Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-4724/2011

1. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,327 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­4724/2011 Urteil   v om   1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher;   Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Türkei,   vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, (…)  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 11. August 2011 / N (…).

D­4724/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  (Ehefrau  und  […])  am  24. Juli  2000  ein  erstes  Mal  Asylgesuche  in  der  Schweiz  einreichten,  welche  vom  damaligen  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF) mit  Verfügung  vom  25. April  2002  abgelehnt  wurden,  worauf  sie  (Ehegatten  und  zwischenzeitlich  […])  am  19. Juni  2002  freiwillig  in  die  Türkei  zurückkehrten, dass  der  Beschwerdeführer  am  9. November  2010  telefonisch  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Ankara  ein  Einreise­  und  Asylgesuch  stellte,  worauf  er  am  4. März  2011  auf  der  Schweizerischen  Botschaft  angehört wurde, dass  er  eigenen  Angaben  zufolge  seinen  Heimatstaat  am  5. Mai  2011  verliess und am 9. Mai 2011 in die Schweiz einreiste, wo er gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  nachsuchte, dass  der  Beschwerdeführer  am  13. Mai  2011  zur  Person  und –  summarisch – zu seinen Asylgründen befragt wurde, dass  für  die Aussagen  des Beschwerdeführers  zur Verfolgungssituation  im Heimatland auf die Akten verwiesen wird, dass  der  Beschwerdeführer  zudem  angab,  er  habe  sich  von  2004  bis  2006 in C._______ aufgehalten und dort ein Asylgesuch gestellt, welches  erst­ und zweitinstanzlich abgewiesen worden sei, dass er sein Heimatland am 5. Mai 2011 – von  Istanbul aus –  illegal  im  Laderaum eines TIR verlassen habe und durch  ihm unbekannte Länder  bis in die Schweiz gelangt sei, dass die schweizerische Vertretung dem BFM mit Schreiben vom 25. Mai  2011 das Anhörungsprotokoll des Beschwerdeführers vom 4. März 2011  sowie die von ihm eingereichten Unterlagen übermittelte, dass Abklärungen des BFM über die schweizerische Vertretung in Ankara  ergaben,  dass  dem  Beschwerdeführer  ein  vom  19. April  2011  bis  17. Oktober  2011  gültiges  Visum  für  die  Tschechische  Republik  ausgestellt worden war,

D­4724/2011 dass das BFM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 27. Juni 2011  die Möglichkeit einräumte, sich zu diesem Abklärungsergebnis und einer  Zuständigkeit der Tschechischen Republik für die Durchführung des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens zu äussern, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe vom 7. Juli  2011 von diesem Äusserungsrecht Gebrauch machte, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  11.  August  2011  –  eröffnet  am  19. August  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  die  Tschechische Republik und den Wegweisungsvollzug anordnete, dass das Bundesamt den Beschwerdeführer gleichzeitig aufforderte, die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  E._______  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisungsverfügung beauftragte und  feststellte, dass einer allfälligen  Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die  Tschechische Republik sei gestützt auf die einschlägigen internationalen  Abkommen  (insbesondere  das  Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­Assoziierungsabkommen  {DAA},  SR  0.142.392.68]  und  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung  und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und  Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  [Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR  0.362.32])  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig  und  habe  einer  Rückübernahme des Beschwerdeführers am 3. August 2011 zugestimmt, dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung  (Art. 19  f.  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrags 

D­4724/2011 zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  [Dublin­II­Verordnung;  nachfolgend  Dublin­II­ VO]) – bis zum 3. Februar 2012 zu erfolgen habe, dass somit auf das  Asylgesuch nicht einzutreten sei, dass  dem  vom  Beschwerdeführer  geäusserten  Einwand,  von  den  tschechischen  Behörden  in  die  Türkei  abgeschoben  zu  werden,  wo  er  eine Haftstrafe zu befürchten habe, entgegenzuhalten sei, dass nach der  Überstellung die Möglichkeit bestehe, in der Tschechischen Republik ein  Asylgesuch einzureichen, dass  die  Tschechische Republik  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  sowie  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  sei  und es  keine  konkreten Anhaltspunkte  dafür  gebe,  dass sich die Tschechische Republik nicht an die daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  halte,  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren  nicht  korrekt  durchführe  und  keinen  effektiven  Schutz vor Rückschiebung (Non­Refoulement­Gebot) gewähren würde, dass er,  falls das Asylgesuch abgelehnt würde, bei der höheren  Instanz  Beschwerde einlegen könne, dass  der  Vollzug  der Wegweisung  in  die  Tschechische  Republik  somit  zulässig, zumutbar und möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  26. August  2011  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen  liess,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  den  Beschwerdeführern  sei  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  festzustellen  und  als  Folge  davon  sei  von  Amtes  wegen  den  Beschwerdeführern die vorläufige Aufnahme zu gewähren, dass  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  ersucht  wurde,  mittels  vorsorglicher  Massnahmen  seien  die  Vollzugsbehörden  anzuhalten,  von  allfälligen  Vollzugshandlungen 

