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Bundesverwaltungsgericht 13.01.2012 D-222/2009

13. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,466 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­222/2009 Urteil   v om   1 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren V._______, B._______, geboren W._______, C._______, geboren X._______, D._______, geboren Y._______, E._______, geboren Z._______, Syrien, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10.  Dezember 2008 / N_______.

D­222/2009 Sachverhalt: A.   A.a Eigenen Angaben zufolge verliessen die Beschwerdeführer, syrische  Staatsangehörige  kurdischer  Ethnie  aus  F._______,  G._______,  zusammen  mit  ihren  Kindern  C._______  und  D._______  ihren  Heimatstaat am 22. März 2008 auf dem Landweg. Über H._______ und  ihnen unbekannte Länder seien sie am 3. April 2008 unter Umgehung der  Grenzkontrolle  in die Schweiz gelangt. Am gleichen Tag  reichten sie  im  I._______  ihre Asylgesuche  ein. Nach  der Kurzbefragung  vom 11. April  2008 wurden die Beschwerdeführer mit Verfügung vom 14. April 2008 für  den  Aufenthalt  während  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  I._______  zugewiesen.  Am  19. Mai  2008  wurden  sie  vom  BFM  zu  ihren  Asylgründen angehört. Zur  Begründung  seines  Gesuchs  führte  der  Beschwerdeführer  im  We­ sentlichen  aus,  seit  (...)  Jahren  Mitglied  der  Partei  K._______  und  für  diese  propagandastisch  tätig  gewesen  zu  sein.  Es  gebe  eine  Organisation  namens  L._______,  deren  Mitglieder  viele  kurdische  Parteien  –  darunter  auch  ihre  –  seien.  Ihr  Parteiziel  sei,  wie  auch  dasjenige von L._______, die syrische Regierung zu stürzen. Er habe für  die  K._______  Flugblätter  verteilt,  Sitzungen  organisiert  und  daran  teilgenommen.  Die  Sitzungen  hätten  wöchentlich  jeweils  heimlich  im  Haus  von  Freunden  oder  –  einmal  im  Monat  –  bei  ihnen  zu  Hause  stattgefunden. Am (...) sei es  in M._______ zu Unruhen gekommen und  überall in Syrien, wo Kurden gewohnt hätten, habe man Demonstrationen  durchgeführt.  Zirka  (...)  Tage  später  sei  er  –  nebst  vielen  anderen  Personen  auch  –  von  syrischen  Sicherheitsleuten  festgenommen  und  wegen  angeblicher  Teilnahme  an  der  Intifada  während  (...)  Monate  inhaftiert  worden.  Im  Jahre  (...)  sei  er  von  Sicherheitsleuten  respektive  Angehörigen des Geheimdienstes erneut festgenommen worden, welche  ihm  seine  Parteimitgliedschaft  zum  Vorwurf  gemacht  hätten.  Da  er  die  Vorwürfe  bestritten  habe,  habe  man  ihn  nach  zwei  Tagen  wieder  freigelassen.  Am  (...)  habe  er  zusammen  mit  zwei  weiteren  Parteimitgliedern bei sich zu Hause ein Seminar organisiert, an welchem  sich  zirka  50  Personen  beteiligt  hätten.  An  dieser  Sitzung  sei  über  die  Ziele  der  Organisation  L._______  gesprochen  worden.  Ein  paar  Tage  später  habe  er  von  zwei  Freunden  erfahren,  dass  die  Behörden  von  seinen Kontakten mit Leuten der L._______ wüssten und er sich daher in  Acht  nehmen beziehungsweise  untertauchen  solle. Aus Angst  vor  einer  erneuten  Verhaftung  habe  er  sich  danach  zur  Flucht  entschlossen  und 

