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Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-2120/2008

29. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,814 Wörter·~19 min·3

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Februar 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2120/2008 law/mah Urteil   v om   2 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Sarah Mathys. Parteien A._______, geboren am(…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL. M.  Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 29. Februar 2008 / N (…).

D­2120/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger Äthiopiens der Ethnie der  Guragi  christlich­orthodoxen  Glaubens  aus  Addis  Abeba,  reiste  am  11. September  2002  von  Johannesburg  herkommend  mit  einem  gefälschten  Reisepass  in  die  Schweiz  ein  und  stellte  gleichentags  am  Flughafen Zürich­Kloten ein Asylgesuch. B.  Mit  Verfügung  vom  11. September  2002  verweigerte  das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute  BFM)  dem  Beschwerdeführer vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihm für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  bis  maximal  25. September  2002  den  Transitbereich des Flughafens Zürich­Kloten als Aufenthaltsort zu. C.  Am 22. September 2002 erhob das BFF  im Flughafen Zürich­Kloten die  Personalien  des  Beschwerdeführers  und  befragte  ihn  summarisch  zum  Reiseweg  und  zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  des  Heimatlandes.  Gleichzeitig  gab  das  BFF  dem  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit,  hinsichtlich des gefälschten Reisepasses Stellung zu nehmen. D.  Am 23. September  2002  bewilligte  das BFF  dem Beschwerdeführer  die  Einreise in die Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs. E.  Am  25. September  2002  erhob  das  BFF  an  der  Empfangsstelle  (heute  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  Kreuzlingen  nochmals  die  Personalien  und  befragte  den  Beschwerdeführer  summarisch  zum  Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Am  18. November 2002 hörte ihn das kantonale Migrationsamt einlässlich zu  den Asylgründen an. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,  dass  er  an  den  Studentenunruhen  Mitte  2000  teilgenommen  habe  und  dabei  von  einem Polizisten mit  dem Gewehrkolben  geschlagen worden  sei. Aus Angst vor einer Verhaftung habe er sich zu seinem Grossvater  nach  Z._______  (Region  Y._______)  begeben.  Nach  einem  Jahr  und  sechs Monaten sei er nach Addis Abeba zurückgekehrt. Regierungsleute  hätten  seine Mutter  zuerst  aufgefordert,  ihn den Behörden auszuliefern. 

D­2120/2008 Schliesslich habe diese selber zum Polizeiposten mitgehen müssen. Sein  jüngerer  Bruder  habe  sich  danach  beim  Polizeiposten  nach  der  Mutter  erkundigt  und  sei  sieben  Monate  inhaftiert  worden.  Die  Mutter  sei  freigelassen worden. Am 29. August 2002 sei er mit einem Schlepper aus  Äthiopien nach Somalia und via Südafrika in die Schweiz gereist. F.  Mit  Verfügung  vom  11. April  2003  stellte  das  BFF  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der  Wegweisung an. Den gefälschten Reisepass (…) zog es ein. G.  Auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 5. Mai 2003  trat die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)  wegen  Nichtbezahlens  des  Kostenvorschusses  mit  Urteil  vom  14. Juli  2003 nicht ein. Das Bundesamt setzte dem Beschwerdeführer daraufhin  eine neue Frist bis zum 10. September 2003 zum Verlassen der Schweiz  an. H.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreter  vom  27. Juni  2007  liess  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  ein  zweites  Asylgesuch  einreichen  und  beantragen,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen,  eventualiter  sei  er  in  der  Schweiz  als  Flüchtling  vorläufig  aufzunehmen,  subeventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  beziehungsweise  Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  liess  er  zudem  beantragen,  es  sei  die  unentgeltliche Prozessführung  zu  gewähren,  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, dem vorliegenden  Gesuch  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  der  Wegweisungsvollzug  und  Vorbereitungshandlungen  seien  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen  zu  sistieren,  bis  über  die  aufschiebende  Wirkung dieses vorliegenden Gesuches entschieden sei. Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  seit  dem  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  hätten  sich  neue  Tatsachen  ergeben, beziehungsweise hätten neue Ereignisse stattgefunden, welche  geeignet  seien,  die  Flüchtlingseigenschaft  wegen  Nachfluchtgründen  herbeizuführen. Der Beschwerdeführer sei inzwischen ein aktives Mitglied 

D­2120/2008 der  Coalition  for  Unity  and  Democracy  Party  (CUDP,  KINJIT)  support  group  in  Switzerland  und  der  Assyociation  des  Ethiopiens  en  Suisse  (AES).  Er  habe  an  mehreren  öffentlichen  Veranstaltungen  und  Demonstrationen  gegen  die  äthiopische  Regierung  teilgenommen.  Hervorzuheben  sei  diesbezüglich  das  Zusammentreffen  der  exilpolitischen  Äthiopier  vom  24. März  2007  in  X._______  sowie  vom  26. Juni 2005 und vom 16. Februar 2007 in W._______. Zudem habe der  Beschwerdeführer  im  Jahre  2006  am  Umzug  der  UNIA  teilgenommen.  Der  Beschwerdeführer  sei  inzwischen  noch  länger  aus  Äthiopien  abwesend, als dies beim Erlass der ersten Verfügung der Fall gewesen  sei. Es  lägen neue Belege  für  die Menschenrechtssituation  in Äthiopien  vor,  welche  eine  Neubeurteilung  der  Sachlage  erforderlich  machen  würden. Es könne als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass die  äthiopischen  Behörden  die  exilpolitischen  Aktivitäten  überwachen  würden.  Es  müsse  daher  angenommen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  bereits  von  den  äthiopischen  Behörden  als  CUDP­ Aktivist  identifiziert  worden  sei.  Die  exilpolitischen  Aktivitäten  hätten  bei  der  Rückkehr  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  politische  Verfolgung  zur  Folge.  Es  müsse  in  Betracht  gezogen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  ein  politisches  Profil  besitze,  nicht  nur  wegen  seiner  zahlreichen  Teilnahmen  an  regimefeindlichen  Anlässen,  sondern  auch  durch sein unermüdliches Eintreten für eine Demokratisierung Äthiopiens.  Mit  einer  Weisung  vom  31. Juli  2006  habe  das  äthiopische  Aussenministerium  sämtliche  äthiopische  Auslandsvertretungen  aufgefordert,  Informationen  über  sogenannte  "extreme  Elemente"  im  Ausland zu sammeln und deren Namen an die Zentrale  in Addis Abeba  weiterzuleiten.  Diesen  Personen  soll  der  Prozess  wegen  Genozid,  Landesverrat  und  Unterschlagung  während  ihres  Auslandaufenthaltes  gemacht  werden.  In  diesem  Zusammenhang  werde  auf  einen  Internetartikel  auf  www.ethioforum.org  und  ein  Schreiben  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  verwiesen.  Bei  einer  allfälligen  Rückkehr  nach  Äthiopien  würde  er  mit  Sicherheit  verhaftet  und  verhört  werden.  Aufgrund  seiner  langen  Abwesenheit  würden  die  Behörden  Verdacht schöpfen und ihm vorwerfen, in der Zwischenzeit im Ausland für  verbotene  oppositionelle  Gruppen  aktiv  gewesen  zu  sein  beziehungsweise an oppositionellen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein.  Durch die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers habe dieser  durchaus  ein  Profil  aufzuweisen,  das  die  Aufmerksamkeit  der  äthiopischen  Behörden  geweckt  haben  dürfte.  Der  Beschwerdeführer  habe somit begründete Furcht, bei einer allfälligen Rückkehr ernsthaften  Nachteilen  im  Sinne  von  Art. 3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 

