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Bundesverwaltungsgericht 09.11.2011 D-2651/2011

9. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,205 Wörter·~16 min·1

Zusammenfassung

Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl) | Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 7. April 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2651/2011 Urteil   v om   9 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), alias C._______, geboren (…), Kongo (Kinshasa), vertreten durch lic. iur. Thomas Schaad, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme;  Verfügung des BFM vom 7. April 2011 / N .

D­2651/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  Kinshasa  und  reiste  im  Alter  von  sieben  Jahren  in  Begleitung  seines  angeblichen  Vaters  unter  dem  Aliasnamen B._______ in die Schweiz ein. Am 19. Februar 1997 stellte er  ein  Asylgesuch.  Mit  Schreiben  vom  28.  September  2000  an  das  BFM  klärte  der  richtige  Vater,  D._______,  die  Behörden  über  die  wahre  Identität  des Kindes auf. Mit  der  in Rechtskraft  erwachsenen Verfügung  vom 29. November 2001 wurde der Beschwerdeführer aus der Schweiz  weggewiesen.  Gleichzeitig  ordnete  das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  die  vorläufige  Aufnahme  an,  weil  ein  Vollzug  der  Wegweisung in seinen Heimatstaat nicht zumutbar erschien. Der Beschwerdeführer wuchs bei Pflegeeltern im Kanton M._______ auf.  Er wurde eingeschult und besuchte bis ins Jahr 2004 die Primarschule in  N._______.  Mit  rechtskräftiger  Verfügung  des  Kantonsgerichts  M._______  vom  22.  November  2004  wurden  die  Personalien  des  Beschwerdeführers abgeändert auf C._______. Am 2. März 2005 stellte  die  Botschaft  der  Demokratischen  Republik  Kongo  in  Bern  für  den  Beschwerdeführer  einen  Reisepass  aus,  gültig  bis  1.  März  2008.  Zwischen  2004  und  2006  besuchte  der  Beschwerdeführer  die  Orientierungsschule  N._______.  Er  verliess  in  der  2.  Oberstufenklasse  die  Schule  und  begann  am  7.  August  2006  eine  Anlehre  in  einem  Baugeschäft.  Mit  Verfügung  des  Amtes  für  Justiz  und  Gemeinden  des  Kantons  M._______  vom  4.  September  2006  wurde  der  Vorname  des  Beschwerdeführers  auf  Aa._______  und  der  Familienname  auf  E._______, den Familiennamen seiner Pflegeeltern, abgeändert. Ab 12.  August 2007 begann er beim gleichen Arbeitgeber eine Lehre als Maurer.  Er  brach  die  Lehre  alsbald  wegen  schulischer  Probleme  in  den  berufskundlichen  Fächern  ab  und  schlug  ein  Angebot  des  Arbeitgebers  zur Weiterausbildung als Baupraktiker  aus. Das Arbeitsverhältnis wurde  in  der  Folge  aufgelöst.  Im März  2009 meldete  er  sich  beim  Arbeitsamt  N._______.  Er  bewohnte  während  einer  gewissen  Zeit  eine  1,5­ Zimmerwohnung,  welche  ihm  jedoch  gekündigt  wurde.  Seit  Dezember  2009 besitzt er keinen festen Wohnsitz mehr. Gemäss Informationen des  Migrationsamtes  des  Kantons  M._______  bestehen  laufende  Betreibungen über Fr. 4'500.–. Aus  den  vorliegenden  Akten  ist  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  Jahre  2006  in  Delikte  verwickelt  gewesen  ist.  Es  bestehen 

D­2651/2011 Tatbestandsrapporte  der  M._______  Polizei  betreffend  Aufbruchdiebstähle  an  Verpflegungsautomaten,  begangen  im  April  und  Oktober 2006. Im Februar 2007 war er an einem Raufhandel beteiligt und  die M._______ Polizei ermittelte im Verlaufe des Jahres 2009 gegen den  Beschwerdeführer wegen Diebstahls und Raubs, begangen im Dezember  2008  und  Februar  2009.  Diese  Ermittlungen  wurden  vom  Untersuchungsrichteramt  M._______  mit  Verfügung  vom  8.  Juni  2009  eingestellt,  weil  dem  Angeschuldigten  kein  strafbares  Verhalten  nachgewiesen werden konnte. Am 18. September 2009 wurde er wegen  Verdachts  des  mehrfachen  Einbruchdiebstahls,  Einbruchdiebstahlversuchs,  mehrfachen  Einschleichdiebstahls  und  Motorfahrzeug­Diebstahls,  mehrheitlich  begangen  zwischen  Juli  und  September  2009,  verhaftet.  Mit  Urteil  des  Kantonsgerichts  M._______  vom  1.  Juli  2010  wurde  er  wegen  Raubes,  mehrfachen,  teilweise  versuchten  Diebstahls,  mehrfacher  Sachbeschädigung,  mehrfachen  teilweise  versuchten  Hausfriedensbruchs  und  mehrfacher  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zwei  Jahren  und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde gemäss Vollzugsauftrag  des kantonalen Amtes für Justiz und Gemeinden Nr. 32/2010 zugunsten  einer  Massnahme  nach  Art.  61  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  aufgeschoben. Im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  wurde  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  20.  Oktober  2010  dargelegt,  dass  das  BFM  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  beabsichtige.  Es  wurde  ihm  Gelegenheit  zur  diesbezüglichen  Stellungnahme  eingeräumt.  In  seiner  Stellungnahme  vom  17.  November  2010  äusserte  sich  der  Beschwerdeführer  wie  folgt:  Er  lebe  seit  seinem  achten  Lebensjahr  bei  der Familie E._______ in der Schweiz und sei in der Verwandtschaft gut  aufgehoben. Er  habe  nach  dem Lehrabbruch  viele  Fehler  gemacht  und  habe nun vom Gericht die Chance erhalten, sein Leben neu zu ordnen.  Er  wolle  dies  nutzen  und  in  O._______  eine  Lehre  beginnen.  Seine  leiblichen  Eltern  lebten  angeblich  in  Paris  und  hätten  ihn  einmal  nach  seinem 18. Geburtstag kontaktiert, doch habe er keinen Kontakt zu ihnen.  Er  spreche  auch  die  Sprache  im  Kongo  nicht  und  habe  keinerlei  Bekannte  in  seinem  Herkunftsland.  Er  bitte  darum,  von  einer  Wegweisung abzusehen, da die Schweiz seine Heimat sei und ein Leben  in einem fremden Land für ihn eine Katastrophe bedeuten würde. B.  Mit Verfügung vom 7. April 2011 – eröffnet am folgenden Tag – hob das 

