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Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 D-4851/2011

13. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,326 Wörter·~7 min·2

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 25. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4851/2011/sed Urteil   v om   1 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérard Scherrer,    Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren […], Äthiopien,   vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer,  Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 25. August 2011 / N […].

D­4851/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  Äthiopien  eigenen  Angaben  zufolge  am  8. Februar  2010  verliess  und  am  8.  Mai  2011  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachsuchte, dass sie anlässlich der Kurzbefragung  im Z._______ vom 26. Mai 2011  geltend  machte,  sie  habe  für  die  Ethiopia  Hezb  Arbenjotch  Genbar  (EHAG)  Flugblätter  verteilt,  sei  im  Juni/Juli  2009  vom  Sicherheitsdienst  dabei  erwischt,  mitgenommen  und  von  einem  Sicherheitsbeamten  vergewaltigt worden, dass  dieser  sie  in  der  Folge  wegen  der  verbotenen  Flugblattverteilung  immer  wieder  zu  sexuellen  Handlungen  gezwungen  habe,  jedoch  auf  eine Anzeige verzichtet habe, dass sie aus diesen Gründen ihr Heimatland verlassen habe, dass sie nach ihrer Ausreise wegen dieser Angelegenheit eine Vorladung  erhalten habe,  dass  sie  ohne  heimatliche  Identitätspapiere  über  Y._______  nach  X._______ gereist  sei, wo  sie  sich während einem Jahr  und 2 Wochen  aufgehalten habe und bei Privatleuten angestellt gewesen sei,  dass sie von den […] Behörden keine Papiere erhalten habe, dass  sie  am  27.  März  2011  X._______  verlassen  habe  und  nach  W._______ /Italien weitergereist sei, wo sie von den Behörden an einen  Ort gebracht und später nach V._______ geflogen worden sei, dass  sie  dort  zusammen  mit  andern  Personen  während  27  Tagen  in  Wohnungen  geblieben  und  krank  geworden  sei,  dann  nach  U._______  verschwunden  und  von  dort  in  die  Schweiz  gereist  sei,  nachdem  sie  erfahren habe, dass man ihr Fingerabdrücke nehmen wolle,  dass  sie  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  zu  einem  allfälligen  Wegweisungsvollzug zu Protokoll gab, in der Schweiz bleiben zu wollen,  weil hier die Menschenrechte geachtet würden und es sehr ruhig sei, dass das BFM am 21. Juni 2011 an Italien ein Ersuchen um Übernahme  der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 10 Abs. 1 der Verordnung (EG) 

D­4851/2011 Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 (Dublin­II­Verordnung) zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist, stellte (Akte A10/5), dass  die  italienischen  Behörden  jedoch  innerhalb  der  festgelegten  Frist  zum Übernahmeersuchen keine Stellung nahmen, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  25.  August  2011  –  eröffnet  am  29.  August 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31)  auf  das Asylgesuch nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  verfügte,  die  Beschwerdeführerin –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  T._______  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen,  der  Beschwerdeführerin  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  aushändigte  und  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  habe  keine  aufschiebende Wirkung, dass  das  BFM  festhielt,  die  Beschwerdeführerin  sei  gemäss  ihren  Aussagen  in  der  Nacht  vom  29.  März  zum  30.  März  2011  illegal  nach  Italien  eingereist,  bei  der  Ankunft  in  W._______  von  den  Behörden  aufgegriffen und in eine Unterkunft gebracht worden, dass  sie  vier  Tage  später  nach V._______  transferiert worden  und dort  während eines Monats geblieben sei,  indessen aus der Unterkunft nach  U._______ weggegangen und von dort in die Schweiz gereist sei, weil sie  hätte daktyloskopiert werden sollen, dass  die  italienischen  Behörden  innerhalb  der  festgelegten  Frist  zum  Übernahmeersuchen  des  BFM  keine  Stellung  genommen  hätten,  weshalb  gemäss  dem Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen,  SR 0.142.392.689) und Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­VO die Zuständigkeit  für  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  am  22.  August  2011  an  Italien  übergegangen sei,

D­4851/2011 dass  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  die  Zuständigkeit  Italiens  nicht  zu  widerlegen  vermöchten,  zumal  die  Beschwerdeführerin  keine  Gründe  geltend  gemacht habe, welche gegen die Zuständigkeit Italiens sprächen, dass  die  Überstellung  an  Italien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung oder Verlängerung (Art. 19f Dublin­II­VO) – bis spätestens  am 22. Februar 2012 zu erfolgen habe, dass  die  Beschwerdeführerin  gegen  diese  Verfügung  mit  Eingabe  vom  2. September  2011  durch  ihren  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  beantragte,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  das  Amt  sei  anzuweisen,  sein  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch für zuständig zu erklären, der Vollzug der Wegweisung sei im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  zu  stoppen,  die  aufschiebende  Wirkung sei zu erteilen, und es sei ihr die unentgeltlichen Rechtspflege zu  bewilligen sowie von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen, dass  für  die  Begründung  der  Beschwerde  auf  die  Akten  zu  verweisen  und, soweit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf einzugehen ist, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  5.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

