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Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 D-5139/2011

21. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,786 Wörter·~9 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. September 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­5139/2011 Urteil   v om   2 1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;   Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Ukraine, alias B._______, geboren (…), Staat unbekannt, alias  C._______, geboren (…), ohne Nationalität, alias  D._______, geboren (…), Ukraine, alias E._______, geboren  (…), Lettland, dessen Ehefrau F._______, geboren (…), Staat unbekannt, alias G._______, geboren (…), Kasachstan, sowie deren Kinder H._______, geboren (…), Staat unbekannt, alias I._______, geboren (…), Staat unbekannt, und J._______, geboren (…), Staat unbekannt, (…),   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. September 2011 / N _______.

D­5139/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  am  26.  August  2002  unter  der  Identität  C._______,  geboren  (…),  ohne  Nationalität,  in  der  Schweiz  ein  erstes  Asylgesuch einreichte,  dass  das  vormals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  mit  Verfügung  vom  20.  November  2002  darauf  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  anordnete, dass  diese  Verfügung  am  30.  Dezember  2002  unangefochten  in  Rechtskraft  erwuchs  und  der  Beschwerdeführer  am  5.  Februar  2003  in  die Ukraine zurückgeführt wurde, dass  er  am  12.  April  2011  mit  seiner  Ehefrau  und  den  gemeinsamen  Kindern  erneut  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  gleichentags  unter  der  Identität  D._______,  geboren  (…),  Ukraine,  ein  zweites  Asylgesuch  einreichte,  während  seine  Ehefrau  mit  den  Kindern  erstmals  um  Asyl  nachsuchte, dass die Beschwerdeführenden anlässlich der Befragung zur Person vom  6.  Mai  2011  ihre  Angaben  zur  Identität  korrigierten  und  festhielten,  bei  ihnen handle es sich um B._______, geboren (…), Staat unbekannt, und  F._______, geboren (…), Staat unbekannt, dass  sie  seit  2002/2003  bis  zur  Einreise  in  die  Schweiz  in  der  Tschechischen  Republik  gelebt  hätten,  wo  ihnen  als  Flüchtlinge  Asyl  gewährt worden sei (vgl. Befragungsprotokolle vom 6. Mai 2011, B6 und  B7, S. 2), dass  sie  in  jenem  Land  jedoch  seitens  der  Spezialdienste  und  der  Skinheads,  welche  auf  Anweisung  der  Spezialdienste  handeln  würden,  Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen seien, dass das BFM aufgrund des erwähnten Aufenthalts in der Tschechischen  Republik  am  1.  Juni  2011  gestützt  auf  Art.  21  der  Verordnung  [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 [Dublin­II­Verordnung] zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 

D­5139/2011 zuständig  ist,  ein  Informationsbegehren  an  die  tschechischen Behörden  stellte (vgl. Akte B11), dass die  tschechischen Behörden mit Stellungnahmen vom 1. Juli 2011  festhielten,  die  Beschwerdeführenden  hätten  am  23.  Juni  2003  in  der  Tschechischen Republik ein Asylgesuch eingereicht, woraufhin ihnen am  16. November 2005 Asyl gewährt worden sei (vgl. Akten B18 und B20), dass  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  sodann  mit  Schreiben  vom 4.  Juli  2011  mitteilte,  das  Dublin­Verfahren  sei  beendet  und  ihre  Asylgesuche würden in der Schweiz geprüft, dass  das BFM am 13.  Juli  2011  gestützt  auf  das Abkommen  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Tschechischen  Republik  über  die  Rückübernahme  von  Personen  mit  unbefugtem  Aufenthalt  in  ihrem  Hoheitsgebiet  (abgeschlossen  am  17.  September  2009;  in  Kraft  seit  dem  1.  Juni  2011)  die  tschechischen  Behörden  um  Rückübernahme der Beschwerdeführenden ersuchte (vgl. Akte B22), dass  die  tschechischen  Behörden  diesem  Ersuchen mit  Stellungnahme  vom 15. Juli 2011 stattgaben (vgl. Akte B31), dass  das  BFM  die  Beschwerdeführenden  am  8.  August  2011  zu  ihren  Asylgründen  anhörte,  wobei  sie  im  Wesentlichen  geltend  machten,  sie  seien  in der Tschechischen Republik aufgrund  ihrer  russischen Herkunft  seit  2006  von  den  staatlichen  Spezialdiensten,  die  mit  Skinheads  zusammenarbeiten würden, verfolgt und beobachtet worden, dass  der  Beschwerdeführer  im  August  2010  auf  dem  Weg  zur  kanadischen  Botschaft  von  Skinheads  geschlagen  und mit  brennenden  Zigaretten verletzt worden sei, dass  man  ihm  ausserdem  einmal  eine  Krone  in  einen  seiner  Zähne  montiert habe, um ihn überall finden zu können, dass  ebenso  versucht  worden  sei,  ihn  mittels  einer  Videomontage  als  Homosexuellen darzustellen, dass die Firma (…) ihnen mitgeteilt habe, sie erhalte öfters Anfragen über  den Beschwerdeführer,

