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Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-3540/2010

17. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,428 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. April 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3540/2010 Urteil   v om   1 7 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren X._______, Iran, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. April  2010 / N_______.

D­3540/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  in  B._______,  Provinz  C._______,  Irak,  geborener  iranischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  D._______, Provinz E._______,  Irak,  verliess  den Akten  zufolge  seinen  Heimatstaat etwa  im Jahre 2000 auf dem Landweg. Über D._______  im  Irak,  wo  er  bis  am  24. Mai  2008  geblieben  sei,  F._______, G._______  und H._______ sei er am 24. Juli 2008 illegal in die Schweiz gelangt. Hier  stellte  er  am 28.  Juli  2008  im  I._______ ein Asylgesuch. Dort wurde er  am  19.  August  2008  summarisch  befragt  und  mit  Verfügung  vom  28.  August  2008  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  J._______  zugewiesen. Am 16. Dezember 2008 wurde er vom BFM direkt angehört. Anlässlich der Befragungen führte der Beschwerdeführer zur Begründung  seines Asylgesuchs im Wesentlichen aus, er sei im Irak geboren worden,  sei  jedoch  als  kleines  Kind  zusammen mit  seiner  Familie  während  des  Irakkrieges  gegen  Kuwait  im  Jahre  (...)  in  den  Iran  nach  K._______  gegangen, wo er die Schule besucht habe. Im Jahre (...) seien sie wieder  in den Irak zurückgekehrt. Sein Vater sei Mitglied der Kurdish Democratic  Party of Iran (KDPI) und habe ihn bei ihrer Rückkehr in den Irak im Jahre  (...)  ebenfalls  bei  der  Partei  als  Mitglied  gemeldet,  wo  er  an  deren  Versammlungen teilgenommen und Zeitschriften verteilt habe. Sein Vater  sei  nach  der  Rückkehr  in  den  Iran  von  den  iranischen  Behörden  gezwungen  worden,  für  die  Etelaat  zu  arbeiten.  Nach  der  Ermordung  eines ihrer geistlichen Führers im Jahre (...) hätten er und seine Eltern an  einer  Protestkundgebung  teilgenommen.  Dabei  sei  es  zu  Massenverhaftungen gekommen und die Kurden seien je länger je mehr  vom  islamischen Regime  unter Druck  gesetzt worden.  Sein Vater  habe  daraufhin seine Zusammenarbeit mit der Etelaat beendet. Sodann hätten  Freunde der Familie seinem Vater mitgeteilt, dass die Etelaat von dessen  Parteizugehörigkeit zur KDPI erfahren habe. Er selber sei mehrmals von  Sicherheitsbeamten  in  der  Schule  aufgesucht  und  aufgefordert  worden,  seinem Vater auszurichten, dass er sich bei den Behörden melden solle,  so  letztmals zwei Tage vor  ihrer Ausreise  in den  Irak. Ferner hätten  ihn  die  iranischen  Behörden  als  Mitarbeiter  der  Basidj  rekrutieren  wollen.  Nachdem  Freunde  seinen  Vater  informiert  gehabt  hätten,  dass  seine  KDPI­Mitgliedschaft  den  iranischen  Behörden  bekanntgeworden  sei,  seien  sie  noch  am gleichen Tag  in  den  Irak  ausgereist. Dort  habe  sein  Vater die ganze Familie beim Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der  Vereinten  Nationen  (UNHCR)  und  bei  der  KDPI  als  Mitglieder 

