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Bundesverwaltungsgericht 26.10.2011 D-2459/2009

26. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,702 Wörter·~9 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. März 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2459/2009 Urteil   v om   2 6 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Pietro Angeli­Busi, Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   Gerichtsschreiberin Nina Hadorn. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), Serbien/Kosovo,   vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, C._______, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. März 2009 / N _______.

D­2459/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  die Beschwerdeführerin,  eine  der Ethnie  der Ashkali  angehörende  aus Kosovo  stammende  serbische Staatsangehörige,  am  3.  September  1990 gemeinsam mit  ihren Eltern  und Geschwistern  in  der Schweiz  ein  erstes Mal um Asyl nachsuchte,  dass das Bundesamt  für Flüchtlinge (BFF; seit dem 1. Januar 2005 Teil  des BFM) das Asylgesuch mit Verfügung vom 31. Mai 1991 ablehnte, die  Wegweisung aus der Schweiz verfügte sowie den Vollzug anordnete, dass die dagegen bei der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK)  erhobene  Beschwerde  vom  25.  Juni  1991  mit  Urteil  der  ARK  vom  29. April 1993 vollumfänglich abgewiesen wurde, dass  die  Familie  in  der  Schweiz  seit  dem  30.  September  1993  als  untergetaucht galt, dass die Beschwerdeführerin gemäss Angaben der deutschen Behörden  am 13. September 1993 nach Deutschland einreiste, wo sie erfolglos ein  Asylverfahren durchlief, dass  sie  am  9.  August  2006  in  der  Schweiz  ein  zweites  Asylgesuch  einreichte, dass die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres zweiten Asylgesuchs  im Rahmen der summarischen Befragung vom 16. August 2006 und der  kantonalen Anhörung vom 20. September 2006 im Wesentlichen geltend  machte,  sie  sei  nach  der  Ablehnung  ihres  ersten Asylgesuchs mit  ihrer  Familie nach Deutschland gegangen, dass sie dort gegen den Willen  ihrer Eltern einen Landsmann geheiratet  habe, was zum Zerwürfnis mit ihrer Familie geführt habe, dass  sie,  nachdem  sie  nach  dem  Scheitern  dieser  Ehe  von  den  deutschen  Behörden  aufgefordert  worden  sei,  das  Land  zu  verlassen,  zusammen  mit  einem  Onkel  ihrer  Mutter  in  ihr  Heimatdorf  D._______  (Kosovo) zurückgekehrt sei, wo man sie aufgrund ihrer Herkunft und der  Zusammenarbeit  ihres  Vaters  mit  den  Serben  beschimpft  und  mit  dem  Tod bedroht habe,

D­2459/2009 dass sie daher zu Verwandten nach E._______ (Kosovo) gegangen sei,  jedoch auch dort in ständiger Angst vor Übergriffen gelebt habe, dass  sie  sich  deshalb  zu  ihrer  Tante  nach  F._______  (Mazedonien)  begeben  habe,  wo  sie  das  Haus  nicht  habe  verlassen  dürfen,  da  sie  keine ID­Karte besessen habe, dass  sie  mit  finanzieller  Unterstützung  durch  ihren  in  der  Schweiz  lebenden Bruder am 9. August 2006 in einem Auto in die Schweiz gereist  sei, dass  ferner  auch  ihre  Schwester  zwischenzeitlich  nach  Kosovo  zurückgekehrt  und  dort  vergewaltigt  worden  sei,  weshalb  sie  sich  mittlerweile wieder in Deutschland aufhalte, dass sie zur Stützung ihrer Vorbringen eine durch die UNMIK ausgestellte  Geburtsurkunde  vom  (…)  (im  Original)  und  den  Pass  ihrer  Mutter  (in  Kopie) zu den Akten reichte, dass die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 25. August 2006 für die  Dauer des Verfahrens dem Kanton G._______ zugewiesen wurde, dass  sie  mit  Eingabe  ans  BFM  vom  21.  September  2006  zur  Aufforderung  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  vom  20.  September  2006, relevante Beweismittel einzureichen, Stellung nahm, dass  die  Beschwerdeführerin  am  11.  Juni  2008  vom  BFM  ergänzend  angehört  wurde  und  sie  anlässlich  dieser  Anhörung  ein  auf  den  (…)  datiertes  Schreiben  der  Demokratischen  Partei  der  Ashkali  Kosovo  (PDAK; Telefax vom […]) einreichte, dass  sie  –  nachdem  sie  im  Rahmen  der  ergänzenden  Anhörung  dazu  aufgefordert  worden  war  –  mit  Eingabe  vom  25.  Juni  2008  (Datum  Eingang BFM) ihre Heiratsurkunde (in Kopie) zu den Akten reichte, dass  ihr  am  3.  Dezember  2008  schriftlich  das  rechtliche Gehör  zu  den  Ergebnissen  aus  zwei  Abklärungsberichten  der  schweizerischen  Vertretung  in  Pristina  vom  (…)  (i.  S.  Bruder  H._______  und  dessen  Familie,  N _______),  beziehungsweise  vom  (…)  (i.  S.  Vater  I._______  und Familie, N _______, sowie der Beschwerdeführerin) gewährt wurde,