D­5139/2011 dass  die  tschechischen  Behörden  sie  auch  aufgefordert  hätten,  einen  gewissen Geldbetrag zur Begleichung einer Schuld zu bezahlen, obwohl  sie keine Schulden gehabt hätten, dass man ihnen zudem oftmals auf der Strasse gefolgt sei, dass  der Beschwerdeführer  im Übrigen  eine  seiner Arbeitsstellen  durch  falsche  Anschuldigungen,  die  ihm  gegenüber  gemacht  worden  seien,  verloren habe, dass auch der Sohn Übergriffen ausgesetzt gewesen sei, dass  er  etwa  im  Mai  2010  auf  dem  Schulweg  von  Skinheads  verletzt  worden sei, dass  ihm  ein  anderes  Mal  zwei  Personen  den  Zugang  zum  Spielplatz  verwehrt  und  ihn  auf  den  Kopf  geschlagen  hätten,  wobei  er  eine  Gehirnerschütterung erlitten habe und drei Tage hospitalisiert worden sei, dass  sie  als  Folge  dieser  Vorfälle  ihren  Sohn  nicht  mehr  zur  Schule  geschickt hätten, woraufhin Sozialarbeiter gedroht hätten, ihnen das Kind  wegzunehmen, dass  sie  sodann  die  Tschechische  Republik  im  April  2011  verlassen  hätten  und  mit  einem  Minibus  via  ihnen  unbekannte  Länder  in  die  Schweiz gereist seien, dass  die  Beschwerdeführenden  dem  BFM  zur  Untermauerung  ihrer  Vorbringen diverse Beweismittel zu den Akten reichten, dass  sie  anlässlich  der  Einreichung  ihrer  Asylgesuche  schriftlich  aufgefordert wurden,  innert  48 Stunden  ein Reise­  oder  Identitätspapier  einzureichen, dass  sie  dieser  Aufforderung  bis  dato  keine  Folge  leisteten  und  festhielten, die Spezialdienste respektive die Skinheads hätten ihnen die  tschechischen Flüchtlingspässe im März/April 2011 weggenommen, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7.  September  2011  –  eröffnet  am 10.  September  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  vom  12.  April  2011  nicht  eintrat  und  die 

