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Bundesverwaltungsgericht 01.12.2011 D-5408/2011

1. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,268 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 29. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5408/2011 Urteil   v om   1 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Contessina Theis,    Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), F._______, geboren (…), G._______, geboren (…), H._______, geboren (…), I._______, geboren (…), Kosovo,   alle vertreten durch Annelise Gerber, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 29.  August 2011 / N (…).

D­5408/2011 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführenden  suchten  am 5. Juni  2001  in  der Schweiz  um  Asyl  nach.  Mit  Verfügung  vom  29. März  2004  lehnte  das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  die  Asylgesuche  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug an. Die gegen den Wegweisungsvollzug gerichtete  Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 19. Juni  2009 ab, soweit es darauf eintrat (D­3369/2006). Am  20. Oktober  2009  liessen  die  Beschwerdeführenden  beim  Migrationsamt  des  Kantons  J._______  ein  Gesuch  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung einreichen. Das Migrationsamt lehnte es indessen  ab, das Gesuch dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten. In der Folge reichten die Beschwerdeführenden am 24. Februar 2010 ein  erstes Wiedererwägungsgesuch ein. Mit Verfügung vom 3. März 2010 trat  das  BFM  auf  das  Gesuch  nicht  ein.  Die  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  erhobene  Beschwerde  wurde  mit  Abschreibungsentscheid  vom  5.  Mai  2010  als  durch  Rückzug  gegenstandslos geworden abgeschrieben (D­2734/2010). Auf das zweite Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden vom  10. Juni 2010 trat das BFM mit Verfügung vom 12. Juli 2010 erneut nicht  ein. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am  15. September  2010  liessen  die  Beschwerdeführenden  ein  drittes  Wiedererwägungsgesuch  einreichen,  auf  welches  das  BFM  mit  Verfügung vom 16. November 2010 wiederum nicht eintrat. Mit Eingabe  vom  15. Dezember  2010  erhoben  die  Beschwerdeführenden  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid.  Mit  Urteil  vom  21. April  2011  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat (D­8606/2010). B.  Mit  Eingabe  vom  4. Mai  2011  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  das  Bundesamt  erneut  um  Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  29. März  2004.  Zur  Begründung  führten  sie  –  unter  Beilage  eines  provisorischen  Berichts  sowie  eines  ärztlichen  Zeugnisses  des  (…)  –  an,  der  Beschwerdeführer  A._______  (nachfolgend  als  Beschwerdeführer  bezeichnet)  leide  unter  einem  Schädelbasistumor,  welcher  operiert 

D­5408/2011 werden  müsse.  Es  scheine  sich  um  einen  gravierenden  Eingriff  zu  handeln, weshalb der Beschwerdeführer mit Sicherheit eine geraume Zeit  Nachbetreuung und Nachkontrollen bedürfe, die  in Kosovo  in  keiner Art  und Weise gewährleistet werden könnten. C.  Mit  Verfügung  vom  29. August  2011  –  eröffnet  am  31. August  2011 –  wies  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  ab  und  erklärte  die  Verfügung vom 29. März 2004 erneut als rechtskräftig und vollstreckbar.  Gleichzeitig forderte es die Beschwerdeführenden – unter Androhung von  Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis 30. November  2011  zu  verlassen  und  erhob  eine  Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­­.  Schliesslich wies  das Bundesamt  die  Beschwerdeführenden  darauf  hin,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung  zukomme. Zur  Begründung  hielt  die  Vorinstanz  fest,  den medizinischen  Akten  sei  nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zukünftig eine ärztliche  Behandlung  benötige,  die  in  Kosovo  nicht  gewährleistet  wäre.  Nicht  massgebend  sei  dabei  die  Frage,  ob  die medizinische  Infrastruktur  und  die  fachliche  Qualifikation  des  medizinischen  Personals  im  Heimatland  der  betroffenen  Person  den  in  der  Schweiz  gegebenen  Standard  erreichten.  Gesundheitliche  Probleme  führten  nur  dann  zur  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs,  wenn  sich  aufgrund  eines  Mangels an angemessener Behandlungsmöglichkeiten im Heimatland der  betroffenen  Person  deren  Gesundheitszustand  derart  verschlechtern  würde,  dass  deren  Leben  in  Gefahr  geraten  würde.  Der  Beschwerdeführer sei am 20. April 2011 am Gehirn operiert worden und  befinde sich zur Zeit  im K._______, wo er seit dem 11. Mai 2011 wegen  des  postoperativ  aufgetretenen  Hemisyndroms  stationär  behandelt  werde.  Dem  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  Zeit  noch  einer  intensiven medizinischen Betreuung (Neurorehabilitation) bedürfe, werde  damit Rechnung getragen, dass die Ausreisefrist auf den 30. November  2011 angesetzt werde. Die punktuelle  therapeutische Weiterbehandlung  des Beschwerdeführers  könne – soweit  nötig –  im Heimatland erfolgen,  insbesondere was den physiotherapeutischen Bereich anbelange.  D.  Die  Beschwerdeführenden  liessen  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  27. September  2011  (Faxeingang:  29. September  2011;  Poststempel  Originaleingabe: 

