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Bundesverwaltungsgericht 18.10.2011 D-5741/2007

18. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,306 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Juli 2007

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5741/2007/sed Urteil   v om   1 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Juli 2007 / N _______.

D­5741/2007 Sachverhalt: A.  A.a. Der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  und  ethnischer Sayed/Hazara mit  letztem Wohnsitz  in B._______  (Provinz  Balkh)  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  im  November/Dezember 2001 in Richtung Pakistan und Iran. Am 12. April  2005  reiste  er  von  dort  herkommend  via  die  Türkei  sowie  ihm  unbekannte Länder  illegal  in die Schweiz ein und stellte gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______  ein  Asylgesuch.  Nach dem Transfer ins Transitzentrum D._______ wurde er dort am 2.  Mai  2005  summarisch  befragt  und  in  der  Folge  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  E._______  zugewiesen.  Am  26.  Mai  2005  wurde der Beschwerdeführer durch den Migrationsdienst des Kantons  E._______ ausführlich zu seinen Asylgründen angehört. A.b.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  der  Beschwerdeführer  im Wesentlichen  vor,  sein  Vater  sei  ein  Anhänger  der Hizb­e Islami gewesen und habe nach dem Einmarsch der Taliban  in Mazari Sharif mit den Taliban zusammengearbeitet. Nach dem Sturz  der Taliban im November 2001 seien auch deren Sympathisanten und  Helfer  verfolgt  und  teilweise  getötet  worden.  Im  diesem  Zusammenhang  seien  eines  Tages  im  November/Dezember  2001  Anhänger  der  Hizb­e  Wahdat  ins  Haus  der  Familie  des  Beschwerdeführers eingedrungen und hätten seinen Vater sowie seine  beiden  Geschwister  erschossen.  Er  selber  habe  sich  zu  diesem  Zeitpunkt  in  einer  Autowerkstatt  befunden  und  sei  dort  von  seinem  Geschäftspartner über den Vorfall  informiert worden. Da er befürchtet  habe,  ebenfalls  umgebracht  zu  werden,  habe  er  sich  entschlossen,  sein Heimatland umgehend zu verlassen. Im Iran habe er nicht bleiben  können,  da  ihm  seine  Aufenthaltsbewilligung  bereits  im  Jahr  2002  entzogen  worden  sei  und  die  iranischen  Behörden  alle  afghanischen  Flüchtlinge  zurückgeschickt  hätten.  Nach  Afghanistan  könne  er  nicht  zurückkehren, da er dort umgebracht würde. Seine Feinde würden ihn  schnell  aufspüren,  da  er  Sayed  sei  und  diese  nicht  sehr  zahlreich  seien. A.c.  Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen  Verfahrens seine Tazkirah (Original) zu den Akten. B.  Mit Verfügung vom 26. Juli 2007 – eröffnet am 28. Juli 2007 – stellte das 

D­5741/2007 BFM  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  asylrelevant,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  verneinen  sei.  Demzufolge  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  ab,  verfügte  die  Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C.  Mit  Beschwerde  vom  27.  August  2007  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  damalige Rechtsvertreterin beantragen, die angefochtene Verfügung sei  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und Asyl  zu  gewähren, eventuell  sei  infolge Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  ersucht. Der  Beschwerde  lagen  unter  anderem  eine  Mitteilung  von  UNNews@un.org  vom  20.  August  2007,  eine  Kursbestätigung  der  Heilsarmee Flüchtlingshilfe vom 6. Oktober 2006 sowie eine Bestätigung  von  (…)  betreffend  den Besuch  eines Gastgewerbekurses  vom 30.  Juli  2007 (alles Kopien) bei.  D.  Mit  Eingabe  vom  30.  August  2007  liess  der  Beschwerdeführer  eine  Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 28. August 2007 nachreichen. E.  Der  Instruktionsrichter  wies  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  mit  Zwischenverfügung  vom  6. September  2007  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  21.  September  2007  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.–  einzuzahlen,  ansonsten  auf  die  Beschwerde nicht eingetreten werde. F.  Der  verlangte  Kostenvorschuss  wurde  am  17.  September  2007  einbezahlt. G.  Mit Eingabe vom 20. September 2007 liess der Beschwerdeführer ein von 

