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Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 D-3697/2009

15. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,704 Wörter·~9 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Mai 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3697/2009 Urteil   v om   1 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz),  Richter Jean­Pierre Monnet, Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______ geboren am (…) Sri Lanka, vertreten durch lic.iur. Susanne Sadri LL.M.,  (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 8. Mai 2009 / N________

D­3697/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  aus  Jaffna  stammender  srilankischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  Colombo  –  mit  Eingabe  in  englischer Sprache vom 6. Dezember 2006 an die B.________ um Asyl  nachsuchte,  dass  er  dabei  im Wesentlichen  geltend machte,  am 7.  Februar  1969  in  Jaffna  geboren  zu  sein  und  von  1969  bis  1983  –  und  damit  während  seiner Kindheit – in Colombo gelebt zu haben,  dass er sich von 1996 bis 2005 in Indien als Flüchtling aufgehalten habe,  bevor er gegen Ende 2005 nach Colombo zurückgekehrt sei, wo er sich  aufgrund der allgemeinen angespannten Situation als Tamile nicht mehr  frei habe bewegen können,  dass die Schweizerische Botschaft mit Schreiben  vom 10.  Januar  2007  den Beschwerdeführer  unter Ansetzung einer Frist  bis  zum 12. Februar  2007  zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  unter  Einreichung allfälliger Beweismittel um Beantwortung konkreter Fragen in  Bezug  auf  die  individuelle  Betroffenheit  sowie  allfällig  getroffene  Schutzmassnahmen ersuchte, dass der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 29. Januar 2007 an die  B.________ um eine Anhörung in der B._______ ersuchte mit der  Begründung, er könne schriftlich nicht alle Asylgründe angeben,  dass  die  B._______  mit  Schreiben  vom  11.  Juli  2007  dem  Beschwerdeführer mitteilte,  dass Asylgesuche dem BFM als  zuständige  Behörde weitergeleitet  werden würden,  wobei  das  BFM Asylsuchenden  eine  Einreisebewilligung  erteilten,  wenn  diese  in  ihrem  Heimatstaat  offensichtlich  gefährdet  seien  und  es  ihnen  nicht  zugemutet  werden  könne, in einem anderen Staat um Schutz nachzusuchen, dass  der  Beschwerdeführer  gleichzeitig  unter  Ansetzung  einer  Frist  bis  zum  25.  August  2007  erneut  um  hinreichende  schriftliche  Begründung  des  Asylgesuches  und  Einreichung  allfälliger  Beweismittel  aufgefordert  wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  16.  August  2007  an  die  B._________  unter Beilage  verschiedener  Identitätsdokumente  in Kopie  mit  ergänzender  Begründung  seines  Asylgesuches  vom  6.  Dezember 

D­3697/2009 2006  im Wesentlichen  angab,  nach  den  Unruhen  von  1983  sei  er  von  Colombo  nach  Jaffna  gezogen  und  nach  Abschluss  seiner  Mittelschulausbildung  im  Jahre  1993  in  einer  Import­Export­Firma  als  Buchhalter tätig gewesen, dass er, nachdem ihn die Firma wegen der damaligen Kriegssituation  in  Jaffna nicht mehr weiter habe beschäftigen können, 1996 zusammen mit  seiner  Schwester  nach  Indien  gezogen  sei,  wo  er  am  27.  Mai  2002  geheiratet habe, dass er  nach  seiner Rückkehr  nach Colombo  im Oktober  2005  in  einer  Werbeagentur angestellt gewesen sei, dass  er  aufgrund  seines  in  der  Identitätskarte  eingetragenen  Geburtsortes Jaffna bei Personenkontrollen von den Sicherheitsbehörden  oft  angehalten  und  befragt  und  einmal  für  ein  paar  Stunden  festgenommen worden sei,  dass  ihn  im Weiteren Unbekannte mehrere Male auf seinem Arbeitsweg  verfolgt  hätten  und  er  wegen  den  regelmässigen  Nachstellungen  nicht  mehr zur Arbeit gegangen sei, weshalb er den Lebensunterhalt für seine  Familie nicht mehr habe bestreiten können,  dass  die  Schweizerische  Vertretung mit  Schreiben  vom  25.  September  2007  dem  BFM  mitteilte,  den  Beschwerdeführer  nicht  zu  seinen  Asylgründen anzuhören und dessen Asylgesuch dem BFM zur weiteren  Behandlung überwies, dass  das  BFM  im  Rahmen  einer  internen  Analyse  –  von  einem  vollständig  festgestellten  Sachverhalt  ausgehend  – mangels  akuter  und  relevanter  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  die  Notwendigkeit  der  prioritären Behandlung des Asylgesuches verneinte,  dass  der  Beschwerdeführer  am  15.  April  2009  im  C._______  ein  Asylgesuch stellte,  dass er im Rahmen der summarischen Befragung vom 20. April 2009 und  der  einlässlichen  Anhörung  durch  das  BFM  vom  27.  April  2009  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  im  Wesentlichen  geltend  machte,  er  sei von 1993 bis 1996 als Buchhalter  in einem Transportgeschäft  für die  LTTE tätig gewesen (vgl. BFM­Protokoll A13 S. 4),

