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Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 D-3111/2011

20. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,497 Wörter·~17 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. April 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­3111/2011 Urteil   v om   2 0 .   Februar   2012 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am _______, Kongo (Kinshasa), vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion Zürich,  Rechtshilfe Asyl und Migration, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. April 2011 / N _______.

D­3111/2011 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger von Kongo (Kinshasa)  mit  letztem Wohnsitz  in B._______, verliess seinen Heimatstaat eigenen  Angaben  zufolge  am  17.  August  2007  und  gelangte  zunächst  auf  dem  Luftweg  nach  Äthiopien  und  anschliessend  weiter  nach  Italien.  Am  24. August 2007 reiste er von dort herkommend illegal mit dem Zug in die  Schweiz  ein,  stellte  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______  ein  Asylgesuch  und  wurde  dort  am  7.  September  2007  summarisch  befragt.  Das  BFM  hörte  den  Beschwerdeführer  am  26.  September  2007  gestützt  auf  Art.  29  Abs.  4  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausführlich zu seinen Asylgründen an  und  wies  ihn  in  der  Folge  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  D._______ zu. A.b. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor, er sei im Jahr 1992 zwecks Abbaus von Diamanten  für  den  damaligen  kongolesischen  Präsidenten Mobutu  nach  Angola  in  die  Provinz  Luanda  Norte  gegangen.  Als  er  und  seine  Kollegen  dort  angekommen  seien,  habe  man  ihnen  mitgeteilt,  sie  müssten  sich  als  Informanten für die União Nacional para a Independência Total de Angola  (UNITA)  betätigen  und  Leute  bespitzeln.  Daneben  habe  er  die  Diamantenschürfer beaufsichtigt und so Geld verdient. Nachdem er (nach  Brauch) geheiratet habe, sei er im Jahr 2000 nach Luanda gegangen und  habe für die UNITA Renovada als Informant weitergearbeitet. Er habe zu  diesem  Zweck  unter  einem  fiktiven  Namen  an  Anlässen  einer  Jugendorganisation  des  Movimento  Popular  de  Libertação  de  Angola  (MPLA) namens JIOTA teilgenommen. Am 7. Januar 2002 hätten sie  im  Rahmen einer Versammlung über politische Werte gesprochen. Aufgrund  seiner  Äusserungen  hätten  die  JIOTA­Anhänger  bemerkt,  dass  er  und  seine  Kollegen UNITA­Informanten  gewesen  seien.  In  der  Folge  hätten  Soldaten der MPLA auf sie geschossen. Dabei sei einer seiner Kollegen  getötet  und  er  sowie  weitere  Personen  verwundet  worden.  Er  sei  daraufhin  zunächst  untergetaucht.  Nachdem  er  gehört  habe,  dass  sein  Haus verwüstet worden und seine Frau mutmasslich tot sei, sei er am 17.  Januar 2002 in sein Heimatland zurückgekehrt. Nach dem Grenzübertritt  sei  er  umgehend  vom  Geheimdienst  festgenommen  worden,  da  er  aufgrund  seiner  Informantentätigkeit  als  Soldat  des  ehemaligen  Machthabers Mobutu gegolten und inzwischen bereits Joseph Kabila die  Macht  übernommen  habe.  Zunächst  habe  man  ihn  im  Gefängnis  von 

D­3111/2011 Kayemba  festgehalten,  anschliessend  sei  er  ins  Gefängnis  Kikwit  verbracht und erst  im April 2006 mit Hilfe des  ihm von früher bekannten  Kommandanten  S.  wegen  schwerer  Erkrankung  freigelassen  worden.  Nach  seiner  Entlassung  aus  dem  Gefängnis  sei  er  nach  B._______  gegangen.  Dort  habe  er  sich  jedoch  nicht  sicher  gefühlt.  Aus  Sicherheitsüberlegungen  sowie  weil  er  Jean­Pierre  Bemba  schon  seit  dem Jahr 1990 gekannt habe, sei er ungefähr im Juni 2006 dessen Partei  Mouvement de Libération du Congo (MLC) beigetreten und sei für diese  Partei  als Wahlhelfer  tätig  gewesen.  Nach  den  Unruhen  vom  22.  März  2007 habe er  jedoch erneut Drohungen erhalten, weil man ihn als einen  für  Bemba  tätigen  Informanten  betrachtet  habe.  Daraufhin  sei  er  drei  Monate  lang  in  einem  Vorort  von  B._______  untergetaucht.  Als  er  an  seinen Wohnsitz  in B._______  zurückgekehrt  sei,  sei  er wieder bedroht  worden. Der Sicherheitsdienst sowie Soldaten hätten nach  ihm gesucht.  Ein  Polizeikommandant,  welcher  auch  für  den  Sicherheitsdienst  gearbeitet habe und ein Bruder eines Freundes gewesen sei, habe  ihm  mitgeteilt,  er  sowie  alle  anderen  ehemaligen  Soldaten Mobutus  würden  gesucht.  Falls  man  ihn  fände,  würde  er  umgebracht.  Er  werde  verdächtigt,  Informationen  über  die  Parti  du  Peuple  pour  la  Reconstruction et  la Démocratie  (PPRD) an die MLC weitergegeben zu  haben.  In  der  Folge  habe  die  Bedrohung  zugenommen.  Es  sei  vorgekommen,  dass  seine  Verfolger  dreimal  täglich  bei  ihm  zuhause  nach ihm gesucht hätten. Deshalb habe er sich vorübergehend bei einem  Senator der MLC versteckt. Da sich die Situation nicht verbessert habe,  habe  er  sich  entschieden,  sein  Heimatland  zu  verlassen.  Eine  Flughafenangestellte  habe  ihm  einen  europäischen  Pass  einer  unbekannten  Person  beschafft,  mit  welchem  er  am  17. August  2007  ausgereist sei. Während seines Transitaufenthalts in Italien habe er einen  Diamantenhändler getroffen, welchen er aus seiner Zeit in Angola kenne.  Dieser  habe  ihm  gesagt,  dass  seine  Frau  nicht  tot  sei,  sondern  in  der  Schweiz  lebe.  Er  gehe  daher  davon  aus,  dass  sich  seine  Frau  (E._______;  vgl.  N  _______)  und  das  gemeinsame  Kind  F._______  in  der Schweiz befänden.  A.c. Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen der Befragungen lediglich  seinen Führerschein zu den Akten. B.  Das BFM trat mit Verfügung vom 11. März 2008  in Anwendung von Art.  32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  ein  und  verfügte  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug. 

