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Bundesverwaltungsgericht 30.08.2011 D-403/2009

30. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,246 Wörter·~11 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Dezember 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­403/2009 law/mah Urteil   v om   3 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Sarah Mathys. Parteien A._______, geboren am (…), Kosovo und Serbien, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 16. Dezember 2008 / N (…).

D­403/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  kosovarischer  Staatsangehöriger  serbischer  Ethnie  aus  Z._______  (Y._______),  verliess  am  16. September  2008  seinen  Heimatstaat  und  reiste  am  18. September  2008  in  die  Schweiz  ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.  B.  Am  14. Oktober  2008  erhob  das  BFM  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  die  Personalien  des  Beschwerdeführers und befragte  ihn summarisch zum Reiseweg und zu  den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Er reichte dabei seine  Identitätskarte zu den Akten. Am 20. November 2008 hörte das BFM den  Beschwerdeführer einlässlich zu den Asylgründen an. Im Einzelnen machte er zur Begründung seines Asylgesuchs geltend, er  sei am 10. August 2008 auf einem Parkplatz eines Supermarktes von drei  Albanern  zusammengeschlagen worden,  die  vermutlich  sein  serbisches  Autokennzeichen  gesehen  hätten.  Zwei  albanische Sicherheitsleute  des  Supermarktes hätten ihm geholfen. Die Schläger hätten ihm gedroht, sie  würden ihm den Kopf abschlagen, wenn sie ihn (den Beschwerdeführer)  wiedersähen.  Er  sei  nach  Hause  gekehrt.  Sein  Bruder  habe  ihn  zur  Krankenschwester gebracht, die  ihm ein Medikament gegeben habe. Er  habe  mit  einem  Freund,  der  Polizist  gewesen  sei,  aber  die  Arbeit  niedergelegt  habe,  über  eine  Anzeige  gesprochen.  Dieser  habe  ihm  jedoch davon abgeraten, weil es nichts bringe, da die Kosovoalbaner seit  der Unabhängigkeitserklärung alle Fäden  in den Händen hielten. Früher  habe noch die UNMIK  (United Nations  Interim Administration Mission  in  Kosovo)  intervenieren  können,  jetzt  auch  nicht  mehr.  Sein  Onkel  habe  man auch umbringen wollen, als er mit dem Auto unterwegs gewesen sei.  Dieser  habe  den  Vorfall  bei  der  Polizei  angezeigt,  die  aber  nichts  unternommen habe. Aus Angst vor den Albanern habe er das Haus nicht  mehr verlassen, bis er ausgereist sei. C.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  16. Dezember  2008  –  eröffnet  am  24. Dezember  2008  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  lehnte  sein  Asylgesuch  vom  18. September  2008  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.

D­403/2009 D.  Mit  Eingabe  vom  19. Januar  2009  (Datum  Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben.  Der  Beschwerdeführer  legte  der  Beschwerde  unzählige  Berichte  aus  dem  Internet zur Situation im Kosovo bei. E.  Mit  Verfügung  vom  30. Januar  2009  stellte  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  und  forderte  ihn  auf,  bis  zum  20. Februar  2009  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  einzuzahlen.  Der  verlangte  Kostenvorschuss wurde am 16. Februar 2009 geleistet. F.  Am 20. Februar 2009 gab der  Instruktionsrichter dem BFM Gelegenheit,  eine  Vernehmlassung  zur  Beschwerde  vom  19. Januar  2009  einzureichen. G.  In  der  Vernehmlassung  vom  11. März  2009  beantragte  das  BFM  die  Abweisung der Beschwerde. H.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  12. März  2009  zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

D­403/2009 vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Nachdem  der  einverlangte  Kostenvorschuss  innert  angesetzter  Frist  geleistet  wurde,  ist  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  (Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

