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Bundesverwaltungsgericht 04.11.2011 D-331/2009

4. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,503 Wörter·~18 min·1

Zusammenfassung

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Dezember 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­331/2009 Urteil   v om   4 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn,  Richterin Claudia Cotting­Schalch; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Serbien, alias B._______,  geboren (…), Serbien und Montenegro,  alias C._______, geboren (…), Serbien, alias D._______,  geboren (…), Serbien, alias E._______, geboren (…),  Serbien, alias F._______, geboren (…), Serbien, alias  G._______, geboren (…), Serbien, vertreten durch lic. iur. Brigitt Thambiah,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 17. Dezember 2008 / N (…).

D­331/2009 Sachverhalt: A.  A.a  Der  Beschwerdeführer  wurde  am  17.  März  1989  in  H._______  (serbisch  I._______, heutige Republik Kosovo) geboren. Bevor er am 1.  Februar  1990  im Rahmen  des  Familiennachzugs  zusammen mit  seiner  Mutter  und  seinen  vier  Geschwistern  dem  Vater  in  die  Schweiz  folgte,  lebte  er  als  Kleinkind  ausserhalb  der  damaligen  Provinz  Kosovo  in  der  südserbischen  Ortschaft  J._______  (heutige  Republik  Serbien,  Verwaltungsbezirk K._______, Gemeinde L._______). Nach Verbüssung  einer  wegen  qualifizierter  Widerhandlung  gegen  das  Betäubungsmittelgesetz  ausgesprochenen  Zuchthausstrafe  wurde  der  Vater  des  Beschwerdeführers  am  28.  Juni  1998  aus  der  Schweiz  weggewiesen  und  mit  einer  unbefristeten  Einreisesperre  belegt.  Seine  Ehe mit der Mutter des Beschwerdeführers war zuvor mit rechtskräftigem  Scheidungsurteil  vom  3.  Juli  1997  aufgelöst  worden.  Nach  der  Ausweisung des Familienoberhauptes verlängerte die Migrationsbehörde  des  Kantons  M._______  die  Aufenthaltsbewilligungen  für  den  Beschwerdeführer  und  dessen  Mutter  und  Geschwister  vorerst  mit  Auflagen. Mit  Entscheid  vom 19.  Januar  2005  lehnte  sie mit  Bezug  auf  den  Beschwerdeführer  und  dessen  Mutter  eine  Verlängerung  der  am  30. September  2003  abgelaufenen  Aufenthaltsbewilligungen  ab.  Die  Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligungen  wurde  in  der  Folge  sowohl vom kantonalen Justiz­ und Sicherheitsdepartement als auch vom  kantonalen  Verwaltungsgericht  bestätigt.  Auf  die  gegen  den  Entscheid  des  Verwaltungsgerichts  erhobene  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  trat  das Bundesgericht mit Urteil vom 10. Januar 2007 nicht ein. Am 30. April  2007  dehnte  das  BFM  die  kantonale  Wegweisungsverfügung  auf  die  ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein aus und  räumte dem  Beschwerdeführer und seiner Mutter eine bis zum 31. Mai 2007 laufende  Frist zum Verlassen der Schweiz ein. Die Mutter des Beschwerdeführers  heiratete am 21. Mai 2007 einen schweizerischen Staatsangehörigen und  ersuchte  bei  der  Migrationsbehörde  ihres  neuen  Wohnsitzkantons  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  nach,  die  ihr  schliesslich  erteilt  wurde.  Ein  am  25.  Mai  2007  eingereichtes  Gesuch  des  Beschwerdeführers um Erstreckung der Ausreisefrist  bis  zum Entscheid  über  die  Aufenthaltsbewilligung  seiner  Mutter  wurde  von  der  Migrationsbehörde  seines  Wohnsitzkantons  nicht  an  die  Hand  genommen. Dieselbe Migrationsbehörde  forderte den Beschwerdeführer  stattdessen mit Schreiben vom 8. Februar 2008 auf, die Schweiz bis zum  15. März 2008 zu verlassen. 

D­331/2009 A.b Der Beschwerdeführer wird seit seiner Einreise in die Schweiz wegen  Epilepsie  behandelt.  Im  Alter  von  sieben  Jahren,  als  sein  Vater  wegen  Drogendelikten  inhaftiert  wurde,  traten  bei  ihm  gehäuft  epileptische  Anfälle auf. Nach einem extremen Anfall im Jahr 2000 musste er sich für  die  Dauer  von  vier  Monaten  in  stationäre  Behandlung  begeben.  Zur  Einschränkung  der  Anfälle  muss  er  täglich  Medikamente  einnehmen.  Noch  heute  treten  beim  Beschwerdeführer  immer  wieder  epileptische  Anfälle  auf.  In  regelmässigen  Abständen  muss  er  aufgrund  seiner  psychischen Probleme in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.  Als  Schüler  zeigte  der  Beschwerdeführer  massive  disziplinarische  Schwierigkeiten,  die eine Teilnahme am normalen Unterricht nicht mehr  erlaubten  und  im Herbst  2001  eine Versetzung  in  ein Sonderschulheim  sowie die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft notwendig machten.  Nach  der  Einweisung  in  ein  Internat  durch  die  zuständige  kantonale  Jugendanwaltschaft  im Januar 2004  im Hinblick auf die Beendigung der  obligatorischen  Schulzeit  verstiess  der  Beschwerdeführer  wiederholt  gegen  die  dort  geltenden Regeln,  so  dass  der  Aufenthalt  per  17. März  2004 vorzeitig beendet wurde. Nach dem von der Jugendanwaltschaft im  Sinne  einer  Schutzmassnahme  verfügten  Eintritt  in  ein  Erziehungsheim  am  5.  Mai  2004  traten  beim  Beschwerdeführer  Besserungsphasen  ein,  die  immer  wieder  von  schweren  Regelverstössen  und  Entweichungen  aus  dem  Heim  unterbrochen  wurden.  Am  1.  August  2005  nahm  der  Beschwerdeführer  in der  internen Lehrwerkstatt  im Erziehungsheim eine  Anlehre als (…) in Angriff, die er Ende Mai 2007 erfolgreich abschliessen  konnte. A.c Der Beschwerdeführer kam wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Mit  Strafverfügungen  der  Jugendanwaltschaft  vom  17.  Dezember  2001,  22. September  2003  und  19.  Dezember  2003  wurde  er  wegen  Tätlichkeiten,  Diebstahls,  eines  geringfügigen  Vermögensdeliktes,  Hausfriedensbruchs  und wegen  Verstosses  gegen  das  Transportgesetz  jeweils  mit  Verweis  betraft.  Wegen  mehrfacher  sexueller  Belästigung,  Drohung,  Widerhandlung  gegen  das  Transportgesetz,  mehrfacher  geringfügiger  Vermögensdelikte  sowie  wegen  Tätlichkeit  ordnete  die  Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 28. April 2004 seine Einweisung  in ein Erziehungsheim an. Diese Schutzmassnahme wurde mit Verfügung  der  Jugendanwaltschaft  vom  26.  Februar  2007  weitergeführt,  nachdem  sich  der  Beschwerdeführer  der  einfachen  Körperverletzung  fehlbar  gemacht  hatte.  Mit  Strafverfügung  des  Polizeirichteramtes  N._______  vom 7. April  2008 wurde der Beschwerdeführer wegen Übertretung des  Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel zu einer Busse von Fr. 80.– 