D­3540/2010 angemeldet.  In D._______, wo sie  in der Folge gewohnt hätten,  sei  die  Lage sehr unruhig gewesen. Die Bewohner würden auf Schritt  und Tritt  von  der  Polizei  kontrolliert  und  er  selber  sei  ab  dem  Jahre  (...)  von  Anhängern  einer  kurdischen  Glaubensgemeinschaft  ständig  bedroht,  erpresst und verprügelt worden. Mindestens einmal in der Woche habe er  Schutzgelder  bezahlen  müssen.  Auch  habe  man  mit  der  Entführung,  Schändung  und  Tötung  seiner  Geschwister  gedroht,  falls  er  keine  Schutzgelder mehr bezahlen sollte. Weiter sei er einmal im Sommer des  Jahres (...) von vermummten Männern überfallen und mit einem Messer  am Bein verletzt worden. Schliesslich sei er von den Parteien  „Taleban“  und  „Barzani“  unter  Druck  gesetzt  und  aufgefordert  worden,  mit  ihnen  zusammen  zu  arbeiten.  Er  habe  dies  jedoch  nicht  tun  können,  da  er  bereits Mitglied der KDPI gewesen sei. Vor diesem Hintergrund habe er  den Irak verlassen. Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  seinen  Identitätsausweis,  einen  Parteiausweis  der  KDPI  sowie  eine  „Asylum  Seeker’s ID Card“ des UNHCR betreffend seinen Vater (mit dem Vermerk  "sieben Personen") zu den Akten. Mit  Schreiben  des  BFM  vom  26.  Juni  2009  wurde  das  UNHCR,  Desk  Switzerland, ersucht mitzuteilen, ob der Beschwerdeführer dem UNHCR  bekannt  sei,  ob  er  als  Flüchtling  anerkannt  und  allenfalls  in  ein  Resettlement  Programm  eingeschlossen  worden  sei.  Mit  Antwortschreiben  vom  8. Oktober  2009  teilte  das  UNHCR  Büro  für  die  Schweiz  und  Liechtenstein  der  Vorinstanz  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familienangehörigen  in  der  Türkei  nicht  registriert  worden  und  daher  dem  dortigen  UNHCR­Büro  nicht  bekannt  seien. Demgegenüber sei der Beschwerdeführer am (...) vom UNHCR in  L._______  (Irak)  als  Asylsuchender  registriert  worden  und  dessen  Fall  werde noch immer überprüft B.  Mit Verfügung vom 15. April 2010 – eröffnet am 16. April 2010 –  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  gleichzeitig  die  Wegweisung  sowie  deren  Vollzug  an.  Zur  Begründung  wurde angeführt, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers weder  die  Voraussetzungen  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  Flüchtlingseigenschaft  noch  diejenigen  von  Art.  7 AsylG an die Glaubhaftigkeit  erfüllten. Zudem sei der Vollzug der  Wegweisung in den Iran als möglich, zulässig und zumutbar zu erachten.

D­3540/2010 C.  Mit  Eingabe  vom  17.  Mai  2010  (Datum  Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde,  beantragte,  es  sei  der  angefochtene  Entscheid  der  Vorinstanz  aufzuheben,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen,  und  ersuchte  in  prozessualer Hinsicht  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 21. Mai 2010 wurde  dem Beschwerdeführer mitgeteilt,  dass er den Ausgang des Verfahrens  in der Schweiz abwarten könne. Antragsgemäss wurde auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses verzichtet und für die Behandlung der weiteren  Anträge auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art.  105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Ein  solches  Auslieferungsbegehren  besteht  nicht,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  entscheidet. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

D­3540/2010 durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs.  1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs.  1  VGG).  Vorliegend  wurde  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  im Wesentlichen  fest,  der Beschwerdeführer  habe  sich  bezüglich  der  Gefährdung  seines  Vaters  in  widersprüchliche  Aussagen  verstrickt. So habe er während der Erstbefragung angegeben, sein Vater 

