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Bundesverwaltungsgericht 17.11.2011 D-6188/2011

17. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·719 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom .

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6188/2011 Urteil   v om   1 7 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________ geboren am (…) Nigeria,  B.________, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 4. November 2011 / N_________

D­6188/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention, EMRK, SR 0.101), der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 1999 (BV, SR 101), des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2), stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  am  25.  Juli  2011  ohne  Einreichung  von  Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass  er  im C.________  am 8.  August  2011  in  einer Kurzbefragung  zur  Person und am 31. Oktober 2011 vom BFM nach Art.  29 Abs. 4 AsylG  angehört wurde,

D­6188/2011 dass  er  dabei  im  Wesentlichen  angab,  aus  dem  Dorf  D.______  zu  stammen, wo  sein Vater  ihm  das Maurerhandwerk  beigebracht  und  ihn  als hochrangiges Mitglied in den Ogboni­Kult eingeführt habe, dass er 2004 nach E._______ zu einem Freund seines Vaters gezogen  sei,  wo  er  einen  Pfarrer  kennenglernt  habe,  der  ihm  von  den  Machenschaften des Ogboni­Kultes erzählt habe,  dass er nach dem Tod seines Vaters im Juni 2011 der Aufforderung von  Angehörigen des Ogboni­Kultes, ein Stück vom Herzen des Verstorbenen  zu  essen,  nicht  nachgekommen  sei,  worauf  ihn  diese  mit  dem  Tod  bedroht hätten, dass er mit Hilfe eines weissen Freundes des Pfarrers am 24. Juli 2011  per Flugzeug von F._______  in ein  ihm unbekanntes Land und von dort  in die Schweiz gelangt sei,  dass der Beschwerdeführer  im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens  trotz  Aufforderung  keine  Identitätsdokumente  einreichte  mit  der  Begründung,  er  habe  keinen  Kontakt  mit  Familienangehörigen  aufnehmen können, da er die entsprechenden Telefonnummern verloren  und vergessen habe (vgl. BFM­Protokoll A12 S. 2), dass  mit  Verfügung  vom  (…)  das  G.________  wegen  Verdachts  der  Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz die Ausgrenzung des  Beschwerdeführers aus der Stadt H.________ anordnete, dass das BFM mit  ­ am 8. November 2011 eröffnetem  ­ Entscheid vom  4. November  2011  in Anwendung  von Art.  32 Abs.  2 Bst.  a  und Abs.  3  AsylG auf  das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  eintrat,  dessen  Wegweisung  anordnete  und  den  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich erachtete, dass  der  Beschwerdeführer  mit  undatierter,  zuhanden  der  Schweizerischen Post am 14. November 2011 aufgegebener Eingabe an  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Einreichung  eines  als  Identitätsausweis  bezeichneten  Dokumentes  in  Kopie  gegen  diesen  Entscheid sinngemäss Beschwerde erhob, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  15.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen,

D­6188/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105 AsylG i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),  dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  2 AsylG  sowie Art.  6 AsylG  i.V.m. Art.  52  VwVG), dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten  ist  (vgl.  dazu  BVGE 2007/8 E.2.1), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten  Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen ist,  dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde,

