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Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-2328/2009

28. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,500 Wörter·~13 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. März 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­2328/2009 Urteil   v om   2 8 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Kosovo und Serbien,  (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 16. März 2009 / N (…).

D­2328/2009 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführerin, eine kosovarische Staatsangehörige serbischer  Ethnie  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Grossgemeinde  Lipjan),  verliess eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat am 10. Januar 2009  und reiste am 11. Januar 2009 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______  um  Asyl  nachsuchte. B.  Am 16. Januar 2009 erhob das BFM  im D._______ die Personalien der  Beschwerdeführerin und befragte sie summarisch zum Reiseweg und zu  den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Am 17. Februar 2009  hörte  das  Bundesamt  die  Beschwerdeführerin  einlässlich  zu  den  Asylgründen an. Im Wesentlichen machte sie zur Begründung ihres Asylgesuches geltend,  sie sei, als Mitfahrerin  in dem von  ihrem Schwager gelenkten Fahrzeug,  verunfallt,  weil  ihnen  auf  ihrer  Strassenseite  ein  Fahrzeug  entgegengekommen  sei  und  ihr  Schwager  diesem  habe  ausweichen  müssen,  um  einen  Zusammenstoss  zu  verhindern. Da  sie  im Fahrzeug  ihres verstorbenen Ehemannes, welches mittlerweile unter ihrem Namen  gemeldet gewesen sei, unterwegs gewesen seien, habe sie vom Gericht  eine  Vorladung  erhalten,  mit  der  Auflage,  ihren  Schwager  anzuzeigen  und  Schadenersatz  von  ihm  zu  verlangen.  Sie  habe  ihn  jedoch  nicht  angezeigt. Nachdem sie  aber  verlangt  habe,  dass man den Fahrer  des  entgegengekommenen  Fahrzeuges,  eines  (…),  ausfindig  mache,  habe  sie telefonische Drohungen erhalten. Diese Drohungen hätten bis zu ihrer  Ausreise  immer  wieder  stattgefunden.  Zudem  sei  auch  ihre  Wohnsituation  bei  den  Schwiegereltern  beziehungsweise  dem  Schwiegervater  und  einem  psychisch  kranken  Schwager  schwierig  gewesen.  Sie  habe  nach  dem  Tod  ihres Mannes  im  Jahr  (…)  nicht  zu  ihrer eigenen Familie zurückkehren können, da dort alles abgebrannt sei. C.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  16. März  2009  fest,  die  Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte ihr  Asylgesuch  vom  11. Januar  2009  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordnete den  Wegweisungsvollzug an.

D­2328/2009 D.  Mit  Eingabe  vom  9. April  2009  (Poststempel:  11. April  2009)  erhob  die  Beschwerdeführerin gegen den erstinstanzlichen Entscheid Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragte,  es  sei  festzustellen,  dass sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle und  ihr Asylgesuch sei positiv  zu entscheiden. Eventualiter  sei  festzustellen, dass eine Rückkehr nach  Kosovo derzeit nicht zumutbar sei und es sei ihr zumindest die vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  um  Aufhebung  der  mit  dem  angefochtenen  Entscheid  angesetzten  Ausreisefrist  und  es  sei  ihr  zu  erlauben,  den  Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abzuwarten. Zudem  beantragte  sie,  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  ihr  sei  Kostenerlass  für  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren zu gewähren. Auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. E.  Mit  Verfügung  vom  14. April  2009  bestätigte  das  Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. F.  In  der  Folge  teilte  der  Instruktionsrichter  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  21. April  2009  mit,  sie  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  über  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  werde verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

D­2328/2009 im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht  kann  auch  in  solchen  Fällen  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

D­2328/2009 Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.3.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE  2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f.,  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5.  5.1. Das BFM lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit der im  Folgenden dargelegten Begründung ab.

