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Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 D-4977/2011

19. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,463 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4977/2011 Urteil   v om   1 9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), alias A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), alias D._______, geboren (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 24. August 2011 /  N .

D­4977/2011 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 1999 (BV, SR 101), des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311), des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110), des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention, EMRK, SR 0.101), des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105), des  Abkommens  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 

D­4977/2011 Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags (Dublin­Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig ist (Dublin­II­VO), der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September  2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin­II­VO (DVO Dublin), des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2), stellt fest, dass  die  Beschwerdeführenden  am  29.  September  2010  ein  erstes  Asylgesuch in der Schweiz einreichten, dass das BFM mit Verfügung vom 6. Mai 2011 gestützt auf Art. 34 Abs. 2  Bst.  d  AsylG  auf  diese  Asylgesuche  nicht  eintrat  und  den  Wegweisungsvollzug nach Frankreich anordnete, dass  die  Beschwerdeführenden  am  1.  Juni  2011  nach  Frankreich  überstellt wurden, dass  die  Beschwerdeführenden  in  der  Folge  am  15.  Juni  2011  ein  zweites Asylgesuch in der Schweiz einreichten, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  24.  August  2011  –  eröffnet  am  2.  September 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die  Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom 15. Juni 2011 nicht eintrat,  die Wegweisung  nach  Frankreich  verfügte,  die  Beschwerdeführenden –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  feststellte,  der  Kanton  Bern  sei  verpflichtet,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  und  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegende  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung, 

D­4977/2011 und  den  Beschwerdeführenden  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis aushändigte, dass für die Begründung der Verfügung auf die Akten zu verweisen ist, dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  9.  September  2011  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  die  nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen  liessen: Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und  der  Wegweisungsvollzug  per  sofort  auszusetzen.  Den  Beschwerdeführenden  sei  vollumfängliche  Einsicht  in  die  Akten  B8/3,  B9/1, B10/2, B15/5, B16/5, B17/5 und B18/5 sowie das rechtliche Gehör  nebst  einer  angemessenen  Frist  zur  Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung  zu  gewähren.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  24.  August  2011  sei  aufzuheben  und  die  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechts­erheblichen  Sachverhalts  und  zur  Neubeurteilung  zurückzuweisen.  Eventualiter  sei  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  vom  15.  Juni  2011  einzutreten. Eventualiter  sei  die Unzulässigkeit  und Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs nach Frankreich festzustellen. Eventualiter sei von  den französischen Behörden eine schriftliche Zusicherung betreffend die  Durchführung  eines  Asylverfahrens  und  betreffend  die  Bereitstellung  einer Unterkunft einzuholen, dass  für  den  Inhalt  der  Beschwerde  auf  die  Akten  zu  verweisen  und,  soweit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf einzugehen ist, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  13.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  VwVG  mit  Verfügung  vom  15.  September  2011  vorsorglich aussetzte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 

D­4977/2011 Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass  die  Beschwerdeführenden  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung  der Beschwerde  legitimiert sind  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und  Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG), dass  im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig zu prüfen  ist, ob das  BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  zu Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolgedessen  die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  gestützt  auf  die  einleitenden  Bestimmungen  sowie  Art.  1  Abs.  1  DAA  i.V.m. Art.  29a Abs.  1 AsylV 1 die Prüfung der  staatsvertraglichen 