D­331/2009 verurteilt. Mit Urteil  des Bezirksgerichts O._______  vom 24.  September  2008  wurde  er  wegen  Raubes,  begangen  am  4.  Juli  2007,  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  acht Monaten  bedingt  verurteilt,  ausgesetzt  auf  eine  Probezeit  von  vier  Jahren.  Mit  Strafverfügungen  des  Bezirksamtes  O._______ vom 20. September 2007, 6. November 2007, 26. März 2008,  5.  Mai  2009,  19.  August  2009,  3.  November  2009  sowie  8.  Dezember  2009  wurde  er  wegen  Übertretungen  des  Bundesgesetzes  über  den  Transport  im  öffentlichen  Verkehr  respektive  wegen  Verletzung  der  Verkehrsregeln  sowie  Übertretung  des  Bundesgesetzes  über  den  Transport  im  öffentlichen  Verkehr  beziehungsweise  wegen  Widerhandlungen  gegen  das  Strassenverkehrsgesetz  zu  Bussen  zwischen  Fr.  60.–  bis  Fr.  180.–  verurteilt.  Mit  Strafverfügung  des  Bezirksamtes  O._______  vom  10.  September  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  Übertretungen  des  Bundesgesetzes  über  die  Betäubungsmittel  respektive  der  Verordnung  über  die  Strassenverkehrsregeln  zu  einer  Busse  von  Fr.  200.–  verurteilt.  In  den  Akten  finden  sich  zudem  unter  anderem  den  Beschwerdeführer  betreffende  Polizeirapporte  bezüglich  Sachbeschädigung  –  angeblich  begangen  am  29.  September  2008  –,  Tätlichkeit  /  Körperverletzung  /  eventuell Raufhandel  –  angeblich  begangen am 18. April  2009 –  sowie  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  /  Hinderung  einer  Amtshandlung / Tätlichkeiten – angeblich begangen am 4. August 2011.  Den Akten lässt sich jedoch nicht entnehmen, dass diesbezüglich bereits  eine Verurteilung gegen den Beschwerdeführer erfolgt wäre. B.  B.a Am 14. März 2008  reichte der Beschwerdeführer ein Asylgesuch  in  der Schweiz ein. Als Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er  befürchte,  bei  einer  Rückkehr  nach  Serbien  Opfer  von  Blutrache  zu  werden,  weil  im  Jahre  1991  der Onkel mütterlicherseits  in  der  Schweiz  einen Onkel väterlicherseits erschossen habe. Er selber kenne in Serbien  ausser seinem Vater, auf dessen Schutz er nach dessen Scheidung von  seiner Mutter nicht mehr zählen könne und den er vielmehr ebenfalls als  Urheber möglicher Übergriffe zu fürchten habe, keinen Menschen. Zudem  würde  er  als  Albanischstämmiger  bei  einer  Rückkehr  in  seinen  Herkunftsort in Serbien unmittelbar an der Grenze zu Kosovo von den in  diesem Gebiet  herrschenden  ethnischen Spannungen  zwischen Serben  und Kosovaren bedroht. B.b Mit  Verfügung  vom  2.  Juni  2008  trat  das  BFM  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs.  2  Bst.  a  und  Abs.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 

D­331/2009 (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  des Nichteintretens auf das Asylgesuch hielt es zusammenfassend  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  trotz  dahin  gehender  Aufforderung  innert  48 Stunden  nach  Gesuchseinreichung  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere abgegeben und keine entschuldbaren Gründe für dieses  Versäumnis glaubhaft dargelegt. Mangels asylrechtlicher Relevanz seiner  Vorbringen erfülle er zudem die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und  Art.  7  AsylG  nicht,  und  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  seien in seinem Fall aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich. B.c  Am  11.  Juni  2008  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  eine  Beschwerde  einreichen  und  darin  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  es  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  2.  Juni  2008  aufzuheben,  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  seine  vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. B.d  Mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15.  August  2008  wurde  die  Beschwerde  gutgeheissen,  soweit  darin  im  Hauptunkt –  sinngemäss – die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 2. Juni 2008  im  Umfang  der  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffenden  Dispositivziffern  3­4  und  die  Rückweisung  der  Sache  zur  weiteren  Abklärung  des  Sachverhalts  und  Neubeurteilung  beantragt  wurde.  Als  Begründung  führte das Bundesverwaltungsgericht  im Wesentlichen aus,  in  der  angefochtenen  Verfügung  fehlten  jegliche  Erwägungen  zur  Vereinbarkeit des Wegweisungsvollzugs mit Art. 8 der Konvention vom 4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101).  In  der  Vernehmlassung  zur  Beschwerde  habe  sich  das  BFM  einseitig  zum  Teilaspekt  des  Familienlebens  geäussert  und  habe  mit  Blick  auf  die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  das  Schwergewicht  auf  die  nunmehr  eingetretene  Volljährigkeit  des  Beschwerdeführers  und  auf  das  Fehlen  einer  besonderen  Abhängigkeit  von  einem anderen  Familienmitglied  gelegt.  Dabei  übersehe  es  jedoch,  dass bei intensiven Beziehungen zum Gastland die Ausweisung auch das  Recht auf Achtung der Privatsphäre berühren könne,  indem nämlich der  Ausländer  gezwungen werde,  seinen  gewohnten Umkreis  zu  verlassen.  Ein etwaiges Familienleben im Gastland könne in dieser Konstellation im  Hinblick auf die – gleichermassen garantierte – Achtung der Privatsphäre  bedeutsam  werden,  selbst  wenn  es  allein  betrachtet  nicht  als 