D­2120/2008 (AsylG,  SR 142.31)  ausgesetzt  zu  werden.  Er  erfülle  somit  die  Flüchtlingseigenschaft,  da  auch  keine  Ausschlussgründe  vorlägen.  Auf  Grund des Gesagten sei aber auch klar, dass  im Falle der Rückführung  nach  Äthiopien  ein  "real  risk"  für  verbotene  Handlungen  im  Sinne  von  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  und  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105). Wegen Unzulässigkeit  in diesem Sinne sei der Vollzug  der Wegweisung nicht statthaft und die vorläufige Aufnahme anzuordnen.  Angesichts  der  wirtschaftlichen  und  gesellschaftlichen  Gegebenheiten  Äthiopiens  sei  zu  erwarten,  dass  der  Beschwerdeführer  dauerhaft  in  kompletter  Armut  zu  leben  hätte,  Hunger  oder  gar  dem  Hungertod  ausgesetzt  wäre,  wodurch  der  Wegweisungsvollzug  nicht  als  zumutbar  erachtet  werden  könne.  Es  könne  nicht  gewährleistet  werden,  dass  er  über ein soziales oder familiäres Netz verfüge oder sich innert nützlicher  Frist  eine ausreichende Erwerbstätigkeit beschaffen beziehungsweise  in  den  Genuss  einer  zumutbaren  staatlichen  oder  privaten  Versorgung  kommen könne. Der Grenzkonflikt mit Eritrea  sei  keineswegs beigelegt.  Im Weiteren könne festgehalten werden, dass die äthiopischen Behörden  insbesondere  Rückkehrer  aus  Europa  mehr  denn  je  verdächtigen  und  das  Ersuchen  eines  anderen  Staates  um  Schutz  einem  Landesverrat  gleichgesetzt werde. Dem Beschwerdeführer drohe in Äthiopien aufgrund  der  Tatsache,  dass  er  nach  einer  Reise  auf  illegalem  Weg  und  mit  falschen  Papieren  in  der  Schweiz  ein  Asylverfahren  durchlaufen  habe,  eine  unverhältnismässig  hohe  Haftstrafe,  Folter  und  Verschleppung.  Wegen Unzulässigkeit  beziehungsweise Unzumutbarkeit  sei der Vollzug  der Wegweisung nicht statthaft und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Der Eingabe lagen je ein Bestätigungsschreiben der CUDP vom 11. März  2007  und  der  AES  vom  22. Juni  2007,  verschiedene  Fotos  von  Demonstrationen  und  Veranstaltungen,  eine  Kopie  einer  Weisung  vom  31. Juli  2006  des  äthiopischen  Aussenministeriums,  ein  Ausdruck  der  Internetseite www.ethioforum.org, eine Kopie einer E­Mail der SFH vom  1. September  2006  und  eine  Kopie  eines  Länderberichts  vom  30. November 2003 bei. I.  Mit Verfügung vom 5. Juli 2007 forderte das BFM den Beschwerdeführer  unter  Androhung  des  Nichteintretens  auf  das  Asylgesuch  im  http://www.ethioforum.org

D­2120/2008 Unterlassungsfall  auf,  bis  zum  19. Juli  2007  den  Betrag  von  Fr. 1200.–  als Gebührenvorschuss zu bezahlen.  J.  Mit  Verfügung  vom  8. August  2007  trat  das  BFM  in  Anwendung  von  Art. 17b  Abs. 4  AsylG  infolge  Nichtbezahlens  des  einverlangten  Gebührenvorschusses  auf  das  Asylgesuch  vom  27. Juni  2007  nicht  ein  und  ordnete  die Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und deren Vollzug an. K.  Die  gegen  die  Verfügungen  des  BFM  vom  5. Juli  2007  und  8. August  2007  erhobene  Beschwerde  vom  10. September  2007  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D­6011/2007  vom  21. Dezember  2007 gut. Gleichzeitig hob es die beiden Verfügungen vom BFM auf und  wies das BFM an, das Asylverfahren fortzuführen. L.  Am  12. Februar  2008  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  zu  seinen  Asylgründen an. Dabei machte er  im Wesentlichen geltend, er sei  illegal  mit  einem  gefälschten  Pass  ausgereist.  Vor  der  Ausreise  habe  er  sich  nicht politisch betätigt. Seit ungefähr dem Jahre 2006 sei er Mitglied bei  der  KINIJT  beziehungsweise  der  CUDP  in  der  Schweiz.  Er  sei  Koordinator von 14 Personen zwischen V._______ und U._______, habe  an  Demonstrationen  in W._______,  T._______,  vor  dem  (…)  und  dem  (…)  teilgenommen  und  habe  auch  Plakate  gehalten.  Bei  einer  Demonstration  vor  der  äthiopischen  Botschaft  hätten  Botschaftsangestellte  Videoaufnahmen  und  Fotos  von  den  Demonstrationsteilnehmern  gemacht.  Als  es  die  KINIJT  noch  nicht  gegeben  habe,  habe  er  während  ungefähr  vier  Jahren  an  Demonstrationen der AES teilgenommen. Er sei  immer noch ein aktives  Mitglied der AES. Im Jahre 2007 sei letztmals zu Hause in Äthiopien nach  ihm  gefragt  worden.  Er  vermute  dass  die  äthiopische  Botschaft  seinen  Namen  an  die  äthiopische  Regierung  weitergeleitet  habe.  Der  Beschwerdeführer  befürchtet,  dass  er  bei  der  Rückkehr  nach  Äthiopien  inhaftiert oder getötet werde. Der  Beschwerdeführer  reichte  nochmals  ein  Ausdruck  der  Webseite  www.ethiforum.org mit der Weisung vom 31. Juli  2006 des äthiopischen  Aussenministeriums zu den Akten. http://www.ethiforum.org

