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Bundesverwaltungsgericht 26.01.2012 D-2050/2009

26. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,432 Wörter·~22 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Februar 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2050/2009 law/auj/sed Urteil   v om   2 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher,  Richter Pietro Angeli­Busi;  Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am […], Irak,  vertreten durch lic. iur. Claudia Zumtaugwald,  Rechtsanwältin,  […] Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 26. Februar 2009 / N […].

D­2050/2009 Sachverhalt: A.  Der  aus  Suleimaniya  stammende  Beschwerdeführer  kurdischer  Ethnie  verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 25. Mai 2000 und  suchte  nach einem neunmonatigen Aufenthalt  in  der Türkei  am 5. März  2001  erstmals  in  der  Schweiz  um  Asyl  nach.  Mit  Verfügung  vom  31. Oktober 2001 stellte das damalige Bundesamt  für Flüchtlinge  (heute  BFM) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,  und  lehnte  sein  erstes Asylgesuch  gestützt  auf  Art. 7  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnete  –  unter  Ausschluss  der  zentralstaatlich  kontrollierten  Teile  des  Iraks  –  den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  Beschwerdeführer  am 3. Dezember  2001 Beschwerde  bei  der  damaligen Schweizerischen  Asylrekurskommission (ARK).  B.  Mit  Verfügung  vom  25. November  2005  nahm  das  BFM  den  Beschwerdeführer  wiedererwägungsweise  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  auf.  Am  20. Dezember  2005  liess  dieser  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  die  bei  der  ARK hängige Beschwerde zurückziehen.  C.  Mit Verfügung vom 3. März 2008 hob das BFM die vorläufige Aufnahme  des  Beschwerdeführers  auf.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  wies  das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D­2094/2008 vom 21. Mai 2008  ab.  D.  Gegen  dieses Urteil  reichte  der  Beschwerdeführer  am  19. August  2008  ein Revisionsgesuch ein.  E.  Am  28. August  2008  richtete  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  eine  Eingabe ans BFM,  in welcher  sie das Amt bat,  ihren Sohn nicht  in  den  Irak  zurückzuschicken,  da  er  dort  von  den  Feinden  seines  Vaters  umgebracht werden würde.  F.  Mit  Urteil  D­5351/2008  vom  22. September  2008  wies  das 

D­2050/2009 Bundesverwaltungsgericht  das  Revisionsgesuch  vom  19. August  2008  ab.  G.  Am  15. Oktober  2008  ordnete  die  zuständige  kantonale  Behörde  gegenüber dem Beschwerdeführer die Ausschaffungshaft an.  H.  Am  16. Oktober  2008  richtete  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  eine  Eingabe  ans BFM, welche  dieses mit  Schreiben  vom 29. Oktober  2008  beantwortete.  I.  Am  15. Dezember  2008  ging  dem  BFM  eine  vom  10. Dezember  2008  datierende,  während  der  Ausschaffungshaft  verfasste  und  als  Wiedererwägungsgesuch  bezeichnete,  handschriftliche  Eingabe  des  Beschwerdeführers zu, welche das Bundesamt aufgrund des Inhaltes als  zweites Asylgesuch entgegennahm.  J.  Am  gleichen  Tag  traf  beim  BFM  eine  handschriftliche,  an  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Z._______  gerichtete  und  von  dieser  zuständigkeitshalber  ans  Bundesamt  weitergeleitete  Eingabe  des  Beschwerdeführers vom 30. November 2008 ein.  K.  Am  15. Dezember  2008  ging  bei  der  Migrationsbehörde  des  Kantons  Z._______  ein  weiteres,  als  Wiedererwägungsgesuch  bezeichnetes,  handschriftliches  Schreiben  des  Beschwerdeführers  vom  11. Dezember  2008  ein,  welches  die  Behörde  zuständigkeitshalber  an  das  BFM  weiterleitete, wo es am 22. Dezember 2008 eintraf.  L.  Am  12. Januar  2009  (Poststempel)  reichte  die  […]  beim  BFM  ein  vom  11. Januar  2009  datierendes  Unterstützungsschreiben  zugunsten  des  Beschwerdeführers ein, in welchem sie um seine baldige Entlassung aus  der Ausschaffungshaft sowie sinngemäss um die vorläufige Aufnahme in  der Schweiz ersucht.  M. 

D­2050/2009 M.a. Am 13. Februar 2009 hörte das BFM den Beschwerdeführer  in der  Ausschaffungshaft  zu  den  Asylgründen  an.  Dabei  gab  dieser  an,  anwaltlich vertreten zu sein.  M.b.  Zur  Begründung  des  zweiten  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  in  den  diversen  Eingaben  sowie  anlässlich  der  Anhörung im Wesentlichen geltend, er habe im ersten Asylverfahren nicht  die  Wahrheit  gesagt,  weil  sein  Vater  ihm  dies  untersagt  habe.  Dieser  habe  in  den achtziger  Jahren  in  der  damaligen Regierung  von Saddam  Hussein eine hohe Position eingenommen. Er sei  von 1980 bis 1991  in  Suleimaniya  für  den  Militärberater  ("Mustashar")  B._______  als  Gruppenleiter  ("Amer  Seria")  und  Mitglied  der  Nationalen  Verteidigung  tätig  gewesen.  B._______  habe  gegen  die  kurdischen  Peshmerga  der  Patriotischen  Union  Kurdistans  (PUK)  und  der  Demokratischen  Partei  Kurdistans  (KDP)  gekämpft  und  an  der  Anfal­Kampagne  gegen  die  kurdische  Zivilbevölkerung  teilgenommen,  bei  welcher  man  kurdische  Dörfer an der  irakischen Grenze zu Syrien, der Türkei und Iran in Brand  gesetzt sowie die Bevölkerung vertrieben habe. Sein Vater habe eng mit  B._______ zusammengearbeitet, dessen Einheit  für den Tod Tausender  Menschen  verantwortlich  sei.  B._______  sei  1996  ermordet  worden,  weshalb sein Vater 1998 ausgereist sei. Nach 1991 hätten die Feinde der  Familie  –  Freiheitskämpfer  und  Verwandte  von  ermordeten  Opfern –  dreimal  das  Haus  der  Familie  beschossen  und  versucht,  sie  umzubringen. Bei einem Angriff 1994 sei ein Bruder auf der Flucht in den  Keller von der Treppe gestürzt; seither sei er geistig behindert. 1997 sei  sein Vater bei einem Angriff  verletzt und kurz vor der Ausreise aus  Irak  sei  auf  die  Familie  geschossen worden. Sie  hätten  lange Zeit  im Keller  gelebt und sich später bei der Grossmutter mütterlicherseits aufgehalten.  Sein  Vater  habe  im  eigenen  Asylverfahren  aus  Angst  vor  einem  negativen Entscheid und einer Wegweisung nach Irak die Tätigkeit für die  Baath­Regierung verschwiegen. Ein Jahr nach dem Sturz der Regierung  sei der Vater freiwillig aus der Schweiz ausgereist; er sei  jedoch nicht  in  den  Irak  zurückgekehrt,  sondern  habe  sich  nach  Syrien  begeben.  Der  Vater  habe  seine  Mutter  in  den  Jahren  2006  und  2007  zweimal  aus  Syrien angerufen und erfolglos versucht, in die Schweiz zurückzukehren;  seit  dem  letzten  Telefonanruf  im  Jahr  2007  habe  die  Familie  keinen  Kontakt  mehr  zu  ihm.  Die  Zeitung  "Kurdistani  News"  habe  über  die  Ermordung von B._______ berichtet, und verschiedene Zeitungen hätten  auch über die Tätigkeit seines Vaters geschrieben. Diese Zeitungen seien  alt  und  man  finde  sie  nicht  mehr  in  Archiven  oder  im  Internet,  beziehungsweise,  diese  Zeitungen  und  Kassetten  existierten  weiter,  es 