D­2651/2011 BFM die am 29. November 2001 angeordnete vorläufige Aufnahme auf.  Zur  Begründung  hielt  die  Vorinstanz  fest,  das  Bundesgericht  habe  in  seinem  Urteil  BGE  135  II  377  festgestellt,  dass  eine  längerfristige  Freiheitsstrafe und mithin ein Widerrufsgrund gemäss Art. 62 Abs. 1 Bst.  b des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen  und Ausländer (AuG, SR 142.20) dann vorliege, wenn eine ausländische  Person zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt werde.  Die Verurteilung des Ausländers zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb  Jahren  überschreite  diese  Grenze  klar.  Die  Anwendbarkeit  des  Aufhebungsgrundes von Art. 83 Abs. 7 AuG sei somit bereits unter dem  Titel von dessen Bst. a (i.V.m. Art. 62 Bst. b AuG) gegeben. Damit seien  die Anforderungen von Art. 83 Abs. 7 AuG vorliegend erfüllt. Die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  und  der  Vollzug  der  Wegweisung im Sinne von Art. 83 Abs. 7 in Verbindung mit Art. 62 AuG  solle  jedoch gemäss Bundesgerichtsrechtsprechung nur verfügt werden,  wenn  sie  nach  den  gesamten  Umständen  angemessen,  d.h.  verhältnismässig  erscheine.  Für  die  Beurteilung,  was  diesbezüglich  als  verhältnismässig  gelte,  könnten  die  zum  inzwischen  aufgehobenen  Art.  14a Abs. 6 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und  Niederlassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) entwickelten Grundsätze  sinngemäss herangezogen werden. Dabei seien namentlich die Schwere  des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit  in der  Schweiz  und  die  ihm  drohenden  Nachteile  zu  berücksichtigen.  Ausgangspunkt  für  die  ausländerrechtliche  Interessenabwägung sei  das  Verschulden des Ausländers. Es bleibe somit  im Sinne von Art. 96 AuG  zu  prüfen,  ob  seine Wegweisung  aus  der Schweiz  als  verhältnismässig  angesehen werden könne. Der  Beschwerdeführer  sei  als  Kind  in  die  Schweiz  eingereist  und  habe  hier  die  gesamte  Adoleszenz  verbracht.  Trotz  Aufenthalts  in  einer  Pflegefamilie,  die  ihm  eine  gute  Stütze  hätte  sein  können  und  den  ihm  angebotenen  schulischen  Aus­  und  Weiterbildungsmöglichkeiten  sei  er  nicht  in  der  Lage  gewesen,  daraus  Nutzen  zu  ziehen  und  sich  nach  Abschluss  der  ordentlichen  Schulzeit  in  der  Schweiz  wirtschaftlich  und  sozial  zu  integrieren.  Er  habe  im  Jahre  2007  die  Lehre  als  Maurer  abgebrochen  und  sei  nicht  bereit  gewesen,  ein  Angebot  seines  Lehrbetriebs  zur  Absolvierung  einer  Ausbildung  als  Baupraktiker  anzunehmen. Er habe später bei den Eltern der Pflegefamilie gelebt und  dort gemäss Ermittlungsbericht der M._______ Polizei vom 3. März 2009  gestohlene Waren gelagert. In seiner Stellungnahme vom 17. November 

D­2651/2011 2010  habe  er  zwar  auf  das  gute  familiäre  Umfeld  der  Pflegefamilie  hingewiesen. Dieser sei es indessen nicht gelungen, ihn von deliktischen  Aktivitäten abzuhalten. Zudem habe er das Vertrauen seiner Pflegefamilie  missbraucht,  indem  er  in  der  Wohnung  von  deren  Eltern  Diebesgut  zwischengelagert  habe.  Inzwischen  sei  er  volljährig  und  die  Vormundschaft aufgehoben worden. Der Beschwerdeführer lebe nun – wie bereits erwähnt – seit 14 Jahren in  der  Schweiz  und  habe  einen  Teil  der  Kindheit  sowie  die  gesamte  Adoleszenz  hier  verbracht.  Eine  lange Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  könne  ein  Indiz  für  eine  fortgeschrittene  Integration  darstellen,  was  bei  der erforderlichen  Interessenabwägung zu berücksichtigen sei. Dennoch  könne  in seinem Fall keineswegs von einer  fortgeschrittenen  Integration  gesprochen  werden,  da  er  weder  in  beruflicher  noch  sozialer  oder  familiärer  Hinsicht  besondere  Anstrengungen  an  den  Tag  gelegt  oder  Beziehungen  aufgebaut  habe,  welche  als  Beweis  für  eine  wirkliche  Integration gelten könnten. Aufgrund seines delinquenten Verhaltens sei  vielmehr  auf  das  Gegenteil  zu  schliessen.  Die  relativ  lange  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  habe  somit  nicht  zu  einer  stärkeren  Verwurzelung geführt und die  Integration müsse trotz der gesamten hier  verbrachten  Schul­  und  Jugendjahre  insgesamt  als  gescheitert  angesehen werden.  In  seiner  Stellungnahme  vom  17.  November  2010  habe  er  bekanntgegeben, er habe keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern,  kenne  deren Aufenthaltsort  in Frankreich nicht und verstehe nicht die Sprache,  die  im  Kongo  gesprochen  werde.  Diese  Aussage  müsse  folgendermassen  relativiert  werden:  Gemäss  Überprüfungsbericht  der  M._______ Polizei  vom 16. Februar 2009 sei  der Beschwerdeführer am  Mittwoch,  den  11. Februar  2009,  von  den  deutschen  Behörden  in  die  Schweiz  zurückgeschoben  worden.  Er  sei  am  12.  Januar  2009  via  Deutschland  nach  Frankreich  gereist,  sei  bei  der  Rückfahrt  am  11.  Februar  2009  in  der  Nähe  von  P._______  (Deutschland)  kontrolliert  worden und habe sich nicht genügend ausweisen können. Anlässlich der  Befragung  durch  die  deutsche  Bundespolizei  habe  er  bekanntgegeben,  dass  er  sich  bei  seinen  Eltern  und  Geschwistern  in  Frankreich  im  Ort  Q._______ an der Adresse R._______ aufgehalten habe. Gemäss seinen  Aussagen  lebten  die  Eltern  seit  über  10  Jahren  in  Frankreich.  Dieses  Aussageprotokoll  habe  der  Beschwerdeführer  handschriftlich  unterzeichnet.  Aus  diesen  Angaben  könne  geschlossen  werden,  dass  ihm  der  Aufenthaltsort  seiner  Eltern  sehr  wohl  bekannt  sei  und  sein 