D­2120/2008 M.  Mit Verfügung vom 29. Februar 2008 – eröffnet am 3. März 2008 – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  vom  27. Juni  2007  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  forderte  ihn  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis zum 25. April 2008 zu verlassen.  Das BFM erhob eine Gebühr von Fr. 1200.–. N.  Mit Eingabe  vom 2. April  2008  liess  der Beschwerdeführer  gegen diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  handelnd  durch  seinen  Rechtsvertreter Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene  Verfügung sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  anzuordnen.  Eventualiter  sei  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Subeventualiter  sei  der  angefochtene  Entscheid  zumindest  im  Kostenpunkt  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  auf  die  Erhebung  der  Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 1200.–  zu  verzichten.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  liess er zudem beantragen, es sei  ihm die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses zu verzichten. O.  Mit Verfügung  vom 14. April  2008  stellte  der  Instruktionsrichter  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  hiess  er  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gut,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  gab  dem  BFM  Gelegenheit,  eine  Vernehmlassung zur Beschwerde vom 2. April 2008 einzureichen. P.  In der Vernehmlassung vom 22. April 2008 hielt das BFM fest, dass die  Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel  enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen würde,  weshalb es die Abweisung der Beschwerde beantrage. Q.  Der  Instruktionsrichter  gab  dem  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom 

D­2120/2008 23. April  2008  Gelegenheit,  zur  Vernehmlassung  eine  Replik  einzureichen. R.  Am  8. Mai  2008  nahm  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter Stellung zur Vernehmlassung des BFM. S.  Am  18. März  2011  heiratete  der  Beschwerdeführer  die  Mutter  seines  Sohnes,  die  eritreische  Staatsangehörige  aus  Äthiopien  B._______  (N […]). T.  Am  9. Juni  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  um  Anordnung eines Kantonswechsels. U.  Mit Verfügung vom 27. Juni 2011 verfügte das BFM den Kantonswechsel  und teilte den Beschwerdeführer neu dem Kanton (…) zu.  V.  Am 23. Dezember  2011  erteilte  der Kanton  (…)  dem Beschwerdeführer  mit Zustimmung des BFM eine Aufenthaltsbewilligung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

D­2120/2008 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 3.  Verheiraten  sich  zwei  Asylsuchende  in  der  Schweiz,  die  unabhängig  voneinander  ein  Asylgesuch  gestellt  haben,  kann  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  des  einen  nicht  losgelöst  von  derjenigen  des  anderen Ehegatten geprüft werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 1 E. 2a­d  S. 5 f.).  Das  Gleiche  gilt  grundsätzlich  für  die  Frage  des  Wegweisungsvollzugs,  da  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  einen  nicht  gleichzeitigen  Vollzug  der  Wegweisung  von  Ehegatten  verbietet  (vgl.  EMARK]  1999  Nr. 1  E. 4  S. 6 f.).  Das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  ist  deshalb  mit  demjenigen  der  Ehefrau  und  des  gemeinsamen Sohnes (D­1321/2008) koordiniert zu behandeln. 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 

D­2120/2008 gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.3. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  –  insbesondere  durch  politische  Exilaktivitäten  –  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG)  beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn  der  Heimat­  oder  Herkunftsstaat mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von  den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer  Rückkehr  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter  Weise  verfolgt  würde  (vgl.  BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR,  Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Genf  1993).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG,  führen  jedoch  gemäss  Art. 54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom  Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbiet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat entstanden sind und die für sich allein nicht zur Bejahung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352). 5.  5.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  mit  der  Begründung  ab,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Im Einzelnen führte es aus, der Beschwerdeführer mache geltend, er sei  in der Schweiz aktives Mitglied der AES und der CUDP/KINIJT geworden  und  habe  an  verschiedenen Aktivitäten  gegen  das Regime  in Äthiopien  teilgenommen, was er entsprechend belege. Der Beschwerdeführer habe  im  Rahmen  seines  ersten  Asylverfahrens  keine  politisch  motivierte  Verfolgung durch die äthiopischen Behörden glaubhaft machen können.  Es bestehe somit kein Anlass zur Annahme, dass er vor dem Verlassen 

D­2120/2008 seines  Heimatstaates  als  regimefeindliche  Person  ins  Blickfeld  der  äthiopischen  Behörden  geraten  oder  dort  in  irgendeiner  Form  als  Regimegegner oder politischer Aktivist registriert worden sei. Demzufolge  sei  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  nach  seiner  Ankunft  in  der  Schweiz unter spezieller Beobachtung seitens der äthiopischen Behörden  gestanden  habe.  Die  blosse  Mitgliedschaft  in  der  AES  führe  zu  keiner  Verfolgung  durch  die  äthiopischen  Behörden.  Es  handle  sich  nicht  um  eine  eigentliche  exilpolitische  Oppositionspartei.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  zwar  wie  viele  seiner  Landsleute  erwiesenermassen  bei  der  AES  und  der  KINIJT  exilpolitisch  betätigt.  Die  von  ihm  eingereichten  Beweisunterlagen  – wie  auch  zahlreiche weitere,  ähnlich  dokumentierte  Eingaben in anderen Verfahren – zeigten aber, dass allein in der Schweiz  innert weniger Monate viele exilpolitische Anlässe stattfänden, von denen  anschliessend  oftmals  gestellte  Gruppenaufnahmen  von  nicht  selten  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen Medien  publiziert  würden.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheine  es  aber  unwahrscheinlich,  dass  die  äthiopische  Behörden  all  diesen  –  oft  nur  schlecht  erkennbaren –  Gesichtern  konkrete  Namen  zuordnen  könnten.  Angesichts  der  hohen  Zahl  der  im Ausland  lebenden  äthiopischen Staatsangehörigen  könnten  die  äthiopischen Behörden  nicht  jede  einzelne Person  überwachen  und  identifizieren.  Zudem  dürfte  auch  den  äthiopischen  Behörden  bekannt  sein, dass viele äthiopische Emigranten aus vorwiegend wirtschaftlichen  Gründen versuchen würden, sich  in Europa und speziell  in der Schweiz  vor  oder  nach  Abschluss  ihres  Asylverfahrens  ein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  zu  erwirken,  indem  sie  regimekritischen  Aktivitäten  nachgingen.  Das  vom  Beschwerdeführer  in  Kopie  eingereichte  Rundschreiben  der  äthiopischen  "Direktion  für  Angelegenheiten  von  im  Ausland  lebenden  Äthiopiern"  sowie  die  darin  in  Erinnerung  gerufenen,  bereits  früher  erlassenen  Richtlinien  seien,  dem  BFM  bekannt,  zumal  diese Dokumente bereits auf einschlägigen Seiten  im Internet auffindbar  seien.  Das  erwähnte  Rundschreiben  und  die  Richtlinien  bezweckten  offensichtlich,  die  Loyalität  und  das  Wählerpotenzial  der  im  Ausland  lebenden  Äthiopier  zugunsten  der  Regierung  in  der  Heimat  zu  fördern  und bestimmte Mitglieder der Exilopposition unter Anklage zu stellen. Im  Schreiben  und  den  darin  erwähnten  Richtlinien  würden  die  Auslandsvertretungen  aber  nicht  dazu  aufgerufen,  systematisch  gegen  die  grosse  Masse  von  exilpolitisch  aktiven  Personen  vorzugehen  und  entsprechende Informationen zu sammeln. Es werde nämlich differenziert  zwischen  einer  Gruppe  aus  Personen,  die  ohne  jede  Toleranz  eine  Hasspolitik  betreiben würden,  und  einer  zweiten Gruppe aus Personen,  mit  denen  der Dialog  zu  suchen  sei. Die  äthiopischen Behörden  hätten 

