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Bundesverwaltungsgericht 23.09.2011 D-337/2008

23. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,331 Wörter·~12 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Dezember 2007

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­337/2008 Urteil   v om   2 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M., (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 14. Dezember 2007 / N _______.

D­337/2008 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  die  Beschwerdeführerin  –  eine  Staatsangehörige Äthiopiens und ethnische Oromo aus B._______ –  ihr  Heimatland  via  C._______  am  12.  Dezember  2005  in  Richtung  D._______.  Von  E._______  flog  sie  via  F._______  am  19.  Dezember  2005  nach  G._______,  ehe  sie  am  21. Dezember  2005  im  Empfangs­  und Verfahrenszentrum (EVZ) (…) um Asyl nachsuchte.  B.  Zur  Begründung  ihres  Gesuches  brachte  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Befragung  vom  9.  Januar  2006  im  EVZ  (…)  und  der  Anhörung vom 10. Februar 2006 durch die zuständige kantonale Behörde  im  Wesentlichen  vor,  sie  habe  zusammen  mit  ihrem  Bruder  und  ihrer  Freundin  gelebt.  Am  2.  November  2005  sei  ihr  Bruder  von  drei  bewaffneten Männern  in  Zivil  von  zu Hause mitgenommen worden. Am  29. November 2005 seien drei Männer zu ihr nach Hause gekommen und  hätten  ihr  mitgeteilt,  dass  sie  ihren  Bruder  umbringen  würden.  Sie  sei  aufgefordert  worden,  Geld  mitzunehmen,  welches  ihr  sogleich  wieder  weggenommen worden sei. Die Männer hätten sie  in einem Auto  in ein  abgelegenes  Haus  in  H._______  gebracht.  Dort  sei  sie  während  fünf  Tagen  festgehalten  und  mehrfach  vergewaltigt  worden.  Einer  der  Entführer  habe  ihr  gegen  Bezahlung  von  3'000  äthiopischen  Birr  zur  Flucht verholfen. Daraufhin habe sie sich nach C._______ begeben. C.  Mit Verfügung vom 14. Dezember 2007 – eröffnet am 18. Dezember 2007  – lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  ab  und  ordnete  deren Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen  damit,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  standhielten,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft  nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. D.  Mit  Eingabe  vom  17.  Januar  2008  liess  die  Beschwerdeführerin  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin 

D­337/2008 festzustellen  und  ihr  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen  und auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses  zu  verzichten. Mit  ihrer  Rechtsmitteleingabe  reichte  die  Beschwerdeführerin  eine  Fürsorgebestätigung zu den Akten. Auf die Begründung der Beschwerde  wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. E.  Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  vom  24.  Januar  2008  wurde  der  Beschwerdeführerin mitgeteilt,  dass sie den Ausgang des Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Zudem  verschob  er  den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  in  den  Endentscheid  und  verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Überdies forderte  er  die  Vorinstanz  in  Anwendung  von  Art.  57  VwVG  auf,  bis  zum  13.  Februar 2008 eine Vernehmlassung einzureichen. F.  In ihrer Vernehmlassung vom 11. Februar 2008 beantragte die Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlassung  wurde  der  Beschwerdeführerin am 14. Februar 2008 zur Kenntnisnahme zugestellt. G.  Der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  reichte  mit  Schreiben  vom  13. März 2008 einen ausführlichen psychiatrischen Arztbericht (datiert auf  den 14. März 2008) zu den Akten,  in welchem  ihr  (Auflistung Diagnose)  diagnostiziert  wurden.  Dieser  Bericht  bestätige  die  in  der  Beschwerde  gemachten  Ausführungen  vollumfänglich.  So  sei  die  diagnostizierte  Erkrankung, insbesondere die (…), klar auf ein Ereignis sexueller Gewalt,  also  auf  die  Vergewaltigung  zurückzuführen.  Gleicher  Ursache  sei  gemäss  ärztlichem  Bericht  aber  auch  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  unter  Gedächtnis­  und  Konzentrationsschwierigkeiten  leide  und  zudem  kaum  in  der  Lage  sei,  über  die  erlebten  Ereignisse  zu  berichten,  beziehungsweise  diesbezügliche  Gespräche  möglichst  schnell  hinter  sich  bringen  wolle.  Der  vorliegende  Arztbericht  sehe  als  notwendige  Behandlung  eine  regelmässige  psychotherapeutische  Behandlung  vor.  Eine  solche  sei  jedoch  in  Äthiopien  nicht  möglich,  aber  aufgrund  ihres 

