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Bundesverwaltungsgericht 13.10.2011 D-5172/2011

13. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,235 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 19. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­5172/2011 Urteil   v om   1 3 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Hans Schürch,    Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am … , und ihr Sohn B._______, geboren am … , Eritrea,   beide vertreten durch Dr. iur. Oliver Brunetti,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 19. August 2011 / N … .

D­5172/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass die Beschwerdeführenden – Staatsangehörige  von Eritrea, welche  sich  im Sudan aufhalten – am 3. März 2011 durch  ihren Rechtsvertreter  beim BFM ein Asylgesuch aus dem Ausland einreichen liessen,  dass  sie  in  ihrer  Eingabe  namentlich  das  Eintreten  auf  ihr  Gesuch,  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  des  ordentlichen  Asylverfahrens,  inklusive  die  Übernahme  der  Reisekosten  durch das Bundesamt, sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  einer  vorläufigen  Aufnahme  beantragten,  dass  sie  zur  Begründung  ihres  Gesuches  vorbrachten,  A._______  (die  Beschwerdeführerin)  habe  in  ihrer  Heimat  asylrelevante  Verfolgung  zu  gewärtigen,  zumal  sie  in  Eritrea  bereits  im Gefängnis  gewesen  sei  und  vor  rund  zwei  Monaten  das  Land  mit  ihrem  jüngsten  Sohn  B._______  (der  Beschwerdeführer)  ohne  gültige  Papiere,  insbesondere  ohne  Ausreisevisa und damit illegal verlassen habe,  dass sie zu  ihrem aktuellen Aufenthaltsort ausführten, sie befänden sich  zwar seit rund zwei Monaten in Khartum, sie seien jedoch in keiner Weise  mit dem Sudan vertraut und würden dort auch nicht über ein tragfähiges  Beziehungsnetz verfügen,  dass  im  Sudan  die  Lebensbedingungen  für  eritreische  Flüchtlinge  generell prekär und eritreische Flüchtlinge zudem von einer Abschiebung  in ihre Heimat bedroht seien,  dass  für  sie  eine  anderweitige Schutzsuche  als  in  der Schweiz  faktisch  ausgeschlossen sei, da sie nicht über ordentliche Reisepapiere verfügten,  ohnehin zu keinem Staat  in der Region eine Beziehung hätten und etwa  im benachbarten Äthiopien unzumutbare Verhältnisse anzutreffen hätten,  dass  sie  nach  diesen  Ausführungen  das  Vorliegen  einer  engen  Beziehung zur Schweiz geltend machten, da sich mit C._______ (...) eine  volljährige Tochter und mit D._______ (...) ein noch minderjähriger Sohn  der  Beschwerdeführerin  respektive  zwei  Geschwister  des  Beschwerdeführers in der Schweiz aufhielten,  dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Schreiben  des  BFM  vom  28.  Juni  2011 zum einen darüber  in Kenntnis gesetzt wurden, eine Anhörung zu 

D­5172/2011 den Gesuchsgründen durch die schweizerische Vertretung in Khartum sei  mangels Kapazitäten nicht möglich, und zum andern aufgefordert wurde,  zwecks Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts eine Reihe von  Fragen  zu  ihren  persönlichen  Verhältnisse  in  der  Heimat,  zu  ihren  Ausreisegründe,  zu  ihrem  Aufenthalt  im  Sudan  und  zu  allfälligen  Beziehungen zu Drittstaaten zu beantworten,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  8.  August  2011  durch  ihren  Rechtsvertreter zum Fragekatalog des BFM Stellung nahmen,  dass  sie  dabei  unter  anderem  vorbrachten,  die  Beschwerdeführerin  sei  vor  rund  fünf  Jahren  von  der  Gemeinde  enteignet  und  damit  um  ihren  bescheidenen Landbesitz gebracht worden,  dass sie vor diesem Hintergrund ihre Heimat mit ihrem Enkelkind (dem in  Eritrea  verbliebenen  Sohn  ihrer  Tochter  C._______)  habe  verlassen  wollen,  dass sie jedoch bei diesem ersten Fluchtversuch mit  ihrem Enkel an der  Grenze  zum Sudan  gefasst  worden  und  für  einen Monat  bei  Tesseney  unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert worden sei,  dass sie in der Folge nur freigekommen sei, weil ihr Schwiegersohn (der  ebenfalls  in der Schweiz befindliche Ehemann  ihrer Tochter C._______)  eine Bürgschaft von rund 1'000.– US­Dollar geleistet habe,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  10.  Februar  2011  mit  ihrem  jüngsten  Sohn einen zweiten und erfolgreichen Fluchtversuch unternommen habe,  dass  sie  beide  zuerst  die  sudanesische  Grenzstadt  Kassala  erreicht  hätten,  von  wo  sie  jedoch  nach  Khartum  weitergeflohen  seien,  da  die  Stadt Kassala mit Flüchtlingen überfüllt  sei  und dort  die Flüchtlinge  von  eritreischen Spionen bedroht und erpresst würden,  dass  sie  sich  im  Sudan  nicht  beim  UNHCR  hätten  registrieren  lassen,  sondern  in  Khartum  in  einer  kleinen  Mietwohnung  lebten,  da  die  Registrierungsstelle  an  der  Grenze  liege,  sie  sich  dort  aber  bedroht  fühlten,  dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  19.  August  2011  –  eröffnet  am  22. August 2011 – den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz  nicht bewilligte und deren Asylgesuche ablehnte, 