D­3697/2009 dass, nachdem er von einem Artilleriegeschoss am Fuss verletzt worden  sei,  die  LTTE  ihn  aufgefordert  habe,  über  Indien  nach  Colombo  zu  gelangen, um dort die LTTE zu unterstützen (vgl. A13 S. 5), dass  er  indessen  von  Indien  nicht  nach  Colombo  weitergereist  sei,  um  dort  die  LTTE  zu  unterstützen,  sondern  den  Kontakt  zur  LTTE  abgebrochen und sich bis 2005 in Indien aufgehalten habe,  dass  er  nach  seiner Rückkehr  nach Colombo wegen  seiner  Tätigkeit  in  einer  Transportfirme  der  LTTE  in  ständiger  Angst  gelebt  habe  und  ihn  Angehörige  anderer  Bewegungen  –  in  Kenntnis  seiner  Tätigkeit  für  die  LTTE – beschattet hätten,  dass er am 20. Juni 2006 anlässlich einer Personenkontrolle für ein paar  Stunden  festgenommen  und  dabei  befragt  und  geschlagen  worden  sei  (vgl. A13 S. 6), dass  am  19.  September  2006  zwei  Personen  versucht  hätten,  ihn  anzugreifen  –  wobei  eine  der  EPRLF­Bewegung  angehört  habe  –,  ihm  indessen die Flucht nach Hause gelungen sei,  dass  er,  Zuhause  angekommen,  die  Wohnungstüre  so  heftig  aufgestossen habe, dass die Fensterscheibe an der Tür  zerbrochen sei  und  er  sich  so  stark  am  Handgelenk  verletzt  habe,  dass  er  sich  in  Spitalpflege habe begeben müssen (vgl. A13 S. 9), dass er im Weiteren am 10. Februar 2008 anlässlich einer Polizeikontrolle  erneut für ein paar Stunden festgenommen und dabei unter dem Vorwurf,  der LTTE anzugehören, auch geschlagen worden sei (vgl. A13 S. 7, 8), dass  sich  am  4.  Januar  und  12.  Februar  2009  Unbekannte  in  einem  weissen Van an seinem früheren Wohnort in Colombo bei einem Freund  seines  Vaters  nach  ihm  erkundigt  hätten  und  er  im  Weiteren  seit  Dezember 2008 etwa drei anonyme telefonische Morddrohungen erhalten  habe,  weshalb  er  aus  Furcht  vor  weiteren  Behelligungen  schliesslich  ausgereist sei (vgl. A1 S. 8), dass der Beschwerdeführer zur Stützung seiner Vorbringen ein ärztliches  Zeugnis vom (…)einreichte, worin unter anderem ein Spitalaufenthalt vom  (…) bis (…) bestätigt wird, 

D­3697/2009 dass das BFM mit – gleichentags eröffneter – Verfügung vom 8. Mai 2009  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  15.  April  2009  abwies,  dessen Wegweisung anordnete und den Vollzug als  zulässig,  zumutbar  und möglich erachtete, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  8. Juni  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Einreichung  eines  Rapportes der Polizeistation von D._______ vom (…) im Original – samt  nachfolgend  eingereichter  Übersetzung  in  deutscher  Sprache  –gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und  dabei  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  unter  anderem  um  Verzicht  auf  das  Erheben  eines  Kostenvorschusses und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ersuchte, dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  16. Juni 2009 antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  verzichtete  mit  dem  Hinweis,  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde im  Endentscheid befunden, dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  25.  Juni  2009  unter  anderem  festhielt,  der  kommentarlos  auf  Beschwerdeebene  nachgereichte  Auszug  aus  dem  Informationsbuch  des  D.______  Polizeipostens  vom  (…)  sei  zum  Nachweis  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  geeignet,  und  im  Weiteren  darauf  hinwies,  dass  im  genannten  Bericht  ein  Datum  vorkomme,  das  nicht  mit  dem  Zeitpunkt  des  Protokolleintrags vom 13. Mai 2009 vereinbar sei,  dass  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  in  ihrer  Replik  vom  29. Juli 2009 unter anderem erklärte, der Polizeirapport vom 20. Mai 2009  sei  entgegen  der  Behauptung  in  der  Vernehmlassung  nicht  kommentarlos,  sondern zur Stützung der auf Beschwerdeebene geltend  gemachten  Behelligungen  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  durch  Angehörige  der  EPRLR­Bewegung  eingereicht  worden,  wobei  die  srilankischen  Behörden  nach  ihrer  Einschätzung  weder  willens­  noch  schutzfähig seien,