D­2050/2009 sei  jedoch  nicht  einfach,  sie  zu  finden.  Wenn  man  wolle,  könne  man  direkt  bei  der  KDP  oder  der  PUK  vorbeigehen.  Aufgrund  der  früheren  Aktivitäten seines Vaters befürchte er im Falle einer Rückkehr in den Irak  zum  einen  Vergeltungsmassnahmen  der  Freiheitskämpfer  und  der  Angehörigen der Opfer und zum anderen, dass die  irakischen Behörden  von ihm den Aufenthaltsort seines Vaters in Erfahrung bringen wollten.  N.  Mit Eingaben vom 13. und 16. Februar 2009 reichte die Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  beim  BFM  einen  Ausweis  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  im  Original  mit  amtlich  beglaubigter  Übersetzung  sowie  eine  kurze,  nicht  unterzeichnete  Erklärung  ein.  Gemäss  dem mit  dem Ausstellungsdatum 2. Mai 1987 versehenen Ausweis soll der Vater  beim  Bataillon  […]  von  B._______  den  Rang  eines  Kompaniebefehlshabers eingenommen haben.  O.  Das  BFM  gewährte  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  17. Februar  2009  Einsicht  in  das  Anhörungsprotokoll  vom  13. Februar  2009 sowie  in weitere Verfahrensakten und setzte  ihm eine Frist an zur  Nachreichung  von  anlässlich  der  Anhörung  in  Aussicht  gestellten  Beweismitteln sowie zur Ergänzung des Sachverhaltes. Ferner gewährte  das  Amt  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zum  Umstand,  wonach  sein  Onkel  Fattah  Mohammad  Ahmad  im  Jahr  2003  sowie  dessen Familie  in den Jahren 2004 und 2005  in den  Irak zurückgekehrt  seien.  P.  Mit  Eingabe  vom  20. Februar  2009  ersuchte  die  Rechtsvertreterin  das  BFM  aufgrund  der  Fasnacht  in  Z._______  um  Gewährung  einer  Fristerstreckung.  Q.  Die Rechtsvertreterin nahm mit Eingabe vom 26. Februar 2009 zur vom  BFM  angenommenen  Rückkehr  des  Onkels  des  Beschwerdeführers  in  den  Irak  sowie  zum  dortigen  familiären  Beziehungsnetz  des  Beschwerdeführers Stellung. R.  Mit Verfügung vom 26. Februar 2009 – am folgenden Tag eröffnet – wies  das BFM das Fristerstreckungsgesuch ab. Ferner stellte das Bundesamt 

D­2050/2009 fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte das Amt die Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  forderte  ihn  unter  Androhung von Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall auf, die Schweiz bis  am 31. März 2009 zu verlassen.  S.  Mit Eingabe vom 30. März 2009 liess der Beschwerdeführer durch seine  Rechtsvertreterin  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  vorinstanzliche Verfügung vom 26. Februar 2009 sei aufzuheben, es sei  ihm  die  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren;  eventualiter  sei  die  vorläufige  Aufnahme  zu  erteilen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  er  beantragen,  es  sei  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  abzusehen  und  es  sei  ihm  eine  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  zur  Seite  zu  geben.  Als  Beilagen  wurden  folgende Dokumente eingereicht: Ein zehnseitiges, persönliches  und  undatiertes  Schreiben  des  Beschwerdeführers,  ein  undatiertes  Schreiben  an  seine Rechtsvertreterin,  zwei  Eingaben  seiner Mutter  ans  BFM  vom 28. August  2008  und  16. Oktober  2008,  ein  vom 29. Oktober  2008 datierendes Schreiben des BFM an die Mutter, vier fremdsprachige  Dokumente, die bereits anlässlich des Revisionsgesuchs vom 19. August  2008 als Kopien mit amtlich beglaubigter Übersetzung eingereicht worden  waren (zwei Totenscheine im Original, einer in Kopie und eine polizeiliche  Vermisstenmeldung  im  Original)  sowie  ein  Schreiben  des  Justizministeriums  der  irakisch­kurdischen  Regionalregierung  vom  14. September  2008  (Auszug  aus  dem  Grundbuch)  im  Original  mit  amtlich  beglaubigter  Übersetzung.  Des  Weiteren  wurde  in  der  Beschwerde die Einreichung eines Arztzeugnisses in Aussicht gestellt.  T.  Mit  Verfügung  vom  9. April  2009  hielt  der  Instruktionsrichter  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Die  Behandlung  der Gesuche  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  um  Beigabe  einer  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  stellte  der  Instruktionsrichter  zu  einem  späteren  Zeitpunkt in Aussicht.  U.  Mit Eingabe vom 21. April 2009 stellte die Rechtsvertreterin dem Gericht  ein  kurzes Schreiben des Hausarztes des Beschwerdeführers  zu. Darin 

D­2050/2009 bestätigt  der Arzt,  dass  der Beschwerdeführer  bei  ihm  in  hausärztlicher  Kontrolle  stehe  und  dessen  Mutter,  welche  seit  dem  Weggang  ihres  Ehemannes vor fünf Jahren erkrankt sei und Mühe habe, die alltäglichen  Verrichtungen  selbstständig  zu  bewältigen,  auf  die  Hilfe  ihres  Sohnes  angewiesen sei.  V.  Mit Verfügung vom 1. Mai 2009 hielt der Instruktionsrichter fest, über das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  werde  im  Endentscheid  befunden,  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  wies  er  das  Gesuch  um  Gewährung  einer  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ab und lud die  Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.  W.  Mit  Eingabe  vom  4. Mai  2009  setzte  die  Rechtsvertreterin  den  Instruktionsrichter  darüber  in  Kenntnis,  dass  ihr  seine  Begründung  der  Abweisung  des  Gesuchs  um  eine  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  missfalle,  seien  doch  für  das  Einreichen  eines  zweiten  Asylgesuchs  fundierte Rechtskenntnisse notwendig.  X.  Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  7. Mai  2009  an  den  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde  dem  Beschwerdeführer  am  12. Mai  2009  zur  Kenntnisnahme  ohne  Replikrecht zugestellt.  Y.  Mit Eingabe  vom 12.  Juni  2009  liess  die Rechtsvertreterin  dem Gericht  einen die Mutter des Beschwerdeführers betreffenden, vom 8. Juni 2009  datierenden psychiatrischen Arztbericht zukommen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

D­2050/2009 gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG); Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG,  SR 173.110]).  1.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf  die  frist­  und  formgerecht  (Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG)  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten.  2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  3.   3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 

D­2050/2009 widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG).  4.   4.1. Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  (Art.  3  AsylG)  nicht  stand.  Seine  erst  im  zweiten  Asylverfahren  geltend  gemachten  Befürchtungen  seien  insgesamt  zu  wenig  fundiert,  und  es  bestehe  kein  hinreichend  begründeter  Anlass  zur  Annahme,  dass  sich  die  Verfolgung  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit und  in absehbarer Zukunft  verwirklichen  werde.  4.1.1.  Im  Einzelnen  führt  das  Bundesamt  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  seine  Befürchtungen  erst  aus  der  Ausschaffungshaft  geltend  gemacht,  obwohl  er  schon  in  den  diversen  vorher  durchlaufenen  Verfahren  (Beschwerdeverfahren, Aufhebung der vorläufigen Aufnahme,  Revisionsgesuch) Zeit und Gelegenheit dazu gehabt hätte. Anlässlich der  Anhörung nach den Gründen für das verspätete Vorbringen befragt, habe  er  lediglich angegeben, er habe sich wegen der Ausschaffungshaft  zum  jetzigen  Zeitpunkt  dazu  veranlasst  gesehen.  Dies  erkläre  jedoch  nicht,  warum  er  dies  nicht  spätestens  bei  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme getan habe. Aus dem Umstand, dass er seine Befürchtungen  ohne nachvollziehbaren Grund nicht früher geltend gemacht habe, sei zu  schliessen,  dass  er  selbst  aufgrund  der  nun  neu  vorgebrachen  Konstellation keine besonderen Befürchtungen für seine Sicherheit habe.  4.1.2. Weiter hält  das BFM  fest,  die geltend gemachten Tätigkeiten des  Vaters  des  Beschwerdeführers  –  sowohl  dessen  Funktion  als  Gruppenleiter  bei  einem  Mustashar  als  auch  seine  Teilnahme  an  Gräueltaten  –  seien  durch  nichts  belegt.  Beim  als  Beweismittel  eingereichten  Ausweis  seines  Vaters  handle  es  sich  nicht  um  ein  amtliches  Dokument,  sondern  um  eine  mit  Schreibmaschine  beschriebene,  laminierte  Karte,  welche  im  Bereich  des  Fotos  diverse  Veränderungen  aufweise.  Dazu  komme,  dass  selbst  die  Tätigkeit  als  Mustashar  oder  als  Gruppenchef  nicht  automatisch mit  der  Ausführung  von  Gräueltaten  verbunden  gewesen  sei.  In  allgemein  zugänglichen  Informationsquellen  tauche  ausserdem  weder  der  Name  seines  Vaters 

