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Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 D-4955/2010

26. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,283 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 27. April 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4955/2010 Urteil   v om   2 6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Daniele Cattaneo,  mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;  Gerichtsschreiber Carlo Monti. Parteien A._______, Sri Lanka,  Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 27. April 2010 / N […].

D­4955/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  sri­lankischer  Staatsangehöriger  aus  B._______  (Ostprovinz)  –  ersuchte  mit  Eingabe  vom  1.  Juni  2006  ein  erstes Mal  um Asyl  in  der Schweiz, wobei  er  angab,  sein Vater  sei  bei  ethnisch  motivierten  Unruhen  ums  Leben  gekommen.  Im  Jahre  2006  habe der Beschwerdeführer auf der Liste der Illankai Tamil Arasu Katchi  (ITAK)  an  Regionalwahlen  teilgenommen  und  sei  zum  Vertreter  seines  Dorfes gewählt worden. Seither sei er von Unbekannten bedroht worden.  Er habe sein Haus kaum mehr verlassen können und sei nicht mehr  im  Stande gewesen, seinen Pflichten nachzukommen. B.  Mit Verfügung vom 30. Januar 2007 – in C._______ am 12. Februar 2007  an den Beschwerdeführer versandt und von diesem am 15. Februar 2007  erhalten – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  im  Wesentlichen  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  im  Grossraum  C._______ habe, wo ihm "ein Leben ohne Angst vor Übergriffen möglich  sein  sollte".  Diese  Verfügung  blieb  unangefochten  und  erwuchs  in  Rechtskraft. C.  Der  Beschwerdeführer  ersuchte  mit  Eingabe  vom  28.  November  2009  (Eingang bei der Schweizerischen Botschaft  (…)  [nachstehend kurz: die  Botschaft]  am  9. Dezember  2009)  ein  zweites  Mal  um  Asyl  in  der  Schweiz. Für die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel wird auf  die Akten verwiesen. D.  Mit  Schreiben  vom  16.  Dezember  2009  forderte  die  Botschaft  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  18.  Januar  2010  sein  Gesuch  mit  detaillierten  Angaben  zu  den  geltend  gemachten  Asylgründen  zu  ergänzen  sowie, Beweismittel  und Kopien persönlicher  Identitätspapiere  wie  Geburtsregisterauszug,  Identitätskarte  und  Reisepass  inklusive  englische  Übersetzung  einzureichen,  ansonsten  davon  ausgegangen  werde, dass er auf eine Fortführung seines Asylverfahrens verzichte.

D­4955/2010 E.  Dieser Aufforderung kam er mit Schreiben vom 12. Januar 2010 (Eingang  bei der Botschaft am 19. Januar 2010) nach. F.  Mit Fax­Schreiben vom 2. Februar 2010  (Eingang bei  der Botschaft  am  10.  Februar  2010)  führte  der  Beschwerdeführer  seine  Ausreisegründe  weiter aus. G.  Mit  Schreiben  vom  10.  März  2010  (Eingang  bei  der  Botschaft  am  24. März 2010) forderte er sinngemäss die Schweizer Behörden auf, sein  Asylgesuch zu behandeln. H.  Am 31. März 2010 befragte ihn eine Mitarbeiterin der Botschaft zu seinen  Asylgründen. I.  Mit Schreiben vom 5. April 2010 (Eingang bei der Botschaft am 21. April  2010) führte der Beschwerdeführer seine Gesuchsgründe weiter aus. J.  Mit  den  oben  erwähnten  Eingaben  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  im Wesentlichen  geltend,  er  sei  von  April  bis  Juni  2006  Ratsmitglied  im  Gemeinderat  für  die  Partei  Tamil  National  Alliance  (TNA),  welche  mit  der  ITAK  gleichzusetzen  sei,  gewesen  und  sei  dann  im  Juli  2006  zu  seinem Onkel  ins  Vanni­Gebiet  gezogen.  Im  März  2009  sei  er  dort  während  einer  Bombardierung  so  schwer verletzt worden, dass man sein linkes Unterbein habe amputieren  müssen. Er habe danach eine Prothese erhalten, welche ihm das Gehen  wieder  ermöglicht  habe.  Im  Mai  2009  habe  er  sich  der  sri­lankischen  Armee  übergeben  und  sei  bis  im  Oktober  2009  in  einem  Internally  Displaced  Persons  (IDP)  Camp  in  D._______  geblieben.  Im  Rahmen  einer organisierten Rückführung sei er in der Folge am 21. Oktober 2009  wieder zu seiner Familie  in B._______ gelangt. Dort habe er neben den  üblichen Kontrollbesuchen der sri­lankischen Behörden auch Drohungen  von  unbekannten Personen, welche  dem Staat  nahe  stünden,  erhalten.  Es sei gemutmasst worden, dass er ein Mitglied der Liberation Tigers of  Tamil  Eelam  (LTTE)  sei,  da  er  ein  amputiertes  Bein  habe.  Im  Übrigen 