D­3697/2009 und zieht in Erwägung: dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  den  Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art.105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  108  AsylG  sowie  Art.  105  AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG),  dass  daher  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist,  dass mit  Beschwerde  die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs.  1  AsylG), dass,  wer  um  Asyl  nachsucht,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen muss, dass diese glaubhaft  gemacht  ist, wenn die Behörde  ihr Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält,  wobei  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel abgestützt werden, unglaubhaft sind (Art. 7 AsylG), dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  im  Rahmen  der  summarischen  Befragung  vom  20.  April  2009  und  der  einlässlichen  Anhörung  vom  27.  April  2009  geltend  gemachten  Vorbringen,  wegen  seiner  Tätigkeit  für  die  LTTE  von  Angehörigen  der  EPRLF­Bewegung  beschattet und angegriffen und von den Sicherheitsbehörden unter dem 

D­3697/2009 Verdacht, der LTTE anzugehören, geschlagen worden zu sein, als nicht  glaubhaft erachtet hat,  dass  es  in  seiner  Begründung  darauf  hinwies,  der  Beschwerdeführer  habe  in  seiner  schriftlichen  Asylbegründung  vom  16.  August  2007  lediglich  angegeben,  im  Jahre  1993  in  einer  Import­Export­Firma  als  Buchhalter  tätig  gewesen  und,  nachdem  ihn  die  Firma  wegen  der  damaligen Kriegssituation  in Jaffna nicht mehr weiter habe beschäftigen  können, zusammen mit seiner Schwester nach Indien gezogen zu sein, dass daher das erstmals im Rahmen der Anhörungen geltend gemachte  Vorbringen, von 1993 bis 1996 als Buchhalter in einem Transportgeschäft  für die LTTE tätig gewesen und nach seiner erlittenen Fussverletzung von  der  LTTE  aufgefordert  worden  zu  sein,  über  Indien  nach  Colombo  zu  gelangen,  um  dort  die  LTTE  zu  unterstützen,  als  nachgeschoben  und  daher nicht glaubhaft zu erachten sei, dass der Beschwerdeführer  im Weiteren in Abweichung der Angaben im  schriftlichen  Asylgesuch  vom  16.  August  2007,  in  Colombo  von  Sicherheitskräften  aufgrund  seines  in  der  Identitätskarte  eingetragenen  Geburtsortes Jaffna bei Personenkontrollen von den Sicherheitsbehörden  oft  angehalten  und  befragt  und  einmal  für  ein  paar  Stunden  festgenommen  worden  zu  sein,  im  Rahmen  der  Befragungen  erstmals  geltend  gemacht  habe,  anlässlich  einer  Personenkontrolle  am  20.  Juni  2006  sei  er  für  ein  paar  Stunden  festgenommen  und  dabei  unter  dem  Vorwurf,  der  LTTE anzugehören,  auch  geschlagen worden  (vgl.  A13 S.  6), dass  schliesslich  die  Schilderung  des  Vorbringens,  von  zwei  Personen  mit  dem  Motorrad  verfolgt  worden  zu  sein,  unterschiedlich  ausgefallen  sei, dass der Beschwerdeführer nämlich im Widerspruch zur Angabe in seiner  schriftlichen Asylbegründung, wonach zwei Personen auf einem Motorrad  sehr  schnell  an  ihm  vorbeigefahren  seien,  anlässlich  der  Erstbefragung  vom  20.  April  2009  geltend  gemacht  habe,  eine  Person  sei  auf  einem  Motorrad gesessen und die andere auf  ihn zugerannt  (vgl. A1 S. 8), um  im  Rahmen  der  Bundesanhörung  erstmals  auszuführen,  die  beiden  Verfolger  seien  auf  ihn  zugekommen,  hätten  ihn  angestarrt  und  einer  habe dem anderen gesagt, dass er es sei (vgl. A13 S. 9),