D­2120/2008 nur  dann ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer Person, wenn deren  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen würden.  Vorliegend  bestünden  keine  Anhaltspunkte  für  die Annahme, dass sich der Beschwerdeführer  in dieser besonderen Art  und Weise betätigt und exponiert habe. Er gehöre mit Sicherheit nicht zur  Zielgruppe des  "harten Kerns"  von aktiven oppositionellen Äthiopiern  im  Ausland,  für die sich die äthiopischen Behörden gemäss den erwähnten  Dokumenten  interessierten.  Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte Befürchtung wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten sei daher  nicht  als  begründet  im  Sinne  des  Asylgesetzes  zu  erachten.  Überdies  bestünden  erhebliche  Zweifel  an  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten Suche nach ihm. Vor dem BFM habe er angegeben, er habe  in  der  Schweiz  von  seiner  Mutter  erfahren,  dass  sich  eine  Person  der  Gemeinde zweimal nach seinem Verbleib zu Hause erkundigt habe. Auf  Nachfrage  sei  er  jedoch  nicht  in  der  Lage  gewesen,  die  behauptete  Suche nach  ihm genauer zu substantiieren. Er habe nicht gewusst, wer  von  der  Gemeinde  und  aus  welchem  Grund  diese  Person  nach  ihm  gefragt  haben  soll.  Die  Angaben  seien  daher  als  blosse,  nicht  näher  substantiierte Behauptung einzustufen.  5.2. In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass bei  einem Asylgesuch, welches sich auf subjektive Nachfluchtgründe stütze,  keine  glaubhaften  asylrelevanten  Vorfluchtgründe  vorgebracht  werden  können. Andernfalls hätten ja bereits die Vorfluchtgründe zur Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  geführt.  Der  Bekanntheitsgrad,  welchen  die  asylsuchende  Person  vor  ihrer  Ausreise  bei  den  Behörden  des  Herkunftsstaates aufweise, stelle lediglich eines von zahlreichen Kriterien  zur  Beurteilung  der  Frage  dar,  ob  die  Behörden  des  Heimatlandes  Kenntnis  von  regimekritischen  Aktivitäten  dieser  Person  im  Ausland  hätten.  Ferner  sei  festzustellen,  dass  dem  Beschwerdeführer  im  ordentlichen Verfahren zwar die Glaubhaftmachung einer asylrelevanten  Verfolgung  durch  die  äthiopischen  Behörden misslungen  sei,  dies  aber  nicht bedeute, er sei ihnen nicht bereits vor seiner Ausreise als politische  oder  unbequeme  Person  bekannt  gewesen.  Erst  durch  die  Flucht  oder  die  Aktivität  im  Ausland  erhalte  der  Asylsuchende  ein  ausreichend  politisches Profil, das mit Gewissheit zu einer Verfolgung  im Heimatland  führe.  Ein  Gutachten  des  Äthiopien­Experten  Günter  Schröder  vom  7. Oktober 2007 widerspreche der Einschätzung des BFM, dass es den  äthiopischen  Behörden  in  Anbetracht  der  grossen  Anzahl  exilpolitischer  Anlässe  in  der  Schweiz  unmöglich  sei,  sämtliche  Teilnehmer  dieser  Kundgebungen zu registrieren. Die politische Motivation sei entgegen der 

D­2120/2008 Ansicht  der  Vorinstanz  aufrichtig,  was  die  lange  Dauer  seiner  exilpolitischen Aktivitäten, seine dargelegten politischen Kenntnisse sowie  seine Funktion und seine Aufgabe innerhalb der Organisation im Übrigen  klar  aufzeigen  würden.  Sowohl  "echte"  als  auch  solche,  die  nur  aus  wirtschaftlichen Gründen exilpolitisch tätig werden, fügen dem Regime so  in  gleichem  Masse  Schaden  zu.  Es  bestehe  für  den  äthiopischen  Repressionsapparat daher keinerlei Veranlassung zu einer differenzierten  Betrachtungsweise. Gemäss  dem Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  D­5060/2007  vom  30. November  2007  seien  nicht  nur  hochrangige  politische Aktivisten, sondern auch einfache Mitglieder und sogar blosse  Sympathisanten  von  exilpolitischen  Organisationen  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  gefährdet.  Die  Auffassung  der  Vorinstanz,  wonach  bloss  politisch  stark  exponierte  Personen  bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  gefährdet  seien,  befremde  umso  mehr,  als  das  BFM  Äthiopiern,  deren  exilpolitisches  Engagement  ein  ähnliches  oder  gar  geringeres  Ausmass  als  jenes  des  Beschwerdeführers  aufweise,  die  Flüchtlingseigenschaft  wegen  subjektiven  Nachfluchtgründen  zugesprochen  habe. Der  angefochtene Entscheid  verstosse  somit  auch  gegen das Gleichbehandlungsgebot. Die Fahndung nach  seiner Person  in Äthiopien beziehe sich auf seine Vorfluchtgründen und seien daher für  die  Beurteilung  der  geltend  gemachten  Nachfluchtgründe  irrelevant.  Zusammenfassend sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer über ein  beachtliches  politisches  Profil  verfüge,  aufgrund  dessen  ihm  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  asylrelevante  Verfolgung  drohe.  Selbst  wenn  man  davon  ausginge,  dass  die  äthiopischen  Behörden  bis  anhin  keine  Kenntnis  der  exilpolitischen  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  erlangt  hätten,  so würde  dies  spätestens mit  Beantragung  eines Passes,  eines  Laisser­passer oder der Einreise geschehen. Der Beschwerdeführer habe  daher  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  mit  allergrösster  Wahrscheinlichkeit  mit  einer  flüchtlingsrelevanten  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  zu  rechnen  und  sei  daher  als  Flüchtling anzuerkennen. 5.3. In der Vernehmlassung hielt das BFM fest, in der Beschwerde werde  eingewendet,  eine Wegweisung  verletze  den Grundsatz  der Einheit  der  Familie, da der Beschwerdeführer mit einer äthiopischen Lebenspartnerin  ein  gemeinsames  Kind  habe,  das  er  während  ihrer  arbeitsbedingten  Abwesenheit  betreue.  Diesbezüglich  sei  anzumerken,  dass  der  Beschwerdeführer dieses Kind nicht offiziell  anerkannt habe. Zudem sei  es  seiner  Lebenspartnerin,  deren  Asylverfahren  auf  Beschwerdeebene 

