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Bundesverwaltungsgericht 23.12.2011 D-6026/2011

23. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,230 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. Oktober 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­6026/2011 D­6029/2011 Urteil   v om   2 3 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer;   Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien 1. A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), 2. B._______, geboren (…), Russland,   vertreten durch Dr. iur. René Bussien, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügungen des BFM vom 6. Oktober 2011 / N (…).

D­6026/2011 D­6029/2011 Sachverhalt: A.  Am  1.  Juli  2008  reisten  die  Beschwerdeführer  (Vater  und  Sohn)  in  die  Schweiz  ein,  wo  sie  am  gleichen  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl  nachsuchten.  Die  Beschwerdeführer wurden vom BFM am 17. Juli 2008 im Transitzentrum  D._______ zu ihren Personalien, zum Reiseweg und zu den Gründen für  das Verlassen des Heimatlandes befragt (Kurzbefragung) und am 24. Juli  respektive 5. August 2008  in E._______ zu  ihren Asylgründen angehört  (Anhörung).  B.  Zur  Begründung  machte  der  Beschwerdeführer  1  anlässlich  der  Kurzbefragung sowie der Anhörung im Wesentlichen geltend, ab seinem  neunten Lebensjahr habe er  in einem  russischen  Internat gelebt,  indem  künftige  Kader  des  KGB  (sowjetischer  In­  und  Auslandsgeheimdienst)  ausgebildet  worden  seien.  Im  Alter  von  vierzehn  oder  fünfzehn  Jahren  habe er das Internat verlassen und sich fortan in F._______ aufgehalten.  Ab  dem  Jahre  2000  habe  er  in  G._______  gewohnt.  Im  Oktober  2006  habe  er  dem  damaligen  russischen  Präsidenten  Putin  einen  Brief  geschrieben,  weil  er  sich  ziemlich  sicher  gewesen  sei,  Putin  sei  im  gleichen  Internat  in  die Parallelklasse  gegangen.  In  der Folge  sei  er  im  Dezember 2006 zu Hause von zwei Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes  des  Präsidenten  aufgesucht  worden,  die  sich  mit  ihm  ausführlich  über  seine  Internatszeit  unterhalten  und  seine  Fotos  und  Unterlagen  aus  dieser  Zeit  mitgenommen  hätten.  Am  21.  Januar  2007  sei  er  auf  den  folgenden Tag in die (…) Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes  (FSB)  vorgeladen  worden.  Die  Beamten  des  FSB  hätten  ihn  nach  weiteren Unterlagen aus seiner Zeit im Internat und seinen Kontakten zu  Freunden  aus  dieser  Zeit  befragt.  Nach  dem  Gespräch  habe  er  eine  Stillschweigeerklärung  unterschreiben  müssen.  Zirka  Mitte  März  2007  seien drei Beamte bei  ihm zu Hause erschienen und hätten  ihm gesagt,  er  werde  verdächtigt,  einen  Diebstahl  begangen  zu  haben  und  das  Diebesgut  zu  Hause  versteckt  zu  haben.  Anschliessend  sei  seine  Wohnung  von  den Männern  durchsucht  worden,  wobei  sein  Notizbuch,  ein Foto und eine Kopie seines Briefes an Putin beschlagnahmt worden  seien. Mitte Mai 2007 sei er  von den Behörden aufgrund des angeblich  von  ihm  begangenen  Diebstahls  auf  den  Polizeiposten  respektive  das  Innenministerium  vorgeladen  worden,  wo  er  verhört  und  misshandelt  worden  sei.  Insbesondere  sei  er  nach weiteren Dokumenten  und  Fotos 

