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Bundesverwaltungsgericht 18.08.2011 D-3831/2011

18. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,238 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 12. Mai 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3831/2011 Urteil   v om   1 8 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  schweizerische Vertretung in Colombo,   Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 12. Mai 2011 / N _______.

D­3831/2011 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin,  eine  srilankische  Staatsangehörige  tamilischer  Ethnie  aus  B._______,  C._______,  suchte  mit  Schreiben  vom  13.  September  2008  sowie  mit  weiteren  Eingaben  bei  der  Schweizer  Vertretung in Colombo um Asyl nach.  B.  B.a. Am 23. September 2008 erkundigte sich die Schweizer Vertretung in  Colombo  nach  den  Ausreisegründen  und  spezifischen  Problemen  der  Beschwerdeführerin  sowie  deren  Ursache.  Ebenso  fragten  sie  nach,  welche  Schritte  die  Beschwerdeführerin  bisher  unternommen  habe,  um  sich zu schützen und ob ihr eine staatliche Fluchtalternative offen stünde.  Die  Beschwerdeführerin  wurde  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolge  aufgefordert, bis zum 7. November 2008 alle Beweggründe  im Detail zu  schildern sowie allfällige Beweismittel einzureichen B.b.  Mit  Schreiben  vom  8.  Oktober  2008  (Eingangsstempel  der  Schweizer  Vertretung  vom  23.  Oktober  2008)  erteilte  die  Beschwerdeführerin die gewünschten Auskünfte. B.c. Am 13. November 2008 erkundigte sich die Schweizer Vertretung in  Colombo  bei  der  Beschwerdeführerin,  weshalb  ihr  Haus  im  Jahr  2004  niedergebrannt worden sei und weshalb sie drei Jahr später noch immer  Probleme habe. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin unter Hinweis  auf  die  Säumnisfolge  aufgefordert,  bis  zum  15.  Dezember  2008  darzulegen, weshalb sie glaube, noch  immer Schwierigkeiten zu haben.  Auch wenn sie nicht sicher sei, solle sie  ihre Meinung beziehungsweise  ihre Gedanken darlegen und dokumentieren, warum sie Probleme habe.  Bezüglich der von  ihr geltend gemachten Drohanrufe wurde sie gefragt,  weshalb diese für sie bedrohlich seien, was die Anrufer von ihr verlangen  würden  und  seit  wann  sie  diese  erhalte.  Abschliessend  erkundigte  sich  die Vertretung, ob sie noch andere Probleme habe. B.d.  Mit  Schreiben  vom  20.  November  2008  (Eingangsstempel  der  Schweizer  Vertretung  vom  25.  November  2008)  liess  sich  die  Beschwerdeführerin fristgerecht vernehmen. C.  Zur Begründung  ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin  im 

D­3831/2011 Wesentlichen  geltend,  nach  ihrer  Scheidung  habe  sie  mit  ihrem  Sohn  zusammengelebt.  Am  5.  April  2004  seien  bewaffnete  Unbekannte  gekommen  und  hätten  sie  bedroht  und  ihr  Haus  und  ihre  Wertsachen  zerstört. Dies sei Ausfluss eines Streites zwischen den Liberation Tigers  of Tamil Eelam (LTTE) und der Tamil Peoples Liberation Tigers (TMVP)  gewesen. Als  sie  das Haus nicht  sofort  habe  verlassen  können,  sei  sie  von Anhängern der TMVP geschlagen worden. Sie habe einen Schaden  von  600'000 Rupien  erlitten  und  sie  und  ihr  Sohn  seien  beim Einbruch  verletzt  worden.  Sie  habe  ein  Refugium  bei  Nachbarn  und  Freunden  gefunden.  Eine  Anzeige  gegen  die  erlittenen  Gewalt  habe  sie  bei  der  Polizei  eingereicht.  Seit  dem  Vorfall  leide  ihr  Sohn  an  Schlafstörungen  und  einem  Trauma  auch  infolge  Brandstiftung  (vgl.  Schreiben  vom  26.  Dezember 2008). Sie habe sich beim Roten Kreuz in D._______ darüber  beschwert  und  sei  später  zu  ihrem  Haus  zurückgekehrt,  um  es  wieder  aufzubauen.  In  den  folgenden  drei  Jahren  sei  sie  abermals  von  diesen  zwei  Fraktionen  bedroht  worden.  Am  15.  Juli  2009  hätten  Unbekannte  während einer Stunde ihr Haus belagert, dann seien sie abgezogen (vgl.  Schreiben  vom  18.  Juli  2009).  Sie  habe  keine  Anzeige  erstattet.  Ihre  Schwester lebe in E._______ in der Schweiz. D.  D.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  August  2010  teilte  das  BFM  der  Beschwerdeführerin mit, es erachte den entscheidrelevanten Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuches  und  der  beigelegten Dokumentation als erstellt, weshalb  sich eine Anhörung auf  der Botschaft nicht als notwendig erweise.  Im Weiteren erwäge es unter  Berücksichtigung  der  konkreten  Umstände  –  namentlich  Fragen  bezüglich  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  hiesige  Assimilationsmöglichkeiten,  aktuelle  Gefährdung  im  Heimatstaat,  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in  einem  anderen  Staat,  öffentliches  Interesse  der  Schweiz  –  und  aufgrund  der  vorliegenden  Akten,  das  Asylgesuch abzulehnen und die Einreise zu verweigern. Das BFM räumte  der  Beschwerdeführerin  die  Gelegenheit  ein,  sich  dazu  innert  Frist  zu  äussern und allfällige neue Gründe, die seit der Einreichung des Einreise­  und  Asylgesuchs  eingetreten  seien,  darzulegen,  verbunden  mit  dem  Hinweis, dass bei ungenutzter Frist aufgrund der bestehenden Aktenlage  entschieden werde. D.b. Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen.

