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Bundesverwaltungsgericht 03.10.2011 D-5341/2011

3. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,465 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 19. September 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5341/2011/wif Urteil   v om   3 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;  Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, alias C._______, geboren B._______,  und deren Kinder D._______, geboren E._______, F._______, geboren G._______, H._______, geboren I._______, alle Somalia,  J._______, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 19. September 2011 / N_______.

D­5341/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin,  eine  somalische  Staatsangehörige,  zusammen  mit  ihren  drei  minderjährigen  Kindern  am  16.  Juli  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  in  K._______  Asylgesuche  einreichte  und  sie  am  22.  Juli  2011  in  das  EVZ  L._______  geführt  wurden,  dass  ein  Abgleich  der  Fingerabdrücke  der  Beschwerdeführerin  mit  der  Eurodac­Datenbank  ergab,  dass  diese  am  13.  November  2008  in  M._______ (Italien) um Asyl ersucht hatte, dass der Beschwerdeführerin anlässlich der Kurzbefragung vom 28. Juli  2011  im  EVZ  L._______  das  rechtliche  Gehör  zum  Umstand  gewährt  wurde,  wonach  gestützt  auf  ihre  eigenen  Angaben  und  die  Eurodac­ Treffer  mutmasslich  Italien  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei,  weshalb  gegebenenfalls  auf  ihr  Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass die Beschwerdeführerin diesbezüglich angab,  in Italien nichts mehr  zu Essen gehabt zu haben,  ferner keine Unterstützung mehr von  Italien  zu erwarten sei,  ihr Sohn an  (…)  leide und er angemessen medizinisch  versorgt werden müsse, dass die Beschwerdeführerin mit Entscheid des BFM vom 2. August 2011  für  den  weiteren  Aufenthalt  während  des  Verfahrens  dem  Kanton  N._______ zugewiesen wurde, dass  das  BFM  am  26.  August  2011  Italien  um  Übernahme  der  Beschwerdeführerin und ihrer Kinder ersuchte, dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  10.  September 2011 unbeantwortet liess, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  19.  September  2011  –  eröffnet  am  20. September  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  sowie  den  Vollzug  bis  spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist anordnete, dass gleichzeitig festgehalten wurde, einer allfälligen Beschwerde komme  keine aufschiebende Wirkung zu,

D­5341/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  26.  September  2011  (Poststempel)  gegen  die  Verfügung  des  BFM  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  beantragte,  diese  sei  aufzuheben  und  das  BFM  sei  anzuweisen,  sein  Selbsteintrittsrecht  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erklären, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  um  Anweisung an die Vollzugsbehörden, von einer Überstellung nach Italien  abzusehen, bis über den Suspensiveffekt entschieden sei, ersuchte, dass der Beschwerde unter anderem zwei Berichte beilagen  (CHRISTINA  VON  GUNTEN,  SFH;  MARIA  PITZ  JACOBSEN,  IDA  JORDAL,  Juss­Buss,  Asylverfahren  und  Aufnahmebedingungen  in  Italien,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  [SFH],  Bern,  Oslo,  Mai  2011;  sowie  MARIA  BETHKE,  DOMINIK BENDER,  Zur  Situation  von  Flüchtlingen  in  Italien,  Förderverein  Pro Asyl, Frankfurt am Main, 28. Februar 2011 [jeweils in Kopie]),  dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren  und  die  eingereichten  Unterlagen,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  27.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen  Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]),

D­5341/2011 dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in  casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig  entscheidet, dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt –  offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  gleichzeitig  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl.  BVGE  2007/8  E.  2.1  S.  73  mit  Hinweis  auf  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