D­2328/2009 Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu  sein,  seien  nur  dann  asylrelevant,  wenn  der  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme  oder  nicht  in  der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Generell  sei  Schutz  gewährleistet,  wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu  verhindern,  beispielsweise  durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung  und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen,  und  wenn  Antragsteller  Zugang zu diesem Schutz hätten. Die Beschwerdeführerin gebe an, von  einem Unbekannten, vermutlich einem Albaner, immer wieder telefonisch  bedroht  worden  zu  sein.  In  Kosovo  sei  es  in  den  vergangenen  Jahren  vereinzelt  zu  schwerwiegenden  Übergriffen  auf  Angehörige  der  ethnischen Minderheiten,  namentlich  der Serben,  gekommen. Es  könne  jedoch  von  keinen  allgemeinen  Vertreibungen  ausgegangen  werden.  Internationale Sicherheitskräfte, der Kosovo Police Service (KPS) sowie –  in  den  Siedlungsgebieten  der  Kosovo­Serben  –  teilweise  serbische  Angehörige des KPS garantierten die Sicherheit. Sodann gestehe die am  15. Juni  2008  in  Kraft  getretene  neue  kosovarische  Verfassung  den  Minderheiten  umfassende  Rechte  zu.  Die  internationalen  Sicherheitskräfte  und  der  KPS  seien  in  der  Lage,  die  ethnischen  Minderheiten  in  Kosovo  zu  schützen,  die  polizeiliche  Präsenz  sei  gut  sichtbar  sowie  flächendeckend.  Strafgerichtsbarkeit  und  –vollzug  funktionierten  grösstenteils.  Bei  Übergriffen  intervenierten  Sicherheitskräfte  regelmässig  und  Straftaten  gegen  Angehörige  von  Minderheiten würden geahndet. Demnach sei vom Vorhandensein eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat  auszugehen,  weshalb  die  geltend  gemachten  Übergriffe  nicht  asylrelevant  seien.  Zudem  bestehe  für Serben und serbischsprachige Roma aus den südlichen Bezirken eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  im  Norden  von  Kosovo.  Durch  das  grundsätzliche Bestehen einer  innerstaatlichen Fluchtalternative erübrige  sich  eine weitergehende Auseinandersetzung mit  der  Frage,  ob Serben  und  serbischsprachige  Roma  in  Kosovo  einer  asylrechtlich  relevanten  Gefährdung ausgesetzt seien. Im Weiteren  führte  die  Vorinstanz  aus,  dass  Nachteile,  welche  auf  die  allgemeinen  politischen,  wirtschaftlichen  oder  sozialen  Lebensbedingungen  in  einem  Staat  zurückzuführen  seien,  keine  asylbeachtliche  Verfolgung  darstellten.  Dies  gelte  für  die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachte  allgemein  schlechte  Lage  in  Kosovo. Hinsichtlich der ebenfalls vorgetragenen Probleme im Haus des  Schwiegervaters  und  mit  ihren  Eltern  sei  von  rein  privaten  Problemen  auszugehen, welche asylrechtlich ebenfalls nicht relevant seien.

