Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-5566/2009

13. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,654 Wörter·~8 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5566/2009/sed Urteil   v om   1 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), Kamerun,   vertreten durch lic. iur. Alain Joset, Advokat, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 31. Juli 2009 / N _______.

D­5566/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer,  ein  kamerunischer  Staatsangehöriger  aus  Yaoundé,  eigenen  Angaben  zufolge  am  29.  August  2008  auf  dem  Luftweg  in  die  Schweiz  einreiste  und  am  1.  September  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  nachsuchte, dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  12.  September 2008  im EVZ B._______ und der direkten Anhörung vom 7.  April  2009  in  C._______  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  bis  zum  Jahr  2004  Mitglied  der  Regierungspartei Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais  (RDPC)  gewesen  zu  sein,  sich  aber  im  Jahr  2006  der  oppositionellen  Partei Social Democratic Front (SDF) angeschlossen zu haben, dass  er  zwischen  2006  und  2008  seine  ehemalige  Partei  RDPC  mehrmals öffentlich angeprangert habe, dass er und weitere Personen im Dezember 2007 im Anschluss an einen  solchen Auftritt bei der Radiostation D._______ von der Police Judiciaire  verhaftet und während einer Woche festgehalten worden seien, dass er danach zwar vom Staatsanwalt  freigesprochen worden sei, man  ihm aber zur Kenntnis gebracht habe, das Ereignis und weitere dieser Art  seien in seiner Akte vermerkt worden, dass  junge  Kameruner  am  18.  Februar  2008  in  Yaoundé  einen  Streik  gegen  die  steigenden  Lebenshaltungskosten  lanciert  hätten,  die  Behörden das Ereignis aber als Unruhen mit dem Ziel der Absetzung des  Präsidenten missinterpretiert hätten, dass  der Streik  daher  in  gewaltsame Auseinandersetzungen  ausgeufert  sei, wobei mindestens zwei Jugendliche durch die Behörden erschossen  worden seien, dass  er  selber  zwar  nicht  am Streik  beteiligt  gewesen  sei,  das  Treiben  jedoch  vor  seinem  Laden  postiert  beobachtet  habe,  bis  er  vom  Quartierchef  erblickt  worden  sei,  der  ihn  aufgrund  seiner  Mitgliedschaft  bei  der  SDF  sofort  für  den  Streik  verantwortlich  gemacht  und  die  Gendarmerie alarmiert habe,

D­5566/2009 dass diese ihn auf den Posten mitgenommen und nach der Identifizierung  als SDF­Mitglied geschlagen und gefoltert habe, dass  ihm ein  junger Wächter gleicher Stammessprache unverhofft seine  Hilfe  angeboten  habe  und  dieser  ihn  nach  einer  Geldübergabe  durch  einen Freund (des Beschwerdeführers) habe freikommen lassen, dass  er  zu  Fuss  nach  Hause  gelangt  sei,  dort  einige  Habseligkeiten  eingepackt und mit seinem Auto zu einem Freund gefahren sei, dass er später von seiner Freundin erfahren habe, Gendarmen hätten im  gemeinsamen  Haushalt  nach  ihm  gesucht  und  eine  Vorladung  hinterlassen, dass  die  Gendarmen  am  23.  Februar  2008  unter  Zurücklassung  einer  zweiten Vorladung Dokumente und seinen Computer konfisziert hätten,  dass  sein  Anwalt,  nachdem  dieser  von  ihm  wegen  der  beiden  Vorladungen  konsultiert  worden  sei,  ihm  aufgrund  der  Gefährdung  geraten habe, das Land zu verlassen, dass  er  in  der  Folge  im  März  2008  in  einem  Auto  nach  E._______  (F._______)  gefahren  sei  und  sich  von  dort  aus  nach  einem  mehrmonatigen  Aufenthalt  nach  G._______  (ebenfalls  F._______)  begeben habe, von wo aus er am 28. August 2008 auf dem Luftweg mit  einem Zwischenhalt in H._______ (Kamerun) nach I._______ gelangt sei, dass  nach  Angaben  seines  Anwalts  zur  Zeit  in  Kamerun  ein  Verfahren  gegen ihn hängig sei, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  seine  kamerunische  Identitätskarte,  eine  Mitgliederbestätigung  der  SDF  (…),  zwei Anwaltsschreiben (…) beziehungsweise (…), ein Schreiben der SDF  (…)  (Telefax),  sowie zwei Vorladungen der Gendarmerie  (…)  (in Kopie)  zu den Akten reichte, dass das BFM mit Verfügung vom 31. Juli 2009 – eröffnet am 4. August  2009 – das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 1. September 2008  abwies,  dessen  Wegweisung  anordnete  und  den  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtete,