D­2050/2009 noch  derjenige  von  B._______  auf.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  den  Aktivitäten  seines  Vaters  seien  somit  nicht  erwiesen. Ob  und wie  genau  der Vater  des Beschwerdeführers  für  den  Mushtasar  B._______  tätig  gewesen  sei,  könne  aufgrund  der  nachfolgenden Überlegungen offenbleiben.  4.1.3.  In  den  achtziger  Jahren  hätten  zahlreiche  Kurden  in  von  Mustasharen  geleiteten  Einheiten  der  Nationalen  Verteidigung  für  das  irakische Regime gegen die Peshmerga der PUK und der KDP gekämpft.  Ein Eintrag auf den Listen der Nationalen Verteidigung habe jedoch nicht  automatisch  eine  aktive  Teilnahme  an  militärischen  oder  kriegerischen  Handlungen  bedeutet.  Mit  dem  kurdischen  Aufstand  1990/91  seien  zahlreiche Mustashare mit  ihren Einheiten  zu  den Peshmerga  der  KDP  oder  PUK  übergelaufen  und  hätten  mit  diesen  gegen  die  Regierungstruppen  gekämpft.  Deshalb  hätten  die  Parteileitungen  1991  eine  Generalamnestie  für  alle  Beteiligten  erlassen,  weshalb  niemand  allein aufgrund einer Beteiligung an der Nationalen Verteidigung nach der  Amnestie  noch  verfolgt  worden  sei. Manche  ehemalige  Angehörige  der  Nationalen  Verteidigung  seien  später  getötet  worden,  weil  sie  an  den  innerkurdischen  Auseinandersetzungen  Mitte  der  neunziger  Jahre  teilgenommen  hätten;  andere  hätten  sich  mit  den  kurdischen  Parteien  arrangiert und seien Peshmerga geworden, einige Mustashare hätten bei  den  Parlamentswahlen  2005  auf  den  Listen  der  kurdischen  Parteien  kandidiert.  Da  der  Beschwerdeführer  nicht  geltend  gemacht  habe,  sein  Vater  habe  sich  nach  1991  noch  an  irgendwelchen  politischen  Auseinandersetzungen  beteiligt  sowie  aufgrund  der  Generalamnestie,  gebe  es  keinen  Anlass  zur  Annahme,  der  Vater  habe  aufgrund  seiner  früheren  Aktivitäten  jetzt  noch  mit  Verfolgung  zu  rechnen.  Dies  gelte  umso mehr für seinen Sohn – den Beschwerdeführer –, welcher damals  ein Kind gewesen sei.  4.1.4.  Die  Vorinstanz  führt  ferner  aus,  das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  sei  wegen  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  abgelehnt worden. Selbst wenn er die angebliche Ursache der Probleme  verschwiegen haben sollte, wäre von ihm eine glaubhafte Schilderung der  erlittenen Übergriffe zu erwarten gewesen. Da er dazu nicht  in der Lage  gewesen  sei,  bestehe  kein  Anlass  zu  glauben,  er  und  seine  Familie  hätten in der Zeit vor der Ausreise die  in der Anhörung vom 13. Februar  2009 erneut geltend gemachten Nachteile erlitten. 

D­2050/2009 4.1.5. Sodann hielt das Bundesamt fest, es sei anzunehmen, dass der im  Jahr 2004 freiwillig ausgereiste Vater des Beschwerdeführers in den Irak  zurückgekehrt sei, zumal er sonst keinen Ort gehabt habe, wohin er habe  gehen können. Die Rückkehr des Vaters in den Irak spreche aber gegen  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Befürchtungen.  Angesichts der im irakischen Kontext sehr starken Familienbande sei die  Behauptung des Beschwerdeführers, er und seine Mutter wüssten nicht,  wo  sich  der  Vater  beziehungsweise  Ehemann  sowie  der  ebenfalls  freiwillig ausgereiste Onkel väterlicherseits und dessen Familie aufhielten,  nicht glaubhaft.  4.1.6. Schliesslich  sei  schwer  vorstellbar,  dass  die  […], welche  sich  als  Sprachrohr  aller  irakischen  Asylsuchenden  und  Flüchtlinge  in  der  Schweiz verstehe und auch mit den Verhältnissen im (Nord­)Irak vertraut  sei,  sich  für  den  Beschwerdeführer  eingesetzt  und  für  ihn  am  […]  in  Z._______ eine  […] durchgeführt hätte, wenn dessen Vater  im Nordirak  als  jemand  bekannt  wäre,  der  sich  während  der  Anfal­Kampagne  an  Gräueltaten gegen die kurdische Bevölkerung beteiligt hätte und deshalb  immer noch geächtet wäre.  4.2.   4.2.1.  In  der  Beschwerdeschrift  und  der  persönlichen  Eingabe  des  Beschwerdeführers  wird  demgegenüber  geltend  gemacht,  dieser  habe  sich  nicht  ausreichend  über  seine  Asylgründe  aussprechen  können,  da  die  Anhörung  zu  kurz  gewesen  sei  und  zur  eigentlichen  Asylsache  nur  sechs  respektive  acht  Fragen  gestellt  worden  seien.  Dem  Beschwerdeführer sei es verwehrt worden, auf Einzelheiten einzugehen,  weshalb  er  diese  zur  Wahrung  seines  rechtlichen  Gehörs  in  der  Beschwerdebeilage  ausführlich  darlege.  Die  überaus  kurz  bemessene  Frist  vor  erster  Instanz  zur  Ergänzung  des  Sachverhaltes  habe  den  Mangel  nicht  zu  heilen  vermocht.  Zudem  sei  die  –  aus  dem  Revisionsverfahren  bekannte  – Rechtsvertreterin  nicht  ordnungsgemäss  zur  Anhörung  vorgeladen  worden.  Die  Ausführungen  im  der  Beschwerdeschrift  beigelegten  persönlichen  Schreiben  des  Beschwerdeführers seien im Übrigen absolut authentisch und wiesen nun  die vom BFM geforderte Fundiertheit auf.  4.2.2. Die Feststellung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe seine  Befürchtungen  ohne  nachvollziehbaren Grund  erst  nach  der  Ansetzung  der  Ausschaffungshaft  geltend  gemacht,  wird  in  der  Beschwerde  bestritten.  Dessen  Mutter  habe  bereits  nach  Einreichen  des 

D­2050/2009 Revisionsgesuchs versucht, in ihrer Eingabe vom 28. August 2008 auf die  politischen  Aktivitäten  ihres  Ehemannes  hinzuweisen  und  das  Amt  gebeten,  ihren Sohn  aufgrund  der Gefahr  von Racheakten  nicht  in  den  Irak  zurückzuschicken.  Dass  der  Beschwerdeführer  aus  der  Ausschaffungshaft  ein  Wiedererwägungsgesuch  gestellt  habe,  sei  auf  Anleitung  der  Rechtsvertreterin  geschehen,  weil  nach  Einreichung  des  Revisionsgesuchs  keine  andere  Möglichkeit  mehr  bestanden  habe,  ihn  vor der Fortsetzung der Haft zu schützen. Das Bundesverwaltungsgericht  habe  die  Eingabe  der Mutter  vom  28. August  2008  in  seinem Urteil  D­ 5351/2008  vom  22. September  2008  als  nicht  revisionsfähiges  Beweismittel  angesehen,  da  es  erst  nach  Abschluss  des  ordentlichen  Verfahrens  entstanden  sei.  Man  habe  nicht  erst  während  der  Ausschaffungshaft  auf  die  politische  Tätigkeit  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  hingewiesen,  sondern  bereits  im  Nachtrag  zum  Revisionsgesuch  vom  8. September  2008  ein  entsprechendes  Beweismittel  offeriert.  Mit  der  Aussage  im  Revisionsurteil  D­5351/2008  vom  22. September  2008,  es  erübrige  sich,  den  Eingang  einer  Bestätigung  über  die  politischen  Aktivitäten  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  abzuwarten,  da  solche  Dokumente  im  Zusammenhang  mit  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  unerheblich  seien,  habe  das Bundesverwaltungsgericht  eine  antizipierte  Beweiswürdigung  ohne  nähere  Kenntnisse  des  Sachverhaltes  vorgenommen, weshalb diese Ausführungen nicht verbindlich seien. Der  Einwand  der  Vorinstanz,  der  Beschwerdeführer  habe  weder  im  Beschwerdeverfahren noch  im Verfahren der Aufhebung der vorläufigen  Aufnahme auf die politischen Tätigkeiten des Vaters hingewiesen,  treffe  zwar  zu,  falle  allerdings weniger  ins Gewicht. Der Vorwurf  verletze  den  Grundsatz  von  Treu  und Glauben,  da  „das Beschwerdeverfahren  durch  die Erteilung der vorläufigen Aufnahme zurückgezogen“ worden sei. Der  Beschwerdeführer und seine Familie hätten sich "ganz offensichtlich" (…)   durch  die  Anfrage  des  BFM  „fehlleiten“  lassen,  „das  Beschwerdeverfahren zurückzuziehen“ (vgl. Beschwerde Ziff.  II 11 S. 6).  Der  Beschwerdeführer  habe  auch  nicht  mit  einem  Widerruf  der  vorläufigen  Aufnahme  gerechnet.  Die  Mutter  des  Beschwerdeführers  habe  sich  am  16. Oktober  2008  noch  einmal  an  das  BFM  gewandt.  Dessen  Antwortschreiben  vom  29. Oktober  2008  berufe  sich  auf  rein  formaljuristische  Kriterien.  Die  Mutter  habe  jedoch  eine  Anscheinsvollmacht  gehabt,  um  für  ihren  Sohn  ein  Wiedererwägungsgesuch  beziehungsweise  ein  zweites  Asylgesuch  einzureichen. Zwar sei das Schreiben der Mutter vom 16. Oktober 2011  erst einen Tag nach Ansetzung der Ausschaffungshaft gegen ihren Sohn 