D­2651/2011 Kontakt  zu  ihnen  enger  sei  als  er  vorgebe.  Immerhin  habe  er  gemäss  seinen eigenen Aussagen  rund einen Monat bei  ihnen gelebt. Er  sei  im  Weiteren  allein  durch  Frankreich  gereist  und  scheine  die  französische  Sprache ausreichend zu beherrschen, um sich  im Land verständigen zu  können.  Seiner  Behauptung,  er  verstehe  die  im  Kongo  gesprochene  Sprache nicht, könne nicht gefolgt werden, da Französisch eine gängige  Umgangssprache  in  der  Demokratischen  Republik  Kongo  sei  und  dort  auch als Amtssprache verwendet werde. Gemäss den Vorbringen des Beschwerdeführers  lebten seine Eltern seit  mindestens dem Jahre 1999  in Frankreich. Trotzdem habe er  sich eine  Attestation  de  naissance  sowie  ein  Certificat  de  naissance  beschaffen  können,  welche  vom  28.  und  29.  September  2000  stammten  und  in  Kinshasa ausgestellt worden seien. Dies lasse den Schluss zu, es hätten  sich  noch  mehrere  Jahre  nach  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  Familienangehörige  in  Kinshasa  aufgehalten,  welche  die  erwähnten  Identitätsdokumente für ihn hätten beschaffen können. Die Kernfamilie des Beschwerdeführers wohne im Ausland, und er könne  als  volljährige,  gesunde  Person  ohne  Abhängigkeitsverhältnis  zu  einer  Person mit  Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz  keinen  Anspruch  auf  einen  weiteren Verbleib in der Schweiz zum Schutz des Familienlebens geltend  machen.  Zudem  besitze  er  praktische  Berufserfahrung  im  Baugewerbe  und  könne  sich  in  einem  französischen Sprachgebiet  verständigen.  Die  persönlichen  Nachteile,  die  der  Beschwerdeführer  als  Folge  der  Wegweisung  in die Demokratische Republik Kongo zu gewärtigen habe,  seien  somit  nicht  als  derart  schwerwiegend  zu  bezeichnen,  dass  sie  gemessen  am  öffentlichen  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  als  übermässig erschienen. Der  Beschwerdeführer  habe  seit  dem  Jahre  2006  immer  wieder  gegen  die  geltende  Rechtsordnung  in  der  Schweiz  verstossen  und  sei  in  verschiedene Delikte verwickelt gewesen. Am 29. Dezember 2008 habe  er  in  N._______  einen  bewaffneten  Raubüberfall  auf  den  F._______  Getränkemarkt  verübt.  Während  dieser  Tat  habe  er  vermummt  die  anwesende  Verkäuferin  mit  einem  Messer  bedroht  und  sie  dadurch  gezwungen,  ihm  Bargeld  auszuhändigen.  Das  Untersuchungsrichteramt  M._______ habe zwar am 8. Juni 2009 ein Verfahren für zwei Vergehen  vom 2. Dezember 2008 und 13. Februar 2009 wegen fehlender Beweise  eingestellt.  Nach  diesem  Entscheid  der  Untersuchungsbehörden  habe  der  Beschwerdeführer  jedoch  erneut  gegen  das  Gesetz  verstossen.  Er 

D­2651/2011 sei  schliesslich am 18. September  2009 verhaftet  und mit Urteil  vom 1.  Juli  2010  wegen  qualifizierten  Raubes,  mehrfachen  Diebstahls,  versuchten  Diebstahls,  mehrfacher  Sachbeschädigung,  mehrfachen  Hausfriedensbruchs  und  mehrfacher  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  rechtskräftig  verurteilt  und  bis  zum  Eintritt  in  das  Massnahmenzentrum  in  Sicherheitshaft  gesetzt  worden.  Diese  Massnahme der kantonalen Behörde könne als Indiz für die Gefährdung  der öffentlichen Sicherheit gewertet werden. Zudem sei der Überfall vom  Dezember  2008  auf  den  Getränkemarkt  als  ein  Vergehen  unter  Ausübung von Gewalt anzusehen, bei welchem der Beschwerdeführer in  Kauf  genommen  habe,  Leib  und  Leben  seines  Opfers  zu  gefährden.  Seine Missachtung  der  geltenden Rechtsordnung  in  der Schweiz wiege  umso  schwerer,  als  er  nach  Vorliegen  der  erwähnten  Einstellungsverfügung  des  Untersuchungsrichteramtes  M._______  von  seinem  deliktischen  Verhalten  nicht  abgelassen,  sondern  sich  im  Gegenteil noch gesteigert habe. Sein Verhalten im Massnahmenzentrum  werde zwar als normal bezeichnet. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft  des  Kantons  M._______  vom  13.  Januar  2011  habe  er  jedoch  wegen  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes,  begangen  im  Massnahmenzentrum selbst, verurteilt werden müssen. Im aktuellen Zeitpunkt  gebe es  keine  Indizien, welche  für  eine günstige  Prognose  nach  einer  Entlassung  aus  dem  Strafvollzug  sprächen.  Der  Beschwerdeführer  habe  keine  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  und  offensichtlich  auch  keinen  sozialen  Halt  mehr  hier.  Es  sei  nicht  anzunehmen,  dass  er  erneut  auf  die  Unterstützung  der  Pflegefamilie  zählen könne. Das Massnahmenzentrum O._______ gebe zwar bekannt,  dass  der  Start  des  Beschwerdeführers  nach  anfänglichen  Motivationsproblemen  geglückt  sei  und  er  sich mit  seiner  Berufsbildung  auseinandersetze.  Diese  Aussagen  müssten  aber  als  relativ  vage  bewertet  werden  und  das  Wohlverhalten  einer  Person  im  Straf  –  und  Massnahmenvollzug stelle alleine noch keine gelungene Integration in die  hiesige  Gesellschaft  dar.  Es  falle  erschwerend  ins  Gewicht,  dass  der  Beschwerdeführer  sogar  in  der  Massnahmenvollzugsanstalt  gegen  die  Rechtsordnung  verstossen  habe. Aufgrund des verhängten Urteils und des Strafmasses von mehr als zwei  Jahren  Freiheitsstrafe  wiege  das  Verschulden  des  Beschwerdeführers  schwer.  Es  lägen  keine  aussergewöhnlichen Umstände  vor,  welche  die  ihm  zur  Last  gelegten  Verstösse  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  zu  seinen  Gunsten  aufwiegen  könnten. 

