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Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 D-2727/2011

18. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,446 Wörter·~7 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. April 2011 / D-5660/2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2727/2011 law/bah/sed Urteil   v om   1 8 .   Juli   2011   Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Daniele Cattaneo;    Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Irak,   vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  (…), Gesuchstellerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Revision;  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. April 2011 /  D­5660/2010.

D­2727/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass das BFM das Asylgesuch der Gesuchstellerin vom 24. Juni 2008 mit  Verfügung vom 30. Juni 2010 ablehnte, die Wegweisung aus der Schweiz  verfügte und den Vollzug der Wegweisung anordnete, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  eine  gegen  diese  Verfügung  eingereichte  Beschwerde  vom  9. August  2010  mit  Urteil  D­5660/2010  vom 12. April 2011 abwies, dass  die  Gesuchstellerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  11. Mai  2011  um  Revision  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts     D­5660/2010  vom  12. April  2011  ersuchen  und  beantragen  liess,  das  Urteil sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und  ihr  Asyl  zu  gewähren,  eventuell  sei  die  Unzulässigkeit/Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen,  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  sei  ihr  zu  gestatten,  den  Entscheid  in  der  Schweiz  abzuwarten  und  der  zuständige  Kanton  sei  anzuweisen,  von  Vollzugsmassnahmen abzusehen, dass  sie  zudem  beantragen  liess,  es  sei  eine  angemessene  Parteientschädigung  auszurichten  und  ihrem  Rechtsvertreter  Frist  zur  Einreichung einer Kostennote anzusetzen, dass der Instruktionsrichter das Gesuch um Aussetzung des Vollzugs der  Wegweisung  mit  Zwischenverfügung  vom  20. Mai  2011  abwies  und  feststellte,  die  vom  BFM  mit  Verfügung  vom  30. Juni  2010  verfügte  Wegweisung sei vollstreckbar, dass  er  die  Gesuchstellerin  aufforderte,  bis  zum  6. Juni  2011  einen  Kostenvorschuss  von  Fr. 1'200.­  zu  leisten,  unter  der  Androhung,  bei  ungenutzter Frist werde auf das Revisionsgesuch nicht eingetreten, dass  die  Gesuchstellerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  6. Juni 2011 als Beweismittel schriftliche Auskünfte von Frau B._______  und Herrn C._______ vom 31. Mai 2011 einreichen und beantragen liess,  der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  im  Rahmen  von  Art. 56  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  auszusetzen  und  der  kantonalen Behörde sei entsprechend Mitteilung zu machen, ihr seien die  Verfahrenskosten  zu  erlassen,  eventuell  sei  ihr  die  Leistung  des 

D­2727/2011 erhobenen  Kostenvorschusses  zu  erlassen  und  subeventuell  sei  der  erhobene Kostenvorschuss zu reduzieren, dass  der  Instruktionsrichter  diese Gesuche mit  Zwischenverfügung  vom  9. Juni 2011 abwies und die Gesuchstellerin aufforderte, den erhobenen  Kostenvorschuss innerhalb von drei Tagen ab Erhalt derselben zu leisten,  unter  der  Androhung,  bei  ungenutzter  Frist  werde  auf  das  Revisionsgesuch nicht eingetreten, dass diese Zwischenverfügung dem Rechtsvertreter der Gesuchstellerin  gemäss Rückschein am 15. Juni 2011 zugestellt wurde, dass die Gesuchstellerin mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 20. Juni  2011  zahlreiche  Petitionsbögen  mit  2025  Unterschriften  einreichen  und  unter anderem mitteilen liess, sie habe den Kostenvorschuss fristgerecht  geleistet, dass der Kostenvorschuss am 20. Juni 2011 eingezahlt wurde, und zieht in Erwägung, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  gemäss  Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  entscheidet  und ausserdem für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als  Beschwerdeinstanz  gefällt  hat,  zuständig  ist  (vgl.  BVGE  2007/21  E. 2.1  S. 242), dass  gemäss  Art. 45  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  für  die  Revision  von  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Art. 121 ­ 128  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG,  SR 173.110)  sinngemäss  gelten  und  nach  Art. 47  VGG  auf  Inhalt,  Form  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches  Art. 67  Abs. 3 VwVG Anwendung findet, dass  mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten  wird,  im  Hinblick  darauf,  dass  die  Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden werden  kann  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER, 