D­5172/2011 dass  das  Bundesamt  in  seinem  Entscheid  den  entscheidrelevanten  Sachverhalt  als  hinreichend  erstellt  erklärte  und  vorab  festhielt,  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  liessen  nicht  darauf  schliessen,  sie und ihr Kind hätten vor ihrer Ausreise ernstzunehmende Probleme mit  den  heimatlichen  Behörden  gehabt,  jedoch  sei  davon  auszugehen,  sie  und ihr Kind hätten die Heimat illegal verlassen,  dass  es  im  Anschluss  daran  erwog,  die  Beschwerdeführenden  hätten  zwar einen Anknüpfungspunkt zur Schweiz, jedoch sei für sie – im Sinne  von  Art.  52  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31])  –  ein  anderweitiges  Schutzersuchen  als  in  der  Schweiz  sowohl möglich als auch zumutbar, dass das Bundesamt diesbezüglich ausführte, die Beschwerdeführenden  könnten  im  Sudan  beim  UNHCR  um  Schutz  ersuchen,  da  die  geltend  gemachte Furcht vor einer Deportation nach Eritrea unbegründet sei,  dass  zwar  ein  Anknüpfungspunkt  zur  Schweiz  bestehe,  da  hier  der  Tochter C._______ im Jahre 2009 Asyl gewährt worden sei und sich mit  D._______  auch  ein  minderjähriges  Kind  der  Beschwerdeführerin  als  Asylsuchender in der Schweiz aufhalte,  dass sich dieser Anknüpfungspunkt jedoch nicht als von überwiegendem  Gewicht  erweise,  da  aufgrund  der  Stellungnahme  vom  8.  August  2011  davon auszugehen sei, die Beschwerdeführenden würden auch im Sudan  über verschiedene familiäre Anknüpfungspunkte verfügen,  dass das Bundesamt nach diesen Ausführungen zum Schluss gelangte,  die  Beschwerdeführenden  seien  nicht  auf  den  subsidiären  Schutz  der  Schweiz  angewiesen,  sondern  es  sei  ihnen  vielmehr  zuzumuten,  vorderhand im Sudan zu bleiben,  dass  es  daran  anschliessend  unter  Hinweis  auf  die  Praxis  zum  asylrechtlichen  Familienbegriff  festhielt,  im  Falle  der  Beschwerdeführenden  seien  auch  die  Voraussetzungen  für  eine  Familienzusammenführung (gemäss Art. 51 Abs. 1, 2 und 4 AsylG) nicht  erfüllt, da zwischen der Beschwerdeführerin und der volljährigen Tochter  mit Asylstatus keine enge Beziehung bestehe und da der in der Schweiz  befindliche minderjährige Sohn noch über keinen Status verfüge,  dass  die  Beschwerdeführenden  am  16.  September  2011  durch  ihren  Rechtsvertreter gegen den Entscheid des BFM Beschwerde einreichten, 