D­337/2008 Gesundheitszustandes  unbedingt  notwendig.  Eine  Wegweisung  erscheine  also  auch  aus  medizinischen  Gründen  als  unzulässig  und  unzumutbar.  Das  neue  Beweismittel  müsse  entsprechend  gewürdigt  werden. H.  Mit Schreiben  vom 20. April  2009  reichte die Beschwerdeführerin  einen  weiteren Arztbericht (datiert auf den 2. April 2009) zu den Akten. Gemäss  diesem  Bericht  hätten  sich  die  (…)  und  die  (…)  durch  die  Therapie  gebessert, seien jedoch noch nicht stabil. Zudem werde erneut bestätigt,  dass  der  unsichere  Aufenthaltsstatus  nach  wie  vor  eine  grosse  psychische  Belastung  darstelle.  Überdies  sei  die  als  sinnvoll  indizierte  Behandlung noch nicht abgeschlossen. I.  Mit  Verfügung  vom  30.  November  2010  wurde  die  Vorinstanz  in  Anwendung  von  Art.  57  VwVG  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme  unter  spezieller  Berücksichtigung  der  beiden  psychiatrischen  Berichte  vom 14. März 2008 und vom 2. April 2009 eingeladen. J.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  14.  Dezember  2010  zog  das  BFM  seine  Verfügung vom 14. Dezember 2007, soweit sie sich auf den Vollzug der  Wegweisung bezieht,  in Wiedererwägung, nahm die Beschwerdeführerin  infolge Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf und hob  deshalb  die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  seiner  Verfügung  vom  14.  Dezember 2007 auf. K.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  Januar  2011  bekam  die  Beschwerdeführerin Gelegenheit, ihre Beschwerde vom 17. Januar 2008  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  Dezember  2007  –  soweit  jene  nicht gegenstandslos geworden ist – zurückzuziehen. L.  Gemäss Mitteilung  ihres Rechtsvertreters  vom 19.  Januar 2011 hält  die  Beschwerdeführerin an der Beschwerde im Asylpunkt fest.

D­337/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  ersucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Ein solches Auslieferungsbegehren besteht nicht, weshalb  das Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

D­337/2008 Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Zur  Begründung  ihres  Entscheides  führte  die  Vorinstanz  aus,  Vorbringen seien dann widersprüchlich, wenn im Verlaufe des Verfahrens  zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht würden. Die  Beschwerdeführerin habe anlässlich der Befragung geltend gemacht, sie  sei am 30. November 2005 sowohl am Morgen als auch am Nachmittag  von  je  einem Mann  vergewaltigt worden  (vgl. A1, S.  5). Danach  sei  sie  jeden Tag von diversen weiteren Männern vergewaltigt worden. Bei jeder  Wachablösung habe sie sexuelle Übergriffe zu erleiden gehabt  (vgl. A1,  S.  5).  Demgegenüber  habe  sie  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  ausgeführt,  am  Nachmittag  des  30.  November  2005  sei  sie  von  einem  Mann  und  am  nächsten  Tag  von  zwei  Männern  nacheinander  vergewaltigt  worden  (vgl.  A10,  S.  8  f.).  Insgesamt  sei  sie  zwei  Mal  vergewaltigt  worden,  wobei  beim  zweiten  Mal  zwei  Männer  beteiligt  gewesen  seien  (vgl.  A10,  S.  9).  Aufgrund  dieser  widersprüchlichen  Aussagen in zentralen Sachverhaltselementen könne den Vorbringen der  Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden. Im  Weiteren  seien  Vorbringen  dann  unglaubhaft,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  der  allgemeinen  Erfahrung  oder  der  Logik  des  Handelns  widersprechen  würden.  Die  Beschwerdeführerin  habe  zu  Protokoll  gegeben,  der  Mann,  welcher  ihr  zur  Flucht  verholfen  habe,  heisse  X._______  (vgl.  A10,  S.  9).  Es  sei  aber  nicht  nachvollziehbar,  dass  ihr  dieser  Mann  seinen  Namen  genannt  haben  solle.  Auch  seien  ihre Angaben bezüglich der angeblich erlittenen Vergewaltigungen wenig  substanziiert  und  vermittelten  nicht  den  Eindruck  von  tatsächlich  Erlebtem.  Es  fehlten  insbesondere  individualisierte  Aussagen,  welche  ihre  persönliche  Betroffenheit  zum  Ausdruck  bringen  würden.  Sodann 

