Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 30.08.2011 D-4296/2011

30. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,155 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylwiderruf | Asylwiderruf; Verfügung des BFM vom 30. Juni 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4296/2011 Urteil   v om   3 0 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richter Jean­Pierre Monnet;  Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______ B._______, geboren [...], und B._______ B._______, geboren [...],  sowie deren Kinder C._______, geboren [...],  und D._______, geboren [...], Kosovo, vertreten durch lic. iur. Thomas Plüss, Rechtsanwalt,  Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Widerruf  des Asyls; Verfügung des BFM vom 30. Juni 2011 / N [...]

D­4296/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; nunmehr Bundesamt  für  Migration  [BFM])  die  Beschwerdeführenden  mit  jeweiligen  Verfügungen  vom  2. Juni  1992,  vom  30. November  1993  und  vom  21. Januar  1998  als  Flüchtlinge  anerkannte  und  ihnen  in  der  Schweiz  Asyl gewährte, dass  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  mit  Verfügung  vom  19.  Oktober  2010  die  Flüchtlingseigenschaft  aberkannte  und  das  ihnen  gewährte Asyl widerrief,  dass die Beschwerdeführenden die Verfügung vom 19. Oktober 2010 mit  Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  17.  November  2010  beim  Bundesverwaltungsgericht anfochten, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  Beschwerde  mit  Urteil  vom  11. Februar  2011  (D­8050/2010)  wegen  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches Gehör (Verletzung der Begründungspflicht)  insofern guthiess,  als  die  Beschwerdeführenden  die  Aufhebung  der  Verfügung  vom  19. Oktober  2010  beantragt  hatten,  und  die  Sache  zur  erneuten  Beurteilung an das BFM zurückwies, dass das Bundesverwaltungsgericht das genannte Urteil im Wesentlichen  damit  begründete,  das  Bundesamt  habe  sich  darauf  beschränkt,  auszuführen,  inwiefern  sich  die  Lage  im  Kosovo  in  den  letzten  zwölf  Jahren  und  namentlich  seit  der  staatlichen  Unabhängigkeitserklärung  vom 17. Februar 2008 verändert habe, während keinerlei Angaben dazu  gemacht worden seien, aus welchen Gründen die Beschwerdeführenden  aus der damaligen Republik Jugoslawien geflohen und in der Schweiz als  Flüchtlinge anerkannt worden seien beziehungsweise weshalb ihnen Asyl  gewährt worden sei, dass das BFM mit Verfügung vom 30. Juni 2011 (Datum der Eröffnung:  4. Juli 2011) erneut ­ mit neuer Begründung ­ den Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  aberkannte  und  das  ihnen  gewährte  Asyl  widerrief, dass  die  Beschwerdeführenden  diese  Verfügung  mit  Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  3.  August  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfochten,

D­4296/2011 dass  sie  dabei  beantragten,  die  Verfügung  vom  30.  Juni  2011  sei  aufzuheben, es sei festzustellen, dass sie die Flüchtlingseigenschaft nach  wie vor erfüllten, und es sei auf den Widerruf des Asyls zu verzichten, dass  sie mit  der Beschwerdeeingabe  als Beweismittel  in Bezug  auf  die  gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers  (Ehemannes) ein vom  7. Dezember  2010  datierendes  ärztliches  Zeugnis  von  Dr.  med.  E._______  F._______,  Facharzt  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie,  G._______, und ein vom 14. Juli 2011 datierendes ärztliches Zeugnis von  Dr. med. H._______  I._______, Arzt  für allgemeine Medizin, J._______,  einreichten, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  grundsätzlich  (mit  Ausnahme  von  Verfahren  betreffend  Personen,  gegen  die  ein  Auslieferungsersuchen  des  Staates  vorliegt,  vor  welchem  sie  Schutz  suchen)  endgültig  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17.  Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]), dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit  das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG sowie  Art. 6 und 105 AsylG),  dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),  dass  auf  die  form­  und  fristgerechte  Eingabe  der  legitimierten  Beschwerdeführenden  einzutreten  ist  (vgl.  Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG),  dass die vorliegende Beschwerde offensichtlich unbegründet ist, weshalb  darüber in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