D­5139/2011 Wegweisung  aus  der  Schweiz  in  die  Tschechische Republik  sowie  den  Wegweisungsvollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  insbesondere  anführte,  die  Beschwerdeführenden  hätten  selbst  geltend  gemacht,  vor  der  Einreichung ihrer Asylgesuche in der Tschechischen Republik gelebt und  dort Asyl erhalten zu haben, dass  die  tschechischen  Behörden  diese  Asylgewährung  mit  Stellungnahmen vom 1. Juli 2011 bestätigt und sich zudem mit Mitteilung  vom 15. Juli 2011 bereit erklärt hätten, die Beschwerdeführenden gestützt  auf  das  tschechisch­schweizerische  Rückübernahmeabkommen  wieder  aufzunehmen, dass der Bundesrat  im Übrigen  in seiner Sitzung vom 25. Juni 2003 die  Staaten  der  Europäischen  Union,  darunter  die  Tschechische  Republik,  als  sichere  Drittstaaten  im  Sinne  von  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  bezeichnet habe, weshalb die  in Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG erwähnten  Voraussetzungen für ein Nichteintreten unter Vorbehalt der unter Art. 34  Abs. 3 AsylG genannten Ausnahmebestimmungen erfüllt seien, dass die Beschwerdeführenden eigenen Angaben zufolge in der Schweiz  keine  Verwandten  hätten,  aber  hier  einige  Leute  kennengelernt  hätten  (vgl. B6 und B7, S. 4; Anhörungsprotokolle vom 8. August 2011, B29, F29  und B30, F73), dass  angesichts  dessen  vorliegend  zu  prüfen  sei,  ob  es  sich  bei  jenen  Bekannten  um  Personen  handeln  könnte,  zu  denen  die  Beschwerdeführenden  enge  Beziehungen  im  Sinne  von  Art.  34  Abs.  3  Bst. a AsylG unterhielten, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Grundsatzurteil  BVGE  2009/8  festgehalten  habe,  ausserhalb  der  Kernfamilie,  so  auch  zwischen  den  übrigen  nahen  Angehörigen,  bestehe  die  Vermutung  einer  engen  Beziehung im Sinne von Art. 34 Abs. 3 Bst. a AsylG nicht mehr, dass in solchen Fällen besondere Umstände gegeben sein müssten, um  von einer engen Beziehung auszugehen, dass  dabei  beispielsweise  an  eine  besondere  Abhängigkeit  aufgrund  einer  schweren  Krankheit  oder  an  nachgewiesene  regelmässige  und  intensive Kontakte zu denken sei (vgl. a.a.O., E. 8.5),

D­5139/2011 dass  hinsichtlich  der  Beschwerdeführenden  bereits  in  Anbetracht  des  lediglich  kurzen  Aufenthalts  in  der  Schweiz  ausgeschlossen  werden  müsse,  es  könnte  sich  bei  jenen  Bekannten  um  Personen  handeln,  zu  welchen enge Beziehungen bestünden, weshalb der in Art. 34 Abs. 3 Bst.  a AsylG genannte Eintretensgrund nicht gegeben sei, dass das Bundesverwaltungsgericht  im Urteil D­1644/2009  vom 30.  Juli  2009  ausgeführt  habe,  die  letzte  Asylgesetzrevision  sei  primär  vom  Gedanken  der  Missbrauchsbekämpfung  geprägt  gewesen,  womit  offensichtlich erscheine, dass nie die Absicht bestanden habe, auch jene  Asylsuchenden von der Ausnahmeklausel von Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG  profitieren  zu  lassen,  welche  den  asylrechtlichen  Schutz  gar  nicht  benötigten, weil sie ihn bereits in einem Drittstaat erhalten hätten, dass es nicht  im Sinne des Grundgedankens der humanitären Tradition  der  Schweiz  sei,  Personen,  welche  bereits  in  einem  Drittstaat  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  seien  und  dort  asylrechtlichen  Schutz  geniessen  würden,  von  einer  Rückschiebung  in  diesen  Drittstaat  auszunehmen, dass das Gericht  in diesem Zusammenhang unter anderem auch darauf  hinweise, das schweizerische Asylrecht biete grundsätzlich nicht Hand für  eine  doppelspurige  Schutzgewährung,  sondern  lasse  das  Institut  des  Zweitasyls  einzig  unter  der  Voraussetzung  eines  zweijährigen,  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  zu (vgl. a.a.O., E. 4.2), dass es sich vorliegend angesichts dieser Ausführungen erübrige, auf die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3 AsylG erfüllten, einzugehen, dass  es  zudem  keine Hinweise  darauf  gebe,  die Beschwerdeführenden  erhielten in der Tschechischen Republik, einem Land, das der Bundesrat  als  sicheren  Drittstaat  im  Sinne  von  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  bezeichnet  habe,  und  in welchem  sie  als  Flüchtlinge  anerkannt worden  seien, keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1  AsylG  oder  Art.  33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), dass  demzufolge  die  Voraussetzungen  für  eine  Anwendung  der  Ausnahmebestimmung  von  Art.  34  Abs.  3  AsylG  in  casu  nicht  erfüllt  seien, weshalb auf die Asylgesuche nicht einzutreten sei,