D­337/2008 halte  die Beschwerdeführerin  fest,  sie  sei  von Äthiopien  in  die Schweiz  gereist, ohne dass sie selbst irgendwelche Reisepapiere habe vorweisen  müssen.  Bei  den  Grenzkontrollen  habe  der  Schlepper  jeweils  Reisedokumente  für  sie  vorgewiesen,  unter  anderem  auch  bei  der  Einreise in die Schweiz am Flughafen G._______. Unter welcher Identität  sie  gereist  sei,  wisse  sie  nicht  (vgl.  A1,  S.  5  f.  und  A10,  S.  5).  Diese  Angaben müssten jedoch als realitätsfremd qualifiziert werden. So sei es  insbesondere nicht möglich, am Flughafen G._______ die Passkontrolle  zu  passieren,  ohne  sich  persönlich  ausweisen  zu  müssen.  Diese  realitätsfremden Aussagen in wichtigen Punkten würden die bereits zuvor  gezogene Schlussfolgerung untermauern, wonach  ihren Vorbringen kein  Glaube geschenkt werden könne. Wer  um  Asyl  nachsuche,  sei  verpflichtet,  innert  48  Stunden  gültige  Reisepapiere  und  Identitätsdokumente  abzugeben.  Die  Beschwerdeführerin  habe  dies  aber  nicht  getan,  obwohl  sie  bereits  am  21.  Dezember  2005  im  EVZ  (…)  dazu  aufgefordert  worden  sei.  Somit  stehe  weder  ihre  Identität,  noch  der  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat, noch ihr Reiseweg zweifelsfrei fest. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  stand,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Demzufolge  erfülle  sie  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. 4.2. Nach der Abhandlung des bereits bekannten Sachverhalts wird in der  Beschwerdeeingabe  vom  17.  Januar  2008  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  dass  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin  vorwerfe,  ihre  Vorbringen  seien  nicht  glaubhaft,  da  sie  sich  bezüglich  der  erlebten  Vergewaltigungen  widerspreche.  Dieser  Argumentation  könne  nicht  gefolgt  werden.  Die  Beschwerdeführerin  sei  mehrfach  vergewaltigt  worden. Diese Vergewaltigungen seien die ersten sexuellen Erfahrungen  der  damals  erst  (…)­Jährigen  gewesen.  Bei  der  Anhörung  habe  sie  angegeben, nach der ersten Vergewaltigung sehr müde gewesen zu sein,  habe  aber  trotzdem wahrgenommen,  dass  sie  der  Mann  dort  gelassen  habe  (vgl.  A10,  S. 9).  Diese  Aussage  zeige,  dass  sie  nach  der  Vergewaltigung wie benommen gewesen sei und die Ereignisse nur noch  in  diesem  benommenen  Zustand  wahrgenommen  habe.  Es  erscheine  klar,  dass  infolge  derartiger  unvorstellbar  traumatischer  Erlebnisse  die  Erinnerungen  beeinträchtigt  seien.  Noch  heute  könne  sich  die  Beschwerdeführerin  nur  sehr  schlecht  an  das  Erlebte  erinnern. 