D­331/2009 Familienleben  im  Sinne  von  Art.  8  EMRK  gewertet  werden  könne,  beispielsweise  weil  die  Bedingung  der  Abhängigkeit  nicht  gegeben  sei.  Damit  lasse  sich  als  Fazit  festhalten,  dass  das  BFM  den  für  die  Beurteilung  der  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  unter  dem  Blickwinkel  von  Art  8  EMRK  wesentlichen  Sachverhalt  unvollständig  erhoben  habe  beziehungsweise  in  diesem  Punkt  seiner  Pflicht  zur  Begründung  seines  Entscheides  unzureichend  nachgekommen  sei.  Für  den  weiteren  Inhalt  des  ersten  Asylverfahrens  wird  auf  die  Akten  verwiesen.  C.  Mit  Eingabe  vom  9.  Oktober  2008  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine neu mandatierte Rechtsvertreterin einen ärztlichen Bericht von Dr.  med. P._______ vom 6. Oktober 2008 sowie einen ärztlichen Bericht von  Dr. med. Q._______ vom 4. Oktober 2008 zu den Akten reichen. Die im  Bericht  vom  4.  Oktober  2008  erwähnten  Beilagen wurden  nicht  zu  den  Akten gereicht.  D.  Mit  Verfügung  vom  17.  Dezember  2008  –  eröffnet  am  folgenden  Tag –  verfügte das BFM, der Nichteintretens­  und Wegweisungsentscheid des  BFM vom 2. Juni 2008 (Dispositivziffern 1 und 2 ) sei am 15. August 2008  in Rechtskraft erwachsen und der Beschwerdeführer habe die Schweiz –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  bis  zum  16. Januar 2009 zu verlassen.  Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  die  Anwendung  von  Art.  8  Ziff.  1  EMRK  unter  dem  Aspekt  des  Familienlebens komme im vorliegenden Fall aus folgenden Gründen nicht  in Frage: Der Beschwerdeführer sei volljährig, weswegen er sich nicht auf  den  Schutz  von  Art.  8  EMRK  berufen  könne.  Zudem  sei  keine  Abhängigkeit  im Sinne der Strassburger Rechtsprechung auszumachen,  zumal er  im Heimatstaat – allenfalls mit Hilfe anfänglicher Unterstützung  seitens  seiner  Verwandten  in  der  Schweiz  und  im  Heimatstaat  –  eine  eigene  Existenz  aufbauen  könne.  Überdies  sei  der  Beschwerdeführer  trotz  Epilepsie  nicht  auf  dauernde  Pflege  seiner  Verwandten  in  der  Schweiz  angewiesen.  Vielmehr  könne  auf  die  medizinischen  Behandlungsmöglichkeiten  in  seinem  Heimatstaat  verwiesen  werden.  Ausserdem  bestehe  die  Möglichkeit,  das  er  sich  die  notwendigen  Medikamente von seinen Verwandten in der Schweiz schicken lasse.

D­331/2009 Hinsichtlich  der  Anwendung  von  Art.  8  EMRK  bezüglich  des  Schutzes  des  Privatlebens  sei  zunächst  darauf  hinzuweisen,  dass  nach  der  Ausweisung  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  die  Aufenthaltsbewilligung  der  Mutter  und  ihrer  Kinder  nur  mit  Auflagen  verlängert  worden  sei.  Weil  diese  Auflagen  nicht  erfüllt  worden  seien,  habe  das  Ausländeramt  des  Kantons M._______  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligungen  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Mutter  abgelehnt und sie angewiesen, den Kanton M._______ bis zum 31. Mai  2005 zu verlassen. Bereits am 24. Mai 2002 sei dem Beschwerdeführer  selbst  die  Ausweisung  angedroht  worden  und  er  sei  förmlich  verwarnt  worden. Er habe deshalb seit längerer Zeit nicht mit letzter Sicherheit mit  einer  Erneuerung  der  befristeten  Bewilligung  rechnen  können.  Der  Beschwerdeführer habe den überwiegenden Teil seiner schulischen und  beruflichen  Ausbildung  in  Sonderstrukturen  absolviert,  womit  die  integrative  Wirkung  der  ordentlichen  Schul­  und  Berufsausbildung  weggefallen  sei.  Bisher  sei  er  auch  nicht  erwerbstätig  und  in  Arbeitsprozesse  eingebunden  gewesen.  Schliesslich  sei  aufgrund  der  Aktenlage  auch  nicht  erkennbar,  dass  der  Beschwerdeführer  in  einer  stabilen  Beziehung  lebe  und  Verantwortung  für  eine  eigene  in  der  Schweiz lebende Familie trage. Er habe daher trotz längeren Aufenthalts  in  der  Schweiz  keine  intensiven  gesellschaftlichen  oder  beruflichen  Bindungen zu diesem Land zu entwickeln vermocht, weshalb kein Eingriff  ins Recht auf Achtung des Privatlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK  vorliegen  dürfte.  Diese  Frage  könne  jedoch  offen  gelassen  werden,  da  ein  allfälliger  Eingriff  in  das  Privat­  und  Familienleben  vorliegend  gerechtfertigt  sei.  Der  in  Art.  8  Ziff.  1  EMRK  garantierte  Anspruch  auf  Privat­  und  Familienleben  sei  keineswegs  absolut.  Er  stehe  vielmehr  unter dem in Ziff. 2 von Art. 8 EMRK statuierten Vorbehalt, wonach eine  Behörde  in  die  Ausübung  dieses  Rechts  eingreifen  dürfe,  soweit  der  Eingriff gesetzlich vorgesehen und  in einer demokratischen Gesellschaft  notwendig  sei  für  die  nationale  oder  öffentliche  Sicherheit,  für  das  wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur  Verhütung  von  Straftaten,  zum  Schutz  der  Gesundheit  oder  der  Moral  oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer.  Die Wegweisung stütze sich vorliegend auf Art. 44 Abs. 1 AsylG, womit  eine  gesetzliche  Grundlage  gegeben  sei.  Überdies  müsse  eine  Abwägung  zwischen  einerseits  dem  Interesse  des  betroffenen  Ausländers  an  der  Respektierung  seines  Privatlebens  und  andererseits  den oben erwähnten öffentlichen  Interessen der Schweiz vorgenommen  werden.  In  diesem  Sinne  habe  ein  Eingriff  in  das  Privatleben  eines 