D­3111/2011 Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  vom  20.  März  2008  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  28.  Juli  2008  gut;  es  hob  die  vorinstanzliche Verfügung vom 11. März 2008 auf und wies die Sache zur  Vornahme  von  weiteren  Abklärungen  sowie  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz zurück (vgl. das Verfahren D­1910/2008).  C.  C.a. In der Folge forderte das BFM den Beschwerdeführer mit Verfügung  vom 26. September 2008 auf, einen Vaterschaftsnachweis zu erbringen  und Auskunft  über  seine  familiäre Situation  zu geben. Mit Eingabe vom  30. Oktober 2008 liess der Beschwerdeführer  im Wesentlichen mitteilen,  der  Vaterschaftsnachweis  habe  aufgrund  finanzieller  Umstände  (noch)  nicht  erbracht  werden  können.  Die  Beziehung  zwischen  dem  Beschwerdeführer,  seiner  Frau  (E._______)  und  seinen  Kindern  (F._______  und  G._______)  könne  indessen  als  gelebt  bezeichnet  werden, weshalb vom faktischen Bestehen einer Familie auszugehen sei.  C.b.  Mit  Verfügung  vom  3.  Dezember  2010  teilte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer mit,  es übernehme die Kosten des Vaterschaftstests,  und forderte ihn auf, den Vaterschaftsnachweis innert Frist zu erbringen. C.c.  Der  Beschwerdeführer  liess  daraufhin  mit  Eingabe  vom  21.  März  2010  erklären,  die  Mutter  der  Kinder,  Frau  E._______,  verweigere  die  Zustimmung zur Durchführung des Vaterschaftstests.  D.  Das BFM stellte mit Verfügung vom 21. April 2011 – eröffnet am 28. April  2011  –  fest,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft.  Demzufolge  verneinte  es  die  Flüchtlingseigenschaft  und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus  der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E.  Mit  Beschwerde  vom  30.  Mai  2011  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  ihm  die  Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren, eventuell sei  er infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 

D­3111/2011 Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ersucht.  Zudem  wurde  beantragt,  dem  Beschwerdeführer  sei  eine  angemessene  Parteientschädigung  zuzusprechen. F.  Der  Instruktionsrichter  verzichtete  mit  Verfügung  vom  8. Juni  2011  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  teilte  dem Beschwerdeführer gleichzeitig mit, über das Gesuch um Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege werde  im Endentscheid befunden. Der  Beschwerdeführer  wurde  zudem  aufgefordert,  umgehend  einen  Beleg  betreffend  die  geltend  gemachte  prozessuale  Bedürftigkeit  nachzureichen. G.  Mit  Eingabe  vom  16.  Juni  2011  wurden  eine  Bestätigung  der  Erwerbslosigkeit der Gemeinde H._______, Abteilung Asyl, vom 10. Juni  2011 sowie eine Bestätigung der Sozialhilfebehörde H._______ vom 16.  Juni 2011 (beides in Kopie) zu den Akten gereicht.  H.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  21.  Juni  2011  vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer am 24. Juni 2011 zur Kenntnis gebracht. I.  Mit Verfügung vom 1. Dezember 2011 forderte der Instruktionsrichter den  Beschwerdeführer  auf,  das  Gericht  innert  Frist  unter  Beilage  von  geeigneten Beweismitteln über seine aktuelle rechtliche und tatsächliche  Beziehung  zu  den  beiden  Kindern  F._______  und  G._______  sowie  allenfalls  seiner  Beziehung  zur  Kindsmutter  zu  orientieren.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  beantwortete  die  in  der  Verfügung  gestellten  Fragen  teilweise  mit  Eingabe  vom  14.  Dezember  2011  und  bat  im  Übrigen  um  eine  Fristverlängerung,  welche  am  19.  Dezember  2011  durch  den  Instruktionsrichter  bewilligt  wurde.  Der  Eingabe des Rechtsvertreters  lag eine zwischen dem Beschwerdeführer  und  seiner  Tochter  G._______Vereinbarung  vom  12.  Dezember  2011  betreffend Vaterschaft und Unterhalt bei (in Kopie). 

D­3111/2011 Mit  Eingabe  vom  18.  Januar  2012  wurde  ein  Bericht  des  Jugendsekretariats  I._______  vom  12.  Januar  2012  zu  den  Akten  gereicht.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche von  einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 

D­3111/2011 oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  ihrer politischen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids  im Wesentlichen  aus,  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft,  da  seine  Aussagen  widersprüchlich,  unplausibel  und  unsubstanziiert ausgefallen seien. So habe er betreffend die Frage, wo er  festgenommen  worden  sei,  unterschiedliche  Angaben  gemacht.  Im  Weiteren  habe  er  keinen  nachvollziehbaren  Grund  für  die  angebliche  Verhaftung nennen können. Die von  ihm geschilderten Umstände seiner  Entlassung aus dem Gefängnis mit Hilfe eines Kommandanten müssten  ebenfalls als realitätsfremd bezeichnet werden. Der Beschwerdeführer sei  ferner  nicht  in  der  Lage  gewesen,  präzise  anzugeben,  ob  es  in  seiner  Angelegenheit  eine  Gerichtsverhandlung  und/oder  ein  Urteil  gegeben  habe und habe diesbezüglich ausweichende Antworten gegeben. Er habe  zudem nicht gewusst, welche konkrete Straftat  ihm vorgeworfen worden  sei und habe auf die entsprechende Frage hin nur pauschale Aussagen  gemacht. Da er jedoch angeblich vier Jahre in Haft verbracht habe, könne  von  ihm  erwartet  werden,  dass  er  zu  dem  ihm  vorgeworfenen  Straftatbestand  genaue  Angaben  machen  könne.  Den  Alltag  im  Gefängnis  habe  der Beschwerdeführer  ebenfalls  nicht  in  substanziierter  Weise schildern können. Stattdessen habe er die  ihm gestellten Fragen  vage  und  ausweichend  beantwortet.  Die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers seien daher als konstruiert und somit unglaubhaft zu  erachten.  Der  Vollzug  der Wegweisung  sei  durchführbar.  Bezüglich  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  führte  das  BFM  im 