D­5408/2011 3. Oktober  2011)  Beschwerde  erheben  und  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen Verfügung beantragen.  Im Weiteren stellten  sie die  Begehren,  die  Verfügung  des  BFM  vom  29. März  2004  sei  in  Wiedererwägung  zu  ziehen  und  es  sei  die  Unzulässigkeit  sowie  die  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  als  Folge  davon  für  die  Beschwerdeführenden  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchten  sie  um  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, Anordnung vorsorglicher  Massnahmen  im  Sinne  von  Art. 56  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. E.  Mit Zwischenverfügung vom 7. Oktober 2011 wies der  Instruktionsrichter  das Gesuch um Anordnung vorsorglicher Massnahmen (Anordnung eines  Vollzugsstopps) ab und hielt  fest,  über das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu  einem  späteren  Zeitpunkt  entschieden.  Zudem wurde  auf  die Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  und  die  Vorinstanz  wurde  zur  Einreichung einer Stellungnahme eingeladen. F.  Das Bundesamt beantragte mit seiner Vernehmlassung vom 21. Oktober  2011 (innert erstreckter Frist) die Abweisung der Beschwerde. G.  Mit  Verfügung  vom  28. Oktober  2011  setzte  der  Instruktionsrichter  den  Vollzug der Wegweisung aus und brachte den Beschwerdeführenden die  vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

D­5408/2011 entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahme  liegt  nicht  vor,  das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht  geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender  Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  ist.  Sodann  können  auch Revisionsgründe  einen  Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in  materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem  formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als  qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln 

D­5408/2011 (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. mit weiteren  Hinweisen). 4.  Die  Beschwerdeführenden  lassen  auf  Beschwerdeebene  ausführen,  gemäss eingereichtem Bericht der K._______ vom 13. Juli 2011 sei die  Heilungsentwicklung  beim  Beschwerdeführer  nicht  absehbar.  Zum  jetzigen  Zeitpunkt  sei  er  kaum  ansprechbar  und  könne  sich  kaum  bewegen.  Zudem  habe  sich  der  Beschwerdeführer  einer  weiteren  Operation unterziehen müssen, weshalb er sich im (…) befinde. Er werde  somit bis auf Weiteres nicht reisefähig sein, und in Kosovo sei weder eine  angemessene  Behandlung  noch  eine  angemessene  Infrastruktur  (Pflegeheim) gegeben. Im  zweiten  Teil  der  Beschwerdeschrift  legen  die  Beschwerdeführenden  sodann (nochmals) die Situation der übrigen Familienmitglieder dar, auch  wenn  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht mehr  auf  die  Situation  der  Familie  eingegangen  worden  sei,  da  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs längst bejaht worden sei. 5.  5.1.  Zunächst  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  weder  in  der  Beschwerde  dargetan  wird,  noch  aus  den  Akten  ersichtlich  ist,  inwiefern  von  der  Vorinstanz  in  Bezug  auf  die  übrigen  Familienmitglieder  wiedererwägungsrechtlich  relevante  Sachverhalte  zu  berücksichtigen  gewesen wären.  Entsprechend  hat  sich  das Bundesamt  zu Recht  dazu  nicht  geäussert  und  es  besteht  auch  kein  Anlass,  näher  auf  die  entsprechenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift einzugehen. 5.2.  Aus  dem  eingereichten  Bericht  des  K._______  vom  13.  Juli  2011  ergibt  sich,  dass  das  beim  Beschwerdeführer  am  19. April  2011  durchgeführte  Schädel­MRI  ein  petroclivales  Meningeom  mit  Infiltration  des  Cavum  meckeli  links  und  des  Sinus  cavernosus  links  zeigte.  Die  Tumorembolisation  erfolgte  noch  am  19. April  2011,  eine  subtotale  Tumorextirpation tags darauf. Postoperativ habe der Patient ein arm­ und  beinbetontes  inkomplettes  Hemisyndrom  rechts,  sowie  bei  liegendem  Tracheostoma  eine  Aspirationspneumonie  entwickelt.  Aus  den  Ausführungen im Bericht unter dem Titel "Status" ergibt sich, dass diverse  Statusuntersuchungen noch nicht durchgeführt werden konnten bzw. der  entsprechende  Status  (z.B.  bei  den  Hirnnerven  der  Visus  und  das 

