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Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-3745/2011

17. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,222 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 4. Mai 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3745/2011 law/rep Urteil   v om   1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, c/o schweizerische Vertretung in Colombo, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 4. Mai 2011 / N (…).

D­3745/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  stellte  am  16. Oktober  2009  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  ein  Asylgesuch,  das  er  mit  Eingaben  vom  28. Oktober  2009,  18. Januar,  3. Februar,  10. Februar,  18. Februar, 15. März, 25. April und 13. Juni 2010 ergänzte. B.  Am 15. Juli 2010 befragte ein Mitarbeiter der schweizerischen Vertretung  in Colombo den Beschwerdeführer persönlich zu seinen Asylgründen. C.  Weitere an die schweizerische Vertretung in Colombo gerichtete und von  dieser  an  das  BFM  weitergeleitete  Eingaben  des  Beschwerdeführers  datieren  vom  26. Juli,  10. August,  23. August,  15. September,  19. September 2010 sowie vom 9. Januar, 1. März und 28. März 2011. D.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  srilankischer  Staatsangehöriger  singhalesischer  Ethnie  aus  B._______  –  machte  in  seinen  schriftlichen  Eingaben  sowie  anlässlich  der  Botschaftsanhörung  im  Wesentlichen  geltend, er sei seit mehreren Jahren im C._______ tätig und habe früher  unter anderem als D._______ für E._______ gearbeitet. Nebenbei sei er  seit dem Jahre 2007 als F._______ für die G._______ tätig gewesen und  habe  dabei  auch  die  Wahlkampagne  für  deren  Sekretär  H._______  organisiert.  Letzterer  sei  indessen  anlässlich  der Wahlen  für  die West­ Provinz  im  April  2009  dermassen  bedroht  worden,  dass  er  sich  zum  Verlassen  seiner  Heimat  entschieden  habe.  Als  Folge  hiervon  habe  er  seine Arbeit bei G._______ als F._______ verloren. Von September 2009  an habe er verschiedentlich anonyme Telefonanrufe erhalten, in denen er  bedroht  und  aufgefordert  worden  sei,  den  Anrufern  den  Aufenthaltsort  von  H._______  preiszugeben.  Dies  habe  ihn  veranlasst,  am  (…)  eine  entsprechende  Anzeige  bei  der  Polizei  in  I._______  zu  erstatten.  Nichtsdestotrotz hätten ihn am 13. Oktober 2009 zwei unbekannte Leute  tätlich angegriffen und ihm mit dem Tode gedroht, falls er ihnen nicht den  aktuellen  Aufenthaltsort  von  H._______  nennen  würde.  Er  habe  sich  damals  aufgrund  der  erlittenen  Verletzungen  in  Spitalpflege  begeben  müssen  und  habe  diesbezüglich  bei  der  Polizei  in  J._______  am  folgenden Tag Anzeige erstattet.