D­337/2008 Traumatische  Erlebnisse  würden  als  aussergewöhnliche  Erfahrungen  gelten  und  könnten  beispielsweise  wie  im  vorliegenden  Fall  durch  das  Erleben  von  sexueller  Gewalt  hervorgerufen  werden.  Sie  würden  den  Rahmen üblicher menschlicher Erfahrungen sprengen und überwältigten  die normalen seelischen und biologischen Anpassungsmechanismen des  Menschen.  Traumatische  Erlebnisse  bedrohten  das  Leben  oder  die  körperliche  Unversehrtheit  und  würden  den  Betroffenen  in  extreme  Hilflosigkeit  und Angst  versetzen. Daher  sei das Wissen über Traumata  und ihre Auswirkungen für die Haltung gegenüber Überlebenden solcher  Beeinträchtigungen von grosser Bedeutung. Im Rahmen der Anhörung in  einem Asylverfahren müsse  gebührend  berücksichtigt  werden,  dass  bei  einem  Traumaopfer  nicht  die  gleichen  Anforderungen  an  das  Erinnerungsvermögen  gestellt  werden  dürften,  wie  bei  einem  psychisch  gesunden  Menschen.  Das  BFM  habe  diesen  Aspekt  jedoch  gänzlich  unbeachtet  gelassen.  Deshalb  müsse  betont  werden,  dass  Erinnerungsstörungen  mit  einer  Traumatisierung  infolge  eines  traumatischen Erlebnisses einhergingen. Die Unfähigkeit, sich an genaue  Details widerspruchsfrei zu erinnern, spreche gerade für und nicht gegen  die  Glaubhaftigkeit  des  Opfers.  Die  Beschwerdeführerin  bemühe  sich,  professionelle Hilfe zu erhalten, und sobald das Krankheitsbild genügend  erstellt sei, werde ein diesbezüglicher ärztlicher Bericht umgehend an die  Asylbehörden weitergereicht. Obschon  (bis  dahin)  noch  kein  detailliertes  ärztliches  Zeugnis  vorliege,  könne  trotzdem  zusammengefasst  werden,  dass  widersprüchliche  Aussagen  eines  Vergewaltigungsopfers  nicht  auf  eine  erfundene  Geschichte  hinwiesen  beziehungsweise  deren  Unglaubhaftigkeit  bedeuten  müssten.  Dies  sei  wissenschaftlich  untermauert  und  widerspreche  den  Feststellungen  der  Vorinstanz.  Zudem  sei  zu  bedenken,  dass  die  Anhörung  und  die  Befragung  sehr  zeitnah  zu  den  erlebten  Vergewaltigungen  und  der  überstürzten  Flucht  erfolgt  seien.  Dabei  habe  sich  die  Beschwerdeführerin  immer  noch  in  einem  höchst  traumatisierten Zustand befunden. Bezeichnend hierfür sei, dass sie sich  heute nicht mehr erinnern könne, ob die Befragung von einem Mann oder  einer Frau durchgeführt worden sei. Weiter  habe  das  Bundesamt  geltend  gemacht,  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  betreffend  die  Vergewaltigungen  seien  wenig  substanziiert  und  vermittelten  nicht  den  Eindruck  von  tatsächlich  Erlebtem. Es  fehle  insbesondere an  individualisierten Aussagen, welche  ihre persönliche Betroffenheit zum Ausdruck bringen würden. Betreffend 