D­5566/2009 dass das Bundesamt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen  ausführte,  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht, weshalb das  Asylgesuch abzulehnen sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seines  Rechtevertreters  vom  3. September  2009  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die  angefochtene Verfügung  des BFM sei  aufzuheben,  er  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen und es  sei  ihm daher Asyl  zu gewähren,  eventualiter  sei  infolge  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021),  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersuchte, dass  er  in  seiner  Beschwerde  im  Wesentlichen  zu  den  vom  BFM  aufgeführten Unglaubhaftigkeitselementen Stellung bezog, dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  15. September 2009 feststellte, dass der Beschwerdeführer den Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne,  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  ablehnte  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  einen  Bedürftigkeitsnachweis  einzureichen  oder  einen  Kostenvorschuss  zu  bezahlen, zumal die Begehren nicht als aussichtlos erschienen, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  9.  Oktober  2009  den  erforderlichen  Bedürftigkeitsnachweis  nachreichte  und  als  weiteres  Beweismittel einen Haftbefehl vom 28. März 2008 (gemäss Angaben des  Beschwerdeführers im Original) zu den Akten reichte, dass  das  BFM  im  Rahmen  seiner  Vernehmlassung  vom  3.  November  2009  die  Ablehnung  der  Beschwerde  beantragte  und  unter  anderem  festhielt, dass die Beschwerde keine neuen erheblichen Tatsachen oder  Beweismittel  beinhalte,  zumal  die  Echtheit  des  ins  Recht  gelegten 

D­5566/2009 Beweismittels zweifelhaft sei und einem solchen Dokument aufgrund der  leichten Käuflichkeit nur geringer Beweiswert zukomme, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Replik  vom  19.  November  2009  an  seinen Anträgen und Ausführungen in der Beschwerde festhielt und zum  Vorwurf  des  geringen  Beweiswerts  des  eingereichten  Beweismittels  Stellung nahm, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  Mitteilung  des  J._______  vom  22. November  2010  in  Folge Heirat  einer  Schweizer  Staatsangehörigen  eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung "B" erhalten hatte, dass der zuständige Instruktionsrichter daher mit Zwischenverfügung vom  3.  Februar  2011  feststellte,  die  Anordnung  der  Wegweisung  in  der  angefochtenen  Verfügung  falle  dahin  und  den  Beschwerdeführer  anfragte,  ob  er  an  den  restlichen  Anträgen  in  seiner  Beschwerde  festhalte, dass der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe  vom  11.  März  2011  mitteilte,  er  halte  vollumfänglich  an  seiner  Beschwerde fest, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­ 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),

D­5566/2009 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  1  AsylG  und Art.105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG sowie Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 2 AsylG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Natio­ nalität,  Zugehörigkeit  zu einer  bestimmten  sozialen Gruppe oder wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden  (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 Abs. 1 AsylG), dass diese glaubhaft  gemacht  ist, wenn die Behörde  ihr Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält  (Art. 7  Abs.  2  AsylG), dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  we­ sentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind,  den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder  verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG), dass  das BFM zur Begründung  seiner Verfügung  vom 31.  Juli  2009  im  Wesentlichen  darlegte,  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  genügten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art.  7  AsylG nicht, dass  der  Beschwerdeführer  den  Sachverhalt  teilweise  widersprüchlich  geschildert habe, dass  er  insbesondere  anlässlich  der  Erstbefragung  geltend  gemacht  habe,  der  Wächter  auf  dem  Gendarmerieposten  habe  200'000  CFA­ Francs  von  ihm  verlangt,  während  er  anlässlich  der  direkten  Anhörung  diesbezüglich von 500'000 CFA­Francs gesprochen habe,