D­331/2009 Ausländers  verhältnismässig  zu  sein.  Dabei  seien  folgende Kriterien  zu  beachten: Die Art und Schwere des vom Ausländer begangenen Delikts,  die  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz,  die  Zeitspanne  zwischen  der  Begehung seines letzten Delikts und der staatlichen Massnahmen sowie  das Verhalten  des Gesuchstellers während dieser Zeit,  die Solidität  der  gesellschaftlichen,  kulturellen  und  familiären  Bindungen  in  der  Schweiz  sowie  im Heimatstaat des Ausländers und allenfalls einzelfallspezifische  Aspekte.  Eine  Gesamtwürdigung  des  vorliegenden  Falles  führe  zum  Schluss, dass die privaten  Interessen des Beschwerdeführers an einem  weiteren Verbleib in der Schweiz vor dem öffentlichen Interesse an seiner  Wegweisung aus der Schweiz zurückzutreten hätten. Die kontinuierliche  und  relativ  schwere  Delinquenz  lasse  weitere  Straftaten  befürchten.  Dieses  Risiko  könne  auch  unter  Berücksichtigung  der  nachteiligen  Auswirkungen einer Wegweisung in den Heimatstaat auf die persönliche  Situation des Beschwerdeführers nicht hingenommen werden.  Gemäss Art.  83 Abs.  7 Bst.  b  des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und Ausländer  (AuG,  SR  142.20) werde  die  vorläufige  Aufnahme  nach  den  Absätzen  2  (bei  Unmöglichkeit  der  Wegweisung) und 4 (bei Unzumutbarkeit der Wegweisung) nicht verfügt,  wenn  die  weg­  oder  ausgewiesene  Person  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland  verstossen  habe  oder  diese  gefährde  oder  die  innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  gefährde.  Vorliegend  sei  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  erwiesenermassen  wiederholt  gegen  die  schweizerische  Rechtsordnung  verstossen  habe  und  sich  trotz  wiederholter Verwarnung und Bemühungen um seine Person uneinsichtig  gezeigt  habe.  Durch  sein  konstantes  deliktisches  Verhalten  werde  offenbar, dass er nicht in der Lage beziehungsweise nicht willens sei, sich  an die geltende Ordnung in der Schweiz zu halten. Der Beschwerdeführer  stelle somit auch in Zukunft eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und  Ordnung  in der Schweiz dar. Daher überwiege das öffentliche  Interesse  der Schweiz an der Wegweisung des Beschwerdeführers dessen privates  Interesse  an  einem  weiteren  Verbleib  im  Land.  Aus  diesen  Gründen  müsse  die  Frage  der  Zumutbarkeit  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  seinen Heimatstaat  an  dieser  Stelle  nicht  geprüft  werden. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung  technisch möglich  und  praktisch  durchführbar.  Für  den  weiteren  Inhalt  wird  auf  die  vorinstanzliche Verfügung verwiesen. 

D­331/2009 E.  Mit Beschwerde vom 16. Januar 2009 (Poststempel: 17. Januar 2009) an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  17.  Dezember  2008  sei  aufzuheben  und  es  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  seiner Wegweisung  unzulässig  und  unzumutbar  sei,  weswegen  die  Vorinstanz  anzuweisen  sei,  ihn  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  sowie  um Beiordnung  der Unterzeichnenden als unentgeltliche Rechtsbeiständin.  Der Rechtsmittelschrift  lagen eine Kopie des Urteils des Bezirksgerichts  Frauenfeld  vom  24.  September  2008  (inklusive  Anklageschrift),  zwei  ärztliche Berichte von Dr. med. P._______ vom 19. April 2004 respektive  6.  Oktober  2008  (in  Kopie;  teilweise  bereits  eingereicht)  sowie  ein  Schreiben von Dr. med. P._______ vom 27. November 2003  (in Kopie)  bei. F.  Mit  Eingabe  vom  27.  Januar  2009  liess  der  Beschwerdeführer  eine  Fürsorgebestätigung vom 21. Januar 2009 zu den Akten reichen.  G.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  29.  Januar  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der  Schweiz  abwarten  könne.  Gleichzeitig  verfügte  der  Instruktionsrichter,  dass  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet,  über  das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  im  Endentscheid  befunden  und das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung  im Sinne von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  abgewiesen werde.  Zudem wurde  die  Vorinstanz  eingeladen,  bis  zum  16.  Februar  2009  eine  Vernehmlassung  einzureichen.  H.  In ihrer Vernehmlassung vom 6. Februar 2009 hielt die Vorinstanz an der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde. 

D­331/2009 I.  Mit  Schreiben  vom  23.  Februar  2009  liess  der  Beschwerdeführer  replizieren.  Der  Eingabe  lag  eine  Kopie  des  Aktenverzeichnis  der  den  Beschwerdeführer betreffenden kantonalen Akten bei. J.  Mit  Eingabe  vom  19.  November  2009  reichte  der  Beschwerdeführer –  handelnd  durch  seine  Rechtvertreterin  –  eine  Behandlungsbestätigung  des Kantonsspitals O._______ vom 19. November 2009 zu den Akten.  K.  Mit  Schreiben  vom  1.  Juni  2010  liess  der  Beschwerdeführer  einen  Austrittsbericht  von  Dr.  med.  R._______  (Psychiatrische  Klinik  S._______)  vom  14.  Mai  2010  dem  Bundesverwaltungsgericht  einreichen.  L.  Mit  Schreiben  vom  1.  Juli  2011  erkundigte  sich  das  Fürsorgeamt  des  Kantons  M._______  beim  Bundesverwaltungsgericht  über  den  Verfahrensstand.  Dem  Schreiben  lag  eine  Stellungnahme  des  Durchgangsheims  für  Asylsuchende  und  Flüchtlingsbegleitung  in  O._______ vom 29. Juni 2011 bei.  M.  Am  2.  August  2011  informierte  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Fürsorgeamt  des  Kantons  M._______  telefonisch  über  den  Verfahrensstand. N.  Mit Eingabe vom 12. August 2011 stellte das Fürsorgeamt des Kantons  M._______  zusammen  mit  dem  Migrationsamt  ein  Gesuch  um  vorsorgliche Massnahme für die Zeit bis zur Urteilsfindung. Der hängigen  Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung für die Dauer des restlichen  Verfahrens  zu  entziehen.  Der  Beschwerdeführer  sei  anzuweisen,  den  Ausgang des Verfahrens im Herkunftsland abzuwarten. Das Gesuch wird  hauptsächlich  mit  dem  nicht  existierenden  sozialen  Umfeld  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  und  seinem  dissoziativen  Verhalten  begründet. O.  Auf  Begehren  des  Bundesverwaltungsgerichts  reichte  Dr.  med.  Dipl.­