D­3697/2009 dass  das  BFM  im  Weiteren  festhielt,  unabhängig  von  deren  Glaubhaftigkeit  seien  die  Vorbringen  die  Beschwerdeführers,  aufgrund  seines  in  der  Identitätskarte  eingetragenen  Geburtsortes  Jaffna  bei  Personenkontrollen von den Sicherheitsbehörden oft angehalten, befragt  und festgenommen und im Weiteren von Unbekannten mehrere Male auf  seinem  Arbeitsweg  verfolgt  und  telefonisch  bedroht  worden  zu  sein,  mangels erforderlicher  Intensität nicht asylrelevant und  für die Annahme  einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung nicht geeignet,  dass in der Beschwerde geltend gemacht wurde, die erstmals im Rahmen  der  Anhörungen  in  der  Schweiz  geltend  gemachten  Vorbringen  seien  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  unzutreffend  als  nachgeschoben  und  damit  nicht  glaubhaft  erachtet  worden,  habe  doch  der  Beschwerdeführer  in  seinen  schriftlichen  Eingaben  an  die  Schweizerische Vertretung vergeblich um eine Anhörung gebeten, da er  es aus Furcht vor Entdeckung durch Spione in der Botschaft nicht gewagt  habe, auf schriftlichem Wege seine Tätigkeit für die LTTE kundzutun,  dass das BFM im Weiteren das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers  verletzt  habe,  indem  es,  in  Abweichung  von  der  entsprechenden  schriftlichen  Mitteilung  an  den  Beschwerdeführer  vom  11.  Juli  2007,  dessen  Asylgesuch  nicht  umgehend,  sondern  erst  am  25.  September  2007 zur weiteren Behandlung an das BFM übermittelt habe, weshalb der  Beschwerdeführer  seit  Juli  2007  im  irrigen  Glauben  gewesen  sei,  das  BFM  sei  nun  zuständig  für  die  Behandlung  seines  Asylgesuches  und  nicht weiter die Schweizerische Vertretung, dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  nach  dessen  Ausreise  von  Angehörigen  der  EPRLF  belästigt  und  bedroht  worden  sei,  worauf  sich  diese  – wie  sich  aus  dem eingereichten Polizeirapport  ergebe  –  an  die  Polizei gewandt habe,  dass  das  BFM  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  aufgrund  seiner  Tätigkeit für die LTTE von den Sicherheitsbehörden und Angehörigen der  EPRLF  behelligt  worden  zu  sein,  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung als nicht glaubhaft erachtet hat,  dass  hinsichtlich  der  Argumentation  in  der  Beschwerde,  wonach  der  Beschwerdeführer in seinen schriftlichen Eingaben an die Schweizerische  Vertretung  vergeblich  um  eine  Anhörung  gebeten  habe,  da  er  es  aus  Furcht vor Entdeckung durch Spione in der Botschaft nicht gewagt habe, 

D­3697/2009 auf  schriftlichem  Wege  seine  Tätigkeit  für  die  LTTE  kundzutun,  festzuhalten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  von  der  schweizerischen  Vertretung in Colombo zwar nicht, wie beantragt, zu seinen Asylgründen  befragt wurde,  indessen seine Vorbringen bereits  in seinem Asylgesuch  und  in  dessen  Ergänzungen  schriftlich  darlegen  und  dokumentieren  konnte  und  danach  mit  Schreiben  vom  11.  Juli  2007  Gelegenheit  zur  weiteren  Konkretisierung  seiner  Asylgründe  erhielt,  welche  der  Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. August  2007 an die B._______  auch nutzte,  dass  aufgrund  der  eingereichten  schriftlichen  Eingaben  von  einem  entscheidreifen  Sachverhalt  ausgegangen  werden  konnte  und  die  Behauptung  in  der  Beschwerde,  wonach  es  der  Beschwerdeführer  aus  Furcht vor Entdeckung durch Spione in der Botschaft nicht gewagt habe,  auf  schriftlichem  Wege  seine  Tätigkeit  für  die  LTTE  kundzutun,  als  unbehelflicher Erklärungsversuch zu erachten ist,  dass der Beschwerdeführer somit ohne plausiblen Grund erst anlässlich  der Anhörungen  in der Schweiz geltend gemacht hat,  für die LTTE  tätig  gewesen zu sein, dass  hinsichtlich  weiterer  Unglaubhaftigkeitselemente  zur  Vermeidung  von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz  in  der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, auf welche in der  Beschwerde nicht näher eingegangen wird,  dass die blosse Behauptung in der Beschwerde, wonach die Ehefrau des  Beschwerdeführers nach dessen Ausreise  von Angehörigen der EPRLF  belästigt  und  bedroht  worden  sei,  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern vermag,  dass  der mit  der  Beschwerde  eingereichte  Polizeirapport  –  unabhängig  von  der  Frage  der  Authentizität  –  mangels  hinreichendem  Sachzusammenhang zur Stützung dieses Vorbringens nicht geeignet ist,  wird  doch  daraus  lediglich  ersichtlich,  dass  sich  die  Ehefrau  mit  ihrem  Anliegen an die Polizei gewandt hat, dass schliesslich mit der Vorinstanz festzuhalten ist, dass die Vorbringen  die  Beschwerdeführers,  aufgrund  seines  in  der  Identitätskarte  eingetragenen  Geburtsortes  Jaffna  bei  Personenkontrollen  von  den  Sicherheitsbehörden  oft  angehalten,  befragt  und  festgenommen  und  im  Weiteren von Unbekannten mehrere Male auf seinem Arbeitsweg verfolgt 