D­6026/2011 D­6029/2011 aus  seiner  Internatszeit  sowie  nach  den  Adressen  seiner  Verwandten  gefragt worden. Nach drei Tagen habe man ihn wieder entlassen. Etwas  später  habe  er  einen  Beschwerdebrief  an  das  Sekretariat  des  Präsidenten geschickt, ehe er eine längere Dienstreise angetreten habe.  Nachdem  er  nach  Hause  zurückgekehrt  sei,  seien  Anfang  November  2007 drei Beamte bei  ihm zu Hause erschienen und hätten erneut eine  Hausdurchsuchung  durchgeführt.  Dabei  habe  man  in  seinem  Schrank  eine dort zuvor ohne sein Wissen versteckte Pistole gefunden. Deswegen  sei er  festgenommen und  in Untersuchungshaft genommen worden. Auf  Anraten  seines  Anwalts  habe  er  schliesslich  eingeräumt,  er  habe  die  Pistole  gefunden  beziehungsweise  ein  Freund  habe  sie  ihm  zur  Aufbewahrung  gegeben.  Ende  Januar  2008  sei  er  anlässlich  einer  Gerichtsverhandlung  zu  einer  bedingt  ausgesprochenen  Freiheitsstrafe  von  zwei  Jahren  verurteilt  und  sogleich  aus  der  Untersuchungshaft  entlassen worden. Anfang Februar 2008 hätten ihn zwei Beamte des FSB  mit einem Auto abgeholt. Während der Autofahrt sei es ihm gelungen, die  Flucht zu ergreifen. Anschliessend habe er seinen Freund angerufen, der  ihn mit  seinem Auto  abgeholt  und  in  seinem  Landhaus  versteckt  habe.  Am 27. Juni 2008 habe er sich dort mit seinem Sohn (Beschwerdeführer  2) getroffen. Aufgrund dieser Ereignisse habe er zusammen mit  seinem  Sohn am 28.  Juni 2008 mit  der Hilfe eines Schleppers  sein Heimatland  per  Auto  verlassen  und  sei  via  Weissrussland  und  ihm  ansonsten  unbekannte  Länder  in  die  Schweiz  gelangt.  Für  die  übrigen  Aussagen  wird auf die Akten verwiesen.  Zur Unterstützung seiner Vorbringen  reichte der Beschwerdeführer 1  im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  unter  anderem  zwei  russischsprachige  Briefe,  einen  russischen  Inlandpass,  eine  Wohnsitzbestätigung  sowie  einen Geburtsschein zu den Akten.  C.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  und  der  Anhörung  machte  der  Beschwerdeführer  2  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  zusammen  mit  seiner  Mutter  in  F._______  gewohnt.  Nachdem  sein  Vater  (Beschwerdeführer  1)  einen  Brief  an  den  russischen  Präsidenten  Putin  geschrieben  habe,  hätten  im  April  2007  zwei  Beamte  des  FSB  seine  Mutter aufgesucht und sie nach Unterlagen seines Vaters gefragt. Im Mai  2007  hätten  Beamte  des  FSB  dann  die  Wohnung  durchsucht.  Im  November  2007  seien  erneut  Beamte  des  FSB  zu  ihnen  nach  Hause  gekommen  und  hätten  Informationen  über  seinen  Vater  verlangt.  Im  Februar  und Mai  2008  sei  seine Mutter  (telefonisch)  von  Beamten  des 

D­6026/2011 D­6029/2011 FSB  nach  dem  Aufenthalt  seines  Vaters  gefragt  worden.  Im  Mai  2008  hätten  ihn  zwei  unbekannte  Personen  zu  Hause  über  seinen  Vater  ausgefragt,  geschlagen  und  bedroht.  Aus  Angst  habe  er  anschliessend  das Haus  nicht mehr  verlassen.  Am  25.  Juni  2008  sei  er mit  dem  Zug  nach G._______ gefahren, um sich dort mit seinem Vater zu treffen. Am  28.  Juni  2008  habe  er  schliesslich  zusammen  mit  seinem  Vater  sein  Heimatland  verlassen.  Für  die  übrigen  Aussagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  Der  Beschwerdeführer  2  reichte  im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  einen  russischen Inlandpass zu den Akten.  D.  D.a Mit zwei separaten Verfügungen vom 6. Oktober 2011 – eröffnet am  8.  Oktober  2011  –  stellte  das  BFM  fest,  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführer  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht  stand.  Demzufolge  verneinte  es  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführer,  lehnte  deren  Asylgesuche  ab  und  verfügte  die  Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug.  D.b  In  der  den Beschwerdeführer  1  betreffenden  Verfügung wurde  von  der Vorinstanz im Wesentlichen ausgeführt, dieser habe im Verlaufe des  Asylverfahrens  zu  den  wesentlichen  Punkten  Aussagen  gemacht,  die  durch zahlreiche Ungereimtheiten gekennzeichnet seien. Widersprüchlich  seien  beispielsweise  seine  Ausführungen  zu  seiner  angeblichen  Flucht  während  des  Transports  im  Februar  2008.  Dazu  habe  er  in  der  Kurzbefragung ausgesagt, zwei FSB­Leute hätten ihn zu Hause mit ihrem  Wagen  abgeholt.  Während  der  Autofahrt  sei  ihm  dann  die  Flucht  gelungen. Einer der beiden Männer  sei  bereits  beim allerersten Besuch  bei ihm zu Hause gewesen. In der Anhörung habe er jedoch einen ganz  anderen Verlauf des Vorfalls geschildert. Er sei damals von drei Leuten  abgeholt und zur Miliz gebracht worden, wo er die Nacht verbracht habe.  Erst  am  nächsten  Tag  habe  er  die  Flucht  aus  dem  fahrenden  Auto  ergriffen. Den ihm bereits bekannten Mann habe er erst am zweiten Tag  im  Auto  gesehen.  Diesen  Widerspruch  habe  der  Beschwerdeführer  1  nicht  aufzulösen  vermocht.  Auch  bezüglich  seiner  Festnahme  im  November  2007  und  der  anschliessenden  Verurteilung  habe  der  Beschwerdeführer  1  in  den  beiden  Befragungen  nicht  kompatible  Aussagen gemacht. Anlässlich der Kurzbefragung habe er ausgesagt, er  sei  damals  von  einem  Offizier  und  zwei  Beamten  des  FSB  zu  Hause 

