dem  Antrag  auf  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  infolge  subjektiver  Nachfluchtgründe,  welcher  zuständigkeitshalber  als  neues  Asylgesuch  beim  BFM  zu  stellen  wäre,  der  Streitgegenstand  in  unzulässiger  Weise  über  den  in  der  angefochtenen  Verfügung  geregelten  Anfechtungsgegenstand  hinaus  erweitert werde, weshalb darauf nicht einzutreten wäre, und setzte Frist  zur  Mitteilung  betreffend  Festhalten  an  beziehungsweise  Rückzug  der  Beschwerde.  Mit  Schreiben  vom  (…)  verzichteten  die  Beschwerdeführenden  auf  den  erwähnten  Antrag,  woraufhin  das  Beschwerdeverfahren  vom  Bundesverwaltungsgericht  am  (…)  infolge  Gegenstandslosigkeit abgeschrieben wurde. II. C.  Mit  Eingabe  vom  15. Oktober  2009  an  das  BFM  suchten  die  Beschwerdeführenden  unter  Bezugnahme  auf  ihre  Eingaben  an  das  Bundesverwaltungsgericht  erneut  um  Asyl  nach.  Mit  Schreiben  vom  27. Oktober  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  (Ehemann  beziehungsweise  Vater)  vom  BFM  unter  Fristansetzung  aufgefordert, 

D­63/2010 seine exilpolitischen Tätigkeiten in der Schweiz chronologisch aufzulisten  und die entsprechenden Beweismittel einzureichen. Seine Stellungnahme  datiert  vom 6. November  2009. Zudem wurde er  am 1. Dezember  2009  durch das BFM in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  i.V.m.  Art. 41 Abs. 1 AsylG  angehört.  Daraus ergeben sich im Wesentlichen folgende Vorbringen: Der Beschwerdeführer sei sudanesischer Staatsangehöriger, gehöre der  ethnischen Gruppe Fur an, stamme aus der Umgebung von G._______  (Süddarfur)  und   habe  an  den  Universitäten  von  Khartoum  und  Omdurman studiert. Da er sich für die Anliegen seiner ethnischen Gruppe  eingesetzt habe, sei er  im (…)  festgenommen und für  (…) Jahre  in Haft  genommen worden.  In der Schweiz unterhalte  er  enge Beziehungen zu  regimekritischen  Kreisen  sudanesischer  Staatsangehöriger,  habe  an  zahlreichen  Kundgebungen  gegen  die  Regierung  Al  Bashirs  teilgenommen  und  sei  Mitglied  des  Exekutivkomitees  des  Sudan  Liberation Movement/Unity (SLM/U) Schweiz geworden. Am (…) habe er  an (…) teilgenommen. Dazu reichte er (…) zu den Akten. Am (…) habe er  sich an (…) beteiligt, wobei es sich auch um (…) gehandelt habe. Am (…)  habe  ein  von  ihm  zusammen  mit  H._______,  (…),  organisiertes  (…)  stattgefunden. Dazu reichte er (…) ein. Am (…) habe er anlässlich (…) an  (…) teilgenommen, (…). Bezüglich seiner SLM/U­Mitgliedschaft reichte er  zwei Bestätigungsschreiben von H._______ und einen Mitgliederausweis  zu den Akten, wobei es sich nicht um Gefälligkeitsschreiben handle, da  die  Aufnahme,  der  politische  Werdegang  sowie  die  Biografie  der  Mitglieder des SLM/U Schweiz vor einer Aufnahme in diese Organisation  genau  überprüft  würden.  Gesamthaft  betrachtet  handle  es  sich  beim  Beschwerdeführer aufgrund seiner Mitgliedschaft im Exekutivkomitee des  SLM/U Schweiz und der erwähnten Tätigkeiten um einen hochprofilierten  Darfur­Exilpolitiker. D.  Mit  Verfügung  vom  4. Dezember  2009  stellte  das  Bundesamt  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte die Asylgesuche unter Kostenfolge ab. Gleichzeitig verfügte es die  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den Vollzug an.  Zur Begründung  führte  die Vorinstanz  im Wesentlichen  aus, die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers seien sowohl vom BFM  als  auch  vom  Bundesverwaltungsgericht  in  ihren  Entscheiden  vom  (…) 