D­5172/2011 dass  sie  in  ihrer  Eingabe  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  des  ordentlichen  Asylverfahrens,  inklusive  die  Übernahme  der  Reisekosten  durch das Bundesamt, sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  einer  vorläufigen  Aufnahme  beantragten  sowie  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  um  Befreiung  von der Kostenvorschusspflicht ersuchten, dass  sie  im  Rahmen  der  Beschwerdebegründung  nochmals  über  ihren  persönlichen  Hintergrund  sowie  den  ersten  und  gescheiterten  Fluchtversuch der Beschwerdeführerin vom November 2009 berichteten,  in dessen Folge sie während einem Monat in Tesseney inhaftiert und erst  gegen Leistung einer Bürgschaft wieder freigekommen sei,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  trotz  behördlicher  Warnungen  vor  einem  erneuten  Fluchtversuch  zu  einem  zweiten  Ausreiseversuch  entschlossen  habe,  worauf  ihr  im  Februar  2011  gemeinsam  mit  ihrem  jüngsten Sohn die Flucht aus Eritrea gelungen sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  damit  –  entgegen  den  Ausführungen  des  BFM – bereits schwerwiegende Konflikte mit den heimatlichen Behörden  gehabt habe und ihr dort eine schwere Bestrafung drohe, zumal nicht nur  sie, sondern vor ihr schon zwei Kinder die Heimat illegal verlassen hätten,  dass sie damit die Flüchtlingseigenschaft zumindest aufgrund subjektiver  Nachfluchtgründe  erfülle,  darüber  hinaus  aber  auch  Vorfluchtgründe  beständen, welche einer vertieften Abklärungen bedürften,  dass die Beschwerdeführenden im Anschluss daran an ihren Vorbringen  betreffend  den  Sudan  respektive  an  der  geltend  gemachten  Furcht  vor  einer Abschiebung nach Eritrea festhielt und namentlich das Fehlen eines  dortigen Beziehungsnetzes geltend machten,  dass  sie  dabei  namentlich  vorbrachten,  entgegen  den Erwägungen  des  BFM – welche sich auf eine falsche Interpretation der Stellungnahme vom  8.  August  2011  stützten  –  hätten  sie  im  Sudan  keine  Verwandten,  sondern  sie  hätten  sich  dort  nur  dank  der  Zuwendungen  von  der  in  England  lebenden  Schwester  der  Beschwerdeführerin  und  der  in  der  Schweiz lebenden Tochter über Wasser halten können, 

D­5172/2011 dass  die  Beschwerdeführenden  zusammenfassend  vorbrachten,  zum  Sudan hätten  sie weder eine persönliche Beziehung noch verfügten  sie  dort  über  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz,  wogegen  zur  Schweiz  eine  besondere  Nähe  bestehe,  da  sich  hier  die  Tochter  C._______ als anerkannter Flüchtling und seit rund zwei Jahren auch der  minderjährige Sohn D._______ als Asylsuchender aufhalte,  dass  für  die  weitere  Beschwerdebegründung  respektive  die  Vorbringen  im Einzelnen auf die Akten zu verweisen ist,  und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art. 31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),  dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit  das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG sowie  Art. 6 und 105 AsylG),  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführenden – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen  (vgl.  S. 10)  –  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs.  1  AsylG  und  Art. 52  Abs.  1  VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  aufgrund  der Akten  auf  die Durchführung  eines Schriftenwechsels  zu verzichten ist (Art. 111a Abs. 1 AsylG),  dass das BFM die Eingabe der Beschwerdeführenden vom 3. März 2011  zu Recht als Asylgesuch aus dem Ausland an die Hand genommen hat,  auch  wenn  das  Gesuch  nicht  bei  einer  schweizerischen  Vertretung  im  Ausland,  sondern direkt  beim BFM eingereicht wurde  (vgl.  dazu Art.  20 