D­6026/2011 D­6029/2011 aufgesucht worden.  In der Anhörung habe er  jedoch von einem Offizier  des  FSB  und  zwei  Beamten  des  Innenministeriums  gesprochen.  Anlässlich der Kurzbefragung habe er zudem vorgebracht, er habe in der  Gerichtsverhandlung  auf  Rat  seines  Anwalts  schliesslich  eingeräumt,  dass  er  die  bei  ihm  beschlagnahmte  Pistole  zufällig  gefunden  habe,  während er in der Anhörung geltend gemacht habe, sein Anwalt habe ihm  geraten  zu  sagen,  ein  Freund  habe  ihm  die  Pistole  zur  Aufbewahrung  übergeben.  Überdies  habe  der  Beschwerdeführer  1  anlässlich  der  Kurzbefragung  ausgeführt,  die  Hausdurchsuchung  vom  März  2007  sei  von  einem  Major  des  Innenministeriums  und  zwei  zivil  gekleideten  Beamten  des  FSB  durchgeführt  worden.  In  der  Anhörung  habe  er  zunächst  jedoch  deutlich  gesagt,  dass  ein  Hauptmann,  ein  Major  und  lediglich  ein  Mann  in  Zivil  dabei  gewesen  seien.  Mit  seinem  erst  auf  Vorhalt  der  Widersprüchlichkeit  dieser  beiden  Aussagen  erfolgten  Erklärungsversuch,  auch  der  Hauptmann  sei  in  Zivil  gewesen,  habe  er  diesen Widerspruch nicht aufzuklären vermocht. Der Beschwerdeführer 1  habe  ausserdem  auch  widersprüchliche  Angaben  hinsichtlich  der  konkreten  Umstände  bei  seinem  Verhör  im  Januar  2007  gemacht.  Anlässlich  der Kurzbefragung habe er  nämlich  ausgesagt,  einer  der  ihn  verhörenden Beamten habe die ganze Zeit  in seinem Rücken gesessen,  wohingegen  er  in  der  Anhörung  erklärt  habe,  er  habe  beide  Beamte  in  seinem Blickfeld  gehabt.  Aufgrund  dieser  zahlreichen widersprüchlichen  Ausführungen des Beschwerdeführers 1 kämen erhebliche Zweifel an der  Glaubhaftigkeit  seiner  Aussagen  auf,  zumal  seine  Vorbringen  teilweise  nachgeschoben  und  insgesamt  realitätsfremd  seien.  Der  Beschwerdeführer  1  habe  in  der  Anhörung  mehrmals  zu  Protokoll  gegeben,  er  sei  im  Zusammenhang  mit  einem  Diebstahl  von  der  Miliz  belangt  worden.  Anlässlich  der  Kurzbefragung  habe  er  diesbezüglich  überhaupt  nichts  erwähnt,  obwohl  dieses  Verfahren  angeblich  nur  als  Vorwand  für  die  im  Hintergrund  stehenden  eigentlichen  Interessen  des  FSB  gedient  hätten.  Es  sei  deshalb  zu  erwarten  gewesen,  dass  der  Beschwerdeführer  1  dieses  mit  seinen  Ausführungen  über  die  Behelligung  durch  den  FSB  eng  zusammenhängende  Strafverfahren  bereist  in  der  Kurzbefragung  zumindest  ansatzweise  erwähnen  würde.  Der  Wahrheitsgehalt  dieses  ohne  zwingenden  Grund  erst  im  späteren  Verlauf  des  Asylverfahrens  vorgebrachten  Vorbringens  sei  somit  zweifelhaft.  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  1  wiesen  insgesamt  eindeutige  Kennzeichen  einer  konstruierten  Verfolgungsgeschichte  auf  und  erweckten  insgesamt  den  Eindruck,  er  versuche  eine  angebliche  Verfolgungssituation  in  den  Dunstkreis  der  russischen  Geheimdienste  und  deren  allgemeine  Praktiken  einzubetten,  ohne  davon  betroffen  zu 