D­5408/2011 Gesichtsfeld) noch nicht beurteilbar waren. Zum Verlauf wird im ärztlichen  Bericht  festgehalten,  nach  dem  Eintritt  des  Beschwerdeführers  in  das  K._______  zur multimodalen Neurorehabilitation  am  11. Mai  2011  habe  der  Beschwerdeführer  nochmals  hospitalisiert  werden  müssen.  Am  24. Mai  2011  sei  er  zurück  in  das  K._______  verlegt  worden.  Der  Beschwerdeführer  sei  vollumfänglich  pflegebedürftig  und  in  allen  Modalitäten  auf  Unterstützung  angewiesen.  In  Zusammenarbeit  mit  der  Physiotherapie  und  Ergotherapie  werde  intensiv  an  der  Mobilisation  gearbeitet.  Der  Beschwerdeführer  sei  nach  wie  vor  mit  einer  Trachealkanüle  aufgrund  einer  neurogenen Schluckstörung  versorgt.  Im  Rahmen  der  Logopädie  werde  die  Trachealkanüle  intermittierend  entblockt, um das Artikulieren einzelner Worte zu trainieren. Ziele für die  nächsten Wochen  seien  eine  intensive  Atem­  und  Schluckkoordination.  Eine  Entfernung  der  Trachealkanüle  im  Verlauf  der  nächsten  14  Tage  werde  angestrebt.  Weiter  wird  im  Bericht  zur  Behandlung  und  Behandlungsprognose  ausgeführt,  aktuell  stehe  man  mit  der  multimodalen Neurorehabilitation erst am Anfang. Der Beschwerdeführer  sei  bei  sämtlichen  Verrichtungen  des  täglichen  Lebens  auf  Hilfe  angewiesen.  Es  werde  mit  einer  Verbesserung  bei  bestehendem  Rehabilitationspotential gerechnet, eine weitere Prognose sei aktuell nicht  vorhersehbar. Der Beschwerdeführer sei nicht verlegungsfähig. 5.3.  Die  Vorinstanz  ist  der  Ansicht,  dem  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  Zeit  noch  einer  intensiven  medizinischen  Betreuung bedürfe, werde durch die Ansetzung der Ausreisefrist auf den  30. November  2011  Rechnung  getragen.  Die  punktuelle  therapeutische  Weiterbehandlung  könne  –  soweit  nötig  –  im  Heimatland  erfolgen,  insbesondere was  den  physiotherapeutischen Bereich  anbelange. Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zu  einem  anderen Schluss.  Aus  dem eingereichten Bericht  geht  hervor,  dass  der  festgestellte  Tumor  sowie  der  anschliessend  vorgenommene  operative  Eingriff  beim  Beschwerdeführer  zu  erheblichen  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  führte.  Zwar  besteht  auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  kein  Grund  für  die  Annahme,  der  Wegweisungsvollzug  erwiese  sich  auf  längere  Sicht  –  etwa  nach  Beendigung  des  stationären  Aufenthaltes  –  als  nicht  zumutbar,  beziehungsweise  in  Kosovo  wären  keine  medizinischen,  insbesondere  physiotherapeutischen Behandlungen möglich. Als entscheidend erweist  sich  jedoch,  dass  aufgrund  des  ärztlichen  Berichtes  der  weitere  Behandlungs­  und Heilungsverlauf  noch weitgehend  unsicher  erscheint.  Der Status  des Beschwerdeführers war  im Zeitpunkt  der Erstellung  des 