D­2727/2011 Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 247  Rz. 5.36), dass das Bundesverwaltungsgericht auf Gesuch hin seine Urteile aus den  in  Art. 121 ­ 123  BGG  aufgeführten  Gründen  in  Revision  zieht  (Art. 45  VGG),  dass  im Revisionsgesuch  insbesondere  der  angerufene Revisionsgrund  anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von  Art. 124 BGG darzutun ist, dass  im  Gesuch  vom  11.  Mai  2011  die  Revisionsgründe  von  Art. 121  Bst. c  und  d  BGG  geltend  gemacht  werden  und  ausserdem  die  Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens aufgezeigt wird, dass  auf  das  im  Übrigen  formgerecht  eingereichte  Revisionsgesuch  einzutreten  ist,  nachdem  der  erhobene  Kostenvorschuss  unter  Berücksichtigung  des  Fristenlaufs  gemäss  Art. 20  Abs. 3  VwVG  am  20. Juni 2011 fristgerecht geleistet wurde, dass  im Revisionsgesuch unter Hinweis auf Art. 45 VGG  i.V.m. Art. 121  Bst. c BGG geltend gemacht wird, die Revision eines Entscheides könne  verlangt  werden,  wenn  einzelne  Anträge  –  darunter  fielen  sowohl  die  eigentlichen  Rechtsbegehren  als  auch  Verfahrens­  und  damit  Beweisanträge – unbeurteilt geblieben seien, dass in diesem Zusammenhang ausgeführt wird, in der Beschwerde vom  9. August  2010  und  der  ergänzenden  Eingabe  vom  6. September  2010  seien zahlreiche Beweisanträge gestellt worden,  dass das Bundesverwaltungsgericht  in seinem Urteil  vom 12. April 2011  aber nur die Beweisanträge bezüglich der Befragung der beiden Söhne  und  bezüglich  der  Botschaftsabklärung  zur  Abklärung  der  Identität  behandelt und abgelehnt habe, dass  es  die  übrigen  Beweisanträge  (Überprüfung  der  Echtheit  eines  Drohbriefes  und  eines  Polizeirapports  mittels  geeigneten  Mitteln  wie  Botschaftsabklärung,  Einholen/Einverlangen  von  Auskünften  der  Freundin D._______,  des Cousins E._______,  der Schwiegermutter der  Schwester  des  Cousins  E._______  sowie  Einvernahme  als  Zeugin  beziehungsweise  Auskunftseinholung  von  F._______,  B._______  sowie  deren Söhne C._______ und G._______) jedoch nicht beurteilt habe,

D­2727/2011 dass  ferner  in  Art.  121  Bst.  d  BGG  die  Möglichkeit  der  Revision  vorgesehen  sei,  wenn  das  Gericht  in  den  Akten  liegende  erhebliche  Tatsachen aus Versehen nicht berücksichtigt habe, was dann der Fall sei,  wenn das Gericht in Wirklichkeit, also ohne das offensichtliche Versehen,  eine andere Feststellung getroffen hätte, dass diesbezüglich geltend gemacht wird, mit Eingabe vom 6. September  2010  seien  verschiedene  weitere  Beweismittel  (Familienregisterauszug,  Taufschein der Mutter, Schreiben von Pfarrer H._______, Schreiben von  Pater  I._______) betreffend die Herkunft der Gesuchstellerin eingereicht  worden,  die  offensichtlich  erhebliche  Tatsachen  belegten,  weshalb  die  Tatsache,  dass  diese  Beweismittel  vom  Gericht  im  Rahmen  seiner  Ausführungen  nicht  einbezogen worden  seien,  nur  auf  einem Versehen  beruhen könne, dass  der  Revisionsgrund  von  Art. 121  Bst. c  BGG  nicht  schon  dann  verwirklicht  ist,  wenn  im  Urteil,  dessen  Revision  verlangt  wird,  beziehungsweise  im  Rahmen  der  Instruktion  des  diesem  zugrunde  liegenden  Verfahrens,  ein  Antrag  nicht  ausdrücklich  gutgeheissen  oder  abgelehnt wurde, da sich auch aus der Begründung des Urteils ergeben  kann,  ob  ein  bestimmtes  Begehren  negativ  oder  positiv  beantwortet  wurde (ELISABETH ESCHER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz,  Marcel Alexander Niggli/Peter Uebersax/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], Basel  2008, N. 8 zu Art. 121 BGG), und zudem selbst dann, wenn das Urteil auf  einen  Antrag  nicht  ausdrücklich  eingeht,  zu  prüfen  ist,  ob  der  Antrag  allenfalls stillschweigend beurteilt wurde  (HANSJÖRG SEILER/NICOLAS VON  WERDT/ANDREAS  GÜNGERICH,  Bundesgerichtsgesetz  (BGG):  Bundesgesetz über das Bundesgericht, Handkommentar, Bern 2007, zu  Art. 121 Rz. 24),  dass  erst,  wenn  angenommen  werden  kann,  das  Gericht  habe  es  tatsächlich unterlassen, über das Begehren zu entscheiden, sei es, weil  es  diesen  Punkt  bei  der  Urteilsfällung  überhaupt  ausser  Acht  gelassen  habe,  sei  es,  weil  es  irrtümlich  davon  ausging,  der  fragliche  Antrag  sei  nicht  gestellt  worden,  ein  Antrag  als  unbeurteilt  geblieben  gelten  kann  (SEILER/ VON WERDT/ GÜNGERICH, a.a.O. zu Art. 121 Rz. 24), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  vom  12. April  2011  in  E. 4.2.4. ausführte, die Vorinstanz sei entgegen den Behauptungen in der  Beschwerde  nicht  verpflichtet  gewesen,  vorgängig  ihres  Entscheides 