D­222/2009 sich  zunächst  zusammen  mit  Frau  und  Kindern  nach  N._______  begeben.  Dort  habe  er  seinen  Onkel  getroffen,  der  ebenfalls  Parteimitglied  der  K._______  sei  und  ihm  mitgeteilt  habe,  dass  die  Behörden  nach  ihm  fragen  würden.  Er  wisse  nicht,  wie  dieser  von  der  behördlichen Suche nach ihm erfahren habe. Er vermute aber, sein Onkel  habe  es  aufgrund  dessen  hoher  Stellung  innerhalb  der  Partei  gewusst.  Nach seiner Ausreise aus Syrien sei weiterhin nach ihm gesucht worden. Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  machte  keine  eigenen  Probleme  geltend  und  führte  aus,  sie  hätten  wegen  der  Schwierigkeiten  ihres  Mannes mit den syrischen Behörden das Land verlassen. Zum  Beleg  ihrer  Vorbringen  reichten  die  Beschwerdeführer  mehrere  Beweismittel zu den Akten (Auflistung Beweismittel). A.b Die Vorinstanz ersuchte am 17. September 2008 die Schweizerische  Vertretung  in  Damaskus  um  Abklärungen  vor  Ort.  Gemäss  dem  Abklärungsergebnis  der  Botschaft  vom  17.  November  2008  hätten  die  Beschwerdeführer  im  Besitze  von  Reisepässen  Syrien  am  U._______  über  O._______  verlassen.  Weiter  liege  gegen  die  Beschwerdeführer  nichts vor und diese würden von den syrischen Behörden nicht gesucht. A.c Am 12. November 2008 brachte die Beschwerdeführerin E._______  zur Welt. B.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  25.  November  2008  wurden  den  Beschwerdeführern  die  Botschaftsanfrage  und  der  entsprechende  Botschaftsbericht unter Abdeckung der geheim zu haltenden Stellen zur  Stellungnahme unterbreitet. Mit Eingabe vom 5. Dezember 2008 (Datum  Eingangsstempel  BFM)  reichten  die  Beschwerdeführer  ihre  Stellungnahme zur Botschaftskorrespondenz ein. C.  Mit Verfügung vom 10. Dezember 2008 – eröffnet am 12. Dezember 2008  – lehnte  das  BFM  die  Asylbegehren  der  Beschwerdeführer  ab  und  ordnete  gleichzeitig  die  Wegweisung  und  deren  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen  damit,  dass  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführer  die  Anforderungen  von Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  erfüllten,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft 

D­222/2009 werden  müsse.  Ferner  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar und möglich zu erachten. D.  Mit Eingabe vom 12. Januar 2009 beantragten die Beschwerdeführer die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu  gewähren  und  von  der  Erhebung  eines Kostenvorschusses  abzusehen.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. E.  Mit  Eingabe  vom  16.  Januar  2009  reichten  die  Beschwerdeführer  (Nennung Beweismittel) zu den Akten. F.  Mit Verfügung  des  Instruktionsrichters  vom 20.  Januar  2009 wurde  den  Beschwerdeführern mitgeteilt,  dass  sie  den Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könnten.  Die  Beurteilung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG wurde  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen,  das  Gesuch  um  unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen und gleichzeitig auf die  Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. G.  Mit  Eingabe  vom  10.  September  2009  reichten  die  Beschwerdeführer  zum  Beleg  der  weitergeführten  exilpolitischen  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  eine  Kopie  eines  von  diesem  verfassten  und  im  Internet publizierten Artikels sowie dessen Übersetzung zu den Akten, in  welchem  der  Beschwerdeführer  das  syrische  Regime  massiv  kritisiere  und  die  kurdischen Parteien  aufrufe,  sich  gegen  die Unterdrückung  der  Kurden zu wehren. H.  Mit  Eingaben  vom  26.  Januar  2010,  22. September  2010  und  11.  Juli 