D­2651/2011 Angesichts  der  wiederholten  Vergehen  gegen  die  geltende  Rechtsordnung in der Schweiz sowie der mangelhaften Integration in die  schweizerischen  Lebensverhältnisse  überwögen  insgesamt  die  öffentlichen  Interessen  am  Vollzug  der  Wegweisung  gegenüber  den  privaten  Interessen des Beschwerdeführers am weiteren Verbleib  in der  Schweiz. Nach den gesamten Umständen erscheine die Aufhebung der vorläufigen  Aufnahme und damit der Vollzug der Wegweisung als angemessen. Aus  den  Akten  ergäben  sich  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  dem  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Der  Vollzug  der Wegweisung  sei  deshalb  zulässig.  Gestützt  auf  Art. 83 Abs. 7 AuG sei deshalb die vorläufige Aufnahme aufzuheben und  die Wegweisung zu vollziehen. C.  C.a. Mit Beschwerde vom 9. Mai 2011 liess der Beschwerdeführer durch  seinen  Rechtsvertreter  die  nachfolgend  aufgeführten  Rechtsbegehren  stellen: Die angefochtene Verfügung vom 7. April 2011 sei vollumfänglich  aufzuheben.  Die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  von  der  Anordnung  einer  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  abzusehen.  Eventualiter  sei  die  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung  zurückzuweisen.  Der  Beschwerdeführer  sei  von  der  Bezahlung  von  Verfahrenskosten  und  eines Kostenvorschusses zu befreien; zudem sei  ihm  in der Person des  Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Zur Begründung seiner Beschwerdeschrift lässt der Beschwerdeführer im  Wesentlichen geltend machen,  die Vorinstanz habe den Sachverhalt  im  Wesentlichen  richtig  festgestellt.  Indessen  sei  festzuhalten,  dass  der  Kontakt  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  der  Familie  E._______  auch  in dieser schwierigen Zeit  insoweit sehr eng geblieben sei, als der  Beschwerdeführer  seine Urlaube  im Rahmen  des Massnahmenvollzugs  bei  dieser  Familie  verbringe.  In  der  Zwischenzeit  habe  der  Beschwerdeführer  auch  eine  Berufswahl  (…)  getroffen,  weshalb  der  Grundstein  für  eine  erfolgreiche  Reintegration  in  die  schweizerische  Gesellschaft  nach Abschluss der Massnahme  im O._______ gelegt  sei.  Ferner  verfüge der Beschwerdeführer  über  ein  grosses Beziehungsnetz 

D­2651/2011 im  Kanton  M._______.  Im  Übrigen  handle  es  sich  beim  Beschwerdeführer  nach  wie  vor  um  ein  Pflegekind,  weshalb  das  Verhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seinen  Pflegeeltern  durch  Art.  8  EMRK  geschützt  sei.  Die  Straffälligkeit  des  Beschwerdeführers  stelle  das  einzige  öffentliche  Interesse  dar,  das  von  der Vorinstanz geltend gemacht werde, um die Aufhebung der vorläufigen  Aufnahme  zu  rechtfertigen  und  den  Vollzug  der  Wegweisung  anzuordnen.  Demgegenüber  seien  die  privaten  Interessen  des  Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz vielfältig. Er lebe nämlich  bereits über 14 Jahre in der Schweiz, spreche perfekt Schweizer Mundart  und  unterscheide  sich  auch  sonst  kaum  von  schweizerischen  Altersgenossen. In der Demokratischen Republik Kongo dagegen habe er  keine nahen Verwandten, die er kenne. Seine leiblichen Eltern wohnten in  Frankreich und seine Französischkenntnisse  reichten nicht aus, um den  Alltag  in  einem  französischen  Sprachraum  bestreiten  zu  können.  Ausserdem beherrsche er die in Kinshasa gesprochene Sprache Lingala  nicht mehr. Könne der Beschwerdeführer  in der Schweiz bleiben, so sei  die Prognose für "die Reintegration in ein straffreies Leben in der Schweiz  erfolgversprechend".  Gleichzeitig  seien  die  Schwierigkeiten  bei  der  Wiedereingliederung im Herkunftsstaat  in die Beurteilung einzubeziehen.  Der Beschwerdeführer wisse insbesondere nicht, an welche Behörden er  sich  wenden  müsse  oder  wo  Arbeit  oder  Wohnung  zu  finden  seien.  Dementsprechend  überwögen  die  privaten  Interessen  des  Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz die öffentlichen bei  weitem.  Daher  sei  ihm  der  vorläufige  Aufenthalt  auch  weiterhin  zu  gewähren. Eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme und ein Vollzug der  Wegweisung sei aber auch unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG.  Die Lage  in der Demokratischen Republik Kongo  sei  nach wie  vor  eine  sehr  unsichere  und  von  Gewalt  beherrscht.  Schliesslich  sei  der  Beschwerdeführer aufgrund seines jungen Alters sowie seiner speziellen  Lebensgeschichte eine besonders verletzliche Person. C.b.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  liess  der  Beschwerdeführer  folgende Beweismittel  einreichen:  einen Bericht  des Auswärtigen Amtes  über  die  Demokratische  Republik  Kongo,  einen  Bericht  vom  28.  März  2010 des Tagesanzeigers  über Massaker  im Kongo,  einen Bericht  vom  6. Oktober  2010  des  Tagesanzeigers  über Massenvergewaltigungen  im  Kongo  und  über  die  Festnahme  eines  Milizenchefs,  einen  Bericht  vom  16. Oktober  2010  des  Tagesanzeigers  mit  dem  Titel  "Uno  kann  die  Bevölkerung  im  Kongo  nicht  schützen"  sowie  einen  Bericht  aus  NZZ 