D­2328/2009 Bei  dieser  Sachlage,  mithin  bei  offensichtlich  fehlender  Asylrelevanz,  könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  einzugehen.  Dennoch  sei  anzumerken,  dass  sie  betreffend  den  Autounfall  widersprüchliche  Angaben  gemachte  habe  und  ihre  Begründung  für  das  Nichteinreichen  eines  gültigen  Ausweises  nicht  plausibel  sei.  Sodann  seien  die  eingereichten  Beweismittel  für  die  Beurteilung  des  Asylgesuches  nicht  bedeutsam,  da  sie  nicht  den  asylrechtlich  relevanten  Sachverhalt  belegten. 5.2.  In  der  Beschwerde  vom  9. April  2009  wird  zunächst  auf  die  schwierigen Verhältnisse  im ehemaligen Jugoslawien während mehr als  zehn  Jahren  hingewiesen  und  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  die  Lage  in  Kosovo  habe  sich  zwischenzeitlich  nicht  verbessert.  Falls  es  zutreffen  würde,  dass  keine  allgemeinen  Vertreibungen  von  Serben  vorkämen, sei nicht erklärbar, weshalb die vertriebenen und geflüchteten  Serben  nicht  nach  Kosovo  zurückkehrten.  Zudem  spreche  die  internationale  zivile  und  militärische  Präsenz  gerade  für  das  Vorliegen  von  Bedrohungen,  unter  welchen  die  Minderheiten  in  Kosovo,  insbesondere  die Serben,  leben müssten. Es  treffe  auch  nicht  zu,  dass  die  Minderheiten  durch  die  Sicherheitskräfte  umfassend  geschützt  werden  könnten.  So  sei  ein Grossteil  der  albanischen Kriegsverbrecher  nicht  einmal  angeklagt  und  der  andere  Teil  freigesprochen  worden,  solche Leute hätten  sogar  führende Positionen  in  der Regierung und  in  staatlichen  Behörden  inne.  Mit  dem  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  sei  davon  auszugehen,  dass  die  Situation  der  ethnischen  Minderheiten  weiterhin  durch  Diskriminierung,  Mangel  an  Bewegungsfreiheit,  Benachteiligungen  bei  der  Arbeitssuche  und  dem  Zugang  zu  sozialen  Diensten  gekennzeichnet  sei.  Weiter  halte  der  Bericht  fest,  dass  sich  die  kosovarische  Administration  nicht  um  die  physische  wie  auch  rechtliche  und  soziale  Sicherheit  der  Minderheiten  kümmere.  Sodann  führte  die  Beschwerdeführerin  aus,  die  Feststellung  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  im  Norden  von  Kosovo  stehe  in  direktem Widerspruch zur Aussage, die  internationalen Sicherheitskräfte  und der KPS garantierten die Sicherheit. Zudem sei ungewiss, wie lange  die angeblich sicheren Fluchtgebiete  im Norden von Kosovo  für Serben  überhaupt  noch  sicher  seien.  Was  die  allgemein  schlechte  Lage  in  Kosovo  anbelange,  sei  der  Argumentation  des  Bundesamtes  entgegenzuhalten, wenn diese Schwierigkeiten nur die eine oder andere  Minderheit (z.B. Serben und Roma) beträfen, nicht jedoch die Albaner, so  sei dies eine gezielt diskriminierte Menschengruppe, mit dem langfristigen 

D­2328/2009 Ziel,  dass  diese  das  Land  definitiv  verliessen.  Abschliessend  legte  die  Beschwerdeführerin  dar,  sie  sei  erschöpft  und  müde  von  der  permanenten  Bedrohung  der  letzten  zehn  Jahre  und  der  allgemein  instabilen Situation während dieser Zeit,  in der sie als Mensch erniedrigt  und ihrer Menschenwürde beraubt worden sei. 5.3.   5.3.1. Das Bundesamt  führte  zur  Begründung  seines Asylentscheides –  wie  vorstehend  erwähnt  –  aus,  die Vorbringen  der Beschwerdeführerin,  wonach  sie  in  Kosovo,  mutmasslich  von  einem  ethnischen  Albaner,  bedroht  werde,  seien  ebenso  wenig  asylrelevant  wie  die  allgemein  schwierige Lage  in Kosovo. Einerseits sei  von einem adäquaten Schutz  ihres  Heimatstaates  auszugehen  und  anderseits  stehe  ihr  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  im  Norden  von  Kosovo  zur  Verfügung.  Ausserdem  bejahte  es  implizit  das  Vorhandensein  einer  Zufluchtsmöglichkeit,  indem  es  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  erwog,  die  Beschwerdeführerin würde auch nach der Unabhängigkeitserklärung von  Kosovo durch Serbien als serbische Staatsangehörige erachtet, weshalb  für  sie  grundsätzlich  eine  Aufenthaltsalternative  in  Serbien  bestehe,  zumal sie dort über ein Beziehungsnetz verfüge. 5.3.2. Vorweg ist festzuhalten, dass gemäss dem serbischen Gesetz über  die Staatsbürgerschaft Nr. 135/04 vom 21. Dezember 2004 als serbischer  Staatsbürger  eine  Person  anerkannt  wird,  wenn  sie  serbischer  Abstammung  ist  oder  auf  dem  (ehemaligen)  Staatsgebiet  der  Republik  Serbien  geboren  wurde,  wobei  beides  mittels  Eintrag  in  einem  Geburtsregister  zu  belegen  ist  (vgl.  BVGE  2010/41  E. 6.4.2  S.  580  ff.).  Die  Beschwerdeführerin  ist  in  E._______,  in  der  Provinz  Kosovo  der  Republik  Serbien  der  damaligen  Sozialistischen  Föderativen  Republik  Jugoslawien  geboren  und  serbischer  Ethnie.  Übereinstimmend mit  dem  BFM  ist  deshalb  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  als  Staatsangehörige  von  Serbien  zu  betrachten  ist.  Die  Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  vom  17. Februar  2008  ändert  daran  nichts,  da  Kosovo  von  Serbien  nicht  als  unabhängiger  Staat  anerkannt  wird,  sondern  vielmehr  das  Gebiet  der  ehemaligen  jugoslawischen  beziehungsweise  serbischen  Provinz  Kosovo  in  der  geltenden  serbischen  Verfassung  vom  8. November  2006  ausdrücklich  als integraler Bestandteil Serbiens bezeichnet wird, was dazu führt, dass  Kosovo­Serben  durch  den  serbischen  Staat  grundsätzlich  weiterhin  als  serbische  Staatsangehörige  betrachtet  werden  (vgl.  a.a.O.  E. 6.4.2 