D­3540/2010 sei  bei  einem  Protest  anlässlich  der  Trauerfeier  für  den  ermordeten  religiösen  Führer  von  den  iranischen  Sicherheitsbehörden  erkannt,  erwischt  und  darauffolgend  bedroht  worden.  Deshalb  hätten  sie  nicht  mehr  im  Iran bleiben können und seien gezwungen gewesen, wieder  in  den  Irak  auszureisen.  Bei  der  Bundesanhörung  habe  der  Beschwerdeführer  hingegen  ausgeführt,  die  Sicherheitsbehörden  hätten  seinen  Vater  bei  der  Protestdemonstration  nicht  gesehen.  Vier  Jahre  nach  dieser  Demonstration  hätten  Freunde  des  Vaters  diesen  gewarnt,  dass  die  Sicherheitsbehörden  von  dessen  Mitgliedschaft  bei  der  KDPI  wüssten und er deshalb im Iran nicht mehr sicher sei. Bei  der Bundesanhörung habe der Beschwerdeführer  zudem angeführt,  er  sei  wegen  seines  Vaters  in  der  Schule  aufgesucht  und  angewiesen  worden, diesem auszurichten, er habe sich bei den Behörden zu melden.  Ausserdem  hätte  er  sich  den Basidj  anschliessen  sollen.  Diesbezüglich  sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer diese Ereignisse anlässlich  der  Erstbefragung  mit  keinem  Wort  erwähnt  habe,  weshalb  ohnehin  gewisse  Zweifel  an  deren  Glaubhaftigkeit  bestünden. Weiter  handle  es  sich bei den Basidj um eine Einheit, die sich aus vorwiegend jugendlichen  Freiwilligen  zusammensetze  und  gegenwärtig  vor  allem  zur  Unterdrückung der Opposition  eingesetzt werde.  Für  eine Zugehörigkeit  werde absolute Loyalität gegenüber dem Regime vorausgesetzt. Im Falle  des Beschwerdeführers könne nicht gesagt werden, dass sich dieser als  besonders  loyal  gegenüber  dem  Regime  gezeigt  oder  sich  gar  als  Freiwilliger  gemeldet  hätte.  Dass  die  iranischen  Behörden  dennoch  ein  Interesse  an  seiner  Rekrutierung  gehabt  haben  sollen,  sei  vor  diesem  Hintergrund  als  realitätsfremd  zu  werten.  Dies  umso  mehr,  als  nach  eigenen Angaben  sein Vater  zur  gleichen Zeit wegen Zugehörigkeit  zur  regimefeindlichen KDPI gesucht worden sei. Daraus ergebe sich, dass dem Beschwerdeführer die angeblich geplante  Rekrutierung zu den Basidj sowie die Gefährdung seines Vaters seitens  der  iranischen  Sicherheitsbehörden  nicht  geglaubt  werden  könne.  Folglich  sei  auch  die  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  bei  einer  Rückkehr in den Iran wegen seines Vaters als unglaubhaft zu werten. Auch  die  eigene  Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  bei  der  KDPI  vermöge keine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung bei einer  Rückkehr  in den  Iran zu begründen. Der Beschwerdeführer  sei eigenen  Angaben  zufolge  erst  nach  der  Einreise  in  den  Irak Mitglied  der  Partei  geworden  und  dies  nur,  weil  sein  Vater  die  ganze  Familie  angemeldet 

D­3540/2010 habe. Selbst  sei  er  kaum politisch aktiv  gewesen und habe  lediglich an  einigen Versammlungen teilgenommen und Zeitschriften verteilt. Folglich  könne  ausgeschlossen  werden,  dass  er  im  Iran  als  KDPI­Mitglied  überhaupt  erkannt,  geschweige  denn  als  ernsthafte  Bedrohung  für  das  Regime  wahrgenommen  worden  sei  und  deswegen  eine  asylrelevante  Verfolgung zu befürchten hätte. Der Beschwerdeführer habe zudem geltend gemacht, er sei  im  Irak von  kurdischen  Terroristen  regelmässig  erpresst  und  zuletzt  mit  dem  Tod  bedroht worden. Ausserdem sei er  im Jahre (...) auch von einer Gruppe  von Arabern überfallen und mit einem Messer am Bein verletzt worden.  Dabei  handle es  sich um Ereignisse, welche dem Beschwerdeführer  im  Irak widerfahren seien. Da er sich diesen Behelligungen allerdings durch  einen  Wegzug  in  sein  Heimatland  Iran  –  wo  ihm  keine  asylrelevante  Verfolgung drohe – entziehen könne,  sei er diesbezüglich nicht auf den  Schutz der Schweiz angewiesen. 3.2.  Demgegenüber  brachte  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen vor, die Situation der Kurden habe  sich nach der Machtübernahme durch das Mullah­Regime verschlimmert  und  die  Unterdrückung  habe  in  den  letzten  Monaten  an  Intensität  zugenommen. So seien letzthin fünf Kurden, die aus politischen Gründen  inhaftiert  gewesen  seien,  ohne  fairen  Prozess  hingerichtet  worden.  Dutzende  weitere  Kurden  seien  noch  im  Gefängnis,  die  das  gleiche  Schicksal  erleiden  könnten.  Der  Krieg  zwischen  den  Kurden  und  den  iranischen Sicherheitskräften halte – wenn auch nicht  in einer  intensiven  Form – noch immer an. Die KDPI gelte noch immer als verbotene Partei  im Iran und deren Mitglieder und ihre Familien würden Gefahr laufen, von  den  iranischen  Sicherheitskräften  verhaftet,  gefoltert,  zu  langen  Gefängnisstrafen  verurteilt  oder  gar  ermordet  zu  werden.  Das  Mullah­ Regime betreibe sowohl  im  Iran als auch  im Ausland Staatsterrorismus.  Vor dem Hintergrund dieser Tatsache sei davon auszugehen, dass seine  Vorbringen der Wahrheit entsprechen würden. Um die Entführung seines  Vaters  und  seines  Bruders  und  ihre  Mitgliedschaft  in  der  KDPI  zu  beweisen, habe er diesbezüglich versucht, bei der KDPI eine Bestätigung  erhältlich zu machen. Er  habe  im Weiteren  das Erlebte  detailliert  und  plausibel  dargelegt  und  die Sachlage weder dramatisiert noch übertrieben. Sein Vater und somit  die ganze Familie sei wegen dessen Mitgliedschaft bei der KDPI im Visier  des  iranischen  Geheimdienstes  gestanden.  Es  sei  eine  bekannte 