D­2050/2009 ans BFM gesandt worden, doch sei  jedenfalls belegt, dass nicht erst  im  Zeitpunkt  der  Ansetzung  der  Ausschaffungshaft  Schritte  unternommen  worden  seien,  die  politischen  Tätigkeiten  des  Vaters  offenzulegen.  Nachdem  das  Revisionsgesuch  „in  einem  recht  gewundenen  Urteilsspruch  abgelehnt“  worden  sei,  sei  die  Familie  ohne  Vater  nicht  mehr  in  der  Lage  gewesen,  Anwälte  zu  beauftragen  (vgl.  Beschwerde  Ziff. II 11 S. 7).  Dass der Beschwerdeführer früher nie über die Aktivitäten seines Vaters  gesprochen  habe,  werde  verständlich,  wenn  man  lese,  was  letzterer  tatsächlich getan habe. Asylsuchende würden „in solchen Konstellationen  erst  im  letzten Moment  die Wahrheit  bringen,  da  sie  immer  befürchten,  dass sie verpetzt werden oder z.B. der Übersetzer nicht dicht hält“  (vgl.  Beschwerde Ziff.  II 12 S. 8). Der Beschwerdeführer selber sei geschockt  gewesen, dass sein Vater nichts über seine Vergangenheit erzählt habe.  Der Vater habe bereits 2003 die Wahrheit sagen wollen, doch sein Anwalt  habe  ihm  erklärt,  dass  es  dafür  zu  spät  sei,  da  sie  die  Erteilung  der  vorläufigen  Aufnahme  akzeptiert  hätten  (vgl.  persönliche  Eingabe  S. 2).  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer  Angst  vor  Behelligungen  durch  Landsleute  in  der  Schweiz  gehabt.  Er  habe  befürchtet,  dass  gewisse  Informationen  an  Personen  gehen  würden,  an  welche  sie  nicht  gehen  dürften.  Die  […]  habe  bis  zu  ihrer  Intervention  nichts  gewusst.  Ein  Gefängnisinsasse  habe  durch  einen  Sachbearbeiter  der  kantonalen  Behörde  teilweise Auskunft  über  die Gründe  für  die Haftentlassung des  Beschwerdeführers erhalten. Dies schüre das Misstrauen gegenüber den  Behörden und trage dazu bei, dass Asylsuchende erst im letzten Moment  die Wahrheit sagen würden.  4.2.3.  Der  Einschätzung  des  BFM,  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Aktivitäten  seines  Vaters  würden  durch  keine  tauglichen  Beweismittel  belegt,  wird  in  der  Beschwerde  entgegengehalten,  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  und  die  Erläuterungen  der  Rechtsvertreterin  seien  „derart  stichhaltig,  dass  sie  nicht  noch  dokumentenmässig belegt werden“ müssten (vgl. Beschwerde II 13 S. 9).  Der Beschwerdeführer gibt in seiner persönlichen Eingabe (S. 2) an, sein  Vater habe die zahlreichen Dokumente, die er gehabt habe, verbrannt.  4.2.4.  In  der  Beschwerde  wird  ferner  geltend  gemacht,  der  Vater  des  Beschwerdeführers  habe  aktiv  an  militärischen  oder  kriegerischen  Handlungen  teilgenommen  und  sich  nicht  mit  den  ehemaligen  Peshmerga  arrangiert;  er  sei  nicht  in  den  Genuss  der  Amnestie 

D­2050/2009 gekommen,  sondern  sechs  Jahre  nach  der  Revolution  immer  noch  im  Visier der PDK und der PUK und weiterhin deren Verfolgung ausgesetzt  gewesen  (vgl.  persönliche Eingabe S. 7). Die Familie  sei  in  den  Jahren  1991, 1994 und 1997  insgesamt dreimal zuhause angegriffen und unter  Beschuss genommen worden. Nach einem Angriff am 24. April 1994 sei  der Vater untergetaucht und seine Familie habe bis zur Ausreise bei den  Grosseltern mütterlicherseits gelebt, welche den Angreifern nicht bekannt  gewesen  seien  (vgl.  persönliche  Eingabe  S. 8 f.).  Nach  einem weiteren  Angriff auf die Familie im Jahr 1997 sei der Vater ausgereist.  4.2.5.  Die  Argumentation  des  Bundesamtes,  wonach  der  Beschwerdeführer – selbst wenn er die angebliche Ursache der Probleme  verschwiegen haben sollte – mindestens in der Lage hätte sein sollen, die  erlittenen  Übergriffe  glaubhaft  zu  schildern,  wird  in  der  Beschwerde  zurückgewiesen.  Er  habe  über  die  Aktivitäten  seines  Vaters  nichts  erzählen  dürfen.  Selbst  wenn  der  Beschwerdeführer  nichts  über  den  Vater  gesagt  hätte,  wäre  es  ausgeschlossen  gewesen,  die  Übergriffe  authentisch darzustellen, und hätte er darüber berichtet, ohne Namen zu  nennen,  hätte  man  ihm  nicht  geglaubt.  Aus  der  Ablehnung  des  ersten  Asylgesuches wegen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen könne nicht direkt  auf  die  Unglaubhaftigkeit  der  Aussagen  im  zweiten  Asylverfahren  geschlossen  werden.  Die  neuerliche  Eingabe  des  Beschwerdeführers  zeige  vielmehr,  dass  es  sich  beim  ersten  Entscheid  des  BFM  um  ein  "Fehlurteil" handle (vgl. Beschwerde Ziff. II 8 S. 5).  4.2.6.  Die  Einschätzung  der  Vorinstanz,  der  Vater  des  Beschwerdeführers  sei  2004  in  den  Irak  zurückgekehrt,  wird  in  der  Beschwerde  unter  Hinweis  auf  die  Eingabe  vom  26. Februar  2009  bestritten. Als Indiz dafür, dass der Vater nicht im Irak weilen könne, wird  angegeben,  die  Familie  habe  im  Hinblick  auf  seine  erwartete  Wiedereinreise in die Schweiz bei der […] ein zusätzliches Bett beantragt.  Der Onkel väterlicherseits sei zwar  in den Irak zurückgekehrt; bei seiner  Familie sei dies aber nicht mit Gewissheit der Fall. Die Familie C._______  habe  jedenfalls  seit  2005  keinen  Kontakt  mehr  zu  diesem  Onkel  (vgl.  Eingabe  vom  26. Februar  2009).  In  der  Beschwerde  wird  zwar  eingeräumt,  ein  völliger  Abbruch  der  Kontakte  zu  Verwandten  sei  eher  ungewöhnlich und auch den Anwälten als  stereotype Aussage bekannt;  für  die  Richtigkeit  der  Angaben  der  Mutter  spreche  jedoch,  dass  diese  seit  dem  Untertauchen  des  Vaters  krank  geworden  sei,  und  dass  trotz  Ablauf  der  dreijährigen  Wartefrist  seit  Erhalt  der  F­Bewilligung  im  Jahr 