D­5741/2007 ihm  selbst  verfasstes  Schreiben  (undatiert)  sowie  ein  Schreiben  seines  Bekannten H. A. vom 17. September 2007 zu den Akten reichen. H.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  19.  Oktober  2007  vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer am 22. Oktober 2007 zur Kenntnis gebracht. I.  Mit  Eingabe  vom  17.  Februar  2011  zeigte  der  aktuelle  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  unter  Beilage  einer  entsprechenden  Vollmacht  gleichen Datums seine Mandatsübernahme an und teilte gleichzeitig mit,  das  Vertretungsverhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  der  vormaligen Rechtsvertreterin sei aufgelöst worden.  J.  In  der  Folge  gelangte  der  aktuelle  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit  Eingabe  vom  17.  April  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht, brachte dabei nachträgliche Einwände gegen  die vorinstanzlichen Erwägungen vor und stellte den Antrag auf Kassation  der angefochtenen Verfügung.  Der  Eingabe  lagen  folgende  Unterlagen  bei:  eine  ACCORD  Anfragebeantwortung vom 14. Dezember 2004 zur Situation der Said  in  Afghanistan,  ein Wikipedia­Eintrag  zum  Thema  "Sayyid"  (Stand  am  16.  März  2011),  ein  Artikel  des Crisis  States Research Centre  vom  Januar  2009 sowie ein Wikipedia­Eintrag zum Thema "The Fall of Mazari Sharif"  (Stand am 31. März 2011),  K.  Mit  Schreiben  vom  30.  Juni  2011  beantragte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  Dossier  sei  dem  BFM  zur  erneuten  Vernehmlassung zu unterbreiten. L.  Im Rahmen des zweiten Vernehmlassungsverfahrens hob das BFM seine  Verfügung  vom  26.  Juli  2007  hinsichtlich  des  angeordneten  Wegweisungsvollzugs (Dispositivziffern 4 und 5) auf und ordnete  infolge  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des  Beschwerdeführers an.

D­5741/2007 M.  Auf  entsprechende  Anfrage  hin  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit  Eingabe  vom  4.  August  2011  mit,  der  Beschwerdeführer  halte  (im  Asylpunkt)  an  der  Beschwerde  fest.  Gleichzeitig  wurde  eine  Kostennote  selben  Datums  zu  den  Akten  gereicht.  N.  In seiner auf den Asylpunkt beschränkten (dritten) Vernehmlassung vom  24. August 2011 hielt  das BFM vollumfänglich an seiner Verfügung  fest  und beantragte die Abweisung der Beschwerde. O.  Der  Beschwerdeführer  liess  mit  Eingabe  vom  9.  September  2011  eine  diesbezügliche Stellungnahme einreichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von  einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung 

D­5741/2007 besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung; er  ist daher zur Einreichung der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf  die  Beschwerde  ist  –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Ausführungen  unter E. 5 – einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  ihrer  politischen  Anschauungen  wegen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder Freiheit  sowie Massnahmen,  die  einen unerträglichen psychischen  Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids  im  Asylpunkt  im  Wesentlichen  aus,  für  die  Bestimmung  der  Flüchtlingseigenschaft sei der Zeitpunkt des Asylentscheids massgebend.  Daher setze die Asylgewährung voraus, dass eine asylsuchende Person  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids  von  asylrelevanter  Verfolgung  bedroht  sei  und  deswegen  Schutz  benötige.  Im  vorliegenden  Fall  habe  der  Beschwerdeführer  angegeben,  sein Vater  sei Mitglied  der Hizb­e  Islami 