D­5566/2009 dass  er  in  der  summarischen  Befragung  ausgeführt  habe,  er  habe  im  Gefängnis mit  seinem  Freund  telefoniert,  sei  später  geholt  worden  und  habe  dort  mit  seinem  Freund  gesprochen,  während  er  an  der  eingehenden  Anhörung  geschildert  habe,  er  habe  seinen  Freund  im  Gefängnis  nicht  gesehen  und  habe  nicht  einmal  gewusst,  dass  dieser  nach seinem Anruf im Gefängnis vorbeigekommen sei, dass  ferner  etliche  Angaben  des  Beschwerdeführers  nicht  der  allgemeinen Erfahrung entsprechen würden, dass  etwa  nicht  ersichtlich  sei,  weshalb  ein  dem  Beschwerdeführer  unbekannter Wächter das Risiko auf sich genommen haben sollte, ihn als  Hauptverantwortlichen  eines  gewaltsamen  Aufstandes  einzig  aus  Sympathie  und  Mitleid,  sowie  gegen  Bezahlung  eines  unbedeutenden  Betrages, freizulassen, dass  das  geschilderte  Verhalten  nach  der  Flucht,  wonach  er  zu  Fuss  durch Yaoundé nach Hause gegangen sei, um danach mit dem Auto zu  einem Freund  in Yaoundé  zu  fahren  und  sich  bei  diesem bis  zu  seiner  Ausreise  Mitte  März  2008  aufzuhalten,  nicht  dem  Verhalten  eines  tatsächlich Verfolgten entspreche, da sich der Beschwerdeführer dadurch  bewusst dem erhöhten Risiko einer Festnahme ausgesetzt habe, dass  der  Beschwerdeführer  einige  wesentliche  Vorbringen  erst  im  Rahmen der direkten Anhörung in C._______ geltend gemacht habe, dass  er  anlässlich  der  summarischen  Befragung  seine  vermeintliche  Funktion als Jungpräsident nicht erwähnt habe und eine solche Position  auch aus dem eingereichten Mitgliederausweis der SDF nicht ersichtlich  werde, dass  auch  die  Vorbringen,  wonach  ihn  die  Police  Judiciaire  bereits  im  Dezember 2007 wegen seines Engagements für die SDF inhaftiert habe  und nach Angaben seines Anwalts ein Verfahren gegen ihn hängig sei, in  Anbetracht  ihrer  zentralen  Bedeutung  bereits  anlässlich  der  Erstbefragung hätten geltend gemacht werden müssen, dass  der  Beschwerdeführer  ausserdem  keine  Unterlagen  zum  angeblichen Verfahren eingereicht habe,

D­5566/2009 dass  ferner  allgemein  zugänglichen  Quellen,  welche  über  Tagesereignisse  in  Kamerun  berichten,  keine  Hinweise  auf  die  geltend  gemachten Ereignisse vom 18. Februar 2008 zu entnehmen seien, dass auch die zu den Akten gereichten Beweismittel nichts am Eindruck  der Unglaubhaftigkeit  zu  ändern  vermöchten,  zumal  keine Hinweise  auf  eine besondere politische Exponierung des Beschwerdeführers vorlägen  und  die  Mitgliedschaft  bei  der  SDF  allein  nicht  grundsätzlich  zu  einer  Verfolgung führe, dass  Zweifel  an  der  Echtheit  der  eingereichten  Kopien  der  beiden  Vorladungen  bestehen würden  und  solche Dokumente  im  afrikanischen  Raum  leicht  käuflich  zu  erwerben  seien,  weshalb  deren  Beweiswert  gering sei, dass den beiden Vorladungen  im Übrigen auch keine Hinweise auf eine  asylrelevante  Verfolgung  zu  entnehmen  seien,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen sei, dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  31.  Juli  2009  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Erwägung  –  zu  Recht  zufolge  widersprüchlicher  und  realitätsferner  Vorbringen als unglaubhaft erachtet hat, dass vorab zu bemerken ist, dass allgemein zugänglichen Quellen – wie  vom Beschwerdeführer  in seiner Rechtmitteleingabe zu Recht entgegnet  wurde  –  sehr  wohl  Hinweise  auf  die  geltend  gemachten  Streiks  in  Yaoundé  vom  Februar  2008  zu  entnehmen  sind  (vgl.  etwa  den  vom  Beschwerdeführer  erwähnten  Bericht  von  Amnesty  International,  Cameroon  –  Impunity  Underpins  Persistant  Abuse,  London  2009,  S.  2  und 5, sowie Freedom House, Freedom in the World – Cameroon (2011),  <http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=22&year=2011&count ry=8010> [besucht am 29. August 2011], S. 1), dass  indes  die  vom  BFM  festgestellten  Widersprüche  bezüglich  der  Umstände  der  Freilassung  des  Beschwerdeführers  durch  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde,  er  habe  anlässlich  der  direkten  Anhörung seine früheren Aussagen lediglich konkretisiert, nicht aufgelöst  werden können,