D­2120/2008 noch  hängig  sei,  möglich,  die  Schweiz  gemeinsam  mit  dem  Beschwerdeführer und dem Kind zu verlassen. 5.4. In der Replik wird demgegenüber festgehalten, die Ausführungen des  BFM zur Mutter des Kindes und Lebensgefährtin des Beschwerdeführers  seien  verfehlt,  insbesondere  weil  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Lebensgefährtin gar nicht verheiratet sei. Diese sei wie Tausende andere  Eritreer  wegen  ihrer  eritreischen  Herkunft  in  Äthiopien  diskriminiert  worden.  Die  Nationalität  sei  ein  relevantes  Verfolgungsmotiv  im  Sinne  von Art. 3 AsylG. Das äthiopische Regime betreibe gegenüber Eritreern  und  binationalen  Bürgern  eine  sehr  repressive  Politik.  Nach  wie  vor  bestehe die Gefahr von willkürlicher Verhaftung und Belästigungen durch  Sicherheitskräfte und Kettenabschiebung nach Eritrea. 6.  6.1.  Exilpolitische  Aktivitäten  führen  grundsätzlich  nur  dann  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  aufgrund  von  subjektiven  Nachfluchtgründen,  wenn  zumindest  glaubhaft  gemacht  wird,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  infolge  dieser  Aktivitäten  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit mit politischer Verfolgung zu  rechnen  wäre.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  zwar  davon  aus,  dass  die  Aktivitäten  äthiopischer  Exilorganisationen  von  regimetreuen  Bürgern  oder  im  Ausland  lebenden  Behördenvertretern  beobachtet  werden.  Dieser Umstand reicht  indessen für sich allein genommen nicht aus, um  eine  begründete  Verfolgungsfurcht  glaubhaft  zu  machen.  Vielmehr  müssen  zusätzliche,  konkrete  Anhaltspunkte  –  nicht  lediglich  die  abstrakte oder rein theoretische Möglichkeit – dafür vorliegen, dass eine  exilpolitisch  aktive  Person  tatsächlich  das  Interesse  der  äthiopischen  Behörden  auf  sich  gezogen  respektive  als  regimefeindliche  Person  namentlich identifiziert und registriert wurde. Derartige konkrete Hinweise  bestehen vorliegend nicht. 6.2.  In der Beschwerde wird nicht bestritten, dass der Beschwerdeführer  vor  seiner  Ausreise  keine  asylrelevante  Verfolgung  wegen  einer  Teilnahme  an  einer  Demonstration  glaubhaft  machen  konnte.  Geltend  gemacht  wird  indessen,  der  Beschwerdeführer  könne  den  äthiopischen  Behörden  trotzdem  bereits  vor  der  Ausreise  als  politische  oder  unbequeme Person aufgefallen sein. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass  der  Beschwerdeführer  an  der  Anhörung  vom  12. Februar  2008  selber  angegeben  hat,  dass  er  vor  seiner  Ausreise  in  Äthiopien  nicht  politisch  tätig  gewesen  sei  (vgl.  act. B19/11  S. 4).  Dass  er  vor  seiner  Ausreise 

D­2120/2008 dennoch  als  regimefeindliche  Person  ins  Blickfeld  der  äthiopischen  Behörden  geraten  ist,  kann  daher  praktisch  ausgeschlossen  werden.  Aufgrund der eingereichten Beweismittel ist im Übrigen zwar erstellt, dass  der Beschwerdeführer Mitglied der CUDP Schweiz und der AES  ist und  sich  an  verschiedenen Kundgebungen  in  der  Schweiz  beteiligt  hat  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6011/2007  vom  21. Dezember  2007  E. 3.4).  Die  beim  BFM  eingereichten  Fotos,  auf  denen  der  Beschwerdeführer  als  Demonstrationsteilnehmer  abgebildet  ist,  lassen  jedoch nicht erkennen, dass er sich in exponierter Stellung in signifikanter  Weise  von  anderen  Teilnehmern  der  jeweiligen  Kundgebungen  abgehoben  hätte.  Aus  den  Akten  geht  zudem  nicht  hervor,  dass  die  eingereichten Fotos in den Medien veröffentlicht worden wären. Allein der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  an  der  Demonstration  vor  der  äthiopischen Botschaft gesehen haben will, dass deren Angestellte Fotos  und Videoaufnahmen gemacht haben  (vgl. act. B19/11 S. 7 f.),  bedeutet  zudem nicht,  dass  auch der Beschwerdeführer  in  deren Fokus geraten,  identifiziert  und  registriert  worden  ist.  Eigenen  Angaben  zufolge  ist  der  Beschwerdeführer  zudem  als  Koordinator  für  die  KINJIT  tätig  und  informiert  in  dieser  Eigenschaft  zirka  14 Personen  in  der  Region  U._______/V._______  über  bevorstehende  Demonstrationen  und  Sitzungen  (vgl.  act. B19/11  S. 5).  Es  ist  jedoch  unwahrscheinlich,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  dieser  administrativen  Tätigkeit  das  Augenmerk  der  äthiopischen  Sicherheitsdienste  auf  sich  gezogen  hat.  Der  Beschwerdeführer  wird  im  Übrigen  in  keinem  der  eingereichten  Berichte  namentlich  erwähnt.  Es  ist  daher  –  ungeachtet  möglicher  Überwachungsaktivitäten  der  äthiopischen  Behörden  –  nicht  ersichtlich,  dass  die  äthiopischen  Behörden  von  den  exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers Kenntnis  erlangt  und  ihn namentlich  identifiziert  und  registriert  haben  könnten.  Für  die  Beantwortung  der  Frage,  ob  eine  Person  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  ist  ferner  nicht  nur  die  (objektive)  Gefährdung  massgeblich,  sondern  vor  allem  auch,  ob  sie  persönlich begründete Furcht vor einer künftigen Verfolgung hat (EMARK  2000  Nr. 9  E. 5a  S. 78).  Diese  (subjektive)  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung ist dem Beschwerdeführer indes nicht abzunehmen. Nachdem  er  am  12. September  2002  im  Flughafen  Zürich­Kloten  um  Asyl  nachgesucht  hatte,  wusste  er  bereits  nach  Erlass  des  Urteils  der  ARK  vom 14. Juli 2003, dass er gestützt auf die Verfügung des Bundesamtes  vom 22. April 2002 nach Äthiopien zurückzukehren hat, nachdem dieses  festgestellt hat, dass er in ihrem Heimatland nicht verfolgt wird und auch  keine Verfolgung zu befürchten hat. Es ist vor diesem Hintergrund sowie  aufgrund  des  Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Äthiopien 