D­5741/2007 und  Anhänger  der  Taliban  gewesen.  Deshalb  seien  sein  Vater  sowie  seine  beiden  Geschwister  im  Jahr  2001  von  Anhängern  der  Wahdat­ Partei umgebracht worden, worauf er aus Angst um sein Leben aus dem  Heimatland  ausgereist  sei.  Diese  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Ereignisse  lägen  indessen  bereits  sechs  Jahre  zurück.  Inzwischen  hätten  sich  die  politischen  Verhältnisse  in  Afghanistan  grundlegend geändert. Die demokratisch gewählte Regierung von Hamid  Karzai habe sich weitgehend stabilisieren können. Aufgrund der Angaben  des Beschwerdeführers  lägen keine Hinweise dafür  vor,  dass er wegen  der behaupteten Mitgliedschaft seines Vaters bei der Hizb­e Islami sowie  dessen  Unterstützung  der  Taliban  im  heutigen  Zeitpunkt  von  irgendwelcher  Seite  noch  Nachteile  zu  befürchten  hätte.  Er  habe  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  im  Übrigen  ausdrücklich  verneint,  sich selber je politisch interessiert zu haben. Vor diesem Hintergrund sei  die geltend gemachte Verfolgungsfurcht als nicht begründet im Sinne des  Asylgesetzes  einzustufen.  Die  Vorbringen  seien  demnach  nicht  asylrelevant, weshalb die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers  zu verneinen sei.  4.2.  In  der  Beschwerde  vom  27.  August  2007  wird  bezüglich  des  Asylpunkts  zunächst  vorgebracht,  der  Beschwerdeführer  befürchte  zu  Recht,  er  würde  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  auch  heute  noch als Sohn seines Vaters wiedererkannt und hätte unter Racheakten  zu  leiden.  Weiter  sei  festzustellen,  dass  die  Vorinstanz  bei  ihrer  Beschreibung der politischen Entwicklung in Afghanistan bei Ereignissen  von Anfang 2006 aufgehört habe; die aktuelle Situation in Afghanistan sei  gar  nicht  berücksichtigt  worden.  Anschliessend  wird  seitens  des  Beschwerdeführers  auf  die  zahlreichen  Gewaltakte,  kriegerischen  Auseinandersetzungen  und  Militäroperationen  im  Jahr  2007  sowie  die  damit  einhergehende  grosse  Anzahl  von  intern  Vertreibenen  hingewiesen. Daraus sei zu folgen, dass der Beschwerdeführer bei einer  erzwungenen  Rückkehr  nach  Afghanistan  im  heutigen  Zeitpunkt  unter  einer Verfolgung seitens des Staats zu leiden hätte. Infolge der aktuell in  Afghanistan herrschenden politischen Situation wäre er dort an Leib und  Leben  gefährdet  und  hätte  unter Massnahmen  zu  leiden,  welche  einen  unerträglichen Druck erzeugen würden. Dem Beschwerdeführer sei daher  Asyl zu gewähren. 4.3. In seinen nachträglichen Ausführungen vom 17. April 2011 macht der  am  17.  Februar  2011  neu  mandatierte,  aktuelle  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  im  Wesentlichen  geltend,  die  angefochtene 