D­2050/2009 2004  kein  Gesuch  um  Familiennachzug  gestellt  worden  sei  (vgl.  Beschwerde Ziff. II 9 S. 5).  4.2.7. Die  Argumentation  des  BFM,  es  sei  schwer  vorstellbar,  dass  die  […] sich für den Beschwerdeführer eingesetzt hätte, wenn sein Vater  im  Irak an Gräueltaten gegen die  kurdische Bevölkerung beteiligt  gewesen  wäre,  wird  in  der  Beschwerde  als  bar  jeglicher  Grundlage  und  realitätsfremd  bezeichnet  (vgl.  Beschwerde  Ziff,  II  10  S. 6,  persönliche  Eingabe  S. 10).  Die  Organisation  habe  für  den  Beschwerdeführer  eine  […] veranstaltet, nicht  für seinen Vater. Die Familie des Vaters habe mit  dessen Taten nichts  zu  tun. Über  die Sünden, welche der Vater  in  Irak  begangen  habe,  sei  nur  der  […]  der  […]  informiert  gewesen;  die  […]  hätten davon nichts gewusst.  5.   5.1.  Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  die  in  der  Beschwerde  erhobene  Rüge,  die  aus  dem  Revisionsverfahren  bekannt  gewesene  Rechtsvertreterin  sei  zur  Anhörung  des  Beschwerdeführers  im  Ausschaffungsgefängnis  nicht  ordnungsgemäss  vorgeladen  worden,  unbegründet  ist.  Das  BFM  musste  nicht  davon  ausgehen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  zweiten  Asylverfahren  vertreten  sein  würde  und  dies  von derselben Rechtsanwältin wie  im Revisionsverfahren. Aus den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  geht  im  Übrigen  hervor,  dass  die  Rechtsvertreterin am Vortag der Anhörung davon Kenntnis hatte (vgl. act.  C8/12 S. 5 f.). Zu einer Wiederholung der Anhörung  in Anwesenheit der  Rechtsvertreterin besteht auch deshalb keine Veranlassung, weil sich für  die  in  der  Beschwerde  erhobene  Behauptung,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  anlässlich  der  Anhörung  vom  13. Februar  2009  nicht  ausreichend  über  seine  Asylgründe  aussprechen  können,  in  den  Akten  keine Bestätigung  findet. Der Beschwerdeführer hatte –  insbesondere  in  den grösstenteils sehr ausführlichen Antworten auf die Fragen 31 bis 37 –  ausreichend  Gelegenheit,  sich  zu  seinen  Asylgründen  zu  äussern.  Der  Sachbearbeiter  des  BFM  fragte  mehrmals  nach,  ob  der  Beschwerdeführer alle Gründe für sein zweites Asylgesuch habe nennen  können,  was  dieser  bejahte  (vgl.  act.  C8/12  S. 8,  10).  Eine  Gehörsverletzung  liegt  somit  nicht  vor. Nachdem der Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  am  13. Februar  2009  angegeben  hatte,  anwaltlich vertreten zu sein, gewährte das BFM der Rechtsvertreterin mit  Schreiben vom 17. Februar 2009 Einsicht in das Anhörungsprotokoll vom  13. Februar  2009  sowie  in  weitere  Verfahrensakten  und  setzte  ihr  eine  einwöchige  Frist  zur  Nachreichung  von  an  der  Anhörung  in  Aussicht 

D­2050/2009 gestellten Beweismitteln sowie zur Ergänzung des Sachverhaltes an.  Ihr  Fristersterstreckungsgesuch  vom  20. Februar  2009  begründete  die  Rechtsvertreterin  damit,  die  Anwaltskanzlei  sei  zufolge  des  Fasnachtstreibens  im  Kanton  Z._______  vom  19.  bis  24. Februar  2009  nur beschränkt belegt. Das BFM wies das Fristerstreckungsgesuch in der  angefochtenen Verfügung zum einen deshalb ab, weil die Begründung für  die Fristerstreckung nicht zureichend  im Sinne von Art. 22 Abs. 2 VwVG  sei,  da  es  sich  bei  der  Fasnacht  auch  im  Kanton  Z._______  nicht  um  offizielle  Feiertage  handle;  zum  anderen  gehe  es  nicht  an,  dass  zwei  Behörden  gegeneinander  ausgespielt  würden,  indem  gegenüber  dem  BFM  um  Fristerstreckung  ersucht,  gegenüber  anderen  Behörden  im  Verfahren betreffend Entlassung aus der Ausschaffungshaft  jedoch eine  zögerliche Behandlung des Asylgesuchs geltend gemacht werde. Diese  Begründung  ist  vorliegend  nicht  zu  beanstanden,  zumal  es  die  Rechtsvertreterin  unterliess,  im  Gesuch  konkret  darzulegen,  welche  Verfahrensdispositionen  ihr zwingend nur  innert erstreckter Frist möglich  gewesen sein sollen. 5.2.  In  der  angefochtenen  Verfügung  verneint  das  BFM  zu  Recht  eine  begründete Furcht des Beschwerdeführers vor Verfolgung unter anderem  mit dem Argument, dieser habe keinen nachvollziehbaren Grund  für die  verspätete  Geltendmachung  der  angeblichen  politischen  Vergangenheit  seines  Vaters  und  die  ihm  als  Sohn  bei  einer  Rückkehr  nach  Nordirak  dadurch  drohenden  Nachteile  angeben  können.  Der  Beschwerdeführer  vermochte  in  der  Tat  nicht  überzeugend  darzulegen,  weshalb  er  selbst  nicht  bereits  seit  der  Ausreise  seines  Vaters  im  April  2004  oder  spätestens im Verfahren der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme seine  Asylgründe vorgebracht hat. In diesem Zusammenhang unbehelflich sind  die  in  Erwägung  4.2.2  hiervor  wiedergegebenen  Ausführungen  der  Rechtsvertreterin  zum  Revisionsurteil  D­5351/2008  vom  22. September  2008, welche sich in Urteilskritik erschöpfen und in denen nicht dargetan  wird,  inwiefern  in  Bezug  auf  das  genannte  Urteil  Revisionsgründe  im  Sinne  von  Art. 121­123  BGG  vorliegen  sollten,  weshalb  auf  diese  nicht  weiter einzugehen ist. Die Behauptung, der Beschwerdeführer habe sich  nach  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  durch  das  BFM  am  25. November  2005  zu  einem  Rückzug  der  Beschwerde  vom  3. Dezember 2001 "fehlleiten" lassen, entbehrt der Grundlage. Die an den  damaligen Rechtsvertreter gerichtete Rückzugsanfrage vom 5. Dezember  2005  erfolgte  nicht  durch  die  Vorinstanz,  sondern  durch  die  ARK  als  vormalige  Beschwerdeinstanz.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerde  nicht  zurückgezogen  worden  wäre, 