D­5172/2011 Abs.  1 AsylG  i.V.m. Art.  10 der Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311];  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr. 15 E. 2b S. 129),  dass das BFM aufgrund der massgeblichen Praxis  zur Behandlung  von  Asylgesuchen aus dem Ausland und Einreisebewilligung grundsätzlich zu  einer  Befragung  verpflichtet  gewesen  wäre,  den  massgeblichen  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  jedoch  mit  der  Zustellung  des  schriftlichen  Fragekataloges  und  der  Möglichkeit  zur  Stellungnahme  Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30, insbes. E. 5.2­5.3 und E  5.6­5.7),  dass  das  Bundesamt  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen  kann, oder aber, wenn der asylsuchenden Person die Aufnahme in einem  Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, 7 und 52 Abs. 2 AsylG), dass demgegenüber die Einreise  in die Schweiz zu bewilligen  ist, wenn  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder  für  die  Freiheit  aus  einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht worden ist oder  der asylsuchenden Person der Verbleib am Aufenthaltsort  für die Dauer  der Sachverhaltsabklärung nicht zugemutet werden kann, dass  die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  umschrieben  sind,  wobei  den  Asylbehörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt,  bei  dessen  Ausübung  neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  zu  anderen  Staaten,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  praktische  Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen sind (vgl. EMARK 2004  Nr. 20 E. 3 S. 130 f. und Nr. 21 E. 2 S. 136 f., EMARK 2005 Nr. 19 E. 4  S. 174 ff.),  dass  im Falle der Beschwerdeführenden aufgrund der Aktenlage Anlass  zur  Annahme  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Schutzbedürftigkeit  besteht,  was  von  der  Vorinstanz  –  mit  Blick  auf  die  geltend  gemachte  illegale Ausreise aus Eritrea – anerkannt wird, 

D­5172/2011 dass  entgegen  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  auch  Hinweise  auf  bereits  in  der  Heimat  erlittene  Nachteile  bestehen,  wobei  der  geltend  gemachten  Inhaftierung  in  Tesseney  nach  einem  gescheiterten  Ausreiseversuch gegebenenfalls Asylrelevanz zukommt,  dass damit aufgrund der derzeitigen Aktenlage konkrete Hinweise darauf  bestehen,  die  Beschwerdeführenden  hätten  im  Falle  einer  Rückkehr  respektive  einer  Rückschiebung  nach  Eritrea  gezielte  und  ernsthafte  Nachteile aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv zu gewärtigen, dass  bei  dieser  Sachlage  zu  prüfen  ist,  ob  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  abzuweisen  wäre,  weil  sie  –  prioritär  vor  der  Schweiz –  in einem anderen Staat um Schutz ersuchen können (Art. 52  Abs. 2 AsylG), dass  in diesem Zusammenhang praxisgemäss  in einer Gesamtschau zu  prüfen ist, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass  es  gerade  die  Schweiz  ist,  die  den  angesichts  der  bestehenden  Gefährdung  erforderlichen Schutz  gewähren  soll  (vgl.  EMARK 2004 Nr.  21),  dass  sich  dabei  nicht  nur  die  Frage  der  Qualität  der  Beziehung  zum  Sudan,  sondern  gerade  auch  die  persönliche  Beziehungsnähe  zur  Schweiz stellt,  dass die Beziehungsnähe zur Schweiz aufgrund der Akten als gewichtig  zu  bezeichnen  ist,  halten  sich  doch  in  der  Schweiz  einerseits  die  volljährige Tochter C._______ mit ihrer Familie als anerkannte Flüchtlinge  mit Asylstatus auf, und andererseits der Sohn D._______, welcher Ende  2009  als  Minderjähriger  in  die  Schweiz  eingereist  ist  und  dessen  Asylgesuch noch hängig ist,  dass  zwar  der  Sohn  inzwischen  die  Volljährigkeit  erreicht  hat,  dieser  Umstand an der starken Bindung unter den Angehörigen der Kernfamilie  jedoch  nichts  ändert,  zumal  die  Beziehungsnähe  im  Sinne  von  Art.  52  Abs. 2  AsylG  nicht mit  dem Familienbegriff  im Sinne  von Art.  51 AsylG  gleichzusetzen ist (vgl. EMARK 2004 Nr. 21 S. 139), dass  auf  der  anderen  Seite  das  BFM  zu  Unrecht  von  familiären  Beziehungen im Sudan ausgegangen ist,  dass weder  aufgrund der Gesuchseingabe  vom 3. März  2011 noch  der  Stellungnahme  vom  8.  August  2011  Hinweise  darauf  bestehen,  die 