D­4724/2011 abzusehen und auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses sei  zu verzichten, dass auf die Begründung der Begehren – soweit entscheidwesentlich – in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  30. August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme nicht vorliegt, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass hingegen nicht ersichtlich ist, weshalb die vorinstanzliche Verfügung  auch  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  sowie  die  (…)  ­  welche  sich  nach  Angaben  des  Beschwerdeführers,  zusammen  mit  dem  gemeinsamen Sohn,  noch  in  der  Türkei  aufhalten  ­  als Adressaten  des  Entscheides aufführt, dass  entsprechend  einzig  der  Beschwerdeführer  als  Asylgesuchsteller  und  damit  Adressat  des  angefochtenen  Entscheides  zu  betrachten  und  im Rubrum aufzuführen ist,

D­4724/2011 dass  insoweit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Erwägungen  –  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen  im  Sinne  von  Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (BVGE  2010/45 E. 8.2.3 und 10.2), dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen  respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden  Vollzugshindernissen  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens sein kann, dass  deshalb  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin  beantragt wird, es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

D­4724/2011 dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin  beantragt  wird, es sei den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  das  Auslandsverfahren  mit  der  illegalen  Einreise  des  Beschwerdeführers und der Einreichung eines neuen Asylgesuchs in der  Schweiz beendet wurde (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts D­3683/2011 vom 26. Juli 2011 E. 2.2), dass  die  Vorinstanz  am  5.  August  2011  das  Einreise­  und  Asylgesuch  vom  9. November  2010  deshalb  mittels  eines  als  "Interner  Abschreibungsbeschluss" bezeichneten Entscheides als gegenstandslos  geworden  abschrieb,  ohne  diesen  Beschluss  allerdings  dem  Beschwerdeführer zu eröffnen (Art. 34 VwVG), dass  die  Betitelung  als  "interner  Abschreibungsbeschluss"  nichts  daran  ändert,  dass  der  verfahrensabschliessende  Entscheid  der  Partei  zu  eröffnen ist, ansonsten der Entscheid keine Rechtswirkung entfalten kann  (vgl.  LORENZ KNEUBÜHLER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008,  Rz. 1 zu Art. 34), dass  das  BFM  deshalb  anzuweisen  ist,  dem  Beschwerdeführer  den  fraglichen  Entscheid  ordnungsgemäss  zu  eröffnen  (vgl.  zum  Ganzen  a.a.O. D­3683/2011 vom 26. Juli 2011 E. 2.1), dass  das  Bundesamt  nach  dem  Gesagten  bei  Einreichung  des  Asylgesuches  im  EVZ  B._______  zu  Recht  eine  Zuständigkeitsprüfung  einleitete,

D­4724/2011 dass die Dublin­II­VO nicht gilt, wenn sich ein Asylantragsteller nicht  im  Hoheitsgebiet  eines Dublin Staates befindet  (vgl. Art. 3 Abs. 1 Dublin­II­ VO;  MATHIAS  HERMANN,  Das  Dublin  System,  Zürich/Basel/Genf  2008,  S. 36), dass  sich  deshalb  für  die  Zuständigkeitsprüfung  das  in  der  Schweiz  eingereichte  Asylgesuch  als  massgeblich  erweist  (vgl.  a.a.O.  D­ 3683/2011 vom 26. Juli 2011, E. 3 und 4), dass  für den Fall, dass ein Asylbewerber ein gültiges Visum besitzt, der  Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des Asylantrages  zuständig  ist,  es  sei  denn,  das  Visum  sei  in  Vertretung  oder  mit  schriftlicher Zustimmung eines anderen Mitgliedstaates erteilt worden;  in  diesem  Fall  ist  der  letztgenannte  Mitgliedstaat  für  die  Prüfung  des  Asylantrages zuständig (vgl. Art. 9 Abs. 2 Satz 1 und 2 Dublin­II­VO), dass  sich  den Akten  entnehmen  lässt,  dass  dem Beschwerdeführer  ein  Visum  für  die  Tschechische  Republik,  gültig  vom  19. April  2011  bis  17. Oktober 2011, ausgestellt worden ist, dass der Beschwerdeführer damit im massgeblichen Zeitpunkt der ersten  Asylgesuchseinreichung  im  Hoheitsgebiet  der  "Dublin­Staaten"  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II­Verordnung, 3., überarb.  Aufl., Wien/Graz 2010, K5 und K17 zu Art. 9), nämlich am 9. Mai 2011,  über  ein  gültiges  Schengen­Visum,  ausgestellt  von  der  Tschechischen  Republik, verfügte, dass  demnach  die  Tschechische  Republik  als  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständiger Staat zu betrachten  ist  (Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO), dass  die  tschechischen  Behörden  der  Übernahme  des  Beschwerdeführers gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO mit Schreiben  vom 3. August 2011 zustimmten (vgl. Akten BFM C 27/1), dass  der  Beschwerdeführer  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat  (vorliegend  die Tschechische Republik)  ausreisen  kann, welcher  für  die  Prüfung seines Asylantrages staatsvertraglich zuständig ist, dass  der  Beschwerdeführer  einwenden  lässt,  der  Schlepper  habe  ohne  Wissen  des Beschwerdeführers  ein  tschechisches Visum organisiert,  er 