D­3540/2010 Methode  des  iranischen  Staates,  dass  in  solchen  Fällen  alle  erwachsenen Männer  in  der  Familie  als  "Terroristen"  gelten würden. Er  habe  zu  Protokoll  gegeben,  dass  er  sich  selber  für  Politik  interessiert  habe  und  auch  selber  Mitglied  der  KDPI  sei.  Es  müsse  in  Gesamtwürdigung  des  Falles  zumindest  von  einer  Reflexverfolgung  seiner  Person  ausgegangen  werden.  Die  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  habe  die  Existenz  einer  solchen  Reflexverfolgung  für  Familienmitglieder  von  gesuchten  oder  inhaftierten  Personen  wiederholt  anerkannt  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 6,  EMARK 1994 Nr. 5). Bezüglich des Vorhalts widersprüchlicher und unglaubhafter Angaben sei  es eine Tatsache, dass sich die Mullah­Diktatur mit  allen Mitteln an der  Macht  zu  halten  versuche.  Gegen  die  Oppositionellen  würden  unter  anderem  auch  die  Basidj­Milizen  eingesetzt,  deren Mitglieder  eher  jung  seien  und  vor  allem  in  den  Schulen  rekrutiert  würden.  Da  sein  Vater  damals  mit  dem  iranischen  Geheimdienst  zusammengearbeitet  habe,  habe  ein  Vertrauen  zwischen  der  Familie  und  dem  erwähnten  Geheimdienst bestanden. Aus diesem Grund habe man von ihm verlangt,  sich  der  Basidj  anzuschliessen.  Die  anderweitigen  Ausführungen  der  Vorinstanz seien als unzutreffend zu erachten. Weiter  sei  der  Vorhalt  der  Vorinstanz,  wonach  seine  Mitgliedschaft  bei  der  KDPI  nicht  asylrelevant  sei,  als  realitätsfremd  zu  erachten.  So  sei  weltweit bekannt, dass der Iran täglich Oppositionelle hinrichte und jeder,  der  sich  nicht mit  dem Mullah­Regime  einverstanden  erkläre,  als  Feind  des  Regimes  gelte,  der  es  verdient  habe,  liquidiert  zu  werden.  Da  die  KDPI seit  ihrer Gründung für die Rechte des kurdischen Volkes kämpfe,  würden  deren  Mitglieder  und  Sympathisanten  als  Feinde  des  Regimes  gelten  und  mit  allen  Mitteln  bekämpft.  Aufgrund  der  vorherigen  Zusammenarbeit seines Vaters mit dem Geheimdienst sei seine Familie  den  iranischen  Behörden  bekannt.  Allein  aus  diesem  Grund  könne  er  nicht  in den Iran zurückkehren. Im Falle einer Rückkehr würde er mit an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  festgenommen  und  danach  sehr  wahrscheinlich  hingerichtet.  Somit  vermöchten  seine  übereinstimmenden  Vorbringen  den  Anforderungen  von  Art.  7  an  die  Glaubhaftigkeit  und  von  Art.  3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  genügen. 4. 