D­2120/2008 politisch  nicht  tätig  war,  nicht  ersichtlich,  dass  seine  exilpolitischen  Aktivitäten in der Schweiz auf einem Prozess ernsthafter Sensibilisierung  und  Bewusstseinsbildung  basieren.  Dies  wird  denn  auch  durch  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Anhörung  vom  12. Februar 2008 vollauf bestätigt. Auf seine exilpolitisches Engagement  angesprochen erklärte er, nachdem in Äthiopien die KINJIT – er glaube,  dies sei  im Monat Mai 2005 gewesen – gegründet worden sei, seien die  Jugendlichen  in Äthiopien von der Regierung geschlagen und malträtiert  worden. In der Schweiz sei die KINJIT – so glaube er – am 26. Juli 2005  in  Zürich  gegründet  worden.  Die  KINJIT  stehe  für  Demokratie  und  Frieden,  für  die  Entwicklung  des  Landes.  Nachdem  die  Parteiführer  in  Äthiopien  inhaftiert  worden  und  viele  Sympathisanten  geschlagen  und  umgebracht  worden  seien,  habe  er  sich  entschlossen  –  er  glaube,  vor  zirka  zwei  Jahren  –  in  der  Schweiz  politisch  aktiv  zu  werden  (vgl.  act. B19/11 S. 4 f.). Mit derart oberflächlichen und pauschalen Aussagen  – gleiches  gilt  im Übrigen  auch  für  seine  Aktivitäten  für  die  EMAS  (vgl.  act. B19/11 S. 5 f.)  –  vermag der Beschwerdeführer nicht das Bild einer  Personen zu vermitteln, die getrieben von einer tiefgreifenden politischen  Überzeugung  im  Gastland  regimekritisch  an  die  Öffentlichkeit  tritt.  Vielmehr  entsteht  der  Eindruck,  er  versuche  mit  seinen  exilpolitischen  Aktivitäten  den  Behörden  im  Gastland  gegenüber  den  Anschein  einer  politisch engagierten Person zu erwecken. Da der Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  weder  verfolgt  war  noch  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  hatte,  mithin  jederzeit  als  unbescholtener  Bürger  nach  Äthiopien  hätte  zurückkehren  können,  lassen  sich  die  in  der  Schweiz  nach  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  einsetzenden  exilpolitischen  Aktivitäten nur dadurch erklären, dass er damit einen  flüchtlingsrechtlich  vermeintlich bedeutsamen Sachverhalt zu kreieren versucht. Ein solches  Verhalten  im  Gastland  deutet  indes  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  selber  nicht  ernsthaft  damit  rechnet,  er  könnte  tatsächlich  Gefahr  laufen,  im  Falle  der  Rückkehr  in  die  Heimat  wegen  seiner  exilpolitischen  Aktivitäten  in  der  Schweiz  –  selbst  wenn  die  äthiopischen  Behörden  davon  Notiz  nehmen  sollten  –  ernsthafte  Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dies wiederum korrespondiert mit  der  Einschätzung  des  BFM,  wonach  auch  den  äthiopischen  Behörden  bekannt  sei,  dass  viele  äthiopische  Emigranten  aus  vorwiegend  wirtschaftlichen Gründen versuchen würden, sich  in Europa und speziell  in  der  Schweiz  vor  oder  nach  Abschluss  ihres  Asylverfahrens  ein  dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  zu  erwirken,  indem  sie  regimekritischen  Aktivitäten  nachgingen.  Es  liegen  demnach  keine  subjektive  Nachfluchtgründe  im Sinne  von Art. 54  i. V. m. Art. 3 AsylG  vor, welche 

D­2120/2008 zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  führen  könnten.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  weder  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  noch  die  eingereichten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  auf  diese  nicht  näher  einzugehen  ist  beziehungsweise  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  der  Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann.  6.3.  In  der  Beschwerde  wird  gerügt,  die  angefochtene  Verfügung  verstosse  gegen  das  Gleichbehandlungsgebot,  weil  die  Vorinstanz  in  anderen  Fällen  Äthiopiern,  deren  exilpolitisches  Engagement  ein  ähnliches oder gar geringeres Ausmass als jenes des Beschwerdeführers  aufwies,  die  Flüchtlingseigenschaft  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  zugesprochen habe –  so etwa  im Fall N  (…).  In  der Rechtsanwendung  gebietet  der  verfassungsrechtliche  Gleichbehandlungsgrundsatz  (Art. 8  Abs. 1  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) in der Tat, dass zwei tatsächlich gleiche  Situationen  nicht  ohne  sachlichen  Grund  unterschiedlich  zu  behandeln  sind.  Demgegenüber  besteht  kein  Anspruch  auf  Gleichbehandlung  im  Unrecht,  selbst wenn eine bisher abweichende Praxis bestanden haben  sollte.  Insbesondere besteht dann kein Anspruch auf Gleichbehandlung,  wenn ernsthafte und sachliche Gründe für die Praxisänderung sprechen,  die  Änderung  grundsätzlich  erfolgt  und  das  Interesse  an  der  richtigen  Rechtsanwendung gegenüber der Rechtssicherheit überwiegt. Frühere –  allenfalls  fehlerhafte  –  Entscheide  sollen  nicht  als  Richtschnur  für  alle  Zeiten Geltung haben (vgl. PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  S. 176  ff.).  Unter  diesem  Blickwinkel  ist  die  Praxis  der  Vorinstanz  nicht  in  Stein  gemeisselt.  Vielmehr  ist  im  Verlaufe  der  Zeit  veränderten  Umständen  beziehungsweise  neuen  Erkenntnissen  Rechnung  zu  tragen,  weshalb  vorliegend das Gleichbehandlungsgebot selbst dann nicht  verletzt wäre,  wenn  der  vorliegende  Sachverhalt  tatsächlich  gleich  im  Rechtssinne  wäre, wie bei den in der Beschwerde erwähnten Verfahren, bei denen die  Flüchtlingseigenschaft  anerkannt  worden  sein  soll.  Die  in  der  Beschwerde  erhobene Rüge erweist somit als nicht stichhaltig. 7.  7.1.  Gemäss  Art. 51  Abs. 1  AsylG  werden  Ehegatten,  eingetragene  Partnerinnen  oder  Partner  von  Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl,  wenn  keine  besonderen Umstände dagegen sprechen. 