D­222/2009 2011  legten  die  Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  ins  Recht,  (Auflistung Beweismittel). I.  Mit  Verfügung  vom  8.  September  2011  hob  das  BFM  im  Rahmen  des  Schriftenwechsels  seine  Verfügung  vom  10.  Dezember  2008  bezüglich  der  Dispositivziffern  1,  4  und  5  auf,  anerkannte  den  Beschwerdeführer  A._______  gestützt  auf  Art.  3  AsylG  sowie  seine  Ehefrau  und  die  gemeinsamen  Kinder  gestützt  auf  Art.  51  Abs.  1  AsylG  als  Flüchtlinge  und  gewährte  den  Beschwerdeführern  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme in der Schweiz. J.  Mit  Verfügung  vom  16.  September  2011  wurde  festgestellt,  dass  die  Beschwerde  vom  12.  Januar  2009  durch  den Entscheid  der  Vorinstanz  vom  8.  September  2011,  soweit  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend,  gegenstandslos geworden sei. Gleichzeitig wurden die Beschwerdeführer  ersucht,  bis  zum  3.  Oktober  2011  mitzuteilen,  ob  sie  ihre  Beschwerde  vom  12. Januar  2009  zurückziehen.  Bei  ungenutzter  Frist  werde  von  einem  Festhalten  an  den  Rechtsbegehren  ausgegangen,  soweit  diese  nicht gegenstandslos geworden seien. Mit  Schreiben  vom  3.  Oktober  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführer – unter Beilage seiner Kostennote gleichen Datums –  mit, dass an der Beschwerde im Asylpunkt festgehalten werde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 

D­222/2009 beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG  liegt  in  casu  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführer  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist  einzutreten. 1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der  Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21  Abs. 1 VGG. 2.   2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 

D­222/2009 widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 3.   3.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  im Wesentlichen an, der Beschwerdeführer hätte sich –  wäre er tatsächlich seitens der Behörden verdächtigt worden, ein Mitglied  einer  illegalen Organisation zu sein, und deswegen auch festgenommen  worden  –  davor  gehütet,  bei  sich  zu Hause  jeden Monat Sitzungen mit  seinen  Parteikollegen  abzuhalten.  Im  vorliegend  zu  beachtenden  Länderkontext  hätte  der  Beschwerdeführer  nämlich  damit  rechnen  müssen,  seitens  der  Behörden  überwacht  zu  werden,  weshalb  er  mit  derartigen  Sitzungen  nicht  nur  sich  selbst,  sondern  insbesondere  auch  alle  anderen  Teilnehmenden  sowie  die  Organisation  selbst  gefährdet  hätte.  Ferner  wäre  der  Beschwerdeführer  anlässlich  einer  angeblichen  Festnahme  im  Jahre  (...)  erwartungsgemäss  nicht  nach  kurzer  Zeit  freigelassen  worden,  wenn  seitens  des  Sicherheitsdienstes  ihm  gegenüber  der  Vorwurf  bestanden  hätte,  ein  Mitglied  einer  illegalen  Organisation  zu  sein.  Sein  Vorbringen,  man  habe  ihn  nach  (...)  Tagen  freigelassen, weil er den Vorwurf abgestritten habe, sei  im vorliegenden  Länderkontext als fern der Realität einzustufen. Weiter  hätten  sich  die  Beschwerdeführer  bezüglich  des  Zeitpunktes,  wann das Seminar (...) bei ihnen zu Hause durchgeführt worden sei, des  angegebenen Ortes der Verhaftung des Beschwerdeführers im Jahre (...)  sowie  des  Zeitpunkts  der  Festnahme  im  Jahre  (...)  in  Widersprüche  verstrickt, was die Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Vorbringen bestätige. Zudem  seien  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  zu  den  Erlebnissen  der  Jahre  (...)  und  (...)  als  ausgesprochen  vage  und  schemenhaft  zu  qualifizieren.  So  würden  diese  keinerlei  Hinweise  enthalten, welche erkennen  lassen würden,  dass er  über effektiv  selber  durchlebte Ereignisse berichte, von denen er  in Mitleidenschaft gezogen  worden  sei.  Realkennzeichen  würden  durchwegs  fehlen  und  die  Ausführungen  würden  sich  weitgehend  auf  die  Wiedergabe  von  hinlänglich  bekannten  Fakten  beschränken.  Ferner  würden  auch  die  vagen  und  stereotypen  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  angeblichen  politischen  Tätigkeiten  in  keiner  Weise  erkennen  lassen,  dass er seit (...) Jahren als Mitglied einer illegalen Organisation tätig und  während der vergangenen (...) Jahre Verantwortlicher dieser Organisation 