D­6188/2011 dass nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf Asylgesuche nicht eingetreten  wird, wenn Asylsuchende den Behörden nicht  innerhalb von 48 Stunden  nach Einreichung des Gesuchs Reise­ oder Identitätspapiere abgeben, dass diese Bestimmung keine Anwendung findet, wenn Asylgesuchsteller  glaubhaft  machen  können,  dass  sie  dazu  aus  entschuldbaren Gründen  nicht  in der Lage sind oder auf Grund der Anhörung sowie gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  wird  oder  zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder  eines Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (vgl.  Art.  32  Abs.  3  AsylG), dass das Bundesamt offensichtlich zu Recht zum Schluss gelangt ist, der  Beschwerdeführer  mache  keine  entschuldbaren  Gründe  für  das  versäumte Einreichen von Identitätsdokumenten geltend, dass  hierzu  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  des  Bundesamtes  verwiesen  werden  kann,  zumal  in  der  Beschwerdeschrift  auf  diese  Argumente der Vorinstanz in keiner Weise eingegangen wird,  dass vielmehr  lediglich die bereits  im vorinstanzlichen geltend gemachte  Behauptung,  die  Person,  welche  ihm  bei  der  Ausreise  aus  Nigeria  behilflich  gewesen  sei,  habe  ihm  seinen  Reisepass  abgenommen  (vgl.  A12 S. 6), wiederholt und im Weiteren – mit der Bemerkung, das Original  werde zirka  in einer Woche beim Bundesverwaltungsgericht  eintreffen –  eine  schwer  lesbare  Kopie  eines  als  Identitätsausweis  bezeichneten  Dokumentes  eingereicht  wird,  bei  dem  es  sich  nicht  um  ein  rechtsgenügliches Identitätspapier (vgl. BVGE 2007/7 E. 6) handelt, dass  im  Weiteren  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  von  Angehörigen  des  Ogboni­Kultes  mit  dem  Tod  bedroht  worden  zu  sein,  nicht  als  asylrelevant  zu  erachten  sind,  weshalb  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  nicht  abschliessend  beurteilt  werden  muss, dass in diesem Zusammenhang lediglich darauf hinzuweisen ist, dass die  Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers offensichtlich zu Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  als  teils  widersprüchlich,  teils  realitätsfremd erachtet hat, dass  daher  keine  Abklärungen  im  Sinne  von  Art.  32  Abs.  3  AsylG  notwendig erscheinen,

D­6188/2011 dass das BFM demnach zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a i.V.m.  Art.  32  Abs.  3  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten ist, dass,  falls  sich  ein  Asylsuchender  nicht  im  Besitz  einer  ausländerrechtlichen  Aufenthaltsbewilligung  befindet,  die  Anordnung  einer  Wegweisung  die  gesetzliche  Regelfolge  der  Ablehnung  eines  Asylgesuches ist (Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass  im  vorliegenden  Fall  der  Beschwerdeführer  über  keine  derartige  Bewilligung  verfügt  und  auch  keinen  Anspruch  auf  eine  solche  geltend  machen  kann,  weshalb  die  von  der  Vorinstanz  ausgesprochene  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  zu bestätigen ist, dass  das  Bundesamt,  ist  der  Vollzug  nicht möglich,  nicht  zulässig  oder  nicht  zumutbar,  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern regelt (Art.  44 Abs. 2 AsylG), dass  der  Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  nach  den  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  der  Schweiz  (Art.  3  EMRK;  Art.  33  Abs.1  FK)  sowie  nach  Art.  5  Abs.  1  AsylG  sowie  Art.  25  Abs.  2  BV  zulässig ist, da er wie ausgeführt die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich  nicht erfüllt, dass weder die allgemeine Lage in Nigeria noch  individuelle Gründe auf  eine  konkrete  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Falle  seiner  Rückkehr schliessen lassen, dass  der  junge,  gesunde Beschwerdeführer  nach  eigenen Angaben  bis  zu seiner Ausreise seinen Lebensunterhalt als Maurer bestritten hat und  im Weiteren über ein familiäres Beziehungsnetz verfügt, dass es somit keinen Grund für die Annahme gibt, der Beschwerdeführer  würde  durch  die  Rückkehr  nach  Nigeria  in  eine  existenzgefährdende  Notlage geraten, dass  der  Vollzug  der Wegweisung  somit  im Sinne  von Art.  83 AuG als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  zu  erachten  und  der  angefochtene  Wegweisungsvollzug daher zu bestätigen ist,

D­6188/2011 dass die angefochtene Verfügung, da diese weder Bundesrecht  verletzt  noch  unangemessen  ist  und  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  von  der  Vorinstanz  richtig und vollständig  festgestellt wurde  (vgl. 106 AsylG), zu  bestätigen und die Beschwerde daher abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.­­ (Art.  2 und 3 VGKE) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­6188/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  dreissig  Tagen  ab  Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand:

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