D­5741/2007 Verfügung  sei  mit  schweren  Mängeln  behaftet,  welche  von  der  vormaligen  Rechtsvertreterin  nicht  vorgebracht  worden  seien.  So  habe  das  BFM  nämlich  die  Ethnie  des  Beschwerdeführers  (Sayed)  in  der  angefochtenen  Verfügung  ignoriert  und  damit  den  Sachverhalt  falsch  festgestellt.  Dieser  Mangel  wiege  umso  schwerer,  als  der  Beschwerdeführer anlässlich der kantonalen Anhörung vorgebracht habe,  seine Verfolgung habe einen spezifisch ethnischen Hintergrund. Er werde  in  Afghanistan  von  den  Hazara  verfolgt;  er  sei  Sayed  und  die  Sayed  könne  man  an  einer  Hand  abzählen.  Das  BFM  habe  die  ethnische  Komponente der Verfolgung des Beschwerdeführers im vorliegenden Fall  weder  berücksichtigt  noch  genauer  abgeklärt  und  sei  stattdessen  fälschlicherweise  davon  ausgegangen,  der  Beschwerdeführer  sei  ethnischer  Hazara.  Auch  habe  es  sich  nicht  über  die  in  Afghanistan  lebenden  Ethnien  und  deren  Gefährdungslage,  namentlich  über  die  Situation  der  Sayed,  informiert.  Damit  sei  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  unrichtig  festgestellt  worden,  weshalb  die  angefochtene  Verfügung aufgehoben und die Sache ans BFM zurückgewiesen werden  müsse. Im Weiteren habe es das BFM unterlassen, bezüglich der geltend  gemachten  Verfolgung  weitere  Abklärungen  zu  treffen.  Insbesondere  hätte  das  BFM  prüfen  müssen,  ob  in  dem  vom  Beschwerdeführer  genannten  Zeitraum  tatsächlich  Übergriffe  auf  Taliban­Kollaborateure  in  Mazari  Sharif  stattgefunden  hätten,  inwieweit  diese  allenfalls  ethnischer  Natur  gewesen  seien  und  sich  gegen  ethnische  Sayed  gerichtet  hätten  und  ob  sich  aus  diesen  Übergriffen  im  heutigen  Zeitpunkt  eine  asylrelevante Verfolgungssituation für den Beschwerdeführer ergebe. Die  Unterlassung  der  Ermittlung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sei  problematisch, da selbst eine einfache Internetrecherche zeige, dass sich  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Ereignisse  in  einem  Kontext  der Auseinandersetzung zwischen den Hazara und den Taliban ereignet  hätten. Die Sayed ihrerseits seien sowohl Opfer als auch Kollaborateure  der  Taliban  gewesen.  Der  Vater  des  Beschwerdeführers  sei  nicht  nur  Kollaborateur  der  Taliban  gewesen,  sondern  habe  dazu  einer  spezifischen ethnischen Gruppe (Sayed) angehört, was selbst heute noch  die  Identifizierung  des  Beschwerdeführers  durch  die  Hazara  möglich  mache.  Es  lägen  daher  eindeutige  Hinweise  dafür  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  Opfer  von  Racheakten  würde.  Angesichts dieser unvollständigen Sachverhaltsabklärung durch das BFM  rechtfertige sich eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Das BFM  habe im Übrigen auch nicht berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer im  Alter  von 14  Jahren aus Afghanistan  geflüchtet  sei  und  sich  die  beiden  Anhörungen vor seiner Volljährigkeit ereignet hätten. Zusammenfassend 

D­5741/2007 sei  festzustellen,  dass  das  BFM  neben  der  erwähnten  mangelhaften  Abklärung  des  Sachverhalts  auch  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  verletzt habe; denn das BFM habe eines der zentralsten Vorbringen des  Beschwerdeführers  nicht  erwähnt  und  nicht  gewürdigt.  Damit  sei  auch  das  Willkürverbot  verletzt  worden.  Dies  müsse  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Folge  haben.  Nach  der  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM  werde  dieses  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  vollständig  und  richtig  abzuklären  und  danach  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  vollständig  zu  würdigen  haben.  Die  Tatsache,  dass  der Beschwerdeführer der Ethnie der Sayed angehöre, habe im Übrigen  auch  Auswirkungen  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs. Da die Sache jedoch ohnehin zur Neubeurteilung  an das BFM zurückgewiesen werden müsse, erübrigten sich ausführliche  diesbezügliche  Ausführungen.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  fügte  anschliessend  trotzdem  noch  einige  Bemerkungen zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an.  4.4.  In seiner auf den Asylpunkt beschränkten  (dritten) Vernehmlassung  erklärt das BFM, es könne nicht in Abrede gestellt werden, dass es in den  von den Hazara dominierten Stammesgebieten zwischen den einzelnen  Ethnien zu Spannungen und Auseinandersetzungen kommen könne, so  auch zwischen den Hazara und den Sayed. Die dabei für Angehörige der  Sayed  entstehenden  Nachteile  seien  jedoch  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  nicht  als  asylrelevant  einzustufen.  Es  lägen  zudem  keine  konkreten  Hinweise  darauf  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner ethnischen Zugehörigkeit  und der Mitgliedschaft  seines getöteten  Vaters bei der Hizb­e  Islami sowie dessen Unterstützung der Taliban  in  Afghanistan eine Verfolgung zu befürchten hätte.  4.5.  In  der  Eingabe  vom  9.  September  2011  wird  seitens  des  Beschwerdeführers  entgegnet,  das  BFM  habe  den  Rügen  und  Ausführungen  in  der  Eingabe  vom  17.  April  2011  offenbar  nichts  Stichhaltiges entgegenzusetzen. Das BFM verkenne insbesondere, dass  es  sich  bei  der Aussage  des Beschwerdeführers, wonach  er  als Sayed  von den Hazara verfolgt werde, um ein ursprüngliches Vorbringen handle.  Im  weiteren  sei  festzustellen,  dass  es  ausgeschlossen  sei,  dass  die  gerügte  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  durch  eine  über  vier  Jahre  nach  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung  verfasste,  neunzeilige  Stellungnahme des BFM geheilt werde. Das BFM verkenne zudem, dass  der Beschwerdeführer eine gezielte asylrelevante Verfolgung – und nicht  bloss  allgemeine  Spannungen  zwischen  einzelnen  Stämmen  –  geltend 