D­2727/2011 weitere  Beweisanerbieten  zu  akzeptieren  beziehungsweise  zusätzliche  Recherchen (Botschaftsabklärungen) vorzunehmen, dass das Fehlen authentischer Identitätspapiere den Schluss zulasse, die  Beschwerdeführerin stamme nicht aus Mosul, dass es damit auch sinnlos erscheine, zusätzliche Abklärungen in Bezug  auf die  letztlich fiktiv erscheinende Herkunft der Beschwerdeführerin aus  Mosul  vorzunehmen  beziehungsweise  diesbezüglich  weitere  Beweise  abzunehmen, dass sich aus diesem Grunde auch das Bundesverwaltungsgericht nicht  veranlasst  sehe,  weitergehende  Ausführungen  zu  den  vom  Rechtsvertreter  auf  Beschwerdeebene  weiter  eingereichten  Beweismitteln  zu  machen  beziehungsweise  zusätzliche  Beweisofferten  hinsichtlich des angeblichen Herkunftsorts Mosul der Beschwerdeführerin  anzunehmen,  zumal  es  sich  hierbei  durchwegs  um  Beweisdokumente  beziehungsweise  ­anerbieten  handle,  welche  nicht  annäherungsweise  dieselbe  zentrale  Beweiskraft  wie  irakische  Identitätspapiere  und  Nationalitätenausweise besässen, dass das Bundesverwaltungsgericht an dieser Stelle ausdrücklich auf die  unter Bstn. Q und U des Sachverhalts aufgelisteten Beweisanträge und  ­anerbieten beziehungsweise eingereichten Beweismittel verwies, dass  sich  bei  objektiver  Betrachtung  der  vorstehend  wiedergegebenen  Erwägungen  im  Urteil  vom  12. April  2011  ergibt,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  im  Sachverhalt  unter  Bstn.  Q  und  U  erwähnten  Beweisanträge  und  ­anerbieten  in  Erwägung  4.2.4.  in  ablehnendem Sinne beurteilt hat,  dass das Bundesverwaltungsgericht  in Erwägung  6.1.2. des Urteils vom  12. April  2011  zudem  festhielt,  die  von  der  Tochter  der Gesuchstellerin  geltend  gemachten  Drohungen  durch  Islamisten  vermöchten  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Gesuchstellerin  und  deren  Familienangehörigen nicht zu begründen, zumal diese mit dem Nordirak  über eine innerstaatliche Fluchtalternative verfügten, dass  es  damit  die  geltend  gemachten  Drohungen  durch  Islamisten,  zu  deren  Nachweis  von  der  Tochter  der  Gesuchstellerin  mit  Eingabe  vom  18. August  2009  als  Beweismittel  ein  Drohbrief  beziehungsweise  ein 