D­331/2009 Psych.  T._______  (Psychiatrische  Klinik  S._______)  per  E­Mail  einen  Arztbericht vom 29. August 2011 zu den Akten.  P.  Dem BFM wurde am 8. September 2011 ein Rapport der Kantonspolizei  M._______ vom 21. August 2011 bezüglich Gewalt und Drohung gegen  Behörden und Beamte  / Hinderung einer Amtshandlung  / Tätlichkeiten –  angeblich  vom  Beschwerdeführer  am  4.  August  2011  begangen –  zugestellt.  Die  Vorinstanz  übermittelte  den  Rapport  in  der  Folge  zuständigkeitshalber dem Bundesverwaltungsgericht.  Q.  Mit  Verfügung  vom  27.  September  2011  brachte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  schriftliche  Stellungnahme  des  Durchgangsheims  für  Asylsuchende  und  Flüchtlingsbegleitung  in  O._______  vom  29.  Juni  2011,  die  Eingabe  des  Fürsorgeamtes  des  Kantons M._______ vom 12. August 2011 sowie den Arztbericht von Dr.  med.  Dipl.­Psych.  T._______  vom  29.  August  2011  dem  Beschwerdeführer  –  unter  Abdeckung  gewisser  Stellen  aus  Geheimhaltungsgründen  –  zur  Kenntnis.  Bezüglich  Einsicht  in  den  Rapport der Kantonspolizei M._______vom 21. August 2011 verwies der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  an  die  zuständige  kantonale  Behörde.  Gleichzeitig  gewährte  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer bis zum 18. Oktober 2011 Gelegenheit, bezüglich der  oben erwähnten Aktenstücke eine Stellungnahme einzureichen.  R.  Am  13.  Oktober  2011  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  eine Stellungnahme – datiert  vom 14. Oktober  2011 –  einreichen.  Auf  den  Inhalt  der  Stellungnahme  wird,  sofern  entscheidrelevant, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

D­331/2009 im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Das BFM trat gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG auf das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  14.  März  2008  mit  Verfügung  vom  2.  Juni  2008  nicht  ein  und  ordnete  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  vom  Beschwerdeführer  dagegen  erhobene  Beschwerde  richtete  sich  lediglich  gegen  den  Wegweisungsvollzug.  Dadurch  ist  die  Verfügung  des  BFM  vom  2.  Juni  2008,  soweit  sie  das  Nichteintreten  auf  das  Asylgesuch  betrifft,  in  Rechtskraft erwachsen (Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung des BFM).  Demzufolge  ist  –  wie  schon  im  ersten  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht – auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren  die  Wegweisung  als  solche  grundsätzlich  nicht  mehr  zu  überprüfen.  Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit lediglich die Frage,  ob  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet hat. 

D­331/2009 4.  4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 4.2.  4.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 4.2.2.  Da  rechtskräftig  feststeht,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu machen,  kann das  in Art.  5 AsylG  verankerte Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 

D­331/2009 keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Serbien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer  nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nicht  gelungen.  Soweit  er  vorbringt,  er  habe  aufgrund  eines  familiären  Tötungsdeliktes  im  Jahre  1991  bei  einer  Rückkehr  nach  Serbien  Blutrache  von  Seiten  seines  Onkels  zu  befürchten,  ist  festzuhalten,  dass  es  sich  dabei  lediglich  um  eine  unbelegte  Behauptung  handelt,  für  die  keine  konkreten  Hinweise  vorliegen. Zudem ist auch nicht plausibel, weshalb der Beschwerdeführer  heute noch – zwanzig Jahre nach der Tat – für dieses Tötungsdelikt zur  Rechenschaft  gezogen  werden  sollte.  Sodann  lässt  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Serbien  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.  4.2.3.  In  der  Beschwerde  vom  16.  Januar  2009  wird  vom  Beschwerdeführer  hauptsächlich  geltend  gemacht,  aufgrund  seines  mittlerweile  neunzehnjährigen  Aufenthalts  in  der  Schweiz  habe  er  hier  sehr wohl  intensive  private Beziehungen  geknüpft.  Einerseits  unterhalte  er verschiedene Beziehungen zu Kollegen und Kolleginnen, andererseits  bestünden  sehr  intensive  Beziehungen  zu  seiner Mutter  und  zu  seinen  beiden Schwestern. Er habe einzig in der Schweiz ein soziales Netz und  tragfähige  Beziehungen.  Zu  Personen  in  seiner  Heimat  habe  er  keine  Beziehungen,  zumal  er  das  Land  im  Alter  von  elf  Monaten  verlassen  habe. Er sei während all dieser Jahre nie in seine Heimat zurückgekehrt.  Angesichts  seines  Aufenthalts  in  der  Schweiz  seit  seinem  "Baby­Alter",  des fehlenden sozialen und familiären Netzes in seiner Heimat sowie der  mangelnden  Albanisch­Kenntnisse  stelle  der  Vollzug  der  Wegweisung  zweifellos  einen  Eingriff  in  sein  durch  Art.  8  Ziff.  1  EMRK  geschütztes  Privatleben  dar.  Es  sei  festzuhalten,  dass  er  aufgrund  der  von  ihm  begangenen Straftaten nicht als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und 