D­5741/2007 gemacht  habe.  Schliesslich  behaupte  das  BFM  ohne  nähere  Begründung,  der  Beschwerdeführer  habe  im  Zusammenhang  mit  der  Tötung seines Vaters keine Verfolgung zu befürchten.  5.  Vorab  ist  mit  Blick  auf  die  Eingabe  vom  17.  April  2011  Folgendes  zu  bemerken: Nach Ablauf  der Beschwerdefrist  dürfen Beschwerdeanträge  grundsätzlich  nicht  mehr  erweitert,  sondern  nur  noch  gekürzt  oder  präzisiert  werden.  Nachträgliche  Verbesserungen  beziehungsweise  Ergänzungen der Beschwerdeschrift sind nur unter den Voraussetzungen  von  Art.  52  Abs.  2  und  Art.  53  VwVG möglich  (vgl.  STEFAN VOGEL,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rz.  6  zu  Art.  50,  S.  684;  ANDRÉ  MOSER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008,  Rz. 6  zu Art.  52, S. 690). Daraus  folgt,  dass  im Beschwerdeverfahren –  gestützt  auf  die  Eventualmaxime  –  sämtliche  Begehren  und  Eventualbegehren  grundsätzlich  innerhalb  der  Beschwerdefrist  vorzubringen  sind.  Erst  in  der  Replik  (oder  noch  später)  formulierte  Begehren sind daher unzulässig, und es ist darauf nicht einzutreten (vgl.  ANDRÉ MOSER, a.a.O., Rz. 4 zu Art. 52, S. 690). Im vorliegenden Fall hat  die  vormalige  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  die  vorinstanzliche Verfügung vom 26. Juli 2007 fristgerecht mit Beschwerde  vom  27.  August  2007  angefochten.  Dabei  hat  sie  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen und Asyl zu gewähren, eventuell sei  infolge  Unzulässigkeit  und/oder  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  anzuordnen.  Ihre  Beschwerdebegründung  orientierte  sich  an  diesen  Anträgen.  Mit  Eingabe  vom  17. April  2011  hat  nun  der  aktuelle  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  erstmals  angeblich  vom  BFM  begangene  Verfahrensfehler  gerügt  und  in  diesem  Zusammenhang  mehrfach  die  Kassation  der  angefochtenen  vorinstanzlichen  Verfügung  verlangt.  Mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  festzustellen,  dass  diese  neu  vorgebrachten  Rügen  sowie  die  damit  verbundenen  Kassationsanträge  offensichtlich  über  die  ursprünglichen,  innerhalb  der  Beschwerdefrist gestellten Rechtsbegehren hinausgehen und damit eine  unzulässige  Erweiterung  respektive  eine  qualitative  Änderung  des  Prozessgegenstandes darstellen, zumal die Voraussetzungen von Art. 52  Abs. 2 und Art. 53 VwVG vorliegend nicht erfüllt sind. Würden derartige  Beschwerdeänderungen ohne weiteres zugelassen, würde dies auf eine 