D­4851/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  vom  29. März 2011 bis am 8. Mai 2011  in  Italien aufhielt  (Akte A4/12 S. 7  ff.  und Akte A10/5 S. 5), dass  im  Weiteren  angesichts  des  Umstands,  wonach  die  italienischen  Behörden  es  unterliessen,  sich  innert  Frist  zu  einer  Übernahme  der  Beschwerdeführerin  vernehmen  zu  lassen,  davon  auszugehen  ist,  dem  Ersuchen  des BFM  vom  21.  Juni  2011  sei  zugestimmt worden  (Art.  18  Abs. 7 Dublin­II­VO), dass  das  BFM  bei  dieser  Sachlage  zu  Recht  von  der  Zuständigkeit  Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens ausging, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde darlegte, sie sei infolge  der  erlittenen  Vergewaltigung  im  Heimatland  traumatisiert  und  benötige  eine entsprechende Behandlung,  dass  es  sich  bei  ihr  folglich  um  eine  sehr  verletzliche  Person  handle,  welcher  das  Recht  auf  ein  sorgfältig  durchgeführtes  Asylverfahren  einzuräumen  sei,  womit  indessen  gestützt  auf  die  Aktenlage  in  Italien 

D­4851/2011 nicht zu rechnen sei, zumal dieser Staat weder gewillt noch fähig sei, ein  solches Verfahren durchzuführen, dass zudem auf die schwierigen Verhältnisse für Asylsuchende in Italien  im Allgemeinen hingewiesen wurde, dass  aus  diesen  Gründen  die  Gefahr  bestehe,  die  Beschwerdeführerin  gerate  in eine existenzielle Notlage, weshalb unter Berücksichtigung der  Situation  in  Italien  und  der  grossen  Verletzlichkeit  der  Beschwerdeführerin  der  Vollzug  nach  Italien  nicht  als  zumutbar  zu  betrachten sei, dass  die  schweizerischen  Asylbehörden  vorliegend  vielmehr  von  ihrem  Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen hätten, dass  Italien  unter  anderem  Signarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK, SR  0.101)  und  des Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, dass Italien als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin­II­VO zuständiger Staat zudem  gehalten  ist,  unter  anderem  die  Richtlinie  2005/85/EG  des  Rates  vom  1. Dezember  2005  über  Mindestnormen  für  Verfahren  in  den  Mitgliedstaaten  zur  Zuerkennung  und  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  (sog.  Verfahrensrichtlinie)  und  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung  von  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  von Asylbewerbern  in Mitgliedstaaten  (sog. Aufnahmerichtlinie) anzuwenden respektive umzusetzen, dass  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  nicht  zum  Schluss  gelangt  und  keine Hinweise dafür bestehen, wonach Italien in genereller Weise seinen  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  nicht  nachkommen  respektive  in  völkerrechtswidriger Weise gegen die Verfahrens­ und Aufnahmerichtlinie  verstossen  würde  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7654/2010 vom 20. April 2011 E. 5.8.1), dass aufgrund der Aktenlage  insbesondere nicht davon auszugehen  ist,  Italien  werde  die  Beschwerdeführerin  in  Verletzung  der  vorgenannten 

D­4851/2011 völkerrechtlichen Abkommen in ihr Heimatland zurückschaffen, zumal sie  gemäss  eigenen  Angaben  nach  ihrem  Aufgreifen  in  W._______  in  verschiedenen Unterkünften  untergebracht worden war  (vgl. Akte A4/12  S. 7 ff.), dass das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende zwar in der Kritik  steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,   welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  indessen kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  eigenen  Angaben  in  W._______  von den italienischen Behörden aufgegriffen,  in eine Unterkunft gebracht  und  nach  einem  viertägigen  Aufenthalt  per  Flugzeug  zum  Festland  geflogen und erneut in eine Unterkunft zugewiesen wurde (Akte A4/12 S.  7 ff.),  dass den italienischen Behörden unter diesen Umständen jedenfalls nicht  vorgeworfen  werden  kann,  sie  hätten  ihren  Verpflichtungen  gegenüber  der Beschwerdeführerin nicht Rechnung getragen,  dass das Argument  in der Beschwerde, wonach nichts darauf hindeute,  Italien  wolle  für  die  Beschwerdeführerin  sorgfältig  ein  Asylverfahren  durchführen, da sie trotz mehrwöchigem Aufenthalt nicht einmal registriert  worden sei und man sie offenbar einfach habe weglaufen  lassen, als es  darum gegangen sei, Fingerabdrücke zu nehmen, nicht verhält, weil sich  die  Beschwerdeführerin  gemäss  ihren  Aussagen  aus  eigenem  Antrieb  ihrer  Pflicht,  den  italienischen  Behörden  die  Fingerabdrücke  zu  geben,  entzogen  hat,  indem  sie  die Unterkunft  in  V._______  in  Kenntnis,  dass  die  Fingerabrücke  bald  genommen  würden,  verlassen  hat  und  nach  U._______ weitergereist ist, dass  entgegen  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  davon  auszugehen  ist,  ihre  Personalien  seien  spätestens  anlässlich  ihres  Aufenthaltes  in der Asylbewerberunterkunft  in V._______ aufgenommen  worden, dass  Italien  –  sollten  die  Personalien  nicht  bekannt  sein  –  dies  den  schweizerischen  Behörden  im  Rahmen  des  Übernahmeersuchens  mitgeteilt hätten,