D­2459/2009 dass sie sich mit Eingabe vom 15. Dezember 2008  (Poststempel) unter  Beifügung eines weiteren Schreibens der PDAK vom (…) dazu äusserte, dass das BFM das zweite Asylgesuch mit Verfügung vom 16. März 2009  – eröffnet  am  18.  März  2009  –  ablehnte,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz sowie den Vollzug anordnete, dass es zur Begründung im Wesentlichen darlegte, die Ausführungen der  Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  nicht standhalten, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, dass  der  Wegweisungsvollzug  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  zu  erachten sei, dass  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  17.  April  2009  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  anzuerkennen  und  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersuchte, dass  der  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  23. April  2009  festhielt, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  und  das Gesuch  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses mangels Nachweises der Bedürftigkeit abwies, dass  er  die  Beschwerdeführerin  gleichzeitig  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall  zur  Bezahlung  eines  Kostenvorschusses  in  der Höhe  von Fr. 600.­ mit  Zahlungsfrist  bis  zum  8. Mai 2009 aufforderte, dass der Kostenvorschuss am 6. Mai 2009 bezahlt wurde, dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  Meldung  des  Schweizerischen  Roten Kreuzes vom 24. Januar 2011 am (…) einen Sohn gebar,

D­2459/2009 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), eine solche Ausnahme im Sinne von  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  BGG  in  casu  jedoch  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52 VwVG), dass  der  am  (…)  geborene  Sohn  B._______  in  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren einbezogen wird, dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG),  wobei  als  Flüchtling  eine  ausländische  Person  anerkannt  wird,  wenn sie  in  ihrem Heimatstaat oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  har,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),

D­2459/2009 dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass diese glaubhaft  gemacht  ist, wenn die Behörde  ihr Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält  (Art.  7  Abs.  2  AsylG), dass  Vorbringen  insbesondere  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG), dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung vom 16. März 2009 im  Wesentlichen ausführte, Abklärungen der Schweizer Botschaft in Pristina  hätten  ergeben,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Angehörigen  Kosovo  im  Jahr  1989  verlassen  hätten  und  seither  nicht  dorthin  zurückgekehrt seien, dass,  da  die  Beschwerdeführerin  offensichtlich  nicht  nach  Kosovo  zurückgekehrt  sei,  den  geltend  gemachten  Verfolgungshandlungen  jegliche Grundlage  entzogen werde, weshalb  sie  nicht  geglaubt werden  könnten, dass  das  Gleiche  für  die  angebliche  Vergewaltigung  ihrer  Schwester  gelte, dass weder ihre diesbezügliche Stellungnahme vom 15. Dezember 2008  noch  die  beiden  Schreiben  der  PDAK  geeignet  seien,  die  Abklärungsergebnisse der Botschaft in Frage zu stellen, dass die Ergebnisse der Abklärungen in der Stellungnahme ohne nähere  Begründung bestritten würden, dass  die  beiden  Schreiben  der  PDAK  sich  auf  allgemeine  und  unverbindliche  Ausführungen  zu  Verfolgern  und  Gefährdung  beschränkten und das auf den (…) datierte Schreiben bereits zwei Tage  davor  –  am  (…)  –  aus  D._______  gefaxt  worden  sei,  weshalb  sie  als  Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert bezeichnet werden müssten, dass  die  Beschwerdeführerin  sich  zudem  in  mehreren  Punkten  in  Widersprüche verstrickt habe,