D­5741/2007 gesetzlich  nicht  vorgesehene  Verlängerung  der  als  Verwirkungsfrist  ausgestalteten  Beschwerdefrist  hinauslaufen.  Deshalb  ist  auf  die  in  der  Eingabe  vom  17.  April  2011  gestellten  Kassationsbegehren  sowie  die  diesbezüglichen Begründungen nicht einzutreten. 6.  Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. 6.1.  Der  Beschwerdeführer  fürchtet  sich  eigenen  Angaben  zufolge  vor  einer Verfolgung durch Anhänger der Hizb­e Wahdat und bringt vor, diese  hätten  bereits  seinen Vater  und  seine  beiden Geschwister  umgebracht,  weil  sein Vater  ein Mitglied  der Hizb­e  Islami  gewesen  sei  und mit  den  Taliban zusammengearbeitet habe. Dazu ist Folgendes festzustellen: Die  blutigen  Übergriffe  der  Hizb­e  Wahdat  auf  Taliban­Anhänger  im  November 2001, welchen angeblich auch der Vater und die Geschwister  des Beschwerdeführers zum Opfer gefallen seien, haben sich unmittelbar  nach den kriegerischen Auseinandersetzungen in Mazari Sharif zwischen  den Taliban und der durch die U.S. Streitkräfte unterstützten Nordallianz  (welcher die Hizb­e Wahdat angehörte)  im November 2001 ereignet und  sind  in  diesem  politischen  Kontext  zu  sehen.  Der  Beschwerdeführer  erklärte  ausdrücklich,  sein  Vater  und  seine  Geschwister  seien  von  politischen  Gegnern  getötet  worden,  weil  sein  Vater  mit  den  Taliban  sympathisiert  habe  und  Mitglied  der  Hizb­e  Islami  gewesen  sei.  Es  ist  demnach  davon  auszugehen,  dass  die  angebliche  Tötung  der  Verwandten  des  Beschwerdeführers  politisch  motiviert  war  und  im  Rahmen  der  im  November  2001  herrschenden,  emotional  aufgeheizten  Stimmung – sozusagen  im Affekt des Zorns über die Taliban und deren  Kollaborateure  –  erfolgte,  begünstigt  durch  den  Umstand,  dass  die  Nordallianz  aus  dem  damaligen  Kampf  gegen  die  Taliban  als  Sieger  hervorgegangen  war.  Inzwischen  sind  indessen  fast  zehn  Jahre  vergangen. Die  im Jahr 2001 noch  relativ  einflussreiche Hizb­e Wahdat  hat  in  diesem Zeitraum  ihren militärischen Flügel  aufgegeben und  ist  in  der  Folge  aufgrund  von  internen  Machtkämpfen  in  mehrere  kleinere  Parteien  zersplittert  (vgl.  dazu  den  Eintrag  zur  Hizbe  Wahdat  auf  Wikipedia:  http://en.wikipedia.org/wiki/Hezbe_Wahdat,  besucht  am  13.  Oktober 2011). Es erscheint wenig plausibel, dass der Beschwerdeführer  im Falle seiner Rückkehr nach Afghanistan nach so langer Zeit nach wie  vor  mit  politisch  motivierten  Vergeltungshandlungen  seitens  der  heute  bestehenden,  verschiedenen  politischen  Ablegern  der  ursprünglichen  Hizb­e Wahdat zu rechnen hätte, zumal er sich selber weder für die Hizb­