D­6026/2011 D­6029/2011 sein.  Angesichts  der  sicherlich  zahlreich  vorhandenen  anderen  Zeugen  aus  der  Schulzeit  von  Putin  erscheine  das  angebliche  Vorgehen  der  russischen Geheimdienste kaum sinnvoll. Nicht nachvollziehbar sei auch  die  Passivität  des  Beschwerdeführers  1,  welcher  zahlreiche  Behelligungen über sich habe ergehen lassen, ohne sich an einen Anwalt  oder  eine  der  zahlreichen  in  Russland  operierenden  Menschenrechtsorganisationen  zu  wenden.  Schliesslich  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  1  nicht  dem  Verhalten  einer  tatsächlich  verfolgten  Person  entspreche,  da  erfahrungsgemäss tatsächlich Verfolgte den Verfolgerstaat bei der ersten  sich  bietenden  Möglichkeit  zu  verlassen  versuchten.  Dies  ganz  im  Gegensatz  zum  Verhalten  des  Beschwerdeführers  1,  der  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  Russland  trotz  Behelligungen  durch  die  russische  Polizei  und  ungeachtet  der  Verfolgung  durch  den  russischen  Geheimdienst,  ohne  ersichtlichen  Grund  zirka  anderthalb  Jahre  habe  verstreichen  lassen. Seine vagen Aussagen zu seinem Reiseweg  liessen ausserdem  den Eindruck entstehen, er versuche die schweizerischen Behörden über  seinen  wirklichen  Aufenthaltsort  vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  zu  täuschen, womit die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen noch zusätzlich  unterstrichen  werde.  Es  könne  nämlich  weitestgehend  ausgeschlossen  werden,  dass  es  ihm  angesichts  der  strengen  Grenzkontrollen  möglich  gewesen  wäre,  ohne  authentische  Reisepapiere  und  ohne  jemals  kontrolliert  zu werden, von Russland über die zwingenden Transitländer  Ukraine,  Slowakei  und/oder  Ungarn  und  Österreich  in  die  Schweiz  zu  gelangen.  An  dieser  Einschätzung  änderten  die  eingereichten  Beweismittel  nichts,  da  sie  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  1  nicht  darzulegen  vermöchten.  Die  von  ihm  selbstverfassten Briefe seien nicht geeignet, seine Vorbringen wirksam zu  untermauern.  Hinsichtlich  der  Wegweisung  hielt  das  BFM  fest,  dass  deren Vollzug zulässig, zumutbar und möglich sei.  D.c  In  der  den  Beschwerdeführer  2  betreffenden  Verfügung wurde  von  der  Vorinstanz  im  Wesentlichen  ausgeführt,  er  begründe  seine  Asylgesuch mit Behelligungen durch die Beamten des FSB. Die geltend  gemachten  Ereignisse  stünden  im  unmittelbaren  ursächlichen  Zusammenhang mit der angeblichen Verfolgung seines Vaters durch den  FSB und der von ihm geltend gemachten Vorfälle. Die Vorbringen seines  Vaters hielten  jedoch den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss  Art. 7 AsylG nicht stand, weshalb dessen Asylgesuch abgelehnt worden  sei.  Vor  diesem  Hintergrund  entbehrten  die  eben  auf  diesem  unglaubhaften  Sachverhalt  beruhenden  Vorbringen  des 

