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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 D-6011/2011

7. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,055 Wörter·~5 min·2

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­6011/2011 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Daniel Willisegger; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), Russland, (…), Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2011 / N .

D­6011/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311), des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention, EMRK, SR 0.101), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist (Dublin­II­VO),

D­6011/2011 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2), stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden,  russische  Staatsangehörige  tschetschenischer Herkunft, eigenen Angaben zufolge  ihren Heimatstaat  am 14. August 2011 verliessen und am 25. August 2011 in der Schweiz  um Asyl nachsuchten, dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck­Datenbank  (Zen­ traleinheit  Eurodac)  ergab,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  16.  August 2011 in Polen um Asyl ersucht hatten, dass das BFM anlässlich der Befragungen vom 16. September 2011 zur  Person  (BzP)  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  M._______  die  Personalien  der  Beschwerdeführenden  erhob  und  sie  summarisch  zum  Reiseweg  sowie  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  des  Heimatstaats befragte, dass  den  Beschwerdeführenden  anlässlich  dieser  Befragungen  im  Hinblick auf eine allfällige Zuständigkeit Polens für die Durchführung des  Asylverfahrens das rechtliche Gehör gewährt wurde, dass  das  BFM  am  20.  Oktober  2011  die  polnischen  Behörden  um  Übernahme der Beschwerdeführenden ersuchte, dass sich die polnischen Behörden am 24. Oktober 2011 zur Übernahme  der  Beschwerdeführenden  gemäss  Art.  16  Abs.  1  Bst.  e  der  Dublin­II­ Verordnung bereit erklärten, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  25.  Oktober  2011  –  eröffnet  am  folgenden Tag –  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  vom  25.  August  2011  nicht  eintrat, die Wegweisung nach Polen verfügte, die Beschwerdeführenden  – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  N._______  verpflichtete,  die 

D­6011/2011 Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegenden  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  den  Beschwerdeführenden  die  editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  2.  November  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben und beantragten, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, dass  auf  ihre  Asylgesuche  in  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  einzutreten sei, dass  sie  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  zudem  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  VwVG  sowie  den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragten, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  3.  November  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

D­6011/2011 dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  im  Wesentlichen  geltend macht, die Beschwerdeführenden hätten am 16. August 2011  in  Polen um Asyl nachgesucht, dass  die Behörden Polens  das Ersuchen  des BFM um Übernahme der  Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Dublin­II­VO  am  24.  Oktober  2011  gutgeheissen  hätten,  weshalb  gemäss  DAA  die  Zuständigkeit  bei  Polen  liege,  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  durchzuführen,

D­6011/2011 dass  die  Überstellung  nach  Polen  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  der  Überstellungsfrist  (vgl.  Art.  19f  Dublin­II­VO) – bis spätestens am 24. April 2012 zu erfolgen habe, dass  somit  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten werde, dass die Beschwerdeführenden in einen Drittstaat reisen könnten, in dem  sie Schutz vor Rückschiebung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG  fänden  und  keine Hinweise  auf  eine  drohende Verletzung  von Art.  3 EMRK  im  Falle einer Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Polen bestünden, dass  sich  der  Beschwerdeführer,  wie  dem  Befragungsprotokoll  vom  16. September  2011  zu  entnehmen  sei,  vor  der  Ablehnung  der  Asylgesuche fürchte und damit rechne, er und seine Familienangehörigen  könnten  umgebracht  werden,  sollten  sie  nach  Tschetschenien  zurückgeführt werden, dass indessen Polen Signatarstaat der Flüchtlingskonvention, der EMRK  sowie  des  FoK  sei,  und  es  vorliegend  keine  konkreten  Anhaltspunkte  gebe,  wonach  sich  Polen  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  halten  und  den  Beschwerdeführenden  insbesondere  keinen  effektiven  Schutz  vor  Rückschiebung  gewähren  würde, dass der Vollzug der Wegweisung nach Polen somit zulässig sei, dass  weder  die  in  Polen  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe  gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprächen, dass das BFM den Beschwerdeführenden am 16. September 2011 das  rechtliche Gehör gewährt habe, wobei diese geltend gemacht hätten, sie  würden von Gefolgsleuten des tschetschenischen Präsidenten verfolgt, dass die Verfolger über  ihre Flucht nach Polen  informiert worden seien,  weshalb  sie  (die  Beschwerdeführenden)  nun  befürchteten,  ausfindig  gemacht  und  umgebracht  zu  werden,  sollten  sie  nach  Polen  überstellt  werden, dass die polnischen Behörden  indessen als schutzfähig und schutzwillig  gälten,  weshalb  die  Beschwerdeführenden,  sollten  sie  in  Polen  konkret  bedroht werden, sich an die zuständigen Polizeibehörden vor Ort wenden 