D­3540/2010 4.1. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum  Schluss,  dass  das  BFM  im  Rahmen  der  Prüfung  der  Asylvorbringen  aufgrund der ausgeführten einzelnen Aspekte zu Recht erkannt hat, dem  vom  Beschwerdeführer  in  der  vorgebrachten  Form  geltend  gemachten  Sachverhalt  könne  keine  Grundlage  zuerkannt  werden,  die  die  Voraussetzungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  respektive an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG erfüllen könnte. 4.2.  4.2.1.  Die  Entgegnungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vermögen  in  entscheidrelevanter  Hinsicht  nicht  zu  überzeugen.  So  vermag  der  pauschale Hinweis in der Rechtsmitteleingabe, wonach es eine Tatsache  sei, dass sich die Mullah­Diktatur mit allen Mitteln an der Macht zu halten  versuche,  die  von  der  Vorinstanz  aufgezeigten  Ungereimtheiten  im  Sachverhaltsvortrag  des Beschwerdeführers  –  insbesondere  hinsichtlich  der  angeführten  Gefährdung  des  Vaters  durch  die  iranischen  Sicherheitsbehörden – nicht als glaubhaft darzustellen. Das BFM hielt zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung  fest,  dass  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  den  Umständen,  wie  und  wann  die  iranischen  Sicherheitsbehörden  seinen  Vater  als  KDPI­Mitglied  enttarnt  sowie  als  Teilnehmer  der  Protestkundgebung  im  Jahre  (...)  erkannt  hätten,  klar  widersprüchlich  ausfielen  und  demnach  von  der  Vorinstanz  korrekt  als  unglaubhaft  qualifiziert  wurden.  Zwar  kommt  dem  Protokoll  des  Empfangszentrums  angesichts  des  summarischen  Charakters  nur  ein  beschränkter  Beweiswert  zu.  Widersprüche  dürfen  aber  für  die  Beurteilung der Glaubhaftigkeit  dann herangezogen werden, wenn klare  Aussagen  im  Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Befragung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral  abweichen,  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  im  Empfangszentrum  zumindest  ansatzweise  erwähnt  werden  (vgl.  EMARK  1993  Nr.  3).  Wie  oben  dargelegt widersprechen sich die Asylvorbringen des Beschwerdeführers  zur  angeblichen  Gefährdung  seines  Vaters  in  wesentlichen  Punkten  in  klarer  Weise,  weshalb  die  Vorinstanz  die  erwähnten  Widersprüche  zu  Recht zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzog. Überdies bestätigte  der  Beschwerdeführer  am  Schluss  der  jeweiligen  Befragungen  die  Korrektheit  und  Wahrheit  seiner  Angaben  nach  Rückübersetzung  unterschriftlich,  weshalb  er  sich  bei  seinen  Aussagen  behaften  lassen  muss.