D­4724/2011 (der  Beschwerdeführer)  habe  erst  durch  die  schweizerischen  Asylbehörden vom ausgestellten tschechischen Visum erfahren, dass  zuständigkeitsbegründend  lediglich  die  Erteilung  eines  Visums  für  den  Beschwerdeführer  ist,  unabhängig  davon,  wie  dieses  erworben  wurde (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., K28 zu Art. 9  Dublin­II­VO), dass  der  Beschwerdeführer  selber  nicht  geltend  macht,  das  Visum  sei  nicht  für  seine  Person  ausgestellt  worden  und  solches  aus  den  Akten  auch nicht ersichtlich ist, dass  damit  unerheblich  ist,  ob  der  Beschwerdeführer  Kenntnis  vom  tschechischen Visum hatte, dass  der  Beschwerdeführer  weiter  geltend  macht,  die  Tschechische  Republik  könne  nicht  als  sicherer  Drittstaat  betrachtet  werden,  da  bekannt sei, dass dieser Staat bis  jetzt mehrere kurdische Asylbewerber  in die Türkei ausgeschafft habe, dass  die  Tschechische  Republik  –  wie  bereits  vom  BFM  ausgeführt –  unter  anderem Signatarstaat  der  FK,  der  EMRK  und  der  FoK  ist  und –  entgegen  der  anderslautenden  Behauptung  auf  Beschwerdeebene –  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  dieses  Land  werde  sich  im  vorliegenden Fall nicht an die aus diesen Übereinkommen resultierenden  Verpflichtungen halten, dass  der  Beschwerdeführer  schliesslich  einwendet,  entgegen  der  vor­ instanzlichen Angabe  treffe  überhaupt  nicht  zu,  dass er  am 23. Februar  2011 von C._______ in die Türkei gereist sei, dass  das  Bundesamt  in  der  angefochtenen  Verfügung  ausführte  (S. 4),  der Beschwerdeführer habe das BFM informiert, dass die (…) Behörden  seinen Asylantrag abgewiesen hätten und er am 23. Februar 2011 in die  Türkei zurückgekehrt sei, dass  diese  vorinstanzliche  Erwägung  insoweit  nicht  korrekt  formuliert  wurde,  als  der  Beschwerdeführer  angab,  am  23. Februar  2011  aus  der  F._______ in die Türkei zurückgekehrt zu sein (vgl. C 5/11 S. 8), dass  dieser  Fehler  nichts  an  der  Zuständigkeit  der  Tschechischen  Republik zu ändern vermag,

D­4724/2011 dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass die Anordnung der Wegweisung  in die Tschechische Republik der  Systematik  des  Dublin­Verfahrens  entspricht  und  nach  dem  Nichteintretensentscheid  im  Einklang  mit  der  Bestimmung  von  Art. 44  Abs. 1 AsylG steht, dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  –  wie  bereits  erwähnt –  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen  im  Sinne  von  Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 AuG, dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  vorstehende  Erwägungen), dass  vorliegend  –  wie  aufgezeigt  –  kein  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) besteht, weshalb der vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Tschechische  Republik zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  der  Vollständigkeit  halber  anzumerken  bleibt,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  im  Auslandverfahren  eingereichten  Beweismittel  (vgl.  Akten BFM C 18) dem Beschwerdeführer zur Einreichung bei den für das  Asylverfahren zuständigen tschechischen Behörden herauszugeben sind, dass die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen  und  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  mit  vorliegendem  Entscheid  in  der  Hauptsache  hinfällig werden, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 

D­4724/2011 SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  und 5 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das  Bundesamt  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  den  Abschreibungsbeschluss vom 5. August 2011 zu eröffnen. 3.  Das Bundesamt wird angewiesen, dem Beschwerdeführer die von ihm im  Auslandverfahren  eingereichten  und  für  das  Asylverfahren  relevanten  Beweismittel (Akten BFM C 18) herauszugeben. 4.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-4724/2011 — Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-4724/2011 — Swissrulings