D­2459/2009 dass  insbesondere  ihre  Angaben  zum  Zeitpunkt  ihrer  angeblichen  Rückkehr  nach  Kosovo,  zum  Aufenthalt  in  Kosovo  und  zur  Reise  von  Deutschland nach Kosovo unstimmig gewesen seien, dass  die  Vorbringen  daher  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielten, dass  die Beschwerdeführerin  diesen Ausführungen  in  ihrer Beschwerde  im  Wesentlichen  entgegnete,  während  des  Krieges  im  ehemaligen  Jugoslawien  sei  gegen  die  Roma  in  Kosovo  eine  ethnische  Säuberungspolitik betrieben worden, dass  diese  Politik  –  wenn  auch  in  abgeschwächter  Form  –  auch  nach  Kriegsende  unter  dem  Vorwand,  die  Roma  hätten  im  Krieg  die  Serben  unterstützt, fortgesetzt werde, dass  das  BFM  ihre  Ausführungen  zur  Reise  nach  Kosovo,  zur  Vergewaltigung ihrer Schwester, zu ihrer Heirat und zum Verstoss durch  ihre  Eltern  vor  diesem Hintergrund  zu Unrecht  als  unglaubhaft  erachtet  habe, dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Befragungen  jeweils  übereinstimmend angegeben habe, sie sei mit ihrem Onkel nach Kosovo  zurückgefahren,  weshalb  ihre  diesbezüglichen  Angaben  weder  realitätsfremd noch unsubstanziiert seien, dass das Heiraten einer von den Eltern nicht akzeptierten Person mit den  Bräuchen  und  der  Religion  einer  muslimischen  Roma­Familie  nicht  vereinbar  sei,  weshalb  die  von  der  Beschwerdeführerin  eingegangene  Ehe für die Eltern als Verbrechen gelte, dass  ihre  Gefährdung  in  Kosovo  angesichts  der  dort  vorherrschenden  Unterdrückung  der  Roma  sehr  wohl  glaubhaft  sei,  insbesondere  da  sie  wegen Verdachts  auf  Zusammenarbeit mit  den Serben  bereits mit  dem  Tod bedroht worden sei, dass  für  Menschen  ihrer  Hautfarbe  und  Ethnie  in  Kosovo  keine  innerstaatliche Fluchtalternative bestehe, dass  ihre  Vorbringen  demnach  sowohl  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  als  auch  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG genügten,

D­2459/2009 dass  sich  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  aufgrund  der  Akten  als  zutreffend erweisen und die Vorbringen  in der Rechtsmitteleingabe nicht  geeignet  sind,  eine  Änderung  der  angefochtenen  Verfügung  herbeizuführen, dass  die  ARK  die  von  der  Familie  (unter  Einschluss  der  Beschwerdeführerin)  geltend  gemachten  Gründe  für  die  Ausreise  aus  Kosovo bereits im Rahmen ihres ersten Asylverfahrens mit Urteil vom 29.  April 1993 als unglaubhaft qualifizierte, dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  ihres  zweiten  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend  machte,  in  der  Zwischenzeit  nach  Kosovo  zurückgekehrt und dort Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu  sein, dass  das  BFM  die  Rückkehr  nach  Kosovo  zu  Recht  als  unglaubhaft  eingestuft hat, dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  summarischen  Befragung  zuerst vorbrachte, zuletzt  im Jahr 2005 während zehn Tagen  in Kosovo  gewesen zu sein (vgl. B1/9 S. 1), während sie später in dieser Befragung  von einem drei­ bis viermonatigen Aufenthalt sprach (vgl. B1/9 S. 5), dass  sie  ausführte,  in  D._______  bei  einem Cousin  gewohnt  zu  haben  (vgl. B1/9  S.  4),  nur  um  kurz  darauf  anzugeben,  sie  habe  sich  in  D._______ bei ihrem Grossvater aufgehalten (vgl. B1/9 S. 5), dass sie  im Rahmen der kantonalen Anhörung geltend machte, vor drei  Jahren  (d.h.  ungefähr  im  Jahr  2003)  von  Deutschland  nach  Kosovo  gereist  und  während  ungefähr  dreier  Jahre  in  E._______  geblieben  zu  sein  (vgl.  B12/22  S.  6),  was  nicht  im  Einklang  mit  den  anlässlich  der  Erstbefragung gemachten Angaben steht (vgl. B1/9 S. 1 und 5), dass sie ferner anlässlich der summarischen Befragung geltend machte,  sich  während  ungefähr  einer  Woche  in  F._______  (Mazedonien)  aufgehalten  zu  haben  (vgl.  B1/9  S.  6),  während  sie  diesbezüglich  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  von  drei  bis  vier  Monaten  (vgl.  B12/22 S. 12) und anlässlich der ergänzenden Anhörung sogar von drei  Jahren sprach (vgl. B19/16 S. 8),