D­222/2009 in der Region F._______ gewesen sein soll. Somit würden die Zweifel an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  durch  ihre  unsubstanziierten Aussagen bestätigt. Der Beschwerdeführer habe überdies geltend gemacht,  früher einen bis  im  Jahre  (...)  gültigen  Reisepass  besessen  zu  haben.  Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  habe  vorgebracht,  nie  im  Besitz  eines  Reisepasses gewesen zu sein. Abklärungen der Schweizer Vertretung in  Damaskus  hätten  jedoch  ergeben,  dass  beide  Beschwerdeführer  im  Besitz  von Reisepässen  seien. Weiter  hätten  die Abklärungen  ergeben,  dass  die  Beschwerdeführer  entgegen  ihren  anderslautenden  Äusserungen  am  U._______  behördlich  kontrolliert  nach  O._______  ausgereist seien und nicht gesucht würden.  Im Rahmen des  rechtlichen  Gehörs  hätten  die  Beschwerdeführer  zugegeben,  im  Besitz  von  Reisepässen  zu  sein,  was  sie  auf  Empfehlung  des  Schleppers  verschwiegen  hätten,  und  am  U._______  nach  O._______  gereist  zu  sein.  Weil  die  syrische  Polizei  sie  gesucht  habe,  hätten  sie  „dem  Schlepper  viel  Geld  gegeben“.  Es  treffe  jedoch  nicht  zu,  dass  sie  in  Syrien  nicht  gesucht  würden,  weil  die  syrischen  Behörden  dies  nie  zugeben  würden.  Diese  Erklärungen  seien  jedoch  als  Schutzbehauptungen  zu  werten,  da  nämlich  in  keiner  Weise  nachvollziehbar  sei,  weshalb  die  Beschwerdeführer  unwahre  Angaben  zum Zeitpunkt der Ausreise hätten machen und behaupten müssen, sie  seien nach H._______ ausgereist, wenn  ihre Vorbringen den Tatsachen  entsprechen  würden.  Somit  würden  die  dargelegten  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  durch  die  Abklärungsergebnisse  der  Botschaft  bestätigt.  Es  könne  daher  nicht  geglaubt  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Syrien  in  der  von  ihm  geltend  gemachten  Art  und  Weise  seitens  der  Behörden  verfolgt  worden  sei  beziehungsweise  Verfolgungsmassnahmen  zu  befürchten  habe.  Ausserdem  sei  nicht  glaubhaft,  dass  er  in  Syrien  die  von  ihm  behaupteten  politischen  Aktivitäten ausgeübt habe. Zwar  hätten  die  Beschwerdeführer  ein  Bestätigungsschreiben  der  K._______  Schweiz  sowie  einen  Zettel  mit  Telefonnummern  von  Parteimitgliedern eingereicht. Diesbezüglich sei darauf hinzuweisen, dass  gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM  Bestätigungsschreiben  dieser  Art  grosszügig  ausgestellt  würden  und  daher  in  aller  Regel  als  Gefälligkeitsschreiben  einzustufen  seien,  weshalb  ihnen  aus  diesem  Grund kein genügender Beweiswert zukomme. Ferner entfalte der „Zettel  mit  Telefonnummern  von  Parteimitgliedern“  überhaupt  keinen 