D­3111/2011 Wesentlichen  aus,  es  sei  aufgrund  der  Aktenlage  zweifelhaft,  ob  der  Beschwerdeführer  Frau  E._______  tatsächlich  in  Angola  kennengelernt  habe und ob die beiden tatsächlich bereits dort eine Lebensgemeinschaft  gebildet hätten. Ausserdem habe die vom BFM veranlasste DNA­Analyse  betreffend  die  beiden Kinder mangels Einwilligung  von Frau E._______  nicht  durchgeführt  werden  können.  Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Vaterschaft  sei  daher  nicht  erwiesen.  Bezeichnenderweise  habe  es  der  Beschwerdeführer  bisher  unterlassen,  das  zweite,  in  der  Schweiz geborene Kind von Frau E._______ anzuerkennen. 4.2.  In  der  Beschwerde  wird  entgegnet,  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  seien  durchaus  plausibel  und  zudem  genügend  substanziiert  ausgefallen.  Es  sei  aktenkundig,  dass  der  Beschwerdeführer  Jean­Pierre  Bemba  bereits  im  Jahr  1990  kennen  gelernt  habe. Es  sei  allgemein bekannt,  dass Bemba ein  enger Berater  von  Mobutu  gewesen  sei  und  seine  Familienangehörigen  zu  den  einflussreichsten  Unternehmern  in  der  Demokratischen Republik  Kongo  (DRK) gehört hätten. Im persönlichen Gespräch mit der Rechtsvertretung  habe  der  Beschwerdeführer  erklärt,  er  habe  Bemba  in  Gomé  kennengelernt, und zwar in einer Firma, welche von einem Sohn Mobutus  geleitet worden sei. Diese Firma besitze auch Maschinen zum Abbau von  Diamanten. Der Beschwerdeführer habe ausgesagt, dass er dann im Jahr  1992  zusammen  mit  anderen  Personen  nach  Angola  gegangen  sei,  wobei sie derartige Maschinen dabei gehabt hätten. Er habe jedoch nicht  gewusst,  dass  er  dort  als  Informant  für  die  UNITA  würde  arbeiten  müssen.  Es  sei  daher  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  primär aus ökonomischen Gründen nach Angola gegangen sei. Aufgrund  der damaligen politischen Konstellation  sei  es  jedoch plausibel,  dass er  als  Kongolese  von  der  UNITA  aufgefordert  worden  sei,  für  sie  als  Informant  zu  arbeiten,  da  die  UNITA  damals  sehr  eng  mit  Mobutu  zusammengearbeitet  habe.  Unter  diesem  Blickwinkel  sei  die  Aussage  des  Beschwerdeführers  zu  werten,  wonach  er  als  Soldat  Mobutus  betrachtet  worden  sei.  Es  sei  sodann  einleuchtend,  dass  der  kongolesische Geheimdienst Kenntnis von Kongolesen gehabt habe, die  in  Angola  im  Diamantenabbau  tätig  gewesen  seien  und  gleichzeitig  für  die  UNITA  gearbeitet  hätten.  Im  vorliegenden  Fall  habe  sich  der  Beschwerdeführer zudem zehn Jahre lang in Angola aufgehalten und sei  in  den  Diamantenhandel  involviert  gewesen.  Seine  an  die  UNITA  weitergegebenen  Informationen  seien  bestimmt  auch  für  das  Mobutu­ Regime  von  Interesse  gewesen.  In  diesem  Licht  sei  die  Aussage  des  Beschwerdeführers zu verstehen, wonach es in der DRK wohl nur wenige 

D­3111/2011 Personen  gebe,  welche  in  wichtiger  Funktion  bei  der  UNITA  tätig  gewesen  seien.  Als  der  Beschwerdeführer  wieder  in  die  DRK  zurückgekehrt  sei,  habe  er  komplett  veränderte  politische  Verhältnisse  vorgefunden.  Was  ihm  unter  der  Herrschaft  von  Mobutu  noch  als  Verdienst  angerechnet  worden  sei,  sei  ihm  nun  zum  Nachteil  gereicht.  Die geltend gemachte Verhaftung und vierjährige Inhaftierung erschienen  somit  als  plausibel.  Ebenso  nachvollziehbar  sei,  dass  sich  der  Beschwerdeführer nach seiner Entlassung unter den Schutz des ihm von  früher bekannten Bemba und dessen MLC habe begeben wollen, zumal  er überzeugt gewesen sei, diese Partei werde die Wahlen gewinnen. Es  sei  im  Weiteren  einleuchtend,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  der  Wahlniederlage der MLC vom Sicherheitsdienst verfolgt worden sei; zwar  sei er nur ein einfaches Mitglied des MLC gewesen, aber er verfüge über  einen  spezifischen  Hintergrund,  welcher  ihn  in  den  Augen  der  neuen  Regierung  von  Kabila  als  ernstzunehmenden  politischen  Gegner  habe  erscheinen  lassen.  Der  Beschwerdeführer  habe  ausführlich  und  sachkundig über seine Tätigkeit in Angola berichtet und auch die weiteren  Ereignisse, darunter den Gefängnisaufenthalt, detailreich geschildert. Das  BFM habe dem Beschwerdeführer vorgeworfen, er habe unterschiedliche  Angaben  zum  Ort  seiner  Festnahme  im  Jahr  2002  gemacht.  Dieser  Widerspruch  könne  zwar  mit  Blick  auf  die  Protokolle  kaum  aufgelöst  werden,  allerdings  sei  festzustellen,  dass  die  Version,  wonach  der  Beschwerdeführer  unterwegs  nach  Kayemba  im  Rahmen  einer  Strassenkontrolle verhaftet worden sei, die richtige sei. Im Übrigen sei die  Erklärung des Beschwerdeführers, wonach der Widerspruch wohl  durch  einen  Übersetzungsfehler  zustande  gekommen  sei,  angesichts  seiner  ansonsten  widerspruchsfreien  Aussagen  nachvollziehbar.  Mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  sei  es  entgegen  der  vom  BFM  vertretenen  Auffassung  durchaus  plausibel,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  seiner  Rückkehr  in  die  DRK  von  den  Chefs  auf  dem  Polizeiposten  erkannt  worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  im Übrigen mit  seiner  Aussage,  wonach  der  Sicherheitsdienst  alle  Kongolesen  kenne,  zum  Ausdruck bringen wollen, dass der Sicherheitsdienst alle Kongolesen mit  "spezifischer"  Funktion  kenne.  Die  vom  Beschwerdeführer  geschilderte  Entlassung  aus  dem  Gefängnis  könne  ebenfalls  nicht  als  unplausibel  bezeichnet  werden.  Der  Beschwerdeführer  habe  erklärt,  er  sei  damals  ernsthaft krank gewesen, und den fraglichen Kommandanten habe er aus  seiner Zeit in Angola gut gekannt. Es sei daher nachvollziehbar, dass der  Kommandant  zumindest  eine  minimale  Sympathie  für  den  Beschwerdeführer  gehegt  habe.  Bedeutsam  sei  auch  der  Hinweis  des  Beschwerdeführers, wonach der Kommandant aus Katanga stamme und 