D­2459/2009 dass sie zudem im Rahmen der ergänzenden Anhörung erstmals geltend  machte, nach der Ablehnung  ihres ersten Asylgesuchs von der Schweiz  aus direkt nach Kosovo gereist zu sein (vgl. B19/16 S. 4), dass  diese  gravierenden  Widersprüche  –  auch  unter  Berücksichtigung  des  geltend  gemachten  Analphabetismus  –  umso  stärker  ins  Gewicht  fallen, als es sich beim geltend gemachten Aufenthalt  in Kosovo um das  zentrale Vorbringen des Asylgesuchs handelt, dass die Abklärungsberichte der Schweizer Botschaft  die Einschätzung,  wonach eine zwischenzeitliche Rückkehr nach Kosovo nicht glaubhaft ist,  bekräftigen, dass  darin  nämlich  im  Wesentlichen  ausgeführt  wird,  weder  die  Beschwerdeführerin noch ein Mitglied  ihrer Familie sei seit der Ausreise  im Jahr 1989 nach Kosovo zurückgekehrt, dass  die  geltend  gemachte  erlittene  Verfolgung  in  Kosovo  deshalb  als  unglaubhaft zu qualifizieren ist, dass  folglich  auch  das  Vorbringen,  wonach  ihre  Schwester  nach  ihrer  Rückkehr nach Kosovo vergewaltigt worden sei, als unglaubhaft erachtet  wird, dass  das  BFM  den  Beweiswert  der  von  der  Beschwerdeführerin  zur  Stützung  ihrer  Vorbringen  eingereichten  Schreiben  der  PDAK  zu Recht  als gering erachtete, dass  im Schreiben vom (…) zudem  lediglich  festgestellt wird, die PDAK  sei  durch  die  Familie  der  Beschwerdeführerin  über  eine  Bedrohung  seitens  albanischer  Extremisten  in  Kenntnis  gesetzt  worden,  was  den  Eindruck  erweckt,  die  PDAK  verfüge  selber  nicht  über  Informationen  in  Bezug auf die angebliche Bedrohung, dass im Schreiben vom (…) ausgeführt wird, die Beschwerdeführerin sei  im Jahr 2004 nach Kosovo zurückgekehrt und habe das Land nach zehn  Tagen wieder  verlassen,  was  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  der  Befragungen  nicht  entspricht  (vgl. vorstehende  Erwägungen), dass diesbezüglich  im Weiteren auf die zutreffenden Erwägungen  in der  angefochtenen Verfügung vom 16. März 2009 verwiesen werden kann,

D­2459/2009 dass somit der Beweiswert der beiden Schreiben aufgrund des fraglichen  Inhalts  und  der  fraglichen  Beschaffenheit  vor  dem  Hintergrund  der  Unglaubhaftigkeit der Vorbringen als herabgesetzt einzuschätzen ist und  die Dokumente daher nichts an der zu bestätigenden Einschätzung des  BFM zu ändern vermögen, dass  in  Bezug  auf Widersprüche  und  Ungereimtheiten  in  den  weiteren  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  auf  die  zu  bestätigenden  Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, dass  in  der  Beschwerde  lediglich  unter  Bezugnahme  auf  einzelne  bekannte Aussagen der Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörungen  und  allgemeine  Ausführungen  zur  Situation  der  Roma  in  Kosovo  das  Vorliegen einer begründeten Furcht behauptet wird, dass das Bundesverwaltungsgericht durchaus anerkennt, dass Roma und  insbesondere  Ashkali  in  Kosovo  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können  und  Diskriminierungen,  wie  sie  die  Beschwerdeführerin  geltend macht,  vor diesem Hintergrund nicht  grundsätzlich ausschliesst,  indessen die Angaben der Beschwerdeführerin aufgrund ihres gesamten  Aussageverhaltens und der Aktenlage in Zweifel zieht, dass  es  sich  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt,  auf  die  weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, weil  sie am Ergebnis nichts ändern können, dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind somit die Voraussetzungen zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  weshalb  die  Vorinstanz das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs in der Regel die Wegweisung aus  der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 2 AsylG), vorliegend der Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE 2009/50 E  9 S.  733, BVGE  2008/34  E.  9.2  S.  510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 