D­2050/2009 wenn  der  Beschwerdeführer  damals  tatsächlich  begründete  Furcht  vor  Verfolgung im Irak gehegt hätte, zumal ein solches Vorgehen kaum dem  Verhalten  einer  von  Verfolgung  bedrohten  Person  entsprechen  dürfte.  Auch  die  Aussage,  der  Beschwerdeführer  habe  nicht  damit  gerechnet,  dass der F­Ausweis eines Tages widerrufen werde, liefert keine Erklärung  für das verspätete Geltendmachen von Asylgründen. Dass die Mutter des  Beschwerdeführers  eineinhalb  Monate  vor  Anordnung  der  Ausschaffungshaft  gegen  ihren  Sohn  beim  BFM  Schritte  unternommen  hat,  die  angeblichen  politischen  Aktivitäten  ihres  Ehemannes  offenzulegen, ist ebenso wenig von Belang, wie die Frage, ob sie anstelle  ihres  Sohnes  für  diesen  ein  Asylgesuch  hätte  einreichen  können.  Massgebend  ist  vielmehr,  dass  weder  im  zweiten  Asylgesuch,  noch  in  den  Eingaben  der  Rechtsvertreterin,  noch  auf  Beschwerdeebene  glaubhaft  und  nachvollziehbar  dargelegt  wird,  weshalb  der  Beschwerdeführer  persönlich  erst  während  der  Ausschaffungshaft  geltend  gemacht  hat,  aufgrund  der  angeblichen  politischen  Aktivitäten  seines Vaters in den achtziger Jahren – als er selbst noch ein Kind war –  bei  einer  Rückkehr  in  die  Heimat  begründete  Furcht  vor  einer  Reflexverfolgung zu haben. Dass der Beschwerdeführer derart  lange mit  der  Wahrheit  zugewartet  haben  will,  ist  auch  deshalb  nicht  nachvollziehbar, weil der Vater selbst offenbar bereits  im Jahr 2003 das  Bedürfnis verspürte, die Wahrheit zu sagen, und zu diesem Zweck einen  Rechtsanwalt  kontaktierte, welcher  ihm eröffnete,  dass  er  auch mit  den  neuen Vorbringen nicht mehr als eine F­Bewilligung erhalten würde. Der  Umstand,  dass  der  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommene  Vater  des  Beschwerdeführers  nach  der  Konsultation  des  Rechtsanwaltes  die  Schweiz im Jahr 2004 freiwillig verlassen hat und gemäss Aussagen des  Beschwerdeführers  (vgl.  act.  A21/5  S. 4),  seiner  Geschwister  und  der  Mutter  (vgl.  act.  C18/5  S. 5)  in  den  Irak  zurückgekehrt  ist,  entspricht  überdies  nicht  dem  von  einer  tatsächlich  verfolgten  Person  zu  erwartenden  Verhalten.  Es  besteht  daher  keine  Veranlassung,  ein  "Konsilium" des Rechtsanwaltes einzuholen, weshalb der entsprechende  Antrag abgewiesen wird.  5.3.  Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  festgestellt  hat,  sind  die  geltend  gemachten  Aktivitäten  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  durch  keine  Beweismittel  belegt.  Auf  welche  Weise  der  Beschwerdeführer  in  den  Besitz des Ausweises gelangt ist, mit welchem die Position des Vaters als  […] nachgewiesen werden soll, und weshalb er diesen erst im Jahre 2009  eingereicht hat, mithin 12 Jahre nach der Ausreise des Vaters aus dem  Irak,  wird  nicht  dargelegt.  In  der  Eingabe  vom  13. Februar  2009  ist 

D­2050/2009 diesbezüglich  lediglich zu erfahren, die Beschaffung dieses Dokumentes  sei  "beinahe  illegal"  gewesen  und  es  sei  "von  jemandem,  der  sich  zufälligerweise  gerade  im  Irak  aufgehalten  habe,  mitgebracht  worden".  Bereits  angesichts  der  offensichtlich  manipulierten  Fotografie  kommt  diesem  Dokument  aber  ohnehin  kein  Beweiswert  zu.  Auch  aus  dem  Unterstützungsschreiben  der  […]  lässt  sich  nichts  zugunsten  des  Beschwerdeführers  ableiten,  und  die  anlässlich  der  Anhörung  von  ihm  geäusserte  Absicht,  über  einen  in  London  wohnenden  Cousin  Zeitungsberichte  und  Kassetten  über  die  Tätigkeit  seines  Vaters  zu  beschaffen (vgl. act. C8/12 S. 8), hat er offenbar nie in die Tat umgesetzt,  hat er doch bis heute nichts dergleichen eingereicht.  5.4. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht lässt weder die  Krankheit  der  Mutter  des  Beschwerdeführers,  noch  die  Tatsache,  dass  seine Familie in der Schweiz in Erwartung der Wiedereinreise des Vaters  im Juni 2007 ein zusätzliches Bett besorgt hat, noch der Umstand, dass  bisher  trotz  Ablauf  der  dreijährigen  Wartefrist  kein  Gesuch  um  Familiennachzug  des  Vaters  gestellt  wurde,  den  Schluss  zu,  der  Vater  halte  sich  nicht  in  Irak  auf,  sondern  in  Syrien.  Der  Beschwerdeführer  selbst  hatte  am  27. April  2005  gegenüber  den  kantonalen  Migrationsbehörden  ausdrücklich  die  Erklärung  abgegeben,  sein  Vater  sei "im  letzten Frühjahr  in den Irak zurückgekehrt"  (vgl. act. A21/5 S. 4).  Auf  dieser  Aussage  hat  er  sich  behaften  zu  lassen,  weshalb  die  im  Rahmen  des  zweiten  Asylverfahrens  vorgebrachte  Erklärung,  der  Vater  habe  sich  nach  Syrien  begeben  und  dort  einen  Kollegen  beauftragt,  in  den  Irak  zu  gehen  und  dort  für  ihn  sein  Wohneigentum  zu  verkaufen,  nicht geglaubt werden kann. Worauf der Beschwerdeführer  seine  in der  persönlichen  Eingabe  geäusserte  Vermutung  stützt,  der  Vater  sei  am  Leben,  wenn  zu  ihm  seit  2007  kein  Kontakt  mehr  bestehen  soll  (vgl.  persönliche Eingabe S. 3), ist nicht nachvollziehbar. Aus den dargelegten  Gründen  ist  mit  dem  BFM  davon  auszugehen,  dass  der  Vater  des  Beschwerdeführers sich im Irak aufhält, was gegen die geltend gemachte  Verfolgung  des  Vaters  und  die  befürchtete  Reflexverfolgung  des  Beschwerdeführers spricht.  5.5. Die  zutreffenden  Ausführungen  des  BFM  zur  Generalamnestie  für  kurdische  Kämpfer  werden  in  der  Beschwerde  ebenso  wenig  widerlegt  wie  die  vorinstanzliche  Argumentation,  die  […]  hätte  sich  nicht  für  den  Beschwerdeführer eingesetzt, wenn sein Vater an Gräueltaten gegen die  kurdische  Bevölkerung  beteiligt  gewesen wäre,  sowie  die  Einschätzung  des Bundesamtes,  der Beschwerdeführer  hätte  in  der  Lage  sein  sollen, 

D­2050/2009 im  ersten  Asylverfahren  die  geltend  gemachten  Übergriffe  glaubhaft  zu  schildern, auch wenn er die Ursache der Probleme verschwiegen haben  sollte.  Als  realitätsfremd  und  daher  unglaubhaft  ist  schliesslich  die  Aussage  zu  bezeichnen,  die  Familie  des  Beschwerdeführers  habe  sich  nach einem Angriff  auf  ihr Haus  im April  1994 bis  zur Ausreise bei den  Grosseltern  mütterlicherseits  versteckt,  welche  den  Angreifern  nicht  bekannt gewesen seien.  5.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht  gelingt,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu machen,  dass  er  im  Zeitpunkt  der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt  war oder begründete Furcht hat, solche Nachteile im Falle der Rückkehr  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  erleiden  zu  müssen.  Das  BFM  hat  sein  zweites  Asylgesuch  demnach  zu  Recht  abgelehnt.  6.   6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  (Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 1999  [AsylV 1, SR 142.311]),  noch über einen Anspruch auf  Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 Nr. 21). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt.  7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer [AuG, SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

D­2050/2009 WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).  7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.  7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  das  Prinzip  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den Nordirak  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Rückkehr  in den Nordirak dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 

D­2050/2009 nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  dem  Beschwerdeführer  unter  Hinweis  auf  die  vorstehenden Erwägungen zur fehlenden asylrechtlichen Relevanz seiner  Vorbringen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation  im  kurdischen  Nordirak  lässt  den  Wegweisungsvollzug  nicht  als  unzulässig  erscheinen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 6.2­6.6  S. 42 ff.).  Der  Vollzug der Wegweisung ist daher sowohl im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren.  7.4.1. Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers  mit  der  Begründung  als  zumutbar  erklärt,  dieser  stamme  aus  einer  der  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya,  in  welchen  keine  Situation  allgemeiner Gewalt  herrsche.  Zudem  sprächen  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  Das  Bundesverwaltungsgericht  habe  mit  Urteil  D­2094/2008  vom  21. Mai  2008 festgestellt, es gebe keine Gründe, die gegen die Zumutbarkeit des  Vollzugs  sprächen,  und  während  der  Anhörung  vom  13. Februar  2009  habe  der  Beschwerdeführer  keine  neuen  Wegweisungsvollzugshindernisse geltend gemacht.  7.4.2.  In  der  Beschwerde  wird  gerügt,  der  angefochtene  Entscheid  befasse  sich  nicht  mit  dem  grössten  Teil  der  bei  einem  Wegweisungsvollzug  zu  prüfenden  Fragen;  die  Begründung  sei  ungenügend  und  verletze  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör.  Im  Einzelnen  wird  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  verfüge  im  Nordirak  über  kein  verwandtschaftliches  Netz.  Seine  Kernfamilie  lebe  in  der  Schweiz;  der  Vater  sei  verschwunden  und  halte  sich  wahrscheinlich  in  Syrien  auf.  D._______,  der  Onkel  mütterlicherseits,  sei  im  Juli  2005  verstorben.  E._______,  ein weiterer Onkel mütterlicherseits,  sei  spurlos  verschwunden  und  nicht  mehr  auffindbar,  wie  auch  die  polizeiliche 