D­63/2010 und  (…)  unabhängig  voneinander  als  unglaubhaft  eingeschätzt worden.  Demnach  hätten  die  Beschwerdeführenden  vor  ihrer  Ausreise  aus  dem  Sudan  als  unbescholtene  Bürger  gegolten.  Sodann  stünde  die  vom  Beschwerdeführer  im  zweiten Asylverfahren  geltend  gemachte Herkunft  aus  Darfur  und  ethnische  Zugehörigkeit  nicht  fest.  Zum  einen  habe  er  diesbezüglich  keine  Beweismittel  eingereicht,  zum  andern  sei  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  verschiedener  Unstimmigkeiten  in  den  Vorbringen  in  seinem Urteil  vom  (…)  zum  selben  Schluss  gelangt.  Unter  diesen  Umständen  sei  der  Einwand,  wonach  H.______  die  Herkunft des Beschwerdeführers aus Darfur bestätigen könne, als blosse  Parteibehauptung  zu  werten.  Damit  entspreche  auch  der  geltend  gemachte letzte Aufenthaltsort im Sudan, in der Krisenregion Darfur, nicht  der  Wahrheit.  Sodann  habe  der  Beschwerdeführer  unterschiedliche  Angaben  über  die  Anzahl,  den  Zeitpunkt  und  den  Inhalt  seiner  exilpolitischen  Tätigkeiten  gemacht.  Ähnliches  gelte  in  Bezug  auf  die  Umstände  und  den  Zeitpunkt  der Mitgliedschaft  beim  SLM/U  sowie  die  Tätigkeit  als  Exekutivmitglied.  Er  erwecke  den  Eindruck  eines  blossen  Mitläufers  des  SLM/U,  was  er  zuweilen  explizit  eingestanden  habe.  Bereits  aus  diesen  Gründen  sei  ihm  eine  hochprofilierte  exilpolitische  Tätigkeit  abzusprechen.  Der  Beweiswert  des  eingereichten  SLM/U­ Mitgliederausweises sei gering. Daraus und aus den weiteren Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  vermöchte  dieser  keine  spezielle  Gefährdung  abzuleiten,  welche  zur  Annahme  subjektiver  Nachfluchtgründe  führen  würde.  Die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  seien  unterschwellig,  lokal  begrenzt,  und  keinem  breiten  internationalen  Publikum  bekannt  geworden.  Zudem  weise  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner Vorgeschichte  und Biografie  kein  spezielles Risikoprofil  auf.  Demnach  sei  eine  begründete  Furcht  vor  künftiger  asylrelevanter  Verfolgung  zu  verneinen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Namentlich  sei  es  den  Beschwerdeführenden  zuzumuten,  nach  Khartoum  zurückzukehren,  wo  sich  der  Beschwerdeführer bereits zuvor aufgehalten habe. E.  Mit  Eingabe  vom  6. Januar  2010  (Datum  des  Poststempels)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragten  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren Rechtsvertreter unter Kosten­ und Entschädigungsfolge, es sei die  angefochtene  Verfügung  vollumfänglich  aufzuheben,  festzustellen,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllten,  und  ihnen  Asyl  zu  gewähren;  eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs der  Wegweisung  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In 