D­2328/2009 S. 580 ff.).  Als  ethnische  Serbin  und  ehemalige  Staatsangehörige  von  Jugoslawien  mit  letztem  Wohnsitz  in  Kosovo,  wo  sie  gemäss  eingereichter  "Identity Card"  im  Jahre  2001  durch  die UNMIK  registriert  wurde,  gilt  die  Beschwerdeführerin  zudem  nach  der  Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  vom  17. Februar  2008  auch  als  kosovarische  Staatsbürgerin  (vgl.  das  kosovarische  Gesetz  über  die  Staatsbürgerschaft  Nr. 03/L­034  vom  20. Februar  2008;  vgl.  a.a.O.  E. 6.4.1  S.  579  f.).  Die  Beschwerdeführerin  ist  demnach  sowohl  Staatsbürgerin von Kosovo als auch von Serbien. Daran ändert auch die  Tatsache  nichts,  dass  Serbien  –  im  Gegensatz  zu  Kosovo  –  eine  doppelte  Staatsbürgerschaft  an  sich  nicht  anerkennt.  Denn  durch  den  expliziten  Ausschluss  der  Unabhängigkeit  Kosovos  in  Form  eines  eigenen, unabhängigen Staates, gelangt die entsprechende Bestimmung  des  erwähnten  serbischen  Staatsbürgerschaftsgesetzes  von  Vornherein  nicht zur Anwendung (vgl. a.a.O. E. 6.4.1 S. 579 f.). 5.3.3. Gestützt  auf  Art. 1  A  Abs. 2  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Personen  von der Anerkennung der Rechtsstellung als Flüchtling ausgeschlossen,  die  mehrere  Staatsangehörigkeiten  besitzen  und  die  den  Schutz  von  wenigstens  einem  dieser  Länder  in  Anspruch  nehmen  können.  Soweit  verfügbar, hat der Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit  eine  Person  besitzt,  Priorität  gegenüber  dem  internationalen  Schutz  beziehungsweise  dem  Schutz  durch  einen  Drittstaat  (siehe  UNHCR,  Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 106 f.,  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 35). 5.3.4.  Der  Beschwerdeführerin  steht,  wie  vorstehend  unter  E.  5.3.2  dargelegt,  neben  der  kosovarischen  auch  die  serbische  Staatsangehörigkeit  zu,  und  sie  kann  sich  somit  nach Serbien  begeben  und  dort  aufgrund  der  bestehenden  Niederlassungsfreiheit  Wohnsitz  nehmen.  Sie  macht  keine  Fluchtgründe  geltend,  die  sich  auf  das  Territorium  des  serbischen  Staates  (in  seiner  heute  international  anerkannten,  also  die  ehemalige  Provinz  Kosovo  nicht  mehr  einschliessenden Ausdehnung) beziehen. Nachdem sie somit mit Bezug  auf Serbien keine asylrelevante Verfolgung geltend machen kann, ist sie  nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. 5.3.5.  Bei  dieser  Sachlage  kann  die  Frage  der  flüchtlingsrechtlichen  Relevanz  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  als  Folge  eines 