D­403/2009 auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.3.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE  2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f.,  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 4.  4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  mit  der  Begründung  ab,  die  Vorbringen des Beschwerdeführers würden der Asylrelevanz entbehren. Im  Einzelnen  führte  es  aus,  dass  Übergriffe  durch  Dritte  oder  Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur dann asylrelevant  seien, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in  der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Generell  sei  Schutz  gewährleistet,  wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu  verhindern, beispielsweise durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur  Ermittlung,  Strafverfolgung  und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen,  und  wenn  Antragsteller  Zugang  zu  diesem  Schutz  hätten.  Der  Beschwerdeführer habe nach eigenen Angaben freiwillig auf den Schutz  seines  Heimatstaates  verzichtet.  Nach  Rücksprache  mit  einem  Freund  habe  er  keinen  Sinn  darin  gesehen,  die  Angreifer  bei  der  Polizei 

D­403/2009 anzuzeigen.  Folglich  habe  der  Beschwerdeführer  dem  Staat  gar  keine  Möglichkeit  geboten,  seinen  Schutzpflichten  nachzukommen.  Die  Befürchtungen, wonach der Staat den Beschwerdeführer als Serben nicht  schützen  werde,  seien  unbegründet.  Die  Sicherheitskräfte  würden  regelmässig  bei  Übergriffen  intervenieren  und  Straftaten  gegen  Angehörige von Minderheiten würden geahndet. Zusätzlich befände sich  der Beschwerdeführer  vorliegend  sogar  in  einer  besonders  vorteilhaften  Lage, da er die beiden albanischen Sicherheitskräfte des Supermarktes  als  Zeugen  hätte  benennen  können.  Damit  würden  vorliegend  keine  Anhaltspunkte  dafür  vorliegen,  dass  der Staat  seiner Schutzpflicht  nicht  nachkomme oder  nicht  in  der  Lage  sei, Schutz  zu gewähren. Weiterhin  könne  im  Kosovo,  trotz  vereinzelter  schwerwiegender  Übergriffe  auf  Angehörige  ethnischer  Minderheiten  in  den  vergangenen  Jahren,  nicht  allgemein  von  Vertreibungen  ausgegangen  werden.  Nach  der  Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 sei im Kosovo weiterhin  eine  internationale  zivile  und  militärische  Präsenz  vorgesehen.  Die  UNMIK  solle  sukzessive  von  der  EU­Mission  (European  Union  Rule  of  Law  Mission  in  Kosovo  [EULEX])  abgelöst  werden.  Internationale  Streitkräfte  sowie  der  KPS  garantierten  Sicherheit.  Auch  in  den  Siedlungsgebieten  der  Kosovo–Serben  garantierten  internationale  Sicherheitskräfte  sowie  teilweise  serbische  Angehörige  des  KPS  die  Sicherheit.  Am  15. Juni  2008  sei  die  neue  kosovarische  Verfassung  in  Kraft getreten. Sie gestehe den Minderheiten umfassende Rechte zu. Die  internationalen  Sicherheitskräfte  und  der  KPS  seien  in  der  Lage,  die  ethnischen Minderheiten im Kosovo zu schützen. Die polizeiliche Präsenz  sei  gut  sichtbar  sowie  flächendeckend.  Strafgerichtsbarkeit  und  Strafvollzug  funktionierten  grösstenteils.  Bei  Übergriffen  würden  die  Sicherheitskräfte  regelmässig  intervenieren  und  Straftaten  gegen  Angehörige  von  Minderheiten  würden  geahndet.  Da  somit  vom  Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen sei, sei der im vorliegenden Fall geltend gemachte Übergriff  nicht  asylrelevant.  Im  Übrigen  habe  der  Beschwerdeführer  bei  der  Befragung im EVZ sowie bei der Bundesanhörung zu Protokoll gegeben,  er  habe  bis  zu  diesem  Vorfall  am  10. August  2008  nie  Probleme  als  Serbe  im  Kosovo  gehabt.  Aus  Kostengründen  habe  er  sogar  darauf  verzichtet  sein  altes  serbisches  Autokennzeichen  gegen  ein –  unauffälliges  –  kosovarisches  Kennzeichen  einzutauschen.  Insoweit  er  vorgebracht habe, er habe sich den Kennzeichen­Wechsel finanziell nicht  leisten können, könne ihm dies nicht geglaubt werden. Die Kosten hierfür  hätten  lediglich einen Bruchteil der Kosten  für die Reise  in die Schweiz,  welche nach seinen Angaben 2'200.– Euro gekostet habe, ausgemacht. 