D­222/2009 Beweiswert, weil ein solches Schriftstück beliebig verfasst werden könne. Sodann vermöchten auch die von den Beschwerdeführern eingereichten  Beweisstücke,  welche  die  exilpolitischen  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  belegen  sollten,  die  dargelegte  Einschätzung  nicht  umzustossen.  Einerseits  handle  es  sich  dabei  um  zwei Schreiben, welche keinen Bezug zum Beschwerdeführer  erkennen  lassen würden. Bezüglich des Fotos, auf welchem dieser als Teilnehmer  an  einer  Kundgebung  vor  dem  (...)  Konsulat  in  I._______  zu  erkennen  sei, sei auf Folgendes hinzuweisen: Zwar sei dem BFM bekannt, dass der  syrische Geheimdienst auch im Ausland aktiv sei und Informationen über  dort  lebende  Personen  aus  Syrien  sammle.  Gemäss  Einschätzung  des  BFM  geschehe  diese  Überwachung  indessen  selektiv  und  beschränke  sich  erwartungsgemäss  auf  Personen,  die  in  der  Schweiz  qualifizierte  exilpolitische  Tätigkeiten  ausübten,  welche  einen  hohen  Grad  an  Öffentlichkeit erreichten und von den zuständigen syrischen Organen als  Gefahr  für  das  politische  System  in  Syrien  eingestuft  würden.  Diese  Voraussetzungen  seien  vorliegend  nicht  gegeben.  Diese  Einschätzung  werde  im  Übrigen  dadurch  bestätigt,  dass  die  Abklärungen  seitens  der  Schweizer Vertretung ergeben hätten, dass gegen die Beschwerdeführer  nichts vorliege und sie nicht gesucht würden. 3.2.  In  ihrer  Beschwerdeschrift  bringen  die  Beschwerdeführer  zunächst  vor, das Argument der Vorinstanz, es sei nicht nachvollziehbar, dass sich  der  Beschwerdeführer  auch  nach  der  Haft  weiterhin  politisch  engagiert  habe,  erscheine  fragwürdig.  Wer,  wie  der  Beschwerdeführer  und  viele  andere  Kurden  in  Syrien,  überzeugt  sei,  sich  gegen  die  Unterdrückung  durch den Staat aufzulehnen, werde sich durch Repression nicht davon  abschrecken  lassen.  Andernfalls  hiesse  dies,  dass  der  Staat mit  seiner  Vorgehensweise  gewonnen  hätte  und  die  erlittenen  Nachteile  umsonst  geduldet  worden  seien.  Die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachte  Argumentation  ist  im  fraglichen  Punkt  aber  nicht  als  stichhaltig  zu  erachten.  So  brachte  die  Vorinstanz  in  ihren  Erwägungen  –  wie  der  Beschwerdeführer  zu  verkennen  scheint  –nicht  vor,  es  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  er  sich  auch  nach  der  Haft  weiterhin  politisch  engagiert  habe. Vielmehr hielt  die Vorinstanz  in  zutreffender Weise und  mit korrekter Begründung fest, dass die Häufigkeit der Treffen sowie die  Örtlichkeiten  derselben  (beim  Beschwerdeführer  zu  Hause)  als  unglaubhaft einzustufen seien, da aufgrund des Verdachts der syrischen  Sicherheitskräfte, es handle sich beim Beschwerdeführer um ein Mitglied 