D­2328/2009 Autounfalls  von  einem mutmasslichen  Albaner  bedroht  worden  zu  sein,  offenbleiben.  Denn  selbst  wenn  eine  derartige  lokal  begrenzte  Gefährdung  anzunehmen  wäre,  so  ist  sie  im  Sinne  des  Subsidiaritätsprinzips nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen, da  sie – wie dargelegt – als serbische Staatsangehörige in Serbien Zuflucht  nehmen kann. Es erübrigt sich daher, auf die ausführliche Darstellung der  Situation  in  Kosovo  auf  Beschwerdeebene  einzugehen.  Das  BFM  hat  folglich  im  Ergebnis  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  abgelehnt.  6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9  m.H.a.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 7.2.  Das  BFM  erachtete  zwar  den  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin in den Norden von Kosovo als zumutbar. Nach dem  vorstehend Gesagten,  nämlich  der  Annahme  einer  Zufluchtsmöglichkeit 

D­2328/2009 in Serbien, erübrigt sich die Prüfung eines Wegweisungsvollzuges in den  Norden  von  Kosovo.  Weitere  Ausführungen  dazu  können  deshalb  unterbleiben.  Die  Vorinstanz  zog  indessen  auch  einen  Wegweisungsvollzug nach Serbien in Betracht und führte dazu aus, eine  Schwester  und  Tanten  der  Beschwerdeführerin  lebten  in  F._______  sowie  ein  Onkel  in  G._______.  Die  Beschwerdeführerin  mache  zwar  geltend, sie hätte zum Teil keinen Kontakt mit diesen Verwandten, jedoch  seien ihre Angaben zu deren Verbleib unsubstanziiert und sie könne nicht  plausibel  machen,  wieso  sie  keinen  Kontakt  mehr  habe.  Somit  sei  von  einem  Beziehungsnetz  in  Serbien  auszugehen.  Ausserdem  könne  die  Beschwerdeführerin  von  ihren  beiden  in  der  Schweiz  lebenden  Schwägerinnen finanziell in Serbien unterstützt werden. Sie verfüge auch  über  ein  Diplom  als  (…),  weshalb  es  ihr  möglich  sein  sollte,  sich  eine  wirtschaftliche  Lebensgrundlage  zu  schaffen.  Die  Inanspruchnahme  der  Aufenthaltsalternative  in  Serbien  sei  somit  zumutbar.  Im  Folgenden  ist  somit  einzig  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Wegeweisungsvollzuges nach Serbien zu prüfen. 7.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.4.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 

D­2328/2009 nur Personen schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Ausreise  der  Beschwerde­ führerin  nach  Serbien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Serbien  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.5.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.5.1.  Im  Allgemeinen  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Serbien  für  Angehörige  der  serbischen  Volksgruppe  aus  Kosovo  zumutbar  ist.  Indessen  kann  sich  der Wegweisungsvollzug  im  konkreten  Einzelfall  aufgrund  einer  Abwägung  der  massgeblichen  Kriterien als unzumutbar erweisen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.3.6 S. 588  f.).  Zu  berücksichtigen  sind  dabei  insbesondere  die  Möglichkeit  der  wirtschaftlichen  Existenzsicherung,  der  persönliche  Bezug  zum  Zufluchtsort, wie  ein  früherer Aufenthalt  oder  eine Arbeitsstelle,  und ein  tragfähiges  familiäres oder sonstiges soziales Beziehungsnetz sowie die  Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Im Rahmen dieser Kriterien 