D­4955/2010 werde  er  auch  von  der  United  People's  Freedom  Alliance  (UPFA)  gedrängt, für diese zu arbeiten. K.  Mit  Verfügung  vom  27.  April  2010  –  in  C._______  an  den  Beschwerdeführer versandt am 19. Mai 2010 und von diesem am 22. Mai  2010 empfangen – verweigerte das BFM die Bewilligung zur Einreise  in  die Schweiz und lehnte das Asylgesuch ab. L.  Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  (…)  gerichteter  und  am  29. Juni  2010  dort  eingetroffener  Eingabe  vom  18.  Juni  2010  (Poststempel:  23. Juni  2009)  beantragte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss,  die  Verfügung  des  BFM  vom  27.  April  2010  sei  aufzuheben  und  ihm  Asyl  beziehungsweise die Einreise in die Schweiz zu gewähren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Frage  eines  Auslieferungsgesuches  stellt  sich  vorliegend nicht, weil sich der Beschwerdeführer in Sri Lanka aufhält und  demnach das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).

D­4955/2010 1.3.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes  abgefasst.  Aus  prozessökonomischen  Gründen  wird  praxisgemäss  auf  eine entsprechende Rückweisung zur Übersetzung  in eine Amtssprache  verzichtet und die in englischer Sprache abgefasste Rechtsmitteleingabe  zufolge  ihrer  Verständlichkeit  akzeptiert.  Der  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  ergeht  indessen  in  deutscher  Sprache  (Art.  33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 1.4. Die  Beschwerde  ist  folglich  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie  52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 

D­4955/2010 Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken  (Art. 3 AsylG). 4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (Art. 3,  7  und  52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt das BFM einem Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des  Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen.  Gestützt  auf Art. 20 Abs. 3 AsylG  kann  das Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft  machen,  dass  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  oder  für  die  Freiheit  aus  einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.3.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl. BVGE E­8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 3.3; Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 19 E. 4 S. 174  ff., EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136  f., EMARK 2004  Nr. 20 E. 3 S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.). 5.  5.1.  Zur  Begründung  ihres  Entscheides  führte  die  Vorinstanz  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht  plausibel,  da  nach  den  vielen Jahren des Bürgerkriegs in Sri Lanka eine Kriegsverletzung nichts  Ungewöhnliches sei. Zahlreiche Zivilisten seien gerade  in der Endphase  des  Krieges,  so  wie  der  Beschwerdeführer,  von  schwerwiegenden  Verwundungen betroffen worden. Zudem sei auch die Anzahl der durch  Verkehrsunfälle  verursachten Verletzungen  dieser Art  in  Sri  Lanka  sehr  hoch.  Somit  sei  ein  Generalverdacht  der  LTTE­Mitgliedschaft  allein  aufgrund seiner Verletzung realitätsfremd.