D­403/2009 Für  Serben  aus  den  südlichen  Bezirken  existiere  zudem  als  innerstaatliche  Fluchtalternative  der  Norden  Kosovos  und  als  Aufenthaltsalternative  Serbien.  Bereits  durch  das  grundsätzliche  Bestehen  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  erübrige  sich  eine  weitergehende Auseinandersetzung mit der Frage, ob Serben im Kosovo  einer  asylrechtlich  relevanten  Gefährdung  ausgesetzt  seien.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand.  Demzufolge  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das Asylgesuch abzulehnen sei. 4.2.  In der Beschwerde vom 19. Januar 2009 wird demgegenüber unter  Hinweis auf die unzähligen Berichte aus dem Internet über die Situation  in  Kosovo  geltend  gemacht,  dass  sich  die  Lage  zwischenzeitlich  nicht  verbessert  habe.  Personen  aus  serbischen  Enklaven  würden  in  einem  Ghetto  in  sehr  schlechten  Verhältnissen  leben.  Die  Leute  dürften  sich  nicht  ausserhalb  des  eigenen  Dorfes  frei  bewegen,  Kinder  gingen  in  Begleitung  von  KFOR­Soldaten  zur  Schule  und  Serben  könnten  keine  Arbeitsstelle  bekommen.  Mit  jedem  Schritt  und  Tritt  treffe  die  nichtalbanische  Bevölkerung  auf  Gewalt  und  Unsicherheit.  Es  herrsche  grosse Gefahr für das Leben und Eigentum. In den letzten Jahren seien  bei  organisierter  Gewalt  gegen  Serben  viele  Leute  getötet  und  verletzt  worden.  Viele  serbische  Kirchen,  Häuser  und  andere  Habseligkeiten  seien  verbrannt  worden.  Die  internationalen  Kräfte  hätten  bis  jetzt  Personen  nichtalbanischer  Ethnie  ungenügend  geschützt.  Am  17.  und  18. März 2004 sei es auch vor den Augen der UNMIK, KFOR und NATO  zu  Gewalt  und  Terror  gekommen.  Der  Beschwerdeführer  sei  seit  dem  18. September 2008 in der Schweiz. Sein Leben in seinem Heimatort sei  nicht mehr ertragbar gewesen. Wegen den ständigen Bedrohungen und  Bewegungsbegrenzungen  durch  die  Kosovoalbaner  und  der  ethnischen  Kosovopolizei  sei  es  nach  der NATO­Bombardierung  und  dem Wegzug  der jugoslawischen Armee sehr riskant geworden. Der Beschwerdeführer  habe in einem serbischen Café gearbeitet, was sehr riskant sei, weil die  Albaner oft auf serbische Cafés Angriffe lancieren würden. Er habe Mühe  bei  der  Jobsuche,  weil  er  diskriminiert  werde.  Die  albanische  Kosovopolizei  schütze  keine  andere  Ethnien,  sondern  gäbe  diese  Informationen an Täter weiter und die Situation werde nur schlimmer. Der  Beschwerdeführer  habe  einen  Übergriff  und  Bedrohungen  von  drei  Albanern auf einem Parkplatz eines Supermarktes erlebt. Wegen diesem  Vorfall  könne  er  nicht  mehr  in  seiner  Heimat  leben  und  habe  sich  zur  Flucht entschieden, weil er Angst um sein Leben und die Zukunft gehabt 