D­2050/2009 Bestätigung  beweise.  Der  Onkel  väterlicherseits,  F._______,  sei  am  18. Mai 2008 in Suleimaniya gestorben, und dessen Ehefrau, G._______,  bereits am 5. Januar 2008. Deren Sohn, H._______, lebe als anerkannter  Flüchtling  in  London  und  habe  in  Syrien  einen  Freund  beauftragt,  die  Totenscheine in Irak zu beschaffen. In der Beschwerde wird beantragt, es  sei  das  gesamte  Belegsmaterial  des  Revisionsgesuches  beizuziehen,  insbesondere  auch  die  Belege  7,  8  und  9.  Weiter  wird  argumentiert,  alleinstehend  und  gesund  zu  sein  reiche  immer  noch  nicht,  um  für  den  eigenen  Unterhalt  selber  zu  sorgen,  da  sich  die  Situation  im  Nordirak  rasch zum Schlechteren wenden könne. Ebenfalls zu berücksichtigen sei,  dass der Beschwerdeführer „keine Bildung absolviert“ habe und über kein  soziales  Netzwerk  verfüge.  Es  erstaune  sehr,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss  gekommen  sei,  ein  junger  und  alleinstehender Mann könne sich in Irak bei einer Inflationsrate von 40%  (2005),  einer  Arbeitslosenquote  von  30  bis  40%  und  einer  Wirtschaftswachstumsrate  von  ­3%  leicht  eine  Existenz  aufbauen.  Dies  sei  auch deshalb  sehr  schwierig, weil  der Beschwerdeführer  über  keine  Grundstücke  verfüge.  Zwar  seien  die  Umstände  in  den  nördlichen  Provinzen verglichen mit dem Rest des Landes relativ stabil, doch bleibe  die  Situation  auch  in  den  nördlichen  Provinzen  unvorhersehbar  und  angespannt. Gemäss einem Bericht  von Human Rights Watch aus dem  Jahr  2007  fänden  auch  im  Norden  weiterhin  schwerwiegende  Menschenrechtsverletzungen  statt.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den Nordirak  sei  vor  dem politischen Hintergrund  seines  Vaters  sowie  aus  individuellen  Gründen  ausgeschlossen  (vgl.  Beschwerde Ziff. III 15.b, c und d S. 10 f.).  8.  8.1. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts herrscht in  den  nordirakischen  Provinzen  Dohuk,  Suleimaniya  und  Erbil  keine  Situation allgemeiner Gewalt, und die politische Lage ist nicht dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückführung  in  diese  Provinzen  generell  als  unzumutbar  betrachtet  werden  müsste.  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  setzt  jedoch voraus,  dass die betreffende Person  ursprünglich  aus  der  Region  stammt  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  hat  und  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über  Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt.  Andernfalls  dürfte  eine  soziale  und wirtschaftliche  Integration  in  die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle  oder  von Wohnraum  weitgehend  von  gesellschaftlichen  und  politischen  Beziehungen  abhängt. Die Anordnung  des Wegweisungsvollzugs  ist  für 

D­2050/2009 alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich  aus der Region  stammen und dort  nach wie  vor über ein  soziales Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen,  in  der  Regel  zumutbar.  Für  alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern sowie für Kranke und  Betagte  ist  dagegen  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  angebracht  (BVGE  2008/5  E. 7.5,  insbesondere  E. 7.5.8  S. 72 f.).  Die  Sicherheitslage  in  den  drei  kurdischen  Provinzen  hat  sich  seit  Publikation  des  erwähnten  Urteils  nicht  verschlechtert.  In  den  Berichten  staatlicher  und  nichtstaatlicher  Organisationen  sowie  des  UN­Sicherheitsrats  wird  denn  auch  eine  insgesamt  stabile  Situation  beschrieben  (vgl.  zur  aktuellen  Lageeinschätzung  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  anderen  die  Urteile  E­4646/2009  vom  28. Dezember  2011  E. 8.3.2,  D­6127/2009  vom  27. Oktober  2011  E.  6.3,  E­ 1804/2008  vom  14. März  2011  E. 6.2.2  mit  weiteren  Hinweisen).  An  dieser  Ausgangslage ändert auch der antragsgemäss erfolgte Beizug der Akten  des  Revisionsverfahrens,  beziehungsweise  die  im  Revisionsverfahren  eingereichten Belege  7,  8  und 9  aus  den  Jahren 2006,  2007 und 2008  nichts, beziehen sich diese doch nicht auf die aktuelle Situation im Irak.  8.1.1. Der heute 33­jährige Beschwerdeführer  ist – soweit aktenkundig –  gesund und alleinstehend und stammt aus Suleimaniya, wo er seit seiner  Geburt bis zur Ausreise  im Jahr 2000, mithin über 20 Jahre  lang, gelebt  hat. Deshalb  ist davon auszugehen, dass er dort nach wie vor über ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügt.  Auch  wenn  er  diese  Kontakte  in  den  vergangenen  Jahren  aufgrund  seiner  Landesabwesenheit  nicht  mehr  gepflegt  haben  dürfte,  sollte  es  ihm  möglich  sein,  bei  einer  Rückkehr  wieder  daran  anzuknüpfen.  Zu  seinem  familiären  beziehungsweise  verwandtschaftlichen  Beziehungsnetz  im  Nordirak  hat  der  Beschwerdeführer im ersten Asylverfahren und in den weiteren Verfahren  widersprüchliche  Angaben  gemacht.  Während  er  anlässlich  der  Befragung (BzP) zur Person am 8. März 2001 noch angegeben hatte, im  Heimatstaat keine Verwandten zu haben (vgl. act. A1/8 S. 2), sagte er an  der Anhörung  vom 24. April  2001,  fünf Onkel  und  eine Tante  lebten  an  seinem Herkunftsort Suleimaniya; die Grosseltern seien verstorben  (vgl.  act.  A7/23  S. 5).  In  der  Beschwerde  vom  31. März  2008  gegen  die  am  3. März  2008  verfügte  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme machte  er  geltend,  er  habe  in  Suleimaniya  kein  tragfähiges  familiäres  Beziehungsnetz,  da  er  zu  seinen  Onkeln  und  der  Tante  seit  Jahren  keinen Kontakt habe und deshalb bei einer allfälligen Rückkehr nicht auf  deren Hilfe werde zählen können.  In einem undatierten Begleitschreiben  zur  vom  26. Februar  2009  datierenden  Stellungnahme  der 

D­2050/2009 Rechtsvertreterin zum Schreiben des BFM vom 17. Februar 2009 halten  der Beschwerdeführer sowie seine Mutter und die vier Geschwister  fest,  der Beschwerdeführer habe im Zeitpunkt der Ausreise aus Irak dort einen  Onkel und eine Tante gehabt, welche seither beide verstorben seien.  In  der Stellungnahme selbst wird ausgeführt, dass "die engere Familie und  auch die weitere Familie  im Irak praktisch verstorben" sei. Auch mit den  drei bereits mit dem Revisionsgesuch vom 19. August 2008 und nun auch  im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Totenscheinen und  der  polizeilichen Vermisstenmeldung  versucht  der  Beschwerdeführer  zu  belegen,  dass  er  im  Nordirak  über  kein  familiäres  und  verwandtschaftliches Beziehungsnetz mehr verfügt.  In den Besitz dieser  Dokumente  will  er  mithilfe  eines  in  London  lebenden  Cousins,  H._______, gekommen sein, welcher nach Syrien geflogen sei, und dort  einen  Freund  mit  der  Beschaffung  der  Totenscheine  seines  Vaters  F._______  (eines  Onkels  väterlicherseits  des  Beschwerdeführers)  und  dessen  Ehefrau  G._______  sowie  eines  Onkels  mütterlicherseits  des  Beschwerdeführers  und  der  Vermisstenanzeige  beauftragt  habe  (vgl.  Beschwerde Ziff.  III 15.a S. 9 und handschriftliches Begleitschreiben des  Beschwerdeführers  zu  den  eingereichten  Dokumenten).  Bereits  im  Revisionsurteil  D­5351/2008  vom  22. September  2008  wurde  diesbezüglich  zum  einen  bemängelt,  dass  der  Beschwerdeführer  das  angebliche  Ableben  von  F._______,  des  einen  Onkels  väterlicherseits,  am  18. Mai  2000  –  mithin  eine  Woche  vor  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  –  anlässlich  der  Anhörung  vom  24. April  2001  nicht  erwähnt hatte, und zum anderen, dass er die Beschaffungsbemühungen  für  die  eingereichten  Beweismittel  nicht  dokumentiert  hatte.  Als  sehr  aussergewöhnlich mutet ferner der Umstand an, wonach E._______, der  zweite  Onkel  mütterlicherseits,  gemäss  der  polizeilichen  Vermisstenmeldung vom 18. März 2004 an diesem Tag, mithin fünf Tage  nach  seiner Eheschliessung,  "verschwunden und nicht mehr auffindbar"  sein  soll.  Entgegen  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Ansicht  kommt  allerdings einer polizeilichen Vermisstenmeldung aus dem Jahre 2004 für  eine  angebliche Verschollenheit  im  Jahr  2009  ohnehin  kein Beweiswert  zu. Auch wenn zwei Onkel sowie die Ehefrau des einen verstorben sein  sollten,  leben  immer  noch  mehrere  Onkel  und  eine  Tante  des  Beschwerdeführers  in Suleimaniya.  Zudem  ist  davon auszugehen,  dass  sowohl  die  verstorbenen  als  auch  die  lebenden  Onkel  und  die  Tante  Ehegatten  und  Kinder  haben,  der  Beschwerdeführer  mithin  über  einige  Cousins und Cousinen verfügen dürfte und es sehr unwahrscheinlich ist,  dass  diese  alle  ausserhalb  des  Heimatlandes  leben.  In  der  Stellungnahme  vom  26. Februar  2009  zum  Schreiben  des  BFM  vom 