D­2459/2009 wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass  überdies  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101) ersichtlich sind, die ihr und ihrem Kind in Kosovo droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung vom 16. März 2009 im  Wesentlichen ausführte, die Sicherheitslage  in Kosovo habe sich  in den  vergangenen Jahren so weit verbessert, dass eine konkrete Gefährdung  von  albanischsprachigen  Roma,  Ashkali  und  Ägyptern  allein  aufgrund  ihrer  Ethnie  –  mit  Ausnahme  einiger  Dörfer  und  Gemeinden –  ausgeschlossen sei,

D­2459/2009 dass  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  sprechen  würden,  da  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem  Heimatdorf  D._______  über  mehrere  Verwandte  verfüge,  wobei  die  Familie in relativ komfortablen Verhältnissen lebe, dass weitere  Familienmitglieder  der Beschwerdeführerin  in  der Schweiz  und in Deutschland leben würden, sodass sie mit Blick auf die in Kosovo  geltenden  traditionellen  Familienstrukturen  auf  deren  finanzielle  Unterstützung zählen könne, dass  sie  im  Weiteren  zusammen  mit  ihren  Eltern  und  ihrem  Bruder,  welche  mit  Verfügung  vom  16.  März  2009  ebenfalls  aus  der  Schweiz  weggewiesen worden seien, nach Kosovo zurückkehren könne, dass  das  Vorbringen,  wonach  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  Heirat  mit  einem  unerwünschten  Mann  von  ihren  Eltern  verstossen  worden sei, nicht glaubhaft sei, dass  die  Beschwerdeführerin  diesen  Ausführungen  betreffend  den  Wegweisungsvollzug im Wesentlichen entgegnete, sie sei aufgrund ihrer  Ethnie im Visier der kosovarischen Nationalisten, dass  Roma,  welche  der  Unterstützung  der  Serben  verdächtigt  werden,  unmenschliche  Behandlung,  Ermordung  oder  Vergewaltigung  drohe,  weshalb sie in Kosovo kein sicheres Leben führen könne, dass wegen des Hasses auf die Roma­Minderheit im ganzen Land keine  innerstaatliche Fluchtalternative (recte: Aufenthaltsalternative) bestehe, dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner Praxis davon ausgeht, dass  der Vollzug der Wegweisung von albanischsprachigen Roma, Ashkali und  Ägyptern nach Kosovo in der Regel zumutbar ist, sofern auf Grund einer  Einzelfallabklärung  (insbesondere  durch  Untersuchungen  vor  Ort)  feststeht,  dass  bestimmte  Reintegrationskriterien  –  wie  berufliche  Ausbildung,  Gesundheitszustand,  Alter,  ausreichende  wirtschaftliche  Lebensgrundlage und Beziehungsnetz in Kosovo – erfüllt sind (vgl. BVGE  2007/10), dass  damit  die  Rechtsprechung  der  ehemaligen  ARK  fortgeführt  wird  (vgl. EMARK 2006 Nr. 10 und 11),