D­403/2009 habe,  aber  auch  wegen  den  Diskriminierungen  gegen  Personen  serbischer  Ethnie  und  christlichen  Glaubens.  Er  habe  sich  Geld  von  seinen  Kollegen  geliehen  und  sei  geflüchtet.  Die  EULEX  sei  von  den  Albanern mit Demonstrationen und Hass empfangen worden, weshalb er  nicht davon ausgehe, dass die EULEX mit ungefähr 2000 Personen der  nichtalbanischen  Bevölkerung  im  Kosovo  helfen  könne.  Seine  Rückweisung nach Belgrad sei auch nicht zumutbar, weil er dort nicht zu  Hause sei. In Serbien befänden sich mehrere hunderttausend Flüchtlinge  aus  Kroatien,  Bosnien  und  Kosovo,  welche  in  unzumutbaren  Verhältnissen  leben  würden  (ohne  Heizung,  fast  keine  Unterstützung,  nicht  genügend  Nahrungsmittel).  Serbien  sei  auch  nach  der  Kosovoanerkennung  ein  fremder  Staat  mit  Grenzen  und  einem  Zoll.  Serbien  stecke  nach  langjährigen  Sanktionen  und  dem  NATO­Krieg  in  Armut  und  könne  sich  nicht  um  mehrere  hunderttausend  Flüchtlinge  sorgen.  In Kosovska Mitrovica sei die Situation auch sehr schlecht, weil  das  auch  ein  Teil  des  Kosovos  sei,  wo  Leute  in  einem  Ghetto  leben  würden.  Im nördlichen Stadtteil sei die Grenze mit Serbien mit dem Zoll  und  der  Polizei,  im  Süden  auf  der  anderen  Flussseite  befinde  sich  der  kosovoalbanische  Teil,  der  erfüllt  sei  mit  Hass  auf  alles  was  nicht  albanisch sei. Die Leute hätten keine Arbeit und würden in Armut  leben.  Die  beigelegten Berichte  aus  dem  Internet  über  die  terroristischen Akte  gegen  die  nichtalbanische  Bevölkerung  würden  die  schlechte  Situation  belegen.  Aus  diesen  Gründen  bitte  der  Beschwerdeführer  um  eine  Verlängerung seines Aufenthalts  in der Schweiz bis sich die Situation  in  seinem Heimatort  stabilisiert  habe,  ansonsten  er  in  Kosovo  in  den  Tod  geschickt werde. 5.  5.1. Das Bundesamt führte zur Begründung seines Asylentscheides aus,  die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er  im Kosovo aufgrund  seiner Zugehörigkeit zur serbischen Minderheit von ethnischen Albanern  im  Kosovo  zusammengeschlagen  und  bedroht  worden  sei,  seien  nicht  asylrelevant,  da  einerseits  von  einem  adäquaten  Schutz  seines  Heimatstaates  auszugehen  sei  und  dem  Beschwerdeführer  als  Staatsangehörigen  von  Kosovo  zudem  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative im Norden von Kosovo zur Verfügung stehe. Ausserdem  bejahte  es  implizit  das  Vorhandensein  einer  Zufluchtsmöglichkeit  in  Serbien,  indem  es  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  nach  der  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges erwog, dem Beschwerdeführer  würde  auch  nach  der  Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  durch 