D­3540/2010 Weiter  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  dass  die  iranischen  Behörden  gegen  die  Oppositionellen  unter  anderem  auch  die  Basidj­Milizen  einsetzen würden, deren Mitglieder eher jung seien und vor allem in den  Schulen  rekrutiert  würden.  Da  sein  Vater  damals  mit  dem  iranischen  Geheimdienst  zusammengearbeitet  habe,  habe  ein  Vertrauen  zwischen  der  Familie  und  dem  erwähnten  Geheimdienst  bestanden.  Aus  diesem  Grund  habe  man  von  ihm  verlangt,  sich  der  Basidj  anzuschliessen.  Dieses Vorbringen ist in casu jedoch als nicht stichhaltig zu erachten, sei  doch  sein  Vater  von  der  Etelaat  gezwungen  worden,  mit  dieser  zusammen  zu  arbeiten  (vgl.  act.  A30/21,  S.  13),  weshalb  von  einer  Vertrauensgrundlage  zwischen  dieser  und  der  Familie  des  Beschwerdeführers  kaum  die  Rede  sein  kann.  Ferner  bringt  der  Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe zum Vorhalt, wonach er  nur anlässlich der Bundesanhörung – nicht jedoch bei der Erstbefragung  – angegeben habe, er sei wegen seines Vaters in der Schule aufgesucht  und  angewiesen  worden,  diesem  auszurichten,  er  habe  sich  bei  den  Behörden  zu melden,  und  er  sei  zudem  aufgefordert  worden,  sich  den  Basidj  anzuschliessen,  was  gemäss  BFM  Anlass  zu  Zweifeln  an  der  Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen gebe, keinerlei stichhaltigen Argumente  vor,  die  die  vorinstanzliche  Einschätzung  umzustossen  vermöchten.  Deshalb  kann  diesbezüglich  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  vollumfänglich  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen  werden,  die  zu  bestätigen  sind.  Jedenfalls  vermag  der  pauschale Hinweis,  dass  das Mullah­Regime sowohl im Iran als auch im Ausland Staatsterrorismus  betreibe  und  vor  dem  Hintergrund  dieser  Tatsache  davon  auszugehen  sei,  seine  Vorbringen  würden  der  Wahrheit  entsprechen,  an  obiger  Erkenntnis nichts zu ändern. Soweit  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  anführt,  er  habe  versucht,  bei  der  KDPI  eine  Bestätigung erhältlich zu machen, um die Entführung seines Vaters und  seines  Bruders  und  ihre  Mitgliedschaft  in  der  KDPI  zu  beweisen,  ist  festzustellen,  dass  er  bis  dato  keine  solche  Bestätigung  zu  den  Akten  gereicht hat. Er hat  im Übrigen  im bisherigen Verlauf des Verfahrens an  keiner Stelle eine Entführung eines seiner Familienangehörigen erwähnt. 4.2.2.  Als  Zwischenresultat  ist  somit  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  angeführte Gefährdung  seines Vaters wegen  dessen  Zugehörigkeit zur KDPI seitens der iranischen Sicherheitskräfte sowie die  beabsichtigte  Rekrutierung  seiner  Person  für  die  Basidj  nicht  glaubhaft  gemacht  werden  konnten.  Daher  ist  eine  daraus  resultierende 

D­3540/2010 Gefährdung  des  Beschwerdeführers  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren,  weshalb  nicht  davon  auszugehen  ist,  dass  sein Vater, der Beschwerdeführer selber oder andere Familienmitglieder  im Visier der  iranischen Behörden gestanden haben könnten. Für  seine  Befürchtung,  er  könnte  einer  Reflexverfolgung  (staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  eines  flüchtigen  Aktivisten)  ausgesetzt  werden, bestehen demnach keine objektiven Hinweise. 4.2.3. Der Beschwerdeführer  bringt  hinsichtlich  seiner Mitgliedschaft  zur  KDPI  vor,  da  der  Krieg  zwischen  den  Kurden  und  den  iranischen  Sicherheitskräften  noch  immer  anhalte  und  die  KDPI  noch  immer  als  verbotene  Partei  im  Iran  gelte,  würden  unter  anderem  deren Mitglieder  Gefahr  laufen, von den  iranischen Sicherheitskräften verhaftet, gefoltert,  zu  langen  Gefängnisstrafen  verurteilt  oder  gar  ermordet  zu  werden.  Diesbezüglich  kann  dem  Beschwerdeführer  jedoch  keine  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung  attestiert  werden.  So  wurde  er  erst  nach  seiner  Einreise  in  den  Irak  Mitglied  der  KDPI  und  führte  dort  lediglich  zeitlich  limitierte  und  untergeordnete  Aktivitäten  für  die  Partei  aus.  Dass  dem  iranischen  Regime  seine  Mitgliedschaft  unter  diesen  Umständen  und  aufgrund  obiger  Erwägungen  zur  Glaubhaftigkeit  in  irgendeiner  Weise  bekannt  geworden  wäre,  ist  vorliegend  auszuschliessen. Die auf Beschwerdeebene erwähnten Geschehnisse im  Zusammenhang  mit  der  Situation  der  kurdischen  Bevölkerung  im  Iran  (Hinrichtungen,  Ermordungen,  Verurteilungen)  vermögen  zu  keiner  anderen  Beurteilung  des  Sachverhaltes  zu  führen,  zumal  die  geschilderten  Probleme  und  Verfolgungsmassnahmen  grundsätzlich  politisch aktive und exponierte Kurden betreffen. 4.2.4.  Insofern  der  Beschwerdeführer  schliesslich  auf  die  im  Irak  erlittenen Probleme mit  kurdischen Terroristen und Arabern hinweist,  ist  anzuführen,  dass  er  sich  diesen Behelligungen  – wie  die Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  zutreffend  erwog  –  durch  einen  Wegzug  in  seine  Heimat,  wo  er  keiner  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  ist,  entziehen kann, weshalb diese asylrechtlich unbeachtlich bleiben. 4.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass der Beschwerdeführer  die  Voraussetzungen  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat  daher  zu  Recht  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  abgelehnt.  Es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  einzugehen,  da  sie  an  dieser  Würdigung nichts zu ändern vermögen.

