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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 D-3916/2011

21. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,531 Wörter·~8 min·2

Zusammenfassung

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 28. Juni 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3916/2011 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, Syrien,  C._______,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 28. Juni 2011 / N _______.

D­3916/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat  Syrien am 18. September 2010 verliess und am 1. November 2010 illegal  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ ein erstes Mal um Asyl nachsuchte, dass  das BFM mit  Verfügung  vom 26.  Januar  2011  in Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das Asylgesuch nicht  eintrat  und die Wegweisung nach  Italien  sowie  den  Vollzug  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist anordnete, dass diese Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwuchs, dass  der  Beschwerdeführer  am  E._______  nach  Italien  zurückgeführt  wurde, dass  er  am  13.  April  2011  in  der  Schweiz  ein  zweites  Asylgesuch  einreichte, dass  ein  Abgleich  der  Fingerabdrücke  des  Beschwerdeführers  mit  der  Eurodac­Datenbank  ergab,  dass  dieser  am  29.  Oktober  2010  in  F._______  von  den  italienischen  Behörden  daktyloskopisch  erfasst  worden war, dass  er  anlässlich  der  jeweiligen  Befragungen  zur  Begründung  seiner  beiden  Asylgesuche  im  Wesentlichen  geltend  machte,  Mitglied  der  G._______­Partei  zu  sein  und  diese  in  Syrien  mit  Aufgaben  wie  das  Verteilen von Flugblättern unterstützt zu haben, dass  er  zudem  zeitweise  seiner  Tante  –  ebenfalls Mitglied  der  Partei  ­   geholfen habe und diese am H._______ verhaftet worden sei, dass sein Vater und er  in der Folge mehrmals von Regierungsvertretern  zu Hause aufgesucht und zum Verbleib der Tante befragt worden seien  und  die  Beamten  sie  ­  da  sie  darüber  nichts  gewusst  hätten  ­  jeweils  mitgenommen  hätten,  was  dem  Ansehen  der  Familie  sehr  abträglich  gewesen sei, dass  der  Beschwerdeführer  am  I._______  an  einer  von  den  jungen  Mitgliedern der G._______ organisierten Versammlung habe  teilnehmen 

D­3916/2011 wollen,  jedoch  sofort  geflüchtet  sei,  als  er  Regierungsvertreter  vor  dem  Gebäude habe warten sehen, dass er sich danach bis zur Ausreise am 18. September 2010 bei einem  Freund  aufgehalten  habe  und  seine  Eltern  ihn  telefonisch  darüber  informiert  hätten,  dass  er  zu  Hause  erneut  von  Regierungsvertretern  gesucht worden sei, dass  er  sich  vor  einer  Verhaftung  durch  die  Beamten  gefürchtet  habe,  zumal  dabei  seine  Mitgliedschaft  bei  der  G._______  hätte  bekannt  werden können, dass er anlässlich der Kurzbefragung zu seinem zweiten Asylgesuch  im  EVZ D._______ vom 19. April 2011 im Wesentlichen vorbrachte, er habe  im  Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens  nicht  gewagt,  all  seine  Gründe  vorzubringen, dass  er  zusätzlich  zu  den  im  ersten  Asylgesuch  geltend  gemachten  Vorbringen  am  J._______  während  dreier  Tage  von  den  syrischen  Behörden unter Schlägen befragt und festgehalten worden sei, nachdem  er Spenden für die Partei gesammelt habe, dass er  am K._______ wegen  kleinerer Aktivitäten  für  die Partei  erneut  verhaftet und gewaltsam verhört worden sei, dass  er  nach  zwei  Tagen  durch  ein  Gericht  verurteilt  worden  sei,  sein  Anwalt jedoch eine Freilassung auf Kaution habe erwirken können, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  eine  Vorladung vom L._______ einreichte, dass  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  vom  19. April  2011  das  rechtliche  Gehör  zum  Umstand  gewährt  wurde,  wonach  gestützt  auf  seine  Aussagen  und  den Eurodac­Treffer  vom  29.  Oktober  2010  mutmasslich  Italien  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens zuständig sei, weshalb gegebenenfalls auf sein  Asylgesuch nicht eingetreten werde, dass der Beschwerdeführer angab, sich nach seiner Rückschaffung nach  Italien von Rom aus nach M._______ begeben zu haben, wo er Hunger  und keine Zigaretten gehabt habe,