D­5172/2011 Beschwerdeführenden  würden  dort  über  verwandtschaftliche  Anknüpfungspunkte oder ein sonstiges Beziehungsnetz verfügen,  dass sich auch aus den Asylgesuchsakten von C._______ (...) oder von  D._______ (...) nichts anderes ergibt, dass sich die Beschwerdeführenden vielmehr zwar seit einigen Monaten  im Sudan aufhalten, in dieser Zeit jedoch offenbar von ihren Verwandten  in der Schweiz und in England unterstützt wurden, dass  zwar  praxisgemäss  nicht  von  der  grundsätzlichen  Unzumutbarkeit  des Verbleibs  im Sudan für eritreische Flüchtlingen auszugehen ist, sich  dennoch  aber  die  Gestaltung  des  Alltags  für  die  über  50­jährige  alleinstehende  Beschwerdeführerin  mit  ihrem  minderjährigen  Sohn  angesichts der Verhältnisse vor Ort als recht schwierig erweisen dürfte,  dass nach einer Abwägung der massgeblichen Kriterien – kein relevanter  Bezug zum Sudan, namentlich keinerlei  soziales Netz vor Ort und auch  keine  besondere  kulturelle  oder  sprachliche  Nähe,  hingegen  starke  persönliche  Beziehungen  in  der  Schweiz  –  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  als  klar  überwiegend  und  im  Resultat  als  ausschlaggeben  zu  erkennen  ist  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­4757/2009  vom 8. Juli 2011 [insbes. E. 8.6], E­4469/2009 vom 1. März 2011 [E. 5],  E­2247/2009  vom  9. August  2010  [E. 7]  und  D­4548/2009  vom  18.  Februar  2010  [E.  6.2.]),  anders  dagegen D­7225/2010  vom 14. Februar  2011 und D­4758/2010 vom 30. August 2010),  dass  es  nach  vorstehenden  Erwägungen  aufgrund  der  gesamten  Umstände  nicht  geboten  erscheint,  die  Beschwerdeführenden  auf  den  Schutz  im  Drittstaat  Sudan  zu  verweisen,  weshalb  das  BFM  die  Ausschlussklausel  gemäss Art.  52 Abs.  2 AsylG zu Unrecht  angewandt  hat,  dass  nach  dem  Gesagten  die  Beschwerde  gutzuheissen  ist,  soweit  darauf  einzutreten  ist  (vgl.  dazu  nachfolgend),  und  die  Verfügung  des  BFM vom 19. August  2011 aufzuheben und das BFM anzuweisen,  den  Beschwerdeführenden die Einreise  in die Schweiz zwecks Durchführung  des Asylverfahrens zu bewilligen,  dass  demgegenüber  auf  den  Antrag  betreffend  die  Übernahme  der  Einreisekosten durch das BFM (nach Art. 92 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 53  Bst. d  der  Asylverordnung  2  über  Finanzierungsfragen  vom  11. August 

D­5172/2011 1999  [AsylV2, SR 142.312]) nicht einzutreten  ist, da diesbezüglich noch  gar  kein  erstinstanzlicher  Entscheid  vorliegt  respektive  nach  vorliegendem  Urteil  das  BFM  über  das  Finanzierungsgesuch  der  Beschwerdeführenden vom 3. März 2011 erst noch entscheiden muss,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  womit  sich  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten (Art. 65 Abs. 1 VwVG) als gegenstandslos erweist,  dass  den  vertretenen  Beschwerdeführenden  sodann  zulasten  des  BFM  eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten  zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ­ 9 des Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),  dass  der  Aufwand  des  Rechtsvertreters  mangels  Vorliegen  einer  Kostennote  abzuschätzen  ist  (Art.  14  Abs.  2  VGKE),  womit  die  Parteientschädigung aufgrund der Akten auf Fr. 600.– festzusetzen ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­5172/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird – soweit darauf einzutreten ist – gutgeheissen. 2.  Die Verfügung des BFM vom 19. August 2011 wird aufgehoben. 3.  Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden die Einreise in die  Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. 4.  Anlässlich  der  Erteilung  der  Einreisebewilligung  hat  das  BFM  über  das  Kostenübernahmegesuch der Beschwerdeführenden zu befinden. 5.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  6.  Den  Beschwerdeführenden  wird  zulasten  des  BFM  eine  Parteientschädigung von Fr. 600.– zugesprochen.  7.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und das BFM.  Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand:

D-5172/2011 — Bundesverwaltungsgericht 13.10.2011 D-5172/2011 — Swissrulings