D­2727/2011 Polizeibericht  vom  20. April  2008  eingereicht  wurden,  materiell  beurteilt  hat,  dass  vor  diesem  Hintergrund  davon  auszugehen  ist,  das  Bundesverwaltungsgericht  habe  sich  zu  keinen  weiteren  Beweiserhebungen betreffend die Authentizität des Drohbriefes und des  Polizeirapports  veranlasst  gesehen,  weil  es  den  diesen  Beweismitteln  zugrunde  liegenden  Sachverhalt  in  Bezug  auf  die  behauptete  Flüchtlingseigenschaft  der  Gesuchstellerin  als  ohnehin  nicht  relevant  beurteilte, dass  deshalb  nicht  davon  auszugehen  ist,  im Urteil  vom  12. April  2011  seien  die  im  Revisionsgesuch  erwähnten  Beweisanträge  im  Sinne  von  Art   121  Bst. c  BGG  unbeurteilt  geblieben,  weil  das  Bundesverwaltungsgericht  diese  Anträge  bei  der  Urteilsfällung  ausser  Acht  gelassen  habe  oder  irrtümlich  davon  ausgegangen  sei,  diese  Anträge seien nicht gestellt worden, dass  sich  das Bundesverwaltungsgericht  in Erwägung 4.2.4.  des Urteils  vom  12. April  2011  ausdrücklich  auch  auf  die  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens eingereichten Beweismittel bezog, dass  diese  Beweismittel  somit  keineswegs  aus  Versehen  nicht  berücksichtigt  worden  sind,  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  im Urteil  vom  12. April  2011  doch  ausdrücklich  festgehalten,  die  eingereichten  Beweismittel  hätten  nicht  die  nötige  Beweiskraft,  um  den  schlüssigen  Beweis für die tatsächliche Herkunft der Gesuchstellerin zu erbringen, dass  somit  die  Revisionsgründe  von  Art. 121  Bst. c  und  d  BGG  nicht  erfüllt sind, dass  in  der  Eingabe  vom  6. Juni  2011  unter  Bezugnahme  auf  den  Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG geltend gemacht wird, mit  den  eingereichten  schriftlichen  Auskünften  von  Frau  B._______  und  Herrn  C._______  vom  31. Mai  2011  werde  die  Herkunft  der  Gesuchstellerin aus Mosul bewiesen, dass  beide  Auskunftspersonen  bereit  seien,  ihre  Aussagen  auch  im  Rahmen einer Zeugenaussage zu machen,

D­2727/2011 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  deren  Bekräftigung  mittels  gerichtlichen  Zeugnisses  einverlangen  müsse,  sollte  es  an  der  Beweistauglichkeit der schriftlichen Auskünfte zweifeln, dass das Bundesverwaltungsgericht  im Urteil D­5660/2010 vom 12. April  2011  unter  Erwägung 4.2.4  im  Rahmen  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  befand,  die  in  der  Beschwerde  gemachten  Beweisanerbieten  (unter  anderem  die  Befragung  von  B._______  sowie  deren Söhne C._______ und G._______ oder die Ansetzung einer Frist  zur Einreichung einer schriftlichen Auskunft dieser Personen [vgl. U. des  Sachverhalts])  hätten  nicht  annäherungsweise  dieselbe  zentrale  Beweiskraft  wie  irakische  Identitätspapiere  und  Nationalitätenausweise,  allein mit denen der schlüssige Beweis  für die  tatsächliche Herkunft der  Gesuchstellerin erbracht werden könnte, dass  jedoch  im Rahmen  des  ordentlichen Verfahrens  angebotene,  vom  Gericht  in  antizipierter  Beweiswürdigung  als  für  den  Ausgang  des  Verfahrens  nicht  erheblich  beurteilte  und  deshalb  nicht  eingeforderte  Beweismittel,  nicht  zu  einer  Neubeurteilung  des  Sachverhalts  führen  können,  wenn  diese  im  Rahmen  eines  Revisionsverfahren  nachträglich  eingereicht  werden,  weil  es  sich  bei  solchen  Beweismitteln  –  entgegen  der  in der Eingabe vom 6. Juni 2011 vertretenen Auffassung – nicht um  "neue" Beweismittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG handelt,  dass es sich – unbesehen der Frage, ob diese als verspätet eingereicht  zu werten wären – bei den schriftlichen Auskünften von Frau B._______  und  Herrn  C._______  vom  31. Mai  2011  im  Übrigen  auch  nicht  um  "erhebliche"  Beweismittel  im  Sinne  von  Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG  handelt, da angesichts der oben wiedergegebenen Erwägungen im Urteil     D­5660/2010 vom 12. April  2011 nicht davon auszugehen  ist,  das Urteil  wäre beim Vorliegen dieser Auskünfte anders ausgefallen,  dass im Revisionsgesuch vom 11. Mai 2011 ferner geltend gemacht wird,  gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts dürfe  aus  einer  grundsätzlichen  Unzulässigkeit  der  Revision  kein  Verstoss  gegen  zwingendes  Völkerrecht  (Art.  33  Abs.  1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  [FK, SR 0.142.30],  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR  0.101],  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 