D­403/2009 Serbien  als  serbischer  Staatsbürger  erachtet,  weshalb  für  ihn  grundsätzlich eine Aufenthaltsalternative in Serbien bestehe.  5.2. Der  Beschwerdeführer machte  Übergriffe  von  drei  Kosovoalbanern  geltend. Das BFM geht davon aus, der Beschwerdeführer könne im Süd­ Kosovo  adäquaten  Schutz  erhalten.  Nach  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgericht  hat  die  Mehrheit  der  serbischen  Polizisten  südlich des Ibar nach der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar 2008  ihren Dienst  quittiert, was die Qualität  von Polizei­Einsätzen  in  ethnisch  gemischten  Gebieten  stark  in  Mittleidenschaft  gezogen  hat.  Der  serbischen Minderheit mangelt es in Gebieten, wo die meisten Polizisten  Kosovoalbaner sind, an Vertrauen  in den KPS. Viele ethnisch motivierte  Vorfälle,  welche  durch  den  KPS  untersucht  werden,  bleiben  ungelöst,  wodurch  das  Vertrauen  der  Minderheiten­Bevölkerung  in  die  Durchsetzung  des  Rechts  schwindet.  Die  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers, wonach eine Anzeige zu keinem Erfolg geführt hätte,  sind deshalb – entgegen der Auffassung des BFM – nicht unbegründet.  Hingegen  existiert  für  den  Beschwerdeführer  im  Nordkosovo,  wo  die  Serben die überwiegende Mehrheit – auch in der Polizei – stellen und die  serbischen  Gemeinden  praktisch  von  Belgrad  aus  regiert  werden,  eine  innerstaatliche Fluchtalternative.  5.3. Der Beschwerdeführer  ist  zudem aufgrund der Aktenlage einerseits  als  Staatsangehöriger  der  Republik  Kosovo  zu  betrachten;  infolge  der  serbischen Abstammung und Geburt auf  (ehemaligem) Staatsgebiet der  Republik  Serbien  gemäss  dem  serbischen  Gesetz  über  die  Staatsbürgerschaft  Nr. 135/04  vom  21. Dezember  2004  verfügt  er  andererseits  auch  über  die  serbische  Staatsangehörigkeit  (vgl.  BVGE  2010/41  E. 6.4.2).  Der  Beschwerdeführer  hat  auf  dem  eigenhändig  ausgefüllten  Personalienblatt  im  EVZ  als  Staatsangehörigkeit  "Serbien"  angegeben  (vgl.  act. A2/2)  und  sich  auch  anlässlich  der  Anhörung  am  20. November 2008 als serbischen Staatsangehörigen bezeichnet.  5.4. Gestützt auf Art. 1 A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Personen von  der Anerkennung  der Rechtsstellung  als  Flüchtling  ausgeschlossen,  die  mehrere  Staatsangehörigkeiten  besitzen  und  die  den  Schutz  von  wenigstens  einem  dieser  Länder  in  Anspruch  nehmen  können.  Soweit  verfügbar, hat der Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit  eine  Person  besitzt,  Priorität  gegenüber  dem  internationalen  Schutz  beziehungsweise  dem  Schutz  durch  einen  Drittstaat  (siehe  UNHCR, 

D­403/2009 Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 106  f.,  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 35). Dem  Beschwerdeführer  steht,  wie  soeben  dargelegt,  neben  der  kosovarischen  auch  die  serbische  Staatsangehörigkeit  zu,  und  er  kann  sich  somit  auch  nach  Serbien  begeben  und  dort  aufgrund  der  bestehenden  Niederlassungsfreiheit  Wohnsitz  nehmen.  Der  Beschwerdeführer macht zudem keine Fluchtgründe geltend, die sich auf  das  Territorium  des  serbischen  Staates  (in  der  heute  international  anerkannten,  also  die  ehemalige  Provinz  Kosovo  nicht  mehr  einschliessenden  Ausdehnung)  beziehen.  Der  von  ihm  pauschal  erhobene Einwand, allfälligen Diskriminierungen ausgesetzt zu sein, und  der  –  mittels  Internetauszügen  belegte  –  Hinweis  auf  die  allgemein  schwierige  wirtschaftliche  und  soziale  Lage  von  Kosovo­Serben  in  Serbien  und  in  Mitrovica  vermag  jedenfalls  keine  flüchtlingsrelevante  Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. Nachdem er somit  mit  Bezug  auf  Nordkosovo  und  Serbien  keine  asylrelevante  Verfolgung  geltend machen kann, ist der Beschwerdeführer nicht auf den Schutz der  Schweiz  angewiesen.  Das  BFM  hat  folglich  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21). 6.3.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]).

D­403/2009 6.4. Gemäss  Rechtsprechung  sind  die  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  (Unmöglichkeit,  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit;  vgl.  Art. 83  Abs. 2­4  AuG)  alternativer  Natur.  Sobald  eine  der  Bedingungen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). 6.5.  6.5.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.5.2. In Bezug auf die allgemeine Sicherheits­ und Menschenrechtslage  ist  festzuhalten,  dass  sowohl  in  Serbien  wie  auch  in  der  serbischen  Enklave im Norden Kosovos keine Kriegs­ oder Bürgerkriegssituation und  auch  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  die  den  Wegweisungsvollzug  unzumutbar  erscheinen  liesse.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ethnischer  Serben  mit  letztem  Wohnsitz  in  Kosovo  nach  Serbien  oder  in  die  serbische  Enklave  im  Norden  Kosovos  ist  daher  grundsätzlich zumutbar.  6.5.3.  Indessen  kann  sich  der  Wegweisungsvollzug  in  die  serbische  Enklave  im Norden Kosovos  oder  nach  Serbien  im  konkreten  Einzelfall  als  unzumutbar  erweisen,  weil  die  betroffene  Person  dort  aus  individuellen Gründen einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Bei  der  Beurteilung,  ob  der  betroffene  Person  im  Norden  Kosovos  oder  in  Serbien eine zumutbare alternative Zufluchtsmöglichkeit offen steht, sind  insbesondere die Möglichkeit der wirtschaftlichen Existenzsicherung, der  persönliche Bezug zum Zufluchtsort, wie ein früherer Aufenthalt oder eine  Arbeitsstelle,  und  ein  tragfähiges  familiäres  oder  sonstiges  soziales  Beziehungsnetz sowie die Möglichkeit der gesellschaftlichen  Integration, 