D­337/2008 dieses Argument  sei  ebenfalls  auf  die  bereits  gemachten Ausführungen  zu verweisen. Durch die Vorinstanz unberücksichtigt geblieben sei zudem  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  bis  zur  Kurzbefragung  nie  über  sexuelle  Fragen  oder  Erlebnisse  gesprochen  und  sich  ob  der  erlebten  Ereignisse  geschämt  habe.  Aus  dem  ersten  Protokoll  werde  dann  auch  klar,  dass  sie  versucht  habe,  den  Bericht  über  die  Vergewaltigungen möglichst schnell hinter sich zu bringen. Die Befragung  sei  dann  äusserst  summarisch  ausgefallen.  Aber  auch  im  zweiten  Interview scheine die Beschwerdeführerin noch kein Vertrauensverhältnis  zur Befragerin aufgebaut zu haben. Weiter treffe auch die Aussage nicht  zu, es entstehe der Eindruck, dass sie die Ereignisse nicht selber erlebt  habe.  So  betone  sie  bei  der  Anhörung  immer  wieder,  dass  sie  diesen  Handlungen nicht  zugestimmt habe,  sondern dass  sie  dazu gezwungen  worden  sei  (vgl.  A10,  S.  8).  In  diesen  Aussagen  drücke  sich  klar  ihre  Scham aus, wäre es ansonsten nicht nötig, ständig zu betonen, dass man  bei einer Vergewaltigung nicht freiwillig mitgemacht habe. Zudem wiesen  ihre  Ausführungen  sehr  wohl  auch  detaillierte  Angaben  auf.  So  beschreibe sie sowohl das Zimmer,  in welchem sie vergewaltigt worden  sei, als auch ihren Vergewaltiger sehr genau (vgl. A10, S. 8). Um über die  Vergewaltigung detailliert zu erzählen,  fehle offenbar noch  ihr Vertrauen  in die Befragerin. Zum  anderen  mache  die  Vorinstanz  geltend,  es  entspreche  nicht  der  allgemeinen  Erfahrung  oder  der  Logik  des  Handelns,  dass  der  Mann,  welcher  der  Beschwerdeführerin  zur  Flucht  verholfen  habe,  ihr  seinen  Namen  nenne.  Zudem  sei  realitätsfremd,  dass  sie  nicht  wisse,  unter  welcher  Identität  sie  ausgereist  sei.  Auch  dieser  Argumentation  könne  nicht  gefolgt werden. Als  die Beschwerdeführerin mit  ihrer Freundin  am  Telefon  gesprochen  habe,  um  die  Geldübergabe  zu  vereinbaren,  habe  die  Freundin  sie  nach  dem  Namen  des  Mannes  gefragt,  dem  sie  das  Geld  übergeben müsse.  Dieser  habe  daraufhin  den  Namen  X._______  angegeben. Dies widerspreche in keiner Art und Weise der Logik, sei es  doch  für die Geldübergabe nötig, einen Namen als Erkennungsmerkmal  anzugeben.  Ob  es  sich  dabei  um  den  richtigen  oder  einen  falschen  Namen  gehandelt  habe,  wisse  die  Beschwerdeführerin  nicht.  Bezüglich  der  Freundin  sei  an  dieser  Stelle  noch  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführerin  entgegen  den  Aussagen  der  Befragerin  an  der  Anhörung  (vgl.  A10,  S.  12)  bereits  bei  der  Kurzbefragung  ausgesagt  habe,  dass  diese  bei  ihnen  gewohnt  habe.  Dies  könne  nämlich  ohne  weiteres  aus  der  Aussage,  die  Freundin  sei  von  der  Familie  adoptiert  worden  (vgl.  A1,  S.  5),  geschlossen  werden.  Weiter  sei  auch  die 