D­3831/2011 E.  Mit Verfügung vom 12. Mai 2011 lehnte das BFM das Asylgesuch ab und  bewilligte die Einreise in die Schweiz nicht. Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Einzelnen  aus,  gemäss  konstanter  schweizerischer  Asylpraxis  sei  für  die  Gewährung  der  Einreise  die  Gefährdung  einer  asylsuchenden  Person  im  Zeitpunkt  der  Einreisebewilligung massgebend. Vergangene Verfolgung und die damit  verbundenen  psychischen  Beeinträchtigungen  seien  somit  nur  dann  beachtlich,  als  sie  noch  andauerten  oder  konkrete  Hinweise  auf  eine  zukünftige  Verfolgung  bestünden.  Die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz  diene  nämlich  nicht  dem  Ausgleich  vergangenen  Unrechts,  sondern solle demjenigen gewährt werden, der aktuell des Schutzes des  Zufluchtslandes bedürfe.  Die  Ereignisse,  die  sich  im  Jahre  2004  ereignet  hätten,  seien  daher  mangels Kausalzusammenhang nicht einreisebeachtlich. Zudem stünden  diese a priori in keinem engen Kontext mit denen des Jahres 2009. Die  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderten  Nachteile  seien  offenbar  von Dritten verursacht worden. Hierzu sei festzuhalten, dass der Staat in  Sri  Lanka  als  schutzfähig  gelte  und  für  die  Beschwerdeführerin  die  Möglichkeit  bestehe,  sich  an  die  Behörden  zu  wenden,  um  Schutz  vor  Verfolgung seitens Dritter  zu ersuchen. Aus der vorliegenden Aktenlage  könnten  zudem  keine  Hinweise  entnommen  werden,  welche  auf  eine  grundsätzliche  Schutzunwilligkeit  des  Staates  hindeuten  würden.  Dies  werde unter anderem dadurch belegt, dass sie persönlich keine Probleme  mit den Behörden geltend gemacht habe. Auch die Furcht der Beschwerdeführerin vor einer zukünftigen Verfolgung  müsse  bei  einer  objektiven  Betrachtungsweise  im  Sinne  des  Asylgesetzes  als  nicht  begründet  eingestuft werden. Vorliegend  sei  das  BFM nämlich zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin bei  einer  objektivierten  Betrachtungsweise  nicht  akut  gefährdet  sei.  Dies  gelte  um  so  mehr,  als  sich  seit  der  Einreichung  ihres  Asylgesuchs  die  allgemeine Situation in Sri Lanka massgeblich verändert habe. Der Krieg  zwischen der srilankischen Regierung und den separatistischen LTTE sei  im Mai  2009 mit  deren  Niederlage  zu  Ende  gegangen.  Seither  befinde  sich das gesamte Land wieder unter Regierungskontrolle und es  sei  zu 

D­3831/2011 keinen  terroristischen Aktivitäten  der  LTTE gekommen. Die Sicherheits­  und Menschenrechtslage sei zwar noch nicht  in allen Teilen des Landes  zufriedenstellend,  doch  die  Anzahl  von  Gewaltereignissen  wie  Entführungen,  Verschleppungen  und  Tötungen  sei  erheblich  zurückgegangen.  Der  Einfluss  der  bewaffneten  Gruppen  habe  stark  abgenommen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass die  Beschwerdeführerin  zum  heutigen  Zeitpunkt  grundsätzlich  keine  Verfolgungen mehr befürchten müsse. Schliesslich  komme  hinzu,  dass  sie  die  ihr  mit  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  9.  August  2010  eingeräumte  Möglichkeit,  ihre  aktuellen  Probleme  darstellen  zu  können,  nicht  genutzt  habe.  Dass  sie  sich  daraufhin nicht bei der Schweizer Vertretung habe vernehmen lassen, sei  ein weiteres Indiz dafür, dass sie zum heutigen Zeitpunkt nicht gefährdet  sei. An  diesen  Erwägungen  könnten  auch  die  von  ihr  eingereichten  Dokumente nichts ändern, stützten sie bloss ihre Vorbringen.  Bei offensichtlich  fehlender Schutzbedürftigkeit  sei darauf  zu verzichten,  auf  allfällig  vorhandene  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Asylvorbringen einzugehen. Schliesslich sei auch der Umstand, dass die  Schwester  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  lebe,  nicht  einreiserelevant. F.  Mit  Beschwerde  vom  7.  Juni  2011  (Eingangsstempel  der  Schweizer  Vertretung  in  Colombo  vom  30.  Juni  2011)  wiederholte  die  Beschwerdeführerin im Wesentlichen ihre bisherigen Vorbringen und hielt  an deren Asylrelevanz fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