D­222/2009 einer  illegalen  Organisation,  die  den  Sturz  des  Regimes  beabsichtige,  dieser  in  der  Tat  mit  einer  Überwachung  seiner  Person  hätte  rechnen  müssen. Weiter wenden die Beschwerdeführer  ein,  der Vorhalt widersprüchlicher  Aussagen  sei  nicht  nachvollziehbar.  Die  äusserst  ausführliche  und  detailgetreue  Schilderung  der  Vorfälle  durch  den  Beschwerdeführer  spreche vielmehr für die hohe Glaubhaftigkeit derselben. Zudem habe die  Beschwerdeführerin  angeführt,  dass  ihr  Ehemann  das  Seminar  eineinhalb  bis  zwei  Monate  "ab  jetzt"  (Anhörungsdatum  BFM)  durchgeführt  habe.  Diese  Einwände  sind  jedoch  als  unbehelflich  zu  qualifizieren.  So  kann  einerseits  von  einer  allenfalls  ausführlichen  Schilderung  des  Sachverhaltes  noch  nicht  ohne  weiteres  auf  einen  widerspruchsfreien  und  glaubhaften  Sachverhaltsvortrag  geschlossen  werden.  Andererseits  bezieht  sich  die  auf  Seite  5  der  Rechtsmitteleingabe  zitierte  Protokollstelle  der  Beschwerdeführerin  (act.  A11/8,  S.  5)  auf  einen  anderen  Sachzusammenhang,  als  vom  BFM  in  seinem  Entscheid  auf  Seite  4  oben  angegeben  wurde;  die  Vorinstanz  zitierte denn auch dementsprechend eine andere Stelle  im Protokoll  als  die  Beschwerdeführer  (vgl.  act.  A11/8,  S.  4).  Die  Beschwerdeführerin  bezog  sich  in  der  vom  BFM  angegebenen  Protokollstelle  unzweideutig  auf  den  Zeitpunkt  ihrer  Ausreise.  Demgegenüber  steht  die  von  den  Beschwerdeführern  in  ihrer  Beschwerdeschrift  zitierte  Protokollstelle  im  Zusammenhang mit  dem Telefonanruf  des Beschwerdeführers an  seine  Ehefrau, in welchem er ihr mitgeteilt habe, dass sie sich auf die Ausreise  vorbereiten solle. Soweit die Beschwerdeführer bezüglich der Festnahme  des Beschwerdeführers im Jahre (...) ergänzend anführen, dass dieser in  P._______ verhaftet  und nach M._______  ins dortige Gefängnis  verlegt  worden sei, wo er während (...) Tage festgehalten und anschliessend bis  zu seiner Entlassung in ein Gefängnis der AMN­DULA verlegt worden sei,  ist  festzustellen,  dass  sich  diese  Ergänzung  durch  die  entsprechenden  Befragungsprotokolle nicht erhärten lässt. So lassen die diesbezüglichen  Protokollstellen, wie sie von der Vorinstanz  im angefochtenen Entscheid  zitiert  werden,  weder  einen  derartigen  Interpretationsspielraum  noch  irgendwelche  Zweifel  zu,  welche  die  Argumentation  der  Beschwerdeführer  zu  stützen  und  den  von  der  Vorinstanz  erkannten  Widerspruch aufzulösen vermöchte. Überdies  wenden  die  Beschwerdeführer  ein,  es  könne  der  Schlussfolgerung  der  Vorinstanz,  wonach  das  Abklärungsergebnis  der  Botschaft  verdeutliche,  dass  kein  Verfahren  gegen  sie  hängig  sei  und 

D­222/2009 somit  keine  Verfolgung  drohe,  nicht  gefolgt  werden.  So  zeige  das  Abklärungsergebnis  lediglich,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer  vor  keinem  der  ordentlichen  Gerichte  ein  Verfahren  hängig  sei  und  keine  offiziellen  Ermittlungen  gegen  diesen  laufen  würden.  Zudem  seien  gemäss  einem  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  20.  August  2008  die  Geheimdienste  die  massgebliche  Gewalt  in  ihrer  Heimat.  Eine  Verfolgung  finde  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  in  Eigenregie  eines  Geheimdienstes  statt,  wozu  dieser  weder  einen  Haftbefehl  noch  irgendeine  offizielle  Erlaubnis  benötige.  Die  vier  unabhängigen  Geheimdienste  würden  ausschliesslich  dem  Präsidenten  Rechenschaft  schulden. Wenn  also  die  Schweizer  Vertretung  nicht  den  Präsidenten als Auskunftsperson habe hinzuziehen können – wovon nicht  auszugehen sei –, seien die Ergebnisse der Abklärung das Papier nicht  wert, auf dem sie geschrieben worden seien.  Insofern sich das BFM auf  diese  Abklärungsergebnisse  stütze,  könne  der  Argumentation  demnach  nicht  gefolgt  werden.  Diese  Einschätzung  der  Beschwerdeführer  ist  jedoch  unbehelflich.  So  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  sich  die  Ausführungen  des Beschwerdeführers  zu  den  angeblichen  Festnahmen  und  Inhaftierungen  durch die  syrischen Sicherheitskräfte  respektive  den  Geheimdienst  aufgrund  obiger  Feststellungen  als  unglaubhaft  erweisen.  Die  Beschwerdeführer  konnten  somit  nicht  glaubhaft machen,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  im  Visier  der  syrischen  Geheimdienste  gestanden  sein  könnte  und  angesichts  der  von  ihm  angeführten  Aktivitäten für die K._______ und des Verdachts der Sicherheitskräfte, er  gehöre  einer  verbotenen  Organisation  an,  mit  einer  willkürlichen  Verhaftung  hätte  rechnen  müssen.  Soweit  die  Beschwerdeführer  die  Verlässlichkeit  des  Abklärungsergebnisses  kritisieren,  ist  diesbezüglich  zunächst  festzustellen,  dass  sie  sich  in  ihrer  Kritik  lediglich  darauf  beziehen,  dass  sie  von  den  syrischen  Behörden  nicht  gesucht  würden  und  nichts  gegen  sie  vorliege.  Die  weiteren  Abklärungsergebnisse,  so  hinsichtlich der Ausstellung von Reisepässen und der legalen Ausreise in  den  O._______,  wurden  von  den  Beschwerdeführern  weder  in  ihrer  Stellungnahme  vom  5.  Dezember  2008  (Datum Eingangsstempel  BFM)  noch  in  ihrer  Beschwerdeschrift  bestritten.  In  diesem  Zusammenhang  bleibt der Umstand – selbst wenn der Kritik am Abklärungsergebnis  zur  behördlichen  Suche  nach  den  Beschwerdeführern  gefolgt  würde –  bestehen,  wonach  gemäss  Abklärungsergebnis  der  Botschaft  die  Beschwerdeführer  das  Land  auf  kontrolliertem  Weg  im  Besitz  von  gültigen Reisepässen verliessen. Dies wäre den Beschwerdeführern aber  mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht möglich gewesen, wenn einer  der  Geheimdienste  den  Beschwerdeführer  hätte  festnehmen  wollen.  In 