D­2050/2009 17. Februar 2009 wird überdies eingeräumt, dass I._______, ein weiterer  Onkel väterlicherseits des Beschwerdeführers, im Jahr 2003 freiwillig aus  der Schweiz  in den Irak zurückgekehrt  ist; die Annahme des BFM, dass  ihm  seine  Frau  und  die  Kinder  gefolgt  sind,  wird  in  der  Stellungnahme  nicht überzeugend widerlegt. Auch wenn die Mutter und vier Geschwister  des Beschwerdeführers in der Schweiz leben und er zu im Irak lebenden  Familienangehörigen  (mit  Ausnahme  wohl  des  Vaters)  in  den  letzten  Jahren keinen Kontakt mehr gehabt haben sollte, kann somit von einem  bestehenden  und  tragfähigen  familiären  Netz  im  Sinne  der  oben  skizzierten Rechtsprechung ausgegangen werden. Dies umso mehr, weil  übereinstimmend mit dem BFM davon auszugehen ist, dass der  im Jahr  2004  freiwillig  ausgereiste  Vater  des  Beschwerdeführers  in  den  Irak  zurückgekehrt ist. Gemäss Angaben der Migrationsbehörde des Kantons  Z._______  hat  der  vorläufig  aufgenommene  Vater  des  Beschwerdeführers  nach  Kriegsende  auf  den  weiteren  Verbleib  in  der  Schweiz verzichtet und diese am 3. April 2004 via die Türkei in Richtung  Irak verlassen (vgl. act. A21/5 S. 5). Der Beschwerdeführer sagte im April  2005  gegenüber  der  kantonalen  Behörde  aus,  dass  sein  Vater  im  Frühling  2004  in  den  Irak  zurückgekehrt  ist  (vgl.  act.  A21/5  S. 4).  Die  Mutter sowie die Geschwister des Beschwerdeführers gaben in ihrem der  Eingabe vom 26. Februar 2009 ans BFM beigelegten Schreiben ebenfalls  an,  der  Ehemann  beziehungsweise  Vater  sei  im  Jahr  2004  in  den  Irak  zurückgekehrt (vgl. act. C18/5 S. 5). Die Aussage, der Beschwerdeführer,  seine  Geschwister  und  die  Mutter  wüssten  nicht,  wo  sich  der  Vater  beziehungsweise Ehemann heute aufhalte,  sind als ebenso unglaubhaft  zurückzuweisen  wie  die  Beteuerungen,  die  Familie  des  Beschwerdeführers habe in den Jahren 2005 und 2006 zwei­ bis dreimal  mit dem Vater telefoniert, das letzte Telefongespräch habe im Jahr 2007  stattgefunden,  und  seither  bestehe  kein  Kontakt  mehr  (vgl.  act.  C18/5  S. 5). Selbst in der Beschwerde (vgl. Ziff. II 9 S. 5) wird eingeräumt, dass  ein völliger Kontaktabbruch zwischen Verwandten eher ungewöhnlich ist.  Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht lässt der Umstand,  dass  bis  heute  kein Gesuch  um  Familiennachzug  beziehungsweise  um  Einbezug des Vaters in die vorläufige Aufnahme der Mutter gestellt wurde  (vgl.  Beschwerde  Ziff.  II  9  S. 5),  nicht  den  Schluss  zu,  dass  der  Vater  nicht im Irak weilen könne, sondern in einem Drittstaat untergetaucht sei  und  keinen Kontakt mehr  zu  seiner  in  der  Schweiz wohnhaften  Familie  habe.  Auch  die  Argumentation  in  der  Stellungnahme  vom  26. Februar  2009  –  die  Tatsache,  dass  die  Familie  im  Jahr  2007  mit  einer  Wiedereinreise  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  gerechnet  und  von  einem Hilfswerk zu diesem Zweck ein zusätzliches Bett erhalten habe, sei 

D­2050/2009 ein  Indiz  dafür,  dass  der  Vater  sich  nicht  im  Irak  aufhalte  –  ist  nicht  plausibel. Aus den dargelegten Gründen ist davon auszugehen, dass der  Beschwerdeführer in Suleimaniya nach wie vor sowohl über ein familiäres  als auch ein soziales Beziehungsnetz verfügt. Neben diesen wird ihm bei  der  Reintegration  in  seinem  Heimatland  auch  seine  13­jährige  Schulbildung  (vgl.  act.  A7/23  S. 6)  zugutekommen.  Allfällige  finanzielle  Engpässe wird er mit der Unterstützung seiner  in der Schweiz  lebenden  und  teilweise eingebürgerten vier Geschwister überbrücken können. Die  Aktenlage  lässt  somit  den  Schluss  zu,  dass  der  Beschwerdeführer  in  sozialer  und  finanzieller Hinsicht  nicht  auf  sich  alleine  gestellt  sein wird  und  keine  konkreten  Anhaltspunkte  bestehen,  die  darauf  hinweisen  würden,  er  geriete  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Suleimaniya  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur in eine existenzbedrohende Situation. Die Rüge, das BFM habe die  Wegweisungsvollzugshindernisse  im  angefochtenen  Entscheid  nicht  genügend geprüft,  ist unbegründet, hat sich die Vorinstanz doch auf das  Urteil  D­2094/2008  vom  21. Mai  2008  gestützt,  in  welchem  die  vollständige  Prüfung  der  Vollzugshindernisse  in  Erwägung 5.3  vorgenommen worden war. Eine Gehörsverletzung liegt somit nicht vor.  8.1.2.  Ein  Anspruch  auf  Einbezug  des  Beschwerdeführers  in  die  vorläufige Aufnahme seiner Mutter kann aus dem die Mutter betreffenden  Arztbericht  vom  8. Juni  2009  nicht  abgeleitet  werden  und  wird  in  der  Beschwerde wohl auch deshalb nicht ausdrücklich geltend gemacht, weil  die Voraussetzungen dafür offensichtlich nicht erfüllt sind.  8.1.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  vor  dem  Hintergrund  der  allgemeinen  Lage  im  Nordirak als auch in individueller Hinsicht nicht als unzumutbar erweist.  8.2.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).  8.3.  Das  BFM  hat  daher  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Die Anordnung der vorläufigen  Aufnahme fällt somit nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 

D­2050/2009 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist daher abzuweisen.  10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  vollumfänglich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). Da jedoch aufgrund der Akten davon auszugehen ist, dass dieser  aktuell keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, demnach als bedürftig im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu erachten ist und die Rechtsbegehren ferner  nicht  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren,  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gutzuheissen.  Demnach  sind keine Verfahrenskosten zu erheben.  (Dispositiv nächste Seite)

D­2050/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter:  Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand:

D-2050/2009 — Bundesverwaltungsgericht 26.01.2012 D-2050/2009 — Swissrulings