D­4977/2011 Zuständigkeit zur Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der  Dublin­II­VO vorzunehmen ist, dass  die  Beschwerdeführenden  im  Rahmen  eines  Dublin­Verfahrens  bereits  einmal  nach Frankreich  überstellt wurden,  nachdem sie  gemäss  eigenen  Angaben  am  7.  September  2010  mit  Schengener  Visa  nach  Frankreich eingereist waren, dass  somit  Frankreich  für  die  Prüfung  ihrer  am  15.  Juni  2011  in  der  Schweiz  eingereichten  Asylanträge  zuständig  ist  (vgl.  das  Dublin­ Assoziierungsabkommen, die Dublin­II­VO sowie die DVO Dublin), dass  die  französischen  Behörden  das  Ersuchen  des  BFM  vom  18.  Juli  2011 um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  guthiessen,  weshalb  die  Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  gemäss  DAA  bei  Frankreich liegt, dass die Beschwerdeführenden  im Rahmen des  rechtlichen Gehörs am  23. Juni 2011 lediglich geltend machten, sie wollten nicht nach Frankreich  zurückkehren, weil  sich  die  dortigen Behörden  nicht  um  sie  kümmerten  und ihnen keine Unterkunft zur Verfügung stellten (B5/9 Ziff. 17 S. 6, B6/9  Ziff. 17 S. 6), dass  in  der  Beschwerde  im  Wesentlichen  vorgebracht  wird,  die  Beschwerdeführenden  hätten  in  Frankreich  während  12  Tagen  keine  Unterkunft und Betreuung erhalten, sondern buchstäblich auf der Strasse  leben müssen, dass die Vorinstanz diesen Umstand korrekterweise im Sachverhalt hätte  aufführen  müssen,  dies  nicht  getan  habe,  weshalb  hier  ein  grober  Verstoss  gegen  die  Begründungspflicht  gemäss  Art.  29  Abs.  2  BV  und  eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege, dass  der  vorinstanzliche  Entscheid  demnach  aufgrund  der  formellen  Natur des rechtlichen Gehörs zwingend kassiert werden müsse, dass  das  Leben  auf  den  Strassen  von  Paris  grosse  Ängste  bei  der  Beschwerdeführerin  ausgelöst  habe  und  die  Kinder  darüber  hinaus  traumatisiert seien und periodisch weinten,

D­4977/2011 dass es das BFM zu Unrecht  unterlassen habe,  von den  französischen  Behörden  eine Garantie  für  die Durchführung  eines Asylverfahrens  und  für  die  Bereitstellung  einer  Unterkunft  für  die  Beschwerdeführenden  zu  verlangen, dass  insbesondere  zu  prüfen  sei,  ob  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden nach Frankreich zwingendes Völkerrecht verletze, dass  allenfalls  vor  einem  Wegweisungsvollzug  zwingend  eine  Zusicherung  von  Frankreich  eingeholt  werden  müsse,  welche  die  Durchführung eines Asylverfahrens in Frankreich sowie die Bereitstellung  einer  Unterkunft  für  die  Beschwerdeführenden  garantiere,  und  die  französischen Behörden ausserdem bestätigen müssten, sie würden die  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  einhalten und das zwingende Völkerrecht berücksichtigen, dass die Vorinstanz  in  erheblich grösserem Umfang Akteneinsicht  hätte  gewähren  müssen,  als  sie  dies  getan  habe,  zumal  sie  nicht  alle  entscheidrelevanten Vollzugsakten offengelegt habe, dass  diese  Beschwerdevorbringen  indessen  nicht  zu  einer  veränderten  Betrachtungsweise führen können, dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  zunächst  gerügt  wird,  das  BFM  habe  den Beschwerdeführenden zu Unrecht keine Einsicht  in die Akten B8/3,  B9/1, B10/2, B15/5 B16/5, B17/5 und B18/5 gewährt, dass gemäss Art. 26 VwVG die Partei oder ihr Vertreter – unter Vorbehalt  der Ausnahmen gemäss Art. 27 Abs. 1 VwVG – grundsätzlich Anspruch  darauf  hat,  sämtliche Aktenstücke einzusehen, welche geeignet  sind,  in  einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen, dass diese Eigenschaft den Akten B8/3 – B10/2 sowie den Akten B17/5  und B18/5 abgeht, dass im Übrigen der Umfang der Akteneinsicht allein durch den Inhalt der  Akten  bestimmt  wird,  weshalb  die  fantasievollen  und  weitschweifigen  Erwägungen  des  Rechtsvertreters  über  virtuelle  Inhalte  keinen  Einfluss  auf den Umfang der Akteneinsicht haben, dass den Beschwerdeführenden demgegenüber die Übernahmegesuche  an Frankreich (B15/5 und B16/5) zu edieren sind, weil es sich bei diesen 