D­4851/2011 dass  Italien  aufgrund  des  eingestandenen  Aufenthaltes  für  das  Dublin­ Verfahren  zuständig  ist  und  daran  auch  eine  allfällige  Vereitelung  der  Personalienerhebung nichts ändern könnte, dass  auch  das Argument,  die Beschwerdeführerin  dürfe  als  verletzliche  Person  nicht  nach  Italien  zurückgeführt  werden,  weil  dies  für  sie  nicht  zumutbar  sei,  nicht  zu  überzeugen  vermag,  da  nach  Kenntnis  des  Gerichts  Dublin­Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  der  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  –  neben  den  staatlichen Strukturen  –  auch  zahlreiche  private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden annehmen, dass  beispielsweise  die  Organisation  Arci  von  Fraternità  seit  dem  1.  Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechtsberatung  anbietet, dass  zudem  weder  von  der  Beschwerdeführerin  selber  anlässlich  ihrer  Befragung  noch  in  der  Beschwerde  konkret  dargelegt  wurde,  ob  und  inwiefern  sich  die  Beschwerdeführerin  bei  den  zuständigen  Behörden  Italiens  um  Hilfeleistungen  beziehungsweise  um  medizinische  oder  psychologische/psychiatrische Betreuung bemühte, dass  somit  eine  allfällig  in  Italien  nicht  erfolgte  Behandlung  der  Beschwerdeführerin  nicht  entgegengehalten  und  von  einer  allfälligen  Behandelbarkeit möglicher medizinischer Schwierigkeiten in diesem Land  ausgegangen  werden  kann,  auch  wenn  Asylsuchende  gestützt  auf  verschiedene  Berichte  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  beim  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sind, dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  die  darauf  hindeuten,  die Beschwerdeführerin werde  im  Fall einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten, dass  ihr  ausserdem  die  Möglichkeit  offen  stünde,  sich  mit  Hilfe  einer  Rechtsberatungsstelle  einer  italienischen  Hilfsorganisation  in  Italien  gegen  eine  allfällige  Nichteinhaltung  der  gemäss  Aufnahmerichtlinie  geltenden  Mindeststandards  (und  damit  auch  gegen  die  Verweigerung  einer notwendigen medizinischen Behandlung) zu wehren,

D­4851/2011 dass  es  folglich  vorliegend  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen  oder  glaubhaft zu machen, aufgrund derer ausgeschlossen werden könnte, ihr  drohe  in  Italien  eine  unmenschliche  Behandlung  oder  es  sei  ihr  nicht  zumutbar, sich für die Einhaltung der zuvor erwähnten Mindeststandards  an in Italien tätige Hilfsorganisationen zu wenden, dass  somit  kein  Grund  zur  Annahme  besteht,  Personen,  die  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  würden  allgemein  aufgrund  der  dortigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  in  eine  existenzielle Notlage versetzt, dass auch im vorliegenden Fall keine Hinweise dafür bestehen, dass  insgesamt auf die zu bestätigenden Erwägungen und Folgerungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden  kann  und  die  Entgegnungen in der Beschwerde in entscheidwesentlicher Hinsicht nicht  durchzudringen vermögen, dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001 Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs.  1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass eine entsprechende Prüfung – soweit notwendig – vielmehr bereits  im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss, dass  in  diesem Sinn  die Vorinstanz  den Vollzug  der Wegweisung  nach  Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat,

D­4851/2011 dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mit dem Urteil  in der Hauptsache die Gesuche um Anordnung von  vorsorglichen  Massnahmen,  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos  erweist,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  einer allfälligen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4851/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand:

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