D­63/2010 prozessualer  Hinsicht  wurde  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  und  der Verzicht  auf  die Erhebung  eines Kostenvorschusses  beantragt.  Gleichzeitig wurden eine Wohnsitz­ und Aufenthaltsbestätigung sowie ein  Heimatschein als Faxkopie zu den Akten gereicht. Darauf sowie auf die  weiteren  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  eingereichten  Eingaben  und  Beweismittel  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. F.  Mit  Zwischenverfügung  vom  11. Januar  2010  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführenden mit,  dass  sie  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könnten,  lehnte  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und setzte ihnen  je  eine  Frist  zur  Bezahlung  eines  solchen  und  zur  Einreichung  der  in  Aussicht  gestellten  Beweismittel.  Der  Kostenvorschuss  wurde  am  23. Januar 2010 geleistet. G.  Mit Schreiben vom 15. Februar 2010 reichten die Beschwerdeführenden  die  Wohnsitz­  und  Aufenthaltsbestätigung  sowie  die  Heimaturkunde  im  Original samt Übersetzungen ein. H.  Mit  Vernehmlassung  vom  12. März  2010  schloss  das  Bundesamt  auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunkts  rechtfertigten.  So  könnten  einzig  Reisepässe,  Identitätskarten  oder  Nationalitätenausweise  den  zweifelsfreien  Nachweis  einer  Herkunft  aus  Darfur  erbringen.  Solche  Dokumente  hätten  die  Beschwerdeführenden  nicht  eingereicht,  obwohl  sie  sich  bereits  seit  (…)  in  der  Schweiz  befänden.  Sodann  könnten  im  Sudan  praktisch  jegliche  Art  von  Dokumenten  käuflich  erworben  werden.  Dazu  gehöre  auch  die  eingereichte  "Heimaturkunde  und  Aufenthaltsbestätigung",  weshalb  der  Beweiswert dieses Dokuments äusserst gering sei. Zudem ergäben sich  Ungereimtheiten  zwischen  dem  Inhalt  dieser  Dokumente  und  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers,  womit  dessen  behaupteten  unterbruchlosen  Aufenthalt  in  Darfur  von  Geburt  bis  zur  Ausreise 

D­63/2010 vollständig  die  Grundlage  entzogen  sei.  Auch  sprächen  die  Beschwerdeführenden  (Eltern)  kein  Fur,  was  mit  dem  behaupteten  langjährigen Aufenthalt  in Darfur ebenfalls nicht  vereinbar  sei,  zumal es  sich um eine der wichtigsten dortigen Verkehrs­ und Umgangssprachen  handle. Schliesslich  vermöchte auch die  vom Beschwerdeführer als Fur  geltend  gemachte  Zugehörigkeit  zum  Stamm  der  "Zagehewa­Nouba"  nicht  zu  überzeugen,  zumal  Nuba,  Fur  und  Zaghewa  drei  unterschiedliche  Stämme,  Ethnien  und  Sprachen  im  Sudan  darstellten,  die keine Gemeinsamkeiten miteinander aufwiesen. I.  In  ihrer  Replik  vom  26. März  2010  nahmen  die  Beschwerdeführenden  Stellung zur Vernehmlassung des Bundesamtes. J.  Mit Schreiben vom 3. Juni  2010  reichten die Beschwerdeführenden  (…)  zu den Akten. K.  Am (…) wurde in I._______ F.______ der Beschwerdeführenden (Eltern)  geboren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).

D­63/2010 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht;  die  Beschwerdeführenden – mit Ausnahme des Kindes Duha, welches in das  Beschwerdeverfahren  einzubeziehen  ist  –  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist einzutreten. 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt, wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land, wo  sie  zuletzt  wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.3.  Für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  nicht  nur  der  Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat, sondern auch die Situation  zum Zeitpunkt des Asylentscheids massgebend (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4  S. 38;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 18).  Wer  sich  darauf  beruft, 

