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Bundesverwaltungsgericht 04.08.2011 D-4147/2011

4. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·679 Wörter·~3 min·2

Zusammenfassung

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 22. Juni 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­4147/2011/wif/sed Urteil   v om   4 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch Annelise Gerber, (…), Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägungsentscheid);  Verfügung des BFM vom 22. Juni 2011 / N (…).

D­4147/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  14.  April  2011  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 21. Februar  2011  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug am Tag nach Eintritt der Rechtskraft anordnete, dass diese Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwuchs, dass  der  Beschwerdeführer  am  24.  Mai  2011  (vorab  per  Telefax)  ein  Wiedererwägungsgesuch  einreichen  und  die  wiedererwägungsweise  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  vom  14.  April  2011,  das  Absehen  vom Vollzug der Wegweisung und die Gewährung von Asyl beantragen  liess, dass  eventualiter  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  sei  und  als  Folge  davon  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers anzuordnen sei,  dass  er  ferner  beantragen  liess,  es  seien  vorsorgliche Massnahmen  im  Sinne von Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) anzuordnen, dass das BFM mit Verfügung vom 22. Juni 2011 – eröffnet am 23. Juni  2011 – das Wiedererwägungsgesuch kostenfällig abwies, die Rechtskraft  und  Vollstreckbarkeit  der  Verfügung  vom  14.  April  2011  bestätigte  und  feststellte,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  aufschiebende  Wirkung zu, dass  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausgeführt  wurde,  der  Gesuchsteller  sei  beim  Stellen  seines  Asylgesuchs  schriftlich  und  im  Verlaufe  des  Verfahrens  auch  mündlich  zur  Einreichung  rechtsgenüglicher  Reise­  und/oder  Identitätsdokumente  aufgefordert  worden, dass  für  die  viel  zu  späte  Einreichung  keine  entschuldbaren  Gründe  auszumachen seien, dass  im Entscheid  vom 14. April  2011  festgehalten worden sei,  dass  in  den  widersprüchlichen  und  unsubstanziierten  Vorbringen  des 

D­4147/2011 Beschwerdeführers  keine  eine  eventuelle  Flüchtlingseigenschaft  begründende Vorkommnisse erkennbar seien, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und  7 AsylG somit nicht erfülle und die geltend gemachte Gefährdung durch  die Taliban deshalb jeglicher Grundlage entbehre, dass  die  eingereichten  Beweismittel  keine  gezielte  Verfolgung  des  Beschwerdeführers,  sondern  eine  in  gewissen Teilen Pakistans  prekäre  Sicherheitslage, mithin auf die allgemeine politische, wirtschaftliche oder  sozialen  Lebensbedingungen  in  Pakistan  zurückzuführende  Nachteile  dokumentieren  würden,  denen  sich  der  Beschwerdeführer  durch  Inanspruchnahme einer  innerstaatlichen Aufenthaltsalternative entziehen  könne,  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. Juli 2011 (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben und unter Kosten­ und Entschädigungsfolge beantragen liess, es  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  April  2011  in Wiedererwägung  zu  ziehen,  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen und als Folge davon die vorläufige Aufnahme  des Beschwerdeführers anzuordnen, dass in prozessualer Hinsicht beantragt wurde, es sei die aufschiebende  Wirkung herzustellen und es seien umgehend vorsorgliche Massnahmen  im Sinne von Art. 56 VwVG anzuwenden, dass die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sei, dass auf die Begründung der Beschwerde, soweit entscheidwesentlich, in  den Erwägungen einzugehen ist, dass  mit  Instruktionsverfügung  vom  26.  Juli  2011  der  Vollzug  der  Wegweisung gestützt auf Art. 112 AsylG per sofort ausgesetzt wurde,