D­5741/2007 e  Islami  noch  für  die  Taliban  engagiert  und  persönlich  keine  Probleme  hatte (vgl. A1 S. 5, A11 S. 10 und 13). Den Akten sind im Übrigen auch  keine  konkreten  Hinweise  darauf  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  je  effektiv  durch  die  Hizb­e  Wahdat  gesucht  wurde  beziehungsweise dass diese Gruppierung  ihn persönlich  im Visier hatte.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  vielmehr  davon  auszugehen,  dass  zwar  möglicherweise  sein  Vater  bewusst  als  Opfer  ausgewählt  wurde,  dass  jedoch  bereits  die  beiden  Geschwister  des  Beschwerdeführers  nur  deshalb getötet wurden, weil sie sich damals zufälligerweise ebenfalls im  Haus aufhielten. Jedenfalls kann aus dem geltend gemachten Umstand,  dass  seine Geschwister  zusammen mit  dem Vater  umgebracht wurden,  nicht geschlossen werden, auch der Beschwerdeführer sei von der Hizb­e  Wahdat  gezielt  verfolgt  worden  respektive  werde  auch  im  heutigen  Zeitpunkt  noch  gezielt  verfolgt.  Die  vom  Beschwerdeführer  im  Zusammenhang  mit  dem  Ereignis  vom  November  2001  geltend  gemachte  Verfolgungsfurcht  ist  daher  als  nicht  asylrelevant  zu  bezeichnen.  6.2. Der  Beschwerdeführer  brachte  zudem  vor,  die  Hazara  seien  seine  Feinde und würden ihn überall aufspüren, da er Sayed sei und diese nicht  sehr zahlreich seien (vgl. A11 S. 12). Zwar trifft es zu, dass es zwischen  den  Hazara  und  den  im Hazarajat  lebenden  Sayed  (welche  als  direkte  Nachkömmlinge  des  Propheten  Mohammed  gelten)  teilweise  zu  Spannungen  kommt,  wobei  den  Sayed  vorgeworfen  wird,  sie  beanspruchten  für  sich  eine  höhere  gesellschaftliche  Stellung.  Zum  Nachteil gereicht den Sayed zudem die Tatsache, dass einige von ihnen  eine Rolle  in der ehemaligen Talibanverwaltung gespielt hatten  (vgl. die  vom  Beschwerdeführer  als  Beweismittel  eingereichte  ACCORD  Anfragebeantwortung vom 14. Dezember 2004). Allerdings gibt es keine  Hinweise auf eine gezielte und (im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG) relativ  intensive Verfolgung der Sayed durch die Hazara.  Im Übrigen bringt der  Beschwerdeführer  nicht  vor,  er  werde  allein  schon  aufgrund  seiner  ethnischen  Zugehörigkeit  zu  den  Sayed  durch  die  Hazara  verfolgt.  Vielmehr  steht  seine  vorstehend  einleitend  erwähnte  Aussage  im  Zusammenhang mit der geltend gemachten Furcht  vor einer Verfolgung  durch  die  Hazara­dominierte  Hizb­e  Wahdat,  weil  sein  Vater  mit  den  Taliban  zusammengearbeitet  habe.  Diese  Verfolgungsfurcht  wurde  indessen  bereits  als  nicht  asylrelevant  qualifiziert  (vgl.  E.  6.1).  In  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  ein  Sayed  ist,  kann  nach  dem  Gesagten ebenfalls keine Asylrelevanz erblickt werden. 

D­5741/2007 6.3. Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  zusammenfassend  festzustellen,  dass  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  insgesamt  als  nicht  asylrelevant  zu  qualifizieren  sind.  Die  geltend  gemachte  Furcht,  zum  heutigen  Zeitpunkt  bei  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan aufgrund der früheren Aktivitäten seines verstorbenen Vaters  sowie  wegen  seiner  Zugehörigkeit  zur  Bevölkerungsgruppe  der  Sayed  einer  asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt  zu  sein,  erscheint  daher  als  unbegründet.  6.4.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren,  auf  Beschwerdeebene  gemachten  Ausführungen  sowie  die  übrigen,  bisher  nicht ausdrücklich gewürdigten Beweismittel näher einzugehen, da diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  ergibt  sich,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist, Asylgründe  im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder  glaubhaft  zu  machen.  Damit  erfüllt  er  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.  7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung noch hat er Anspruch auf Erteilung einer solchen.  Die Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs.  1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 8.2. Mit Verfügung vom 22. Juli 2011 hat die Vorinstanz die Ziffern 4 und  5  des  Dispositivs  ihrer  Verfügung  vom  26.  Juli  2007  aufgehoben  und  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme des Beschwerdeführers  in der Schweiz angeordnet. Damit  ist 