D­403/2009 zu  berücksichtigen.  Im  Rahmen  dieser  Kriterien  sind  ferner  weitere  Faktoren  in  die Erwägungen einzubeziehen,  so  insbesondere das Alter,  der Gesundheitszustand, die Frage, ob Einzelperson oder Familie und die  berufliche  Ausbildung,  der  betroffenen  Personen  (vgl.  BVGE  2010/41  E. 8.3.3.6 S. 588 f.).  6.5.4. Wie das BFM zu Recht  festgestellt  hat, erscheint der Vollzug der  Wegweisung  nach  Z._______  (Y._______,  Südkosovo),  wo  der  Beschwerdeführer  zeitlebens  gewohnt  hat  (vgl.  act.  A1/8  S. 1)  nicht  zumutbar,  zumal die Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten Gefährdung  für  ethnische  Serben  ausserhalb  ihrer  Enklave  im  Norden  weiterhin  nicht  ausgeschlossen werden  kann. Hingegen  ging  das BFM davon  aus,  der  alleinstehende,  gesunde,  (…)­jährige Beschwerdeführer würde aufgrund  einer soliden Schulbildung und  langjährigen Berufserfahrung als Kellner,  Landbesitz im Kosovo und eines Beziehungsnetzes die Voraussetzungen  mit  sich  bringen,  um  in  seiner  Heimat  weiterhin  ein  Auskommen  zu  finden. Ausserdem könne er sich als serbischer Staatsangehöriger auch  in  Serbien  niederlassen,  weshalb  die  Inanspruchnahme  der  Aufenthaltsalternative  in  Serbien  ebenfalls  zumutbar  sei.  Dieser  Einschätzung  kann  indessen  nicht  gefolgt  werden.  Aus  den  Akten  geht  hervor, dass der Beschwerdeführer die Mitteltechnische Schule absolviert  hat,  offenbar  aber  nie  einen  seiner  Ausbildung  entsprechenden  Beruf  ausgeübt, sondern zuhause als Landwirt und in einem serbischen Café in  X._______ während fünf Jahren als Kellner gearbeitet hat (vgl. act. A8/10  S. 3 F5­F12). Der inzwischen (…)­jährige Beschwerdeführer verfügt damit  – wie  vom  BFM  erwogen  –  zwar  über  eine  Ausbildung  und  über  eine  gewisse Berufserfahrung. Die wirtschaftliche Situation  in den serbischen  Enklaven  im  Kosovo  ist  indessen  desolat.  Angesichts  einer  Arbeitslosenquote  unter  den  Kosovo­Serben  von  rund  70 Prozent  und  angesichts des Umstandes, dass die serbische Bevölkerungsgruppe wie  die Angehörigen der übrigen Minderheiten  in Kosovo kaum Zugang zum  regulären  Arbeitsmarkt  hat  und  zudem  Diskriminierungen  beim  Zugang  zu  Unterkünften  ausgesetzt  ist,  wird  es  dem  Beschwerdeführer  jedoch  trotz  seiner  Ausbildung  und  bisheriger  Berufserfahrung  kaum  möglich  sein,  in  der  serbischen Enklave  im Norden Kosovos  eine Anstellung  zu  finden,  die  ihm  den  Aufbau  einer  wirtschaftlichen  Existenz  ermöglicht.  Auch in Serbien sind die Bedingungen für Binnenflüchtlinge zum Aufbau  einer wirtschaftlichen Existenz ungünstig. Nachdem in einer ersten Phase  noch  eine  gewisse  Unterstützung  durch  internationale  Organisationen  und private Hilfswerke  geflossen war, wurde die weitere Betreuung  von  aus Kosovo vertriebenen Angehörigen der serbischen Volksgruppe bald 