D­2727/2011 grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  [FoK, SR 0.105]) resultieren, dass  diese  Rechtsprechung,  die  bisher  auf  Fälle  der  verspäteten  Vorbringen  gemäss Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG  angewandt  worden  sei,  selbstverständlich auch anzuwenden sei, wenn formelle Revisionsgründe  gemäss Art.  121 Bst.  b­d BGG, wie  sie  vorliegend vorgebracht würden,  als nicht erfüllt erachtet würden,  dass  in Bezug auf die erwähnte Praxis  in der Eingabe vom 6. Juni 2011  zudem  geltend  gemacht  wird,  mit  den  eingereichten  schriftlichen  Auskünften von Frau B._______ und Herrn C._______ vom 31. Mai 2011  würden liquide Beweismittel eingereicht, aus denen sich ergebe, dass die  Familie  J._______  aus  Mosul  stamme  und  dass  das  Leben  sämtlicher  Familienmitglieder im Falle einer Rückkehr in grosser Gefahr wäre, dass diese Auffassung nicht überzeugt, dass  im  Anwendungsfall  von  Art. 123  Abs. 2  Bst. a  BGG  bisher  unbeurteilt  gebliebene,  weil  dem  Gericht  nicht  bekannte  Tatsachen  respektive  Beweismittel  trotz  verspäteter  Geltendmachung  beziehungsweise  Einreichung  zur  Revision  eines  rechtskräftigen  Urteils  führen,  wenn  aufgrund  derselben  nachträglich  offensichtlich  wird,  dass  dem Gesuchsteller Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung  droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht (vgl.  Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­7585/2010 vom 25. Januar 2011  E.  3.4,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 9 E. 7, insb. E. 7 f. und g S. 83  ff.,  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  S. 250  Rz. 5.49),  AUGUST  MÄCHLER,  in:  Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Zürich  2008,  Rz. 26 zu Art. 66), dass das Bundesverwaltungsgericht  im Urteil D­5660/2010 vom 12. April  2011  befunden  hat,  der  Gesuchstellerin  drohe  im  Nordirak  keine  Verfolgung beziehungsweise keine menschenrechtswidrige Behandlung,  dass  es  sich  bei  den  eingereichten  schriftlichen  Auskünften  von  Frau  B._______ und Herr C._______ vom 31. Mai 2011 – wie dargelegt –nicht  um  neue  erhebliche  Beweismittel  handelt  und  im  vorliegenden  Revisionsgesuch  auch  sonst  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG geltend gemacht 