D­2120/2008 7.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  18. März  2011  B._______  (N […])  geheiratet.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  mit  Urteil  D­1321/2008  vom 29. Dezember 2011 festgestellt, dass die Ehefrau und der Sohn des  Beschwerdeführers  keine  asylrelevante  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  durch  die  eritreischen  oder  äthiopischen  Behörden  haben  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  und  deshalb  nicht  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden  können,  und  das  BFM  zu  Recht  deren  Flüchtlingseigenschaft  verneint und  ihre Asylgesuche abgelehnt hat. Ein  Einbezug  des  Beschwerdeführers  in  die  Flüchtlingseigenschaft  seiner  Ehefrau  beziehungsweise  seines  Sohnes  im  Sinne  von  Art. 51  Abs. 1  AsylG fällt somit nicht in Betracht.  8.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen konnte und auch die Voraussetzungen für  die Anerkennung als Flüchtling gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht gegeben  sind. Das BFM  hat  das Asylgesuch  des Beschwerdeführers  demnach  zu Recht  abgelehnt.  9.  9.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der  Familie  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Gemäss  Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) wird die  Wegweisung  nicht  verfügt,  wenn  die  asylsuchende  Person  im  Besitze  einer gültigen Aufenthalts­ oder Niederlassungsbewilligung ist. 9.2.  Vorliegend  erteilte  der  Kanton  (…)  dem  Beschwerdeführer  am  23. Dezember  2011  mit  Zustimmung  des  BFM  eine  Aufenthaltsbewilligung.  Dadurch  ist  die  vom BFM  verfügte Wegweisung  aus der Schweiz sowie die Anordnung des Vollzugs (Ziffern 3 bis 6 des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  29. Februar  2008)  als  dahingefallen  zu  betrachten,  da  diese  Anordnungen  gegenüber  der  kantonalen  Aufenthaltsbewilligung keinen Bestand haben können (vgl. EMARK 2001  Nr. 21 E. 11c S. 178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251). Die Beschwerde  ist  demnach,  soweit  beantragt  wurde,  es  sei  die  vorläufige  Aufnahme  wegen Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Vollzugs der  Wegweisung zu gewähren, als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

D­2120/2008 10.  Der Eventualantrag, die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz  zurückzuweisen,  wird  in  der  Beschwerde  nicht  weiter  begründet.  Nachdem  das  BFM  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  oder  vollständig  festgestellt  hat  und auch  sonst  nicht  ersichtlich  ist,  inwiefern  das  Beschwerdeverfahren  nicht  spruchreif  sein  könnte,  ist  der  Eventualantrag abzuweisen. 11.  11.1.  In  der  Beschwerde  wird  schliesslich  beantragt,  es  sei  der  angefochtene Entscheid  zumindest  im Kostenpunkt  aufzuheben und die  Vorinstanz  anzuweisen,  auf  die  Erhebung  der Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 1200.– zu verzichten. 11.2. Das Bundesamt erhebt  gestützt  auf Art. 17b Abs. 1 AsylG  für  das  Verfahren  eine  Gebühr,  wenn  eine  Person  nach  rechtskräftigem  Abschluss  ihres  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  ein  Wiedererwägungsgesuch  stellt,  sofern  es  das  Gesuch  ablehnt  oder  darauf nicht eintritt. Gemäss Art. 17b Abs. 3 AsylG kann das Bundesamt  von  der  gesuchstellenden  Person  nach  Einreichung  des  Wiedererwägungsgesuchs  einen  Gebührenvorschuss  in  der  Höhe  der  mutmasslichen Verfahrenskosten verlangen und setzt zu dessen Leistung  unter Androhung des Nichteintretens eine angemessene Frist. Auf einen  Gebührenvorschuss  wird  verzichtet,  wenn  die  Voraussetzungen  nach  Absatz  2  gegeben  sind  (Bst. a).  Gemäss  Art. 17b  Abs. 2  AsylG  befreit  das  Bundesamt  nach  Einreichung  eines  Wiedererwägungsgesuchs  auf  Gesuch  hin  von  der  Bezahlung  von  Verfahrenskosten,  sofern  die  gesuchstellende  Person  bedürftig  ist  und  ihre  Begehren  nicht  von  vornherein  aussichtslos  erscheinen.  Gemäss  Art. 17b  Abs. 4  AsylG  finden  die  Absätze  1­3  sinngemäss  auch  auf  zweite  (und  allfällige  weitere)  Asylgesuche  Anwendung,  ausser  die  asylsuchende  Person  ist  aus dem Heimat­ oder Herkunftsstaat in die Schweiz zurückgekehrt. 11.3.  Der  Beschwerdeführer  beantragte  bei  der  Einreichung  seines  zweiten  Asylgesuchs  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht,  es  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu verzichten. Das Bundesverwaltungsgericht  stellte  sodann mit Urteil vom 21. Dezember 2007 fest, dass die Vorinstanz das  zweite Asylgesuch zu Unrecht als von vornherein aussichtslos qualifiziert  habe,  von  der  prozessualen  Mittelosigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  sei  und  somit  die  Voraussetzungen  für  einen  Verzicht  von 

D­2120/2008 einem  Gebührenvorschuss  nach  Art. 17b  Abs. 3  Bst. a  AsylG  erfüllt  seien.  In  der  nun  angefochtenen  Verfügung  vom  29. Februar  2008  erhob  das  BFM gestützt auf Art. 17 Abs. 1 AsylG eine Gebühr mit der Begründung,  dass  das  zweite  Asylgesuch  vollumfänglich  abgewiesen  werde.  Dabei  berücksichtigte  es  das  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nicht,  obwohl  das  Bundesverwaltungsgericht  bereits  festgestellt  hatte,  dass  die  Voraussetzungen für die Befreiung der Bezahlung von Verfahrenskosten  (Art. 17  Abs. 2  AsylG)  gegeben  sind  (vgl.  Urteil  D­6011/2007  vom  21. Dezember  2007  E.  3.4).  Aus  den  Akten  geht  zudem  nicht  hervor,  dass  sich  die  finanziellen  Verhältnisse  des  Beschwerdeführers  zwischenzeitlich  verändert  haben.  Der  Beschwerdeführer  hat  zwar  am  18. März  2011  B.________  geheiratet,  welche  ein  monatliches  Nettoeinkommen  von  Fr. 1722.–  erzielt.  Dabei  handelt  es  sich  jedoch  nicht  um  eine  den  prozessualen  Notbedarf  übersteigende  Erwerbseinkunft  für  eine  dreiköpfige  Familie.  Zudem  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  im  Beschwerdeverfahren  der  Ehefrau  und dem Kind von deren Bedürftigkeit aus (vgl. Beschwerdeverfahren D­ 1321/2008  Verfügung  vom  7. März  2008).  Der  Beschwerdeführer  ist  somit  weiterhin  als  prozessual  bedürftig  einzustufen.  Da  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  von  vornherein  aussichtlos  erschien, hätte das BFM das Gesuch um Befreiung von Verfahrenskosten  gutheissen müssen.  Das  BFM  hat  demnach  in  vorliegendem Verfahren  zu Unrecht eine Gebühr in der Höhe von Fr. 1200.– erhoben. 12.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  abzuweisen  ist,  soweit  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  –  als  Eventualantrag – die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die  Vorinstanz  beantragt  werden.  Gleichzeitig  ist  sie  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben,  soweit  beantragt  wird,  es  sei  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  anzuordnen.  Die  Beschwerde  ist  hingegen  gutzuheissen,  soweit  –  im  Subeventualpunkt  –  beantragt  wird,  der  angefochtene Entscheid  sei  zumindest  im Kostenpunkt  aufzuheben und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  auf  die  Erhebung  der  Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 1200.–  zu  verzichten.  Die  Ziffer  6  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom  29. Februar  2008  ist  demnach  aufzuheben.  Für  den Fall,  dass die Gebühr  in  der Höhe  von Fr. 1200.– 