D­4296/2011 Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  zu  entscheiden  ist  (Art. 111 Bst. e AsylG), dass  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der  Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1  und 2 AsylG), dass gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG das Bundesamt das Asyl aus  Gründen nach Art. 1 C Ziff. 1­6 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30) widerruft  oder  die  Flüchtlingseigenschaft aberkennt,  dass  nach  Art.  1  C  Ziff.  5  FK  eine  Person  nicht  mehr  unter  den  Geltungsbereich das Flüchtlingsabkommens fällt, wenn sie nach Wegfall  der Umstände, aufgrund derer sie als Flüchtling anerkannt worden ist, es  nicht mehr ablehnen kann, den Schutz  ihres Heimatstaates  in Anspruch  zu nehmen, dass  das  BFM  die  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  den  Widerruf  des  Asyls  in  der  vorliegend  angefochtenen  Verfügung  im  Wesentlichen  damit  begründete,  seit  der  Anerkennung  der  Beschwerdeführenden als Flüchtlinge und der Gewährung des Asyls mit  jeweiligen Verfügungen vom 2. Juni 1992, vom 30. November 1993 und  vom  21. Januar  1998  habe  sich  die  politische  Situation  im  Kosovo  grundlegend  verändert  und  entspreche  nicht  mehr  jener,  die  seinerzeit  fluchtverursachend  gewesen  sei  und  zur  Gewährung  des  Asyls  in  der  Schweiz geführt habe, dass das Bundesamt weiter ausführte, der Beschwerdeführer (Ehemann)  habe seinen Heimatstaat verlassen, nachdem er wegen seiner diversen  politischen  Aktivitäten  für  die  Sache  der  Kosovo­Albaner,  insbesondere  der  Organisation  von  Studentenkundgebungen  gegen  das  serbische  Regime und seiner Mitgliedschaft bei der (damals) illegalen Partei LPRK  (Lëvizja  Popullore  për  Republikën  e  Kosovës;  Volksbewegung  für  die  Republik  Kosovo),  durch  die  serbischen  Justiz­  und  Polizeibehörden  verfolgt worden sei, dass die Vorinstanz weiter darlegte, der Beschwerdeführer habe seine im  September  1989  erfolgte  Ausreise  aus  dem Kosovo  ausschliesslich mit  der Verfolgung durch die Organe der damals auf dem Gebiet des Kosovo  herrschenden serbischen Staatsmacht begründet,

D­4296/2011 dass  die  Vorinstanz  ferner  festhielt,  angesichts  der  seither  erfolgten  Veränderungen  der  politischen  Situation  im  Kosovo  und  der  Unabhängigkeit  der  Republik  Kosovo  ­  die  übrigens  durch  den  schweizerischen  Bundesrat  mit  Beschluss  vom  6.  März  2009  als  verfolgungssicherer  Staat  im  Sinne  von  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  bezeichnet  worden  sei  ­  habe  der  Beschwerdeführer  seitens  der  serbischen Behörden nichts mehr zu befürchten, dass  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  in  der  Beschwerdeschrift  im  Wesentlichen  vorbringen,  im  angefochtenen  Entscheid  werde  festgehalten,  dass  gemäss  geltender  Rechtsprechung  triftige Gründe  im Sinne  von Art.  1 C Ziff.  5 Abs.  2  FK  vorhanden  sein  müssten,  damit  auf  eine  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  verzichtet werden könne,  dass die Beschwerdeführenden geltend machen, solche Gründe würden  in ihrem Fall vorliegen, indem insbesondere beim Beschwerdeführer eine  psychische  Blockade  gegeben  sei,  welche  die  Aberkennung  des  Asylstaturs verunmögliche,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden weiter  auf  den  Standpunkt  stellen,  gemäss  dem eingereichten  ärztlichen Zeugnis  von Dr. med. H._______  I._______ vom 14. Juli 2011 stehe fest, dass belastende Momente in der  Vergangenheit des Beschwerdeführers  im Kosovo zu dessen Asylstatus  geführt  hätten,  wobei  wegen  der  Erlebnisse  im  Heimatstaat  heute  eine  psychosoziale  Belastungssituation  vorliege,  die  zu  einer  Arbeitsunfähigkeit führe, dass die Beschwerdeführenden weiter vorbringen, eine Aberkennung des  Asylstatus  werde  zu  einer  Verschlechterung  dieser  Belastungssituation  führen, dass  die  Beschwerdeführenden  ferner  geltend  machen,  aus  dem  ärztlichen Zeugnis von Dr. med. E._______ F._______ vom 7. Dezember  2010  gehe  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  an  intermittierend  auftretenden  unwillkürlichen  Erinnerungen  an  die  Foltererlebnisse  während  seines Gefängnisaufenthalts  und  damit  zusammenhängend  an  einer  emotionalen  Labilität  leide,  was  zu  panischen  Ängsten  und  reduziertem Selbstwertgefühl führe,  dass die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter des Weiteren  ausführen, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Kosovo als sicheres 