D­222/2009 diesem  Zusammenhang  ist  zu  berücksichtigen,  dass  syrische  Staatsangehörige,  um  in  den  Besitz  eines  Reisepasses  zu  gelangen,  zahlreiche  Bedingungen  erfüllen  müssen.  Sind  die  Formalitäten  einmal  erfüllt  und  liegen  die  Meinungen  der  verschiedenen  staatlichen  Stellen  vor, wird dem Gesuchsteller respektive der Gesuchstellerin ein regulärer  Reisepass  ausgehändigt.  Angesichts  der  diversen  Hürden  zum  Erhalt  eines  Reisepasses  und  insbesondere  der  Abklärungen  bei  mehreren  Amtsstellen  ist  mit  an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  auszuschliessen,  dass  gegen  die  Beschwerdeführer  etwas  von  behördlichem Interesse vorgelegen haben könnte, ansonsten diesen die  Ausstellung  eines  Reisepasses  ganz  einfach  verweigert  und  mithin  die  legale Ausreise verunmöglicht worden wäre. 3.3. Die  Beschwerdeführerin,  die  auf  die  Asylgründe  ihres  Ehemannes  verwies, machte keine eigenen Asylgründe geltend, weshalb auf den von  ihr vorgebrachten Sachverhalt nicht weiter einzugehen ist. 3.4.  Nach  dem  Gesagten  ist  insgesamt  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführer  für  die  Zeit  vor  dem  Verlassen  ihres  Heimatlandes  keine  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft darzulegen vermochten. Eine begründete Furcht liegt vor, wenn  konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus  der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  und  in absehbarer Zeit  verwirklicht  beziehungsweise werde  sich – auch  aus  heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche  den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  erscheinen  lassen  (vgl.  BVGE  2010/57  E.  2.4  S.  827  m.w.H.,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., 2005  Nr. 21 E. 7 S. 193 f.). Die  Beschwerdeführer  konnten  keine  hinreichend  überzeugenden  und  glaubhaften  Indizien  vorbringen,  die  auf  eine  Vorverfolgung  schliessen  lassen  könnten.  Aus  ihren  Vorbringen  lassen  sich  entsprechend  auch  keine ausreichenden Hinweise auf eine begründete Furcht vor Verfolgung  ableiten, die zum Zeitpunkt der Ausreise aus Syrien zu bejahen gewesen  wäre.