D­2651/2011 Online  vom  27.  Februar  2011  über  einen  Angriff  auf  die  Präsidenten­ Residenz in Kongo­Kinshasa. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  Mai  2011  hiess  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  lud  die  Vorinstanz  zur  Einreichung einer Vernehmlassung ein. E.  E.a.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  17.  Juni  2011  beantragte  die  Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte sie  im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer sei volljährig und könne  sich  gemäss Rechtsprechung  des Bundesgerichts  nicht  auf  den Schutz  des  Familienlebens  berufen.  Zudem  lebe  seine  leibliche  Familie  in  Frankreich. Er kenne deren Aufenthaltsort und habe sich zwischen Mitte  Januar  und  Mitte  Februar  2009  rund  einen  Monat  bei  seinen  richtigen  Eltern  und  Geschwistern  aufgehalten  (B12/23  S.  7).  Eine  erneute  Bezugnahme  auf  den  Schutz  des  Familienlebens  mit  der  ehemaligen  Pflegefamilie in der Schweiz mache unter diesen Umständen keinen Sinn  mehr. Der Beschwerdeführer habe bei den Eltern seiner Pflegefamilie bis  ins  Frühjahr  2009  gewohnt  und  dort  Diebesgut  gelagert  (B2).  Danach  habe  er  eine  1,5­Zimmerwohnung  bewohnt,  in  welcher  er  gemäss  Aussage der Polizei in grosser Unordnung gehaust habe. Später habe er  gemäss  Polizeiprotokoll  keinen  festen  Wohnsitz  mehr  gehabt  (B5).  Es  gebe somit keine Hinweise, die vermuten liessen, er wäre dann noch von  seinen  Pflegeeltern  betreut  worden.  Um  diesen  Sachverhalt  vertiefter  abklären  zu  können  habe  das  BFM  beim  Migrationsamt  des  Kantons  M._______  um  genauere  Angaben  zur  Beziehung  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  Pflegeeltern  ersucht.  Mit  Schreiben  vom  27.  September  2010  habe  das  Migrationsamt  des  Kantons  M._______  darüber  informiert,  dass  die  Vormundschaft  am  6.  Dezember  2007  aufgehoben  worden  und  der  Beschwerdeführer  seither  für  sich  selber  verantwortlich  sei.  Die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  er  übernachte  im  Urlaub  bei  seiner  ehemaligen  Pflegefamilie  und  habe  eine  gute  Beziehung zu ihr, werde in der Beschwerdeschrift nicht nachgewiesen. Im  Weiteren gebe es keine Bestätigung der Pflegefamilie hinsichtlich Art und 

D­2651/2011 Umfangs  der  Betreuung  des  Beschwerdeführers  nach  Verbüssung  von  dessen  Haftstrafe  beziehungsweise  Entlassung  aus  dem  Massnahmenvollzug. Der  Beschwerdeführer  beabsichtige,  im  Massnahmenzentrum  eine  Kochlehre  zu  absolvieren.  Die  ursprüngliche  Lehre  als  Maurer  habe  er  wegen  schulischer  Probleme  abbrechen  müssen.  Er  habe  aber  inzwischen  keine  Weiterbildungsmassnahmen  ergriffen  zur  Festigung  seiner  Allgemeinbildung.  Die  Problematik  der  Bewältigung  des  Schulstoffs  aus  dem  allgemeinbildenden  Unterricht  sowie  der  berufskundlichen  Fächer  an  der  Gewerbeschule  bestehe  weiterhin.  Die  Absicht, eine Lehre beginnen zu wollen, sei im Übrigen noch kein Garant  für eine spätere erfolgreiche soziale und wirtschaftliche Integration in die  Gesellschaft. Die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers sei angeordnet worden,  weil  er  zum  damaligen  Zeitpunkt  ein  Kind  gewesen  sei  und  seine  wirklichen Eltern nicht bekannt gewesen seien. Die Voraussetzungen zur  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme seien  inzwischen weggefallen,  da  er  die  Volljährigkeit  erreicht  habe  und  zudem  der  Aufenthaltsort  seiner  Eltern  bekannt  sei.  Unter  diesen  Voraussetzungen  sei  auch  eine  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  nach  Art.  84  Abs.  2  AuG  gerechtfertigt  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Demokratische  Republik Kongo als generell zumutbar anzusehen. Der Beschwerdeführer  beherrsche die französische Sprache, habe als Kind Lingala gesprochen,  beherrsche diesen Dialekt aber nur noch teilweise. Es gebe keinen Grund  zur  Annahme,  er  wäre  nicht  in  der  Lage,  diese  Sprachkenntnisse  so  aufzufrischen,  dass  sie  für  den  Alltagsgebrauch  im  Heimatstaat  erneut  genügten. Die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder  Beweismittel,  die  eine  Änderung  des  Entscheids  rechtfertigen  könnten.  Es  würden  ebenfalls  keine  Elemente  vorgebracht,  die  nicht  bereits  Gegenstand der angefochtenen Verfügung gewesen seien, weshalb auf  die Erwägungen, an denen vollumfänglich festgehalten werde, verwiesen  werde. E.b.  In  seiner  Replik  vom  18.  Juli  2011  liess  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend machen,  der  Schutzbereich  von  Art.  8  EMRK  sei  weit zu verstehen. Auch das Bundesgericht gehe in BGE 130 II 281 nicht  davon  aus,  dass  Art.  8  EMRK  nur  den  von  der  Vorinstanz  genannten 

D­2651/2011 Schutzbereich  umfasse.  So  fordere  das  Bundesgericht  etwa,  dass  die  Familienbande  intakt  und  auch  tatsächlich  gelebt  sein  müssten.  Ferner  müsse sie sich auf Familienmitglieder beziehen, die in der Schweiz lebten  und  hier  ein  gefestigtes  Anwesenheitsrecht  hätten.  Da  die  Familie  E._______  mit  Ausnahme  des  Beschwerdeführers  allesamt  über  das  Schweizer Bürgerrecht verfügten, sei  letztere Voraussetzung zweifelsfrei  erfüllt. Ausserdem liege ein E­Mail von Ea._______ und Eb._______ vor,  welche belege, dass die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und  dem Rest  der Familie E._______ auch  tatsächlich gelebt werde. Es  sei  eine Verhältnismässigkeitsprüfung vorzunehmen: Je länger ein Ausländer  in der Schweiz  lebe, desto strengere Anforderungen seien grundsätzlich  an  die  Voraussetzungen  seiner  Ausweisung  zu  stellen.  Diese  Prüfung  müsse  zugunsten  des  Beschwerdeführers  ausfallen,  zumal  die  Pflegeeltern  den  Beschwerdeführer  nach  seiner  Entlassung  aus  der  Massnahme  betreuen  und  unterstützen  würden.  Ausserdem  habe  er  mittlerweile  seine  Berufswahl  getroffen  und  wolle  Koch  werden.  Schliesslich verstehe er Lingala kaum mehr. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).