D­4296/2011 Land  eingestuft  worden  sei,  nachdem  nach  wie  vor  Grenzkonflikte  auftreten  würden  und  rund  dreissig  Prozent  des  Territoriums  durch  serbische Einheiten besetzt seien,  dass gemäss ständiger Praxis zu Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 FK eine einmal  erlittene  Verfolgung  auch  nach Wegfall  einer  entsprechenden  aktuellen  Gefährdung  weiterhin  als  asylrechtlich  relevant  zu  betrachten  ist,  wenn  eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat aus zwingenden, auf diese  Verfolgung  zurückgehenden  Gründen  nicht  zumutbar  ist  (vgl.  insbesondere  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 16, 1996 Nrn. 10 und 42, 1997  Nr. 14, 1999 Nr. 7, 2000 Nr. 2 und 2001 Nr. 3), dass  zwingende  Gründe  in  diesem  Sinn  namentlich  traumatisierende  Erlebnisse  bilden,  die  es  der  betroffenen  Person  angesichts  erlebter  schwerwiegender  Verfolgungsmassnahmen,  insbesondere  Folterungen,  aufgrund  einer  Langzeittraumatisierung  psychisch  verunmöglichen,  ins  Heimatland zurückzukehren, dass  aus  dem  ärztlichen  Zeugnis  von  Dr.  med.  E._______  F._______,  Facharzt  für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. Dezember 2010  im  Wesentlichen hervorgeht, der Beschwerdeführer leide ­ nebst Problemen  mit  dem Rücken und mit Gelenken  ­  an psychischen Beschwerden,  die  seit ungefähr zwei Jahren zunehmen würden, dass  diese  psychischen Beschwerden  im  genannten  ärztlichen  Zeugnis  als  agitiert  depressives  Zustandsbild,  aktuell  mittelschwere  bis  schwere  depressive Episode mit  Suizidgedanken, mit  psychotischen Symptomen  und  Symptomen  einer  chronifizierten  posttraumatischen  Belastungsstörung  sowie  mit  Verdacht  auf  Entwicklung  einer  Persönlichkeitsänderung  bei  Hinweisen  auf  eine  soziale  Phobie  diagnostiziert wurden, dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  dem  genannten  ärztlichen  Zeugnis  von  intermittierend  auftretenden  willkürlichen  Erinnerungen  an  Foltererlebnisse  während  seines  Gefängnisaufenthalts  in  den  Jahren  1984  und  1985,  Angstträumen  sowie  körperlichen  Reaktionen  wie  Schwitzen  und  innerer  Unruhe  bei  Erinnerung  an  dieses  Erlebnis  berichtete, dass  aus  dem  genannten  ärztlichen  Zeugnis  weiter  hervorgeht,  dass  beim  Beschwerdeführer  ein  Verdacht  auf  Verfolgungs­  und 