D­4977/2011 Akten,  wie  in  der  Beschwerde  zu  Recht  geltend  gemacht  wird,  um  entscheidrelevante  Akten  im  Sinne  von  Art.  26  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  handelt, weshalb ein Anspruch auf Einsicht besteht, dass  das  BFM  das  Recht  auf  Akteneinsicht  der  Beschwerdeführenden  zwar  verletzt  hat,  indem  es  ihnen  die  Akten  B15/5  und  B16/5  nicht  eröffnet hat, dass  das BFM den Beschwerdeführenden  jedoch  bereits  anlässlich  der  Befragungen vom 23.  Juni 2011 das  rechtliche Gehör  zur Zuständigkeit  Frankreichs  für  die  Prüfung  ihrer  Asylgesuche  und  zu  einem  allfälligen  Wegweisungsvollzug  dorthin  gewährte  (vgl.  B5/9  Ziff.  17  S.  6,  B6/9  Ziff. 17 S. 6), dass  deshalb  der  Umstand,  dass  ihnen  die  erwähnten  Akten  im  erstinstanzlichen  Verfahren  nicht  zur  Einsicht  eröffnet  wurden,  für  die  Beschwerdeführenden mit keinen erheblichen Nachteilen verbunden war  und  deshalb  die  diesbezügliche  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  als  nicht schwerwiegend zu beurteilen ist, dass  im  Übrigen  Kopien  der  Aktenstücke  B15/5  und  B16/5  den  Beschwerdeführenden  zusammen  mit  diesem  Urteil  zur  Kenntnis  gebracht werden, dass demzufolge die Verletzung des Akteneinsichtsrechts als geheilt  zu  betrachten  ist  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­2536/2011  vom  23.  Mai  2011  S.  5  ff.),  weshalb  kein  Anlass  besteht,  die  angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an das Bundesamt  zur Neubeurteilung zurückzuweisen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676  f.), dass  die  Vorinstanz  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  vollständig  und  richtig  abgeklärt  hat,  weshalb  eine  Kassation  der  angefochtenen  Verfügung ausser Betracht fällt, dass  es  sich  demnach  auch  erübrigt,  den  Beschwerdeführenden  eine  Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen, weshalb der entsprechende  Antrag abzuweisen ist, dass  die  sinngemässe  Rüge,  die  Vorinstanz  habe  gegen  die  Begründungspflicht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verstossen, weil sie auf die  angeblich  fehlende  Unterstützung  durch  die  französischen  Behörden 

D­4977/2011 lediglich  in  den  Erwägungen  eingegangen  sei,  sie  aber  nicht  im  Sachverhalt aufgeführt habe, nicht nachvollziehbar erscheint, zumal sich  eine  Verletzung  der  Begründungspflicht  aus  den  Erwägungen  ergeben  müsste, dass  allfällige  Zweifel  der  Beschwerdeführenden  in  Bezug  auf  Aufenthaltsrecht und Unterstützungsleistung  in Frankreich ohne Einfluss  auf die Frage des zuständigen Staates sind, dass  anders  als  bei  Griechenland  (vgl.  Urteil  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  [EGMR],  M.S.S.  vs.  Belgium  and  Greece,  Nr. 30696/09,  21.  Januar  2011,  Urteil  R.U.  vs.  Greece,  Nr.  2237/08, 7. Juni 2011) hinsichtlich Frankreich weder davon ausgegangen  werden kann, die französische Gesetzgebung zum Asylrecht werde nicht  angewendet,  noch  sei  das Asylverfahrensrecht  in  diesem Land  in  einer  Art  und  Weise  von  strukturellen  Unzulänglichkeiten  geprägt,  dass  asylsuchende  Personen  kaum  Chancen  auf  eine  seriöse  Prüfung  ihrer  Asylgesuche  und  ihrer Beschwerden  durch  die  französischen Behörden  haben,  oder  dass  sie  dort  mangels  wirksamer  Beschwerdemöglichkeit  keinen  Schutz  vor  willkürlicher  Rückschiebung  in  ihr  Heimatland  geniessen, dass entgegen den  in der Beschwerde geäusserten Zweifeln Frankreich  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  einhält  und  Flüchtlingen  den  ihnen zustehenden Schutz gewährt, dass somit keine Veranlassung besteht, die Regelvermutung in Frage zu  stellen, wonach sich Frankreich an die massgebenden völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der  FoK,  hält  (BVGE  2010/45  E. 7.5 und 7.7), dass die Umsetzung der Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von  Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten  (Amtsblatt  Nr. L  031  vom  06/02/2003 S. 0018­0025)  durch  Frankreich  zu  keinen Beanstandungen  von Seiten der Europäischen Kommission geführt hat, dass  sich  in  diesem  Zusammenhang  weitere  Abklärungen  seitens  schweizerischer  Behörden  erübrigen,  weshalb  die  diesbezüglichen  Anträge in der Beschwerde abzuweisen sind,