D­2727/2011 beziehungsweise  eingereicht  werden,  aufgrund  derer  nunmehr –  entgegen  der  Beurteilung  im  Urteil  –  ersichtlich  würde,  dass  ein  völkerrechtliches Wegweisungshindernis vorliegt,  dass  in  diesem  Zusammenhang  ergänzend  festzustellen  ist,  dass  Frau  B._______  und  Herr  C._______  in  ihren  schriftlichen  Auskünften  ausführen,  sie  könnten  mit  absoluter  Sicherheit  bestätigen,  dass  Frau  A._______ und ihre Kinder beziehungsweise K._______ und ihre Familie  immer in Mosul wohnhaft gewesen seien, dass damit aber keineswegs offensichtlich wird, dass der Gesuchstellerin  im Nordirak eine menschenrechtswidrige Behandlung droht und damit ein  völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht, dass  schliesslich  in  Erinnerung  zu  rufen  ist,  dass  die  nochmalige  Beurteilung  einer  Streitsache,  über  die  bereits  rechtskräftig  befunden  wurde,  aufgrund  des  allgemeinen  Rechtsgrundsatzes  "ne  bis  in  idem"  ausgeschlossen ist,  dass  es  sich  bei  den  im  Revisionsgesuch  unter  "B.  Materielles"  gemachten Ausführungen um rein appellatorische Urteilskritik handelt, mit  der  letztlich  beabsichtigt  wird,  eine  andere  Würdigung  eines  bereits  beurteilten,  identischen  Sachverhalts  herbeizuführen,  wofür  im  Rahmen  eines  Revisionsverfahrens  jedoch  kein  Raum  besteht  (vgl.  ESCHER,  a.a.O.,  Art. 123,  N. 7,  SEILER/VON WERDT/GÜNGERICH,  a.a.O.,  Rz.  29  zu  Art.  121  BGG,  S. 518,  KARL  SPÜHLER/ANNETTE  DOLGE/DOMINIK  VOCK,  Kurzkommentar  zum  Bundesgerichtsgesetz  [BGG],  Winterthur/Schaffhausen/Zürich 2006, Rz. 5, S. 225),  dass  in  der Eingabe  vom 20. Juni  2011 weitere,  revisionsrechtlich  nicht  bedeutsame  appellatorische  Kritik  am  Urteil  D­5660/2010  vom  12. April  2011 vorgetragen und geltend gemacht wird, es hätte zumindest beachtet  werden müssen, dass auch das Original des Familienregisterauszugs des  Zivilstandsamts  Mosul  eingereicht  worden  sei,  welches  ihre  Herkunft  eindeutig bestätige, dass  indes die Behauptung, der eingereichte Familienregisterauszug sei  nicht beachtet worden, aktenwidrig  ist, da die Einreichung desselben  im  Urteil D­5660/2010 vom 12. April 2011 ausdrücklich erwähnt (vgl. Bst. U)  und  bei  der  rechtlichen Würdigung  –  wenn  auch  nicht  in  dem  von  der  Gesuchstellerin  beziehungsweise  ihrem  Rechtsvertreter  erwünschten  Sinn – berücksichtigt wurde (vgl. E. 4.2.4),

D­2727/2011 dass in der Eingabe vom 20. Juni 2011 des Weiteren auf die eingereichte  Petition  für  die  Familie  J._______  verwiesen  wird,  der  unter  revisionsrechtlichen  Gesichtspunkten  –  und  nur  solche  sind  im  vorliegenden Verfahren zu beurteilen – keine Bedeutung zukommt,  dass  es  der  Gesuchstellerin  somit  nicht  gelungen  ist,  revisionsrechtlich  relevante Gründe im Sinne von Art. 121 Bst. c und d oder Art. 123 Abs. 2  Bst. a BGG darzutun,  dass  das  Gesuch  um  Revision  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts D­5660/2010 vom 12. April 2011 demzufolge  abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 1'200.­ der  Gesuchstellerin  aufzuerlegen  sind  (Art. 37  VGG  i. V. m.  Art. 63  Abs. 1  VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]), dass die Kosten durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und mit  diesem zu verrechnen sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Entrichtung  einer  Parteientschädigung  nicht  in  Betracht  fällt,  weshalb  der  entsprechende  Antrag  abzuweisen  ist  und  festzuhalten  ist,  dass  der  Antrag  auf  Fristansetzung  zur  Einreichung  einer  Kostennote  damit  gegenstandslos  wird, dass  hinsichtlich  der  die Anstandspflicht  verletzenden Äusserungen des  Rechtsvertreters  in der Eingabe vom 20. Juni 2011 auf die Erwägungen  im Urteil D­5654/2010 zu verweisen ist. (Dispositiv nächste Seite)

D­2727/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  der  Gesuchstellerin  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3.  Es wird keine Parteientschädigung entrichtet. 4.  Dieses Urteil  geht  an  die Gesuchstellerin,  das BFM und die  zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

D-2727/2011 — Bundesverwaltungsgericht 18.07.2011 D-2727/2011 — Swissrulings