D­5741/2007 die  Beschwerde  –  soweit  sie  sich  gegen  den  ursprünglich  verfügten  Wegweisungsvollzug  richtete  – gegenstandslos geworden. Unter  diesen  Umständen  erübrigen  sich  jegliche  Ausführungen  zur  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung. 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzutreten und sie  nicht gegenstandslos geworden ist. 10.  10.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens (hälftiges Obsiegen) sind dem  Beschwerdeführer die um die Hälfte reduzierten Verfahrenskosten in der  Höhe von Fr. 300.– aufzuerlegen (vgl. Art. 2 und 3 des Reglements vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]  i.V.m.  Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG).  Dieser  Betrag  ist  mit  dem  am  17.  September  2007  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.–  zu  verrechnen,  womit  dem  Beschwerdeführer der Überschuss von Fr. 300.– zurückzuerstatten ist. 10.2. Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer  ist sodann zulasten  der Vorinstanz eine Entschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zuzusprechen  (vgl.  Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG;  Art.  7  VGKE).  Diese  Entschädigung  ist  entsprechend dem Grad des Durchdringens praxisgemäss um die Hälfte  zu reduzieren. Der Beschwerdeführer wurde den Akten zufolge zunächst  vom  8.  August  2007  bis  zum  16.  Februar  2011  durch  Annelise  Gerber  vertreten.  Diese  hat  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  für  diesen  Zeitraum  lässt  sich  indes  aufgrund  der  Aktenlage  zuverlässig  abschätzen,  weshalb  auf  die  Einholung einer solchen verzichtet werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine  VGKE).  In  Anwendung  der  genannten  Bestimmungen  und  unter  Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren  (vgl. Art. 8  ff.  VGKE)  ist  die  Parteientschädigung  für  diese  Zeitperiode  von  Amtes  wegen auf  pauschal Fr. 450.–  festzusetzen. Seit  dem 17. Februar  2011  nimmt Michael Steiner die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers war.  Herr Steiner hat mit Eingabe vom 4. August 2011 eine Kostennote zu den  Akten gereicht. Der darin geltend gemachte Aufwand von 8 Stunden und 

D­5741/2007 11 Minuten (bei einem Stundenansatz von Fr. 230.–) sowie die Auslagen  von Fr. 29.– erscheinen indessen nicht als angemessen, da insbesondere  die  umfangreiche  Eingabe  vom  17.  April  2011  gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  (vgl.  E.  5)  als  überwiegend  untauglich  bezeichnet  werden  muss.  Als  Rechtsanwalt  hätte  der  Rechtsvertreter  wissen  müssen,  dass  das  nachträgliche  Stellen  von  neuen  Rechtsbegehren (dies erfolgte im vorliegenden Fall über drei Jahre nach  Ablauf der Beschwerdefrist) unzulässig  ist. Aufgrund dessen werden der  geltend  gemachte  Gesamtaufwand  sowie  die  damit  verbundenen  Auslagen um zwei Drittel gekürzt, und es wird kein Zuschlag für den seit  dem Datum  der  Kostennote  (4.  August  2011)  noch  getätigten  Aufwand  gewährt.  Damit  sind  bezüglich  des  aktuellen  Rechtsvertreters  von  angemessenen  Kosten  in  der  Höhe  von  Fr.  688.–  (inkl.  MwSt)  auszugehen (vgl. dazu auch Art. 8 Abs. 2 VGKE). Die als angemessen zu  betrachtenden  Gesamtkosten  betragen  nach  dem  Gesagten  zusammenfassend  Fr. 1138.–.  Angesichts  des  hälftigen  Obsiegens  des  Beschwerdeführers  hat  das  BFM  diesem  demnach  eine  um  die  Hälfte  reduzierte  Parteientschädigung  von  total  Fr.  569.–  (inkl.  MwSt)  auszurichten.  (Dispositiv nachfolgende Seite)

D­5741/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird und sie  nicht gegenstandslos geworden ist. 2.  Die  reduzierten  Verfahrenskosten  von  Fr.  300.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Nach  Verrechnung  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.–  wird  dem  Beschwerdeführer  der  Überschuss von Fr. 300.– zurückerstattet.  3.  Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  reduzierte  Parteientschädigung  von  Fr.  569.– zu entrichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-5741/2007 — Bundesverwaltungsgericht 18.10.2011 D-5741/2007 — Swissrulings