D­4977/2011 dass  für  den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführenden  aufgrund  ihrer  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  sein  sollten,  in  Frankreich  ein menschenwürdiges  Leben  zu  führen,  es  an  ihnen  liegen  wird,  ihre  Rechte  bei  den  französischen  Behörden  respektive  beim  Europäischen Gerichtshof  oder  beim EGMR geltend  zu machen  (BVGE  2010/45 E. 7.6.4), dass  sich  die  Beschwerdeführenden  somit  an  die  zuständigen  französischen und europäischen Behörden wenden können und ihnen die  damit verbundene Mühewaltung zugemutet werden kann, dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  die  Beschwerdeführenden  würden  im  Falle  einer  Rückkehr nach Frankreich in eine existenzielle Notlage geraten, dass  allfällige  akute  wie  auch  künftige  Erkrankungen  irgendwelcher  Art  und Schwere (vgl. dazu Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl.,  Berlin und New York 2010)  in Frankreich behandelt werden können und  die  Beschwerdeführenden  faktisch  Zugang  zu  den  dortigen  Behandlungsmöglichkeiten  haben,  weshalb  im  Rahmen  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  darauf  verzichtet  werden  kann,  den  Eingang des in Aussicht gestellten Arztzeugnisses abzuwarten, lässt sich  doch  aus  den  diesbezüglichen  Beschwerdevorbringen  der  sichere  Schluss ziehen, es liege niemand im Sterben, dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  nicht  eingetreten und der Rückweisungsantrag daher abzuweisen ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001 Nr.  21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1 AuG), 

D­4977/2011 dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vorgehende  Erwägungen), dass  in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach  Frankreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete, dass  es  sich  erübrigt,  auf  weitere  Beschwerdevorbringen  oder  Beweismittel  einzugehen,  da  diese  an  der Würdigung  des  vorliegenden  Sachverhalts nichts zu ändern vermögen, dass  die  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  darzutun  vermögen,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  die  Beschwerdeführenden  insoweit  einen  Teilerfolg  erzielten,  als  ihnen die Akten B15/5 und B16/5 in Kopie auszuhändigen sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  reduzierten  Kosten  von  Fr. 500.­  (Art. 1 ­ 3 VGKE) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind  (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), dass  nach Art.  64 Abs.  1  VwVG  die  Beschwerdeinstanz  der  ganz  oder  teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zusprechen kann, dass  nach Art.  8 Abs.  1 VGKE die Parteientschädigung  die Kosten  der  Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Partei umfasst, dass die Beschwerdeführenden die Rüge, die Vorinstanz hätte ihnen die  Dokumente B15 und B16 im Rahmen der Akteneinsicht edieren müssen,  zu Recht erhoben haben, dass  diese  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  indessen  nicht  zur  Kassation der angefochtenen Verfügung führen konnte, zumal sie zufolge  der  geltenden  Praxis  als  geheilt  zu  betrachten  ist  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­2536/2011 vom 23. Mai 2011 S. 5 ff.),

D­4977/2011 dass sich der prozessuale Erfolg der Beschwerdeführenden somit  in der  Edition  einiger  Fotokopien  erschöpft,  wobei  diese  Praxis  dem  Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden bereits bekannt war  (vgl. das  Rubrum  des  obgenannten  Urteils),  weshalb  die  seitenlangen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  zum  rechtlichen  Gehör  als  unnötiger  Aufwand  zu  qualifizieren  sind,  der  nach  Art. 8  Abs.  2  VGKE  nicht  zu  entschädigen ist, dass  dementsprechend  in  casu  keine Parteientschädigung  auszurichten  ist, dass  die  Beschwerdeführenden  im  Übrigen,  wie  bereits  erwähnt,  am  1. Juni 2011 nach Frankreich überstellt worden waren, ihre Zweitgesuche  lediglich vierzehn Tage später einreichten und mit einer ebenso haltlosen  wie  fadenscheinigen  Begründung  ausschmückten,  weshalb  ihr  prozessuales  Verhalten  als  trölerisch  und  rechtsmissbräuchlich  zu  qualifizieren  ist,  was  auch  gegen  die  Zusprechung  einer  Parteientschädigung spricht. (Dispositiv nächste Seite)

D­4977/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das  Gesuch  um  Einsicht  in  die  Akten  B15/5  und  B16/5  wird  gutgeheissen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2.   Die  reduzierten  Verfahrenskosten  von  Fr. 500.­­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

D-4977/2011 — Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 D-4977/2011 — Swissrulings