D­3831/2011 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und ist daher zur Einreichung einer Beschwerde legitimiert. Der  genaue Zeitpunkt  der Eröffnung  des Urteils  ist  zwar weder  durch  einen  Empfangsschein noch durch eine Empfangsbestätigung belegt, doch liegt  in  einem  solchen  Fall  die  Beweislast  bei  den  Behörden  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel  2008,  Rz.  3.  150,  S.  166  f.)  und  es  wird  demnach  von  der  Rechtzeitigkeit  der  Beschwerdeeinreichung  ausgegangen.  Auf  die  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art.  105  sowie Art. 108 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52  VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 

D­3831/2011 weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  Bundesamt  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zu gemutet werden kann, im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft  machen, dass eine unmittelbare Gefahr  für Leib und Leben oder  für die  Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. Hinsichtlich  des  Verfahrens  bei  der  schweizerischen  Vertretung  im  Ausland  sieht  Art. 10 der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  vor,  dass  diese  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1).  Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende  Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10  Abs. 2 AsylV 1;  vgl.  hierzu  auch  Entscheide  des  Schweizerischen 

D­3831/2011 Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2007/30  E.  5.2  –  E. 5.3).  Eine  Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann  sich  auch  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  scheint.  Bei  Anhörungsverzicht  ist  jedoch  das  rechtliche  Gehör  zu  gewähren  (vgl.  BVGE  2007/30  E.  5.7),  was  vorliegend  erfolgt  ist  (vgl.  Erwägung  D.a  vorstehend).  Ausserdem hat  das BFM den Verzicht  auf  eine Befragung  begründet (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6 – E. 5.7). Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3 AsylG  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.­g. S. 131 ff., welcher  angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision  des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). 5.  5.1.  Die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  7.  Juni  2011  (Eingangsstempel  der  Schweizer  Vertretung  in  Colombo  vom  30.  Juni  2011) sind nicht geeignet, eine Änderung der vorinstanzlichen Verfügung  zu bewirken. Der Argumentation des BFM werden keine stichhaltigen und  substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Eine  diesbezügliche  Auseinandersetzung  unterbleibt  zwar  nicht  gänzlich.  Die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  vermögen  jedoch  die  nachvollziehbaren  Erwägungen  des  BFM  nicht  umzustossen.  Das  BFM  hat  in  der  angefochtenen Verfügung  zu Recht  festgestellt,  die Ereignisse,  die  sich  im Jahre 2004 zugetragen hätten, seien mangels Kausalzusammenhang  nicht einreisebeachtlich. Das Asylrecht hat auch nicht die Funktion eines  Ausgleichs  für  allfällig  erlittenes  Unrecht  in  der  Vergangenheit.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine  Veranlassung,  die  Erwägungen  des  Bundesamtes  zu  beanstanden.  Im  Übrigen  haben  die  srilankischen  Behörden  am  18.  Mai  2009  den  endgültigen Sieg  über  die  LTTE  verkündet  und  den Bürgerkrieg  offiziell  für beendet erklärt.  In den  letzten Tagen des Bürgerkrieges war nahezu 

D­3831/2011 die gesamte Führung der LTTE getötet worden. In einer am 24. Mai 2009  veröffentlichten  Erklärung  bestätigte  die  LTTE,  dass  ihr  Anführer  Velupillai  Prabhakaran  eine  Woche  zuvor  bei  Kämpfen  mit  Regierungstruppen  im Nordosten von Sri Lanka getötet worden sei  (vgl.  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­6328/2006 vom 4. Juni 2009 E.  5.2). Bei dieser Sachlage kann, um Wiederholungen zu vermeiden auf die  Ausführungen  in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Nach  dem  Gesagten  droht  der  Beschwerdeführerin  keine  asylrelevante  Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. 5.2.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren Ausführungen in der Eingabe der Beschwerdeführerin sowie die  eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie am Ergebnis  der  vorgenommenen Würdigung  nichts  zu  ändern  vermögen. Es  ist  der  Beschwerdeführerin nicht gelungen, eine Verfolgung im Sinne von Art. 3  AsylG  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen.  Die  Schutzbedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  im Sinne  von Art.  20  i.V.m.  Art.  3 AsylG  ist mithin als nicht  gegeben zu qualifizieren,  und es  liegen  auch  keine  anderen  Gründe  vor,  welche  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung indizieren würden. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art.  63  Abs. 1  in  fine VwVG und Art. 2 und 6 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2])  ist  vorliegend auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­3831/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  Schweizer Vertretung in Colombo. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Ulrike Raemy Versand:

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