D­5341/2011 dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  anführte,  daktyloskopische  Abklärungen  hätten  ergeben,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  13.  November 2008 in Italien ein Asylgesuch eingereicht habe, dass gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der  für die Prüfung eines  Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in  einem Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin­II­VO), Italien für die Prüfung des  am  16.  Juli  2011  in  der  Schweiz  eingereichten  Asylgesuchs  der  Beschwerdeführerin als zuständig zu erachten sei, dass  die  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  vom    28.  Juli  2011  geltend  gemacht  habe,  Italien  biete  ungenügende  Verpflegung  sowie  Unterstützung  an,  ihr  Sohn  habe  (…)  und  brauche  Medizin und ferner seien die Lebensumstände schlecht, dass Italien indessen die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar  2003  (Aufnahmerichtlinie)  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen  Kommission  umgesetzt  habe  und  nebst  den  staatlichen  Strukturen  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen,  welche  Asylsuchende  betreuten,  existieren würden,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  gehalten  sei,  sich  betreffend  eine  allfällige medizinische Betreuung  ihres Sohnes  an eine medizinische Einrichtung in Italien zu wenden, dass die Vorinstanz gleichzeitig ausführte, die Beschwerdeführerin habe  gemäss  eigener  Aussagen  während  zweier  Jahre  an  einem  Programm  teilgenommen und habe dabei Geld für Lebensmittel und eine Unterkunft  erhalten, was darauf schliessen lasse, dass sie die staatlichen Strukturen  kennen gelernt habe und sich erneut an die entsprechenden Stellen oder  privaten Hilfsorganisationen wenden könne, dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des  Vollzugs  nach  Italien zu bejahen seien, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift im Wesentlichen  vorbrachte,  die  Schweiz  sei  im  vorliegenden  Fall  aus  völkerrechtlichen 

D­5341/2011 Gründen  verpflichtet,  ihr  Recht  auf  Selbsteintritt  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO auszuüben, dass  aus  diversen  Berichten  ersichtlich  sei,  unter  welchen  menschenunwürdigen Bedingungen aufgenommene Flüchtlinge in Italien  derzeit  leben  müssten  und  die  begründete  Annahme  bestehe,  Italien  könne seinen menschenrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen, dass ihr und ihren Kindern als verletzliche Personen eine Rückkehr nach  Italien nicht zuzumuten sei, da dort weder eine entsprechende Unterkunft  noch die medizinische Betreuung gewährleistet sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  alleinerziehende  Mutter  mit  ihren  Kindern  während  zweier  Jahre  in  O._______  (Italien)  in  einem  Durchgangsheim  habe wohnen  dürfen,  was  hauptsächlich  aufgrund  der  (…)  ihres  Sohnes  und  der  damit  verbundenen  und  notwendigen  medizinischen Betreuung möglich gewesen sei, dass  sie  sich  nach  der  Ausweisung  aus  dem  Heim  selber  hätten  versorgen  müssen,  wozu  gehört  hätte,  eine  Unterkunft  zu  finden  und  einer Erwerbstätigkeit nachzugehen,  dass  es  ihr  nicht  gelungen  sei,  eine  geeignete  Arbeit  zu  finden,  mit  welcher eine Wohnung hätte finanziert werden können, dass  es  kaum möglich  sein  werde,  als  alleinerziehende Mutter mit  drei  minderjährigen Kindern eine Arbeit zu finden, dass  der  an  (…)  leidende Sohn  regelmässig mit  (…)  behandelt werden  müsse,  die medizinische  Infrastruktur  in  Italien  zwar  vorhanden  sei,  sie  hingegen  befürchte,  dass  ihr  krankes  Kind  bei  einer  allfälligen  Rückschaffung nach Italien nicht den strukturierten Alltag mit  der nötigen  Lebensmittelversorgung haben werde, dass sie  im Falle einer Wegweisung nach  Italien Gefahr  laufen würden,  unter  menschenunwürdigen  Bedingungen  bei  fehlender  medizinischer  und  sozialer  Versorgung  leben  zu  müssen,  und  hinreichende  Anhaltspunkte  für eine Verletzung von Art. 3 sowie Art. 13 EMRK durch  Italien  vorliegen  würden,  weshalb  ein Wegweisungsvollzug  nach  Italien  als unzulässig und unzumutbar einzustufen sei,

D­5341/2011 dass die Beschwerdeführerin weiter geltend machte, ein Selbsteintritt der  Schweiz  dränge  sich aus  völkerrechtlichen Gründen auf,  da es  sich bei  Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO nicht um eine reine Kann­Bestimmung handle  und  bei  klaren  Verstössen  gegen  die  Menschenrechte  ein  einklagbarer  Anspruch auf die Ausübung des Selbsteintrittsrechts bestehe, dass  sich  die  Mitgliedstaaten  nicht  ihrer  Verpflichtungen  entledigen  dürften,  indem  sie  sich  gegenseitig  darauf  berufen  würden,  der  zuständige  Mitgliedstaat  beachte  die  menschenrechtlichen  Verpflichtungen, dass der Aufenthalt der Beschwerdeführerin in Italien unbestritten ist, dass die  italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behörden  um Rückübernahme  der  Beschwerdeführenden  bis  zum  10.  September  2011  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO), dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der  EMRK  ist  und  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich nicht an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten, dass  Italien  die  Mindestnormen  der  EU  für  die  Aufnahme  von  Asylsuchenden  anwendet  und  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur  Verfügung stellt, dass  die  medizinische  Grundversorgung  in  Italien  grundsätzlich  gewährleistet ist, dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können, dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer  Zeit  mit  einer  grossen  Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen  bei  den  Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen 