D­4955/2010 Die  weiter  geltend  gemachte  Bedrohung  wegen  seiner  früheren  politischen  Aktivitäten  sei  zudem  nicht  nachvollziehbar.  So  habe  der  Beschwerdeführer  selbst  während  der  Befragung  auf  der  schweizerischen  Botschaft  zu  Protokoll  gegeben,  dass  nach  der  Ratsverfassung  ein Ratsmitglied  automatisch  seinen Sitz  verliere, wenn  es an drei Versammlungen abwesend sei. Da er seit 2006 nicht mehr an  einer  Ratsversammlung  teilgenommen  habe,  sei  er  somit  kein  Ratsmitglied  mehr,  und  eine  aktuelle  Bedrohung  sei  nicht  plausibel.  Ausserdem habe  er  angegeben,  nur während  drei Monaten  –  von April  bis  Juni  2006  –  im Gemeinderat Einsitz  genommen  zu  haben. Dies  sei  eine  zu  kurze  Periode,  um  nach  vier  Jahren  noch  eine  Bedrohung  schlüssig vorbringen und damit glaubhaft machen zu können. Schliesslich sei  festzuhalten, dass seinen Vorbringen keine Hinweise zu  entnehmen  seien,  welche  erwarten  liessen,  dass  er  heute  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  von  einreiserelevanter Verfolgung betroffen sein würde. Er sei daher nicht auf  den Schutz der Schweiz angewiesen. 5.2.  Auf  Beschwerdeebene  brachte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen vor, dass er noch immer um sein Leben fürchte, da er von  den Behörden nicht als einfaches Kriegsopfer angesehen würde. Zudem  seien  in  den  letzten  Jahren  TNA­Mitglieder  und  Sympathisanten  von  Unbekannten  umgebracht worden.  Er  sei  demnach  aus  Furcht  um  sein  Leben  ins  Vanni­Gebiet  gezogen,  wo  er  seine  Verletzung  erlitt.  Schliesslich würden ihn Ermittler sehr oft in seinem Haus aufsuchen und  befragen. Damit könnte sich seine Situation jederzeit verschlechtern und  er würde Gefahr laufen, verhaftet zu werden. 6.  6.1.  In Würdigung  der  gesamten Vorbringen  des Beschwerdeführers  ist  vorliegend  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  seitens  der  sri­ lankischen  Behörden  und  Sicherheitskräfte  nicht  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  ernsthafte  Nachteile  im  Sinn von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. 6.2.  Soweit  der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  er  lebe  in  ständiger  Angst  vor  Übergriffen,  ist  einerseits  festzuhalten,  dass  der  Generalverdacht  der  LTTE­Mitgliedschaft  allein  aufgrund  seiner  Verletzung  als  realitätsfremd  erscheint,  und  andererseits,  dass  die  staatlichen Sicherheitsmassnahmen nach dem militärischen Sieg der sri­