D­3916/2011 dass  er  in  M._______  von  einem  Ägypter  an  einen  Ort  mitgenommen  worden  und  dem  Schlepper,  der  seine  Reise  organisiert  habe,  gegenübergestellt worden sei, da sein Vater diesen nicht bezahlt habe, dass er dort geschlagen und dabei gefilmt worden sei, wie man  ihm mit  heissen Gegenständen den Rücken verbrannt habe, dass  er mit  Hilfe  des  Ägypters  am  nächsten Morgen  freigekommen  sei  und dieser ihm nahegelegt habe, das Land zu verlassen, ansonsten ihm  der Tod drohe, dass er zudem Angst vor der Mafia habe, dass der Beschwerdeführer mit Entscheid des BFM vom 20. April  2011  dem Kanton N._______ zugewiesen wurde, dass  das  BFM  am  3.  Mai  2011  Italien  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers ersuchte, dass  Italien das Ersuchen des BFM bis zum Ablauf der Frist am 4. Juni  2011 unbeantwortet liess, dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  28.  Juni  2011  –  eröffnet  am  6.  Juli  2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das neuerliche  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  nach  Italien  sowie  den  Vollzug spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist anordnete, dass  es  gleichzeitig  feststellte,  einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  den  Entscheid  komme  keine  aufschiebende  Wirkung  zu,  und  die  Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an  den Beschwerdeführer verfügte, dass  das Bundesamt  zur Begründung  anführte,  aus  den Aussagen  des  Beschwerdeführers  und  daktyloskopischen  Abklärungen  ergebe  sich,  dass der Beschwerdeführer am 29. Oktober 2010 illegal nach Italien und  damit  in  das  Hoheitsgebiet  der  Dublin­Staaten  eingereist  und  bereits  einmal von der Schweiz nach Italien weggewiesen worden sei,  dass Italien gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in 

D­3916/2011 der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR 0.142.392.68])  und  auf  das  Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem  Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen­Besitzstands  und  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32) für  die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei, dass,  da  die  italienischen  Behörden  das  Gesuch  um  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  bis  am  4.  Juni  2011  nicht  beantwortet  hätten,  die  Zuständigkeit auf Italien übergegangen sei, dass  dem Beschwerdeführer  das  rechtliche Gehör  gewährt  worden  sei,  dessen Einwand – Angst vor der Mafia – dem Wegweisungsvollzug nicht  entgegenstehe,  da  Italien  gemäss  Dublin  Abkommen  zur  Rückübernahme von Asylsuchenden und zur Behandlung derer Gesuche  verpflichtet sei, dass  Italien  im  Übrigen  ein  Rechtsstaat  sei,  der  über  rechtliche  und  soziale  Strukturen  verfüge,  an  die  der  Beschwerdeführer  sich  wenden  könne, dass auf sein Asylgesuch daher nicht einzutreten sei, dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs  zu  bejahen seien, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. Juli 2011 (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob und dabei beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihr  Recht  zum  Selbsteintritt  auszuüben  und sich für das vorliegende Asylverfahren zuständig zu erklären, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um  die  Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung  im  Sinne  einer  vorsorglichen Massnahme,  die  entsprechende Anweisung an die Vollzugsbehörden, den Verzicht auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung ersuchte,