D­3540/2010 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510,  EMARK 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 6.2.  6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

D­3540/2010 6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seinen  Heimatstaat  Iran  ist  demnach  unter  dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  jedoch  nicht  der  Fall,  zumal  –  wie  oben  unter  Erwägung.  4  eingehend  dargelegt  wurde  –  die  geltend  gemachte  Verfolgungssituation einerseits  nicht  geglaubt und andererseits als nicht  asylrelevant  werden  kann.  Auch  die  Hinweise  auf  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  vermögen  diesbezüglich  zu  keiner  anderen  Beurteilung  des  Sachverhaltes  zu  führen.  Sodann  lassen  sich  auch aus der Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Volksgruppe der  Kurden keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung entnehmen. Die rund 5  Millionen Kurden im Iran (7 % der iranischen Gesamtbevölkerung)  leben  vorwiegend im Nordwesten des Landes. Als Mehrheit der Bevölkerung in  dieser  Region  haben  sie  –  sofern  nicht  politisch  exponiert  –  keine  Probleme mit den iranischen Behörden zu befürchten. 6.2.4. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3.  6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 

D­3540/2010 allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 6.3.2. Bezüglich  des  Iran  kann  zum  jetzigen  Zeitpunkt  nicht  von  Krieg,  Bürgerkrieg oder von einer Situation allgemeiner Gewalt, welche für den  Beschwerdeführer bei einer Rückkehr dorthin eine konkrete Gefährdung  darstellen würde, gesprochen werden. An dieser Feststellung vermögen  auch  die  Ereignisse  im  Zusammenhang  mit  der  umstrittenen  Präsidentenwahl  vom  Juni  2009  und  der  damit  in  Zusammenhang  stehende  Trend  zu  vermehrter  Kontrolle  und  Überwachung  der  Zivilbevölkerung nichts zu ändern (vgl. BVGE 2009/28 E.7.3.1). 6.3.3.  Sodann  bestehen  auch  keine  anderen  Hinweise,  dass  der  Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr in den Iran in eine konkrete, seine  Existenz bedrohende Situation geraten könnte. Er  ist  jung, alleinstehend  und  soweit  aktenkundig  gesund.  Zwar  lebte  er  ab  dem  Jahre  (...)  respektive  ab  seinem  (...)  Lebensjahr  zusammen mit  seinen  Eltern  und  Geschwistern im Irak, absolvierte jedoch seine gesamte (...) Schulbildung  im  Iran  und  spricht  neben  seiner  Muttersprache  Sorani  auch  gut  Farsi  (vgl. A1 S.  2). Zudem verfügt  er über eine mehrjährige Berufserfahrung  als Arbeiter  auf  dem Bau. Weiter  ist  davon  auszugehen,  dass  seine  im  Iran  verbliebenen Verwandten  (Grosseltern, Onkel  und  Tanten)  ihm  bei  der Integration behilflich sein werden (vgl. act. A1/13, S. 2; act. A30/21, S.  5). 6.3.4.  Angesichts  der  gesamten  Umstände  kann  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als zumutbar bezeichnet werden. 6.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG, BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.). 6.5. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug  zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

D­3540/2010 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­3540/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-3540/2010 — Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-3540/2010 — Swissrulings