D­5566/2009 dass das Bundesamt das Vorbringen, wonach der junge Wächter gleicher  Stammessprache den Beschwerdeführer gegen Geld  freigelassen habe,  zu Recht als realitätsfremd qualifiziert hat, dass die Entgegnung in der Beschwerde, er habe die Situation anlässlich  der Befragungen glaubhaft geschildert, zudem sei Korruption in Kamerun  ein  gängiges  Mittel,  nicht  überzeugt,  da  das  durch  den  Wächter  eingegangene  Risiko  in  keinem  Verhältnis  zur  Gegenleistung  und  der  angeblichen Motivation steht, dass der Beschwerdeführer die Inhaftierung im Dezember 2007 – wie von  der  Vorinstanz  festgestellt  –  anlässlich  der  summarischen  Befragung  nicht erwähnte, weshalb das Vorbringen als nachgeschoben erscheint, dass der Einwand des Beschwerdeführers in seiner Rechtsmitteleingabe,  wonach er an der Erstbefragung nur nach seinen Ausreisegründe gefragt  worden sei und er daher ­ da die erste  Inhaftierung  im Jahre 2007 nicht  unmittelbar Anlass  zur Ausreise  gewesen  sei  –  dieses Vorbringen nicht  erwähnt habe, nicht zu überzeugen vermag, dass  er  dieses  Vorkommnis  mit  Blick  auf  den  ihm  zugemessenen  Stellenwert  anlässlich  der  Erstbefragung  zumindest  hätte  erwähnen  müssen, dass die geltend gemachte erlittene Verfolgung deshalb als unglaubhaft  zu qualifizieren ist, dass das BFM den Beweiswert der vom Beschwerdeführer zur Stützung  seiner  Vorbringen  eingereichten  Beweismittel  (Kopien  zweier  Vorladungen und einen Haftbefehl) zu Recht als gering erachtete, dass  nämlich  die  Tatsache,  wonach  der  Beschwerdeführer  im  Besitz  solcher  Dokumente  ist,  ungewöhnlich  ist,  zumal  Vorladungen  und  Haftbefehle den Betroffenen gemäss Länderanalyse der Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  weder  im  Original  noch  als  Kopie  ausgehändigt,  sondern  diesen  nur  vorgezeigt  werden  (vgl.  MICHAEL  KIRSCHNER,  Kamerun:  Überprüfung  der  Echtheit  eines  Haftbefehls,  Gutachten  der  SFH­Länderanalyse, Bern 2008, S. 2), dass  solche  Dokumente  gemäss  eben  zitierter  Länderanalyse  nur  auf  illegalem  Weg  beschafft  werden  können,  der  Beschwerdeführer  aber 