D­3916/2011 dass  er  in  seiner  Beschwerdeschrift  in  Bezug  auf  eine  Rückkehr  nach  Italien im Wesentlichen den bereits anlässlich der Kurzbefragung im EVZ  D._______ vorgebrachten Einwand, wonach er dort Probleme mit seinem  Schlepper habe, geltend machte, dass  er  zu  Stützung  dieses  Vorbringens  Aufnahmen  seiner  Rücken­ Wunden zu den Akten reichte und einen Bericht der behandelnden Ärztin  in Aussicht stellte, dass  er  zudem  in  Folge  des  geschilderten  Vorfalles  an  psychischen  Problemen leide, dass er  ferner  in seiner Eingabe auf die generellen Lebensbedingungen  sowohl  von  Asylsuchenden  als  auch  von  anerkannten  Flüchtlingen  in  Italien aufmerksam machte, dass  er  mit  Eingabe  vom  14.  Juli  2011  (Poststempel)  den  in  Aussicht  gestellten  ärztlichen  Bericht  von  O._______  vom  P._______  als  Beweismittel einreichte, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  13.  Juli  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), eine solche Ausnahme im Sinne von  Art.  82  Bst.  d  Ziff.  1  BGG  in  casu  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

D­3916/2011 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüfte,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen –  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugshindernissen  (Durchführbarkeit  der  Überstellung  an  den  zuständigen  Staat)  –  in  den  Dublin­Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretensentscheides stellen, dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend  ­  wie  nachfolgend  aufgezeigt  ­  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde,

D­3916/2011 dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass der vorgängige Aufenthalt des Beschwerdeführers in Italien feststeht  und er diesen auch nicht bestreitet, dass somit Italien für die Prüfung seines am 13. April 2011 in der Schweiz  eingereichten Asylantrags zuständig  ist  (vgl. DAA sowie die Verordnung  [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  Asylantrages  zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  [Dublin­II­ Verordnung],  und  die  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2. September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]), dass die italienischen Behörden das Ersuchen des BFM vom 3. Mai 2011  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers  bis  am  4.  Juni  2011  unbeantwortet  liessen, womit die Zuständigkeit  Italiens gemäss Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung  definitiv  geworden ist (vgl. Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­Verordnung), dass  der  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  vorgebrachte  und  in  der  Beschwerde  wiederholte  Einwand,  wonach  er  in  Italien  von  seinem  Schlepper  mit  dem  Tod  bedroht  werde,  nichts  an  der  Zuständigkeit  Italiens  zu  ändern  vermag,  zumal  es  dem Beschwerdeführer  – wie  von  der  Vorinstanz  zu  Recht  festgestellt  –  zumutbar  und  möglich  ist,  die  zuständigen  italienischen  Behörden  um  Schutz  vor  einer  allfälligen  Bedrohung durch Drittpersonen zu ersuchen, dass der Beschwerdeführer  ferner  in seiner Rechtsmitteleingabe geltend  machte,  er  sei  wegen  der  erlittenen  Rücken­Verletzungen  in  regelmässiger  ärztlicher  Behandlung  und  leide  seit  dem  Vorfall  an  psychischen Problemen, dass  er  zur  Stützung  dieses  Vorbringens  diverse  Fotos  seiner Wunden  sowie einen ärztlichen Bericht vom P._______ zu den Akten reichte, dass der Beschwerdeführer gemäss diesem Bericht zunächst wegen der  Brandwunden  in  regelmässiger medizinischer Behandlung gewesen  sei, 