D­337/2008 Tatsache  der  Unkenntnis  der  Identität,  unter  welcher  die  Beschwerdeführerin  ausgereist  sei,  nicht  realitätsfremd.  Sie  habe  die  Grenzkontrolle  in G._______ mit dem Schlepper überquert. Dabei seien  sie  zu  zweit  zum  Beamten  gegangen  und  hätten  dort  beide  Pässe  gezeigt.  Dies  entspreche  durchaus  dem  Üblichen  für  gemeinsam  reisende  Personen,  zumal  es  möglich  sei,  dass  der  Schlepper  sie  als  seine Tochter oder sonstige Verwandte ausgegeben habe. Gesamthaft betrachtet sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die  geltend  gemachten  Vorbringen  tatsächlich  erlebt  habe.  Mit  der  Asylrelevanz  der  Vorbringen  setze  sich  das  Bundesamt  erst  gar  nicht  auseinander. Die Beschwerdeführerin berufe sich zwar nicht primär und  unmittelbar auf eine ethnisch, religiös oder politisch motivierte Verfolgung,  sondern  mache  sinngemäss  geltend,  aufgrund  der  Bedeutung  des  Phänomens  der  Gewalt  gegen  Frauen  nicht  mit  dem  Schutz  des  äthiopischen  Staates  vor  Übergriffen  rechnen  zu  können.  Ziele  der  Verfolger  mit  gewissen  Massnahmen  darauf  ab,  das  weibliche  Geschlecht  zu  unterdrücken,  sei  das  für  die  Entstehung  der  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG beziehungsweise Art.  1 A Ziff. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der  Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  relevante Verfolgungsmotiv gegeben  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 2 E. 5b/cc S. 18). Mit anderen  Worten  könne  in  der  Verfolgung  einer  Frau  wegen  ihres  Geschlechts  grundsätzlich ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsmotiv erblickt  werden. In casu werde der Beschwerdeführerin der staatliche Schutz vor  Verfolgung durch ihren Peiniger verwehrt bleiben, da häusliche Gewalt im  länderspezifischen  Kontext  von  den  Behörden  ignoriert  werde.  Es  sei  festzustellen,  dass  das  Ausbleiben  adäquaten  staatlichen  Schutzes  vor  ihren  Verfolgern  in  einer  Diskriminierung  aufgrund  ihres  Geschlechts  begründet  liege.  Es  sei  daher  offensichtlich,  dass  weibliche  Opfer  von  Gewalttaten  nicht  denselben  staatlichen  Schutz  erhielten,  mit  dem  im  Allgemeinen männliche Opfer privater Gewalt rechnen könnten. Darin sei  ein  flüchtlingsrechtlich  erhebliches  Verfolgungsmotiv  zu  erblicken  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  32).  Das  BFM  habe  fälschlicherweise  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  nicht  festgestellt  und  verletze  so  Art.  3  AsylG.  Die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  daher  vollumfänglich aufzuheben. Zusammenfassend  habe  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  dieser  Erläuterungen ihre Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen, zumindest aber 

D­337/2008 glaubhaft  im  Sinne  von  Art.  7  AsylG  gemacht.  Die  Folge  sei  die  Anerkennung  als  Flüchtling  im  Sinne  der  Genfer  Flüchtlingskonvention.  Da keine Ausschlussgründe vorlägen, sei ihr Asyl zu gewähren. 5.  5.1.  Der  Untersuchungsgrundsatz  gehört  zu  den  allgemeinen  Grundsätzen des Asylverfahrens  (Art.  12 VwVG). Er bedeutet,  dass die  Behörde gehalten  ist, von Amtes wegen für die richtige und vollständige  Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Unvollständig  ist  die  Sachverhaltsfeststellung,  wenn  nicht  alle  für  den  Entscheid  rechtsrelevanten  Sachumstände  berücksichtigt  wurden,  unrichtig,  wenn  der  Verfügung  ein  falscher  und  aktenwidriger  Sachverhalt  zugrunde  gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht  verneint  wird,  so  dass  diese  nicht  zum  Gegenstand  eines  Beweisverfahrens  gemacht  wird,  oder  weil  Beweise  falsch  gewürdigt  worden  sind  (vgl.  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, Rz 630  ff.). Gemäss Art.  106 Bst.  b AsylG bildet  denn auch die unrichtige oder  unvollständige Feststellung  des Sachverhalts  neben der Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  der  Überschreitung  oder  Missbrauchs  des  Ermessens (Art. 106 Bst. a AsylG) und der Unangemessenheit (Art. 106  Bst.  c  AsylG)  einen  Beschwerdegrund.  Die  Pflicht  der  Behörden  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  ist  unabdingbar  (Art. 12  VwVG;  vgl.  auch  Art. 106  Bst. b  AsylG). 5.2.  Wie  von  der  Vorinstanz  zutreffend  festgehalten,  sind  in  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  zwar  Widersprüche  auszumachen,  doch  reichen  diese  nicht  aus,  um  auf  eine  Prüfung  der  Asylrelevanz  gänzlich zu verzichten. Die eingereichten Arztberichte vom 14. März 2008  und  vom  2. April  2009 weisen  darauf  hin,  dass  die  Beschwerdeführerin  wohl  Opfer  von  sexueller  Gewalt  geworden  beziehungsweise mehrfach  vergewaltigt  worden  ist.  Nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  kann  nicht  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  ausgeschlossen  werden,  dass  sie  vergewaltigt  wurde,  so  dass  die  diesbezügliche  Asylrelevanz  hätte  geprüft  werden  müssen.  Die  in  den  eingereichten  ärztlichen Zeugnissen gestellten Diagnosen erscheinen zudem vereinbar  mit  dem  vorgebrachten  Erlebnis  einer  sexuellen  Gewalterfahrung.  Das  BFM  schliesst  insbesondere  aus  den  unterschiedlichen  Angaben  der 