D­6011/2011 könnten,  wo  sie  die  Möglichkeit  hätten,  um  Schutz  nachzusuchen  und  nötigenfalls Anzeige zu erstatten, dass der Vollzug der Wegweisung nach Polen somit zumutbar sei, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei, dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Beschwerdeeingabe  vom  2. November  2011  im  Wesentlichen  geltend  machen,  der  Wegweisungsvollzug  nach  Polen  sei  ihnen  nicht  zuzumuten,  weil  die  polnischen  Behörden  ausserstande  seien,  ihnen  den  erforderlichen  Schutz zu gewähren, dass  Polen  für  den  russischen  Sicherheitsdienst  sowie  für  die  Leute  Kadyrovs leicht zugänglich sei, dass  die  Beschwerdeführenden  am  22.  August  2011  mit  ihren  in  Tschetschenien  verbliebenen  Familienangehörigen  ein  Telefongespräch  geführt und dabei zur Kenntnis hätten nehmen müssen, ihr Aufenthaltsort  in Polen sei in Russland bereits bekannt, dass  sie  in  der  Folge  Polen  im  Wissen  um  ihre  grosse  Gefährdung  umgehend verlassen hätten, dass  die  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift  indessen  nicht  zu  einer  veränderten Betrachtungsweise zu führen vermögen, dass die polnischen Behörden am 24. Oktober 2011 der Übernahme der  Beschwerdeführenden gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin­II­Verordnung  zustimmten, dass die Beschwerdeführenden somit ohne Weiteres in den Dublin­Staat  (Polen) ausreisen können und der allfällige Vollzug der Wegweisung nach  Polen möglich ist, dass vorliegend keine Gründe ersichtlich sind, die einen Selbsteintritt des  BFM  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  nahegelegt  hätten,  da  Polen  unter  anderem  Signatarstaat  der  Flüchtlingskonvention,  der  EMRK  und  des FoK  ist und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, Polen würde  sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten,

D­6011/2011 dass insbesondere der Beschwerdeführer geltend macht, er befürchte  in  Polen  Übergriffe  tschetschenischer  Männer,  die  ihm  und  seinen  Familienangehörigen  nach  dem  Leben  trachteten,  weshalb  er  die  Schweiz  als  Asylland  ausgewählt  habe,  lebten  doch  hierzulande  europaweit am wenigsten Tschetschenen, dass sich die Beschwerdeführenden, falls derartige Sorgen sie tatsächlich  umtrieben,  nach  der  Überstellung  nach  Polen  vertrauensvoll  an  die  polnischen  Behörden  wenden  können,  die  ihnen  auf  dem  weitläufigen  polnischen Staatsterritorium von mehr als 300'000 Quadratkilometern zu  ihrem  Schutz  einen  Aufenthaltsort  zuweisen  können,  an  dem  weit  und  breit noch weniger Tschetschenen als in der Schweiz leben, dass  es  darüber  hinaus,  falls  es  an  diesem  –  möglicherweise  abgeschiedenen  –  Ort  trotzdem  zu  Sichtkontakt  mit  gefährlichen  Subjekten  aus  Tschetschenien  kommen  sollte,  nicht  den  geringsten  Anlass zur Annahme gibt, die polnische Polizei würde ihnen den allenfalls  erforderlichen Schutz vor allfälligen Verfolgern versagen, dass es sich bei dieser Sachlage erübrigt, den vorinstanzlichen Entscheid  zu kassieren und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen  oder auf weitere Vorbringen oder Beweismittel einzugehen, dass die gemeinsamen Kinder mit  ihren Eltern nach Polen zurückkehren  können, dass das BFM daher  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  auch  kein  Anspruch  auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  BFM  zu  Recht  angeordnet  wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG),

D­6011/2011 dass  in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des Wegweisungsvollzugs  (Art.  83  Abs.  2  und  3  AuG)  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  D­645/2010  vom  1.  März  2010  E.  8.1), dass  demnach  auf  die  Frage  einer  drohenden  Verletzung  des  Non­ Refoulement­Gebots bzw. der Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung  an dieser Stelle nicht mehr einzugehen ist, dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in  Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt von  Art.  83 Abs.  1 und 4 AuG stellt,  sondern ebenfalls  vor  der Prüfung des  Nichteintretens  im  Rahmen  des  Selbsteintrittsrechts  (vgl.  BVGE  D­645/2010  vom  1.  März  2010  E.  8.2),  welches  wie  vorstehend  ausgeführt, nicht zur Anwendung gelangt, dass  das  BFM  demnach  die Wegweisung  nach  Polen  und  den  Vollzug  der Wegweisung zu Recht verfügt bzw. angeordnet hat, dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses angesichts des vorliegenden direkten Entscheides in  der Hauptsache gegenstandslos geworden ist, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerde abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1  ­  3 VGKE) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs. 1 VwVG).

D­6011/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

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