D­4955/2010 lankischen Armee über die LTTE im Frühjahr 2009 nur langsam gelockert  werden.  Die  Notstandsgesetze  sind  vorerst  weiterhin  in  Kraft.  Die  Sicherheits­  und Menschenrechtslage  ist  noch  nicht  in  allen  Teilen  des  Landes  zufriedenstellend,  jedoch  ist  die  Anzahl  von  Gewaltereignissen  wie  Entführungen,  Verschleppungen  und  Tötungen  markant  zurückgegangen. Allfälligen allgemeinen Sicherheitskontrollen seitens der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte  kommt  dabei  jedenfalls  mangels  Intensität kein Verfolgungscharakter zu; mithin stellen solche Handlungen  keine  ernsthaften  Nachteile  im  Sinn  des  Gesetzes  dar.  Zudem  ist  anzumerken,  dass  gemäss  Erkenntnissen  der  schweizerischen  Asylbehörden  der  sri­lankische  Staat  rigoros  gegen  Terrorverdächtige  vorgeht.  Aus  den  Akten  ist  aber  nicht  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  irgendwelche  Behelligungen  in  besagtem  Ausmass  erlitten hat. Seine Furcht vor einer Verfolgung  im Heimatland  ist daher –  in Übereinstimmung mit den Ausführungen des BFM – als objektiv nicht  begründet im Sinne des Asylgesetzes einzustufen. Was  die  vorgebrachten  Probleme  bezüglich  seiner  früheren  politischen  Aktivitäten  anbelangt,  so  sind  diese,  abgesehen  von  deren  Unglaubhaftigkeit  –  wie  vom  BFM  zutreffend  festgestellt  (vgl.  auch  Befragungsprotokoll  vom  31. März  2010  S.  7)  –,  in  ihrer  Intensität  und  Ausprägung  nicht  asylrelevant.  Hierzu  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  eigenen  Angaben  keinerlei  asylrelevante  Nachteile  erfahren  und  in  der  Beschwerdeschrift  lediglich  auf  die  Möglichkeit  hingewiesen  hat,  dass  ihm  das  gleiche  Schicksal  wiederfahren könnte, wie anderen TNA­Mitgliedern und ­Sympathisanten.  Zudem,  lässt es die heutige politische Situation  in Sri Lanka schliesslich  grundsätzlich  zu,  dass  allfällige Übergriffe  seitens Dritter  bei  der Polizei  gemeldet  werden  können,  was  der  Beschwerdeführer  vorliegend  unterlassen  hat  (vgl. ibidem  S.  9).  Schliesslich  ist  anzumerken,  dass  selbst bei einer glaubhaften Geschichte der vorliegenden Aktenlage keine  Hinweise zu entnehmen sind, welche generell auf die Schutzunwilligkeit  des  sri­lankischen  Staates  hindeuten  würden.  Deshalb  ist  dem  BFM  zuzustimmen,  dass  sich  dieser  zum Schutz  vor Verfolgungen Dritter  an  die staatlichen Organe seines Heimatlandes wenden kann. 6.3.  Was  die  Verletzung  anbelangt,  so  ist  festzuhalten,  dass  die  Asylgewährung grundsätzlich nicht dazu dienen kann, einen Ausgleich für  vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern alleine bezweckt, Schutz vor  künftiger  Verfolgung  zu  gewähren.  Da  im  vorliegenden  Fall  indessen –  wie unter E. 6.2 dargelegt – keine hinreichenden Anhaltspunkte  für eine 

D­4955/2010 mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und  in absehbarer Zukunft drohende  Verfolgung des Beschwerdeführers bestehen, sind die Voraussetzungen  für  die  Annahme  einer  aktuellen  Verfolgungsfurcht  vorliegend  als  nicht  erfüllt zu betrachten. 6.4.  Nach  dem  Gesagten  kann  von  keinen  Nachteilen  ausgegangen  werden,  die  den  weiteren  Verbleib  des  Beschwerdeführers  in  seinem  Heimatstaat als unzumutbar erscheinen (vgl. Art. 20 Abs. 2 AsylG) oder  die  gar  auf  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  schliessen  lassen würde. 6.5. Hinzu  kommt,  dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem Gesuch  auch  keine  besonders  nahen  persönlichen Beziehungen  zur Schweiz  geltend  gemacht hat. 6.6.  Im  Lichte  dieser  eine  aktuelle  Schutzbedürftigkeit  verneinenden  Erwägungen  kann  sich  das  Gericht  darauf  beschränken,  nur  noch  im  Sinne  einer  Zusatzbegründung  darauf  hinzuweisen,  dass  von  den  weiteren kumulativ in Betracht zu ziehenden Kriterien (vgl. EMARK 1997  Nr.  15  E. 2d­g)  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  nicht  gegeben ist und es dem Beschwerdeführer wohl möglich sein dürfte, sich  in einem anderen Land – beispielsweise in Indien – oder einem anderen  Landesteil Sri Lankas niederzulassen. 7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG ist. Aufgrund der vorstehenden  Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen und die  im  vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel einzugehen, da sie  am  festgestellten  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  bewilligt  und  das  Asylgesuch abgelehnt. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.– an  sich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus 

D­4955/2010 verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­4955/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  die  Schweizer  Vertretung  (…) und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Carlo Monti Versand:

D­4955/2010 Zustellung erfolgt an: – den  Beschwerdeführer  durch  Vermittlung  der  Schweizerischen  Botschaft in Colombo (per EDA­Kurier) – die Schweizerische Botschaft in Colombo (Ref.­Nr. […]), mit der Bitte  um  Eröffnung  des  Urteils  an  den  Beschwerdeführer  und  um  Zustellung  der  beiliegenden  Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsgericht (per EDA­Kurier; in Kopie) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit  den Akten Ref.­Nr. N […] (in Kopie)

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