D­2459/2009 dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  nach  der  Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  an  dieser  Rechtsprechung  grundsätzlich  festhält  (vgl. Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 873/2009 vom 3. Mai 2011 E. 5.4, D­6541/2009 vom 22. Februar 2011 E.  7.5), dass das BFM vorliegend eine solche Einzelfallabklärung veranlasst hat,  deren  Ergebnis  darauf  schliessen  lässt,  die  Beschwerdeführerin  könne  zusammen  mit  ihrem  Kind  in  ihr  Heimatdorf  D._______  zu  ihren  Angehörigen zurückkehren und sei dort nicht relevant gefährdet, dass die Abklärungsberichte durch die Schweizer Botschaft in Pristina im  Wesentlichen  ergaben,  dass  Verwandte  der  Beschwerdeführerin  in  D._______ wohnhaft seien, dass ihr Quartier hauptsächlich von Ashkali bewohnt werde, welche eine  gute  Beziehung  zur  dort  ansässigen  albanischen  Bevölkerung  pflegen  würden, weshalb in Bezug auf die Beschwerdeführerin keine besonderen  Sicherheitsprobleme bestünden, dass  die  Familie  in  wirtschaftlich  guten  Verhältnissen  lebe  und  insbesondere über fünf Häuser in D._______ verfüge, dass  die Kinder  des  dort wohnhaften Onkels  zur Schule  gehen würden  und  dort  auch  albanische  Freunde  hätten,  während  der  Onkel  selber  einen Posten bei der Stadtverwaltung innehabe, dass  gemäss  dem  Abklärungsbericht  vom  (…)  telefonischer  Kontakt  zumindest zum in D._______ wohnhaften Onkel bestehe, dass sowohl das zweite Asylgesuch  ihres Vaters  I._______ und Familie  (N _______)  als  auch  das  zweite  Asylgesuch  ihres  Bruders  H._______  und  dessen  Familie  (N  _______)  abgewiesen  wurden  und  die  Anordnungen  der  Wegweisung  mit  den  jeweiligen  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  19.  Mai  2009  (D­2504/2009),  beziehungsweise  vom  24.  Januar  2008  (E­6889/2006)  in  Rechtskraft  erwuchsen,  weshalb  davon  auszugehen  ist,  auch  die  Kernfamilie  der  Beschwerdeführerin befinde sich mittlerweile wieder in Kosovo, dass  die  Beschwerdeführerin  zwar  vorbrachte,  von  ihren  Eltern  verstossen worden zu sein, das Bundesamt dieses Vorbringen zu Recht  und mit zutreffender Begründung als unglaubhaft erachtete,

D­2459/2009 dass deshalb mit Blick auf die gehobene soziale Stellung der Familie  im  Heimatdorf  –  auch wenn  sich  ihr Vater  und  ihr Bruder H._______  nicht  dort aufhalten würden – vom Vorhandensein eines insgesamt tragfähigen  Netzes in D._______ auszugehen ist und die Beschwerdeführerin zudem  über weitere Verwandte in E._______ verfügt, dass  ferner  weitere  Verwandte  in  Deutschland  und  der  Schweiz  leben,  welche die Beschwerdeführerin allenfalls finanziell unterstützen können, dass die Beschwerdeführerin angab, in Deutschland keinerlei Ausbildung  genossen  zu  haben,  was  aber  in  Anbetracht  der  Tatsache,  dass  sie  eigenen  Angaben  zufolge  seit  ihrem  zwölften  Lebensjahr  während  ungefähr elf Jahren in Deutschland lebte (vgl. B12/22 S. 9­10), immerhin  Zweifel aufwirft, dass sie während ihres ersten Aufenthaltes in der Schweiz gemäss ihren  Angaben in J._______ zur Schule ging und sie während ihres Aufenthalts  im  Rahmen  des  zweiten  Asylgesuchs  als  Küchenmitarbeiterin  gewisse  Erfahrungen sammeln konnte, dass  die  Beschwerdeführerin  zwar  ein  kleines  Kind  hat,  selber  jedoch  jung und – soweit aktenkundig – gesund ist, dass sie daher trotz der nicht unproblematischen Verhältnisse in Kosovo  vor allem mit Blick auf das solide Beziehungsnetz in ihrem Heimatdorf in  der Lage sein dürfte, sich eine Existenzgrundlage aufzubauen, dass daher nicht davon auszugehen ist, sie und ihr Kind würden im Falle  einer  Rückkehr  in  eine  existenzgefährdende  Situation  geraten,  weshalb  sich der Wegweisungsvollzug auch als zumutbar erweist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Kindes  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art.  83  Abs.  2  AuG),  und  es  der  Beschwerdeführerin  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG), dass der vom Bundesamt verfügte Vollzug somit zu bestätigen ist, dass  es  der  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 

D­2459/2009 unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass bei  diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten  von Fr.  600.­  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)  und  mit  dem  am  6.  Mai  2009  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss zu verrechnen sind.

D­2459/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Nina Hadorn Versand:

D-2459/2009 — Bundesverwaltungsgericht 26.10.2011 D-2459/2009 — Swissrulings