D­5341/2011 Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  –  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist nicht  in  jedem Fall gewährleistet – nicht zum Schluss gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­ Rückkehrende und verletzliche Personen, wie die Beschwerdeführenden,  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden  und Flüchtlingen annehmen, dass  beispielsweise  die  Organisation  "Arci  con  Fraternità"  seit  dem  1.  Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung  anbietet,  womit  der  Beschwerdeführerin  auch  die  Möglichkeit  offen  stehen  dürfte,  allenfalls  rechtliche  Beratung  zur  Weiterführung  ihres  Asylverfahrens in Italien zu erhalten, dass  vor  diesem  Hintergrund  die  allgemeine  Kritik  am  italienischen  Asylverfahren  sowie  das  Vorbringen,  es  fehle  ihnen  an  staatlicher  Unterstützung  und  ausreichender  medizinischer  Versorgung,  nicht  zu  überzeugen vermögen, dass  die  Beschwerdeführerin  auch  keine  anderen  Gründe  vorbringen  kann, die die Zuständigkeit der Schweiz zur Durchführung des Asyl­ und  Wegweisungsverfahrens  nach  sich  ziehen würden  beziehungsweise  die  der Ausreise in den Drittstaat entgegen stünden, dass die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme des Sohnes der  Beschwerdeführerin  im  erstinstanzlichen  Verfahren  belegt  wurden,  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  dennoch  nicht  angezeigt  wäre,  da  nach  Erkenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  medizinische  Versorgung in Italien gewährleistet ist,

D­5341/2011 dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  weder  angesichts  der  Verhältnisse  in  Italien  noch  zufolge  der  individuellen  Situation  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  Kinder  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht, dass  die  Beschwerdeführerin  weder  im  Rahmen  des  ihr  gewährten  rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte  Vorbehalte  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien  geltend machte,  weshalb  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  dass  sie  und  ihre  Kinder  im Falle einer Rückkehr nach Italien  in eine existenzielle Notlage  geraten würden, dass  das  BFM  aufgrund  dieser  Sachlage  –  entgegen  der  in  der  Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht – richtig folgerte, Italien habe die  Beschwerdeführenden zurück zu übernehmen, dass  auch  die  mit  der  Rechtsmittelschrift  eingereichten  Artikel  der  deutschen  Zeitschrift  Pro  Asyl  und  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  von  allgemeiner  Natur  sind  und  nicht  zu  einer  anderen  Betrachtungsweise  zu  führen  vermögen, weshalb  nicht weiter  auf  diese  einzugehen ist,  dass  als  weitere  Beschwerdebeilage  ein  "Bericht  la  kasbah"  angeführt  wird,  der  jedoch  der  Beschwerde  nicht  beilag,  der  Beschwerdeführerin  indessen keine Frist zur Einreichung dieses Dokumentes anzusetzen ist,  da  der  Begründung  kein  Hinweis  auf  dieses  Beweismittel  und  dessen  Inhalt zu entnehmen ist, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten Einzelfall keine Gründe ersichtlich sind, die eine Wegweisung  aus humanitärer Sicht im Sinne von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7221/2009  vom  10.  Mai  2011  E.  8.2  und  8.3, mit weiteren Hinweisen), dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführerin und  ihrer Kinder nach  Italien weder völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist,

D­5341/2011 dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein Anspruch auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. BVGE  2008/34  E.  9.2  S.  510,  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass im Rahmen des Dublin­Verfahrens, bei dem es sich um ein Über­ stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmass­nahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG  i.V.m. Art. 83  Abs. 1 AuG, dass  eine  entsprechende  Prüfung  –  soweit  notwendig  –  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende Erwägungen, BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass  die  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  darzutun  vermögen,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Anträge  auf  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  und  auf  Anweisung  an  die  Vollzugsbehörden mit vorliegendem Urteil gegenstandslos werden, dass  die  Beschwerde  angesichts  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos zu bezeichnen war, weshalb das Gesuch um Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG –  unabhängig von der Frage der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden  – abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art.  16 Abs.  1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  2  und  3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 

D­5341/2011 Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­5341/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

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