D­6026/2011 D­6029/2011 Beschwerdeführers  2  jeglicher  Grundlage  und  könnten  folglich  nicht  geglaubt werden. Es erübrige sich daher, an dieser Stelle auf zahlreiche  Ungereimtheiten  in  seinen  Aussagen  einzugehen.  Hinsichtlich  der  Wegweisung hielt das BFM  fest, dass deren Vollzug zulässig, zumutbar  und möglich sei.  E.  Mit zwei separaten Beschwerden vom 3. November 2001  (Poststempel)  ans Bundesverwaltungsgericht liessen die Beschwerdeführer durch ihren  Rechtsvertreter  beantragen,  die  angefochtenen  Verfügungen  seien  aufzuheben und ihnen sei Asyl zu gewähren. Zudem seien die Dispositiv­ Ziffern  3  und 4  aufzuheben und  von einer Wegweisung  sei  abzusehen.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerden  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  Mit  den  Rechtsmittelschriften  reichten  die  Beschwerdeführer  unter  anderem die folgenden Dokumente zu den Akten: Ein russischsprachiges  Durchsuchungsprotokoll  vom  6.  November  2007  (in  Kopie,  inklusive  deutscher  Übersetzung),  einen  Auszug  aus  einem  russischsprachigen  Gerichtsbeschluss  vom  24.  Januar  2008  (inklusive  deutscher  Übersetzung),  zwei  russischsprachige  Schreiben  vom  26.  und  27.  Oktober 2011  (inklusive deutscher Übersetzung), eine deutschsprachige  Zusammenfassung  von  zwei  Briefen,  zwei  deutschsprachige  Schreiben  des Beschwerdeführers 1 vom 10. und 27. Oktober 2011 sowie mehrere  russischsprachige  Internetberichte  (inklusive  teilweiser  deutscher  Übersetzung). F.  Mit  Zwischenverfügungen  vom  9.  November  2011  teilte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Beschwerdeführern  mit,  sie  könnten  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig forderte der  Instruktionsrichter die Beschwerdeführer auf, bis zum 24. November 2011  je einen Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ zu bezahlen.  G.  Mit  zwei  identischen  Eingaben  vom  23.  November  2011  ans  Bundesverwaltungsgericht  liessen  die  Beschwerdeführer  durch  ihren  Rechtsvertreter  beantragen,  es  sei  die  Frist  zur  Bezahlung  eines  Kostenvorschusses  abzunehmen  und  ihnen  die  unentgeltliche 

D­6026/2011 D­6029/2011 Rechtspflege  zu  gewähren  sowie  den  Unterzeichnenden  als  unentgeltlichen Rechtsbeistand einzusetzen.  Den  Eingaben  lagen  zwei  Fürsorgebestätigungen  vom  11.  November  2011 bei.  H.  Mit  Zwischenverfügungen  vom  1.  Dezember  2011  wies  der  Instruktionsrichter  die  Gesuche  der  Beschwerdeführer  um  Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Erlass  des  Kostenvorschusses  ab  und  gewährte  ihnen  zur  Bezahlung  der  ausstehenden  Kostenvorschüsse  eine  Nachfrist  von  drei  Tagen.  Die  Kostenvorschüsse  gingen  am 3. Dezember  2011  bei  der Gerichtskasse  ein.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerden  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahme  liegt  nicht  vor,  das  Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Aufgrund des persönlichen und sachlichen Zusammenhanges sowie  aus  prozessökonomischen  Gründen  sind  die  Beschwerdeverfahren  bezüglich des Beschwerdeführers 1  (Vater) und des Beschwerdeführers 

D­6026/2011 D­6029/2011 2  (Sohn)  zu vereinigen, weshalb vorliegend über beide Beschwerden  in  einem Urteil zu befinden ist. 1.4. Die  Beschwerden  sind  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108  Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Die  Beschwerdeführer  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtenen  Verfügungen  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung,  weshalb  sie  zur  Einreichung  der  Beschwerden legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art.  48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.  5.1.  Vorab  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher Protokolle mit  ihrer Unterschrift  bestätigt  haben und  sich  deshalb  ihre  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten  lassen  müssen, zumal sie die übersetzenden Personen bei beiden Befragungen 