D­5566/2009 angab,  die  Vorladungen  seien  seiner  Freundin  ausgehändigt  worden  (vgl. A 11/13 Q58 und Q60), dass  die  vom  BFM  erwähnten  Auffälligkeiten  in  der  Beschaffenheit  Zweifel an der Echtheit der Dokumente hervorrufen,  dass  somit  der  Beweiswert  der  Vorladungen  und  des  Haftbefehls  aufgrund der fraglichen Herkunft und Beschaffenheit vor dem Hintergrund  der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen als herabgesetzt einzuschätzen  ist  und  diese  Dokumente  daher  nichts  an  der  zu  bestätigenden  Einschätzung des BFM zu ändern vermögen, dass  ferner  nicht  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  verfüge  über ein besonderes Gefährdungsprofil, dass er zwar durchaus über ein gewisses politisches Verständnis verfügt  (vgl.  etwa  A  11/13 Q42­45)  und  daher  eine Mitgliedschaft  bei  der  SDF  auch mit Blick  auf  die  eingereichten Beweismittel  nicht  auszuschliessen  ist, dass  er  jedoch  –  wie  von  der  Vorinstanz  festgestellt  –  anlässlich  der  ersten Befragung  seine  angebliche Funktion  als  "président  de  la  cellule  de base du quartier"  (vgl. A 11/13 Q13) unerwähnt  liess, obwohl dieses  Vorbringen von zentraler Bedeutung ist, dass  überdies  die  verwendete  Bezeichnung  "cellule  de  base"  erstaunt,  nennt  sich  doch  die  unterste  Einheit  der  SDF  lediglich  "la  cellule",  während das Pendant bei der RDPC "comité de base" genannt wird und  von einem Präsidenten durchaus die korrekte Benennung seiner Einheit  erwartet werden kann, dass  ihn  zudem  die  Mitgliederbestätigung  (…)  lediglich  als  Aktivisten  ("militant") bezeichnet, ohne auf eine besondere Position hinzuweisen, dass  zwar  der  Einwand  des  Beschwerdeführers,  wonach  allen  SDF­ Mitgliedern unabhängig ihrer Funktion derselbe Ausweis ausgestellt wird,  berechtigt  ist  (vgl.  HELENA   LISIBACH,  Kamerun:  Mitgliedschaft  in  Social  Democratic  Front  [SDF],  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse,  Bern  2007,  S. 7­8), dass jedoch der Ausstellungspreis Hinweise auf die Funktion liefern kann  (vgl.  LISIBACH,  a.a.O.,  S.  8),  und  vorliegend  der  bezahlte  Betrag  von 

D­5566/2009 lediglich  200  CFA­Francs  eher  auf  eine  gewöhnliche  Mitgliedschaft  als  auf eine Kaderfunktion schliessen lässt, dass  deshalb  unter  Berücksichtigung  des  gesamten  Aussageverhaltens  des  Beschwerdeführers  und  der  eingereichten  Beweismittel  nicht  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  ausgegangen  werden  muss,  der Beschwerdeführer habe sich als Jungpräsident besonders exponiert, dass  SDF­Mitglieder  zwar  –  wie  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe geltend machte – Behelligungen durch die Behörden  ausgesetzt sein können, sie aber allein aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit  nicht  grundsätzlich  als  verfolgt  gelten  (vgl.  ALEXANDRA  GEISER,  Mitgliedschaft  in der Social Democratic Front  (SDF), Auskunft  der SFH­ Länderanalyse, Bern 2008, S. 3), dass  deshalb  und  mit  Blick  auf  die  unglaubhaften  Angaben  zur  angeblichen  Verfolgung  davon  ausgegangen  werden  kann,  der  Beschwerdeführer  verfüge  über  kein  besonderes  Gefährdungsprofil,  welches Furcht vor Verfolgung in der Zukunft rechtfertigen würde, dass folglich auch das Vorbringen  in der Beschwerdeschrift, wonach die  Radiostation D._______ nach einer Berichterstattung über die erwähnten  Proteste  vom  Februar  2008  geschlossen  worden  sei,  nichts  an  dieser  Einschätzung  ändert,  da  bereits  die  geltend  gemachte Verhaftung  nach  einem  Radiointerview  im  Dezember  2007  bei  dieser  Station  nicht  als  glaubhaft erachtet wurde, dass  auch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  nach  seiner  Ausreise  gegen eine Gefährdung in Kamerun spricht, zumal das Risiko, welches er  durch  seine  erneute  Einreise  nach  Kamerun  vom  28.  August  2008  eingegangen  ist,  grundsätzlich  nicht  mit  der  Furcht  einer  tatsächlich  gesuchten Person vereinbar ist, dass der Beschwerdeführer somit die Voraussetzungen zur Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  weshalb  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus  der Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44 Abs.  2 AsylG; Art.  83 Abs.  1 AuG),  sofern  nicht  der  Kanton  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheide  des 