D­2328/2009 sind  ferner  weitere  Faktoren  in  die  Erwägungen  einzubeziehen,  so  insbesondere  das Alter,  der Gesundheitszustand,  die Frage,  ob es  sich  um eine Einzelperson oder Familie handle und die berufliche Ausbildung,  der betroffenen Personen. 7.5.2.  Hinsichtlich  der  Lebensbedingungen  von  Binnenflüchtlingen  in  Serbien  ist  zu  beachten,  dass  die  Betreuung  von  aus  Kosovo  vertriebenen Angehörigen der serbischen Volksgruppe, nachdem diese in  einer ersten Phase noch eine gewisse Unterstützung durch internationale  Organisationen  und  private  Hilfswerke  fanden,  bald  den  staatlichen  Behörden übertragen worden sind. Diese  lassen  indessen ein konkretes  Interesse an der Erleichterung der Integration der kosovarischen Serben  weitgehend vermissen, da sie grundsätzlich nach wie vor (basierend auf  der  Auffassung,  Kosovo  bilde  einen  territorialen  Bestandteil  Serbiens)  davon  ausgehen,  dass  diese  Personen  längerfristig  wieder  in  ihre  ursprünglichen  Herkunftsorte  in  Kosovo  zurückkehren  werden.  Insofern  sind  die  Bedingungen  für  Binnenflüchtlinge  zum  Aufbau  einer  neuen  wirtschaftlichen Existenz eher ungünstig. 7.5.3. Aus den Aussagen der Beschwerdeführerin geht hervor, dass sie  acht Jahre Primarschule besucht und anschliessend einen privaten Kurs  zur  (…)  absolviert  hat.  Es  handle  sich  dabei  um  eine  anerkannte  Ausbildung, sie habe ein entsprechendes Diplom (vgl. Akten BFM A 9/12  S. 8). Als sie bei ihren Schwiegereltern gewohnt habe, habe sie in deren  landwirtschaftlichen  Betrieb  mitgearbeitet  (vgl.  a.a.O.  S. 4).  Damit  ist  davon  auszugehen,  dass  die Beschwerdeführerin  zwar  bis  anhin  keiner  Erwerbstätigkeit  im  eigentlichen  Sinn  nachgegangen  ist,  aber  doch  gewisse  Grundlagen  für  die  Aufnahme  einer  solchen  bestehen.  Der  Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz wird der Beschwerdeführerin damit  nicht leicht fallen. Dies wird noch verstärkt durch den Umstand, dass sie –  soweit aus den Akten ersichtlich – bis anhin nie in Serbien ansässig war. Die  Beschwerdeführerin  ist  im  Jahr  (…)  geboren  und  mit  ihren  (…)  Jahren noch jung. Sie ist seit (…) verwitwet, ihre Ehe blieb kinderlos. Zu  ihren  Familienverhältnissen  gab  die  Beschwerdeführerin  an,  sie  habe  einen  Bruder  und  zwei  Schwestern,  ihre  Eltern  seien  geschieden.  Wo  sich  die  Eltern,  ihr  Bruder  und  eine  Schwester  aufhielten,  sei  ihr  nicht  bekannt, eine Schwester habe geheiratet und wohne  in F._______. Der  Kontakt mit dieser Schwester sei nach den NATO­Angriffen abgebrochen,  da die alte Telefonnummer der Beschwerdeführerin abgestellt worden sei  und  ihre  Schwester  sie  nicht mehr  habe  erreichen  können  (vgl.  A  9/12 