D­3111/2011 über viele Beziehungen verfüge, da nämlich auch die Kabila­Familie von  dort stamme. Bezüglich der Frage, ob es ein Gerichtsverfahren gegeben  habe,  sei  festzustellen,  dass  während  der  Kongo­Kriege  bekanntlich  Personen  ohne  Gerichtsverfahren  inhaftiert  worden  seien.  Daher  erstaune es nicht, dass der Beschwerdeführer keinem Gericht zugeführt  und nicht verurteilt worden sei. Der Beschwerdeführer habe denn auch in  der  Anhörung  zunächst  ausgesagt,  es  habe  kein  Gerichtsverfahren  gegeben. Die darauffolgenden widersprüchlichen Aussagen seien darauf  zurückzuführen,  dass  der  Beschwerdeführer  betreffend  die  Bedeutung  des  Begriffs  "Gerichtsverfahren"  verunsichert  gewesen  sei  und  den  Begriff zunächst mittels Rückfrage an den Befrager habe klären müssen.  Nach erfolgter Klärung habe er eindeutig zu Protokoll gegeben, dass es  kein  Gerichtsverfahren  gegeben  habe,  sondern  er  nur  zweimal  einem  Offizier  vorgeführt  worden  sei.  Dort  habe  er  wohl  auch  sein  "Dossier"  entdeckt.  Demnach  sei  auch  nachvollziehbar,  dass  kein  Gerichtsurteil  gegen den Beschwerdeführer vorliege und er auch über keine schriftliche  Anklage  verfüge.  Immerhin  habe  er  anhand  seines  Dossiers  erkennen  können,  dass  er  als  "Ex­Mobutu­Soldat"  betrachtet  worden  sei.  Dementsprechend  sei  er  beschuldigt  worden,  im  Dienste Mobutus  tätig  gewesen  zu  sein  und  Savimbi  unterstützt  zu  haben.  In  Bezug  auf  die  Aussagen des Beschwerdeführers betreffend seinen Gefängnisaufenthalt  sei schliesslich festzustellen, dass diese entgegen den Ausführungen des  BFM nicht  ausweichend ausgefallen  seien. Vielmehr handle es  sich um  wirklichkeitsnahe  Assoziationen  des  Beschwerdeführers  zum  Thema  Gefängnisaufenthalt.  Überdies  habe  der  Beschwerdeführer  keineswegs  vage,  sondern mit  vielen  Details  über  seinen  Gefängnisalltag  berichtet.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nach  dem  Gesagten  als  überwiegend glaubhaft zu erachten. Folglich sei davon auszugehen, dass  sich der Beschwerdeführer während  rund zehn Jahren als  Informant  für  die UNITA in Angola aufgehalten habe, anlässlich seiner Rückkehr in die  DRK verhaftet worden sei und vier Jahre im Gefängnis zugebracht habe,  sich  sodann  für  die  MLC  engagiert  habe,  später  im  Rahmen  der  Wahlniederlage  von  Bemba  von  staatlichen  Sicherheitskräften  gesucht  worden  sei  und  deshalb  schliesslich  das  Land  habe  verlassen müssen.  Der  Beschwerdeführer  weise  damit  das  Profil  eines  Oppositionellen  ("Mobutu­Soldat"  und  Unterstützer  von  Bemba)  auf,  sei  bei  den  Sicherheitsdiensten  entsprechend  registriert  und  folglich  bei  der  gegenwärtigen  Regierung  von  Kabila  eine  persona  non  grata.  Es  sei  daher  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  Rückkehr in sein Heimatland mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  wäre.  Bezüglich  der  Frage  des 