D­2651/2011 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  am  1.  Januar  2008  in  Kraft  getretene  übergangsrechtliche  Bestimmung von Art. 126a Abs. 4 AuG sieht vor, dass für Personen, die,  wie vorliegend der Beschwerdeführer, im Zeitpunkt des Inkrafttretens der  Änderung des AsylG sowie des AuG vorläufig aufgenommen waren, das  neue Recht  gilt. Diese  spezielle Regel  geht  der  allgemeinen Regel  von  Art.  126  Abs.  1  AuG  (s.  dazu  BVGE  2008/1)  vor.  Für  die  Frage  der  Aufhebung der am 29. November 2001 verfügten vorläufigen Aufnahme  sind  im  vorliegenden  Fall  somit  die  Bestimmungen  des  AuG  –  im  Besonderen  dessen  Art.  83  Abs.  7  in  Verbindung  mit  Art.  84  Abs.  3 –  anwendbar. 4.  4.1. Nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 3 AuG wird  die  vorläufige  Aufnahme  nicht  verfügt  beziehungsweise  aufgehoben,  wenn die weg­ oder ausgewiesene Person  a) zu  einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe  im  In­  oder  Ausland  verurteilt  wurde oder wenn gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne  von  Art.  64  oder  61  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuches  vom  21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) angeordnet wurde;  b) erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in der Schweiz oder  im Ausland verstossen hat oder diese  respektive die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet.

D­2651/2011 Diese beiden Bestimmungen stimmen inhaltlich überein mit Art. 62 Bst. b  und c AuG, welche die allgemeinen Voraussetzungen des Widerrufs von  Bewilligungen oder anderen Verfügungen nach jenem Gesetz regeln. 4.2.  Im  angefochtenen  Entscheid  hat  die  Vorinstanz  die  vorläufige  Aufnahme  aufgehoben,  da  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  wiederholten  Straffälligkeit  und  der  in  diesem  Zusammenhang  ausgefällten  Freiheitsstrafe  in  Anwendung  von  Art.  83  Abs.  3  i.V.m.  Art. 83 Abs. 7 AuG sich grundsätzlich nicht mehr auf die Unzumutbarkeit  eines allfälligen Wegweisungsvollzugs berufen könne. Sie hat dabei nicht  ausdrücklich unterschieden, ob damit nur das eine oder das andere oder  allenfalls beide Kriterien (Bst. a und b) der oben genannten Bestimmung  erfüllt seien. 4.3.  Der  Beschwerdeführer  wurde,  wie  bereits  erwähnt,  mit  Urteil  des  Kantonsgerichts  M._______  vom  1.  Juli  2010  wegen  Raubes,  mehrfachen,  teilweise  versuchten  Diebstahls,  mehrfacher  Sachbeschädigung,  mehrfachen  teilweise  versuchten  Hausfriedensbruchs  und  mehrfacher  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  zwei  Jahren  und  sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde gemäss Vollzugsauftrag des  kantonalen Amtes für Justiz und Gemeinden Nr. 32/2010 zugunsten einer  Massnahme  nach  Art.  61  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  (StGB,  SR  311.0)  aufgeschoben.  Für  eine  Reihe  weiterer Straftaten konnte der Beschwerdeführer mangels Beweisen nicht  zur Rechenschaft gezogen werden (vgl. Bst. A). 4.4. Das  Bundesgericht  hat  in  seiner  neueren  Praxis  (BGE  135  II  377)  den Begriff der "längerfristigen Freiheitsstrafe" im Sinne von Art. 62 Bst. b  AuG  (und  damit  auch  den  gleichlautenden  Begriff  von  Art.  83  Abs.  7  Bst. a AuG) dahingehend konkretisiert, dass darunter eine Freiheitsstrafe  von mehr als einem Jahr zu verstehen ist (a.a.O. S. 379 f. mit Hinweisen  auf  die  Literatur).  Nach  dieser  Praxis,  welche  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  im  Bereich  seiner  endgültigen  Entscheidkompetenz  als  massgeblich  betrachtet,  ist  im  Fall  des  Beschwerdeführers das Kriterium der Verurteilung zu einer längerfristigen  Freiheitsstrafe erfüllt. Dies würde im Übrigen selbst dann gelten, wenn die  Grenze,  oberhalb  derer  von  einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe  zu  sprechen  ist,  im  Sinne  der  teilweise  etwas  relativierenden  Literatur  tendenziell  höher  anzusetzen  sein  sollte  (MARC  SPESCHA/  HANSPETER  THÜR/  ANDREAS  ZÜND/  PETER  BOLZLI,  Migrationsrecht,  2.  Aufl.,  Zürich 

D­2651/2011 2009, N. 6 zu Art. 62, S.148: "deutlich über einem Jahr"; vgl. auch SILVIA  HUNZIKER  IN: MARTINA  CARONI/  THOMAS  GÄCHTER/  DANIELA  THURNHERR,  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer,  Art.  62  N. 24 ff.),  liegt  es  doch  auf  der  Hand,  dass  die  Verurteilung  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Freiheitsstrafe  (Gesamtstrafe)  von  30 Monaten  diese  Grenze  überschreitet.  Zum  gleichen  Ergebnis  gelangt  man  auch  im  Lichte  des  neuesten  –  zur  Publikation  vorgesehenen  –  Urteils  des  Bundesgerichts  2C_415/2010  vom  15. April  2011,  wonach  beim  Begriff  der  "längerfristigen  Freiheitsstrafe"  nach  Art.  62  Bst.  b  AuG  nicht  kürzere  Freiheitsstrafen  zusammengerechnet werden dürfen, sondern das Kriterium erst erfüllt ist,  wenn für sich allein eine sich aus einem einzigen Urteil ergebende Strafe  die Dauer von einem Jahr überschreitet (a.a.o. E. 2.3). Die Anwendbarkeit  des Aufhebungsgrundes  von Art.  83 Abs.  7 AuG  ist  somit bereits unter dem Titel von dessen Bst. a (i.V.m. Art. 62 Bst. b AuG)  gegeben. 4.5. Eine gesonderte Prüfung unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 7 Bst. b  AuG ist daher an sich entbehrlich. Dennoch sei der Vollständigkeit halber  festzuhalten,  dass  das  fortwährende  delinquente  Verhalten  des  Beschwerdeführers  sowohl  das  Kriterium  des  erheblichen  als  auch  des  wiederholten  Verstosses  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  offensichtlich erfüllt. 5.  5.1.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  mit  dem Verhältnismässigkeitsprinzip  im Einklang steht. Dieses Prinzip  (das  einen  allgemeinen  Grundsatz  staatlichen  Handelns  bildet,  vgl.  Art.  5  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101])  wird  für  den  vorliegend  relevanten  Rechtsbereich  durch  Art.  96  Abs.  1  AuG  spezifisch  festgeschrieben,  wonach  die  zuständigen  Behörden  bei  der  Ermessensausübung  die  öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad  der  Integration  der  Ausländerinnen  und  Ausländer  zu  berücksichtigen  haben. 5.2. In diesem Sinne sind bereits die früheren Bestimmungen von Art. 10  Bst. a und Art. 14a Abs. 6 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über  Aufenthalt  und Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,BS  1  121),  welche 