D­2120/2008 vom Beschwerdeführer bezahlt wurde, ist das BFM anzuweisen, ihm den  bezahlten Betrag zurückzuerstatten.  13.  13.1.  Im  Hinblick  auf  die  Kostenliquidation  ist  der  Ausgang  des  Verfahrens  im  Flüchtlingspunkt  als  teilweises  Unterliegen  (vgl.  Art. 63  Abs. 1,  Satz  2  VwVG)  zu  werten.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wären  dem  Beschwerdeführer  Verfahrenskosten  in  ermässigtem  Umfang  aufzuerlegen  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Mit  Verfügung  vom  14. April  2008  hiess  der  Instruktionsrichter  das Gesuch  um Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter  Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse  des Beschwerdeführers gut. Wie bereits festgestellt (siehe E. 11.3) ist der  Beschwerdeführer weiterhin als prozessual bedürftig einzustufen. Die ihm  gewährte unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG ist somit  nicht  zu  widerrufen  und  es  sind  ihm  folglich  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen. 13.2. Sodann sind bei einem gegenstandslos gewordenen Verfahren die  Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat.  Ist  das  Verfahren  ohne  Zutun  der  Parteien gegenstandslos geworden, so werden die Kosten auf Grund der  Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrunds festgelegt (vgl. Art. 5 VGKE). 13.3.  Die  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  hinsichtlich  der  Anordnung der Wegweisung und  ihres Vollzugs  ist  infolge der Erteilung  einer Aufenthaltsbewilligung an den Beschwerdeführer durch den Kanton  (…) und somit ohne Zutun der Parteien eingetreten. Festzuhalten bleibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  vom  29. Februar  2008  nicht  zu  beanstanden  gewesen  wäre,  soweit  darin  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  verfügt  worden  ist.  Er  war  nicht  im  Besitz  einer  Aufenthaltsbewilligung  und  verfügte  auch  über  keinen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  in  konstanter  Praxis  davon  aus,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Äthiopien  grundsätzlich  nicht  unzumutbar  ist  (vgl.  BVGE  E­2097/2008  E. 8.3­8.6). Aus den Akten und Angaben des Beschwerdeführers hätten  sich  auch  sonst  keine  hinreichende  Anhaltspunkte  ergeben,  die  darauf  hätten  schliessen  lassen,  der  (…)jährige  und  –  soweit  ersichtlich –  gesunde Beschwerdeführer wäre  im Falle der Rückkehr nach Äthiopien, 

D­2120/2008 wo er sein ganzes Leben bis zur Ausreise  im Jahre 2002 verbracht hat,  aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten.  Gemäss  eigenen  Angaben  wuchs  er  in  Addis  Abeba  auf,  wo  er  acht  Jahre  die  Schule  besucht  hat.  Zudem  verfügt  er  mit  seinen  Schwestern  und  weiteren  Verwandten (vgl. act. B19/11 S. 3, 8 f.) sowie seiner Mutter, die  in Addis  Abeba  in  ihrem  eigenen  Haus  wohnt  und  von  ihrem  Einkommen  als  Händlerin  lebt  (vgl. act. B19/11 S. 9), über ein Beziehungsnetz, welches  ihm  beim  Aufbau  einer  wirtschaftlichen  Existenzgrundlage  und  bei  der  Reintegration  hätte  unterstützen  können.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  des Beschwerdeführers wäre  unter  diesen Umständen  im Zeitpunkt  vor  Erteilung der Aufenthaltsbewilligung als zumutbar zu beurteilen gewesen  (Art. 83  Abs. 4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Aus  den  Akten  ergeben sich zudem keine Anhaltspunkte, die darauf hindeuten würden,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  gegen  Art. 5  Abs. 1  AsylG  beziehungsweise Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30])  verstossen würde  oder dem Beschwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Äthiopien Folter  beziehungsweise  eine  nach  Art. 25  Abs. 3  BV,  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) oder nach Art. 3 EMRK verbotene unmenschliche oder  erniedrigende  Strafe  oder  Behandlung  drohen  würde.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  hätte  sich  somit  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig erwiesen. Schliesslich wäre  es  Sache  des  Beschwerdeführers  gewesen,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb  der  Vollzug der Wegweisung auch nicht als unmöglich zu beurteilen gewesen  wäre (Art. 83 Abs. 2 AuG). Der Beschwerdeführer wäre somit mit seinem  auf  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  lautenden  Begehren  voraussichtlich  nicht  durchgedrungen  und  die  Beschwerde  wäre  im  Wegweisung­  und  Vollzugspunkt  abzuweisen  gewesen.  Der  Beschwerdeführer  wäre  demnach  grundsätzlich  auch  kostenpflichtig  geworden,  soweit  das  Verfahren  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben ist. Da, wie bereits festgestellt, die ihm mit Verfügung vom  14. April 2008 gewährte unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1  VwVG  nicht  zu  widerrufen  ist,  sind  ihm  jedoch  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen.

D­2120/2008 13.4.  Dem  Beschwerdeführer  ist  –  als  teilweise  obsiegender  Partei  (Subeventualantrag) – eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen  notwendigen  Vertretungskosten  zuzusprechen  (Art. 64  Abs. 1  VwVG).  Diese infolge teilweisen Unterliegens zu kürzen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Der  Rechtsvertreter  hat  in  vorliegendem  Verfahren  keine  Kostennote  eingereicht,  weshalb  die  Parteientschädigung  aufgrund  der  Akten  auf  insgesamt Fr. 200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen ist  (Art. 14  Abs. 2  und  Art. 8  ff.  VGKE).  Das  BFM  ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­2120/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  beantragt  wird,  der  angefochtene  Entscheid  sei  im  Kostenpunkt  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  auf  die  Erhebung  der Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 1200.–  zu  verzichten;  im Übrigen wird  die Beschwerde  abgewiesen,  soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abgeschrieben wird.  2.  Die  Ziffer  6  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  29. Februar  2008  wird  aufgehoben und das BFM wird angewiesen, die erhobene Gebühr in der  Höhe  von  Fr. 1200.–  dem  Beschwerdeführer  zurückzuerstatten,  falls  er  die Gebühr bezahlt haben sollte. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von Fr. 200.– auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Mathys Versand:

D-2120/2008 — Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-2120/2008 — Swissrulings