D­3111/2011 Wegweisungsvollzugs  wird  in  der  Beschwerde  vorgebracht,  der  Beschwerdeführer  verfüge  über  Familienangehörige  in  der  Schweiz  (seine  Partnerin  sowie  die  beiden  gemeinsamen  Kinder).  Aufgrund  von  Spannungen zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Partnerin habe  bisher die Vaterschaft des Beschwerdeführers nicht mittels DNA­Analyse  festgestellt  werden  können.  Er  sehe  seine  Kinder  aber  regelmässig.  Gegenwärtig  werde  eine  Vaterschaftsklage  vorbereitet,  womit  die  Vaterschaft  definitiv  festgestellt  und  es  wohl  auch  zur  Unterzeichnung  eines Unterhaltsvertrages kommen werde.  5.  Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG zu Recht verneint hat.  5.1. Zunächst  ist mit Blick auf die Äusserungen des Beschwerdeführers  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachte  Inhaftierung  zwischen  Januar  2002  und  Juni  2006  nicht  der  Grund  für  seine  Ausreise  aus  dem  Heimatland  Mitte  August  2007  war.  Vielmehr  hat  er  sich  nach  seiner  Haftentlassung erneut in B._______ niedergelassen. Erst im August 2007  sah  er  sich  eigenen  Angaben  zufolge  zu  Ausreise  gezwungen,  weil  er  angeblich  im  Zusammenhang  mit  seiner  Tätigkeit  für  das  MLC  sowie  seiner  früheren  Aktivitäten  in  Angola  vom  Sicherheitsdienst  gesucht  worden sei. Damit steht fest, dass zwischen der Ausreise im August 2007  und  der  genannte  Inhaftierung  weder  in  zeitlicher  noch  in  sachlicher  Hinsicht  ein  genügend  enger  Zusammenhang  besteht,  weshalb  die  Asylrelevanz dieses Ereignisses zu verneinen ist.  5.2.  Zur  Begründung  seiner  Ausreise  im  August  2007  brachte  der  Beschwerdeführer vor, er sei ab Juni 2007 im Zusammenhang mit seiner  Tätigkeit  für  das  MLC  sowie  seiner  früheren  Aktivitäten  in  Angola  vom  Sicherheitsdienst  gesucht  worden  und  habe  damit  rechnen  müssen,  umgebracht  zu  werden.  Dieses  Vorbringen  erscheint  indessen  aus  nachfolgenden  Gründen  als  unglaubhaft:  So  ist  es  namentlich  nicht  plausibel,  dass  der  Beschwerdeführer  noch  im  Frühjahr  2007  vom  Sicherheitsdienst  des Kabila­Regimes  gesucht wurde,  weil  er  angeblich  zwischen  den  Jahren  1992  und  2002  in  Angola  im  Diamantenabbau  gearbeitet  und  sich  in  dieser  Zeit  als  Informant  für  die  dortige  Oppositionspartei  UNITA,  welche  von  dem  mit  Mobutu  befreundeten  Jonas  Savimbi  geführt  wurde,  betätigt  hat.  Falls  es  nämlich  überhaupt  glaubhaft  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  als  Informant  für  die  UNITA  gearbeitet  hat,  so  ist  aufgrund  seiner  vagen  und  ausweichenden 

D­3111/2011 diesbezüglichen  Angaben  (vgl.  dazu  A8  S.  15  ff.)  davon  auszugehen,  dass er dies unfreiwillig und relativ unmotiviert tat und dabei zudem nicht  Mobutu,  sondern  in  erster  Linie  Savimbi  unterstützte.  Daher  ist  es  realitätsfremd,  dass  der  Beschwerdeführer  wegen  seiner  angeblichen  niederschwelligen  Informantentätigkeit  für  die  UNITA  als  verfolgungswürdiger Gegner des Regimes von Joseph Kabila betrachtet  wurde,  zumal  gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers  gleichzeitig  ehemalige  Mobutu­Sicherheitskräfte  unter  Kabila  offenbar  weiterhin  unbehelligt  tätig  waren  (vgl.  A8  S.  22).  Ebenfalls  unplausibel  ist  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  von  einem  Polizeikommandanten, dem Bruder eines Freundes, gewarnt worden sei  und  dieser  ihm  gesagt  habe,  er  würde  von  den  Sicherheitskräften  umgebracht, falls sie ihn fänden, weil er ein Soldat Mobutus gewesen sei.  Hätte  der  Polizeikommandant  den  Beschwerdeführer  tatsächlich  persönlich und vor Ort gewarnt, anstatt ihn zu verhaften, so hätte er sich  damit  erhebliche  Schwierigkeiten  eingehandelt,  weshalb  dieses  Vorbringen des Beschwerdeführers nicht geglaubt werden kann. Es wird  vom  Beschwerdeführer  zudem  auch  nicht  in  nachvollziehbarer  Weise  dargelegt,  warum  der  Sicherheitsdienst  ihn  nun  plötzlich  umbringen  wollte.  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  schon  längst,  beispielsweise  während  seines  Gefängnisaufenthaltes,  getötet  worden  wäre,  wenn  dies  im  Sinne  des  Kabila­Regimes  gewesen  wäre.  Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  der  Sicherheitsdienst  habe  ihn  nicht  nur  wegen  seiner  Vergangenheit  als  "Soldat  Mobutus"  verfolgt,  sondern auch, weil er sich im MLC engagiert habe. Allerdings ist aufgrund  der Aktenlage bereits zweifelhaft, dass der Beschwerdeführer tatsächlich  Mitglied  des  MLC  war.  Er  hat  keinerlei  diesbezügliche  Beweismittel  eingereicht.  Zudem  erscheint  es  nicht  plausibel,  dass  er  im  damaligen  Zeitpunkt  (Ende Juni 2006) angeblich aus Sicherheitsüberlegungen dem  MLC  vom Bemba  (welcher Mobutu  politisch  nahestand)  beigetreten  ist.  Auf  die  Frage,  weshalb  er  sich  nicht  sicher  gefühlt  habe,  gab  er  keine  substanziierte  Antwort  (vgl.  A8  S.  32)  und  machte  namentlich  nicht  geltend, er sei konkret behelligt worden. Die angebliche Bedrohungslage  ist daher nicht nachvollziehbar. Hätte er sich tatsächlich unsicher gefühlt,  wäre  es  zudem  naheliegender  gewesen,  sich  entweder  der  Regierungspartei anzuschliessen oder sich zunächst bis zum Abschluss  der  Wahlen  stillzuhalten  und  danach  der  Siegerpartei  beizutreten.  Im  Weiteren  ist  auch  nicht  nachvollziehbar, weshalb  der Beschwerdeführer  mit  seinem  angeblichen  Engagement  für  das  MLC  das  Interesse  des  Sicherheitsdienstes  auf  sich  gezogen  haben  soll.  Eigenen  Angaben  zufolge war er bloss ein gewöhnliches Mitglied ohne besondere Funktion 