D­2651/2011 durch die vorstehend  in E. 4 genannten neuen Bestimmungen des AuG  abgelöst  wurden,  durch  die  massgebliche  Rechtsprechung  ausgelegt  worden.  So  hat  die  Praxis  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  bei  der  Anwendung  von  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  eine  Abwägung  zwischen den Interessen des Ausländers auf Verbleib in der Schweiz und  denjenigen der Schweiz an seiner Wegweisung vorausgesetzt und dabei  die  Interessen  des  Staates  am  Schutz  vor  Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  oder  deren  schwerwiegender  Verletzung  eingeschränkt. Die Ausschlussklausel von Art. 14a Abs. 6 ANAG sei mit  Zurückhaltung  und  insbesondere  unter  Beachtung  des  Verhältnismässigkeitsprinzips  anzuwenden  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 30 E. 6 S. 325 ff., 2006 Nr. 23 E. 8.3 S. 347 ff., 2006 Nr. 11 E. 7.2 S.  125 ff., 2004 Nr. 39 E. 5.3 S. 271, 2003 Nr. 3 E. 3a S. 26, 1997 Nr. 24,  1995 Nr. 10 und 11). Auch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts  zu Art. 62  f. AuG –  in Fortführung der Praxis zur Ausweisung nach dem  vormaligen  Art.  10  Bst.  b  ANAG  –  wird  für  die  Anwendung  dieser  Bestimmung  eine  Interessenabwägung  vorausgesetzt,  d.h.  die  Massnahme  muss  nach  den  gesamten  Umständen  angemessen,  also  verhältnismässig  sein.  Dabei  sind  namentlich  die  Schwere  des  Delikts  und  des  Verschuldens  des  Betroffenen,  der  seit  der  Tat  vergangene  Zeitraum und das Verhalten des Ausländers  in dieser Periode, der Grad  seiner  Integration  bzw.  die  Dauer  seiner  Anwesenheit  in  der  Schweiz  sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen  (BGE  135  II  371  E.  4.3,  134  II  1,  E.  2.2,  m.w.H.:  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­1808/2010  vom  21. September  2010,  E.  6.1).  Daraus  ergibt  sich,  dass  bei  der  Beurteilung  der  Verhältnismässigkeit  nicht  von  einer  schematischen  Betrachtungsweise  auszugehen,  sondern  auf  die  gesamten  Umstände  des  Einzelfalles  abzustellen ist. 5.3. Soweit  der Beschwerdeführer die Rückkehr  in  seine Heimat wegen  der  dort  herrschenden  Unsicherheit  und  Gewalt  als  unzumutbar  bezeichnet,  ist  darauf  zu  verweisen,  dass  Unzumutbarkeitsgründe  im  Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG (konkrete Gefährdung wegen Situationen  von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt) nach der ausdrücklichen  Bestimmung  von  Abs. 7  desselben  Gesetzesartikels  nicht  angerufen  werden können, wenn – wie vorliegend – Gründe für den Ausschluss der  vorläufigen Aufnahme gegeben sind.

D­2651/2011 5.4. Eine  lange Aufenthaltsdauer  in der Schweiz kann ein  Indiz  für eine  fortgeschrittene  Integration  darstellen,  was  nach  den  vorstehenden  Ausführungen  (E.  5.2)  für  die  erforderliche  Interessenabwägung  zu  berücksichtigen ist. Der Beschwerdeführer hält sich zwar nunmehr schon  seit  über  14  Jahren  in  der  Schweiz  auf.  Dennoch  kann  in  seinem  Fall  keineswegs  von  einer  fortgeschrittenen  Integration  gesprochen  werden;  aufgrund  seines delinquenten Verhaltens  ist  vielmehr  auf  das Gegenteil  zu  schliessen.  Auf  der  anderen  Seite  sind  die  vom  Beschwerdeführer  begangenen Straftaten und sein Verschulden erheblich. Er hat seit dem  Jahre  2006  immer  wieder  delinquiert,  wobei  die  verübten  Straftaten  zu  einem  beträchtlichen  Teil  mittelschweren,  zum  Teil  gar  schwereren  Charakters  sind.  Die  zahlreichen  strafrechtlichen  Verurteilungen  hatten  bislang  offensichtlich  keinerlei Wirkung  auf  den  Beschwerdeführer,  liegt  doch bereits wieder ein Strafbefehl mit Datum vom 13. Januar 2011 vor,  demzufolge  der  Beschwerdeführer  wegen  Konsums  von  Kokain,  Cannabis und Amphetaminen am 1. Januar 2011 zu einer Busse von Fr.  400.–  verurteilt  wurde,  für  ein  Verhalten  also,  das  er  während  des  gegenwärtigen  Massnahmenvollzugs  an  den  Tag  legte.  Dementsprechend drängt  sich der Eindruck auf,  dem Beschwerdeführer  fehle  nach  wie  vor  die  Einsicht  in  die  Problematik  seines  bisherigen  devianten Verhaltens  ebenso wie  die Fähigkeit  zu  einer  eigenständigen  und  eigenverantwortlichen  Lebensführung.  Er  pflegt  zwar  bei  Bedarf  jeweils seine guten Absichten zu beteuern, nicht mehr gegen das Gesetz  verstossen  zu  wollen,  sein  Leben  neu  zu  ordnen  und  einen  Beruf  zu  erlernen; dies hindert ihn indessen nicht daran, die in ihn gesetzten, eher  bescheidenen  Erwartungen  bei  jeder  sich  bietenden  Gelegenheit  zu  enttäuschen.  Dem  Beschwerdeführer  kann  daher  entgegen  den  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift  keine  gute  Prognose  gestellt  werden.  Angesichts  der  mangelnden  Bereitschaft  und  Fähigkeit  des  Beschwerdeführers,  sein Verhalten  zu  reflektieren,  geschweige denn zu  ändern,  stellt  er  für  seine  Umgebung  und  damit  für  die  öffentliche  Ordnung  und  Sicherheit  ein  erhebliches  Gefährdungspotential  dar.  Es  besteht  daher  ein  gewichtiges  öffentliches  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung des Beschwerdeführers. 5.5.  Schliesslich  sind  die  persönlichen  Nachteile,  die  der  Beschwerdeführer  als  Folge  der  Wegweisung  in  den  Heimatstaat  zu  gewärtigen  hat,  gemessen  am  öffentlichen  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung nicht als übermässig zu bezeichnen. Zwar  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  seinen  Heimatstaat  im 