D­63/2010 dass durch sein Verhalten nach der Ausreise eine Gefährdungssituation  geschafft  worden  sei,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend.  Sind  diese  nachgewiesen  oder  zumindest  glaubhaft  gemacht,  begründen  sie  zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch  gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob  sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (vgl. BVGE  2009/28 E. 7.1 S. 352). 4.  4.1.  Die  Beschwerdeführenden  halten  an  der  von  ihnen  geltend  gemachten Herkunft  aus Darfur  fest.  In  diesem Zusammenhang wird  in  der Beschwerde ausgeführt, es sei dem Beschwerdeführer gelungen, aus  J._______  in  Süddarfur  eine  Wohnsitzbestätigung  und  einen  Heimatschein  erhältlich  zu  machen.  Die  beiden  Originaldokumente  würden  sich auf  dem Weg  in die Schweiz befinden. Damit  könnte auch  die Wahrheit  ihrer  diesbezüglichen  Vorbringen  dargetan werden.  In  der  Folge  reichten  sie  am  18. Februar  2010  eine  Wohnsitz­  und  Aufenthaltsbestätigung  im  Original  ein,  welche  den  Verwandten  des  Beschwerdeführers vor Ort ausgestellt worden sei. Da sich dieser bei den  Heimatbehörden nie abgemeldet habe, sei er nach wie vor als Bürger der  Einheitsverwaltung  J._______,  (…),  eingetragen.  Zusammen  mit  den  übrigen  Beweisen  sei  nunmehr  nachgewiesen,  dass  die  Beschwerdeführenden aus Darfur stammten und der dortigen Ethnie der  Fur angehörten. 4.2.  Diese  Ausführungen  und  Dokumente  vermögen  die  von  den  Beschwerdeführenden geltend gemachte Ethnie und Herkunft aus Darfur  nicht  glaubhaft  darzutun.  Dazu  ist  vorweg  auf  die  Ausführungen  in  der  Vernehmlassung des BFM (vgl. Sachverhalt Bst. H) zu verweisen, welche  sich  nach  einer  Überprüfung  der  Akten  als  zutreffend  erweisen.  Daran  vermögen  auch  die  Einwendungen  in  der  Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden vom 26. März 2010 nichts zu ändern. So sind  für  die  Einschätzung  des  Beweiswerts  der  eingereichten  Dokumente  auch  die diesbezüglichen Aussagen der Beschwerdeführenden heranzuziehen.  Selbst  unter  der  Annahme  eines  nicht  unterbruchslosen,  jedoch  langjährigen Aufenthalts  der  Beschwerdeführenden  in Darfur  sind  diese  nicht in der Lage, plausible Gründe dafür anzugeben, weshalb sie einzig  (…)  und  keine  der  in  ihrer  angeblichen  Herkunftsregion  heimischen  Sprache  sprechen.  Weiter  wendet  der  Beschwerdeführer  insbesondere  ein, er sei über seine Verwandten, welchen die im Beschwerdeverfahren  eingereichten Originaldokumente vor Ort ausgestellt worden seien, in den 

D­63/2010 Besitz dieser Beweismittel gekommen. Der Umstand, dass diesbezüglich  kein  Zustellcouvert  eingereicht  wurde,  verstärkt  jedoch  die  Zweifel  an  deren  Beweiskraft.  Dasselbe  gilt  für  das  am  (…)  in  K._______  ausgestellte  (…),  welches  sowohl  die  geltend  gemachte  Herkunft  des  Beschwerdeführers  als  auch  dessen  Vorfluchtgründe  bestätigt.  Von  diesem Dokument  ist  nichts  darüber  bekannt,  wie  es  in  den  Besitz  der  Beschwerdeführenden gelangt  ist. Unter  den gegebenen Umständen  ist  es als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren. 4.3.  Nach  dem  Gesagten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  in  Würdigung  aller Umstände  in Übereinstimmung mit  der  Vorinstanz  zum  Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelungen  ist,  die von  ihnen  behauptete  ethnische  Zugehörigkeit  und  ihre Herkunft  aus Darfur  sowie  ihren  letzten Aufenthaltsort  in der dortigen Krisenregion glaubhaft  dazutun.  Unter  diesen  Umständen  ist  den  darauf  aufbauenden  Verfolgungsvorbringen  die  Grundlage  entzogen.  Mithin  ist  eine  asylrelevante  Verfolgung  der  Beschwerdeführenden  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise aus dem Heimatstaat zu verneinen. 5.  5.1. Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden  durch die Ausreise  aus dem Heimatstaat – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – bei  einer Rückkehr befürchten müssten, ernsthaften Nachteilen im Sinne von  Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. 5.2.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales  Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  Ausland  oder  eine  aus  der  Sicht  der  heimatstaatlichen  Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  diese  Komponenten  die  Gefahr  einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer sich aufgrund  der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen konfrontiert sieht, die bezüglich  ihrer  Intensität  und  der  politischen  Motivation  des  Staates  ernsthafte  Nachteile  gemäss  Art. 3  AsylG  darstellen.  Die  vom  Gesetzgeber  bezweckte  Bestimmung  subjektiver  Nachfluchtgründe  als  Asylausschlussgrund  verbietet  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen vor der Ausreise, die für sich allein nicht zur Anerkennung  der Flüchtlingseigenschaft ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352).  Stattdessen  werden  Personen,  die  subjektive  Nachfluchtgründe  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  können,  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen (vgl. EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a).