D­331/2009 Ordnung bezeichnet werden könne. Die von ihm verübten Taten könnten  einen  Eingriff  in  das  Recht  auf  Achtung  des  Privatlebens  keinesfalls  rechtfertigen. Für die weitere Begründung wird auf die Beschwerdeschrift  verwiesen. 4.2.4. Der  Beschwerdeführer  beruft  sich  somit  (zumindest  sinngemäss)  auf  den  Schutz  des  Privat­  und  Familienlebens  gemäss  Art.  8  EMRK.  Nach  eingehender  Prüfung  der  Rechtslage  –  insbesondere  unter  Berücksichtigung  der  weiterhin  zutreffenden  und  gültigen  Rechtsprechung  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21)  kommt  das Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich zum Schluss, dass sich das  Gericht  im  vorliegenden  Fall  bei  der  Prüfung  der  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs nicht (mehr) mit Art. 8 EMRK zu befassen hat, weil  das  Bundesgericht  in  seinem  Urteil  2A.564/2006  vom  10.  Januar  2007  nach  einlässlicher  Prüfung  zum  Schluss  gekommen  ist,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  und  seine  Mutter  nicht  auf  einen  Rechtsanspruch  gestützt  auf  Art.  8 EMRK berufen  können. Da  sich  seit  ergehen  dieses  Urteils  die  Sachlage  in  relevanten  Gesichtspunkten  nicht  geändert  hat  (vgl.  dazu  auch  E.  4.3.6.),  kann  darauf  verzichtet  werden,  den  Beschwerdeführer  aufzufordern,  ein  Gesuch  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  bei  der  kantonalen  Migrationsbehörde  einzureichen. Dem Beschwerdeführer  bleibt  es  indes  unbenommen,  bei  der  zuständigen  kantonalen  Behörde  (erneut)  ein  Gesuch  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  gestützt  auf  Art.  8  EMRK  einzureichen.  Insoweit erübrigt es sich, auf die Ausführungen des Beschwerdeführers in  der Rechtsmittelschrift bezüglich Art. 8 EMRK einzugehen.  4.2.5.  Demnach  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen  als  zulässig.  4.3.  4.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

D­331/2009 4.3.2. Gemäss Art.  83 Abs.  7 Bst.  b AuG wird die  vorläufige Aufnahme  nach Art. 83 Abs. 2 und 4 AuG (Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des  Vollzugs  der  Wegweisung)  nicht  verfügt,  wenn  die  weg­  oder  ausgewiesene  Person  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit und Ordnung  in der Schweiz oder  im Ausland verstossen hat  oder  diese  gefährdet  oder  die  innere  oder  die  äussere  Sicherheit  gefährdet.  Der  Tatbestand  ist  grundsätzlich  dann  erfüllt,  wenn  der  Ausländer erheblich oder wiederholt gegen gesetzliche Vorschriften oder  behördliche  Verfügungen  verstossen  hat,  die  die  öffentliche  Sicherheit  und Ordnung betreffen (vgl. MARC SPESCHA, in: Marc Spescha/Hanspeter  Thür/Andreas  Zünd/Peter  Bolzli,  Kommentar  Migrationsrecht,  2.  Aufl.,  Zürich 2009, N 7  zu Art.  62 AuG,  sowie BOLZLI  a.a.O., N 22 zu Art.  83  AuG).  Es  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  bei  der  Anwendung  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  –  wie  bereits  früher  unter  Art.  14a  Abs.  6  des  Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  –  generell  Zurückhaltung  geboten  ist  (vgl. BVGE 2007/32; EMARK 2006 Nr. 30, EMARK 2006 Nr. 23, EMARK  2004 Nr. 39). 4.3.3. Mit  Strafverfügungen  der  Jugendanwaltschaft  vom  17. Dezember  2001,  22.  September  2003  und  19.  Dezember  2003  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  Tätlichkeiten,  Diebstahls,  eines  geringfügigen  Vermögensdeliktes,  Hausfriedensbruchs  und  wegen  Verstosses  gegen  das  Transportgesetz  jeweils  mit  Verweis  betraft.  Wegen  mehrfacher  sexueller  Belästigung,  Drohung,  Widerhandlung  gegen  das  Transportgesetz,  mehrfacher  geringfügiger  Vermögensdelikte  sowie  wegen Tätlichkeit ordnete die Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 28.  April  2004  seine  Einweisung  in  ein  Erziehungsheim  an.  Diese  Schutzmassnahme wurde mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 26.  Februar  2007  weitergeführt,  nachdem  sich  der  Beschwerdeführer  der  einfachen  Körperverletzung  schuldig  gemacht  hatte.  Mit  Urteil  des  Bezirksgerichts  O._______  vom  24. September  2008  wurde  der  Beschwerdeführer wegen Raubes – begangen am 4. Juli 2007 – zu einer  Freiheitsstrafe  von  acht Monaten  bedingt  verurteilt,  ausgesetzt  auf  eine  Probezeit von vier Jahren. Auch vor und nach dieser Verurteilung wurde  er  wegen  Übertretungen  des  Bundesgesetzes  über  den  Transport  im  öffentlichen Verkehr, wegen Verletzung der Verkehrsregeln sowie wegen  Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel mehrfach zu  einer Busse verurteilt. Durch dieses wiederholte deliktische Verhalten hat  der Beschwerdeführer den Ausschlusstatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst.  b AuG erfüllt,  nach welchem die Unmöglichkeit  und die Unzumutbarkeit 

D­331/2009 des  Wegweisungsvollzugs  nach  Art.  83  Abs.  2  und  4  AuG  nicht  zur  vorläufigen  Aufnahme  berechtigen  und  die  entsprechenden  Prüfungsschritte demzufolge entfallen. 4.3.4.  Zu  trennen  von  der  Frage,  ob  ein  in  Art.  83  Abs.  7  AuG  umschriebener  Tatbestand  erfüllt  ist  beziehungsweise  wie  darin  formulierte  (unbestimmte) Rechtsbegriffe auszulegen sind,  ist die Frage,  ob die daran anknüpfende Nichtgewährung der vorläufigen Aufnahme im  Einzelfall  eine  verhältnismässige  Massnahme  darstellt.  Ausser  Zweifel  steht, dass das Vorliegen eines Ausschlusstatbestands von Art. 83 Abs. 7  AuG  das  öffentliche  Interesse  am  Vollzug  einer  rechtskräftigen  Wegweisung als gewichtig erscheinen  lässt. Gleichwohl  steht  in diesem  Fall  nicht  automatisch  fest,  dass  im  Rahmen  der  vorzunehmenden  Abwägung die privaten Interessen der weggewiesenen Person an einem  Weiterverbleib  in  der  Schweiz  schwächer  ins  Gewicht  fallen.  So  kann  etwa  bei  einer  besonders  ausgeprägten  Gefährdungslage  im  Heimat­  oder  Herkunftsland  und  einem  vergleichsweise  "geringfügigen"  Fehlverhalten  die  Interessenabwägung  trotz  der  Verwirklichung  eines  Ausschlussgrundes zugunsten der privaten Interessen an einem Verbleib  in der Schweiz ausfallen (vgl. BOLZLI a.a.O, N 23 zu Art. 83 AuG; STÖCKLI  a.a.O, Rz. 11.70). Andererseits darf es gerade nicht darauf hinauslaufen,  dass  im  Rahmen  der  Interessenabwägung  letztlich  trotzdem  eine  vollständige  Zumutbarkeitsprüfung  vorgenommen  wird.  Bei  der  vorzunehmenden  Verhältnismässigkeitsprüfung  sind  die  gesamten  Umstände  zu  berücksichtigen,  namentlich  die  Schwere  des  Verschuldens,  der Grad  der  Integration  beziehungsweise  die Dauer  der  bisherigen  Anwesenheit  sowie  die  dem  Betroffenen  und  seiner  Familie  drohenden  Nachteile  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_295/2009  vom  25. September 2009 E. 4.3; BVGE 2007/ 32 E. 3.2). 4.3.5. Die Schweiz hat im vorliegenden Fall ein erhebliches Interesse am  Vollzug der Wegweisung, zumal der Beschwerdeführer  in der Schweiz –  wie in E. 4.3.3 vorstehend dargelegt – in erheblichem Ausmass straffällig  wurde. Auch nachdem er mit Urteil des Bezirksgerichts O._______ vom  24.  September  2008 wegen Raubes  –  begangen  am  4.  Juli  2007  –  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  acht  Monaten  bedingt  verurteilt  worden  war,  machte  er  sich  immer  wieder  strafbar.  Dadurch  manifestierte  er  eine  extreme  Unbelehrbarkeit,  Uneinsichtigkeit  und  er  bewies,  dass  er  über  beträchtliche kriminelle Energie verfügt. Mit seinem deliktischen Verhalten  gefährdete beziehungsweise beeinträchtigte er das Vermögen sowie die  körperliche  und  psychische  Gesundheit  vieler  Menschen.  Keinen 