D­3916/2011 mittlerweile aber die Behandlung der aus dem geltend gemachten Vorfall  resultierenden psychischen Probleme im Vordergrund stehe, dass ihm eine adäquate Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis im Sinne  einer  Anpassungsstörung  diagnostiziert  wird,  die  sich  durch  Schlafstörungen und die Dominanz des Gedankens an die geschilderten  Ereignisse und die Todesdrohung manifestiere, dass dank Gesprächen und der Einnahme eines Antidepressivums eine  Verbesserung  des  psychischen  Zustands  des  Beschwerdeführers  habe  herbeigeführt  werden  können,  dass  jedoch  bei  einer  Rückkehr  nach  Italien ein Rückfall drohe, dass die notwendigen medizinischen  Institutionen und Medikamente zur  Weiterbehandlung  der  besagten Beschwerden  in  Italien  vorhanden  sind  und  asylsuchende  Personen  dort  Zugang  zu medizinischer  Versorgung  haben, dass  dem  Beschwerdeführer  in  Italien  dieselben  Leistungen  in  der  Gesundheitsversorgung  zur  Verfügung  stehen  wie  italienischen  Staatsangehörigen,  mithin  dort  auch  allfällige  psychische  Probleme  behandelt werden können, dass  zu  den  Ausführungen  im  ärztlichen  Bericht,  wonach  bei  einer  Rückführung  nach  Italien  ein  Rückfall  drohe,  festzuhalten  ist,  dass  ein  unausweichlich  bevorstehender  Wegweisungsvollzug  bei  den  damit  konfrontierten  Personen  nicht  selten  zu  einer  nicht  unerheblichen  psychischen Belastung führen kann, dieser Belastung jedoch im Rahmen  einer entsprechenden Vorbereitung des Beschwerdeführers Rechnung zu  tragen ist, dass  unter  Berücksichtigung  des  aktenkundigen  Arztberichts  und  der  eingereichten Fotografien bei einer Rückführung nach  Italien somit nicht  von einer medizinischen Notlage auszugehen ist, dass  der  Beschwerdeführer  weiter  unter  Verweis  auf  einen  Bericht  von  Pro  Asyl  vom  28.  Februar  2011  geltend  machte,  die  generellen  Bedingungen  in  Italien  seien  sowohl  für  Asylsuchende  als  auch  für  anerkannte Flüchtlinge unzumutbar,

D­3916/2011 dass er trotz seiner Bemühungen keine Arbeit erhalten habe und auf der  Strasse  habe  übernachten  müssen,  was  ein  menschenwürdiges  Leben  verunmögliche, dass  sich  diese  Situation  durch  die  zusätzliche  Flüchtlingswelle  aus  Nordafrika noch verschärfe, dass  Italien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30),  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist,  und  sich  aus  den Akten  keine  konkreten Hinweise  ergeben,  wonach  Italien  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen Bestimmungen halten würde, dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik  steht, in den Aufenthalts­ und Verfahrensbedingungen für Personen, wel­ che  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber  insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist, dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rückkeh­ rende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  ita­ lienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich – neben den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen, dass die Organisation  "Arci con Fraternità" seit dem 1. Januar 2009 die  Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom) organisiert und  dort den Asylsuchenden kostenlose Rechtsberatung anbietet, dass  der  Beschwerdeführer  weder  im  Rahmen  des  ihm  gewährten  rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte  Vorbehalte  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien  geltend machte,  weshalb  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  dass  er  im  Falle  einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten würde, dass  bei  dieser  Sachlage  für  die  Schweizerischen  Asylbehörden  keine  Veranlassung  besteht,  in  Abweichung  von  der  festgestellten  Zuständigkeitsordnung  vom  Selbsteintrittsrecht  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­Verordnung Gebrauch zu machen,

D­3916/2011 dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein An­spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. BVGE  2008/34 E. 9.2 S. 510, BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, EMARK 2001 Nr.  21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass im Rahmen des Dublin­Verfahrens, bei dem es sich um ein Über­ stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatzmassnahmen  im Sinne  von Art.  44 Abs.  2 AsylG  i.V.m. Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass  eine  entsprechende  Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl.  BVGE  2010/45 E. 10.2 S. 645 und vorgehende Erwägungen), dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete, dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder  unange­messen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuweisen ist, dass  mit  dem  vorliegenden  Entscheid  in  der  Hauptsache  ohne  vorgängige  Instruktion  die  Anträge  auf  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde,  auf  Anweisung  des  Gerichts  an  die  Vollzugsbehörden,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Gericht  entschieden  hat,  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses gegenstandslos werden, dass die eingereichte Beschwerde als aussichtslos erschien, weshalb  das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

D­3916/2011 von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  einer  allfälligen  Bedürftigkeit  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  2  und  3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand:

D-3916/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 D-3916/2011 — Swissrulings