D­222/2009 3.5. Bei dieser Sachlage und in Würdigung der gesamten Umstände und  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  ist  zusammenfassend  festzustellen,  dass  diese  die  Voraussetzungen  für  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft aufgrund der vorgebrachten Vorfluchtgründe nicht  erfüllen.  Die  Vorinstanz  lehnte  die  Asylbegehren  der  Beschwerdeführer  demzufolge zu Recht ab. 4.   4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs.  1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  BVGE  2008/34  E.  9.2  S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 5.2. Die Beschwerdeführer wurden  vom BFM  in  seinem Entscheid  vom  8. September 2011 aufgrund von Nachfluchtgründen beziehungsweise in  Beachtung  von  Art.  51  Abs.  1  AsylG  wiedererwägungsweise  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  in  der  Schweiz  aufgenommen.  Daher  erübrigt  sich  eine  Prüfung  der  Frage  der  Zumutbarkeit  sowie  der  Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748,  EMARK  2006  Nr.  6  E.  4  S.  54  f.).  Die  Beschwerde  gegen  den  ursprünglich  angeordneten  Wegweisungsvollzug  erweist  sich  demnach  als gegenstandslos und ist diesbezüglich abzuschreiben. 6.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung –  die Vorfluchtgründe, die Verweigerung von Asyl und die Wegweisung als 

D­222/2009 solche  betreffend  –  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG). Die Beschwerde  ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit sie  nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 7.  7.1. Bei  diesem  Verfahrensausgang  ist  von  einem  teilweisen  Obsiegen  der  Beschwerdeführer  auszugehen.  Demnach  wäre  ihnen  nach  dem  Grad  des Durchdringens  praxisgemäss  ein Drittel  der Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1­3 des Reglements vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Jedoch ersuchten die  Beschwerdeführer  in  ihrer  Beschwerdeschrift  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG.  Diesbezüglich  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit,  sofern  ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint  (Art. 65 Abs. 1 VwVG).  Dabei verfügt eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn  sie  ohne  Beeinträchtigung  des  notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten  vermag.  Eine  Beschwerde  gilt  ferner  dann als aussichtslos, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer  sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet  werden können (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Vorliegend ist von der  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführer  auszugehen.  Auch  können  die  Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  ist  somit  gutzuheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 7.2.  Bei  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  ist  der  beschwerdeführenden Partei eine Entschädigung für die ihr erwachsenen  notwendigen Kosten  zuzusprechen,  sofern  sie  die Gegenstandslosigkeit  nicht durch ihr eigenes Verhalten bewirkt hat (Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE).  Diese  Voraussetzungen  sind  vorliegend  gegeben,  da  die  Gegenstandslosigkeit  durch  die  wiedererwägungsweise  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  durch  das  BFM  herbeigeführt  wurde.  Den  vertretenen  Beschwerdeführern  ist  folglich  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  und  Art.  7  Abs.  2  VGKE  eine  praxisgemäss  um  einen  Drittel  reduzierte  Entschädigung  für  die  ihnen  notwendigerweise  erwachsenen  Parteikosten zuzusprechen. Von der Rechtsvertretung wurde mit Eingabe  vom  3.  Oktober  2011  eine  Kostennote  eingereicht.  Das  darin  ausgewiesene  Honorar  (Stundenansatz  von  Fr. 200.­)  von  total  Fr. 

D­222/2009 2637.50  ist  auf  Fr.  2530.­  zu  kürzen,  da  für  die  Leistungen  vom  20. August  2009  ohne  weitere  Begründung  ein  Stundenansatz  von  Fr. 250.­  aufgeführt  wird  und  der  Aufwand  für  die  Erstellung  und  Einreichung der Honorarnote praxisgemäss nicht angerechnet wird, weil  es  sich  um  eine  Sekretariatsarbeit  handelt,  deren  Aufwendungen  im  Stundenansatz  bereits  enthalten  sind.  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu  ziehenden  Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  7­14  VGKE)  sowie  auf  die  eingereichte  und  im  erwähnten Umfang  zu  kürzende Kostennote  ist  die  um  einen  Drittel  reduzierte  Parteientschädigung,  welche  vom  BFM  zu  entrichten ist, auf Fr. 1'892.­ (inkl. Auslagen und MWSt) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite)

D­222/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführern  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  1'892.­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt) zu entrichten.  5.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-222/2009 — Bundesverwaltungsgericht 13.01.2012 D-222/2009 — Swissrulings