D­337/2008 Beschwerdeführerin  betreffend  die  Anzahl  der  erlittenen  Vergewaltigungen  beziehungsweise  der  daran  beteiligten  Männer  gesamthaft auf die Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen, ohne sich mit den  geltend  gemachten  Gewaltübergriffen  auseinanderzusetzen.  Seine  diesbezüglichen  Erwägungen  sind  in  Anbetracht  der  eingereichten  Arztberichte indessen zu wenig substanziiert ausgefallen. Die Vorinstanz  wäre  gehalten  gewesen,  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  beziehungsweise  die  Vorkommnisse  einer  vertieften  Abklärung  zu  unterziehen und auf ihre Asylrelevanz hin zu überprüfen.  5.3.  Hinsichtlich  der  Frage  der  Asylrelevanz  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  die  –  wie  nachstehend  ausgeführt  –  vom  BFM  zu  prüfen  sein  wird,  ist  bereits  an  dieser  Stelle  festzuhalten,  dass  eine  Verfolgung  durch  Dritte  nach  der  nunmehr  auch  für  die  Schweiz  massgebenden  Schutztheorie  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  18)  dann  flüchtlingsrechtlich relevant ist, wenn der um Asyl nachsuchenden Person  im  Heimatland  kein  adäquater  Schutz  zur  Verfügung  steht.  Schutz  vor  nichtstaatlicher  Verfolgung  im  Heimatstaat  ist  als  ausreichend  zu  qualifizieren,  wenn  die  betroffene  Person  effektiv  Zugang  zu  einer  funktionierenden  und  effizienten  Schutzinfrastruktur  hat  und  ihr  die  Inanspruchnahme  eines  solchen  innerstaatlichen  Schutzsystems  individuell  zumutbar  ist.  Eine  Garantie  für  langfristigen  individuellen  Schutz kann  jedoch nicht verlangt werden. Keinem Staat gelingt es, die  absolute  Sicherheit  aller  seiner  Bürger  jederzeit  und  überall  zu  garantieren  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­2838/2007 vom 15. Mai 2009; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.3.2. S. 204;  EMARK 1996 Nr. 28 S. 271 f.). 6.  6.1. Die asylrechtliche Beschwerde ist vom Grundsatz her reformatorisch  ausgestaltet. Die Kassation eines materiellen Entscheides der Vorinstanz  kommt  nur  ausnahmsweise  in  Frage,  etwa  wenn  der  Sachverhalt  als  ungenügend  erstellt  zu  erachten  ist  (Art.  61  Abs.  1  VwVG;  vgl.  KÖLZ/HÄNER,  a.a.O.,  Rz  694).  Ob  die  in  diesen  Fällen  fehlende  Entscheidungsreife  durch  die  Vorinstanz  oder  durch  die  Rechtsmittelinstanz  herzustellen  sei,  ist  bei  reformatorischen  Rechtsmitteln  eine  Frage  der  Abwägung  nach  Gesichtspunkten  der  Prozessökonomie  (vgl.  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl., Bern 1983, S. 232 f.).