D­331/2009 weiteren Personen vergleichbare Bedrohungssituationen zuzumuten liegt  fraglos im Interesse der Allgemeinheit. Aufgrund der Akten ist nicht davon  auszugehen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  Zukunft  an  die  schweizerische  Rechtsordnung  halten  wird.  Wegen  seines  kriminellen  Verhaltens  in  der  Vergangenheit  und  seines  Persönlichkeitsprofils  ist  vielmehr  damit  zu  rechnen,  dass  er  auch  in  Zukunft  in  erheblichem  Ausmass  deliktisch  tätig  sein  wird.  Darauf  deutet  insbesondere  der  Umstand  hin,  dass  er  gemäss  einem  sich  bei  den  Akten  befindlichen  Polizeirapport am 4. August 2011 einem Beamten einen Kopfstoss an die  Nase verpasste, weswegen gegen  ihn  in der Folge Strafanzeige wegen  Tätlichkeit  erhoben  wurde.  Das  öffentliche  Interesse  am  Wegweisungsvollzug  erschöpft  sich  vorliegend  im  Übrigen  nicht  darin,  zukünftige  Verletzungen  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  durch  den  Beschwerdeführer  zu  vermeiden.  Vielmehr  geht  es  über  den  Einzelfall  hinaus auch darum, dem Recht der Allgemeinheit  zur Geltung  zu  verhelfen,  indem gegen Verhaltensweisen, welche  die Gemeinschaft  in Gefahr bringen, wirkungsvolle Massnahmen ergriffen und konsequent  durchgesetzt werden  (vgl. BVGE 2007/32 E. 3.7.3 S. 391).  Im Weiteren  ist  aus  den  Akten  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Vergangenheit  immer  wieder  durch  sein  erhebliches  dissoziales  Verhalten  negativ  aufgefallen  ist.  In  seiner  Stellungnahme  vom  14. Oktober  2011  räumt  der  Beschwerdeführer  selbst  ein,  dass  er  sich  verschiedenen  Personen  gegenüber  immer  wieder  aggressiv  verhalte  und  die  Kontrolle  über  sich  verliere.  Zudem  hat  er  sich  trotz  guter  Rahmenbedingungen  und Hilfestellungen  in  der  Schweiz  nicht  beruflich  zu  integrieren  vermocht  und  demzufolge  hohe  Fürsorgekosten  verursacht. Auch in dieser Hinsicht hat die Schweiz im vorliegenden Fall  ein  erhebliches  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers. 4.3.6. Auf der anderen Seite sind die Interessen des Beschwerdeführers,  in  der  Schweiz  verbleiben  zu  können,  nicht  als  überaus  gewichtig  zu  beurteilen. Zwar hält er sich bereits seit Februar 1990 in der Schweiz auf.  Aufgrund  seines  dissozialen  Verhaltens  musste  er  einen  Teil  der  obligatorischen  Schulzeit  sowie  die  Berufslehre  in  einem  Internat  respektive Erziehungsheim absolvieren. Sein bisher an den Tag gelegtes  Verhalten  in  Kombination  mit  Alkohol­  und  Drogenkonsum  verunmöglichte,  einen  positiven  und  konstruktiven  Freundes­  und  Bekanntenkreis  aufzubauen  und  sich  in  der  Schweiz  beruflich  –  den  Akten  lässt sich nicht entnehmen, dass er  in der Schweiz  in den  letzten  Jahren  einer  Erwerbstätigkeit  nachgegangen  wäre  –  und  sozial  in 