D­5139/2011 dass  das  BFM  schliesslich  den  Wegweisungsvollzug  als  durchführbar  erachtete  und  diesbezüglich  im  Wesentlichen  ausführte,  aufgrund  des  Umstands,  wonach  der  Bundesrat  die  Tschechische  Republik  als  verfolgungssicheren Drittstaat  bezeichnet  habe,  bestehe  die  gesetzliche  Regelvermutung,  dass  eine  asylrelevante  staatliche  Verfolgung  zu  verneinen und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet sei, dass  vorliegend  jedoch  keine  Hinweise  bestünden,  welche  diese  Regelvermutung umstossen könnten, dass  der  Beschwerdeführer,  als  er  zu  den  Gründen  der  geltend  gemachten Verfolgung befragt worden sei, erklärt habe, die Tschechische  Republik  erachte  sich  als  Transitland,  und Menschen,  die  dort Wurzeln  schlügen, würden deshalb verfolgt (vgl. B29, F13), dass  diese  Erklärung  in  Anbetracht  des  ihm  und  seiner  Familie  dort  gewährten politischen Asyls nicht zu überzeugen vermöge, dass  die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  auf  die  Frage,  woher  sie wisse,  dass  die  staatlichen  Spezialdienste  sie  verfolgen  würden,  festgehalten  habe, es sei nicht nur ihre Vermutung, sondern auch ihr Gefühl (vgl. B30,  F12), dass  eine  solche  rein  subjektive  Wahrnehmung  jedoch  die  geltend  gemachte Verfolgung ebenso wenig zu belegen vermöge, dass  sich  auch  den  eingereichten  Beweismitteln  (vgl.  Akte  B32)  keine  Hinweise auf eine staatliche Verfolgung entnehmen  liessen, weshalb es  den  Beschwerdeführenden  insgesamt  nicht  gelungen  sei,  die  diesbezüglichen Vorbringen in einem genügenden Masse zu begründen, dass  zwar  nicht  ausgeschlossen  werden  könne,  es  könne  in  der  Tschechischen Republik – wie auch  in anderen europäischen Staaten –  durch  Personen  mit  einer  militant­rassistischen  Grundeinstellung  zu  Übergriffen gegen Angehörige von ethnischen Minderheiten kommen, dass  jedoch  in  diesem  Zusammenhang  davon  auszugehen  sei,  die  Behörden  der  Tschechischen  Republik,  einem  Mitgliedstaat  der  Europäischen  Union  und  Rechtsstaat,  würden  ihrer  Schutzpflicht  nachkommen und solche Übergriffe ahnden,

D­5139/2011 dass keine Hinweise darauf bestünden, den Beschwerdeführenden drohe  im  Falle  einer  Rückkehr  in  die  Tschechische  Republik  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung, dass  zudem  gewisse  Zweifel  an  der  allgemeinen  Glaubhaftigkeit  der  Beschwerdeführenden  bestünden,  da  sie  im Verlauf  ihrer  Asylverfahren  unterschiedliche Identitäten angegeben hätten, dass weder  die  in  der  Tschechischen Republik  herrschende  allgemeine  politische, wirtschaftliche und soziale Situation noch  individuelle Gründe  gegen die Zumutbarkeit der Rückkehr dorthin sprächen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  ausserdem  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar  sei,  da  eine  entsprechende  Zustimmung  der  tschechischen Behörden vorliege, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  15.  September  2011  gegen  die  Verfügung  vom  7.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  beantragten,  die  Verfügung des BFM sei aufzuheben, das Bundesamt sei anzuweisen, auf  ihr Asylgesuch einzutreten und es materiell zu behandeln, eventualiter sei  die  Sache  zur  Neubeurteilung  und  zur  hinreichenden  Sachverhaltsabklärung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  subeventualiter  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  den  Vollzug  der  Wegweisung  auszusetzen  und  ihnen  eine  vorläufige  Aufnahme  zu  erteilen, dass  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersucht wurde, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  19.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m. 