D­4147/2011 und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht,  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet des Asyls endgültig  entscheidet  (Art.  105  Abs.  1  AsylG  i.V.m.  Art.  31  ­  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG, SR 173.32]; Art.  83 Bst. d  Ziff.  1  des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]), dass vorliegend der Entscheid vom 22. Juni 2010 – mit welchem das vom  Beschwerdeführer  gestellte  Gesuch  vom  24.  Mai  2011  um  Wiedererwägung  der  ursprünglichen  Verfügung  des  BFM  vom  14.  April  2011 abgewiesen wurde – eine Verfügung des BFM im Bereich des Asyls  darstellt,  die mit  Beschwerde  an  das  in  casu  letztinstanzlich  zuständige  Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden kann, dass  der  Beschwerdeführer  am Verfahren  vor  dem BFM  teilgenommen  hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist, und daher  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG), dass  er  daher  zur  Einreichung  einer  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des BFM vom 22. Juni 2011 legitimiert ist, dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde   einzutreten ist (Art. 108 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass mit dem Entscheid in der Sache selbst über die formelle Aussetzung  des Vollzugs der Wegweisung nicht zu befinden ist,  dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich,  wie  nachstehend  aufgezeigt,  vorliegend  um  eine  solche  handelt, 

D­4147/2011 weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass vorliegend gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf die Durchführung  des Schriftenwechsels verzichtet wurde, dass  nach  Art.  29  Abs.  1  und  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101; zur  Weitergeltung  der  unter  Art.  4  aBV  entwickelten  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137) ein verfassungsmässiger  Anspruch auf Wiedererwägung besteht, wenn erhebliche Tatsachen oder  Beweismittel  geltend  gemacht  werden,  die  im  früheren  Verfahren  nicht  bekannt waren oder damals noch nicht eingebracht werden konnten, oder  wenn sich die Umstände seit der letzten Beurteilung wesentlich geändert  haben  und  mithin  der  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Entscheid  an  nachträglich  eingetretene  Veränderungen  der  Sach­  oder  Rechtslage  anzupassen  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr.  7  E. 1  S. 42 f.; BGE 124 II 1 E. 3a S. 6, 120 Ib 42 E. 2b S. 46, 113 Ia 146 E. 3a  S. 150 ff.), dass  ungeachtet  dieses  verfassungsmässigen  Anspruchs  ein  Wiedererwägungsgesuch  nicht  dazu  dienen  darf,  die  Verbindlichkeit  eines  Verwaltungsentscheides  fortlaufend  in  Frage  zu  stellen  (vgl.  EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104), dass das BFM in der angefochtene Verfügung dargelegt hat, weshalb die  Vorbringen  im  Wiedererwägungsgesuch  nicht  geeignet  sind,  an  der  ursprünglichen Verfügung etwas zu ändern, dass  sich  aufgrund  der  Akten  die  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung als zutreffend erweisen, dass  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  daher  auf  die  nicht  zu  beanstandenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung verwiesen werden kann, dass  die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  geeignet  sind  an  den zutreffenden Feststellungen der Vorinstanz etwas zu ändern, dass  sich  die  diesbezüglichen,  teils  mutmassenden  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  lediglich  in  der Wiederholung  des  festgestellten  und 

D­4147/2011 unverändert  gebliebenen  Sachverhalts  (ordentliches  Verfahren)  erschöpfen  und  eine  Auseinandersetzung  mit  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen Verfügung grundsätzlich unterbleibt, dass  aber  –  wie  bereits  oben  erwähnt  –  eine Wiedererwägung  nicht  in  Betracht  fällt,  wenn  lediglich  eine  neue  Würdigung  der  beim  früheren  Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt werden soll, dass  sich  bei  dieser  Sachlage  –  nähere Hinweise  oder  Aufschlüsse  für  eine  konkrete  Gefährdungssituation  des  Beschwerdeführers  in  dessen  Heimatland werden nicht vorgebracht – weitere Erörterungen erübrigen, dass es dem Beschwerdeführer somit nicht gelingt, erhebliche Tatsachen  oder  Beweismittel  oder  eine  wesentliche  Änderung  der   Umstände  im  Sinne der wiedererwägungsrechtlichen Bestimmungen darzulegen, dass  das  BFM  nach  dem Gesagten  das Wiedererwägungsgesuch  vom  24. Mai 2011 zu Recht abgewiesen hat und die Beschwerde abzuweisen  ist, dass sich die Beschwerdebegehren aufgrund vorstehender Erwägungen  als  aussichtslos  erweisen,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art.  65 Abs.  1 VwVG abzuweisen  ist  und bei  diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten  von Fr.  1'200.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­4147/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Contessina Theis Alfred Weber Versand:

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