D­3111/2011 oder  Spezialwissen;  er  machte  angeblich  lediglich  ein  bisschen  Wahlpropaganda  für  Bemba.  Es  ist  völlig  realitätsfremd,  dass  er  deswegen  sogar  noch  nach  den  Wahlen  derart  intensiv  von  den  Sicherheitskräften  bedroht  und  gesucht wurde.  Im Übrigen  hat  er  keine  konkreten Drohungen  erwähnt  und  die  angebliche  Suche  nach  ihm  nur  äusserst  vage  beschrieben  (vgl.  A8  S.  37).  Das  nachgeschobene  und  völlig haltlose Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach man ihn auch  verdächtigt  habe,  dem  MLC  Informationen  der  PPRD  zukommen  zu  lassen  (vgl.  A8  S.  38),  überzeugt  zudem  ebenfalls  nicht.  Angeblich  suchten  Soldaten  zuhause manchmal mehrmals  täglich  nach  ihm;  trotz  dieses  beträchtlichen  Aufwandes  wurde  er  nicht  gefunden.  Auch  das  erscheint  realitätsfremd: Wenn die Behörden  ihn  tatsächlich so dringend  hätten verhaften wollen, hätten sie mit Sicherheit sein Haus überwachen  lassen und hätten ihn anlässlich seiner gelegentlichen Kurzbesuche (vgl.  A8 S. 4) ohne Weiteres verhaften können. 5.3. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen sind die Asylgründe des  Beschwerdeführers insgesamt als überwiegend unglaubhaft zu erachten.  Somit  hat  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  abgelehnt.  Die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  vermögen  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern,  weshalb  darauf  an  dieser  Stelle  nicht mehr näher einzugehen ist.  6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung noch hat er Anspruch auf Erteilung einer solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733).  7.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).

D­3111/2011 In  Bezug  auf  die  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  im  Bereich  des  Asylrechts  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.1.1.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Kongo  (Kinshasa)  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Kongo  (Kinshasa)  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 

D­3111/2011 Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen). Mit Blick auf die Akten sowie die vorstehenden Erwägungen  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  dem  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr in sein Heimatland eine derartige Gefahr droht. Die allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Kongo  (Kinshasa)  lässt  den  Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig  erscheinen. 7.1.2.  An  dieser  Stelle  ist  im  Weiteren  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  allenfalls  gestützt  auf  Art.  44  Abs.  1  AsylG  ein  Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz  für  sich  ableiten  kann.  Art.  44  Abs.  1  AsylG hält  fest, dass beim Vollzug einer angeordneten Wegweisung der  "Grundsatz  der  Einheit  der  Familie"  zu  berücksichtigen  sei.  Unter  dem  Begriff  "Einheit  der  Familie"  ist  zu  verstehen,  dass  Familienmitglieder  nicht  voneinander  getrennt  werden,  sondern  faktisch  zusammenleben  können,  und  dass  der  Familie  nach  Möglichkeit  ein  einheitlicher  Rechtsstatus  eingeräumt  wird  (vgl.  dazu  PETER  ZIMMERMANN,  Der  Grundsatz  der  Familieneinheit  im  Asylrecht  der  Bundesrepublik  Deutschland  und  der Schweiz,  Berlin  1991, S.  94;  SAMUEL WERENFELS,  Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987,  S. 141, 377). In personeller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei  den Ehepartner und die minderjährigen Kinder, wobei der  in dauerhafter  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebende  Partner  dem  Ehepartner  gleichzustellen  ist  (vgl.  Art.  1a  der  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999  [AsylV  1,  SR  142.311]).  Der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  führt  dazu,  dass  die  vorläufige  Aufnahme des einen Familienmitglieds in der Regel auch zur vorläufigen  Aufnahme der anderen Familienmitglieder führt.  Für den vorliegenden Fall ist im Wesentlichen Folgendes festzustellen: In  der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer verfüge in  der  Schweiz  über  Familienangehörige.  Er  verweist  dabei  auf  E._______sowie die beiden Kinder F._______ und G._______welche  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  sind  (vgl.  N _______).  Der  Beschwerdeführer  war  mit  E._______  eigenen  Angaben  zufolge  nicht  rechtsgültig, sondern lediglich nach Brauch verheiratet. Diese Heirat nach 