D­403/2009 den  staatlichen  Behörden  übertragen.  Diese  lassen  indessen  ein  konkretes  Interesse  an  der  Erleichterung  der  Integration  der  kosovarischen Serben weitgehend vermissen, da sie grundsätzlich nach  wie  vor  (auf  der  Basis  der  Auffassung,  Kosovo  bilde  einen  territorialen  Bestandteil Serbiens) davon ausgehen, dass diese Personen längerfristig  wieder  in  ihre  ursprünglichen  Herkunftsorte  in  Kosovo  zurückkehren  werden.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  kommt  hinzu,  dass  er  nie  im  Norden Kosovos oder  in Serbien gelebt oder gearbeitet hat und,  soweit  feststellbar,  dort  auch  über  kein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihn  bei  der  sozialen  und  wirtschaftlichen  Integration  in  die  Gesellschaft  unterstützen  könnte.  Unter  diesen  Umständen  wird  der  Beschwerdeführer  aber  auch  in  Anbetracht  seiner  Ausbildung  und  der  erworbenen  Berufserfahrung  kaum  in  der  Lage  sein,  sich  im  Norden  Kosovos  oder  in  Serbien  aus  eigener  Kraft  eine  Existenzgrundlage  aufzubauen.  Im  Ergebnis  besteht  für  den  Beschwerdeführer  dort  somit  keine zumutbare Aufenthaltsalternative.  6.5.5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  sich  bei  gesamthafter  Berücksichtigung  aller  wesentlichen  Umstände  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  im  vorliegenden  Einzelfall  als  unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erweist. Nachdem sich aus  den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen  im  Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für die  Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt. 7.  Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit in Bezug auf  die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des  Asylgesuches und die verfügte Wegweisung aus der Schweiz (Ziffern 1­3  des  Dispositivs)  die  Aufhebung  der  Verfügung  beantragt  wird.  Sie  ist  hingegen  hinsichtlich  des  Vollzugs  der  Wegweisung  gutzuheissen.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom  16. Dezember  2008  sind  demnach  aufzuheben  und  das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 8.  8.1. Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfahrens  im Asylpunkt als teilweises Unterliegen (vgl. Art. 63 Abs. 1, Satz 2 VwVG)  zu  werten,  wobei  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  seiner  Praxis  im 

D­403/2009 Asylbeschwerdeverfahren  bei  Konstellationen  wie  der  vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte  veranschlagt.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer  somit  in  ermässigtem  Umfang  aufzuerlegen  und  auf  insgesamt  Fr. 300.–  festzusetzen  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Kosten sind durch  den  einbezahlten  Vorschuss  von  Fr. 600.–  gedeckt  und  werden  mit  diesem  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr. 300.–  ist  dem  Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  (Art. 64  Abs. 1  VwVG  und  Art. 7  Abs. 1  VGKE).  Der  Beschwerdeführer  hat seine Beschwerde selbst eingereicht. Es sind ihm mithin keine Kosten  aus  einer  Vertretung  entstanden  (vgl.  Art. 9  Abs. 1  VGKE).  Weitere  notwendige  Auslagen  (vgl.  Art. 13  VGKE),  die  dem  Beschwerdeführer  erwachsen  sein  könnten,  sind  aufgrund  der  Akten  nicht  ersichtlich.  Folglich  ist  ihm  trotz  teilweisen  Obsiegens  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­403/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend,  gutgeheissen; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2.   Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 16. Dezember  2008  werden  aufgehoben  und  das  Bundesamt  wird  angewiesen,  die  vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz anzuordnen. 3.  Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 300.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr. 300.–  wird  dem  Beschwerdeführer zurückerstattet. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Mathys Versand:

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