D­2651/2011 Alter von sieben Jahren verlassen und sei heute seiner ursprünglichen, in  Kinshasa  gebräuchlichen  Muttersprache  (Lingala)  nicht  mehr  mächtig;  ebenso wenig  genügten  seine  Französischkenntnisse,  um  den Alltag  in  einem  französischen  Sprachraum  bestehen  zu  können,  etwa  im  Zusammenhang mit der Arbeits­ und Wohnungssuche. Diese Vorbringen  sind  indessen, wie die Vorbringen des Beschwerdeführers überhaupt,  in  ihrem  funktionalen  Kontext  einer  Beschwerde,  die  sich  gegen  die  Aufhebung der vorläufigen Aufnahme richtet, zu werten. Wie sich nämlich  aus den Akten ergibt, reiste der Beschwerdeführer  im Januar 2009 nach  Paris  zu  seinen  Eltern  und  verbrachte  dort  einen  Monat  (B12/23),  nachdem er seinem Vater am 6. Dezember 2008 telefonisch versprochen  habe, ihn in Paris zu besuchen. Da nicht anzunehmen ist, der Vater des  Beschwerdeführers  habe  bei  dieser  Gelegenheit  Schweizerdeutsch  gesprochen,  dürfte  klar  sein,  dass  die  für  eine  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  erforderlichen  Sprachkenntnisse  auf  Seiten  des  Beschwerdeführers  in Wirklichkeit  vorhanden  sind  und  im  vorliegenden  Verfahren  –  wie  die  Bezugspersonen  vor  Ort  –  lediglich  dissimuliert  werden. Es ist deshalb davon auszugehen, der Beschwerdeführer werde  in  der  Lage  sein,  die  Behörden,  an  die  er  sich  wenden  kann,  alsbald  ausfindig  zu  machen  und  auch  einer  anderen  Erwerbsmöglichkeit  als  bisher  nachzugehen,  falls  er  für  die  Zukunft  einen  Branchenwechsel  ernstlich  in  Betracht  zieht.  Diese  Einwände  fallen  für  die  Frage  der  Verhältnismässigkeit nicht ins Gewicht. Ebensowenig  kann  der  Beschwerdeführer  aus  dem  Argument  der  fehlenden Sicherheit etwas zu seinen Gunsten ableiten. Es kann auf das  bereits zuvor Gesagte verwiesen werden (E. 5.3). 5.6.  Gemäss  der  zitierten  Praxis  ist  bei  der  Prüfung  der  Verhältnismässigkeit  auch  zu  berücksichtigen,  ob  der  Betroffene  Angehörige  in  der  Schweiz  hat,  welche  durch  seine  Wegweisung  mitbetroffen  sind. Dies  ist  vorliegend nicht  der Fall,  zumal die  leiblichen  Eltern  unbestrittenermassen  in  Frankreich  leben.  Mittlerweile  ist  der  Beschwerdeführer  im  Übrigen  volljährig  geworden,  und  er  ist  dementsprechend  auch  nicht  mehr  das  Pflegekind  der  Familie  E._______. Daran vermag auch das E­Mail  vom 16. Juli 2011 nichts zu  ändern.  Dies  umso  weniger,  als  die  Ursache  für  die  Probleme  des  Beschwerdeführers mit dem  in der Schweiz gültigen Strafrecht nicht bei  bislang fehlender familiärer Unterstützung zu verorten ist. Vielmehr steht  fest, dass dem Beschwerdeführer auch der  familiäre Rückhalt durch die  frühere Pflegefamilie nicht die nötige Stabilität geben konnte.

D­2651/2011 5.7.  Die  von  der  Vorinstanz  angeordnete  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  hat  für  den  Beschwerdeführer  zur  Folge,  dass  er  nach  nunmehr  vierzehnjährigem  Aufenthalt  in  der  Schweiz  in  seinen  Heimatstaat zurückkehren muss, den er als Kind verlassen hat und kaum  noch kennt. Dies ist zweifellos hart, erscheint indessen trotzdem nicht als  übermässig,  da  der  Beschwerdeführer  angesichts  seiner  an  den  Tag  gelegten Aggressivität, Neigung zu fortwährender Delinquenz – bis hin zu  Gewalttätigkeit  –,  und  seiner  offensichtlichen  Unverbesserlichkeit  eine  erhebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.  Gemessen  daran  erscheinen  demgegenüber  die  Nachteile,  welche  der  Beschwerdeführer bei der Rückkehr in seinen Heimatstaat zu gewärtigen  hat,  in  Anbetracht  seiner  persönlichen  Verhältnisse  und  seines  Verhaltens als hinnehmbar. Das öffentliche Interesse an der Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  überwiegt  daher,  dies  umso  mehr, als gemäss Art. 121 Abs. 3 Bst. a BV, in Kraft bereits seit dem 28.  November  2010,  das  öffentliche  Interesse  wesentlich  höher  gewichtet  wird als in der bislang geltenden Ausländergesetzgebung. 5.8.  In  gesamthafter  Würdigung  aller  Umstände  gelangt  deshalb  das  Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass sich die von der Vorinstanz  verfügte  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  als  verhältnismässig  erweist.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  die  angefochtene  Verfügung  zu  kassieren  und  zu  neuem  Entscheid  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  oder  auf  weitere  Beweismittel  näher  einzugehen.  Im  Übrigen  kann  ergänzend  auf  die  grundsätzlich  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden. 6.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  demnach  nicht  gelungen  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder  unangemessen  sei  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  deshalb  abzuweisen. 7.  Da dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 12. Mai 2011 die  unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt  wurde,  sind  ihm  trotz  des Unterliegens mit  seinen Beschwerdeanträgen  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen.  Ausserdem  ist  an  dieser  Stelle  auch  noch  das  Gesuch  um  Beigabe  eines  Anwalts  aus  den  in  der 

D­2651/2011 Zwischenverfügung  vom  12.  Mai  2011  bereits  genannten  Gründen  abzuweisen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2651/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten gesprochen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand:

D-2651/2011 — Bundesverwaltungsgericht 09.11.2011 D-2651/2011 — Swissrulings