D­2328/2009 S. 3).  Überdies  lebten  zwei  Tanten  sowie  ein  Onkel  väterlicherseits  in  Serbien, die Tanten in F._______ und der Onkel in G._______. Sie habe  mit diesen jedoch keinen Kontakt, da ihre Mutter nicht akzeptiert worden  sei  und  es mit  ihrem  Vater  auch  nicht  gegangen  sei  (vgl.  a.a.O.  S. 4).  Weiter  gab  die  Beschwerdeführerin  an,  in  der  Schweiz  lebten  zwei  Schwestern  sowie  eine  Cousine  ihres  verstorbenen  Ehemannes.  Von  einer dieser Personen seien ihre Schwiegereltern und auch sie selber  in  Kosovo  finanziell  unterstützt worden  (vgl.  a.a.O.). Mit  der Vorinstanz  ist  davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin möglich sein sollte,  ihre in Serbien lebenden Verwandten ausfindig zu machen und mit ihnen  Kontakt aufzunehmen, zumal aus den Angaben der Beschwerdeführerin  bezüglich  ihrer  in  F._______  lebenden  Schwester  nicht  hervorgeht,  weshalb  dies  der  Beschwerdeführerin  nicht  möglich  sein  sollte.  Sie  brachte lediglich vor, ihre eigene Telefonnummer sei nicht mehr in Betrieb  gewesen, nicht jedoch jene ihrer Schwester. Der Vorinstanz ist auch darin  zuzustimmen, dass die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe keine  Möglichkeit, etwas über ihre Familie in Erfahrung zu bringen (vgl. A 9/12  S. 9),  angesichts  der  heutigen  Kommunikationsmöglichkeiten  und  Vernetzung  nicht  zu  überzeugen  vermag.  Insgesamt  ist  somit  davon  auszugehen,  dass die Beschwerdeführerin  zwar  nicht  über  ein  grosses,  aber  doch  über  ein  Beziehungsnetz  in  Serbien  verfügt.  Hinzu  kommt,  dass  sie  nichts  vorbringt,  was  gegen  eine  weiterhin  –  zumindest  übergangsmässig – mögliche  finanzielle Unterstützung durch  ihre  in der  Schweiz lebenden Schwägerinnen spricht. Bei gesamthafter Betrachtung ergibt sich, dass der Wegweisungsvollzug  der  Beschwerdeführerin  nach  Serbien  als  zumutbar  zu  betrachten  ist.  Dabei verkennt das Bundesverwaltungsgericht nicht, dass es  für sie mit  erheblichen  Schwierigkeiten  verbunden  sein  wird,  sich  in  Serbien  eine  neue Existenz aufzubauen. Die Beschwerdeführerin ist jedoch noch jung  und – soweit aus den Akten ersichtlich – gesund. Zudem ist sie insofern  frei,  als  sie  "nur"  für  ihren  eigenen  Lebensunterhalt  besorgt  sein muss.  Berücksichtigt  man  zusätzlich  ihr  Beziehungsnetz  in  Serbien  sowie  ihr  offenbar  gutes  Verhältnis  zu  den  Verwandten  ihres  Ehemannes  in  der  Schweiz,  so  erscheint  eine  Integration  in  Serbien,  ihrem  eigenen  sprachlichen und kulturellen Umfeld, als möglich. Die Beschwerdeführerin  ist zudem auch nicht als völlig hilflos und unbedarft zu betrachten, war es  ihr doch möglich, ihre Ausreise in die Schweiz selbst zu organisieren und  zu finanzieren (vgl. A 9/12 S. 7 ff.). Abschliessend ist darauf hinzuweisen,  dass  die  Beschwerdeführerin  auch  die  Unterstützung  der  schweizerischen  Behörden  in  Anspruch  nehmen  kann,  nicht  nur  durch 

D­2328/2009 eine Rückkehrberatung,  sondern gegebenenfalls auch durch den Bezug  von individueller Rückkehrhilfe. 7.6.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  Serbiens  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente zu beschaffen  (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 – 515),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  an  sich  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Sie  ersuchte  jedoch  im  Rahmen  der  Beschwerdebegehren  um  Kostenerlass  für  das  Beschwerdeverfahren.  Gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  befreit  die  Beschwerdeinstanz  nach  Einreichung  der  Beschwerde  eine  Partei,  die  nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung  der  Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  Gesamthaft  betrachtet  kann  der  Beschwerdeführerin  nicht  vorgehalten  werden,  ihrer  Beschwerde  habe  es  im  Zeitpunkt  der  Beantragung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege mit  Blick  auf  die  Erfolgsaussichten  an  der  nötigen  Ernsthaftigkeit  gefehlt  (vgl.  BGE  125  II  265  E. 4b  S. 275).  Es  besteht  sodann  für  das  Bundesverwaltungsgericht  kein  Anlass,  an  der  von  der  (nicht  vertretenen)  Beschwerdeführerin  behaupteten  Fürsorgeabhängigkeit  zu zweifeln, zumal  im Zentralen Migrationssystem  (Zemis) keine Erwerbstätigkeit aufgeführt  ist. Damit sind beide kumulativ  erforderlichen  Voraussetzungen  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  erfüllt.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ist  deshalb  gutzuheissen,  und  die  Beschwerdeführerin  ist  von  der  Pflicht  zur  Kostentragung zu befreien. Infolgedessen sind ihr trotz ihres Unterliegens  keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

D­2328/2009 (Dispositiv nächste Seite)

D­2328/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-2328/2009 — Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-2328/2009 — Swissrulings