D­3111/2011 Brauch  erfolgte  gemäss Aussage  des Beschwerdeführers  im  Jahr  1998  oder  1999  in Angola.  Anfang  des  Jahres  2002  habe  er E._______  den  Augen verloren, weil er damals Angola habe verlassen müssen. Er habe  sie  dann  erst  in  der  Schweiz  wieder  getroffen.  Aus  den  Akten  geht  im  Weiteren  hervor,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  ungefähr  bis  Ende  2010 sehr häufig bei Frau E._______ und den Kindern aufgehalten und  faktisch bei der Kinderbetreuung mitgewirkt hat. Ab Ende 2010 hat  sich  das  Verhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  Frau  E._______  jedoch offensichtlich abgekühlt  (vgl. dazu N _______, Eingabe von Frau  E._______  vom  17.  Dezember  2010).  Jedenfalls  ist  mit  Blick  auf  den  Bericht  des  Jugendsekretariats  I._______  vom  12.  Januar  2012  festzustellen, dass der Beschwerdeführer nicht mit Frau E._______ und  den  Kindern  zusammenlebt  und  auch  keine  konkrete  Aussicht  auf  ein  zukünftiges  Zusammenleben  besteht.  In  Bezug  auf  das  Verhältnis  des  Beschwerdeführers zu den beiden Kindern ist vorab darauf hinzuweisen,  dass gemäss der offenbar Ende 2011 durchgeführten DNA­Analyse der  Beschwerdeführer  lediglich  der  biologische  Vater  von  G._______  ist,  nicht  jedoch von F._______ (vgl. dazu die Eingabe des Rechtsvertreters  vom  14.  Dezember  2011).  Eine  Vaterschaftsanerkennung  durch  den  Beschwerdeführer hinsichtlich von F._______ ist nicht aktenkundig. Unter  Berücksichtigung der Tatsache, dass der Beschwerdeführer wie erwähnt  nicht mit Frau E._______ und den beiden Kindern zusammenlebt sowie  mangels anderweitiger Hinweise ist im Weiteren davon auszugehen, dass  die  elterliche  Sorge  über  die  beiden  Kinder  allein  der  Mutter,  Frau  E._______  zukommt  (vgl.  Art.  298  und  298a  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]) und dass eine  gemeinsame  elterliche  Sorge  über  das  gemeinsame  Kind  G._______  wohl  auch  in  absehbarer  Zukunft  keine  valable  Option  ist.  Damit  steht  fest, dass das Verhältnis des Beschwerdeführers zu Frau E._______ und  den  beiden  Kindern,  namentlich  seiner  leiblichen  Tochter  G._______,  nicht dem Familienbegriff von Art. 1a AsylV 1 entspricht und dass somit  im  heutigen  Zeitpunkt  keine  schützenswerte  familiäre  Lebensgemeinschaft im Sinne von Art. 44 Abs. 1 AsylG besteht. Als nicht  sorgeberechtigter  Elternteil  kann  der  Beschwerdeführer  zudem  die  Beziehung  zu  seinem Kind  zum Vornherein  nur  in  einem  beschränkten  Rahmen, nämlich durch Ausübung des Besuchsrechts, pflegen. Hierzu ist  nicht  unabdingbar,  dass  er  dauernd  im  selben  Land  lebt  wie  sein  Kind  (BGE  120  Ib  22  E.  4a  S.  25);  vielmehr  kann  das  Besuchsrecht  grundsätzlich  auch  im  Rahmen  von  Kurzaufenthalten  vom  Ausland  her  ausgeübt  werden.  Nach  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  könnte  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  gestützt  auf  Art.  44  Abs.  1 

D­3111/2011 AsylG  allerdings  immerhin  dann  in Betracht  fallen, wenn  zwischen  dem  Ausländer und seinem Kind in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine  besonders enge Beziehung besteht,  die  sich  zudem wegen der Distanz  zwischen  der  Schweiz  und  dem  Land,  in  dem  der  Ausländer  leben  müsste,  praktisch  nicht  aufrechterhalten  liesse,  und  das  bisherige  Verhalten  des  Ausländers  in  der  Schweiz  zu  keinerlei  Klagen  Anlass  gegeben  hat  (vgl.  dazu  beispielsweise  die  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts D­7279/2006 vom 2. Juni 2008 E. 4.4.5 und  D­6483/2006  vom  1.  November  2007  E.  6.2.4  [analog  der  Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 8 EMRK; vgl. BGE 120 Ib 1  E.  3c  S.  5;  120  Ib  22  E.  4a/b  S.  25  f.;  Urteil  2D_30/2007  vom  17.  Juli  2007,  E.  4.2]).  Für  den  vorliegenden  Fall  ist  diesbezüglich  Folgendes  festzustellen: Obwohl aufgrund der Aktenlage nicht bezweifelt wird, dass  der  Beschwerdeführer  sein  leibliches  (und  übrigens  auch  das  andere)  Kind  liebt  und  ihm  sehr  an  dessen  Wohlergehen  gelegen  ist,  so  ist  vorliegend  dennoch  keine  in  wirtschaftlicher  und  affektiver  Hinsicht  besonders enge Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem  Kind  ersichtlich.  Zwar  wurde  am  12. Dezember  2011  eine  (noch  vom  zuständigen Zivilgericht  zu genehmigende) Vereinbarung  zwischen dem  Beschwerdeführer und seiner auf Unterhalt klagenden, leiblichen Tochter  G._______, geboren am _______, abgeschlossen. Daraus geht indessen  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  zurzeit  nicht  in  der  Lage  ist,  Unterhaltszahlungen  zu  leisten.  Somit  beteiligt  er  sich  zurzeit  nicht  am  Unterhalt seiner Tochter. Den Akten kann auch nicht entnommen werden,  dass der Beschwerdeführer  für G._______  in  der Vergangenheit  jemals  regelmässige  und  substanzielle  Unterhaltszahlungen  geleistet  oder  sich  anderweitig konkret (finanziell oder mittels Naturalien) an ihrem Unterhalt  beteiligt  hat.  Aufgrund  der  Aktenlage  erscheint  es  auch  nicht  als  wahrscheinlich,  dass  sich  an  dieser  Situation  in  absehbarer  Zukunft  etwas  ändern  wird,  zumal  der  Beschwerdeführer  nach  wie  vor  nicht  erwerbstätig  ist.  Somit  fehlt  es  an  einer  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  besonders  engen  Beziehung  zwischen  ihm  und  seiner  Tochter.  Im  Weiteren  wurde  bisher  offensichtlich  keine  Vereinbarung  über  ein  allfälliges  Besuchsrecht  des  Beschwerdeführers  getroffen.  Auch  in  der  am  12.  Dezember  2011  abgeschlossenen  Vereinbarung  fehlt  eine  diesbezügliche  Regelung.  Die  seit  November  2010  eingesetzte  Beiständin  im  Sinne  von  Art.  308  Abs.  1  und  2  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs  vom  10. Dezember  1907  (ZGB,  SR  210)  hat  keine  Beziehungspflege  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  den  beiden  Kindern  feststellen  können.  Ihren  Angaben  zufolge  besteht  kein  geregeltes  Besuchsrecht,  und  die  Kindsmutter  erlaube  im  Moment 