D­6026/2011 D­6029/2011 (gut) verstanden haben wollen  (vgl. Akten BFM A 1/12 S. 10, A 2/9 S. 7,  A 7/20   S. 18, A 9/10 S. 8). 5.2. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  –  festzustellen,  dass  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführer den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art.  7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, weshalb diesbezüglich vorab auf  die  ausführlichen  und  zutreffenden  vorinstanzlichen  Erwägungen  zu  verweisen  ist  (vgl.  die  Ziffern  I,  Bst.  D.b  und  D.c  vorstehend).  Die  Vorbringen  in  den  Rechtsmittelschriften  sind  nicht  geeignet,  eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Verfügungen  zu  bewirken.  Den  Erwägungen  des  BFM  werden  keine  stichhaltigen  und  substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Insbesondere  ist  der  Einwand,  die  angefochtene  Verfügung  reite  "auf  vollkommen  unwesentlichen  Kleinigkeiten"  herum,  unbegründet,  da  sich  der  Beschwerdeführer  1  in  den  Befragungen  in  wesentlichen  Punkten  seiner  Schilderungen  widersprüchlich  äusserte.  Die  Behauptung,  wonach  der  Beschwerdeführer 1 die  ihm vorgehaltenen Widersprüche habe auflösen  können,  trifft  nicht  zu.  Die  mit  den  Beschwerden  eingereichten  Beweismittel  sind  nicht  geeignet,  den  von  den  Beschwerdeführern  geltend gemachten Sachverhalt  in einem glaubhafteren Licht erscheinen  zu  lassen  beziehungsweise  ihre  Asylvorträge  zu  stützen,  zumal  weder  das  Durchsuchungsprotokoll  vom  6.  November  2007  noch  der  Auszug  aus  dem Gerichtsbeschluss  vom  24.  Januar  2008  von  der  zuständigen  russischen  Behörde  beglaubigt  worden  sind,  weshalb  Zweifel  an  der  Authentizität  dieser Dokumente  bestehen.  Im Weiteren  ist  festzustellen,  dass  laut  dem  Durchsuchungsprotokoll  vom  6.  November  2007  ein  Gewehr beschlagnahmt wurde, der Beschwerdeführer 1 aber  immer von  einer  Pistole  sprach, was  die Echtheit  dieses Dokuments  zusätzlich  als  zweifelhaft  erscheinen  lässt.  Da  die  geltend  gemachten  Asylvorbringen  nicht  glaubhaft  sind,  kann  vorliegend  darauf  verzichtet  werden,  deren  Asylrelevanz zu prüfen.  5.3. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführern  nicht  gelungen  ist  nachzuweisen,  oder  zumindest  glaubhaft  zu machen,  dass sie  in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG erlitten  haben oder  solche bei  der Ausreise  zu befürchten  hatten  oder  im Falle  einer  Rückkehr  nach  Russland  befürchten  müssten.  Die  Beschwerdeführer  vermögen  mit  ihren  Beschwerdevorbringen  und  den  eingereichten  Beweismitteln  zu  keiner  anderen  Betrachtungsweise  zu  führen, weshalb es sich erübrigt, weiter darauf einzugehen. Das BFM hat 

D­6026/2011 D­6029/2011 demnach  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführer  verneint und deren Asylgesuche abgelehnt.  6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2.  7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 

D­6026/2011 D­6029/2011 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Da es den Beschwerdeführern nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  der  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführer in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführer  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihnen  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als  auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  7.3.  7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 

D­6026/2011 D­6029/2011 allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2.  Weder  die  allgemeine  Lage  in  Russland  noch  die  persönliche  Situation der Beschwerdeführer  lassen  im Falle einer Rückkehr auf eine  konkrete Gefährdung schliessen. Sodann bestehen auch keine anderen  Hinweise, dass die – soweit aktenkundig – gesunden Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  in  eine  konkrete,  ihre  Existenz  bedrohende  Situation  geraten  könnten.  Die  Beschwerdeführer  haben  in  ihrer Heimat ein soziales Beziehungsnetz, leben doch unter anderem die  Halbschwestern  des  Beschwerdeführers  1  sowie  die  Mutter  des  Beschwerdeführers 2 nach wie vor in Russland (A 1/12 S. 3, A 2/9 S. 2).  Zudem verfügt der Beschwerdeführer 1 über eine gute Ausbildung ([…])  sowie  jahrelange Berufserfahrung, weswegen anzunehmen  ist, er könne  sich  in  seiner  Heimat  wieder  wirtschaftlich  integrieren  und  für  sich  und  seinen Sohn sorgen. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten,  von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  genügen  nicht,  um  eine  Gefahr  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE  2008/34  E.  11.2.2).  Angesichts  der  gesamten  Umstände  kann  der  Vollzug  der Wegweisung  daher  auch  als  zumutbar  bezeichnet werden.  7.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführern  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.  Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtenen  Verfügungen  Bundesrecht  nicht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  sind  (Art.  106 AsylG). Die Beschwerden sind nach dem Gesagten abzuweisen.

D­6026/2011 D­6029/2011 10.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführern  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr.  1'200.­­  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  den  am  3.  Dezember  2011  in  derselben  Höhe  geleisteten  Kostenvorschüssen  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerden werden abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  1'200.­­  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  den  am  3.  Dezember  2011  von  den  Beschwerdeführern  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  in  derselben  Höhe  geleisteten Kostenvorschüssen verrechnet.  3.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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