D­3745/2011 Ab November 2009 habe er zusammen mit zwei Freunden als freiwilliger  Wahlhelfer für den damaligen K._______ L._______ gearbeitet, wobei er  wiederum als F._______ fungiert habe. Während den M._______ im (…)  hätten ihn Angehörige des "National Intelligence Bureau" (NID) wiederholt  angerufen und ihn über stattfindende Pressekonferenzen ausgefragt. Am  26. Januar  2010  habe  er  die  Medien  über  die  Verhaftung  L._______  informiert. Am folgenden Tag hätten ihn Leute des "Criminal Investigation  Department" (CID) in seinem Büro gesucht. Seither lebe er versteckt, da  er sich davor fürchte, dass ihn das CID wegen seiner Unterstützung von  L._______ festnehmen könnte. Seit Ende Januar 2010 werde er vom CID  mindestens  einmal  pro  Monat  an  seinem  bisherigen  Wohnsitz  in  N._______,  I._______ gesucht. Nach den M._______ habe er zunächst  zwei Wochen  in  O._______  gelebt.  Dort  hätten  Polizisten  einmal  seine  Identitätskarte  kontrolliert  und  ihm Fragen zu seinem Aufenthaltsort  und  zu  seinem  Beruf  gestellt.  Im  März  2010  sei  er  zum  Büro  des  Parlamentsabgeordneten  P._______  gegangen,  wo  er  bis  zum  5. April  2010 geblieben sei und Berichte verfasst habe, die er schliesslich an die  Medien weitergeleitet habe. Von Anfang Mai 2010 bis Ende August 2010  habe  er  sich  bei  einem  Freund  in  Q._______  aufgehalten.  Seither  wechsle  er  seine  Aufenthaltsorte  regelmässig,  um  einer  Verhaftung  zu  entgehen. Im Weiteren sei er  im Besitze von Filmmaterial vom 24. Januar 2010,  in  welchem zu sehen sei, wie er und weitere D._______ durch Angehörige  des  srilankischen  Militärs  gestoppt  worden  seien,  als  sie  im  Begriffe  gewesen  seien,  L._______  zum  Treffen  mit  der  (…)  R._______  S._______ zu begleiten. Zusätzlich  befürchte  er,  auch  aufgrund  seiner  früheren  Tätigkeit  bei  E._______,  deren  Besitzer  L._______  unterstützt  hätten,  seitens  der  srilankischen  Behörden  verfolgt  zu  werden,  zumal  im  Juli  2010  bewaffnete Männer die Studios der E._______ angegriffen hätten. Schliesslich machte der Beschwerdeführer geltend, abtrünnige Mitglieder  der  Organisation  T._______  hätten  den  srilankischen  Behörden  zwischenzeitlich  verraten,  dass  er  die  U._______  von  L._______  unter  dem Falschnamen V._______ leite. Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Rahmen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  nebst  Kopien  seines  srilankischen  Reisepasses  unter  anderem  einen  persönlichen  Lebenslauf,  mehrere  Presse­ 

D­3745/2011 beziehungsweise  Berufsausweise,  einen  Arbeitsvertrag  mit  G._______  als  F._______  vom  8.  Mai  2007  und  zwei  Bestätigungen  über  erfolgte  Anzeigen  bei  der  srilankischen  Polizei  vom  (…)  und  vom  (…)  und  ein  Arztzeugnis vom 17. Oktober 2009 ein. E.  Mit via Schweizer Botschaft am 20. Mai 2011 an den Beschwerdeführer  versandter Verfügung vom 4. Mai 2011 verweigerte das BFM diesem die  Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. F.  Mit an das Bundesverwaltungsgericht adressierter und am 1. Juli 2011 in  der  Schweiz  eingetroffener  englischsprachiger  Eingabe  vom  17. Juni  2011  inklusive  deren  deutsche  Übersetzung  beantragte  der  Beschwerdeführer sinngemäss, die Verfügung des BFM vom 4. Mai 2011  sei  aufzuheben  und  ihm  Asyl  beziehungsweise  die  Einreise  in  die  Schweiz zu gewähren. Zusammenfassend hielt er darin  fest, er  teile die  Ansicht  der  Vorinstanz  nicht,  wonach  sich  die  Situation  in  Sri  Lanka  vorteilhaft und sicher präsentiere. Er sei aber in Tat und Wahrheit faktisch  gezwungen, in seiner Heimat im Versteckten und ohne Aussicht auf eine  richtige Stelle zu  leben. Tatsache sei auch, dass er während der  letzten  zwei  Jahre  ein  sehr  unsicheres  Leben  habe  führen  müssen.  Während  seiner  Zeit  als  F._______  L._______  sei  es  für  ihn  unumgänglich  gewesen, die herrschende Regierung zu kritisieren, was  ihn noch heute  gefährde. Im Anschluss an die (…) L._______ seien am 26. Januar 2010  dessen Helfer  und Gefolgsleute  unter  dem Vorwurf,  konspirativ  auf  den  Sturz  der  Regierung  hingearbeitet  zu  haben,  festgenommen  worden,  wobei  ihm als einem der Hauptverantwortlichen die Flucht gelungen sei.  Seit etwa vier Monaten lebe er heute zwar unerkannt in einem Tempel in  der Südprovinz, ohne sich indessen in Sicherheit wähnen zu können. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 

D­3745/2011 Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Vorliegend  wurde  der  Entscheid  des  BFM  via  die  Schweizer  Botschaft  in  Colombo  am  20. Mai  2011  an  den  Beschwerdeführer  versandt (vgl. Sachverhalt Bst. E). Da sich kein Rückschein bei den Akten  befindet, steht vorliegend der Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen  Verfügung nicht  fest. Da die Beweislast  für  die Zustellung an die Partei  der  eröffnenden  Behörde  obliegt  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 166  f.  Rz. 3.150),  ist  zugunsten  des  Beschwerdeführers  davon  auszugehen,  dass  die  am  1.  Juli 2011 in der Schweiz eingetroffene Beschwerde (vgl. Sachverhalt Bst.  F) rechtzeitig erfolgt ist. 1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m.  Art.  37 VGG und Art.  48 Abs.  1 VwVG).  Auf  die  frist­ und  formgerecht  (Art.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG)  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a Abs.  1 AsylG wurde  auf  die Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet. 4. 