D­337/2008 6.2.  Im vorliegenden Fall stellen sich Fragen  im Zusammenhang mit der  Gewährung  von  staatlichem  Schutz  bei  Frauen,  die  in  Äthiopien  Opfer  physischer und psychischer Gewalt beziehungsweise sexueller Übergriffe  geworden  sind  oder  solche  zu  befürchten  haben.  Eine  einlässliche  Analyse der Situation bedarf allerdings weiterer Abklärungen, weshalb die  notwendige  Entscheidreife  für  einen  reformatorischen  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  gegeben  ist;  um  ferner  der  Beschwerdeführerin  nicht  eine  Instanz  zu  nehmen,  ist  es  demnach  angezeigt,  die  Sache  an  das  Bundesamt  zur  Vornahme  der  nicht  unerheblichen  Sachverhaltsabklärungen  zurückzuweisen  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 180 Rz. 3.194). 6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  ein  reformatorischer  Entscheid  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  angezeigt,  da  der  Sachverhalt  im  Zusammenhang mit  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  betreffend  die  glaubhaft  vorgebrachten  und  an  ihr  verübten  physischen  und  psychischen  beziehungsweise  geschlechtsspezifischen  Gewaltdelikte  und  deren  Asylrelevanz  nicht  als  zur  Genüge  erstellt  erachtet  werden  kann.  Es  erscheint  sachgerecht,  das  Verfahren  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen, damit das BFM die nötigen Abklärungen vornimmt und  diese  im  Rahmen  eines  neuen  beschwerdefähigen  Entscheids  einer  rechtlichen Würdigung unterzieht. 7.  Zusammenfassend ergibt sich, dass der rechtserhebliche Sachverhalt im  Zusammenhang  mit  frauenspezifischer  Gewalt  in  Äthiopien  und  deren  Asylrelevanz  im  vorliegenden  Fall  unvollständig  festgestellt  worden  ist.  Angesichts dieses Umstandes  ist die Beschwerde vom 17. Januar 2008  gutzuheissen, die angefochtene Verfügung – soweit sie nicht bereits als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben  ist  –  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  das  BFM  zurückzuweisen.  Die  Vorinstanz  ist  im  Sinne  der  obigen  Erwägungen  aufzufordern,  die  Durchführung  einer  eingehenden  Lageanalyse  über  Gewalt an Frauen in Äthiopien und deren Schutzmöglichkeiten durch den  Staat  oder  private  Institutionen  durchzuführen  beziehungsweise  anzuordnen,  um  somit  in  casu  den  diesbezüglichen  rechtserheblichen  Sachverhalt abzuklären. 8. 

D­337/2008 8.1.  Angesichts  des  Obsiegens  der  Beschwerdeführerin  sind  keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit  wird  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos. 8.2.  Gemäss  Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG  kann  der  obsiegenden  Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zugesprochen  werden  (vgl.  für  die  Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Seitens  der  Rechtsvertretung  ist  keine  Kostennote  eingereicht worden. Auf  die Nachforderung einer  solchen wird  indessen  verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der  Aufwand  des  Schriftenwechsels  zuverlässig  abgeschätzt  werden  kann.  Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9­13  VGKE)  ist  die  Parteientschädigung  auf Grund  der  Akten  auf  Fr.  1'000.­  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Diese  ist  der  Beschwerdeführerin durch die Vorinstanz zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­337/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden  ist,  gutgeheissen. 2.  Die vorinstanzliche Verfügung vom 14. Dezember 2007 wird aufgehoben,  und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM  zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine  Parteientschädigung von Fr. 1'000.­ zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Daniel Stadelmann Versand:

D-337/2008 — Bundesverwaltungsgericht 23.09.2011 D-337/2008 — Swissrulings