D­63/2010 5.3.  Eine  Überprüfung  der  Akten  ergibt,  dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  auch  in  Bezug  auf  die  Verneinung  subjektiver  Nachfluchtgründe als zutreffend erweisen (vgl. Sachverhalt Bst. D). Zwar  wird  in  der  Beschwerde  erneut  darauf  hingewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer  Gründungs­  und  Exekutivmitglied  des  SLM/U  in  der  Schweiz sei und dabei auch als Verantwortlicher für die Region I._______  die  Mitglieder  und  Sympathisanten  über  anstehende  Demonstrationen  und Aktionen informiere; zudem fungiere er dank seiner (…) Bildung und  seines  umfassenden  Allgemeinwissens  als  Berater  des  (…),  H.______.  So habe er anlässlich der Anhörung vom 1. Dezember 2009 explizit unter  anderem  darauf  hingewiesen,  dass  der  Bürochef  manchmal  von  ihm  verlange,  über  ein  Thema  zu  schreiben;  dann  verfasse  er  einen  entsprechenden  Artikel  und  gebe  ihn  ab.  Daraufhin  würde  dieser  unter  dem Namen des Büros,  nicht unter demjenigen des Beschwerdeführers  publiziert. 5.4.  Bei  diesen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  handelt  es  sich  im  Wesentlichen um eine zusammenfassende Wiederholung der Aussagen  des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung vom 1. Dezember 2009.  Indes  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Durchsicht  des  entsprechenden  Protokolls  und  in  Würdigung  der  diesbezüglichen  Beweismittel  in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass  der  Beschwerdeführer  nicht  das  Bild  eines  engagierten  hochprofilierten  Exilpolitikers  für  Darfur  zu  vermitteln  vermag,  welcher  seitens  der  sudanesischen  Regierung  als  ernsthafte  Bedrohung  identifiziert  oder  wahrgenommen wird. Dies zeigt sich unter anderem auch daran, dass die  angeblich von ihm verfassten Artikel nicht unter seinem Namen publiziert  werden.  Vor  diesem Hintergrund  besteht  kein  hinreichender  Anlass  zur  Annahme,  dass  der  Beschwerdeführer  wegen  seiner  exilpolitischen  Aktivitäten  bei  einer  Rückkehr  in  den Sudan mit  ernsthaften Nachteilen  von  Seiten  des  sudanesischen  Regimes  zu  rechnen  hätte.  Bei  dieser  Sachlage  ist  die  geltend  gemachte  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  als  unbegründet  zu  würdigen,  weshalb  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG zu verneinen ist. 6.  In  Würdigung  der  gesamten  Umstände  und  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  ist  zusammenfassend  festzustellen,  dass  diese  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  können  und  damit  die  Voraussetzungen  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren 

D­63/2010 Ausführungen  in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel  im  Einzelnen einzugehen, da diese an der vorgenommenen Würdigung des  Sachverhalts nicht zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat demnach die  (zweiten) Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu Recht abgelehnt. 7.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit  weiteren Hinweisen). 8.  8.1.  Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 8.2.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 8.2.1. So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder  in dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 

D­63/2010 Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 8.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend  darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  den  Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführenden  in  ihren  Heimatstaat  ist  demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  ihren  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­127, mit weiteren Hinweisen). Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  ihrem  Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig  erscheinen. 8.2.4. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  Wird  eine  konkrete Gefährdung  festgestellt,  ist  ­  unter  Vorbehalt  von  Art.  83  Abs. 7  AuG  ­  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