D­3745/2011 4.1.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (Art. 3,  Art.  7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im  Wohnsitz  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft  machen, dass eine unmittelbare Gefahr  für Leib und Leben oder  für die  Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 21  E. 2b  S. 137). Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (EMARK  2004  Nr. 21 E. 2b S. 137, EMARK 2004 Nr. 20 E. 3b S. 130  f., EMARK 1997  Nr. 15 E. 2f S. 131 f.). 5.  5.1. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch zunächst damit,  er  sei  im  September  und  im  Oktober  2009  von  unbekannten  Leuten  belästigt  worden,  welche  ihn  wegen  seiner  früheren  Aktivitäten  für  die  G._______  als  F._______  bedroht  und  von  ihm  verlangt  hätten,  ihnen  den  aktuellen  Aufenthaltsort  von  H._______,  dem  vormaligen  Sekretär  der G._______, bekanntzugeben. Wie das BFM in seiner Verfügung vom 4. Mai 2011  indessen zutreffend  festgestellt  hat,  hat  der Beschwerdeführer  ausdrücklich  eingeräumt,  seit  Oktober  2009  im  Zusammenhang  mit  seiner  früheren  Tätigkeit  für  die  G._______ beziehungsweise der Person von H._______ von niemandem  mehr angegangen worden zu sein, weshalb davon auszugehen ist, dass  er  diesbezüglich  keine  Nachteile  mehr  zu  befürchten  hat.  Abgesehen  hiervon  erscheint  zumindest  nicht  plausibel,  weshalb  sich  die 

D­3745/2011 Unbekannten  in  dieser  Angelegenheit  ausgerechnet  an  ihn  gewandt  haben sollten,  zumal er bereits vor besagtem Vorfall  nicht mehr bei der  G._______  beschäftigt  war  und  ohnehin  nicht  davon  auszugehen  war,  dass  ihm  die  aktuelle  Kontaktadresse  von H._______  im Ausland  hätte  bekannt sein können. 5.2.  Hinsichtlich  der  Befürchtung  des  Beschwerdeführers,  noch  heute  zufolge  seiner  Propagandaaktivitäten  für  L._______  im  Vorfeld  der  M._______  vom  (…)  behördlich  gesucht  zu  werden,  ist  Folgendes  festzuhalten:  Es  trifft  zwar  tatsächlich  zu,  dass  es  im Anschluss  an  die  M._______  im  (…)  zu  behördlichen  Festnahmen  von  W._______  aus  dem Lager L._______ gekommen ist. Diese wurden indessen nach relativ  kurzer  Zeit  auf  Antrag  des  CID  wieder  freigelassen,  da  sie  in  keine  kriminellen Akte verwickelt waren. Darüber hinaus sind die im Nachgang  zu  den  M._______  festgenommenen  Anhänger  L._______  mit  einem  Haftbefehl  festgenommen  worden.  Folglich  wäre  auch  der  Beschwerdeführer mit Haftbefehl  gesucht worden,  falls  die  heimatlichen  Behörden tatsächlich ein nachhaltiges Interesse an seiner Person gehabt  hätten. Dies war  jedoch nicht der Fall, ansonsten  ihn die Polizei bei der  Personenkontrolle  während  seines  zweiwöchigen  Aufenthalts  in  O._______  (im  Februar  2010)  zweifellos  unverzüglich  festgenommen  hätte,  was  indessen  seinen  Angaben  zufolge  nicht  der  Fall  war.  Vor  diesem  Hintergrund  bestehen  auch  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  dafür, dass der Beschwerdeführer zufolge seiner früheren W._______ für  L._______  heute  noch  behördlichen  Verdächtigungen  und  Übergriffen  ausgesetzt sein könnte. 5.3. Der Beschwerdeführer macht  im Weiteren geltend, er sei Präsident  der  Organisation  T._______,  welche  sich  als  U._______  im  politischen  Umfeld L._______ formiert habe. Dabei sei er unter der falschen Identität  V._______ aufgetreten. Ehemalige Mitglieder der U._______ hätten den  srilankischen Behörden nun aber zwischenzeitlich verraten, dass er diese  Organisation  leite  (vgl.  Eingabe  des  Beschwerdeführers  vom  9.  Januar  2011). Hätte  der  Beschwerdeführer  jedoch  –  wie  von  ihm  behauptet  –  aus  Gründen  des  Selbstschutzes  eine  neue  Identität  angenommen,  bleibt  unerfindlich,  weshalb  sämtliche  der  von  ihm  eingereichten  Berufsausweise  die  bei  den  Schweizer  Asylbehörden  deklarierten –  mutmasslich  richtigen  –  Personalien  enthalten,  womit  die  Annahme  der  "Zweitindentität" den Beschwerdeführer  im Ergebnis  in keiner Weise vor 