D­331/2009 nennenswertem  Ausmass  zu  integrieren.  Aus  den  Akten  geht  nicht  hervor,  dass  er  solide,  soziale,  kulturelle,  persönliche  und  familiäre  Bindungen  geknüpft  hat.  Insbesondere  das  Verhältnis  zu  seiner  Mutter  und seinen Geschwistern scheint nicht eng und frei von Spannungen zu  sein (vgl. Eingabe vom 12. August 2011 des Fürsorgeamtes des Kantons  M._______). In seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2011 räumte der  Beschwerdeführer denn auch ein, dass er nur noch sporadischen Kontakt  zu  seiner  in  der  Schweiz  lebenden  Familie  hat.  Es  fehlt  somit  an  Anhaltspunkten  dafür,  dass  er  während  seines  über  zwanzig  Jahre  dauernden Aufenthalts in der Schweiz eine dermassen starke Verbindung  zu  seinem  Gastland  eingegangen  ist,  dass  der  Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme  beziehungsweise  der  Vollzug  der  Wegweisung  deswegen  unangemessen  erschient.  Trotz  seines  langjährigen  Aufenthalts  in der Schweiz dürfte der Beschwerdeführer aufgrund seiner  marginalen  Beziehungen  zu  seiner Mutter  und  zu  seinen Geschwistern  mit  den  Sitten  und Gebräuchen  in  Serbien  vertraut  sein,  was  ihm  eine  Reintegration  in seinem Heimatland erleichtern wird. Zudem  ist aus den  Akten  ersichtlich,  dass  er  eine  Anlehre  als  (…)  abgeschlossen  hat,  weshalb anzunehmen  ist, er könne sich  in Serbien beruflich  integrieren.  Davon ist umso mehr auszugehen, da er neben Deutsch und Französisch  auch Albanisch spricht. Die mangelnden Serbisch­Kenntnisse sollte sich  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seines  jungen  Alters  relativ  problemlos  aneignen  können.  Ausserdem  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  sein  Vater sowie zwei seiner Onkel  in Serbien aufhalten  (Akten BFM A 1/11,  S.  4).  Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  zu  diesen  heute keinen Kontakt mehr habe und er auch nicht genau wisse, wo sie  sich  aufhielten,  ist  aufgrund  der  im  Kulturkreis  des  Beschwerdeführers  normalerweise herrschenden familiären Verbundenheit zweifelhaft, zumal  der  Beschwerdeführer  bis  zur  Einreichung  des  Asylgesuchs  im  Jahre  2008  freien  Kontakt  zu  seinem  Heimatland  unterhalten  konnte.  Abgesehen davon wäre es dem Beschwerdeführer auch zuzumuten, sich  um Kontakt zu seinem Vater und seinen zwei Onkeln zu bemühen. Es ist  somit  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer  unterhalte  familiäre  Bindungen zu seinem Heimatland oder er könne solche zumindest ohne  grössere Probleme wieder aufnehmen.  Bezüglich  der  gesundheitlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  lässt  sich dem aktuellsten sich bei den Akten befindlichen Arztbericht von Dr.  med.  Dipl.­Psych.  T._______  vom  29.  August  2011  Folgendes  entnehmen:  Das  gewalttätig­impulsive  sowie  teilweise  manipulative  Verhalten  des  Beschwerdeführers  sei  als  Ausdruck  einer  dissozialen 

D­331/2009 Persönlichkeitsstörung mit  impulsiven Zügen  (ICD 10 Nr. F60.2  / 60.30)  zu  werten.  Die  Störung  lasse  sich  zum  gegenwärtigen  Zeitpunkt  nicht  behandeln.  Insbesondere  auch,  weil  eine  pharmakotherapeutische  Behandlung  dieser Art  von Störungen  kaum möglich  erscheine  und  der  Beschwerdeführer  keinen  Leidensdruck  diesbezüglich  zeige.  Hinzu  komme eine Erkrankung aus dem epileptischen Formenkreis (ICD 10 Nr.  G40),  die  aber  insbesondere  dadurch  zu  Komplikationen  führe,  da  der  Beschwerdeführer,  der  an  sich  gut  eingestellt  erscheine,  die  entsprechenden  antiepileptische Medikation  immer  wieder  von  sich  aus  absetze,  obwohl  er  über  die  Konsequenzen  informiert  sei.  Zusammenfassend  liege  kein  akut  behandlungsfähiges  medizinisches­ psychiatrisches Störungsbild vor. Der Beschwerdeführer würde in seinem  Heimatland  bezüglich  dieser  psychiatrischen  Problematiken  keine  schlechtere  Behandlung  erfahren  als  in  der  Schweiz.  Aufgrund  des  Dargelegten  ist  davon  auszugehen,  dass  die  teilweise  selbstverschuldeten  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  in Serbien  adäquat  behandelt werden  können. Diesbezüglich  kann  vom  Beschwerdeführer  erwartet  werden,  dass  er  die  antiepileptischen  Medikamente  korrekt  einnimmt.  Die  Behauptung  in  der  Stellungnahme  vom  14. Oktober  2011,  wonach  sich  der  Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers seit zirka drei Monaten verschlechtert habe,  ist nicht  belegt.  Es  ist  anzunehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  Bedarf  von  seiner in Serbien und in der Schweiz wohnhaften Familie unterstützt wird.  Es  steht  dem  Beschwerdeführer  zudem  frei,  allenfalls  medizinische  Rückkehrhilfe  im  Sinne  von  Art.  75  der  Asylverordnung  2  über  Finanzierungsfragen  vom  11.  August  1999  (AsylV  2,  SR  142.312)  zu  beantragen.  4.3.7. Somit  sind  insgesamt  keine Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich,  dass  dem Beschwerdeführer im Falle des Vollzugs der Wegweisung Nachteile  in  einem  Ausmass  und  einer  Schwere  drohten,  die  sein  Interesse  an  einem Weiterverbleib in der Schweiz trotz des gewichtigen gegenläufigen  Interesses der Allgemeinheit als überwiegend erscheinen  liessen. Damit  ergibt  sich  als  Fazit,  dass  gestützt  auf  Art.  83  Abs.  7  Bst.  b  AuG  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nicht  in  Betracht  kommt.  Demnach ist nicht weiter zu prüfen, ob Gründe bestehen, die den Vollzug  der Wegweisung als unzumutbar  im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG oder  unmöglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG erscheinen lassen. 

D­331/2009 4.4. Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt  es  sich,  auf weitere  Einwendungen  in  der  Beschwerde  respektive  der  weiteren  Eingaben  einzugehen, da diese nicht geeignet sind, einen anderen Entscheid in der  Frage  des Wegweisungsvollzugs  herbeizuführen.  Nach Würdigung  aller  relevanten Umstände  ist  deshalb  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der Wegweisung  des Beschwerdeführers  im Ergebnis  zu Recht  angeordnet hat.  5.  Aus diesen Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die Verfügung  des BFM vom  17.  Dezember  2008  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.  6.  Mit  vorliegendem  Urteil  in  der  Hauptsache  wird  das  Gesuch  des  Fürsorgeamtes  des  Kantons  M._______  vom  12.  August  2011  um  vorsorgliche Massnahmen während des Verfahrens gegenstandslos.  7.  Da  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  vollumfänglich  unterlegen  ist, wären  ihm grundsätzlich  die Verfahrenskosten  im Betrag  von  Fr. 800.–  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  hat  jedoch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege ersucht. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird die Partei, die  nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer  mittellos  ist.  Zudem  erschien  das  Begehren  des  Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung als nicht aussichtslos. Das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  demnach  gutzuheissen und es sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­331/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-331/2009 — Bundesverwaltungsgericht 04.11.2011 D-331/2009 — Swissrulings