D­5566/2009 Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2009/50  E.  9  S. 733), dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  eine  Schweizer  Staatsangehörige  heiratete,  woraufhin  ihm  J._______  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung "B" erteilte, dass die Beschwerde angesichts der Erteilung einer ausländerrechtlichen  Aufenthaltsbewilligung  soweit  die  Frage  der  Wegweisung  und  deren  Vollzug betreffend gegenstandslos geworden ist, dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde – soweit nicht  gegenstandslos geworden ­ abzuweisen ist, dass  die  Verfahrenskosten  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  als  unterliegender  Partei  –  da  er  mit  seinen  Rechtsbegehren  nicht  durchgedrungen ist – aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen ist, da von der Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist  und  die  Beschwerde  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  nicht  als  aussichtslos  erschien,  weshalb  ihm  keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind, dass über die Frage der Parteientschädigung im Sinne von Art. 64 VwVG  nach  den  Bestimmungen  der  Art.  5,  7  und  15  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu befinden ist,  dass  für  die  Festsetzung  einer  Parteientschädigung  bei  (teilweise)  gegenstandslosen  Verfahren  Art.  5  VGKE  sinngemäss  anzuwenden  ist  (Art. 15 2. Satz VGKE), dass  die  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  und  die  damit  einhergehende  Gegenstandslosigkeit  des  vorliegenden  Verfahrens  im  Wegweisungs­ und Vollzugspunkt auf einem nachträglich eingetretenen,  ausserhalb  des  Asylverfahrens  liegenden  fremdenpolizeilichen  Sachverhalt  beruht,  weshalb  betreffend  die  allfällige  Ausrichtung  einer  Parteientschädigung  eine  Chancenabwägung  nach  mutmasslichem 

D­5566/2009 Verfahrensausgang  im  Wegweisungs­  und  Vollzugspunkt  vorzunehmen  ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 15 VGKE i.V.m. Art. 5 VGKE), dass nicht davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer wäre mit seinen  Begehren  hinsichtlich Wegweisung  und Wegweisungsvollzug  –  hätte  er  sich nicht mit einer Schweizer Bürgerin verheiratet – durchgedrungen, dass  der  Antrag  auf  Aufhebung  der  Wegweisungsanordnung  aufgrund  der Aktenlage, wie sie sich vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit am (…)  (Erteilung  der  ausländerrechtlichen  Aufenthaltsbewilligung  "B")  präsentierte,  voraussichtlich  abgewiesen  worden  wäre,  da  die  Wegweisung regelmässig Folge der Ablehnung des Asylgesuchs (Art. 44  Abs.  1  AsylG)  ist  und  sich  aus  den  Akten  nicht  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  im  damaligen  Zeitpunkt  Anspruch  auf  die  Erteilung  einer Aufenthaltsbewilligung gehabt hätte, dass der Wegweisungsvollzug unter Berücksichtigung der massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  als  zulässig  erscheint,  zumal  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  unglaubhaft  qualifiziert  wurden,  weshalb  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulements  (Art.  5  AsylG)  nicht  zur  Anwendung  kommt  und  keine  Anhaltspunkte für eine  im Heimatstaat drohende menschenrechtswidrige  Behandlung ersichtlich sind, dass weder  die  allgemeine Lage  in Kamerun,  noch persönliche Gründe  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  gegen  den  Wegweisungsvollzug  sprechen,  weshalb  dieser  voraussichtlich  als  zumutbar zu erachten wäre, dass  –  da  keine  Vollzugshindernisse  ersichtlich  sind  –  der  Wegweisungsvollzug auch als möglich erscheint, dass  die Verfügung  des BFM vom 31.  Juli  2009  im Wegweisungs­  und  Vollzugspunkt  somit  voraussichtlich  zu  bestätigen  gewesen  wäre,  weshalb von der Ausrichtung einer Parteientschädigung abzusehen ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­5566/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden,  abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Nina Hadorn Versand:

D-5566/2009 — Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-5566/2009 — Swissrulings