D­3745/2011 einem  möglichen  Zugriff  der  Behörden  geschützt  hätte.  Aus  diesem  Grunde muss bezweifelt werden, dass der Beschwerdeführer  (unter der  falschen  Identität  V._______)  tatsächlich  die  Leitung  der  vorgenannten  U._______ innehatte, weshalb sich weitere Erörterungen erübrigen. 5.4.  Der  Beschwerdeführer  weist  überdies  auf  sein  Schicksal  hin,  während  der  letzten  zwei  Jahre  gezwungenermassen  ein  unsicheres  Leben  geführt  zu  haben.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  die  Asylgewährung grundsätzlich nicht dazu dienen kann, einen Ausgleich für  vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern alleine bezweckt, Schutz vor  künftiger  Verfolgung  zu  gewähren.  Da  im  vorliegenden  Fall  indessen –  wie  unter  E. 5.1  bis  5.3  dargelegt  –  keine  hinreichenden Anhaltspunkte  für  eine  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  drohende  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  bestehen,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Annahme  einer  aktuellen  Verfolgungsfurcht  vorliegend als nicht erfüllt zu betrachten. 5.5.  Soweit  der  Beschwerdeführer  auf  seine  missliche  allgemeine  Situation und insbesondere die Unmöglichkeit, derzeit als D._______ ein  ordentliches  Auskommen  zu  finden,  hinweist,  spricht  er,  so  bedauerlich  seine  Lage  als  D._______  in  Sri  Lanka  mit  Blick  auf  die  momentan  herrschende behördliche Unduldsamkeit in Bezug auf Regimekritik ist, im  Ergebnis  Sachumstände  an,  welche  im  Rahmen  eines  ordentlichen  Asylverfahrens in der Schweiz grundsätzlich nur unter dem Gesichtspunkt  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zu  prüfen  wären  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  24  E. 5a,  5b  und  5e  S. 157  ff.).  Die  schweizerische  Gesetzgebung sieht indessen gerade nicht vor, dass Asylsuchenden, die  ihr  Gesuch  im  Ausland  stellen,  unabhängig  von  einer  Gefährdung  im  Sinne von Art.  3 AsylG – und damit der Aussicht auf Asylgewährung  in  der Schweiz  –  die Einreise  schon  deshalb  zu  bewilligen  ist, weil  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  wegen  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  oder  einer  medizinischen  oder  wirtschaftlichen  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Ganz  abgesehen  davon  ist  aufgrund  der  langjährigen  Berufserfahrung  des  Beschwerdeführers  sowie  seines  mutmasslich  grossen  Beziehungsnetzes  davon  auszugehen,  dass  er  nicht  auf  sich  allein gestellt  ist, weshalb hinsichtlich seiner Person wohl auch nicht von  einer eigentlichen wirtschaftlichen Notlage zu sprechen sein dürfte. 5.6. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer  nicht gelungen  ist, eine Verfolgung  im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft  zu machen. Es erübrigt  sich, auf weitere Vorbringen  in der Beschwerde 

D­3745/2011 einzugehen,  da  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern  können.  Das  BFM  hat  demnach  dem  Beschwerdeführer  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert beziehungsweise dessen Asylgesuch abgelehnt. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­3745/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizer Vertretung in  Colombo und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

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