D­5408/2011 Berichtes  noch  in  derart  vielerlei  Hinsicht  unklar  oder  nicht  beurteilbar,  dass  sich  gestützt  auf  dieses Dokument  nicht  abschätzen  lässt, welche  Behandlung  der  Beschwerdeführer  zukünftig  noch  benötigen  wird,  weshalb sich auch die vorinstanzliche Annahme, diese Behandlung wäre  in Kosovo erhältlich, als spekulativ erweist. Der angefochtene Entscheid  enthält  entsprechend  auch  keine  Angaben  zu  konkreten  Behandlungsmöglichkeiten  in  Kosovo.  Damit  ergibt  sich,  dass  die  notwendigen Grundlagen bezüglich der Beurteilung der Zumutbarkeit des  Wegweisungsvollzuges  für die Fällung des vorinstanzlichen Entscheides  nicht vorhanden waren, der rechtserhebliche Sachverhalt erweist sich als  nicht  genügend  festgestellt.  Der  Unsicherheit  über  die  Entwicklung  des  Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  konnte  –  jedenfalls  bei  vorliegender  Sachlage  –  auch  nicht  durch  die  Ansetzung  einer  verlängerten  Ausreisefrist  Rechnung  getragen  werden.  Der  Zweck  der  Ausreisefrist  besteht  darin,  dem  Ausländer  die  freiwillige  Ausreise  zu  ermöglichen, und setzt damit voraus, dass er  tatsächlich zur Ausreise  in  der Lage ist.  Inwiefern dies  im Falle des Beschwerdeführers – entgegen  der  ärztlichen  Angabe,  dass  dieser  nicht  verlegungsfähig  sei  – möglich  gewesen  wäre,  wird  im  vorinstanzlichen  Entscheid  nicht  dargelegt.  Ebenso  wenig  wird  in  der  angefochtenen  Verfügung  begründet,  worauf  die  Annahme  beruht,  der  Beschwerdeführer  sei  bis  zum  Ablauf  der  angesetzten  Ausreisefrist  reisefähig,  zumal  im  ärztlichen  Bericht  angegeben  wird,  es  sei  von  einer  stationären  neurorehabilitativen  Behandlung von mindestens sechs Monaten auszugehen. 5.4.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  sich  die  angefochtene  Verfügung  auf  einen  nicht  rechtsgenüglich  erstellten  rechtserheblichen  Sachverhalt  abstützt.  Ein  derartiger  Mangel  ist  auf  Beschwerdeebene  nicht zu heilen, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur  weiteren  Sachverhaltsabklärung  und  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.  6.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  zu  erheben  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  damit  gegenstandslos. Den Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung  von  Art. 64  Abs. 1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten 

D­5408/2011 zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  In  der  Kostennote  der  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführenden  vom  25. November  2011  wird  ein  Betrag  von  Fr. 700.­­ (Eingaben Fr. 500.­­ und Konsultationen, Abklärungen und Porti  Fr. 200.­­) geltend gemacht. Angesichts der teilweise als nicht notwendig  zu qualifizierenden Ausführungen auf Beschwerdeebene (vgl. vorstehend  E.  5.1.)  und  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren  (Art. 9­11  sowie  Art. 13  und  14  VGKE)  erscheint  eine Parteientschädigung von Fr. 500.­­ (inkl. Auslagen) als angemessen.  Diese ist vom Bundesamt zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­5408/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 29. August 2011 wird aufgehoben und die  Sache  zur Neubeurteilung  im Sinne  der  Erwägungen  an  die Vorinstanz  zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung von Fr. 500.­­ (inkl. Auslagen) auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

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