D­4296/2011 Beeinträchtigungsideen  bestehe,  wobei  der  Beschwerdeführer  von  Suizidgedanken mit  der  konkreten Vorstellung,  sich  in  der Öffentlichkeit  zu  verbrennen,  berichtet  habe,  dies  als  Protest  gegen  eine  schlechte  Behandlung  beziehungsweise  Kränkung  durch  Versicherungen  und  Behörden, und zudem unter anderem Angst vor Burka­Trägerinnen habe, dass der Beschwerdeführer ausserdem von psychischen Schwierigkeiten  im  Zusammenhang  mit  seiner  ehelichen  Situation  sowie  mit  seiner  teilweisen Arbeitsunfähigkeit berichtet habe,  dass  im  genannten  ärztlichen  Zeugnis  ausserdem  auf  psychische  und  weitere  gesundheitliche  Probleme  der  Beschwerdeführerin  (Ehefrau)  hingewiesen wurde, die vollständig arbeitsunfähig sei, dass  aus  dem  ärztlichen  Zeugnis  von  Dr.  med.  H._______  I._______,  Arzt  für  allgemeine  Medizin,  vom  14. Juli  2011  im  Wesentlichen  hervorgeht,  der  Beschwerdeführer  befinde  sich  ­  wie  sich  aus  dem  Bericht  von  Dr.  med.  E._______  F._______  vom  7. Dezember  2010  ergebe ­  in einer starken psychosozialen Belastungssituation wegen der  Erlebnisse in der ehemaligen Heimat, dass  im  ärztlichen  Zeugnis  von  Dr.  med.  H._______  I._______  ausserdem davon die Rede ist, aufgrund der Erlebnisse im Kosovo würde  eine  starke  psychische  Belastung  für  den  Fall  resultieren,  dass  der  Beschwerdeführer dorthin zurückkehren müsste, dass zunächst bezüglich der möglicherweise bestehenden Befürchtungen  der  Beschwerdeführenden,  sie  müssten  aufgrund  der  angefochtenen  Verfügung  in  den  Kosovo  zurückkehren,  festzustellen  ist,  dass  diese  Annahme unbegründet ist, wird doch ihre Berechtigung zum Aufenthalt in  der Schweiz durch die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und den  Widerruf des Asyls nicht berührt, dass  es  am  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  liegt,  seinen  Mandanten die tatsächliche Rechtslage und die konkreten Auswirkungen  der Verfügung des BFM vom 30. Juni 2011 zu erläutern, so dass keine  unbegründeten Befürchtungen aufkommen, dass vorliegend einzig auf die Frage einzugehen ist, ob das BFM mit der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  gestützt  auf  Art. 63  Abs. 1  Bst. b  AsylG  i.V.m.  Art. 1  C  Ziff. 5  den  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft aberkannte und das ihnen gewährte Asyl widerrief 