D­3697/2009 und  telefonisch  bedroht  worden  zu  sein,  unabhängig  von  deren  Glaubhaftigkeit mangels erforderlicher Intensität nicht asylrelevant und für  die  Annahme  einer  begründeten  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  nicht  geeignet sind,  dass somit das BFM zu Recht das Asylgesuch abgelehnt hat,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilli­ gung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (BVGE  2009/50  E.9),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Betrachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  weil  keine  Hinweise  auf  Verfolgung  vorliegen,  die  sich  nicht  als  offensichtlich  haltlos  erweisen,  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art.  3  EMRK  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer  in  Sri  Lanka  droht  (Art.  83  Abs. 3 AuG),

D­3697/2009 dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers an seinen  in Jaffna gelegenen Herkunftsort als nicht  zumutbar erachtete,  indessen das Vorliegen einer Aufenthaltsalternative  in Colombo bejahte,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011  eine  aktuelle  Einschätzung  vorgenommen  hat,  gemäss  welcher  unter  anderem  der  Wegweisungsvollzug  in  den  Distrikt  Jaffna  nicht  als  grundsätzlich  unzumutbar zu erachten ist, dass  es  indessen  angesichts  der  im  humanitären  und  wirtschaftlichen  Bereich nach wie vor  fragilen Lage beim Wegweisungsvollzug  in dieses  Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien als unabdingbare Notwendigkeit erachtete, dass  sich  der  Beschwerdeführer  seit  1996  nicht  mehr  in  Jaffna  aufgehalten  hat,  weshalb  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären wären, dass  indessen  eine  solche  abschliessende  Abklärung  angesichts  der  bestehenden  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  in  Colombo  unterbleiben kann,  dass  für  die  Beurteilung  des  Vorliegens  einer  Aufenthaltsalternative  in  Colombo,  wie  im  obengenannten  Urteil  hingewiesen,  weiterhin  die  in  BVGE 2008/2  festgestellten Kriterien  (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.1. S. 20  ff.) gelten, dass der Beschwerdeführer in Colombo aufgewachsen ist und seit seiner  Rückkehr  aus  Indien  im Oktober  2005  bis  zu  seiner  Ausreise  erneut  in  Colombo  lebte,  wobei  er  dort  in  einer  Werbeagentur  und  als  selbstständiger Schneider tätig war (vgl. A1 S. 3), dass  im Weiteren  ein  Bruder  und  ein  Onkel  des  Beschwerdeführers  in  Colombo leben (vgl. A1 S. 5; A13 S. 3),

D­3697/2009 dass  daher  davon  auszugehen  ist,  dass  der  relativ  junge,  gesunde  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  nach  Colombo  mit  familiärer  Unterstützung  rechnen und aufgrund seiner guten Schulbildung  (vgl. A1  S.  4)  und  der  beruflichen  Erfahrung  erneut  eine  berufliche  Existenz  aufbauen kann, dass sich somit der Wegweisungsvollzug als zumutbar erweist,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG) und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass somit das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet  hat  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme daher ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer  die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  aufzuerlegen  wären  (Art.  63  Abs.  1  VwVG), dass  indessen  das  vom  Beschwerdeführer  gestellte  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  gutzuheissen  ist,  da  die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  nachgewiesen  wurde  und  die  Beschwerde  nicht  von  vornherein  aussichtslos  erschien,  weshalb  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  sind.

D­3697/2009 (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil  geht an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

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