D­63/2010 8.3.1. Den Beschwerdeführenden  ist  es  nicht  gelungen,  ihre Herkunft  aus  der  Region  Darfur  glaubhaft  darzutun.  Den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  zufolge  besteht  im Sudan  ausserhalb  der  erwähnten Region keine Situation allgemeiner Gewalt. Es sind deshalb  derzeit  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich,  dass  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückführung  in  den  Sudan  einer  konkreten  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  ausgesetzt  wären.  Dementsprechend  ist  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  generell zumutbar zu qualifizieren. 8.3.2.  Ferner  sind  auch  keine  individuellen,  in  der  Person  der  Beschwerdeführenden  gelegenen  Gründe  ersichtlich,  die  den  Wegweisungsvollzug  als  unzumutbar  erscheinen  lassen  würden. Wie  bereits  im  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  (…)  ausgeführt  wurde,  hat  der  Beschwerdeführer  seine  Studien  in  der  Region  Khartoum  absolviert,  wo  auch  sein  Geburtsschein  ausgestellt  wurde,  so dass darauf zu schliessen  ist, dass er aus dieser Gegend stammt;  auch  die  Beschwerdeführerin  hat  sich  bereits  in  dieser  Stadt  aufgehalten. Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet,  an  dieser  Einschätzung  etwas  zu  ändern.  Aufgrund  dieser Umstände  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführenden  dort  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügen.  Der  Beschwerdeführer  besitzt  einen  (…)  Abschluss  und  war  in  seinem  Heimatstaat  als  (…)  erwerbstätig.  Nebst  seiner  (…)  Muttersprache  verfügt  er  auch  über  gute  (…).  Demnach  liegen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  vor,  dass  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatsstaat aus  individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würden. Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ist  im Rahmen der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zudem  das  Kindeswohl  mitzuberücksichtigen  (vgl.  EMARK  1998  Nr. 13  E. 5e.bb;  Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes  [KRK,  SR 0.107]).  Zwei  der  minderjährigen  Kinder  der  Beschwerdeführenden  sind  nicht  unbegleitet  in  die  Schweiz  gelangt,  sondern  zusammen  mit  ihren  Eltern  eingereist,  während  die  beiden  jüngsten – nunmehr (…) beziehungsweise (…) Jahre alt gewordenen –  Kinder  hier  geboren  sind.  Obwohl  die  beiden  älteren  Kinder  mittlerweile  (…)  beziehungsweise  (…)  Jahre  alt  sind,  ist  davon  auszugehen,  dass  sie  sich  bei  einer  gemeinsamen Rückkehr mit  den  Eltern  zusammen mit  den  beiden  jüngeren Geschwistern  im Schosse  der  Familie  im  Heimatstaat  werden  (re)integrieren  können,  zumal 

D­63/2010 aufgrund  der  Aktenlage  (vgl.  hierzu  auch  nachstehend  E.  8.4.  am  Schluss  sowie  E.  7.3.  und  insbesondere  7.4.  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts vom (…) nicht auf eine aussergewöhnliche  Verwurzelung  sowohl  der  Kinder  als  auch  der  Eltern  in  der  Schweiz  geschlossen werden kann. 8.3.3. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung in  Würdigung der gesamten Umstände auch als zumutbar. 8.4.  Die  bisherigen  Bestimmungen  betreffend  vorläufige  Aufnahme  infolge  einer  schwerwiegenden  persönlichen  Notlage  (Art.  14a  Abs.  4bis  ANAG  [BS  1121]  i.V.m.  Art.  44  Abs.  3­5  AsylG) wurden mit  der  Änderung  des  Asylgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  aufgehoben.  Gleichzeitig mit der Aufhebung der Bestimmungen über die vorläufige  Aufnahme  im  Falle  einer  schwerwiegenden  persönlichen Notlage  trat  auf den 1. Januar 2007 eine neue Härtefallregelung  in Kraft. Gemäss  Art.  14  Abs.  2  AsylG  haben  neu  die  Kantone  die  Möglichkeit,  bei  "Vorliegen  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles"  unter  bestimmten weiteren Voraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung zu  erteilen.  In  casu  halten  sich  die  Beschwerdeführenden  –  mit  Ausnahme des letztgeborenen Kindes – zwar bereits seit mehr als fünf  Jahren  in der Schweiz auf, womit die zeitlichen Anforderungen für die  Anwendung von Art. 14 Abs. 2 AsylG an sich gegeben wären. Indes ist  gemäss der Aktenlage seitens des Kantons bisher kein Verfahren um  Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung eingeleitet  worden  beziehungsweise  müssten  die  Beschwerdeführenden  diesbezüglich selbst bei der zuständigen Behörde vorstellig werden. 8.5.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  ihres  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE  2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als  möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6.  Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 

D­63/2010 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  auf  Fr.  600.–  festzusetzen (vgl. Art. 1 ­ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Sie  sind mit  dem  am  23. Januar  2010  in  gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­63/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Die  Verfahrenskosten  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand:

D-63/2010 — Bundesverwaltungsgericht 27.09.2011 D-63/2010 — Swissrulings