D­4296/2011 und  ob  ­  wie  beschwerdeweise  geltend  gemacht  wird  ­  zwingende  Gründe im Sinne von Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 FK bestehen,  dass bezüglich der soeben genannten Fragen zunächst festzustellen  ist,  dass  sich  die  Situation  im  Heimatstaat  der  Beschwerdeführenden,  der  heutigen Republik Kosovo, seit den Ereignissen, die zur Anerkennung der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Gewährung  des  Asyls  führten,  offensichtlich  in  einer  Art  und  Weise  verändert  hat,  dass  für  den  Beschwerdeführer ­ der in der damaligen Autonomen Serbischen Provinz  Kosovo der damaligen Republik Jugoslawien durch die damals serbisch  dominierten  Behörden  verfolgt  worden  war  ­  zum  heutigen  Zeitpunkt  keine Verfolgungsgefahr mehr ersichtlich ist, dass  diesbezüglich  im Übrigen  auf  die  zutreffenden Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung zu verweisen ist, dass  hinsichtlich  der  Frage,  ob  die  Beschwerdeführenden  zwingende  Gründe  im  Sinne  von  Art.  1  C  Ziff.  5  Abs.  2  FK  geltend  zu  machen  vermögen, aus den vorinstanzlichen Akten (Protokoll der Anhörung durch  die  zuständige  kantonale  Behörde  vom  16. Januar  1990;  Protokoll  der  Anhörung  durch  das  BFF  vom  27.  August  1991;  damals  eingereichte  Gerichtsakten) unter anderem  ­  soweit  vorliegend  relevant  ­  hervorgeht,  dass der Beschwerdeführer aufgrund seines politischen Engagements im  Kosovo am 8. Mai 1984 verhaftet und zu einer Haftstrafe von einem Jahr  verurteilt wurde, die er anschliessend vollumfänglich absass, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen damaligen Aussagen am Tag  seiner  Inhaftierung  mit  Gummiknüppeln  und  Fäusten  geschlagen,  mit  Füssen  getreten  sowie  mit  flachen  Händen  auf  die  Ohren  geschlagen  worden sei (Protokoll der kantonalen Anhörung, S. 5a), dass er gemäss seinen damaligen Aussagen während seiner einjährigen  Haft  einmal  mit  Einzelhaft  von  20  Tagen  bestraft  worden  sei,  man  ihn  jedoch nicht geschlagen habe, da er während der Zeit im Gefängnis sehr  vorsichtig gewesen sei (Protokoll der Anhörung durch das BFF, S. 3), dass  er  damals  im  Übrigen  auf  die  Frage  hin,  ob  er  während  seines  Gefängnisaufenthalts irgendwelche besonderen Benachteiligungen erlebt  habe,  abgesehen  vom  soeben  Erwähnten  keine  weiteren  Angaben  machte, 

D­4296/2011 dass sich aus den eingereichten ärztlichen Zeugnissen zwar ergibt, dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  heute  26  Jahre  zurückliegenden  Erlebnisse im Kosovo, die zur Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Gewährung  des  Asyls  führten,  mit  gewissen  psychischen  Problemen konfrontiert ist, dass  jedoch  die  ärztlich  festgestellten  Probleme,  die  mit  den  soeben  aufgeführten  Erlebnissen  im  Kosovo  erkennbar  zusammenhängen  (intermittierend ­ d.h. zeitweilig ­ auftretende Erinnerungen, Angstträume,  Schwitzen und innere Unruhe), offensichtlich nicht die Intensität und den  Schweregrad  aufweisen,  die  gemäss  der  geltenden  Praxis  zu  Art. 1 C  Ziff. 5  Abs. 2  FK  als  zwingende  Gründe  im  Sinne  einer  schweren,  und  zwar  durch  die Erlebnisse  im Heimatland  verursachten  Traumatisierung  aufzufassen wären,  dass sich aus den eingereichten ärztlichen Stellungnahmen vielmehr der  Eindruck  ergibt,  dass  die  (tatsächlich  erheblichen)  psychischen  Schwierigkeiten  des  Beschwerdeführers  auf  anderweitige  Probleme  körperlich­gesundheitlicher,  sozialer und  familiärer Natur zurückzuführen  sind, während die Erinnerungen an die weit  zurückliegenden Erlebnisse  im Kosovo begleitende Umstände bilden, dass somit keine zwingenden Gründe im Sinne von Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2  FK und der entsprechenden Rechtsprechung zu erkennen sind, dass  das  BFM  daher  im  Ergebnis  zutreffenderweise  zur  Einschätzung  gelangt  ist, gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG  i.V.m. Art. 1 C Ziff. 5  FK  könne  den  Beschwerdeführenden  zum  heutigen  Zeitpunkt  die  Flüchtlingseigenschaft  aberkannt  und  das  einmal  gewährte  Asyl  widerrufen werden, dass die  angefochtene Verfügung  somit Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen ist (Art. 106 AsylG), dass die Beschwerde folglich abzuweisen ist, dass  in  Anwendung  von  Art.  63  Abs.  1  VwVG  keine  Verfahrenskosten  auferlegt werden. (Dispositiv nächste Seite)

D­4296/2011 D­4296/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand:

D-4296/2011 — Bundesverwaltungsgericht 30.08.2011 D-4296/2011 — Swissrulings