D­3111/2011 generell keine Begegnungen mit dem Beschwerdeführer (vgl. den Bericht  des Jugendsekretariats I._______ vom 12. Januar 2012). Mit Blick auf die  vorstehenden  Erwägungen  ist  demnach  davon  auszugehen,  dass  seit  einiger  Zeit  (ungefähr  seit  Ende  2010)  kein  regelmässiger  Kontakt  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  leiblichen  Tochter  mehr  stattfand. Aufgrund dessen  ist  auch das Kriterium der besonders engen  affektiven  Beziehung  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  Tochter zu verneinen. Im Übrigen wäre wie erwähnt die Ausübung eines  allenfalls  in Zukunft  zu vereinbarenden Besuchsrechts – wenngleich mit  Einschränkungen  –  auch  von  Kongo  (Kinshasa)  aus  möglich.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  durchaus  zuzumuten,  die Beziehung  zu  seiner  Tochter  gegebenenfalls  mittels  Briefen,  SMS,  E­Mails,  Telefon  oder  Videotelefonie aufrecht zu erhalten und den persönlichen Kontakt mit  ihr  im Rahmen von Kurzaufenthalten  in der Schweiz oder unter Umständen  in einem Drittland zu pflegen.  Nach  dem  Gesagten  stellt  es  insgesamt  keine  Verletzung  des  Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  dar,  wenn  bezüglich  des  Beschwerdeführers  ein  Wegweisungsvollzug  nach  Kongo  (Kinishasa)  verfügt wird, während seine Tochter zusammen mit der Kindsmutter und  deren anderer Tochter  in der Schweiz vorläufig aufgenommen sind. Der  von  der  Vorinstanz  angeordnete  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  damit auch unter dem Aspekt von Art. 44 Abs.1 AsylG als rechtmässig. 7.2.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.2.1. Hinsichtlich  der  allgemeinen  Lage  in  Kongo  (Kinshasa)  ist  vorab  auf die detaillierte, noch von der ARK in EMARK 2004 Nr. 33 publizierte  Lageanalyse zu verweisen, welche das Bundesverwaltungsgericht als im  Wesentlichen  weiterhin  zutreffend  erachtet.  Ergänzend  ist  anzufügen,  dass es Ende März 2007 im Westen des Landes sowie in der Hauptstadt  Kinshasa zwischen der  regulären kongolesischen Armee und der Garde  von  Ex­Rebellenchef  Jean­Pierre  Bemba  zu  blutigen  Auseinandersetzungen  gekommen  ist.  Der  unterliegende  Bemba  begab  sich  sich  in  der  Folge  ins  Exil  nach  Portugal.  Später  wurde  er  jedoch  verhaftet  und  dem  internationalen  Strafgerichtshof  in  Den  Haag 

D­3111/2011 zugeführt.  Anfang  2008  schlossen  die  Parteien  ein  Waffenstillstandsabkommen,  worauf  sich  die  allgemeine  Lage  vorab  im  Grossraum Kinshasa wieder beruhigte. In Kinshasa – der Herkunftsregion  des Beschwerdeführers – sowie allgemein  im Westen des Landes  ist es  seither  zu  keinen  grösseren  Gewaltausbrüchen  mehr  gekommen.  Im  Zusammenhang mit den Wahlen vom 28. November 2011 wurden zwar  aus  Kinshasa  sowie  einigen  weiteren  Landesteilen  Ausschreitungen  gemeldet, die befürchteten grossen Unruhen blieben indessen aus. Somit  ist  weiterhin  festzustellen,  dass  in  Kongo  (Kinshasa)  keine  landesweite  Bürgerkriegssituation oder Situation allgemeiner Gewalt herrscht. 7.2.2.  Die  Rückkehr  von  Personen  aus  Kongo  (Kinshasa)  kann  indes  gemäss den Ausführungen in EMARK 2004 Nr. 33 nur unter bestimmten,  eingeschränkten Umständen als zumutbar bezeichnet werden: So muss  die betroffene Person ihren letzten Wohnsitz  in der Hauptstadt Kinshasa  oder  in  einer  anderen,  über  einen  Flughafen  verfügenden  Stadt  im  Westen des Landes gehabt haben oder zumindest in einer dieser Städte  über ein gefestigtes Beziehungsnetz verfügen.  7.2.3. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen 39­jährigen, aus  B._______  stammenden  Mann  ohne  aktenkundige  gesundheitliche  Probleme, welcher vor der Einreise in die Schweiz im Diamantengeschäft  (Abbau  und  Handel)  tätig  war.  Neben  seiner  Muttersprache  Lingala  spricht  er  eigenen  Angaben  zufolge  auch  Kikongo,  Französisch  und  Portugiesisch.  Aufgrund  seiner  langjährigen  Erfahrung  im  Diamantengeschäft  sowie  seinen  Sprachkenntnissen  ist  davon  auszugehen,  dass  es  ihm  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  innert  nützlicher  Frist  gelingen  wird,  sich  dort  wiederum  eine  wirtschaftliche  Existenz  aufzubauen.  Der  Beschwerdeführer  hat  ausgesagt,  er  verfüge  im Heimatland  nur  noch  über  seine Mutter  sowie  einen  Bruder,  welche  jedoch  beide  unbekannten  Aufenthalts  seien.  Diese  Aussagen  sind  indessen mit Blick auf die für unglaubhaft befundenen Asylvorbringen zu  bezweifeln.  Im  Übrigen  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  an  seinem  Herkunftsort  abgesehen  von  seinen  engsten  Verwandten  auch  noch  über  weitere  Bezugspersonen  verfügt,  welche  ihm  bei  Bedarf  bei  der  Reintegration  behilflich  sein  könnten.  Insgesamt bestehen daher keine konkreten Anzeichen dafür, dass er bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten  würde, weshalb  der Vollzug  der Wegweisung als  zumutbar  zu  erachten  ist. 

D­3111/2011 7.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG;  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 – 515),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser  Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  dessen  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Nachdem  aber  aufgrund  der  Aktenlage  nach  wie  vor  von  seiner  prozessualen  Bedürftigkeit auszugehen ist (vgl. dazu vorstehend Abschnitt G.) und die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte,  ist  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­3111/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand:

D-3111/2011 — Bundesverwaltungsgericht 20.02.2012 D-3111/2011 — Swissrulings