D­5139/2011 Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs.  1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

D­5139/2011 dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  sicheren  Drittstaat  nach  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  b  zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben (Art.  34 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  keine  Anwendung  findet,  wenn  Personen,  zu  denen  die  asylsuchende  Person  enge  Beziehungen  hat,  oder  nahe  Angehörige  in  der  Schweiz  leben,  oder  die  asylsuchende  Person  offensichtlich  die  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art.  3  AsylG  erfüllt,  oder  Hinweise  darauf  bestehen,  dass  im Drittstaat  kein  effektiver  Schutz  vor  Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Art. 34 Abs. 3 Bst. a­c  AsylG), dass die Beschwerdeführenden in der Rechtsmitteleingabe insbesondere  geltend machten,  entgegen  der Ansicht  des BFM bestünden  vorliegend  klare  Hinweise  darauf,  dass  in  der  Tschechischen Republik  der  Schutz  vor nichtstaatlicher Verfolgung nicht gewährleistet sei, dass sie mehrmals versucht hätten, die Polizei einzuschalten, diese ihnen  jedoch nicht glaube und der Sache auch nicht nachgehen wolle; niemand  helfe ihnen, dass die ganze Familie grosse Angst habe, wieder  in die Tschechische  Republik  zurückkehren  zu  müssen;  sie  könnten  dort  kein  menschenwürdiges Leben führen, dass auch das Kindeswohl bei einer Rückführung gefährdet sei, dass  das  BFM  in  ausführlicher  Art  und  Weise  darlegte,  weshalb  vorliegend  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  gemäss  Art.  34  Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt sind, dass daher  zur Vermeidung  von Wiederholungen  vollumfänglich  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden kann, dass  die  in  der  Beschwerde  geltend  gemachten  Vorbringen  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern  vermögen,  weshalb  es  sich  erübrigt,  darauf näher einzugehen,

D­5139/2011 dass auch die seitens des BFM getätigte Sachverhaltsabklärung nicht zu  beanstanden  ist,  weshalb  der  Eventualantrag  auf  Rückweisung  der  Sache  zwecks  Neubeurteilung  und  hinreichender  Abklärung  des  Sachverhalts abgewiesen wird, dass  das  BFM  angesichts  der  gesamten  Umstände  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.],  Ausländerrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Auflage,  Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 

D­5139/2011 Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da es keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerdeführenden in der  Tschechischen  Republik  keinen  effektiven  Schutz  vor  Rückschiebung  gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG oder Art. 33 FK erhalten, dass  darüber  hinaus  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  EMRK  ersichtlich  sind,  die  den  Beschwerdeführenden  in  der  Tschechischen Republik droht, dass  eine  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  auch  unter  dem  Gesichtspunkt  des  Kindeswohls  nicht  zu  beanstanden  ist,  da  die  Tschechische  Republik  zu  den  Vertragsstaaten  der  Kinderrechtskonvention (SR 0.107) gehört, dass daher davon ausgegangen werden kann, dieser Staat halte sich an  die daraus resultierenden Verpflichtungen, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  weder  die  allgemeine  Lage  in  der  tschechischen  Republik  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend in Übereinstimmung mit dem BFM zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  tschechische  Republik  den  Beschwerdeführenden  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es ihnen obliegt,  bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515),

D­5139/2011 dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  demnach  zu  bestätigen  ist  und  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  den  Beschwerdeführenden  somit  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  angesichts  des  Umstands,  wonach  sich  die  Rechtsbegehren  als  aussichtslos  erwiesen  haben,  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  einer  allfälligen  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden  abzuweisen ist, dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses mit vorliegendem Urteil gegenstandslos wird, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­5139/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-5139/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.09.2011 D-5139/2011 — Swissrulings